Verstandraubend

GeschichteRomanze, Fantasy / P18 Slash
Puma D. Ace / Gol D. Ace Sabo
30.07.2019
03.10.2019
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Wir nähern uns übrigens bereits dem Ende.
Aber keine Sorge, ein bisschen kommt noch. <;



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KAPITEL VI - DER BESITZ




„Sabo?!“
Panik flutet meine Gedankengänge.
Sofort stemme ich mich in die Höhe, stürze zu ihm. Er ist zusammengebrochen. Noch kein einziges Mal habe ich gesehen, dass Sabo etwas auch nur ansatzweise in die Knie gezwungen hat.
Selbst wenn er sich sogar in dieser Lage noch mit einem Arm verbittert auf seinem Sägebeil abstützt und  zitternd auf einem Knie oben hält.
Erst jetzt, wo ich mich vor ihm auf den Boden fallen lasse und sachte mit meinen Händen sein Gesicht anhebe, bemerke ich, dass ich wieder ein normaler Mensch bin. Die Verwandlung habe ich nicht einmal mehr mitbekommen.
Er sieht furchtbar geschafft aus. Seine Lider sind nur noch schwach geöffnet.
„Sabo!“, rufe ich ihm erneut verzweifelt entgegen.
Bitte bleib bei mir, ich habe doch keine Ahnung, ob ich dich da draußen vernünftig beschützen kann!
Ich weiß nicht mal, wo genau sich seine Hütte befindet. Und ich bin sicherlich auch kein guter Arzt!
Verdammt.
Mich packt bereits die immense Angst um ihn, da blinzelt er ein paar Mal, sieht mich unbeirrt an.
Ungläubig und aufgelöst mustere ich ihn.
Muss mich noch immer beherrschen, den gewaltigen Kadaver dieses abscheulichen Monsters neben uns zu ignorieren. Aus welcher Höllenpforte das auch immer gekrochen gekommen ist - das wird mich sicherlich mein Leben lang verfolgen. Denn jeden einzelnen Moment habe ich hautnah mitgefühlt.
Von meiner Hetzjagd auf Sabo im Wald, meiner unbändigen Mordlust, mit der ich ihn verfolgt habe - bis zu dem Punkt, an den er mir nicht nur die Leviten gelesen hat. Er hat mich nach Strich und Faden fertig gemacht, windelweich geprügelt.
Und dann kam das von oben herab gestürzt und ich hatte keinerlei Hoffnung mehr, hier lebendig heraus zu kommen. Ich hätte es verdient gehabt, zu sterben, dafür, dass ich mich nicht beherrschen hatte können. Wie konnte ich nur so undankbar selbstsüchtig sein und Sabo überhaupt erst zu dieser Entscheidung zwingen?
Er hat mich beschützt.
Für mich hat er sich diesem Monstrum Angesicht zu Angesicht gestellt.
Und er hat es allen ernstes zerlegt, das Scheißteil.
Etwas so Abgefahrenes habe ich noch nie erleben dürfen - hätte es mir nich mal erträumen trauen. Kann es immer noch nicht fassen. Er hat es wirklich getötet. Er hat es einfach alleine kalt gemacht. Wie krass ist der eigentlich drauf?
„Hey, noch da?!“, frage ich aufgebracht, hebe sein Kinn etwas an, weil er mich zwar ansieht, aber sich noch immer nicht geregt hat.
„Ich lebe“, keucht Sabo dann angestrengt, zieht seine Arme an seinen Körper und lächelt mich schwach an, weswegen ich erleichtert aufatme.
Was soll ich sagen? 'Sorry, dass ich dich fast umgebracht hätte'? Reuevoll presse ich die Lippen aufeinander. Doch er gibt mir hierfür wohl nicht die Schuld.
„Sind deine Wunden verheilt?“, fragt er schwach, schafft es sich allen ernstes jetzt noch Sorgen um mich statt sich selbst zu machen. Fassungslos starre ich ihn an. „Mir geht's gut“, versichere ich ihm, wenn ich auch bei der Erinnerung daran, von einer riesigen Kralle wie 'ne Olive auf den Zahnstocher aufgespießt worden zu sein, Gänsehaut bekomme. „Komm schon, wir müssen dich irgendwie verarzten“, entschließe ich stattdessen, mache Anstalten, ihm in die Höhe zu helfen.
„Langsam“, stöhnt er, hält sich seine blutüberströmte Seite. „Ich sterbe schon nicht gleich.“
Stur ziehen sich meine Augenbrauen zusammen.
„Ich bring dich von hier weg“, entschließe ich, hebe ihn dann aus eigener Kraft hoch, weswegen er ein leises Zischen zwischen seinen zusammengebissenen Zähnen hervor stößt. „Gut, dann stütz mich bitte von rechts“ - und ich kann deutlich hören, wie er den Schmerz runterschluckt. Gehorsam tue ich wie geheißen, während er noch immer verkrampft sein Sägebeil umklammert.
Immerhin beharrt er nicht darauf, dass wir seinen umfunktionierten Amboss auch noch mitschleppen.
„Und ich soll dich nicht tragen?“, hake ich nach, bin zwar sicherlich keiner wie er, der sein Leben lang einen Eisenklotz als Haustier mit sich schleppt, aber ihn würde ich schon noch eine Weile schaffen. Sabo bringt ein schwaches Lächeln zustande, das mir wieder Mut zuspricht und mich etwas beruhigt. „Alles gut, Ace, keine Sorge. Ich habe schon schlimmer ausgesehen“, versucht er mich etwas zu besänftigen, während ich ihm helfe, sich vernünftig aufzurichten. Tatsächlich tritt er mit seinem blutenden Fuß fast normal auf. „Mir muss nur jemand die Ätzwunden im Bauch ausspülen, das ist wirklich..“, er bricht ab, klingt auch so schon schmerzverzerrt genug, damit ich ihm glaube.
„Jemand? Kannst du so bei dir in die Stadt?“
Denn ich kenne die Vorschriften, aus meiner Heimatstadt zumindest. Derart in Mitleidenschaft gezogen wie er aussieht und mit der Menge an seuchentragendem Blut auf ihm wird das sicherlich kein Spaziergang.
„In die Stadt kommen ist weniger das Problem als einen Arzt finden, der einen so noch behandelt.“
Erschrocken sehe ich ihn von der Seite an, doch schleicht sich nun ein verschmitztes Lächeln auf seine Mundwinkel. „Zum Glück kenne ich jemanden.“
Ich murre missmutig, vor allem, weil er bereits beginnt sich weniger auf mir abzustützen und selbstständig auf die Ausgangstore zugeht.
Ich kann ja verstehen, dass er stur und ein Einzelgänger ist, aber irgendwann wird er sich selbst noch aufarbeiten.
Gerade will ich schon zum Reden ansetzen, da hustet er einen Schwall Blut und ich begreife, dass ich ihn nicht auch noch damit beanspruchen sollte.
Stattdessen sehe ich ihn nur schuldbewusst von der Seite an.
Das Letzte, was ich von hinter uns höre, ist das Kreischen der Raben, die sich statt über die Überreste der Beute des Monstrums nun über das Monstrum selbst hermachen.


„Was hast du jetzt schon wieder angestellt?“
Nicht gerade die freundlichste Begrüßung des Torwächters, als er Sabo erblickt. Irgendwann hat dieser Sturesel sich leider wirklich nicht mehr dazu überreden lassen, sich von mir helfen zu lassen und ist ohne meine Stütze hierher gegangen. Dann fällt der Blick des Grauhaarigen auf mich. „Und wer ist das Balg?“
Ich bin tatsächlich froh, dass ich mir wegen der inneren Hitze den dunkelbraunen Mantel vom Leib gezerrt hatte, bevor ich mich verwandelt habe. Den konnte ich auf dem Weg durch den Wald nämlich auflesen - sonst hätte ich abgesehen von meiner wirklich zerfetzten und definitiv nicht mehr blickdichten Hose nichts mehr angehabt. Allein die reicht mir schon nur noch bis knapp über die Knie, ich laufe zudem hier barfuß rum und das schreit ja mal förmlich nach-
„Ein Werwolf“, erklärt Sabo ganz nüchtern, weswegen sowohl der breitgebaute Wächter als auch ich ihn perplex ansehen. „Mein Werwolf“, fügt er hinzu, stützt sich dann mit einem Arm stark am Gittertor ab, was mir nur wieder zeigt, dass es ihm eben immer noch nicht gut geht. „Ich passe auf uns beide auf, versprochen. Aber ich habs echt eilig wie du siehst, also sei so gut, Smoker.“
Höchst skeptisch wechselt der Blick des Aufpassers zwischen uns hin und her. Bei seiner Statur und Haarfarbe werde ich unweigerlich an Garp erinnert und frag mich, ob das ein Auswahlkriterium für den Beruf ist. Als seine Augen auf mir hängen bleiben starrt er mich geradewegs an. Mitten in die Pupillen.
Meine Nackenhaare stellen sich auf. Gleichzeitig beginnt mein Blut aggressiv zu kochen.
Doch mein Knurren bleibt mir im Hals stecken, als Sabo mir einen warnenden Blick zuwirft und so lenke ich nur gefügig meinen Blick nach unten. Hat er mich gerade nur mit seinem Blick-?!
Der Grauhaarige murrt etwas Unverständliches, das sich verdächtig nach einer Beleidigung anhört. „Meinetwegen.“
Damit wird tatsächlich das Tor geöffnet, weswegen ich überrascht aufsehe. Hier scheint man wirklich großen Respekt vor Sabo zu haben - und ihm auch zu vertrauen. Oder die Bewohner hier sind allesamt suizidgefährdet.
Sabo atmet tief durch. Wie viel Beherrschung es ihm abringt, aufrecht stehen zu bleiben, will ich gar nicht erst erfahren. Dass sein Herz noch immer heftig pulsiert, kann ich bis hierhin hören.
Er will mir wohl trotzdem das Gefühl vermitteln, dass alles in Ordnung sei, denn er geht zügig durch das Tor.
Den drohenden Blick von Smoker fühle ich auch noch auf mir haften nachdem ich schon längst die Stadt betreten habe.
Über den Pflasterstein der Straßen schreitet Sabo sehr viel schneller als über den Waldboden. So elanvoll, dass ich sogar leicht neben ihm her traben muss. „Ich habe wirklich Glück, dass es einen Arzt gibt, der lebensmüde genug ist, um sich selbst so noch um mich zu kümmern.“
Wohl wahr. „Hat das einen Grund?“
Ein brüchiges Lächeln zieht sich über Sabos Mundwinkel, während er in eine der Gassen einbiegt, sämtliche fragende Blicke der Bewohner ignorierend. „Seine Praxis ist dafür bekannt, dass sie ausnahmslos jeden versorgen.“
Und das in Zeiten wie diesen?
Vermutlich ist das auch der Grund dafür, warum er so nah am Stadtrand wohnt. Zumindest peilt Sabo bereits jetzt eine der Eingangstüren an, die von einer silbernen Schrift auf der Mauer darüber beschriftet ist.
Northern Heart's Hospital
Ohne der Glocke auch nur Beachtung zu schenken reißt Sabo die Tür auf, hustet erneut einen Schwall Blut hervor, weswegen ich heftig zusammenzucke. Von innen ertönen aufgeregte Stimmen und ich stütze Sabo, dessen sturer Wille ihn wohl nun doch nicht mehr auf den Beinen halten kann. Er atmet schwer, sein Puls flattert und ich trage fast sein gesamtes Gewicht. Seine Füße haben ihn wirklich nur noch bis zu dieser Schwelle getragen und ich möchte gar nicht wissen, ob er hier schon öfter zusammengebrochen ist.
Die Armen an der Rezeption nehmen ihren Spontanpatienten wohl doch nicht ganz so locker auf.
„Oh Gott! Oh Gott ohgottohgott“ - „Jetzt geh schon Doktor Trafalgar holen!“
Fragend sehe ich zu den beiden Mützenträgern, von denen nun einer quirlig aufspringt und mit einem halb verschluckten „Sofort“ davon stürmt.
Ich helfe Sabo durch den Eingang hindurch und sobald er sich an einer der Wände abstützt schließe ich die Tür hinter uns.
Der Andere am Empfang sieht uns aufmerksam an, bleibt mit dem Blick jedoch auf mir hängen. Erst nachdem Sabo beherrscht laut durchatmet, weil ihm gott-weiß-was von seinen Verletzungen wieder schmerzt, reißt er sich notdürftig von mir los. „Wartet hier, ich bereite schon mal den Behandlungsraum vor“, erklärt er, klingt aber höchst misstrauisch und lässt mich auch nicht aus den Augen bis er um eine Ecke gebogen ist.
„Sicher, dass du hier willkommen bist?“, murmle ich leise Sabo zu, der sich gerade an dem hohen Rezeptionstresen abstützen will, sämtliches Blut damit überall verteilen würde - weswegen ich mich schnell dazwischen bringe und ihn stattdessen stütze. Er beißt die Zähne zusammen, schnauft noch immer schwer.
„Willkommen ist er nicht, aber rauswerfen kann ich ihn auch schlecht.“
Überrascht sehe ich zu dem Schwarzhaarigen, der gerade mit eiligen Schritten zu uns kommt - hinter ihm der aufgewühlte Rezeptionist. Der augenscheinliche Doktor lässt nur kurz seinen Blick über mich schweifen, dann widmet er sich voll und ganz seinem Patienten an meiner Seite.
Sabo keucht angestrengt, reißt dann seinen Mantel aus dem Weg und offenbart die verätzten Hautstellen an seinen Bauchmuskeln. „Law du weißt, dass ich nicht hier wäre, wenn ich es nicht müsste.“
Schweigend sehe ich zu, wie eben genannter Law sich dicke Sicherheitshandschuhe überzieht, dann beginnt Sabos Läsionen näher zu begutachten. Sein Blick wird zunehmend kritischer und seine Augenbrauen ziehen sich ungläubig zusammen. „Lass mich das kurz zusammenfassen. Mehrfache Verätzungen an Brust und Abdomen, zudem Fleischwunden an deiner linken Seite, dein Arm ist mindestens angebrochen..“, zählt er angestrengt auf, betastet dabei auch angesprochenen linken Arm, den Sabo nun beginnt zu bewegen. „Angebrochen ist er wohl nicht, ich kann ihn einwandfrei bewegen.“
„Das hat bei dir nichts zu bedeuten.“
„Ich bin hauptsächlich wegen den Verätzungen hier“ - und damit zieht er sich die Weste vom Oberkörper, offenbart noch mehr kleinere Wunden, die allesamt nicht nur oberflächlich sind.
Unbeirrt besieht sich der Arzt weiter die Verletzungen - nicht zuletzt auch den durchstochenen Fuß, der noch immer schwach blutet. Und schließlich ziehen sich seine Augenbrauen zu Kratern zusammen. Er scheint auch zu wissen, dass Sabo sich normalerweise nicht leichtfertig so zurichten lässt.
„Was in aller Welt..“ - er spricht seinen Satz nicht aus, doch kurz zuckt sein Blick zu mir herüber.
Er.. er glaubt doch wohl nicht, dass ich das war?!
„Ich hatte dir doch mal von diesem Biest in der Kathedrale erzählt..“, beginnt Sabo, hat ein scherzhaftes Grinsen auf den Lippen, weil der Doktor ihn fassungslos anstarrt. „Du hast doch nicht-“ - „Oh und wie ich das habe“, lacht Sabo voller Genugtuung, zieht sich den Mantel von den Schultern und wirft ihn achtlos über den Tresen.
Laws Blick wechselt von Nicht-dein-Ernst zu Doch-dein-Ernst und wandert schließlich zu dem blutigen Mantel, der gerade den halben Empfang infiziert, wo er undefinierbar resigniert wird.
Ein Wahnsinniger hat mir eigentlich gereicht, Sabo-ya.“
„Ich hatte keine andere Wahl“, rechtfertigt er sich, doch unnötig, denn „Ich habe nicht dich gemeint.“
Und nun sieht Law zu mir, verzieht den Mund etwas, doch sieht er mir im Gegensatz zu den meisten absichtlich nicht in die Augen. „Er riecht nach begossener Hund. Warum schleppst du einen Werwolf hierher?“
Genau in diesem Moment kommt der Dritte im Bunde zurück in den Raum, hält jedoch bei den gesagten Worten inne.
Ich schätze mal es ist normal, dass ich mich jetzt mehr als nur unerwünscht fühle.
Sabo lächelt schief. „Keine Sorge, ich übernehme die volle Verantwortung.“
„Das will ich hoffen“, knurrt Law ergeben, wechselt nur einen kurzen Blick mit seinem Bediensteten, der sich bereits einen schützenden weißen Overall übergezogen hat, ehe er Sabo an ihn dirigiert. „Aber in den Behandlungsraum kommt er mir nicht. Definitiv nicht steril genug.“
Und weg gehen sie.
Ich kann ihnen nur hinterher sehen. Alles in mir ruft danach, mitzugehen, aber ich reiße mich zusammen. Alleine schon der gestutzte Gang von Sabo schmerzt beim Ansehen.
„Peng-ya, du hilfst und kommst mit. Shachi-ya, du passt darauf auf, dass unser Gast auch von anderen Patienten ungesehen bleibt.“
Angesprochener Shachi stellt sich stramm hin, ehe er ein „Aye“ ruft und freudig strahlt. So eine Frohnatur sieht man auch nur selten.
Misstrauisch besehe ich ihn mir genauer, auch wenn es mich innerlich aufwühlt, dass er eine getönte Brille trägt - und zu allem Überfluss sogar noch eine Mütze die seine Augen verdeckt. Hat es mich schon immer so beunruhigt, wenn ich jemandes Augen nicht sehen konnte?
Der Blick des Mützenträgers wechselt zu mir, er lächelt mich breit an, ehe mein intensiver Blick ihn wohl doch einschüchtert. Kurz wankt sein Grinsen, dann jedoch dreht er sich von mir weg und widmet sich wieder dem Empfang, wo er beginnt eine fröhliche Melodie zu summen.
„Sind hier denn gerade noch andere Patienten?“, frage ich ihn vorsichtig, will nämlich wirklich möglichst vielen Menschen gerade aus dem Weg gehen.
Ich fühle mich alles andere als unter Kontrolle wegen meinen aufwallenden Emotionen.
„Nö!“, flötet der Kerl zufrieden, sieht zu mir und grinst mich breit an - bevor er für einen Moment einfriert.
„Oh“, gibt er von sich, hält beide Zeigefinger in die Höhe, weswegen ich verunsichert um mich sehe. „Ohh! .. Das ist nicht gut.“ Hah?!
Die Glocke von draußen ertönt, das Zeichen, dass jemand eintreten möchte.
Aber das ist ja kein Problem, ich fall hier ja niemanden an, also-
Sofort kommt Shachi zu mir gestürmt, wagt es aber nicht mich einfach so mitzuziehen, weswegen er hibbelig vor mir stehen bleibt. Und mich damit gleich mit in seine Aufruhr versetzt.
„Du musst in einen Hinterraum, komm schnell mit!“, haspelt er, sieht nervös zu der Eingangstür, doch spielen genau jetzt leider meine Instinkte auf. Und meine treue Seele befiehlt mir, hier auf mein Herrchen Sabo zu warten.
„Warum?“, halte ich ihm entgegen, weigere mich innerlich so wie äußerlich, was er wohl auch genau so bemerkt.
Und oh je.
Von meiner Standhaftigkeit überzeugt versucht er gar nicht erst mich zu überreden, nein - er jagt mir eine verdammte Spritze in den Arm!!
Was zur Hölle?
„Wa-“, setze ich an, doch da geben meine Beine bereits unter mir nach - und ich kralle mich aus Reflex in seine Hemdärmel, was ihn noch panischer werden lässt. Denn es sind nicht Finger, die sich in seinen Stoff verkeilen, es sind Klauen, die aus ihnen herauswachsen.
„Peeeng!“, schreit er verzweifelt, sieht in die Richtung in die seine Kollegen abgedampft sind, doch flackert meine Sicht und aus meiner Kehle löst sich ein tiefes, widerspenstiges Knurren.
Gar nicht gut. Gar nicht gut.
„Bleib ruhig, bitte, ich will dir nur helfen!“, wispert er hervor, versucht dennoch seinen Ärmel von mir zu lösen und bemerkt sehr wohl, dass er sich wegen mir gerade in Lebensgefahr befindet. Doch ich zügle mich mit aller Kraft.
Warum auch immer er mich hier gerade bewusstlos impft und wie wenig Vertrauen ich ihm auch entgegen bringen kann - Sabo vertraut den Leuten hier.
Und wenn ich jetzt ausraste, bringe ich ihn nur in Schwierigkeiten.
Mein rebellischer Gedanke weicht, meine Klauen schwinden wieder, ehe ich wie ein Kartenhaus zusammenklappe.


Mein ruhener Geist fährt von 0 auf 100 innerhalb eines Wimpernschlags.
Meines Wimpernschlags - denn ich öffne die Augen und erlebe sofort die wilde Panik, weil mich die Erkenntnis einholt, dass man mir irgendeine Spritze reingehauen hatte. Instinktiv will ich mich aufrichten, denn ich liege auf einem Bett in einem Raum, der aussieht wie ein Patientenzimmer und ich will verdammt nochmal hoffen, dass das hier nicht wie in einem dieser schrägen Horrorgeschichten läuft und ich jetzt für abgedrehte Experimente missbraucht werd-!!
Da zieht mich aber Sabo bereits wieder flach auf die Matratze gegen seine Brust zurück.
„Bleib ruhig. Alles ist gut.“
Mein rasender Puls dämmt langsam ein. Über die Schulter sehe ich zu ihm, er liegt hinter mir und sieht mich skeptisch an. Er kann sich wohl denken, dass dieser Psychorezeptionist fast die Bestie in mir getriggert hätte. Aber all das vergesse ich für den Moment, denn eine Frage liegt mir bedeutend schwerer am Herzen. „Geht es dir besser?“
Ich winde mich in seinem Griff, drehe mich ihm zu, wo er mich bereits warm anlächelt. „Bestens.“
Dennoch misstrauisch besehe ich mir die zahlreichen Verbände, in die sein Oberkörper bis hinab zum Gürtel eingepackt wurde. „Dein Arm?“, hake ich nach, denn um seinen linken Oberarm wurde eine Schiene gelegt und trotzdem hat er mich anhand ihm gerade wieder zurückgezogen. „Ah..“, beginnt er, schmunzelt dann scheinheilig, „Eine leichte Längsfraktur, aber ich kann ihn problemlos und schmerzfrei bewegen.“
Das bedeutet, jeder Normal-Sterbliche würde vermutlich bei der kleinsten Anstrengung beginnen zu flennen, aber er belastet ihn einfach noch mehr. Ich seufze tonlos, dann jedoch legt Sabo seine linke Hand sanft an mein Kinn und hebt meinen Blick wieder in seine Augen. In seine wunderschönen, wieder voller Kraft flammenden Augen. „Ich wäre bereit gewesen noch härtere Verluste einzubüßen, solange ich dich nicht verliere, Ace.“
Gott.
Glücklicherweise drückt er mir nun liebevoll die Lippen auf, denn ich hätte nur aufgelöst etwas zusammengestammelt. Sofort erwidere ich die sanfte Geste, kann nicht verhindern, dass ich mich nach kürzester Zeit an ihn klammere wie ein Blutegel.
Ich hatte solche Angst um ihn.
Ich habe seinen Kampf gegen dieses Monstrum mitansehen müssen, habe gewusst, dass er bei dem kleinsten Fehltritt gestorben wäre.
Er quittiert meinen wässrigen Blick nur mit einem herzhaften Lächeln. „Na na. Du hast doch wohl hoffentlich nicht geglaubt, dass ich mich von so etwas töten lasse.“
Natürlich nicht, sah ja zum Glück auch nicht so aus, als du quer durch die Luft gen offenes Maul geschleudert wurdest!
Ich grummle, verziehe meine Miene unstimmig. Seine Finger streichen mir sanft durch die Haare, spielen mit den schwarzen Strähnen, was mir einen wohligen Schauer bereitet.
Eine Sache darf hier aber nicht vergessen werden.
„Hör mal, ich bin denen hier ja echt dankbar, dass sie dich versorgt haben, aber..“ - und nun wird mein Blick doch entsetzt - „warum genau hat mir der eine 'ne Spritze reingehauen?!“
Er lacht. Und ich sehe ihn nur völlig belämmert an.
„Shachi hat sich danach mehrmals bei mir entschuldigt. Sie haben wohl wichtigen Besuch erwartet und du hast ihn nervös gemacht.“
„Ich hab ihn nervös gemacht? Deswegen dröhnt man mich erst mal zu?!“
„Law meinte, dass wir in enorme Schwierigkeiten geraten wären, hätte dich dieser jemand hier entdeckt“, er grinst, doch legt er Ernsthaftigkeit in seine Stimme für die nächsten Worte, „Mehr konnte er mir nicht verraten, aber den Dreien hier können wir wirklich vertrauen.“
Wir.
Wieso nur macht mich dieses kleine 'wir' glücklich? Es lässt mich fühlen, als wären wir ab sofort schon fest geregelt ein Zweierteam.
„Na schön“, gebe ich missmutig von mir, schmiege mich nähesuchend an ihn und fühle mich wie ein Hund, der seine Streicheleinheiten benötigt. Sabos Finger kraulen mich passend dazu auch noch im Nacken, was mich unerklärlich zufrieden stimmt.
Den Lichtverhältnissen nach ist es später Nachmittag. Irgendwann gegen Mittag hat man mir die Lichter ausgeschossen, also war ich gar nicht so lange weggetreten.
„Law hat mich vor allem zu Beginn meiner Zeit draußen öfter zusammengeflickt“, erklärt er bedächtig, was mich tatsächlich noch wohlgesinnter stimmt. Mein Gedanke, dass er womöglich schon öfter auf der Türschwelle zusammengebrochen ist, scheint Sinn gemacht zu haben.
„Und die behandeln hier wirklich jeden?“ - Normalerweise ist das purer Irrsinn. Solch einer Gefahr setzt man sich nicht grundlos aus.
„Ja“, sagt er fest, fast schon respektvoll. Über sein Gesicht zieht sich ein trauriger Ausdruck. „Die drei hier - Law, Penguin und Shachi, sind die einzigen Überlebenden einer Stadt weit im Norden. Vor längerer Zeit ist dort eine unheilbare Pest innerhalb der Mauern ausgebrochen.“
„Sind die drei immun?“
„Nein“, antwortet er, lächelt mich schief an. „Sie waren unter den letzten Vier, die nicht von der Krankheit befallen waren. Damals hat ein Jäger sich zur Aufgabe gemacht, sie von dort zu retten und hat sie hierher gebracht.“
„Den kompletten Weg hierher?“ Ich hab noch nie gehört, dass jemand eine Reise überlebt hat. Das Wandern zwischen den Städten ist eigentlich ausschließlich den Leuten mit der Immunität möglich, alles andere ist zum Scheitern verurteilt, weil die Gefahren viel zu groß sind.
„Ja, das waren damals drei Tage am Stück. Zumal sich dieser Jäger damals gar nicht mit dem Gebiet auskannte, er ist vom Süden dorthin gegangen, als er von der Tragödie gehört hat.“
Das ist doch purer Wahnsinn. „Verarschst du mich gerade?“ - „Nein“, lacht Sabo, wuschelt mir durch den Haarschopf. „Seitdem haben sie sich zum Ziel gesetzt niemandem Hilfe zu verweigern. Egal wie aussichtslos es wirken mag.“
„Du warst aber nicht dieser Jäger, oder?“, harke ich nach, sehe ihn zweifelnd an.
„Das ist schon zehn Jahre her, ich war erst elf und wusste damals noch nichts von meinem Blut. Wobei..“, und nun ziehen sich seine Augenbrauen leicht zusammen, „er war damals auch erst sechzehn, wenn ich mich recht erinnere. Der Arme hat bei seiner Heldentat sogar seinen linken Arm verloren. Wundert mich eigentlich, dass wir noch nicht auf ihn getroffen sind - normalerweise hütet er seither diese Stadt wie seinen Augapfel.“
Na hoffentlich war er es nicht, der vorher an der Tür war und vor dem sie mich verstecken wollten. Sicherlich fände er es auch nicht so lustig, wenn er erfährt, dass ein Werwolf bei den Dreien zu Gast ist, die er damals mit Müh und Not gerettet hat. .. wieso nur erinnert mich das an die Geschichte vom Wolf und den drei Schweinchen.
„Ich muss noch kurz einen Besuch tätigen“, erklärt Sabo, erhebt sich damit auch schon aus unserer Kuschelecke hier und ich sehe ihm wehleidig nach.
„Kann ich mitkommen?“ - „Ich lasse dich nicht mehr alleine“, erwidert er umgehend, steigt vom Bett und lässt mir nur noch kurz ein Lächeln zuteil werden. „Außerdem bricht die Nacht bald herein“, fügt er noch hinzu, während er sich neue Oberbekleidung und seinen gesäuberten Mantel überwirft.
Mein Blick rutscht zu seinem Fuß hinunter, der ziemlich sicher durchstochen war, aber der nun bereits wieder in einem Stiefel steckt und von Sabo kein bisschen geschont wird. Ich weiß nicht, ob er einfach nur so hart im Nehmen ist, oder ob er seine Schmerzen gut verstecken kann. Ersteres stimmt auf was anderes bezogen jedenfalls.
Widerwillig richte ich mich auch auf und setze mich an die Bettkante. Dann fällt mein Blick auf das weiße Hemd und die schwarze Dreiviertel-Hose, die Sabo völlig außer Acht lässt. „Ist das für mich?“, frage ich, schnappe mir bereits das Oberteil.
„Na ich brauche keine neue Hose“, grinst er, lässt seinen Blick dann zwar zu mir, aber ganz sicher nicht in mein Gesicht schweifen, sondern.. „Dafür kann ich nichts“, kommentiere ich meine löchrige Hose, bei der man schon jenseits von Gut und Böse sehen kann, weil mein Mantel nicht mehr darüber fällt.
Ich ziehe mir das Hemd über, versuche zu ignorieren, dass er mir gerade penetrant in den Schritt starrt.
„Soll ich lieber die Hose anlassen?“, frage ich dann doch noch schmunzelnd, weswegen er sich auch mal von dem ungewollten Ausschnitt losreißt.
„Nun, sie unterstützt deine wilde Art“, gibt er gespielt ernst zu Bedenken, wirft mir dann jedoch die neue Hose mit einem Grinsen zu, „Aber wenn du so herumläufst, kann ich deine Sicherheit nicht mehr gewährleisten.“
„Sag bloß das lockt die Monster an“, feixe ich scheinheilig, ziehe mir die Hose nun von den Beinen runter - beide. Sein Blick verrät mir zu genüge, dass ich damit ausschließlich das Monster in ihm anlocke.
Naja - ich will gerade schon die neue Hose an meinen Füßen ansetzen und anziehen-
da wird mein Kopf nach oben gerissen und er beginnt mich stürmisch zu küssen.
Damit habe ich nicht gerechnet.
Überfordert erwidere ich, lege gerade noch das Stoffteil in meinen Händen weg, da steigt er bereits mit den Knien über mich aufs Bett.
Holla.
Seine Finger verkrallen sich in meinem Hemd, ziehen mich herrisch ihm entgegen, zwingen mir noch härter unseren heftigen Kuss auf. Überwältigt schnaufe ich, lege dann aber ebenso willig meine Arme um seinen Nacken und intensiviere unseren Kuss. Ich sitze noch immer an der Bettkante, doch hält er mich so stoisch fest, dass ich gar keine Körperspannung aufrecht halten müsste.
Ich will etwas sagen, fragen, welche unheiligen Geister denn nun in ihn gefahren sind, doch schiebt er mir beim Versuch lediglich seine Zunge in den Rachen.
Okay.
Ich steige voll drauf ein.
Mehr als nur läufig dränge ich mich ihm entgegen, hauteng an seinen Körper. Seine Zunge führt unseren Kuss, zeigt mir noch mehr, dass seine dominante Seite mit mir nach Belieben verfahren kann. Geil. Und wieder bin ich fasziniert davon, dass seine Zunge so rau ist - oder fühlt sich das für mich nur so an?
Seine Finger tänzeln förmlich an mir hinab, greifen in meine empfindlichen Seiten, weswegen ich leise in den Zungenkuss keuche.
Und ich hebe die Lider leicht, erkenne jetzt erst, dass er mich fiebrig beobachtet.
Überrascht blinzle ich, er hat den Kuss mit einem geringen Abstand zwischen unseren Lippen unterbrochen. In meiner Sehnsucht will ich bereits blind seinen Lippen folgen, doch hebt er nur schmunzelnd den Kopf an, sodass ich lediglich mehr an sein Kinn herankomme. Meine Nase stößt sanft gegen seinen Unterkiefer, ich sehe flehend zu ihm hoch - er kann mich doch nicht einfach so heiß hierauf machen und jetzt so einen kalten Cut setzen!
„Na“, tadelt er mich nur, weil ich störrisch zu ihm aufsehe.
Zu meiner eigenen Verwunderung entkommt mir ein kleines, auflehnerisches Winseln, das sich mehr nach einer Forderung als einer Bitte anhört.
Und bei Gott, Sabo springt auf so etwas wirklich ohne Zögern an.
Seine rechte Hand rutscht hinab, umgreift hart mein armes Glied, das gar nicht weiß, wie ihm geschieht. Und meine Augen weiten sich vor Schreck, als mir meine Gesichtsmuskulatur abhaut.
Sabos grüne Iriden scheinen sich tief in meine Seele zu bohren. Sein kühler und zugleich so leidenschaftlicher Blick macht mich wahnsinnig.
„Vergiss nicht, dass ich dich in der Hand halte, Ace.“
Ich schlucke trocken.
Wenn das hier noch eine Machtdemonstration ist, nur um mich an meinen Platz unter ihm zu erinnern, dann..
funktioniert das wirklich verdammt gut.
Ich würde wirklich alles mit mir machen lassen, solange er es mir befiehlt. Ich bin echt komplett verloren.
Aber etwas anderes würde ich mir nicht wünschen.
Sabo lässt endlich mal von meiner Nudel ab, die bei seiner rabiaten Begrüßung das Gegenteil von Weichkochen durchlebt hat - und schmunzelt mich dann nur charmant an.
„Fein“, rollt er mir provokativ entgegen, erhebt sich damit auch schon von mir und.. von wegen charmant!!
Fassungslos glotze ich ihm hinterher, während er sich unbekümmert wieder von mir abwendet und stattdessen nun auch seine dunklen Handschuhe überzieht, sich somit ausgehfertig gemacht hat.
.. Und mir schließlich einen fragenden Blick über die Schulter zuwirft, so richtig schön 'Was ist, wir wollten doch los.'
Mürrisch widme ich mich wieder meinem Unterfangen, nicht mehr hosenlos hier herum zu sitzen. Dabei zeigt meine Situation meinen Standpunkt ganz gut - ich habe bei uns beiden nämlich ganz sicher nicht die Hosen an. Nicht mal die Unterhosen! Und das hat nichts mit der Notwendigkeit des Ausziehens beim Sex zu tun.
Warum hat er gerade-.. mein Grinsen findet zurück auf mein Gesicht. „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen?“, frage ich unschuldig, linse ihm entgegen.
„Eventuell“, lässt er verheißungsvoll offen, macht sich dann schon in Richtung der Tür auf.
Doch sein verdorbenes Schmunzeln habe ich sehr wohl noch erkennen können.

Interessiert verfolge ich, wie um uns herum die Menschen sämtliche Fensterläden schließen. Alles flüchtet, als würde ich 'nen Sack Flöhe über meinem Kopf wirbeln lassen.
Wenn nicht gerade das, dann gehen sie weiträumig aus dem Weg und werfen uns misstrauische Blicke zu.
Ich schicke mich, nah an Sabos Seite zu bleiben.
Immerhin sehe ich nicht mehr komplett verwildert aus und Sabo sieht auch nicht mehr so aus, als hätte er sich im Blut von irgendwelchen Monstern gebadet.
Ob der Torwächter Bescheid gegeben hat, dass ich ein Werwolf bin?
Ein kleiner Junge wird nicht schnell genug aus meinem 5-Meter-Radius gezogen, starrt mich neugierig an, wofür er sich sogleich ein ungewolltes Knurren von mir einfängt.
Oh.
Die Mutter zieht ihn panisch davon, Sabo krallt sich stattdessen mich. „Wag es nicht“, zischt er mir bedrohlich zu und ich ziehe den Nacken ein. „'tschuldige“, murmle ich reuelos, immerhin hat dieses Kind da doch angefangen!
Er lässt meinen Arm frei, sieht mich kopfschüttelnd - wenn auch lächelnd - von der Seite an, ich schmolle nur beleidigt zurück.
Dann dreht er sich einem kleinen Blumenladen zu, der am Straßenrand bereits schließen möchte.
Die Miene des Großväterchen erhellt sich bei Sabos Anblick sofort - zusammen mit einer dieser typischen 'Wie schön dich zu sehen mein Junge' Begrüßungen. Ich bleibe halb hinter ihm stehen, besehe mir die breite Straße, auf der wir uns befinden, genauer. Vereinzelt huschen Leute in recht vornehmer Kleidung vorbei, zwar nicht vom Adel, aber definitiv nicht ärmlich. Das Kopfsteinpflaster sieht hier auch nicht allzu mitgenommen aus, nahezu lückenlos und ohne größere Stolperfallen. Außerdem sind die Gebäude noch nicht ganz so verfallen, hier und da werden die Fassaden überarbeitet. Ich hatte es mir bereits beim Eingang gedacht - diese Stadt ist nicht nur größer als meine Heimat, sie ist auch wohlhabender.
Es passt wohl zu Sabo - denke ich mir, drehe mich meinem scharfen Westenträger wieder zu.
Selbst mit den vielen Rissen und Löchern kann man ihm noch anerkennen, dass seine Kleidung und sein Mantel einmal auf seinen hohen Stand hingewiesen haben.
Wieso gibt jemand ein angenehmes Leben in üppigen Verhältnissen für das Leben in der Wildnis auf, umringt von blutrünstigen Monstern?
Noch im Grübeln fällt mir auf, dass der alte Blumenverkäufer gerade Sabo einen gebundenen Strauß überreicht, sein warmlächelndes Gesicht dann aber auf mich trifft.. und sich schlagartig verfinstert.
Nett, ja danke, sehr freundlich.
„Danke dir Hack“, richtet Sabo auch schon wieder sein Wort an ihn, damit er mich nicht weiter in Grund und Boden nieder starren kann. Vielleicht hatte er aber auch nur Angst, dass ich den Kerl auch noch anfange anzuknurren. Hoffentlich verpasst er mir nicht noch nen Maulkorb und ne Leine.
Sabo wendet sich mit dem schlichten Blumenstrauß bereits wieder zum Gehen um, da bemerke ich, wie besagter Hack ihn und seine Verletzungen nochmal traurig mustert. „Bitte pass auf dich auf. Du weißt, dass sie dich so nicht gerne sehen würde.“
Sie?
Fragend sehe ich zu Sabo, doch der ist von diesen Worten für einen Moment nahezu versteinert. Noch immer halb von dem Verkäufer abgewandt sieht er schweigend auf die Blumen hinab, dann wirft er ein schwaches Lächeln zu dem Grauhaarigen, ehe er nur noch die Hand kurz zur Verabschiedung hebt.
Er schreitet deutlich schneller als vorhin noch über den gepflasterten Weg.
Sie?
Großartig, das lässt mich jetzt nicht mehr los. Und die Eifersucht, die mir die Brust zusammenzieht, sagt auch schon genug über mein Selbstbewusstsein aus.
Ich schnaube, fixiere stattdessen wieder die Bewohner, die sich noch immer flüchtend in den Häusern verschanzen.
„Seh ich so gefährlich aus?“, frage ich Sabo gereizt, was ihn endlich aus seinem Sprint herausreißt. Er sieht mich überrascht an, ehe sein Blick dem meinen folgt und eine Spur Nachsicht darin zu finden ist. „Die Menschen hier haben nur sehr schlechte Erfahrungen mit Fremden.“
Jetzt hab ich seine Laune wohl wirklich in den Dreck gezogen, denn er hängt noch ein leises „Verüble es ihnen nicht“ nach.
Hah.. ich kann förmlich riechen, wie sehr ihn etwas bedrückt. Gut gemacht, Ace.
Tief atme ich durch. Ich sollte vielleicht nicht fragen, doch wenn ich es nicht tue, wird es mich noch verrückt machen.
„Verrätst du mir, was passiert ist?“
Wenn er bereit dazu ist, wird er es mir verraten. Mir ist inzwischen klar, dass das mit seiner eigenen Vergangenheit zu tun haben muss.
Seine Mundwinkel schwanken, ebenso wie seine Entscheidung.
Nur kurz huscht sein Blick zu mir, dann kämpft er wieder mit sich selbst.
Er sagt so lange nichts, dass ich schon glaube, dass gar keine Antwort mehr kommen wird. Doch sobald wir in eine verlassene Gegend einbiegen, wo kaum mehr Häuser sondern nur noch um die Zeit leere Fabrikhallen stehen, beginnt er zu sprechen.
„Ich sagte dir doch, dass es vier Überlebende in der Stadt im Norden gab.“
Jetzt bloß vorsichtig bleiben. „Ja.. ich dachte, dass die vierte Person auf dem Weg hierher schon gestorben wäre.“
Er sieht so grenzenlos traurig auf diese Aussage hin aus. Am liebsten hätte ich etwas zum Trost gesagt, doch ich verstehe ja noch nicht mal die Geschichte dahinter.
Beherrscht zieht er die Luft ein. „Nein, sie kamen alle vier hier an. Nur diese vierte Person war schon mehrfach mit der Pest von dort in Berührung gekommen - doch lebte noch immer und hatte keine Symptome. Deswegen erkannten die Ärzte hier schnell, dass es sich um einen Jungen mit dem Waidmanns-Gen handeln muss.“
Moment.. das war doch nicht er, oder?
Perplex sehe ich ihn von der Seite an, er sieht mich wissend an, doch schüttelt er nur leicht den Kopf. „Sein Name war Stelly. Und meine Eltern, die höchsten Adligen dieser Stadt, adoptierten ihn sofort, als sie von seiner Immunität hörten. Man kann das Gen nicht nachweisen. Ein Kind mit diesem besonderen Blut zu haben, war die größte Ehre. Sie waren so stolz auf ihren neuen Sohn.“
Pure Ironie.
Alleine das klingt bereits nach einer harten Kindheit.
„Nur gibt es einen Haken an dem Gen. Einen, der den Menschen und insbesondere meinen Eltern damals noch nicht bekannt gewesen ist.“ Wir passieren die Fabrikhallen, gehen einen Schotterweg entlang, der verdächtig danach aussieht, als würden wir einen Friedhof betreten. Und nun verstehe ich den Blumenstrauß. „Wenn dein Geist und dein Wille nicht stark genug ist, frisst es dich von innen heraus auf. Es treibt dich in den Wahnsinn. In die Art Blutrausch, in die ich verfallen bin, als ich dich beschützt habe. Nur wenn man nicht genug Selbstkontrolle hat, kann man sich davon nicht mehr losreißen. Es vergiftet den eigenen Verstand.“
Ich schweige.
Hat er Angst gehabt, dass ihm eines Tages dasselbe passieren könnte? Viel schlimmer jedoch - warum.. befinden wir uns nun auf einem Weg zwischen Gräbern hindurch..?
„Er hat alle um sich herum ermordet“, erklärt Sabo, so abwesend und kalt klingend, dass es mir einen unwohlen Schauer beschert. „Die mir wichtigsten Personen“, er verbeißt sich in seiner Unterlippe, sein Blick fängt eine mir unbekannte Resignation ein. „Nur mich hat er nicht geschafft. Denn als ich dem Tod ins Auge blickte, habe ich ihn aus Instinkt heraus selbst getötet.“
Schmerzlich verstehe ich nun seine Beweggründe.
Er konnte die Menschen nicht beschützen, die ihm wichtig waren. Er hat selbst das Blut in sich, das seinen Adoptivbruder erst zu dieser Tat getrieben hat. Und entweder Selbsthass oder das Gefühl von Machtlosigkeit hat ihn dazu gebracht, sein eigenes Leben auf eine harte Probe zu stellen.
Das hast du nicht verdient, Sabo.
Du hast auch so bereits genug leiden müssen.

„Das tut mir leid.. wegen deiner Familie“, murmle ich, als er schließlich in eine Reihe der Gräber am äußeren Rand des Friedhofs einbiegt. Und als er vor einem stehenbleibt, bei dem ich plötzlich erkenne, dass es nicht den adligen Ruhestätten weiter mittig gleicht, da erhebt er seine Stimme. „Um meine Familie trauere ich nicht.“
Sabo kniet sich auf den Schotter hinab, ehe er den Blumestrauß auf die trockene Erde hinab legt. Ein altes Bild eines liebevoll lächelnden Mädchens steht eingerahmt am Eck der steinernen Umrandung. Und als ich auf die Inschrift sehe, verstehe ich..
'Koala'
.. dass sie gerade einmal dreizehn gewesen ist.
Und ich stehe einfach nur hilflos da, weiß nicht, was ich noch sagen oder tun soll. Ich hätte gerne irgendetwas gesagt, egal was, aber stattdessen stehe ich einfach nur stumm da.
Doch Sabo verweilt keine zehn Sekunden auf den Knien, steht gefasst wieder auf. Und sein Blick sieht plötzlich entschlossen aus.
„Ace“, beginnt er, den Blick noch immer nach unten gerichtet.
Seine nächsten Worte spricht er mit ungreifbar viel Gefühl und Festigkeit. „Ich werde dich beschützen, was auch geschieht.“
Sabo..
Erschüttert blicke ich ihn an.
So sehr haben mich noch nie Worte in meinem Herzen berührt.
„Du bringst mich noch zum Weinen“ - und das meine ich ernst, mir stehen die Tränen schon in den Augen.
Sabo sieht zu mir, beginnt voller Herzlichkeit zu lächeln, doch ist die Trauer aus seinen wunderschönen Augen verschwunden. „Ah, das hätte ich beinahe vergessen“, meint er, zieht verwundert die Augenbrauen in die Höhe und beginnt in seiner Manteltasche zu kramen.
„Mh?“, frage ich interessiert nach, strecke meinen Hals etwas, meine unendliche Neugier siegt mal wieder über meine Geduld.
Sabo grinst, kommt zu mir mit dem Blick auf seinen Mantel gerichtet, ehe er etwas hervor zieht. Eine rote.. Perlenkette..?
Mit einem freudigen Strahlen lässt er sie über meinen Kopf gehen, legt sie mir um den Hals. Und ich sehe immer noch verdutzt drein. „Ich hab doch gesagt, ich besorge dir ein vernünftiges Halsband“, zwinkert er mir schelmisch zu, hält sie noch immer fest. Halsband?!
Eigensinnig verziehe ich das Gesicht, sehe an mir herab - doch muss ich zugeben, dass ich mich nicht mal über das Ding beschweren kann. Es schreit jedenfalls nicht etwas wie 'Hey, ich hab nen Halter' aus und stören tut es mich auch nicht. Wenn es auch verdammt.. schwer ist, wie ich merke, weil er die Kette loslässt und.. was zur Hölle?!
„Sind das Steine?“, frage ich irritiert, wenn es auch nicht unangenehm viel Gewicht ist, aber deutlich mehr als erwartet.
„Metall. Und verbunden mit einem Drahtseil - jetzt sieh mich nicht so an, es muss ja jemanden wie dich überstehen können“, lacht er glücklich, streift mir durch die schwarzen Haare, die davon bestimmt nicht besser aussehen. „Sie sollte dir auch in deiner Wandelform noch passen, sodass du sie nicht gleich wieder verlierst.“
Ich blicke nur kurz zu ihm auf, sehe dann wieder auf die Perlenkette hinab und muss ehrlich gestehen.. „Sie gefällt mir.“
Daraufhin kann ich spüren, wie er sich gleich noch mehr freut. Sein Lächeln legt sich warm über mich, erfüllt mich. Dann drückt er mir seine Lippen liebevoll auf die Stirn.
Für einen Moment verharrt er, ehe ich meine, ein „Danke“ von ihm geflüstert zu hören. Perplex sehe ich auf, doch geht er bereits den Schotterweg zurück.
Und in dem Moment begreife ich, dass ich es war, der ihn aus seinem Gedankensumpf und seiner so negativ gewordenen Lebenseinstellung herausgezogen hat. Ihm eine neue Motivation im Leben geschenkt hat. So wie er sie mir zurückgegeben hat.
„Komm, die Nacht bricht bald herein und wenn dich die Leute hier als Werwolf herumstreunern sehen, werde ich gelyncht.“


Der Mond erhebt sich bereits, als wir wieder in den Patientenraum gelangen, der uns wohl für diese Nacht überlassen wurde.
Entgegen meiner leisen Befürchtungen spüre ich aber nicht das Gefühl von Bedrängnis oder dieses heftige Pulsieren, mit dem mich immer mein Werwolf gegen meinen Willen gepackt hat. Nein, da ist nur.. das Gefühl von Macht, von aufmerksamer Wahrnehmung.
Als wäre ich plötzlich hellwach, weil etwas mich aus dem Schlaf gerissen hat.
Sabos Blick ist einige Mal unsicher zu mir gewichen, das ist mir nicht entgegen. Selbst wenn er immer dann mich genauer inspiziert hat, wenn ich ihn eigentlich nicht sehen hätte sollen. Meine Sinne entwickeln sich von Tag zu Tag - obwohl ich so genau eigentlich immer nur nachts alles vernommen hab.
Doch jetzt, jetzt sehe ich nahezu mit allen fünf Sinnen.
Und was mich dabei besonders ins Schwitzen bringt - ich nehme Sabo mit allen Sinnen war. Seinen Herzschlag, jede noch so kleine seiner Bewegungen. Das sanfte Rascheln seiner Kleidung, wenn sie sich über seine Haut schiebt. Aber was mir am meisten zusetzt ist sein Geruch.
Er hat immer noch diesen penetranten Eigengeruch für mich - doch plötzlich hat das etwas Anziehendes auf mich. Als hätte man mich in die Paarungszeit gesetzt und Sabo riecht nach einem Partner. Liegt das daran, dass ich ihn ein Stück weit als meinen 'Rudelführer' anerkannt habe? Ist er deswegen so vertraut für mich, strahlt diese angenehme Aura aus, die mich wie zu einem Wackeln im Unterholz hinzieht?
Mir wird plötzlich unendlich heiß, kaum bin ich mit ihm im geschlossenen Raum und er ist das Einzige, was sich noch bewegt.
Irgendetwas packt mich. Es packt mich.
Doch nicht im Negativen- ich habe nur plötzlich dieses starke Bedürfnis.. ich will..
Mein Atem beschleunigt. Alarmiert hält Sabo darin inne, sich in Ruhe den Mantel von den Schultern zu ziehen, sieht mich durch die Dunkelheit skeptisch an. Doch ich verwandle mich nicht, das wüsste ich, hab ich bisher immer deutlich vorher gespürt.
Stattdessen falle ich Sabo auf eine andere Art und Weise an.
Offenbar mit etwas zu viel Schwung lehne ich mich an ihn, klammere mich an ihn wie ein Ertrinkender - denn er gerät ins Straucheln, bevor er rückwärts auf die niedrige Sofabank fällt. „Hey-!“, herrscht er scharf, hat vermutlich schon Angst, dass ich ihm gerade etwas tun will.
Doch ich platziere mich nur auf seinem Schoß, lehne mich gegen ihn, halte meinen Kopf devot unter dem seinen, damit er zu mir herab sehen kann. Drücke mich fordernd gegen ihn.
„Darf ich dich küssen?“, hauche ich ungeduldig hervor, verkralle meine Finger in seinem Hemd.
Er sieht mich zutiefst verwirrt an, beobachtet mich aufmerksam, doch muss er auch feststellen, dass ich gänzlich bei Sinnen bin. Wobei er wohl nochmal darüber nachdenkt, als ich meine Lippen an seinem Kinn ansetze und flehend zu ihm hochsehe. Ich kann es selbst nicht erklären, ich habe einfach nur das unglaublich intensive Bedürfnis, ihn zu berühren. Ihm nahe zu sein. Mir seine Aufmerksamkeit und sein Lob zu verdienen.
Und weil ich nun auch meinen Unterkörper vorsichtig gegen den seinen drücke, überwindet er doch endlich seine Bedenken.
Seine Finger legen sich in meinen Nacken, ziehen meine Lippen in einen leidenschaftlichen Kuss, den ich ungeniert hungrig erwidere. Mit jedem innigen Verschmelzen unserer Lippen scheint er sich mehr davon zu überzeugen, dass ich ihn gerade wirklich notdürftig angehe.
Anders kann ich dieses Verlangen nicht mehr beschreiben. Bettelnd um seine Aufmerksamkeit, flehend um seine Nähe.
Ich verschwende keine Gedanken an das 'Warum'.
Er hebt sich aus seiner niedergerissenen Sitzhaltung und setzt sich aufrecht hin. Zaghaft streiche ich um Erlaubnis bittend mit der Zunge über seine Lippen, da kommt er mir bereits entgegen. Meine Gegenwehr fällt mager aus, viel zu sehr genieße ich es, mich von ihm führen zu lassen. Er scheint das auch genau so zu genießen.
Seine freie Hand drückt mich noch härter auf seine Körpermitte, läufig reibe ich mich gegen ihn, was ihn erregt schnaufen lässt.
Gott, ich will ihn so sehr verwöhnen.
Meine Hände streichen hinab, doch meine Finger ertasten bereits die Verbände unter seiner dunklen Herrenweste, weswegen ich mit ihnen innehalte. Und er bemerkt sehr wohl, weswegen, krault mich entschuldigend im Nacken.
Keine Sorge, ich wollte sowieso nicht, dass du dich anstrengen musst, mein Lieber.
Er unterbricht widerwillig unseren Kuss, verzieht schmerzlich den hübschen Mund, ehe er zu einem „Ich glaube nicht, dass ich-“ ansetzt, mir mit Sicherheit sagen will, dass Law ihn mit dem Skalpell aufschneidet wenn er sich nun verausgabt, aber..
„Lass mich dir einen blasen“, bitte ich stattdessen selbst vor Erregung zitternd, hauche es ihm direkt gegen die Lippen, während ich ihm gläsern in die Augen hochsehe.
Seine Augenbrauen ziehen sich überrascht in die Höhe, ehe sich eine fragend senkt. Wenig verwunderlich. Ich sitze hier auf ihm, willig wie Gott mich schuf und flehe in gerade darum an, ihn befriedigen zu dürfen.
„Was ist..“, beginnt er, doch dann verengen sich seine Augen und er begreift, dass ich gerade aus purem Instinkt um seine Gunst buhle. Aber mir ist egal, wie man das hier nennt, ich wollte mich noch nie so sehr jemandem anbieten.
Und ich glaube wir wissen beide, dass es das Resultat davon sein könnte, dass er mich heute gerettet hat. Gezähmt hat. Mir sämtliche Widerwehr zuerst hinausgeprügelt hat - und mir dann noch den Dominanzstempel aufgedrückt hat.
Will ich mich gerade.. bedanken..?
„Bitte“, hasple ich bebend, mein Atem schlägt gegen seinen süß-perplexen Gesichtsausdruck. Und sein Blick huscht kontrollierend zum Fenster, erkennt, dass die Sonne bereits am Horizont verschluckt wurde. Er ist sich unschlüssig, doch als er seinen Blick wieder auf mein flehendes Gesicht wirft, siegt wohl doch die Neugier und der Männerinstinkt.
Wer kann auch schon 'Nein' zu einem Blowjob sagen?
„Mach“, bringt er nur noch hervor, sieht mir tief in die Augen, bevor sich meine Hände umgehend in seinem Schritt vergreifen. Durch den Stoff hindurch drücke ich meinen Handballen gegen seinen Halbsteifen, schnurre geräuschvoll auf, dränge mich gegen seinen Körper.
Er keucht atemlos. Und ich höre es in all seiner wunderschönen Intensität.
Sein rauschendes Blut, sein wilder klopfendes Herz.
Ich will hören, wie du klingst, wenn du deinen Höhepunkt wegen mir erreichst.
Ungeduldig verfangen sich meine Finger in seiner Gürtelschnalle, in Windeseile bin ich bei seinen Knöpfen, seinem Reißverschluss. Seine Hand verschwindet aus meinem Nacken, lässt mich endgültig frei und sofort steige ich eifrig von ihm herab und knie mich zwischen seine Beine.
Er beobachtet mich gebannt.
Ich sehe zu ihm auf, während ich seine Hose mit einer Hand hinab ziehe und ich mit der anderen sein pralles Glied hervor hole.
Erwartungsvoll breitet er seine Beine weiter auseinander, lehnt sich an die Banklehne zurück und sieht mich noch immer im Tunnelblick an. Ich hätte mir seinen Ausdruck länger auf der Zunge zergehen lassen, doch hat die bereits ein besseres Objekt der Begierde gefunden.
Ungeniert - nein - triebhaft stürze ich mich nahezu in seinen Schoß, stülpe meine Lippen über seine Spitze. Ich zögere keine Sekunde, lasse meinen Mund komplett auf seine Mitte sinken.
Und sein überwältigtes Stöhnen, egal wie kontrolliert leise er versucht es zu halten, hallt lautstark in meinen Gehörgängen wider. Das macht mich maßlos scharf. Sofort krallt sich seine rechte Hand in meinen Haarschopf, weil ich auch noch schamlos beginne an seiner glatten Länge zu saugen, er mit einem gebrochenen „Ace!“ heftig zusammenzuckt, ehe ich zu ihm aufsehe und-
seine Finger sich versteifen.
Und ich weiß wieso du mich jetzt so geschockt ansiehst.
Genüsslich hebe ich meinen Kopf wieder, lege meine Lippen an seiner nicht nur von meinem Mund feuchten Eichel an, ehe ich ihm das provokant tiefe „Ja?“ entgegen raune.
Meine Augen glühen. Orange.
Giftig stechend, gefährlich fiebernd in den Tönen der Abendsonne.
Und er verharrt, erkennt, dass ich nicht dabei bin mich zu verändern, nein, ich bin bereits nicht mehr nur der Mensch Ace. Und doch knie ich brav vor ihm, vor meinem Besitzer, während ich geduldig darauf warte, dass er mich weiter machen lässt. Ihm lediglich noch meinen heißen Atem gegen die empfidliche Erektion schlage.
Ich hab schließlich Manieren.
„Du.. hast dich doch unter Kontrolle.. nicht wahr?“, kommt es atemlos von Sabo, der mich noch immer so intensiv ansieht. Du willst das hier. Natürlich tust du das.
Du wolltest doch schließlich ein Schoßhündchen, werde ich nicht deinen Wünsche gerecht?

Ich grinse verdorben. „So sehr unter Kontrolle, wie ich bei jemand Scharfen wie dir bleiben kann.“
Das ist wirklich abgefahren. Ich bin immer noch ohne Frage Ich selbst. Ich bin kein wildes Tier, weder innerlich noch äußerlich - aber ich habe die Triebe und zur Hälfte die Gedanken von einem. Weil es keine Grenze mehr zwischen dem erzogenen Werwolf und dem vernünftigen Menschen gibt. Außer.. meinen manischen Heißhunger.
Sein Atem wird schwerer. Seine hellgrünen Iriden tauchen in seine schmutzigsten Fantasien ab. „Dafür komme ich in die Hölle“, haucht er, dirigiert mich im selben Moment mittels der Hand auf meinem Kopf in seinen Schoß hinab.
Das kommen wir doch schon längst beide.
Einen letzten leidenschaftlichen Blick schenke ich ihm, dann vertiefe ich mich wieder in meine Aufgabe - ihm den Verstand zu rauben.
Ohne zu zögern nehme ich ihn wieder komplett in den Mund, schlucke seinen kompletten Schwanz und reibe meine Zunge drängend dagegen. Noch kann er sich beherrschen, beobachtet mich aufmerksam, während er sich nun wieder flach gegen die Rückenlehne fallen lässt.
Ich rolle meine Lippen zur Hälfte wieder hoch, umgreife seinen Ansatz mit meiner rechten Hand und beginne beide wenige Male hoch und hinab zu bewegen. Im gleichen Rhythmus, doch verfalle ich ziemlich schnell wieder in einen ungeduldigen Takt. Es dauert nicht lang, bis ich fast seinen kompletten Schaft druckvoll mit der Hand bearbeite, während mein Mund seine überempfindliche Spitze bearbeitet.
Und er stöhnt. So kehlig und halb unterdrückt, dass es mich nahezu streitlustig anspornt.
Lass mich dein Lob ohne Hemmungen hören.
Meine geschlossene Hand rutscht zu seinem Rumpf hinab, ich öffne nur mein linkes Auge und sehe verwegen zu ihm hoch.. als ich meine Zunge weit aus meinem Mund heraus strecke und sie der Länge nach wie ein Mantel um seine Erektion legen kann. Zugegeben, das wusste ich selbst nicht.
Seine Augen weiten sich. Meine Mundwinkel ziehen sich schmunzelnd auseinander, während ich meine Zunge fest um ihn rolle, sie seinen Schaft hinab fahren lasse-
ehe ich wieder nach unten sehe und sein Glied in einem zwischen meinen Lippen verschwinden lasse. Nur meine Zunge belasse ich in genau diesem festen Griff, pumpe mit ihr in einem anderen Takt seinen Schaft. Und der erschrocken helle Laut, der ihm entflieht, macht mich noch mehr an.
Hingebungsvoll lasse ich seine Erektion immer wieder in meinen Rachen eintauchen, finde selbst heraus wie verdammt beweglich meine hündische Zunge auf einmal ist. Seine Begeisterung dafür lässt er mich jedenfalls deutlich hören. Und Gott, sein atemloses Keuchen, das noch immer so viel Beherrschung und Dominanz ausstrahlt, macht mich wahnsinnig. Noch nie habe ich es so sehr genossen, mich deutlich unterlegen und dreckig zu fühlen.
Meine Hand rutscht runter, im selben Moment gleite ich mit den Lippen bis zu seinem Ansatz hinab, verweile von ihm voll ausgefüllt für einige Augenblicke. Lediglich meine Zunge tänzelt um den Fremdkörper in meiner Mundhöhle, wovon die Hälfte inzwischen mir irgendwo im Hals feststeckt, denn er liebt es deepthroatet zu werden wie ich bereits gelernt hab, nur „Ace“ - scheint seine perverse Fantasie mit mir sogar noch weiter zu gehen, denn - „Knurr“ - befiehlt er mir auch schon, und..
Sofort gehorche ich, knurre basslastig auf, mein gesamter Rachenraum beginnt zu beben, zu vibrieren.
Und dann bricht das wohl intensivste, atemloseste Stöhnen über seine Lippen, das mir selbst unerträglich heiß werden lässt. Er verkrampft sich, kurz zucken seine Beine zusammen, doch dann drückt er sogar noch seinen Rücken durch und wirft den Kopf gegen die Lehne zurück, seufzt langgezogen und genüsslich.
Gottverdammt. Das ist die Definition von geil.
Seine Finger entspannen sich auf meinem Kopf, doch nur damit ich wieder Luft holen kann und um mich im selben Moment fiebrig nach unten zu drängen. Er holt sich die Kontrolle über mich, dirigiert mich fordernd hoch und runter. Und kaum begreife ich, wie schnell er es gerade haben will, in welchem Takt ich ihn meinen Rachen ficken lassen soll, muss er mich schon gar nicht mehr führen. Stattdessen fahren seine Finger orientierungslos über meine Kopfhaut, ehe ich verstehe, dass er mich gerade lohnend streichelt.
Und mich erregt das auch noch, zwingt mir zwischen das grollende Knurren sogar noch eigenes Stöhnen.
Wir gehören wirklich in die Hölle, Sabo. Aber das hier ist es wert.
Sein Atem wird abgehackter, während sein verklärter Blick meinen Anblick noch immer in sich aufsaugt. Hier unten laufen bereits sämtliche Flüssigkeiten meine Hand an seinem Rumpf hinab und er überstrapaziert inzwischen unser beider Kehlen. Meine mit seinem zuckenden Genital, seine mit dem rauen Stöhnen, das ihm immer wieder entkommt.
Sein Herzschlag legt zum Endspurt an, er muss mir gar nicht sagen wie nah er dem Orgasmus ist, ich fühle es.
Und er zwingt die Lippen fest aufeinander, stöhnt durch sie hindurch, gerät immer mehr Oktaven in die Höhe und ich lege an Geschwindigkeit zu.
Animalisch lehne ich mich noch mehr in seinen Schoß, führe meine Arme unter seinen Oberschenkeln hindurch, ehe ich mir selbst erlaube ihn mir über die Sofabank noch ein Stück mehr entgegen zu ziehen. Er keucht überwältigt, hält sich mit einer Hand an dem oberen Rand der Lehne fest, die andere rutscht in meinen Nacken hinab und krault mich.
Ich ziehe sanft an seinem Glied, drücke meine Zungenspitze am unteren Band seiner Eichel entlang, während ich doch wieder einen Blick in seine Augen riskiere. Sein lustverhangener Blick ist so herrlich wild wie unsere Seelen. Seine Lippen zittern, stehen leicht geöffnet, weil er inzwischen schon durch den Mund atmen muss.
„Runter“, befiehlt er hauchend, sieht dann gebannt zu, wie ich sofort seinem Wort treu bleibe und ihn im Kompletten in meinen Rachen tauchen lasse.
Sein Herz strauchelt, sein linkes Bein zuckt gegen mich und ich nehme bereits wahr, dass er seinen Höhepunkt erreicht- doch drückt mich sein Griff im Nacken sogar noch herrisch hinab, lässt mir gar keine andere Wahl, als brav zu schlucken.
Ich winsle auf, spüre die unendliche Hitze, die durch seine pochende Erektion zieht, ehe er heiß in mir kommt. Und ehrlich, bei diesem Finale hätte nicht mehr viel gefehlt und ich hätte mir selbst in die Hose abgespritzt, weil ich das hier viel zu gefühlsintensiv miterlebe.
Sabo schafft es nicht lange die Lippen aufeinander zu zwingen und gedämpft zu stöhnen, bricht in einem atemlosen Keuchen ab, dann in einem noch viel geräuschvoll genüsslicherem, bevor er den Kopf gegen die Lehne zurück sinken lässt und kehlig stöhnt.
Ich bin es, der nun heftig zu schnaufen beginnt - zumindest nachdem er seinen eisernen Griff in meinem Nacken löst und mich wieder zu Luft kommen lässt. Seine erlösten Geräusche werde ich nie wieder vergessen können.
Sorgfältig hebe ich meinen Kopf, schließe meine Lippen nahe an seiner Spitze, verschwende keinen einzigen Tropfen. Und erst jetzt bemerke ich, wie sich langsam meine überempfindlichen Sinne runterschrauben.
Verwundert blinzle ich, sehe zu Sabo auf - der mir wild schnaufend entgegen blickt.
An die Aussicht könnte ich mich glatt gewöhnen.
Er befeuchtet sich mittels Zunge die Lippen, fährt sich dann mit seiner noch immer behandschuhten Hand zitternd durch die blonden Strähnen. Und dann lässt er kraftlos seinen Arm sinken, schnaubt lächelnd. „Das war sehr.. unerwartet.“
Bescheuert beginne ich zu grinsen, nehme meine Hände von sener Körpermitte, lege mein Kinn auf seinem Oberschenkel ab. „Ich zeig mich gerne noch anders erkenntlich, wenn dir noch was einfällt.“
Sein Blick streift mich, seine Lider verengen sich und ich würde nur zu gern wissen, woran er nun denkt. „Darauf komme ich noch zurück.“
Na.. wenigstens werde ich es wohl noch erfahren.
Ich lasse meine Zunge über meine Zahnreihen gleiten, schmecke noch immer mehr als deutlich Sabo in meinem Mundraum. Schätze mal so schnell legt sich das auch nicht mehr.
„Aber zuerst“, beginnt er und ich sehe erwartungsvoll zu ihm empor, „willst du nicht, dass ich mich auch bei dir erkenntlich zeige?“
Mir stockt der Atem. Vor allem, weil er dazu auch noch einen so verdammt anrüchigen Blick drauf hat. In mir schreit alles auf, insbesondere mein eigener Ständer, aber.. „Du hast heute schon genug für mich getan“, murmle ich verbissen, meine das auch ehrlich. Ich will nicht, dass er mir hierfür etwas zurück gibt. Zwar war das hier keineswegs ein Ausgleich der tiefen Schuld, in der ich bei ihm stehe, aber es war der Ansatz eines guten Willens.
„Wie du willst.“
Oh ich würde so einiges anstellen wollen, aber irgendwo habe ich doch noch einen Funken Anstand.
Auch wenn allein die Tatsache, dass er es mir auch noch derart offensiv angeboten hat, mein Blut bereits kochen lässt. „Aber meinen Belohnungskuss lass ich mir nicht nehmen“, grinse ich, steige zu ihm hoch, wo er mir bereits lächelnd die Hände in Nacken und Haar schiebt, um meine Lippen innig mit den seinen verschmelzen zu lassen.
Voller Hingabe und Zuneigung.
Und als seine Finger über meine Kette, mein Halsband streifen, das mich als seinen Besitz markiert, beginnt er noch glücklicher in unseren Kuss zu lächeln.
Ich kann nicht leugnen, dass mein Herz hierbei einen freudigen Sprung macht.
Er hat mich zum mit Abstand glücklichsten Menschen Wesen dieser gottverlassenen Erde gemacht.
Ich bin nicht nur frei von sämtlichen Grenzen und Mauern, ich bin auch geborgen in seinen Armen.
Nichts mehr könnte ich mir wünschen.
Nur weiß ich von seinen Sorgen darüber, dass er im Wald fremde Spuren entdeckt hat.. und das mich dieses merkwürdige Pfeifen heimgesucht hatte. Aber ich war bin fest davon überzeugt, dass nichts uns beide mehr auseinander reißen kann.

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