A Story In Between

von Deemon
GeschichteDrama, Romanze / P16
Hanji Zoe Jean Kirschtein Levi Ackermann / Rivaille Mikasa Ackerman OC (Own Character)
30.07.2019
23.08.2019
11
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Liebe Leser,
Heute gibt es ein längeres Kapitel. Ich hoffe ihr genießt es. Meine Arbeit erlaubt es mir, den Göttern sei Dank, nebenbei immer ein wenig die Tastatur zu beanspruchen. Lediglich mein Chef sollte das nicht unbedingt mitbekommen ;))
Viel Spaß beim Lesen!

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Missy

Eine Woche später hatte sie wieder die Erlaubnis auf den Markt zu gehen. Es reichte lediglich Eren eine Windel unter die Nase zu halten. Zeke war ihr die ganze Woche aus dem Weg gegangen. Was das zu bedeuten hatte, wusste Naila nicht. Ihr war es Recht gewesen. Zeke schien sich auf seinem Zimmer verbarrikadiert zu haben und lediglich Essen und viel Trinken entgegen zu nehmen. Dieser Mann ließ jede Pore von Naila in Zorn erbeben und doch verspürte sie eine Angst vor ihm, die sie erschauern ließ. Das Gefühlschaos in ihr beherrschte ihre Gedanken. Gesteuert von Zorn, Angst, Liebe und Trauer raffte sie sich zusammen und schritt mit ihren vier Begleitern aus dem obersten Gerichtsgebäude. Sie drehte sich nicht mehr um. Sollte heute Levis Plan aufgehen, dann würde sie heute nicht mehr zurück kehren. Innerlich lachte sie hysterisch auf. Kein Blick zurück.

In der Woche hatte sich auf dem Markt viel getan. Mehr Stände standen nun im Sonnenlicht und viel mehr Ware wurde angeboten. Selbst die Wachen hatten Probleme alles im Auge zu behalten. Naila kaufte sinnlos ein und ließ die Vier ihre Einkäufe schleppen. Sie wollte sie so immobil wie möglich machen. Nach fast zwei Stunden machte sie den Bauchladenverkäufer aus und schlenderte in dessen Richtung. Der alte Mann sah auf und nickte kaum merklich.

Es geschah alles sehr schnell. Plötzlich brachen aus der Menge zwei halbwüchsige Jugendliche und rannten auf Naila zu. Während der eine nach ihrer Handtasche griff und sie ihr aus der Hand riss, rempelte der Größere der beiden eine der Wachen um. Für Naila sah es aus wie ein gekonnter Tackle. Ihre Einkäufe verteilten sich zum Teil über den schmutzigen Boden. Beide Jungen verschwanden wild jolend in der Menge, zwei Wachen versuchten ihnen nachzusetzen, der dritte rappelte sich wieder auf. Zeitgleich stürzten sich einige Menschen auf Nailas Einkäufe. Die vierte Wache versuchte sich durch die Leute zu schieben, um zu seiner zu beaufsichtigen Person zu gelangen. Naila jedoch ging langsam rückwärts aus dem Geschehen heraus.  Immer wieder wurde der Soldat zur Seite gedrängt, stellte sie belustigt fest. Sein Blick haftete auf ihr. Er sah schon fast verzweifelt aus.  Auf einmal ergriff jemand von hinten Nailas Arm und zog sie herum, warf zeitgleich einen dunklen Umhang um sie und zerrte sie mit sich. Hinter ihnen schlossen sich die Reihen. Naila hörte lediglich das Geschrei der Wache nach ihr. Noch mehr Menschen rannten auf das Geschehen am Marktplatz zu und versperrten die Sicht. Eine undurchdringliche Masse an Personen stellte sich zwischen Naila und ihren Bewachern.

„Still, Missy. Keine Hektik.“, sagte der Mann neben ihr leise und führte sie bestimmend durch die Gasse, am Bauchladenverkäufer vorbei in eine weitere Seitengasse. Dem Bauchladenverkäufer warf er noch eine Münze zu, welche dieser schnell in seine Manteltasche fallen ließ.  Auf der anderen Seite der Gasse folgten sie der Menschenmenge über einen anderen Teil des Marktes an einem Brunnen vorbei bis hin zu einem zerfallenen Gebäude. Zwischenzeitlich warf der Mann den groben Umhang auf Nailas Schulter auf die Auslagen einen Kleidungstandes und griff zeitgleich nach einem roten Mantel, den er ihr wiederum umlegte. Das Outfit machte ein roter Barretthut komplett. Um Sasha legte er ein blaues Tuch, nachdem er das weiße achtlos auf den Boden schmiss.

In der Ruine zog der Mann den Mantel herab und verstaute ihn in einer Kiste hinter einem großen Stein. Danach drehte er sich zu Naila um. Vor ihr stand ein bärtiger Mitvierziger, der sie um gute zwei Köpfe überragte. Die dunkelbraunen Haare lagen kreuz und quer über seinen Kopf und der Bart ging ihm bis zur Brust. Der Bart war in zwei Zöpfe geflochten und mit silbernen Perlen verziert. Seine mächtigen Arme lagen brach vor ihr. Sie waren mit unzähligen Tattoowierungen verziert, zu Teil deckten sie Narben ab. Seine Kleidung war eher unauffällig. Typische Arbeiterklamotte, welche sauber, aber nicht mehr neu war. Ein kariertes Tuch hatte er um den Hals geknotet. Sie starrte ihn an, während er sich an einer Bodenplatte zu schaffen machte. Ohne sich umzudrehen schnaubte er laut aus.

„Gefällt dir, was du siehst, Missy?“ Seine Stimme war sonor und vibrierte stark.

Eingeschüchtert antwortete Naila nicht. Ihr Herz pochte noch immer von ihrer „Entführung“. Er drehte sich zu ihr und hielt ihr die Hand hin, welche sie vorsichtig ergriff. Seine Haut war wider ihrer Erwartungen recht weich und sein Händedruck angemessen.

„Ich bin Sling, Missy. Ich bin nicht überrascht, für welche Schönheit Levi seinen Gefallen einlöst.“, sagte er grinsend. Sein Blick wanderte über ihren Körper. Es überraschte sie selbst, dass sie es nicht als unangenehm empfand. Sie hatte keine Angst vor ihm. Wenn Levi ihm vertraute, dann würde sie es auch tun.

„Naila.“, sagte sie kurz und blickte dann auf ihre Tochter, welche selig in ihrem Arm schlief. „Das ist Sasha.“

„Levis Balg?“, fragte Sling ungeniert. Naila nickte zur Antwort. Der Bärtige schnaubte vernehmlich und wies dann auf die Bodenplatte, die er zur Seite geschoben hatte.

„Das wird ein kleiner Abstieg, Missy. Bind es dir fest und dann geht’s in die Dunkelheit.“

Mit dem blauen Tuch wickelte Naila Sasha vor ihre Brust und ließ sich von Sling auf eine klapprige Leiter helfen. Sie konnte weder die Stufen noch den Boden ausmachen. Eine grenzenlose Finsternis erwartete sie.

„Langsam jeden Fuß nach den anderen. Wir haben Zeit. Es waren mindestens 10 Leute unterwegs, die als Ablenkung dienen sollten. Sling macht keine halben Sachen.“, sagte er grinsend. Naila atmete tief ein bevor sie den Fuß auf die erste Sprosse setzte.

-

Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichte Naila den sicheren Boden.

„Willkommen auf der zwölften Ebene, Missy.“ Er breitete die Arme aus. Sie standen auf einer Empore. Langsam ging Naila zum Rand und blickte hinab. Unter ihr erstreckte sich eine andere Welt. Häuser über Häuser standen wild gebaut in jeder Höhe. Kreuz und quer wandten sich Gassen durch das Gewirr von Gebäuden. Alles wurde mit Straßenlaternen erhellt. Hier unten war Nacht. Immer. Reges Treiben herrschte auf den Straßen, selbst Pferde  und Ochsengespanne konnte sie von hier ausmachen. Wenn der Markt auf der Oberwelt sie schon fast überfordert hatte, so war dieser nur ein lächerlicher Abklatsch von dem Treiben hier unten.

„Beeindruckend.“, hauchte sie atemlos. Hier war also der Ort, an dem Levi geboren und aufgewachsen war. Ein Schauer ging durch ihren Körper. Sie fühlte ihm sich näher und viele Dinge wurden ihr klar. Genüsslich schloss sie die Augen und atmete tief durch. Sling betrachtete sie während sie da so stand. Sie war wirklich eine Schönheit und vor allem schien ihr dies gar nicht bewusst zu sein. Ihre dunkelblonden Haare wurden vom indirekten Licht der Unterwelt erleuchtet. Eine natürliche Schönheit war hier unten eine absolute Seltenheit. Das Kind in ihrem Arm machte sie zu einer scheinenden Madonnenstatue vor der Kulisse, der erstrahlenden Stadt unter dem Stein. Schnell riss er sich aus der Bewunderung und schüttelte den Kopf.

„Komm Missy, es gibt noch mehr zu sehen.“ Er nahm sie beider Hand und zog sie hinter sich her. Als er sicher war, dass sie ihm folgte ließ er sie los.

„Wohin bringst du mich? Und ich heiße Naila“

„Hier unten bist du ab sofort Nina. Du sagst niemanden deinen richtigen Namen. Das Kind heißt Sandra. Wir gehen jetzt zuallererst zu mir. Du musst aus den Klamotten raus. Die riechen regelrecht nach Oberstadt. Dann werde ich dich zu einem sicheren Ort bringen und danach werde ich mich umhören, ab wann es sicher für dich sein wird, dich raus zu bringen.“

„Was hat Levi in dem Brief geschrieben?“, fragte sie nun.

„Psst, auch nicht diesen Namen nennen, Missy. Nichts darüber. Hier haben die Wände Ohren!“

Den restlichen Weg schwieg Naila. Sie musste vertrauen. Wenn Levi Sling vertraute, dann musste sie das auch tun. Slings Behausung war ein mehrstöckiges Haus inmitten der zwölften Ebene. Während Naila still geblieben war, hatte Sling ihr einiges über das System der Ebenen erklärt. Er selbst war Chef in der zwölften Ebene und kontrollierte den Aufstieg zur Oberstadt. Wenn man in den Ebenen wechseln wollte, musste man ihm eine gewisse Gebühr bezahlen. Ein richtiges Kastensystem.

Im Slings Haus selbst war es ruhig. Normalerweise tummelten sich hier seine Leute, diese waren gerade damit beschäftigt in der Oberstadt ein wenig Ablenkung für ihre Flucht zu schaffen. Auf dem Tisch im Zimmer lag Nailas Tasche. Sling kramte kurz in einer Truhe und warf ihr dann ein Kleid auf den Tisch im Raum.

„Zieh das an. Hat meiner Verflossenen gehört. Verdammte Fremdgeherin!“, zischte er, zog einen Stuhl zurück und setzte sich hin. Er erwartet wohl eine Show von Naila. Diese blickte erst zum Boden, der vor Dreck stand und dann zu Sling, der sie erwartungsfreudig anstarrte. Sie wickelte Sasha aus dem Tuch, ging forsch auf Sling zu und drückte sie ihm in die Arme.

„Wenn ich schon vor dir blank ziehen soll, passt du auf sie auf. Auf deinen Dreckboden werde ich sie garantiert nicht setzen.“ Sie krallte das Kleid und machte sich daran ihr Rüschenkleid auszuziehen. Das Ding hatte sie eh nicht leiden können. Sie zog dieser ganzen Kleidergeschichte schon immer Hosen vor. Diese waren einfach praktischer. Aber Zeke hatte schnell dafür gesorgt, dass sie nur solche Kleider auf ihrem Zimmer hängen hatte. Angewidert schleuderte sie das wahrscheinlich sehr teure Spitzenkleid in die Ecke und betrachtete das „neue“ Kleid. Ein einfaches, sauberes, rostbraunes Leinenkleid mit einer dunkelroten Schürze. Ihr Blick fiel zu Sling. Sie schmunzelte. Da stand sie nun in ihrer Unterwäsche herum und er tat nichts Besseres als Sasha auf dem Schoß zu schaukeln und sie dabei anzugrinsen. Wie sie sich gedacht hatte, war Sling nicht so der harte Brocken, wie er vorgab. Ansonsten hätte Levi sie auch nie zu ihm geschickt. Sie warf sich das Kleid über und ging zu den beiden rüber. Sling blickte auf.

„Schon fertig? Schade, jetzt habe ich ja den Striptease komplett verpasst. Deine Kleine hier sieht genauso aus wie Levi. Selbst ihr Blick ist genauso ernst.“, sagte er und wippte Sasha dabei weiter auf einem Knie. „Setz dich Missy.“, wies er sie an. Naila nahm ihm gegenüber Platz.

„Das ist jetzt wichtig. Du heißt Nina, das hier ist Sandra. Ihr kommt aus der Oberstadt aus den Slums. Der Vater der Kleinen ist ein Schläger und Säufer und du dachtest, dass er bei der letzten Titanenattacke gefressen wurde, eigentlich hast du das gehofft. Deswegen hast du dich mit einem Freund aus Kindheitstagen eingelassen. Daher auch der runde Bauch.“ Er nickte zu ihr. Überrascht griff sie sich an den Bauch.

„Du glaubst doch nicht, dass es mir entgeht, wenn sich eine Frau vor mir auszieht. Einen Babybauch erkenne ich auf zehn Meter.“ Er schnaubte. „Ist es auch von Levi?“ Sie nickte zur Antwort. Sie hatte es schon lange gewusst. Sicher war sie sich, seit sie vor fast schon 10 Wochen aus dem Schlaf aufgefahren war und ihr Bauch schmerzte. Sie war jetzt im vierten Monat und die ersten Anzeichen waren klar erkennbar.

„Er weiß es nicht.“, flüsterte sie traurig, noch immer mit der Hand auf ihren Bauch.

„Was?“

„Levi. Er weiß nichts von dem Baby.“ Eine einsame Träne fiel zu Boden. Sling atmete tief ein, er konnte in dieser Situation keine Schwächen zulassen.

„Egal. Weiter mit deiner Geschichte.“ Ihm war nicht der Schmerz entgangen, der in ihrem Gesicht gespiegelt war. Zwei Bälger würden das Ganze schwieriger gestalten. „Plötzlich ist dein Mann wieder aufgetaucht und hat deine Affäre aufgedeckt. Während eines Tobsuchtanfalls seinerseits bist du abgehauen und hast dich an mich gewandt, weil meine verstorbene Schwester Erika eine gute Freundin von dir war.“ Er beobachtete wie sie versonnen über ihren Bauch strich. Sie war so überrascht gewesen, dass er sofort gesehen hatte in welchen Zustand sie war, dass er annahm, dass er der erste war, der Bescheid wusste. Vielleicht war das von Vorteil, wenn die Militärpolizei nur nach einer Frau mit Kind, statt einer Schwangeren mit Kind suchte, war das eventuell ganz gut.

„Dein Mann hat deine Affäre umgebracht, bevor ich einschreiten konnte. Dein Mann sucht immer noch nach dir, weswegen ich dich zu dem sichersten Ort in der Unterwelt bringe - Zu Karlas Herz.“

Wie Sling ihr erzählte war Karlas Herz ein Freudenhaus auf der siebten Ebene. Die Frauen dort waren für Prostituierte noch recht gut dran und lebten ein bescheidenes aber guten Leben. Und sie waren verschwiegen. Naila und Sasha sollten dort erst mal unterkommen. Ihre Schwangerschaft war passend. Somit konnte sie plausibel erklären, warum sie keine Freier empfangen konnte. Sie sollte für Ordnung sorgen. Putzen, waschen und kochen. Durch Levis Gründlichkeit, wäre das kein Problem für sie.

-tbc
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