Kommst du, wenn ich dich rufe?

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Der Tod Kronprinz Rudolf
31.07.2019
12.10.2019
9
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Heyo, da bin ich wiederXD
Tut mir leid, wenn das mit den Updates ein bisschen dauert, ich hatte einfach zu viel Unikram zu tun in letzter Zeit. *seufz*
Nun ja, diesmal gibt´s weniger Handlung, dafür geht´s jetzt erst mal mit einem kleinen Perspektivenwechsel weiter, da ich nicht immer nur Rudolf zu Wort kommen lassen wollte,  und dachte es sei ganz interessant auch mal einen Einblick in die  Gedankenwelt eines gewissen anderen Charakters zu bekommen (wen mein ich wohl).XD
Viel Spaß beim lesen, und lasst mir bitte Reviews da:D

Die ersten Strahlen der goldenen Morgensonne fielen leuchtenden Pfeilen gleich in Prinz Rudolfs Schlafgemach und tauchten das Zimmer in sanftes Licht. Es konnte nicht später als sechs Uhr morgens sein, denn die Vögel vor dem Fenstern hatten kaum ihre Stimmen erhoben um die neuen Stunden zu begrüßen. Egal ob dieser Tag von Glück und leuchtender Schönheit erhellt oder in Bitterkeit und Blut getränkt sein würde, den Spatzen, Amseln und Drosseln im Garten war es gleich, sie besangen einen Morgen wie den anderen.
Der Kronprinz von Österreich-Ungarn schlief noch immer wie eine Märchengestalt zwischen den zerwühlten Seidenlaken seines Himmelbettes, das Gesicht im Schlaf so unschuldig wie das eines Kindes.
Doch auch wenn der junge Mann sich noch nicht den Weg aus dem Reich seiner Träume zurück in die Wirklichkeit erkämpft hatte, so hatte die Gestalt an seiner Seite sich doch längst erhoben.
Neben dem Prinzen auf der Bettkante saß ein Geschöpf, dem weder Schlaf noch Traum hätte Unschuld vor heucheln könne, dies lag nicht in seiner Natur.
Der Tod hatte sich längst wieder in seine kühle dunkle Kleidung gehüllt, der schwarze Mantel umschloss die schlanke Gestalt, und das goldene Haar, um das ihn jeder Engel beneidet hätte, viel ihm bis auf die Schultern.
Auch die schwarzen Handschuhe waren wieder wie eine zweite Haut über die schlanken Finger gestreift, mit denen ihr Besitzer dem schlafenden Prinzen sanft durch die Haare fuhr.
Eigentlich hatte der Tod nicht vorgehabt so lange zu bleiben.
Er hätte längst verschwinden können, eigentlich hätte er es sogar tun müssen, schließlich hatte selbst er seine Verpflichtungen, aber dennoch schaffte er es nicht sich von dem Jüngling loszureißen. Der Anblick des schlafenden Kronprinzen wirkte eine seltsame Faszination auf ihn aus, was vielleicht daran liegen mochte das man den Schlaf ohne weiteres als kleinen Bruder des Todes bezeichnen konnte, oder möglicherweise auch nur daran, dass er den Jungen an sich so faszinierend fand.
Im Grunde seines Wesens wusste der Tod das dies eine beunruhigende, ja geradezu bedrohliche Entwicklung was, aber es kümmerte ihn im Moment weit aus weniger als es sollte.
Nie zuvor hatte es ein Sterblicher geschafft, ihn der Art in seinen Bann zu ziehen, wie Rudolf. Sicher, Sissi war nahe daran gewesen, aber die Art und Weiße wie diese einst so faszinierende Frau es Stück für Stück geschafft hatte ihr eins so lebendiges, gefühlvolles Herz zu einem kalten, steinernen Abbild seines einstigen Selbst werden zu lassen, hatte sein Interesse an ihr ersticken lassen wie eine Flamme im Regen. Noch dazu kam die Art und Weiße wie sie ihre Kinder behandelt hatte, insbesondere diesen Sohn, der nun so seelenruhig neben ihm schlief. Auch wenn der Tod nicht alle menschlichen Emotionen verstehen konnte, und viele ihm schlichtweg überflüssig erschienen, so hatte er doch im Laufe der Jahre die Beobachtung gemacht, das selbst die meisten Tiere ihre Jungen besser versorgten, als viele Menschen es mit ihren Kindern taten. Die Kaiserin bildete da keine Ausnahme.
Als der Tod Elisabeth auf dem Ball erblickt hatte, war sie ihm wie eine Marionette der früheren Kaiserin erschienen, die wie an Fäden gezogen in einem juwelenbesetztem Kleid über das Paket getanzt war, und so hölzern gelacht hatte, dass es in den Ohren weh tat. Die Jahre der Einsamkeit und des Egoismus mochten ihrer Schönheit keinen Abbruch getan haben, doch ihre Seele hatten sie auf eine Art verfallen lassen, der er nichts abgewinnen konnte. Wenn man eine leuchtende Frühlingsrose pflückte und nach allen Mitteln der Kunst einbalsamierte, blieb ihre Pracht äußerlich erhalten, doch der Duft ging dabei auf ewig verloren.
Ganz anders verhielt es sich mit dem jungen Prinz, der keine Handbreit entfernt von dem leibhaftigem Tod auf der Matratze ruhte, tollkühn oder vielleicht auch nur wahnsinnig genug in seiner Gegenwart so ruhig zu schlafen wie ein Kind.
Dieser Mensch hatte etwas ungemein faszinierendes an sich, etwas das den Tod in seinen Bann schlug. Nicht ein mal er selbst konnte genau benennen was es war, doch irgendetwas an Rudolf machte es ihm unmöglich auch nur den Blick von ihm zu heben, geschweigeden sich zu erheben und zu gehen. Dem Tod war bewusst, dass er im Begriff was sich auf ein gefährliches Spiel einzulassen, wenn er sich weiterhin in der Nähe dieses Sterblichen aufhielt, aber gleichzeitig war ihm klar, dass er seine Gesellschaft nicht meiden wollte.
Nie zuvor hatte der Tod einen Menschen getroffen, in dessen Inneren so viel verschieden Emotionen tobten. Rudolfs Trauer und Melancholie hatten sich wie ein Brandmal seit frühster Kindheit tief in seine Seele eingefressen, und manchmal war sein Wunsch zu sterben und all dem Elend in seinem Leben zu entfliehen so intensiv, dass dessen Morbidität sogar den Tod selbst überraschte. Doch dann wieder gab es da diesen unbändigen Lebenswillen, dieses ungezügelte, lebendige Feuer, dass in Rudolfs Herzen brannte und sich mit aller Kraft gegen die drohende Düsternis und das Ende einer irdischen Existenz stemmte. Es war ganz so, als sei der junge Prinz erfüllt von den Grundsätzen des Lebens selbst.
Faszinierend.
Ein leichtes Lächeln schlich sich auf die Lippen des Todes, als er Rudolf mit einer behanschuhten Hand über die blasse Wange fuhr.
Als Ende allen Lebens war der Tod kein Geschöpf, dass dazu veranlagt war alle menschlichen Emotionen zu empfinden, oder sich länger als notwendig in die Leben der Sterblichen einzumischen, aber dennoch wies er in den letzten Dekaden eine beunruhigende Tendenz dazu auf.
Auch wenn er sich selbst nicht vollkommen sicher war, warum, so wusste der Tod doch eines mit Gewissheit: Er würde Rudolf nicht mehr von der Seite weichen.
Dieser Junge gehörte jetzt ihm.
Auch wenn es ihm eigentlich nicht gestattet war, so musste er sich dennoch eingestehen, dass er den Prinzen mochte. Sehr mochte.
Von seinem faszinierendem Charakter bis hin zu Rudolfs hübschem Äußeren, dessen er sich so wenig bewusst schien, übte alles an ihm eine sowohl geistige als auch körperliche Anziehung auf ihn aus.
Was für ein wahnsinniger Junge, den Tod höchstselbst als Liebhaber zu akzeptieren.
Mit einem leisen Seufzen registrierte der Blonde, dass die Lichtstrahlen der Morgensonne immer heller wurden, und langsam aber sicher seine geliebten, schwarzen Schatten in die Ecken des Raumes zurückdrängten.
Es war an der Zeit für ihn seinen Pflichten nachzugehen.
Doch noch bevor der Tod sich von Rudolfs Bett erhob um sein Gemach zu verlassen, beugte er sich ein letztes mal nach Vorne und drückte dem schlafendem Jüngling einen sachten Kuss auf die Stirn.
„Auf bald, mein kleiner Prinz,“ flüsterte der Blonde, die Lippen dicht an Rudolfs Ohr; „ich muss nun gehen, aber dennoch werde ich nie weit weg sein. Schon bald werden wir uns wiedersehen, uns bis dahin...such mich in den langen, dunklen Schatten mein kleiner Geliebter.“
Eine letzte bedachte Berührung, ein leises Lachen, und der Tod entschwand wieder in die Düsternis, aus der er gekommen war.
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