Crazy for you- Verrückt nach dir

GeschichteDrama, Romanze / P18
Blaise Zabini Draco Malfoy Ginevra Molly "Ginny" Weasley Harry Potter Hermine Granger Ronald "Ron" Weasley
30.07.2019
09.11.2019
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Unsere Beziehung hatte sich innerhalb weniger Stunden verändert.
Der Abend verlief ruhig, wir aßen Pasta, unterhielten uns und gingen schließlich früh zu Bett.
Wir hatten mit dem Feuer gespielt und uns verbrannt. Weder Draco, noch ich waren einfältig genug, nicht aus unseren Fehlern zu lernen.
In den nächsten Tagen entwickelte sich etwas Erwachseneres, Ruhigeres. Es fühlte sich weniger leicht und überschwänglich an. So als wäre die Stichflamme herunter gebrannt und hätte ein sehr viel beständigeres, erträglicheres Feuer zurückzulassen. Es dauerte Tage bis wir es wagten die sinnlichen Küsse, die uns so manche Stunde versüßten zu mehr werden zu lassen. Und selbst dann trauten wir uns nicht die Grenzen des anderen auch nur herauszufordern.
Mein Leben mit ihm, in diesen letzten Ferientagen, war auf erschreckende Weise normal. Seit Jahren gab es keinen Ort mehr, der mir so sehr ein Zuhause war, wie das Appartement in Glasgow.
Draco arbeitete in diesen Tagen bis zur Erschöpfung. Er traf sich mit Vorstandsmitgliedern und Mitarbeitern, bereitete Kündigungen und Personalgespräche vor und ich vermutete, dass er auch den zwielichtigen Geschäften seines Vaters weiter auf der Spur blieb. Dies war jedoch etwas über das er nicht mehr mit mir sprach.
Ich hingegen kümmerte mich weiter ums Auspacken. Das Gästezimmer würde wohl nie ein solches werden, da es bereits jetzt eher einer Bibliothek glich. Obwohl ich mich in der Farbwahl am Rest seiner Einrichtung orientiert hatte, konnte ich nicht bestreiten, dass das Zimmer eine femininere Aura hatte, als der Rest.

Als ich eines Abends von einem Abstecher zu meinen Eltern zurückkam, betrat ich die Wohnung zu den süßen Klängen von Erik Satie. Das Feuer knisterte einladend im Kamin und aus der Küche waberten verlockende Düfte durch den Raum. Mein Blick fiel auf den dünnen Spalt aus Licht, der durch die angelehnte Tür der Bibliothek fiel.
Grinsend legte ich Mantel und Handtasche zur Seite und begann den Reißverschluss meiner Stiefel zu öffnen.

„Schatz,“ rief ich zuckersüß „ich bin zu Hause“.

Wie erwartet drang ein dunkles Kichern aus dem Raum zu meiner linken. Draco erschien mit vor der Brust verschränkten Armen in der Tür und forderte mich mit einem Kopfnicken auf, ihm zu folgen.
Trotz seiner amüsierten Miene beschlichen mich leise Zweifel. Gefiel ihm das Zimmer nicht?

„Hey,“ sagte ich, und legte meine Arme von hinten um ihn. Mein Kuss traf den höchsten Punkt, den ich erreichen konnte, ohne mich auf die Zehenspitzen zu stellen- irgendwo auf Höhe der Schulterblätter.

„Hey. Wie geht’s deiner Mum und deinem Dad?“ Draco drehte sich in meinen Armen und küsste mich kurz und heftig.

„Gut. Mum kann endlich wieder anfangen zu arbeiten. Die Stelle in Dad’s Praxis, von der ich dir erzählt habe, wird voraussichtlich schon eher frei“.

Sein Mund verzog sich zu einem breiten Lächeln und er drehte sich, den Arm um meine Schulter gelegt wieder der Wand zu, die er eben betrachtet hatte.

„Wo hast du diese Bilder gekauft?“ wollte er schließlich wissen.

„Gefallen sie dir nicht? Wir können sie wieder abnehmen“.

„Das habe ich nicht gesagt“.

„Deine Mutter hat doch vorgestern diese Zeitschrift geschickt- Zauberhaftes Heim, oder so ähnlich“.

Seine Miene drückte Verwirrung aus und ich war mir nicht sicher, ob er das Päckchen seiner Mum bereits wieder vergessen, oder aktiv verdrängt hatte. Natürlich bestand auch die Möglichkeit, dass er über ihre Einmischung nicht gerade begeistert war und deshalb so irritiert dreinschaute.
Da ich mich jedoch sofort in die Arbeiten dieses unglaublich talentierten Fotografen hier vor uns verliebt hatte, hoffte ich, dass seine Abneigung nicht so weit ging, dass ich die Bilder tatsächlich abnehmen musste.

„Es ist ein Fotograf, der seine Arbeiten im Augenblick in der Winkelgasse ausstellt“.

„Das sind magische Fotos?“. Die Augen zu Schlitzen verengt beugte er sich etwas nach vorn.

„Ja,“ sagte ich fast ehrfürchtig „Siehst du die Schatten in diesem hier?“ Mit dem Zeigefinger fuhr ich vorsichtig über das Glas. „oder hier? Es scheint fast, als würde eine Brise den Sand nur ganz leicht kräuseln“.

„Du hast recht. Ich starre seit zwanzig Minuten an diese Wand und wäre nicht darauf gekommen, was mich an ihnen so fasziniert,“ sagte Draco und trat noch einen Schritt näher.

„Dann gefallen sie dir?“
Meine kleinlaute Frage ließ ihn in schallendes Gelächter ausbrechen.

„Du solltest doch mittlerweile wissen, dass ich mit Kritik nicht lange hinterm Berg halte. Ich hätte dir längst gesagt, wenn mir etwas nicht passt“.

Erst als ich einen langen Seufzer ausstieß wurde mir klar, dass ich mit angehaltenem Atem auf sein Urteil gewartet hatte.
Ich mochte dieses Zimmer. Angefangen vom flauschigen Teppich unter meinen Füßen, den Reihen zahlloser Bücher, die sich fein säuberlich in ihren dunklen Regalen aneinanderreihten, bis hin zu den schwebenden Lichtern, die mich mit ihrem blauen Glanz immer wieder an Ellin und meine Zeit in Australien erinnerten.

„Was ist das?“ Mein Blick fiel auf einen weißen Schreibtisch neben Draco, den ich nicht dorthin gestellt hatte.

„Du sagtest du bringst ein paar deiner Hausaufgaben mit her. Ich dachte, da du dich hier drin scheinbar sehr wohl fühlst, könntest du hier arbeiten. Nur wenn du das willst“ fügte er rasch hinzu, als ich ihn stumm musterte. „Du kannst auch gern den Tresen benutzen, der Couchtisch eignet sich vermutlich nicht besonders, außer du beherrschst einen Spruch gegen Rückenschmerzen“

„Darco,“ sagte ich streng, um seinem Gebrabbel ein Ende zu bereiten „Danke!“

Er beugt sich grinsend über mich und hielt meine Lippen in einem innigen Kuss gefangen.
Würde ich mich je daran gewöhnen so berührt zu werden? Sein Kuss brachte mein Herz zum Stottern und meine Knie drohten ihren Dienst zu versagen, als er mich enger an sich zog, um den Moment der Süße noch etwas zu verlängern.

„Was hast du mit der Wand da drüben vor?“ sagte Draco schließlich leise, ohne den Blickkontakt zu unterbrechen.

„Hm?“ Sein warmer Atem strich über meine Nase und ich blinzelte hastig.

„Da ist noch Platz für mehr Bücher. Vielleicht möchtest du ein paar deiner eigenen herbringen, falls du ein paar Lieblinge vermisst“.
Mit einem spöttischen Lächeln taxierte er mein Gesicht. Von den geröteten Wangen bis hin zum meinem unkonzentrierten und fragenden Blick schien er alles äußerst amüsant zu finden.
Sein beiläufiger Ton konnte mich jedoch nicht täuschen.

„Du willst, dass ich meine Bücher herbringe?“

Nun war es an mir zu spotten, Mr. Ich- sag- dir- immer- was- ich- denke.
Hastig ruderte er zurück. Er ließ mich los, vergrub mit einem Augenrollen die Hände in den Hosentaschen und ging in Richtung Tür.
„Draco,“

„Schon gut, vergiss es,“ Mit einem Schulterzucken sah er sich zu mir um. „ich dachte nur, da du recht oft hier bist- und hier ist immerhin noch jede Menge Platz“.

„Was ist mit diesem Sportzeugs. Das muss doch auch irgendwo hin,“ sagte ich immer noch lächelnd.

„Das ist eine Hantelbank,“ erwiderte er mit Oberlehrermiene „die hat im Schlafzimmer noch Platz, genau wie die Besen. Und jetzt komm. Daisy hat gekocht und wird stinksauer, wenn wir das verkommen lassen“.

„Malfoy,“ meine Stimme stand in ihrer Schärfe der Professor McGonagalls in nichts nach, als ich ihn abermals am Gehen hinderte. Mit sichtlicher Überwindung drehte er sich erneut zu mir um.
„Wolltest du mich gerade fragen, ob ich hier einziehen will?“

Unbehaglich glitt seine Hand von der Türklinke und er fuhr sich zerstreut durchs Haar.
„Ich hab dich gern hier,“ sagte er mit einem erneuten Schulterzucken. „und im Grunde würde sich nichts ändern, du hast fast jede Nacht hier geschlafen, seit ich eingezogen bin. Aber wenn du deine Sachen lieber bei deinen Eltern hast, ist das auch ok, denke ich“.

„Hmm,“ langsam ging ich auf ihn zu „würdest du mir denn neben dem Bücherregal auch ein Plätzchen in deinem Schrank überlassen?“

Ein Lächeln, wie ich es bei ihm noch nie gesehen habe, breitete sich über seine Züge aus.
„Das ließe sich wohl einrichten. Aber vorher sollten wir essen“.

Daisy übertraf sich an diesem Abend selbst. Wir waren, was das Essen anging, zu dem Schluss gekommen, dass es nicht schaden würde ab und zu ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen. Unsere Kochkünste beschränkten sich auf Nudelgerichte und Sandwiches, was zwar im Grunde ausreichte, jedoch mit der Zeit recht eintönig wurde. Draco entschied daher, das Angebot seiner Mutter anzunehmen und so ließen wir uns nun schon zum zweiten Mal von Daisy bekochen.

„Musst du nochmal ins Büro?“ Ich sah ihn über den Rand meines Weinglases an, das den köstlichsten Elfenwein enthielt, den ich je probiert hatte.

„Nein. Ich dachte wir könnten ein wenig auf der Couch knutschen“.

„Knutschen? Wissen deine Eltern, dass du solch gewöhnliche Wörter kennst?“
Mit ironisch erhobener Braue prostete er mir zu.

„Meine Eltern wissen auch nicht, dass ich solch gewöhnliche Dinge tue. Mutter vermutet es vielleicht“.
Das Ende seiner Bemerkung ging in meinem herzlichen Gelächter beinahe unter. Insgeheim dachte ich, dass es seinen Vater wohl eher schockieren dürfte mit wem er diese Dinge tat, nicht dass er sie tat.

Während unseres zweiten Dates hatte er behauptet ich könne gutes Essen und Bücher auch ganz einfach auf dem Sofa haben. Dieser Abend gab ihm Recht. Und um die Sache perfekt zu machen, ruhte mein Kopf ganz bequem in seinem Schoss, als er mir nach dem Essen ein Kapitel aus Dragonfly in Amber vorlas.

„Hast du schon darüber nachgedacht, was wir den Anderen am Montag erzählen?“ fragte er plötzlich.
Seine Finger glitten wie hypnotisierend durch meine langen Locken.
Ja und nein. Natürlich hatte ich bereits darüber nachgedacht, wie wir uns in der Schule verhalten sollten.
„Ich will mich nicht verstecken,“ sagte ich und betrachtete unsere ineinander verschlungenen Finger.

„Das will ich auch nicht“. Lächelnd berührten seine Lippen zart die meinen. „Es wird seltsam wieder allein zu schlafen“.

„Wenigstens müssen wir nicht befürchten, dass uns Snape für einen Kuss bis zum Mond hext,“ kicherte ich, beim Gedanken an die plötzliche Erinnerung. Draco zog fragend die Stirn kraus.
„Hast du nie die Geschichte von Roger Davis und dem Weihnachtsball gehört?“

„Nein, was hat er getan?“

„Ich weiß nicht wie viel davon wirklich passiert ist, aber nach allem was ich gehört habe hat ihn Snape mit einem Beauxbatons- Mädchen draußen in den Büschen erwischt und ihm einen ziemlichen Schrecken eingejagt“.

Schnaubend setzte er seine Exkursion entlang meiner Wangenknochen fort, ehe er etwas wie „Anfänger“ murmelte.

„Mr. Malfoy,“ rügte ich sanft „du denkst du wärst Roger überlegen?“

„Das denke ich nicht nur, Miss Granger, ich weiß es. Ein Busch ist wohl kaum der Richtige Ort für so etwas“.

Er demonstrierte mir – so etwas- und ich begann inständig zu hoffen, dass er tatsächlich einen Ort kannte, an dem wir ungestört waren.

„Wenn McGonagall mir gestattet die Wochenenden nach Hause zu fahren, erlaubt sie vielleicht, dass du mitkommst,“ sagte Draco schließlich voller Sehnsucht.
Er hatte bei der Schulleiterin darum gebeten für die Wochenenden beurlaubt zu werden, um seinen Geschäften nachgehen zu können.
Seufzend blickte ich in seine stürmischen Augen.

„Ich weiß nicht. Ich befürchte fast, dass sie das hier nicht befürwortet“.

„Wir sind beide erwachsen. Einen Versuch ist es wert. Sie hat für unseren Jahrgang bereits einige Ausnahmen gemacht, immerhin ist es das erste Mal, dass Schüler mit fast 20 noch dort sind“.

***

Der Sonntagabend rückte unaufhaltsam näher und wir standen schließlich, bereits weit nach Einbruch der Dunkelheit, Hand in Hand am Tor, das auf die Ländereien des Schlosses führte. Ich hatte mir bis zuletzt ungläubige und auf unverschämte Weise rügende Blicke eingehandelt, als ich ihm zähneknirschend erklären musste, warum ich erst kurz vor Ende des Abendessens in der Großen Halle erscheinen wollte.

„Wir bekommen nur noch das, was die anderen übrig lassen,“ sagte er immer noch schmollend.

„Fang nicht schon wieder an, Draco. Du hättest ohne weiteres bereit vor einer Stunde ohne mich herkommen können, wenn dir das nicht passt“.

„Pff, und auf die letzte Stunde mit dir verzichten?“

„Tja mein Lieber, Sex oder Essen. Manchmal muss man eben Prioritäten setzten“.

Blitzschnell zog er mich eng an sich und mein Kreischen wurde augenblicklich mit einem heftigen Kuss erstickt.
„Ich bin nicht hungrig,“ sagte er trotzig.

„Lügner“.

Als wir die Eingangshalle erreichten, schienen tatsächlich bereits die meisten unserer Mitschüler in ihren Gemeinschaftsräumen zu sein. Nur noch vereinzeltes Besteckgeklapper drang aus der Großen Halle und die Lichter um uns waren bereits für den Abend gedimmt.

Ich hörte Dracos tiefen Atemzug neben mir, als er meine Hand losließ und die große Eichentür hinter sich schloss. Schweigend schritten wir Seite an Seite durch den weiten Eingangsbereich des Schlosses und blieben kurz vor der Tür zur Großen Halle abermals stehen.

„Das wird seltsam,“ sagte ich mit einem schiefen Grinsen.

„Du eine Gryffindor, ich ein Slytherin,“ bestätigte er mit einem reumütigen Lächeln. „so wird es hier immer sein“.

Ohne ein weiteres Wort, oder einen Blick gingen wir zielstrebig in entgegengesetzte Richtungen, um an unseren Haustischen Platz zu nehmen.
Natürlich bestand das Abendessen nicht aus Resten. Die Hauselfen füllten die Teller und Platten in gewohnter Zuverlässigkeit bis zur letzten Minute nach. Am Tisch der Gryffindors saßen noch etwa zehn Schüler, die meisten davon beeilten sich ihre Mahlzeit zu beenden und ihren Freunden in die Behaglichkeit des Gemeinschaftsraums zu folgen. Nur ganz am Ende schienen drei von ihnen sosehr in eine hitzige Diskussion vertieft zu sein, dass sie die Speisen auf ihren Tellern, ebenso wie die Zeit, scheinbar vergessen hatten. Meine Augen huschten über ihre Köpfte hinweg zu den anderen Tischen, die kaum besser besucht waren, als unserer. Ich erspähte Draco, der gedankenverloren ein Stück Kartoffel auf seiner Gabel balancierte, während er auf etwas blickte, das neben seinem Teller lag. Eine Bewegung zu meiner Rechten ließ mich herumfahren. Einer der Streithähne hatte sich unmerklich zurückgelehnt und seine rechte Hand verharrte über der Tasche in der ich seinen Zauberstab vermutete. Mein Messer fiel scheppernd auf den Teller und ich blickte kurz in die Augen eines Mädchens, das am Tisch der Hufflepuffs fragend den Kopf gehoben hatte. Mit einem unsicheren Lächeln wickelte ich zwei gefüllte Blätterteigröllchen in meine Serviette, erhob mich und stürmte mit gesenktem Blick aus der Halle. Etwa auf halber Höhe, der Marmortreppe blieb ich kopfschüttelnd stehen. Erst jetzt beschleunigte sich mein Herzschlag und ich spürte die Schweißperlen, die sich in meinen Handflächen sammelten. Wann war es soweit gekommen, dass ich bereits davonlief, ehe mein Gehirn die Angst überhaupt registrierte? Es war albern und unnötig. Die Situation war zu jeder Zeit überschaubar gewesen. Es waren schließlich nur drei Viertklässler- zum Teufel nochmal. Hogwarts ging mir unter die Haut. Verärgert, über meinen Mangel an Urteilsvermögen, erklomm ich die Stufen zum Gryffindorturm während ich an den Resten meines Abendessens knabberte.  

Die Ereignisse des Abends begleiteten mich bis in meine Träume. Ich lief und lief über die kalten, grauen Steine eines Flussbettes, das mich nirgendwohin führen würde. Ich war mir dessen bewusst. Und genau das frustrierte mich, bis ich stolpernd und schluchzend den Wahnsinn akzeptierte, der mich einzuholen drohte.

„Hermione?“
Ich war mir nicht sicher, ob mich Sarahs eindringliches Flüstern aus dem Bett neben mir, oder mein eigenes Wimmern geweckt hatte, als ich schließlich aufschreckte.

„Ich hab nur geträumt, schlaf weiter,“ sagte ich rasch in der Hoffnung nicht noch mehr Aufmerksamkeit zu erregen.
Es konnte noch nicht einmal annähernd Morgen sein, dem silbernen Licht des Mondes nach zu urteilen, den ich durch einen Spalt in meinen Vorhängen ausmachen konnte. Um mich abzulenken, zog ich den aufgeschlagenen Roman unter meinem Kopfkissen hervor, den ich vor wenigen Stunden dort verstaut hatte und begann im Schein meines Zauberstabs zu lesen bis mir erneut die Augen zufielen.

Sehr zu meinem Ärger verschaffte mir die nächtliche Unterbrechung einen ausgesprochen stressigen Morgen. Ich erwachte in einem lichtdurchfluteten, leeren Schlafsaal und erkannte nach einem Blick auf meine Uhr, dass ich es mit viel Glück pünktlich zur ersten Stunde Zauberkunst schaffen konnte- an ein Frühstück war jedoch nicht mehr zu denken.
Im Eiltempo zog ich mich an, band meine widerspenstigen Locken zu einem Pferdeschwanz und schlang mir die Büchertasche über die Schulter. Ich polterte die Wendeltreppe hinunter, ignorierte den empörten Tadel der fetten Dame, als ich durch das Portraitloch sprang und sprintete durch die Korridore.
Wäre die geheime Treppe im fünften Stock nicht gewesen, hätte ich es nicht mehr rechtzeitig geschafft. So jedoch übersprang ich mit einem Satz die Trickstufe im unteren Drittel und zog den Wandbehang, der den Ausgang verdeckte unwirsch zur Seite, ehe mich etwas Solides etwa in der Höhe meines Magens bremste und mir den Atem aus den Lungen presste.
Es war ein ausgestreckter Arm, der mich blitzschnell festhielt, ehe ich von der Wucht des Aufpralls nach hinten kippte.

„Hoppla,“ sagte Dracos Stimme nahe an meinem Ohr, als er mich zurück auf die Beine stellte.

Ich erholte mich nur langsam von meinem Schreck und begann erst meine Umgebung richtig wahrzunehmen, als sich Sophies Arme fest um meinen Hals schlossen. Sie konnte kaum stillstehen, und hopste aufgeregt auf und ab, während sie mich umarmte.

„Du glaubst nicht, was in den Ferien passiert ist- Ich hab eine Zusage bekommen, Hermione, kannst du dir das vorstellen. Ich werde Heilerin. Dieses Jahr wird mein Jahr, glaub mir“.
Lachend schlang ich nun ebenfalls die Arme um sie und versicherte ihr ein ums andere Mal, dass ich ihr glaubte.

„Wie waren deine Ferien?“ wollte sie schließlich strahlend wissen, als wir uns voneinander trennten.

„Ähm-“ Mein Blick wanderte zu den beiden großen Gestalten neben uns. Blaise schien sich nicht sicher zu sein, was er von diesem Ausbruch mädchenhaften Entzückens halten sollte und Draco musterte mich mit amüsiert erhobener Augenbraue, sichtlich an meiner Antwort interessiert.
„Gut. Meine Ferien waren, um ehrlich zu sein, ziemlich gut“.

„Ok Leute,“ Blaise richtete einen strengen Blick auf uns „können wir uns darauf einigen, dass wir alle froh sind Hermione zu sehen- aber Flitwick wird ziemlich ungemütlich, wenn wir uns nicht endlich in dieses Klassenzimmer begeben“.

Damit drehte er auf dem Absatz um und führte uns schnellen Schrittes die letzten Meter den Gang entlang und in das Klassenzimmer für Zauberkunst, das bereits zum Großteil gefüllt war.
Den Blick stur nach vorn gerichtet, ließ sich Draco auf dem freien Stuhl zu meiner linken nieder. Seine Augen funkelten immer noch amüsiert und ich sah, wie seine Mundwinkel zuckten, als er meinen Blick bemerkte.
Die Aufgabe an diesem Morgen ließ uns nicht viel Zeit für verstohlene Blicke. Professor Flitwick begann mit einer kurzen Einführung in die Kunst der Wettermagie und überwachte unsere Versuche eine kleine Kumuluswolke aus einem Glas Wasser zu erschaffen.

Bald schon sah man in jeder Reihe verzweifelte Gesichter. Die perfekte Balance aus Temperatur und Schwung, der richtigen Zauberformel und dem optimalen Zeitpunkt zu finden, ließ nicht nur mir die Haare zu Berge stehen. Draco hatte längst seinen Umhang abgelegt und starrte konzentriert auf sein Wasserglas, in dem ein kleiner Tornado zu wüten schien. Die Temperaturen im Raum schwankten innerhalb weniger Sekunden von knapp über Null zu schweißtreibender, tropischer Hitze und keiner von uns war besonders traurig, als Flitwick nach einiger Zeit in die Hände klatschte, unsere Wassergläser einsammelte und uns bat die Hausaufgaben von der Tafel abzuschreiben.

„Wieso fangen wir jetzt noch mit so etwas an?“ sagte Blaise aufgebracht und fuhr sich durch die schweißfeuchten Haare. „Es sind nur noch ein paar Wochen bis zu den Prüfungen. Reicht es nicht, dass wir den Stoff aus sieben Jahren wiederholen? Für diesen Wetterzauber brauch ich nochmal sieben Jahre“.
Seine Verzweiflung war ansteckend. Auf dem Weg zum Klassenzimmer für Verteidigung gegen die dunklen Künste herrschte betretenes Schweigen, als wir im Geiste bereits das Arbeitspensum für die nächsten Abende abschätzten. Meine Gedanken schwirrten immer noch um Temperaturen und Strömungen, als sich plötzliche Gänsehaut über meinen Arm ausbreitete.
Dracos Finger berührten die meinen nur für den Bruchteil einer Sekunde, doch das Kribbeln meiner Haut, das sich von den Fingerspitzen her ausbreitete, begleitete mich auch Minuten später noch. Den ganzen Tag über neckten mich seine beiläufigen Blicke und zufälligen Berührungen. Sehr zu meinem Vergnügen beobachtete ich jedoch, dass auch er nicht immun gegen ihren Effekt war und bereits vor Ende des Unterrichts etwas frustriert schien. Der Tag schlich dahin und wir beide sehnten uns nach der Vertrautheit unserer Berührungen, mehr noch vielleicht nach den Gesprächen, die in den letzten Tagen zur Normalität geworden waren.

Normalerweise trafen wir uns etwa eine Stunde nach Ende des Unterrichts in der Bücherei um mit den Hausaufgaben zu beginnen und einen Teil des Wiederholungsstoffes durchzusehen. Als wir die Gewächshäuser an diesem Nachmittag hinter uns ließen, entschied ich jedoch gleich mit der Arbeit zu beginnen. Ich war unruhig, einerseits übermüdet und andererseits unfähig länger als einige Minuten still zu sitzen. Während Sophie und die Jungs in Richtung der Gemeinschaftsräume verschwanden um sich umzuziehen, erklomm ich die Stufen zum dritten Stock und legte meine Tasche auf einem der hinteren Tische ab, ehe ich durch die Reihen schritt um nach einem Buch zu suchen, das meinen Geist für einige Zeit fesselte. Mit zwei Büchern und einer Zeitschrift beladen umrundete ich das Regal, das unseren Tisch von den anderen abgrenzte.

„Ich dachte mir schon, dass ich dich hier finde,“ erklang Dracos Stimme, als mein Blick lächelnd von seinem achtlos über einen Stuhl geworfenen Rucksack zu seiner langen Gestalt am Fenster glitt.

„Ich frage mich, ob wir uns nicht nach einem Spezialisten umsehen sollten, der sich mit deinem Hang Andere zu verfolgen auskennt,“ sagte ich in spielerischem Ernst. „ich befürchte das dieses Hobby etwas aus dem Ruder gerät“.

„Ein Spezialist?“ fragte Draco mit erhobener Braue und zog mich schwungvoll an sich. „du meinst einen dieser Muggelärzte die dafür bezahlt werden, sich die Träume anderer anzuhören?“

„Mmhm“. Mein Blick heftete sich wie gebannt auf sein breites Schmunzeln und ich ließ mich widerstandslos drehen, sodass ich mit dem Rücken zur Fensterbank stand.

„Ich könnte ihm eine ganze Menge interessanter Dinge erzählen,“ überlegte er, während seine Finger langsam an meiner Wirbelsäule entlang glitten.

„Oh ja. Ein Psychiater würde sich an dir ein goldenes Näschen verdienen“.

Er lachte leise.
„Nach dem heutigen Tag bestimmt“.

„Und wessen Schuld ist das, bitte,“ flüsterte ich vorwurfsvoll, während sich seine Stirn langsam an die meine legte.

„Ich dachte es könnte vielleicht klappen“. Seine Stirn runzelte sich und ich begann mich zu fragen, ob er mich aus einem perfiden Grund hinhielt, der mir im Augenblick nicht ersichtlich war.

„Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich froh sein soll, dass du mich scheinbar nicht grundlos quälst. Wärst du so nett mir zu sagen, was dieses Spielchen sollte“. Mein Ton war schärfer, als beabsichtigt und ich sah wie sich seine Augen überrascht weiteten.

„Ich war mir nicht sicher, ob wir das hier,“ er nahm mein Gesicht in beide Hände und grinste mich schief an, „öffentlich machen sollten. Sie werden sich die Mäuler über uns zerreißen“.

„Und jetzt bist du dir sicher?“

„Ich bin mir sicher, dass mich ein weiterer Tag, wie dieser, zumindest meine guten Noten, wenn nicht gar meinen Verstand kostet“.

„Gut,“ sagte ich geradeheraus und blickte ihn kampflustig an. „dann hör jetzt endlich auf zu reden und küss mich, Malfoy“.

Ich hörte ein dunkles Grollen, das tief in seiner Brust erklang, ehe er meiner Forderung gründlich nachkam. Ohne sich von mir zu lösen hob er mich auf den Fenstersims und drängte sich näher an mich. So abgeschirmt von den neugierigen Blicken zufälliger Störenfriede schlang ich meine Beine um seine Hüften und vergrub die Finger in seinem unordentlichen Haarschopf.
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