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How to change a Hunter

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / Het
Hicks der Hüne Mala OC (Own Character) Reiker Grimborn Trok Viggo Grimborn
30.07.2019
11.06.2021
27
80.918
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11.06.2021 3.496
 
Moinsens meine drachenbegeisterten Freunde ^^

Ich weiß, ich weiß. Das letzte Update ist erst zwei Tage her. Aber was soll ich sagen, mein Schulstress ist endlich vorüber *_*

Ich habe endlich mein Abitur in der Tasche und bevor ich das Zeugnis entgegennehme wollte ich hier zur Feier des Tages noch ein Kapitel hochladen ^^

Außerdem wollte ich anmerken, dass sich der erste Teil der How to-Reihe dem Ende zuneigt. Hier wird es noch bis Kapitel 30 gehen und dann folgt auch bald schon Teil zwei ^^

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen dieses Kapitels. Ich hoffe es gefällt euch ^^

Liebe Grüße,
Tori ^^

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Als sie erneut aus ihrem Schlaf erwachte war Daje überrascht weiterhin Trok neben sich vorzufinden. Doch ein Bild überraschte sie besonders. Trok war der typische Krieger. Heroisch und Kampferfahren mit dem Bestreben seine Liebsten mit allen Mitteln zu beschützen.
Doch nun saß er da an genau der selbe Stelle, auf welcher er bei ihrem letzten Erwachen auch gesessen hatte, tiefenentspannt und anscheinend nicht mal mit dem kleinsten Anzeichen von Müdigkeit. Doch Daje kannte Trok lange genug um zu erkennen, wann er so tat als ob. Es war die Art und Weise, wie er sich an der Rückenlehne des Stuhles lehnte und das Buch hielt, in welchem er gerade laß. Und es war definitiv eines von ihren Büchern, den Trok laß bloß dann wenn es wirklich nötig war. Er war durchaus ein guter Leser, doch sein tatsächliches Können lag im Kampfgeschehen.
Und in seinem Beschützerkomplex.
Mit einem Seufzen streckte Daje sich, ehe sie sich aufrichtete und sich - nach wie vor müde -  durch die langen Haare strich. Trok sah kurz auf und wollte sich wieder dem geschriebenen Wort zuwenden, als in seinem verschlafenen Verstand ankam, dass Daje wach war.
Wirklich wach war.
Schneller als die gerade erst Erwachte es mit ihren Augen verfolgen konnte schlug Trok das Buch zu und setzte sich zu ihr an die Bettkante, nur um zärtlich ihre Hand zu ergreifen. So zärtlich, wie er es ihr gegenüber immer getan hatte. Und obwohl Daje noch verschlafen war, ihr Herz begann dennoch schneller zu schlagen.

»Wie hast du geschlafen?«, fragte Trok sie leise und strich ihr eine unordentliche Haarsträhne hinter das Ohr.

Ein kleines Lächeln stahl sich auf ihre Lippen: »So wie die letzten Male auch, in denen ich wach geworden bin. Traumlos, aber ruhig. Wann hast du geschlafen?«

»Im Moment unwichtig«, erwiderte Trok, worauf Daje ihre andere Hand auf Troks legte, um sie ganz und gar zu umschließen, während sie den Kopf schüttelte.

»Du und dein verfluchter Stolz«, entkam es Daje besorgt, »Ist das so ein Männerding? Sich bloß nicht anmerken lassen, wenn man müde ist?«

Trok lachte kurz nervös: »Kann schon sein«

Anschließend verließ ein verräterisches Gähnen seine Kehle, weswegen Daje ihm vorsichtig - fast schon scheu - eine Hand auf die Wange legte. Die Haut dort fühlte sich rau an, so wie sie es erwartet hatte. Doch es war keine unangenehme Rauheit. Nicht so wie bei … dem Erzeuger ihres Sohnes. Daje konnte einfach nicht an den Namen dieser Person denken. Sie wollte ihn auch nicht denken.
Doch bei Trok war es so anders. Sie konnte es nicht beschreiben. Langsam begann sie mit dem Daumen immer wieder über dieselbe Stelle zu streichen, was Trok sichtlich entspannte und seine Augenlider flattern ließ.

»Legst du dich zu mir?«, fragte Daje mit einem seltsamen Hoffnungsschimmer in ihrer Stimme.

Seine Zunge lag schwer, als er ihr antwortete. Es klang ein wenig, als ob er zu tief in den Metkrug geschaut hätte. Dabei trank Trok nicht einmal Met oder Wein, jedenfalls nicht außerhalb eines besonderen Anlasses.

»Sicher das du das willst?«, fragte er träge und begann - bei genauerem Hinsehen - hin und her zu schwanken.

»Du bist müde«, erwiderte sie leise, »Und ich vertraue dir, dass solltest du mittlerweile wissen«

»Ja«, entkam es Trok schuldbewusst, »Es ist nur...ich bin ein Mann...Ich will dich nicht verletzen«

»Ich vertraue dir«, wiederholte Daje Worte erneut, »Darf ich es dir beweisen?«

Trok zog angestrengt seine Augenbrauen zusammen, während er Daje mit einem müden, aber dennoch fragenden Glanz in den Augen musterte. Und auch wenn er skeptisch war, so nickte er dennoch und beobachtete wie sie ihm zögerlich näher kam. Ihre Hand lag noch immer auf seiner Wange. Plötzlich spürte sie seinen warmen Atem auf ihrem Gesicht. Trok stieß seinen Atem nicht in harten Stößen aus, sondern flüssig und sanft, dass es wie eine Art streicheln war.
Ein zögerliches Gefühl von Geborgenheit durchflutete langsam aber sicher ihren Körper, als Tränen plötzlich in ihren Augen schwammen.

»Er hat mir so viel geraubt«, hauchte sie schließlich und umschloss ihre andere Hand fester um Troks.

Dieser erwiderte den Druck sofort, sprach aus Instinkt wiederum nicht, sondern wartete bis Daje fortfuhr. Und das tat sie schließlich auch.

»Er hat mir das erste körperliche beisammensein geraubt. Mein Kind. Aber es gibt eine Sache, die er mir damals nicht genommen hat«

»Und was?«, fragte Trok nun ehrlich neugierig.

Daje blinzelte die Tränen fort, zumindest versuchte sie es. Ihre Unterlippe begann langsam zu beben, während sie Trok in die Augen sah. Er hatte schöne Augen, wie sie erneut feststellte. So voller Liebe und Leben.

»Daje?«

»Das sollte ich nicht...«, begann sie zögerlich, »Es wäre...«

Sie schwieg, als Trok ihr ebenfalls eine Hand an die Wange legte, in welche sie sich hinein schmiegte. Und so saßen sie dort eine Weile. Schweigend, einander die Hand haltend und die Wange des jeweils anderen berührend. Es war ein schöner Moment, obwohl sie beide müde waren. Trok, weil er in den vergangenen Nächten nur maximal ein paar Stunden geschlafen hatte. Und Daje, weil sie emotional einfach völlig ausgelaugt war.

»Sag mir was es ist«, flüsterte Trok, »Ich will dir helfen«

»Du willst mir nicht auf diese Weise helfen«, flüsterte Daje zurück und schniefte kurz, »Glaub mir«

»Aber ich liebe dich«

Dajes Herz setzte einige Schläge aus. Erst einen, dann noch einen und dann atmete sie überrascht tief ein, nicht wissend das sie den Atem angehalten hatte.

»Was?«, hauchte sie atemlos und zauberte Trok damit ein Lächeln auf das Gesicht.

»Ich zeige es dir«

Damit beugte er sich langsam vor und legte vorsichtig seine Lippen auf ihre. Daje spannte sich zunächst an, doch Trok verschreckte dies nicht im geringsten.  Seine Hand war weiterhin auf ihrer Wange, ebenso wie ihre an seiner. Außerdem hielten sie einander noch immer die Hand, wo Trok nun begann ihren Handrücken sanft zu streicheln. Und dann schaffte Daje es sich fallen zu lassen.
Sie entspannte sich und beugte sich ein wenig weiter vor, um ihren ersten Kuss zu genießen. Troks Hand wanderte von ihrer Wange in ihren Nacken, weiterhin so zärtlich wie er es immer zu ihr war. Ihre eigene Hand fuhr von seiner Wange über seinen Hals bis hin zu seiner Brust, wo sie seinen Herzschlag ganz deutlich spüren konnte.
Auch wenn sich der Moment wie eine Ewigkeit anfühlte, so konnte er bloß wenige Augenblicke gedauert haben. Doch das war nach vergangener Nacht der schönste Moment in ihrem bisherigen Leben.
Sie lehnten ihre Stirn an die des jeweils anderen, als Trok ein Gähnen verzweifelt zu unterdrücken versuchte. Als er schließlich scheiterte lächelte Daje milde und bat ihn erneut darum sich hinzulegen.

»Dann geh ich jetzt wohl besser«, flüsterte er an ihre Stirn, doch Daje schüttelte schnell den Kopf.

»Nein, bitte bleib. Ich vertraue dir«, entkam es ihr leise, als sie sich wieder hinlegte und ihn einfach nur anblickte.

Trok erwiderte ihren Blick und seufzte geschlagen. Mit einem kleinen Lächeln ließ er sein Kinn auf die Brust fallen und nickte, ehe er sich erhob und sich der Sachen entledigte, die störend waren oder mit denen er Daje verletzen könnte.
Schwert, Panzerung, Gürtel und Waffenrock. Als letztes entledigte er sich seiner Stiefel und legte sich zu ihr unter die Decke. Das Bett war schmal, weshalb sie nahe beieinander lagen. Doch Daje fühlte sich wohl in Troks nähe.

»Ich dich auch«, sagte sie schließlich und gähnte ebenfalls, als sie ihren Kopf zaghaft auf seine Brust legte.

Vorsichtig schlang Trok einen Arm um sie und küsste sie liebevoll auf ihre Stirn, während er nicht anders konnte als zu lächeln. Als er Daje ins Gesicht blickte hatte sie die Augen bereits geschlossen, was Trok als Beweis dafür hinnahm wie sehr sie ihm eigentlich vertraute. Täte sie es nicht, dann wäre sie in seiner Nähe nicht immer wieder eingeschlafen und sie würde ihn schon gar nicht berühren.
Mit einem weiteren Gähnen schloss Trok seinerseits die Augen und schlief ein, während die Sonne munter am Himmel schien und er die Frau in den Armen hielt, die er liebte, seit er sie kannte.



Una und Hanna hatten ausgemacht, dass Hanna sich alle drei Tage bei der Hebamme blicken lassen würde, nachdem sie durch die anfängliche Aufregung einfach in sich zusammengeklappt war und somit den Tod ihres Kindes und auch ihren eigenen riskiert hatte. Das war auch der einzige Grund, wieso Mala nun alleine mit Viggo in dem Zimmer war. Hanna hatte sich verabschiedet, kurz nachdem Mala von ihrem Gespräch mit Raffnuss und Taffnuss wiedergekehrt war.
Mala hatte es sich wieder auf dem Stuhl gemütlich gemacht, auf welchem sie an diesem Tag schon einmal gesessen hatte. Ihre Beine hatte sie dabei an ihre Brust gezogen, während ihr Kinn auf ihren Knien ruhte. Die Arme hatte sie um die Beine geschlungen und ihre Augen beobachteten Viggo genau.
Er atmete ruhig, genauso wie er es tun solle. Mala gab zu, dass Viggo durchaus ein attraktiver Mann war, obwohl die kränkliche Blässe diese Attraktivität im Moment reduzierte. Doch er hatte eine Menge Blut verloren und musste sich noch immer davon erholen, zumal sein Körper noch immer gegen die Wunde kämpfte. Mala hoffte inständig, dass es zu keiner Wundinfektion käme. In keinster Weise wollte sie ihm unterstellen, dass er schwach wäre, doch auch noch gegen Fieber anzukämpfen würde er gewiss nicht schaffen. Dafür war sein Körper noch zu geschwächt.
Mit einem frustrierten Seufzen ließ die Königin ihren Kopf in den Nacken fallen und dachte erneut über die Worte der Thorston Zwillinge nach. Sie sollten einfach miteinander reden. Herausfinden, was Unterschiede und Gemeinsamkeiten waren. Mala versuchte dabei immer wieder den sofortigen Unterschied zu verbannen. Doch alte Gewohnheiten wurde man nur schwer los, wie Hanna vor ihrem Aufbruch gesagt hatte. Dennoch sollte das nicht das erste sein, was Viggo von ihr zu hören bekam.
Als sie schließlich nervös mit ihren Beinen zu zappeln begann erhob sie sich rasant und begann energisch auf und ab zu wandern, während sie sich immer wieder durch die Haare fuhr und die Strähnen weiter zerzauste. Ihr Herz pochte so stark das ihr übel wurde, wenn sie daran dachte, dass Viggo jederzeit aufwachen könnte und sie alleine mit ihm wäre. Mala hatte die Hoffnung gehegt, dass Hanna wieder bei ihr wäre, sollte er seine Augen öffnen.
Doch ein angestrengtes Seufzen und das Rascheln der Decke sagten etwas anderes. Die Ahnen wollten sie testen. Da sie noch mit dem Rücken zu ihm stand drehte sie sich schnell herum und erkannte, wie Viggo versuchte sich aufzusetzen. Es dauerte einige Anläufe, doch nach einiger Zeit saß er tatsächlich im Bett, wenn auch gefährlich weit vorgebeugt, weswegen Mala die Sorge überkam, er könnte entweder nach vorne oder aber zur Seite kippen und auf den Boden fallen.
Am liebsten würde Mala einfach hinter ihm stehen bleiben, doch sie wusste das sie ihm nicht Ewig aus dem Weg gehen konnte. Irgendwann müssten sie miteinander sprechen und Dinge klären, zu denen sie eigentlich noch nicht bereit war. Stumm griff sie nach einem Becher und füllte diesen mit Wasser, während sie gleichzeitig beobachtete, wie Viggo sich umsah. Möglicherweise suchte er nach Hanna.

»Sie ist im Moment nicht hier«, sagte sie leise und erschrak ihn damit, da er heftig zusammenzuckte. Er hatte scheinbar nicht mit einer Person hinter ihm gerechnet. »Aber ich bin mir sicher, dass Hanna bald wieder hier sein wird«

Als Mala wieder zu Viggo stieß und ihm zum ersten Mal seit vorheriger Nacht wieder ins Gesicht sah, hatte sie eigentlich erwartet eine Miene vorzufinden, welche Sören und Ryker ähneln würde. Sie hatte erwartet, dass seine Augen voller Zorn, Abscheu, Aggression und Mordlust wären. Doch so hätte er Hannas Herz niemals für sich gewinnen können rief Mala sich in Erinnerung. Jedoch hätte einer der ihr in den Kopf kommenden Ausdrücke es wohl einfacher gemacht.
Doch stattdessen waren seine braunen Augen mit Wärme, Sorge und Angst gefüllt. Ausdrücke, welche nicht so recht in diesen Körperbau passen wollten. Und wieder muss Mala sich in Erinnerung rufen, dass Männer auch nur Menschen waren. Trok war von einer ähnlichen Statur und er konnte auch einen sehr liebevollen Ausdruck in den Augen haben.

»Wo ist sie?«, fragte er leise und blickte zu Mala auf und plötzlich konnte sie sich sehr gut vorstellen, wie er als kleiner Junge gewesen war.

Dajes Erzählungen kamen ihr in den Sinn, als sie berichtet hatte, dass er immer zum Kämpfen gezwungen wurde, obwohl er es nie wollte. Dieser Ausdruck in seinen Augen ließ Mala erkennen, dass Daje die Wahrheit gesagt hatte. Ob Viggo wusste, dass er noch Eigenschaften seiner Kindheit in sich trug?

»Bei Una, unserer Hebamme«, beantwortete Mala ihm seine Frage leise und reichte ihm den Becher Wasser und obwohl er diesen nicht einmal skeptisch angeblickt hatte erklärte sie sich sofort, »Keine Sorge. Ist bloß Wasser. Hanna würde mich töten, würde dir etwas zustoßen«

Mit einem Nicken nahm Viggo ihr leise dankend den Becher ab und nahm kleine Schlücke vom Wasser, während Mala sich wieder hinsetzte und Viggo dabei beobachtete.

»Wie geht es dir?«, fragte Mala schließlich.

»Es brennt ein wenig, aber ich nehme an sonst besser«, erwiderte er, »Ich sollte Euch die selbe Frage stellen. Ich meine...«

Mala unterbrach ihn sofort, indem sie ihre Hand hob. Sie wusste genau was er sagen wollte. Es war wohl nur ironisch, dass er diesen größten Unterschied zwischen ihnen ansprach den es gab, obwohl er noch nicht wusste, dass sie Geschwister waren. Mala war nur überrascht, dass er tatsächlich sofort schwieg. Aber sie war auch dankbar darum. Sie wollte diese nächsten Worte nicht hören.

»Bitte sag es nicht«, flehte sie ihn beinahe schon an, weswegen er sie mit fragender Miene anblickte.

»Ich verstehe nicht«

»Das wirst du«, erwiderte sie schüchtern, »Und lass die Höflichkeitsfloskeln. Das habe ich deiner Gefährtin auch sagen müssen. In der Familie tut man sowas nicht«

Sie hätte sich am liebsten sofort die Hand vor den Mund geschlagen, als ihr klar wurde was sie da eben gesagt hatte. Soeben hatte Mala ihm mitgeteilt, dass sie in einem verwandtschaftlichen Verhältnis standen. Als ihr das klar wurde konnte sie den Mann ihr gegenüber bloß aus großen Augen anstarren. Äußerlich wollten sie wirklich gar nichts miteinander gemein haben.
Ihre Haare waren blond, seine waren dunkelbraun.
Ihre Augen waren grün, seine Augen waren ebenfalls dunkelbraun.
Ihre Statur war durchaus schmal und zierlich, er war muskulös und dadurch breiter.
Ob er ihr also wirklich glauben würde?
Als Viggo noch immer nicht sprach fuhr Mala einfach fort.

»An was kannst du dich erinnern, als ihr am Strand wart?«, fragte Mala zögerlich nach und Viggo schien angestrengt nachdenken zu müssen.

»Da waren Sören und Ryker«, begann er, »Ryker hatte Hanna im Visier. Er hatte bloß darauf gewartet, dass Sören ihm erlaubte loszulassen. Ich konnte nicht zulassen, dass sie wegen mir stirbt. Ich habe plötzlich vor ihr gestanden und habe den Pfeil abgefangen, der ihr galt. Danach ist alles verschwommen. Ich hatte dann nur noch auf Hanna geachtet«

»Du erinnerst dich daran, dass Daje am Strand war?«

Sie vermieden es beide vehement die Begriffe „deine Schwester“ oder „deine Mutter“ zu verwenden, vor allem da Viggo nach wie vor erst verarbeiten musste, welche Rolle sie eigentlich in seiner Kindheit gespielt hatte und welche ihr zugestanden hätte.

»Ich habe in einem Traum oder einer Erinnerung ihren Schrei gehört«, beantwortete er ihre Frage, »Ich dachte es war bloß eine Halluzination. Hanna sagte, dass sie wirklich dort war«

»Und danach?«

Viggo sah sie fragend an: »Wie danach? Ist noch mehr vorgefallen?«

»Bedauerlicherweise«, entkam es Mala und sie spürte, wie sich die Tränen an die Oberfläche kämpften.

Nur wusste sie nicht um welche Art von Tränen es sich handelte. Waren es welche der Trauer? Oder Aufgewühltheit? Schlechtes Gewissen? Jedenfalls war im Moment keine Freude in ihr, soviel wusste Mala mit Sicherheit.

»Hättest du gerne eine Schwester?«, fragte Mala und registrierte, dass sie Viggo mit ihren mehr wie sprunghaften Fragen immer mehr verwirrte.

»Ich verstehe die Frage nicht«, sagte er, doch Mala erkannte in seinen Augen einen Glanz der ihr zeigte, dass er wenigstens eine Vermutung hatte.

Es war grausam, wo sie beide gerade durch mussten. Erst gestern Nacht hatte er Daje wieder gesehen und die grausame Wahrheit über seine Familie erfahren und nun kam Mala und bohrte weiter mit Phänomenen, welche wohl in jedem Augenblick für ihn ebenso alles erschüttern würden, wie es bei ihr der Fall gewesen war.

»Hättest du gerne … verdammt, wieso ist das nur so schwer?«, fluchte sie und spürte, wie ihr eine Träne über die Wange rollte.

Und während sie Viggo so anstarrte erkannte sie, wie ihn die Erkenntnis erneuter weise wie mit einem Hammer traf. Er kniff die Augen zusammen, als hätte er ihr gerade wehgetan und wandte den Blick von ihr ab, als ob er sich schämen würde. Sein Griff um den Becher wurde um einiges fester und Mala schoss die Frage durch den Kopf, ob jemand es schonmal geschafft hatte einen Holzbecher mit der bloßen Hand zu zerbrechen.

»Es tut mir leid«, entkam es ihm leise, während er ihren Blick weiterhin mied, »Das es ausgerechnet ich bin«

Malas Herz tat plötzlich weh, so wie bei dem Streit, den sie mit ihrer Mutter hatte, als auch sie um die Wahrheit erfahren hatte. Um Viggo nicht zu erschrecken erhob sie sich langsam von ihrem Stuhl und setzte sich - mehr oder weniger - mutig an die Bettkante und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Seine Haut fühlte sich kühl an und Mala musste sich unweigerlich fragen, ob das normal war.

»Du kannst nichts dafür«, entkam es Mala atemlos, »Wir haben uns das beide nicht gerade ausgesucht«

»Mag sein«, erwiderte er plötzlich mutlos, »Bessere Brüder hätte trotzdem allemal gegeben«

Mala war erschüttert als sie erkannte, dass Hanna recht hatte. Alles andere war lediglich eine Farce gewesen, um andere Menschen auf so weitem Abstand wie möglich zu halten. Was war geschehen, dass er sein wahres Wesen einfach unterdrücken konnte? Und noch schlimmer, dass er wirklich geglaubt hatte als Person so zu sein, wie er vor Hanna und seiner Liebe zu ihr war? Es wurde offensichtlich, dass er ein Wesen hatte, dass scheinbar voller Misstrauen und Zweifeln und Selbstvorwürfen zu sein schien. Mala musste schwer schlucken.

»Ich hätte als Kind immer gerne einen kleinen Bruder gehabt«, erzählte Mala, »Aber Sören hat das zu nichte gemacht. Nicht nur, weil du mit Daje in einer gänzlich anderen Ecke des Inselreiches warst. Mutter konnte sich nie wieder auf einen anderen Mann einlassen, obwohl es da sicherlich einen Kandidaten gegeben hätte, dem sie zu gerne ihr Herz geschenkt hätte«

»Ich dachte immer, dass Daje meine Schwester wäre«, sagte Viggo schließlich nach einigem Schweigen, »Das alles hier kommt gerade …«

Er brach ab, weshalb Mala seinen Satz beendete: »Etwas plötzlich, ich weiß. Es tut mir leid, wenn ich dich gerade aufgewühlt habe«

Viggo wank ab: »Schon gut. Ist wohl nur ein fairer Ausgleich, bedenkt man, was für Probleme und Gefahren wir mit hier angeschleppt haben«

Aufbauend klopfte Mala seine Schultern: »Ich denke mittlerweile, dass ihr mit ebenso vielen Chancen hier gestrandet seid. Ich weiß, dass es gerade sehr plötzlich gekommen ist. Aber ich - ich würde sehr gerne meinen kleinen Bruder kennenlernen, auch wenn ich nicht weiß, wie das Schwester sein funktioniert«

Und tatsächlich schaffte Mala es doch noch ihm ein Lächeln zu entlocken und das machte sie sogar ein wenig Stolz. Mit leichter Freude erkannte sie, wie Viggo bei ihren Worten nickte.

»Ich habe auch nicht unbedingt viel Erfahrung im Bruder sein«, gestand er, »Obwohl ich mit Ryker aufgewachsen bin«

Seine Stimme wurde langsam aber sicher wieder fahrig, dass registrierte Mala sehr wohl. Vorsichtig ergriff sie den Becher aus welchem Viggo nicht weiter getrunken hatte und drückte seine Schulter noch einmal. Doch sie erkannte auch, dass er sich weigerte sich wieder hinzulegen und erneut die Augen zu schließen. Dennoch versuchte Mala an Viggos Vernunft zu appellieren. Das er welche besaß hatte er bewiesen.

»Das ist denke ich eine Geschichte für einen anderen Tag. Du musst dich nach wie vor erholen. Ich bleibe noch bei dir, bis Hanna wieder da ist«

»Geht es ihr und dem Kind gut?«, fragte Viggo nun mit sichtlicher Sorge nach.

Mala nickte beruhigend: »Keine Sorge. Wenn du noch wach bist wenn sie wiederkommen, dann wird es ihnen mehr als gut gehen«

»Sofern ich nicht wieder tollkühn auf dem Boden nach Luft japse«, entkam es Viggo spontan und obwohl jeder andere ihn für diese Art von schwarzen Humor geschlagen hätte, so entlockte es Mala tatsächlich ein leises kichern.

Das Eis zu brechen war letzten Endes doch einfacher gewesen, als zunächst angenommen. Und Mala war gespannt darauf, was in der Zukunft noch auf sie alle warten würde.
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