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Wenn alles immer einfach wäre...

von Erzsebet
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dr. Kai Hoffmann Dr. Lea Peters Dr. Maria Weber OC (Own Character) Pfleger Kristopher "Kris" Haas
30.07.2019
01.05.2020
30
56.213
15
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Wenn alles immer einfach wäre...


Telefonate am Morgen - bringen Kummer und Sorgen


„Passen Sie doch auf!“
Erschrocken wirbelte ich zu dem Fahrradfahrer herum, der mich so eben angeblafft hatte. Für einen kurzen Momente wandte sich der junge Mann zu mir um, tippte mit einem Finger an seine Stirn und fuhr anschließend kopfschüttelnd davon. Geschwind legte ich die letzten Schritte zur Überquerung des Fahrradweges zurück und blieb anschließend auf dem Trottoir stehen. „Respekt, fast der zweite Unfall innerhalb weniger Minuten“, schoss es durch meinen Kopf und ich musste mich zusammenreißen, nicht anerkennend auf meine eigene Schulter zu klopfen.
Schon meine Großmutter pflegte immer zu sagen: Tage, die schon früh am Morgen mit einem Anruf begannen, konnten nichts Gutes verheißen! Und wie richtig sie damit doch gelegen hatte, sollte ich heute wohl am eigenen Leib erfahren.
Dabei hätte der Morgen so schön beginnen können. Noch vor wenigen Stunden hatte ich schlummernd in meinem Bett gelegen, die ersten Sonnenstrahlen, die durch die Rollos an meinen Fenstern drangen, auf der Haut gespürt und dem beruhigenden Gezwitscher der Vögel gelauscht. Jäh war diese entspannende Ruhe von dem schrillen Klingeln meines Telefons unterbrochen worden. Was dachten sich Menschen nur dabei, um solch eine Uhrzeit anzurufen und einem geradezu einen Herzinfarkt zu bescheren?
Eigentlich kannte ich nur eine Hand voll Menschen, die es wagen würden, mich um die Uhrzeit zu wecken. Und alleine von dieser Auswahl konnte ich bereits zwei Leute ausschließen, denn meine Mutter dümpelte gerade mit ihrem Mann – auf diese Hochzeit hatten alle eine gefühlte Ewigkeit gewartet – in Richtung Nordkap und mit meinem Vater hatte ich in den letzten Monaten aus gutem Grund kein Wort mehr gewechselt. Deshalb stöhnte ich zwar auf, als ich die Nummer auf dem Display erkannte, war jedoch nicht sonderlich überrascht, dass es sich bei der Anruferin ausgerechnet um Dr. Franziska Ruhland handelte. „Ja?“, begrüßte ich verschlafen die Cousine meiner Mutter, die seit wenigen Monaten bei uns in Hamburg lebte und an einem renommierten Hamburger Klinikum als Neurochirurgin arbeitete.
„Du musst mich nach Leipzig begleiten“, verkündete die Ärztin ohne Begrüßung und Umschweife.
Verwundert blickte ich mich in meinem Zimmer um und schwieg, um die Aufforderung erst einmal zu verarbeiten. „Dir auch einen wunderschönen guten Morgen“, flötete ich und schob im Anschluss die Frage hinterher, weshalb ich Franziska ausgerechnet nach Leipzig begleiten sollte. Diese ließ mit der Antwort nicht lange auf sich warten und klärte mich in knappen Worten auf. Dr. Franziska Ruhland war bekannt für ihre direkten und auf die wichtigsten Fakten beschränkten Antworten. Auf viele ihrer Mitmenschen machte sie daher auch den Eindruck sehr distanziert und kühl zu wirken bis hin zur vollkommen Emotionslosigkeit. Dabei konnte die Ärztin durchaus auf ihre ganz persönliche Art und Weise empathisch sein. Ich kannte sie fast mein Leben lang, weshalb ich wusste, dass sie es nicht wirklich einfach gehabt, irgendwann ihren Beruf über ihr Privatleben gestellt und schließlich kaum noch wirkliche zwischenmenschliche Beziehungen zugelassen hatte. Seitdem Franziska in Hamburg lebte, hatte sich jedoch auch wieder zu Leben gelernt und war häufig zu Besuch gekommen.
Heute Morgen hätte ich jedoch auf eine Begegnung verzichten können, denn ich hatte mich seit Tagen so sehr auf meinen persönlichen kleinen Urlaub gefreut, den ich mit Sicherheit nicht in Leipzig verbringen würde. Leider blieb mein Vorsatz eine Ausrede zu erfinden nicht bestehen und so hatte ich überstürzt das Haus verlassen und war zu der Cousine meiner Mutter aufgebrochen.
Um nicht in den Berufsverkehr zu geraten, hatte ich auf das Auto verzichtet, die Hochbahn genommen und mich anschließend die letzten Meter zu Fuß auf den Weg gemacht.
Dass ich dabei fast die Treppe zum Eingang der U-Bahn hinuntergefallen und von einem Kampfradler überfahren worden war, war ja schließlich nicht weiter von Bedeutung.

„Wo ist denn dein Auto?“, wurde ich schon von Weitem begrüßt. Nachdenklich rieb ich mir die Schläfe. Na das konnte ja noch heiter werden.
„Das steht bei mir zu Hause!“
„Und wie gedenkst du dann nach Leipzig zu fahren?“, erwiderte die blonde Ärztin ungehalten. Während ich meine Augen verdrehte, deutete ich auf den Kleinwagen zu meiner Linken und stieß zwischen zusammengepressten Zähnen hervor: „Und wie sieht es damit aus?“
Franziskas Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen und ich stellte mich innerlich auf ein Donnerwetter ein. Doch die Neurochirurgin atmete einmal tief durch, dann antwortete sie betont ruhig: „Ich habe dir doch bereits am Telefon gesagt, dass ich nicht fahren darf.“
Ja, das kam davon, wenn man Punkte in Flensburg sammelte und deshalb ein Fahrverbot erhielt, aber auf diese Bemerkung verzichtete ich freundlicherweise. Stattdessen verkündete ich, dass ein Fahrverbot nicht beinhaltete, dass jemand anderes ihren Wagen führen dürfe. Nicht vollkommen von der Idee begeistert, was ich Franziska an der Nasenspitze ansehen konnte, nahm sie dennoch wortlos ihre Sachen, reichte mir den Autoschlüssel und nahm auf dem Beifahrersitz platz. Kurz passte ich das Fahrzeug auf mich an, dann ließ ich die Zündung an und manövrierte den Wagen aus der engen Parklücke.
Kaum waren wir wenige Meter schweigend gefahren, hielt ich es nicht mehr aus. Diese Stille war bedrückend und noch dazu brannte mir diese Frage seit dem Telefonat auf der Zunge. „Warum musst du eigentlich unbedingt so kurzfristig nach Leipzig und konntest dafür nicht den Zug nehmen?“
Gut, die Frage mit dem Zug hatte ich mir bereits selbst beantwortet, denn ich hatte die Menschenansammlung am Hauptbahnhof an diesem Morgen gesehen. Anscheinend hatte sich ganz Hamburg samt seiner Touristen dazu entschieden ausgerechnet an diesem Tag in Urlaub zu fahren, oder wieder aus diesem zurückzukehren. Ein Sitzplatz in einem überfüllten ICE war damit wohl ausgeschlossen.
„In der Sachsenklinik gibt es einen komplizierten Fall, zu dem ich hinzugezogen wurde, da ich einen ähnlichen Fall bereits in Erfurt behandelt habe.“
„Aber die haben dort doch auch eine eigene Neurochirurgin?“, hakte ich verwundert nach.
„Ja, natürlich und Dr. Peters ist eine echte Koryphäe, aber es gibt immer wieder die Situation, in der man auf die Expertise eines anderen Kollegen angewiesen ist. Auch ich war einmal auf ihre Hilfe angewiesen.“
Zustimmend nickte ich und konzentrierte mich wieder intensiver auf den Verkehr, der sich allmählich verdichtete. Ich betete nur, dass wir nicht in einen Stau geraten würden.
„Ich bin wirklich froh, dass mein Arbeitgeber dem Austausch zugestimmt und mich für die nächsten Tage freigestellt hat. Seitdem die werte Kollegin ihren Lebensgefährten verloren hat, hat sie es sowieso nicht leicht und da kann ihr ein wenig Entlastung nicht schaden.“, fuhr Franziska unvermittelt fort und ich konnte aus dem Augenwinkel eine Regung auf ihrem Gesicht erkennen, die dort nur selten zu sehen war. Wer Dr. Franziska Ruhland besser kannte, wusste, dass sie mehr Mitgefühl hatte, als sie gerne zeigte, weshalb es nur wenige Momente gab, in denen man eine solche Gefühlsregung ganz offen von ihrem Gesicht ablesen konnte.
Da ich ich weiter auf ihre Worte reagierte, kehrte wieder Stille ein, die ich schließlich mit ein wenig Musik füllte. Die nächsten Stunden lauschten wir den Klängen und folgten dem Autobahnverkehr, der sich wie eine riesige Schlange fortbewegte.

Als die Entfernung zu unserem Ziel unter einhundert Kilometer gesunken war, räusperte sich Franziska wieder und ich rechnete damit, dass sie womöglich ein Gespräch beginnen würde, doch die Ärztin schien selbst nicht zu wissen, was sie sagen sollte. Nicht einmal eine Minute verstrich, bis sich meine Beifahrerin ein weiteres Mal räusperte, seufzte und schließlich doch zu sprechen begann. Aufmerksam versuchte ich ihr Gestammel zu entwirren. Hoppla, die Cousine meiner Mutter war doch sonst auch nicht auf den Mund gefallen.
Nach einer weiteren Minute konnte ich mir das Gestammel nicht mehr länger mit anhören und so fragte ich: „Jetzt hör auf um den heißen Brei herumzureden!“
Kurz musterte mich Franziska überrascht, denn es war eigentlich gar nicht meine Art so forsch zu reagieren, aber rasch hatte sie sich wieder gefangen. „Na gut! Aber zuerst fährst du besser hier raus“, forderte mich Franziska auf, an der nächsten Raststelle zu halten.
Kaum hatte ich den Wagen gestoppt und mich meiner ungewohnt blassen Beifahrerin zugewandt, fiel es mir wie Schuppen von den Augen – Das war sein neuer Arbeitsplatz, den er beim Anruf an meinem Geburtstag erwähnt und für den ich mich wenig interessiert hatte.
„Ja, es besteht eine reelle Chance, dass wir dort auf ihn treffen“, sprach Franziska mit leiser Stimme.
Ich brauchte einen Moment, bis mir klar wurde, dass ich meine Gedanken wohl laut ausgesprochen haben musste. „In Ordnung, dann werden wir halt mit hoher Wahrscheinlichkeit auf meinen Erzeuger treffen. Was soll's?“, stellte ich kühl fest und startete den Wagen. Spätestens, als ich den Blick der Ärztin auf mir spürte, wurde mich jedoch bewusst, dass sie durchschaut hatte, dass ich gar nicht so taff war, wie ich gerade tat. Mit klopfendem Herzen und einem unangenehmen Bauchgefühl lenkte ich das Fahrzeug Richtung Leipzig und mit jedem Meter, den wir zurücklegten, wurde meine Angst vor dem was mich womöglich erwartete größer.





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Guten Abend liebe(r) Leser!

Nachdem ich für einige Zeit in der Versenkung verschwunden und neue Inspiration gesammelt habe, bin ich mit einer neuen Geschichte am Start. Vielleicht sind ein paar dabei, die meine Geschichten bei den Jungen Ärzten gelesen haben und mich daher schon ein bisschen kennen. Alle anderen heiße ich herzlich wilkommen und natürlich wünsche ich allen viel Spaß!

Eine kleine Randinformation: Es wird in der Geschichte auch immer wieder einmal ein Crossover zu DjÄ und möglicherweise auch zu anderen Serien geben. Daher auch bereits zu Beginn der Gastauftritt von Dr. Ruhland.

Jetzt freue ich mich aber auf eure Reaktionen und hoffe auf ein paar Rückmeldungen!

Liebe Grüße
Erzsebet
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