Weg der Dunkelheit

von dod85
GeschichteRomanze, Übernatürlich / P12
29.07.2019
13.09.2019
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Der Aufbau eines Buches ist immer der selbe, findet ihr nicht?
Der Autor überlegt sich eine spannende Geschichte mit einem charismatischen Protagonisten, dann fügt er noch ein wenig Drama und Romantik hinzu und würzt das Ganze mit einem zynischen Antagonisten, mit dem man spätestens nach Seite 150 irgendwie doch mitfühlen kann.  
Und gerade wenn man denkt „ok das wars jetzt“, kommt die vorhersehbare, unglaublich überraschende Wende, die jeder Leser schon längst vermutet hat. Die wenigsten Autoren schaffen es mich und euch wahrscheinlich auch, so richtig zu fesseln, indem sie diese immer gleichen angelernten Praktiken durchbrechen und einfach ihrem schriftstellerischen Instinkt folgen und danieder schreiben was ihnen gerade in den Sinn kommt.
Ohne langes Skript, ohne vorherige Überlegungen. Sie lassen der Geschichte und den darin enthaltenen Personen einfach freien Lauf, sehen als Außenstehende zu wie sich die Geschichte entwickelt, ihre Figuren zum Leben erwachen  und schreiben gierig nieder was ihnen ihr auf Hochtouren arbeitender Verstand vor die Füße wirft.

Ich will das genaue Gegenteil tun.
Ich werde euch schlicht und einfach meine Geschichte erzählen.
Die Geschichte einer Hexe.

Von mir, als kleinem Mädchen das einen kohlrabenschwarzen Handabdruck am Fenster sah als sie mit ihren Eltern im Urlaub ein kleines, nach neu verbautem Holz riechendes Ferienhäuschen bezog.
Dem Mädchen, dem keiner glauben wollte, auch wenn ihr vor Schreck das Herz in der Brust so heftig schlug, dass ihr der Schweiß ausbrach und die Wände um sie herum sich zu drehen anfingen.
Dinge, die ich lange verdrängt habe, weil mich das Erwachsenwerden lehrte, dass Übersinnliches oder gar übersinnliche Fähigkeiten nicht in unsere „reale“ Welt gehören und lediglich der Phantasie eines Kindes entspringen.

Entspringen sollten.

In diesem Sommer in Dänemark hatte ich das erste Mal wirklich das Gefühl etwas zu sehen, dass meinen Eltern und anderen Menschen vorenthalten blieb. Ihr kennt sicher das Gefühl beobachtet zu werden oder die Anwesenheit einer Präsenz zu spüren. Nicht wirklich greifbar aber dennoch da. Ein blinder Fleck im Augenwinkel, eine innere Unruhe, Stellen im Haus oder Garten die immer wieder aus unerfindlichen Gründen unseren Blick anziehen, dunkle Ecken in denen wir uns selbst in unseren eigenen vier Wänden auf einmal nicht mehr wohl fühlen und wo wir spontan Gänsehaut bekommen.
Im Regelfall schalten wir einfach unser logisches Ich ein und befassen uns mit anderen Dingen. Schnell ist der Moment dann vergessen.

Als Kind aber sind die, ich will es mal übersinnliche Antennen nennen, deutlich ausgeprägter und wie bei einem Muskel, der nicht verwendet wird, verkümmert dieser im Laufe des Lebens.

So bezog ich also, das 7 jährige Mädchen damals im Sommer 1992, mit meinen Eltern in Dänemark unser Ferienhäuschen. Ich war so euphorisch, das erste Mal im Ausland weit weg von Zuhause in einer einsamen Hütte im Wald. Das nächste Ferienhaus viele Meter weit weg. Um uns herum nur Bäume und Wiese und dann überall dieser Geruch nach frischem Holz. Ich rieche es immer noch wenn ich daran zurück denke.

Als ich meine Tasche auspacken wollte, drehte ich mich zu dem zweigeteilten Fenster um und freute mich gleich auf dem Spielplatz vor dem Haus die große Schaukel ausprobieren zu können. Ich ging näher ans Fenster als in dem Moment eine Kinderhand, kohlrabenschwarz von unten auf die untere Hälfte des Fensters patschte. Ich war so erschrocken, dass ich am ganzen Körper zitterte und sofort nach meinen Eltern rief. Die mich wie erwartet nicht ernst nahmen, war doch weit und breit niemand zu sehen. Es kostete mich die ersten Tage große Überwindung in diesem Zimmer zu übernachten. Meine Blicke wanderten immer wieder zu dem Fenster hinüber und am vierten Tag fragte ich mich ob das was ich gesehen hatte wirklich real gewesen war oder nicht doch nur eine Folge von zu wenig Schlaf und einer langen Autofahrt.  

Das nächste Erlebnis, an das ich mich erinnern kann, hatte ich als mein Großvater einige Jahre später starb. Ein paar Wochen nach seiner Beerdigung träumte ich einen lebhaften Traum indem wir zusammen spazieren gingen und er mit einem zynischen Lächeln meine Hand nahm. Ich fragte ihn warum er hier sei er sei doch tot, doch er zuckte nur mit den Achseln und drückte mich fest an sich. Ich hatte mich vor seinem Tod nicht verabschieden können.                              
Als ich im morgendlichen Dämmerlicht, dem Zwielicht bevor die Sonne wirklich aufgeht, sacht die Augen öffnete, um mich aus dem Traum frei zu strampeln versuchte, der mich noch festhielt wie klebriger Honig, meinte ich eine verschwommene Gestalt in meinem Zimmer stehen zu sehen.        Ich war sofort hellwach und im ersten Moment erschrocken aber als ich nochmal hinsah war da nichts. Nur der Geruch des Aftershaves meines lieben Großvaters lag in der Luft. Herb, würzig, ich schloss die Augen und mir wurde ganz warm ums Herz.

Dann brachen die ersten Sonnenstrahlen durch meine Gardinen in mein Jugendzimmer und es war vorbei, aber diesen Moment vergaß ich niemals wieder.

Rückblickend betrachtet, haben meine Kindheit und Jugend viele solcher „Ereignisse“ gesäumt.  Oft hatte ich Angst und habe nicht verstanden was ich sah oder was passierte.

Ich war ja noch so jung und als ich älter wurde und die Angst vor den Schatten wuchs, wuchs auch der Wunsch in mir die Welt, in der ich lebte zu verstehen, mich selbst besser zu verstehen. Bis dahin war ich immer nur eine Art Empfänger gewesen, hin und her getrieben wie ein Blatt im Wind. Nie hatte ich versucht selbst „zu senden“. Und so wurde ich mit der Zeit immer neugieriger.
Als mit Beginn der Pupertät das erste Mal das Wort „Hexe“ durch meinen Kopf geisterte wollte ich mich selbst direkt für verrückt erklären und verwarf das Thema sofort wieder. Das konnte doch einfach nicht wahr sein…

Aber die dunklen Flecken, die fragenden Blicke in die Dunkelheit und merkwürdigen Begebenheiten blieben.
Und ich schwieg und igelte mich ein. Ich schwieg mich über das Thema gänzlich aus, sprach weder mit Freundinnen noch mit meiner Familie darüber. Niemand ahnte wie es in mir drin wirklich aussah, wie einsam und verloren ich mich fühlte. Ich wollte lieber als melancholisch, schweigsam und merkwürdig gesehen werden als eine Verrückte. So fand ich meinen Weg in die Gothic- Szene. Man mag darüber schmunzeln und sich über das Klischee lustig machen, aber eines ist sicher: Für Teenager mit Neugierde auf das Übernatürliche, Magie, die Dunkelheit und Interessen in diversen okkulten Richtungen ist die dunkle Szene durchaus eine Anlaufstelle.  Man kann einfach Fragen stellen, ohne komisch angesehen zu werden.

Von da an gab es kein Halten mehr.

Ich las was ich an Büchern fand, recherchierte im Internet auf speziellen Seiten und suchte nach Zirkeln. Aber alles was ich fand war vage und ungenau. Wirkliche Hexen nirgends zu finden. Die Freunde dieser Zeit sahen sich selbst als „fähig“ und hielten Rituale ab, die sie sich im Internet zusammengebaut hatten. Nächtliches Weintrinken auf dem Friedhof inbegriffen.
Jede Geisteranrufung, die nicht funktionierte, wurde dennoch mit Freude beklatscht und sie beweihräucherten sich danach nur allzu gerne und deutlich zu oft für das was nicht passiert war.
Weiterhin fühlte ich mich fehl am Platz, hatte das Gefühl, dass ich irgendetwas übersah.  Mir reichte das alles nicht, hatte ein ständiges Kribbeln unter der Haut. Ich wollte die Wahrheit, ich wollte mehr. Mehr sehen, mehr fühlen, mehr von allem. Aber vor allem: Mehr ICH.

Also ging ich gänzlich meinen eigenen Weg und verließ mich auf meinen Instinkt.
Irgendwo las ich dann etwas über Selbstfindung und Meditation beziehungsweise über Kanalisation von Energien. Mir erschien das Ganze ziemlich logisch. Na klar, alles was lebt und ist, ist Energie. Da machte es Sinn, um diese Energie zu nutzen erst einen Weg in mein Innerstes Ich zu finden und danach einen, um Energie zu kanalisieren. Logisch, oder? Und fast lächerlich einfach wenn man genau darüber nachdenkt. Sollte das etwa mein Weg zur Magie sein?

Da gab es diese Übung mit der Regenbogenleiter: Man schließt die Augen und stellt sich eine Tür vor, dies stellt symbolisch die Tür in dein Unterbewusstsein dar. Dahinter befindet sich eine Leiter in der ersten Farbe des Regenbogens – Rot. Danach orange, dann gelb und am Ende Lila. Man steigt diese Leitern bewusst hinab und gleitet damit tiefer in sein Selbst hinab. Dort kann man sich auf jeder Ebene umsehen, fühlen und vergessene Erinnerungen kommen und gehen lassen.
Dann auf zur nächsten Tür und nächsten Leiter und so weiter. Es sind insgesamt sieben Stufen wie auch sieben Farben des Regenbogens. Ist man ganz unten angekommen, befindet man sich in tiefer Trance.
Ich brauchte drei Anläufe, um so weit zu kommen, es hört sich einfacher an als es wirklich ist, glaubt mir. Es ist wie eine innere Blockade, an der man nicht weiterkommt. Es ist schwer sich selbst fallen zu lassen und sich zu öffnen für alle Strömungen um einen herum. Wie dem auch sei, bei Anlauf Nummer drei schaffte ich es bis in die unterste Stufe.
Dort fand ich mich auf einer weiten Ebene, voll bewachsen mit saftigem Grün und lauem Wind, der durch die Gräser strich. Die Sonne stand hoch am Himmel und ich fühlte mich körperlich völlig losgelöst, obwohl ich wahrscheinlich näher an mir selbst, meinem ICH war, als jemals zuvor. Neugierig sah ich mich um und konnte kaum glauben, dass ich so tief in meinem Bewusstsein war. Bienen summten um mich herum, irgendwo zog am blauen Himmel ein Vogel kreischend seine Runden und in all dieser Schönheit hatte ich das Gefühl alles begrüßen zu müssen, alles einem höheren Wesen diente.
Ich hatte keinen Namen, aber es war ALLES, wie eine Mutter – warm und liebevoll. Also drehte ich mich einem Artikel den ich zur Anrufung der Elemente mal gelesen hatte und einfach einem Impuls folgend, nach Norden und sagte:“ Erde, ich rufe dich! Komm zu mir!“, ich wackelte mit den Zehen und spürte wie die Erde unter meinen Füßen nachgab und Ich roch den erdigen Duft des frischen reichhaltigen Bodens. Dann drehte ich mich voller Freude nach Osten und sagte:“ Luft ich rufe dich! Komm zu mir!“, ich atmete tief ein, spürte den lauen Sommerwind, der um mich wirbelte und mir die Haare spielerisch zerzauste und ich musste lachen. Ich fühlte mich wieder wie ein Kind, geliebt und völlig frei von Angst. Dann drehte ich mich nach Süden und rief:“ Feuer ich rufe dich! Komm zu mir!“, ich blickte hoch zur strahlenden Sonne, spürte ihre Wärme wie die liebkosenden Streicheleinheiten meiner Mutter und drehte mich lächelnd nach Westen, um den Kreis zu vervollständigen. Ich sagte:“ Wasser ich rufe dich! Komm zu mir!“, meine Hände streiften über die vom Tau benetzten Grashalme und ich spürte die erfrischende kühle Feuchtigkeit zwischen meinen Fingern. Ich war so euphorisch und empfand zugleich das erste Mal Ruhe und Frieden und wäre am liebsten für immer hiergeblieben.  

Aber irgendwann war es Zeit.

Ich stieg meine Regenbogentreppen wieder hinauf und stand nach diesem weltverändernden Erlebnis erstmal total neben mir. Was genau da passiert war? Ok ich hatte die Elemente angerufen. In mir, in meinem innersten Selbst und dann? Hatten sie mich erhört? Meine Aufregung wuchs mit jedem Moment da mir neue Fragen einfielen.

So verbrachte ich weiterhin meine Nachmittage mit dieser Übung bis ich leicht die Leitern hinab kam und sicheren Zutritt zu meinem geheimen Ort hatte. In der verbleibenden Zeit hatte ich mir sehr zum Ärger und zur Sorge meiner Eltern einen kleinen Altar eingerichtet mit Dolch, Kerze, Kelch und Münze entsprechend der Elementzugehörigkeiten. Ich wollte auch außerhalb meiner Meditationen mit den Elementen kommunizieren. Nur irgendwie funktionierte das nicht wie ich es mir erhofft hatte und meine Frustration wuchs ins unermessliche. Geduld war keine einer Vorteile. Ich wollte das etwas passierte, ich wollte es so sehr. Ich war regelrecht besessen von Magie und der Macht.

Das war der Moment, in dem alles kippte.

Ich las Literatur, die sich mit deutlich dunkleren Themen befasste als simple Elementanrufungen. Dämonen, Geister und all jenes wovon man selbst in der Phantasie die Finger lassen sollte. Je mehr ich las, desto sicherer war ich mir, dass dies nun mein Weg sein sollte.
Ich war so ungeduldig und die Dunkelheit um mich herum wurde unbemerkt dichter und dichter.

Meine Eltern hatten das Meckern schon lange eingestellt und taten dies als Phase ab, meine merkwürdigen Freunde hielten sich nun auch fern von mir, weil ich mich so isolierte und ich? Ich war heilfroh allein zu sein und keine Maske aufrechterhalten zu müssen. So konnte ich mich ganz in meine Rituale zurückziehen.

Irgendwann als meine Eltern tagsüber ausgingen, wollte ich ein „Spiegelritual“ ausprobieren und versuchen einen Dämon zu kontaktieren.
Quasi der Höhepunkt meiner allgemeinen Dummheit.
Ich weiß nicht was ich erwartete, aber ich machte mir zu dem Zeitpunkt keinerlei Gedanken um die Konsequenzen meines arglosen Handelns.  Also zog ich kurzerhand alle Vorhänge zu, nahm ich mir einen großen Spiegel, und malte mit rotem Lippenstift das Symbol von Marbas auf das Glas. Ich hatte ihn mehr oder weniger per Zufall ausgewählt, einfach weil er ein wissender hochrangiger Dämon sein sollte, der sein Wissen auch teilte. Zumindest hatte ich das irgendwo gelesen und in meiner unermesslichen Arroganz glaubte ich ihn mal eben so anrufen zu können und dann auch noch meinen Willen zu bekommen.

Ich entzündete die Kerzen und rief die Elemente an. Dann setzte ich mich vor den Spiegel und starrte mir selbst entgegen. Endlose Minuten vergingen und ich verlor völlig das Zeitgefühl. Die Kerzen flackerten träge vor sich hin. Ich nahm den Dolch in die linke Hand und berührte damit das Symbol am Spiegel und sagte: „ Marbas, Fürst der Finsternis ich rufe dich. Erhöre meinen Ruf, ich bitte dich!“ ich versuchte es einige Male bis ich frustriert den Arm sinken ließ. Als ich den Dolch weglegen wollte passierte es: ich stach mir versehentlich in den Finger und legte im Affekt die Hand auf den Spiegel, um mich abzustützen. Mir blieb fast das Herz stehen. Das Gesicht, das mir entgegenblickte, war mein Gesicht und doch nicht meines.
Vor allem die Augen nicht.  Sie waren senkrecht geschlitzt und golden gefärbt.
„Ein Menschenkind…“, grollte es aus dem Spiegel mit einer Stimme, die nicht recht zu meinem eigenen Gesicht passen wollte.
Mir rutschte das Herz in die Hose, es hatte wirklich funktioniert.
„Was willst du von mir?“, fragte mein Spiegelbild.
Ich schluckte.
„Marbas, ich rief dich. Du weißt als hoher Fürst sicher was ich will. Was alle wollen, wenn sie Deinesgleichen rufen! Macht und geheimes Wissen, ich spreche von echter Magie!“, ich gab mich mutiger als ich war, versuchte aber so respektvoll wie möglich zu sein.
„Ach wirklich?“ spöttelte er, „weiß ich das? Menschenkind“, er legte seine-meine Hand von innen an den Spiegel und es lief mir kalt den Rücken herunter als er sich die Lippen leckte….
Gebannt schaute ich Marbas im Spiegel dabei zu wie er die Kanten des Spiegels mit meinen Händen entlangfuhr, sie langsam abtastete. Hände, an denen jetzt Krallen saßen, die verdammt gefährlich aussahen. Er sah mich aus goldenen Augen abschätzig an und schürzte die Lippen zu einem verführerischen Lächeln.
„Wie heißt du meine süße Hexe?“, fragte er mit tiefer Stimme und lächelte. Je länger das hier dauerte desto weniger sah mein Spiegelbild aus wie ich. Aus meinem Mund ragten Zähne, die zu groß für mich waren und die Wölbung über den Augen veränderte sich stetig. Er sah jetzt deutlich kantiger, deutlich dämonischer aus als ein paar Momente zuvor. Und trotzdem wirkte er seltsam anziehend.
Ich vergaß beinahe zu antworten so hypnotisiert war ich von der Veränderung, die da vor sich ging.
„Mona, hoher Fürst. Wirst du mir meinen Wunsch erfüllen?“

Marbas sagte eine Weile nichts und ich dachte schon er würde einfach verschwinden. Er hob die Nase nach oben und schnüffelte, sog die Luft tief ein, dann funkelten seine Augen interessiert und er musterte mich mit großen Augen eingehender.
„Tatsächlich? Des-de-mo-naaaaa“, er grinste wölfisch und betonte jede Silbe.
„Dämonen schenken nicht meine Schöne Weltenzerstörerin“, säuselte er
„sie handeln. Ich kann dir geben was du dir wünschst. Unvorstellbare Macht, Magie, Wissen über die euch Menschen verborgenen Aspekte eurer und der vielen andere Welten. Was auch immer du dir wünschst.“

Mir schlug das Herz bis zu Hals, das war alles was ich mir je erträumt hatte.

„Was willst du?“, meine Kehle wurde trocken. Ich kannte die Antwort.
„Was glaubst du Hexchen? Hm? Sag es mir“, flüsterte Marbas verschwörerisch und kam so nahe an den Spiegel herangerückt, dass wir uns fast berühren konnten. Diese vertraute Art mit mir zu sprechen gefiel mir gar nicht.
„Meine Seele“, sagte ich mehr zu mir Selbst als zu ihm. Ich fühlte mich schon die ganze Zeit etwas benommen, betört von Marbas schmeichlerischer Art.
„Fast, mein hübsches Vögelchen. Willst du all das, gehört nicht nur deine Seele mir, nein…du wirst mir zu Diensten sein, ich werde mit dir spielen bis ich deiner überdrüssig bin und DANN und erst dann wird auch deine Seele mir gehören.“
„Ich“, so langsam sickerte in mein taubes Bewusstsein durch was er gerade gesagt hatte.
„Entscheide Des-de-mo-na“
Auf einmal war ich hellwach und blankes Entsetzen packte mich.
„Nein, nein. Oh Gott nein!“, ich war so entsetzt über das was hier geschah und merkte erst jetzt wie dieser Dämon mich eingelullt, mir geschmeichelt und mich gelockt hatte. So lange, bis ich ohne nachzudenken fast eingewilligt hätte.
„Ich durchschaue dein faules Spiel, hältst du mich für so blöd?“, zischte ich ohne darüber nachzudenken. „Was glaubst wer ich bin? Um mich zu kriegen muss man schon früher aufstehen!“, war ich jetzt komplett verrückt einen Dämon herauszufordern?
Marbas hatte die ganze Zeit nichts gesagt und abgewartet, aber nun funkelte er mir böse aus dem Spiegel entgegen und ein tiefes animalisches Grollen stieg aus seiner Kehle empor. Er veränderte sich vor meinen Augen, die Nase verlängerte sich zu einer Art Schnauze, die Haare sprießten und formten sich zu einer löwenartigen Mähne. Dabei knurrte er so drohend, dass ich es nun wirklich mit der Angst zu tun bekam.
„Verschwinde, Marbas. Ich entlasse dich.“, stotterte ich hektisch. Natürlich hatte ich mir keine Gedanken zum Abbruch einer Dämonenanrufung gemacht. Ich Idiotin.
Als es laut knallte zuckte ich erschrocken zusammen. Marbas knallte mit der Pranke von innen an den Spiegel und lachte und jubelte als das Glas einen Riss bekam und dick wabernder dunkler Nebel langsam daraus hervor sickerte.
„Verschwinde Dämon, geh dorthin zurück wo du hergekommen bist!“, aber Marbas lachte nur.
„Willst du meine Macht auf einmal nicht mehr? Hexe!“, zischte er bösartig.
Panisch tat ich das, was mir als erstes einfiel. Ich rannte zum Fenster und riss die Vorhänge auf um die Sonne herein zu lassen und sprach Instinktiv:
„Feuer, Licht des Lebens, hilf mir. Verbanne diesen Dämon zurück in die Dunkelheit, hilf mir jetzt!“ Und das Licht brach sich über das Fensterglas in tausend Strahlen hellsten Sonnenlichts und ich hörte wie Marbas vor Wut und Überraschung aufschrie. Er verdeckte sein Gesicht und wand sich unter Schmerzen.

„Ich werde dich finden Desdemona, du gehörst mir! Du wirst mein sein, solange bis ich dich satt habe und du mich anbetteln wirst deine Seele zu nehmen! Vergiß das nicht, ich werde dich finden!“

Und mit diesen Worten barst der Spiegel in unzählige Teile und Marbas verschwand dorthin woher er auch immer gekommen sein mochte.
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Meine Eltern fanden mich später am Abend zitternd und kreidebleich vor einem zerbrochenen Spiegel und dachten ich hätte einen Nervenzusammenbruch erlitten. Und ich war nahe dran, wirklich nahe dran.  Mein betäubter Verstand konnte kaum verarbeiten was da passiert war und mir hallte immer noch Marbas Drohung in den Ohren…
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Irgendwann danach befasste ich mich weiterhin mit meinen Elementanrufungen und einfacheren Zaubern. Kleine hilfreiche Tricks im Alltag und viel mehr waren sie auch wirklich nicht, aber es brachte mich langsam wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.
Ich hatte den Fehler begangen zu Machtgierig zu sein und war dabei mehr als nur einen Schritt zu weit gegangen. Einen hochrangigen Dämon zu verärgern war so ziemlich das Dümmste von allem was hätte passieren können. So mied ich weitere magische Exkursionen, ließ im Dunkeln das Licht an und verhängte aus Angst alle Spiegel, die ich finden konnte.

Für lange Zeit verbannte ich die Finsternis aus meinem Leben. Die Zeit heilt viele Wunden, so sagt man, aber sie verschleiert auch unsere Erinnerungen, lässt sie verblassen, legt einen sanften Hauch darüber und nimmt uns irgendwann die Angst. So auch bei mir und als meine Neugier wiedererwachte, was für Möglichkeiten auf mich warten könnten, war ich der Meinung es dieses Mal besser vorbereitet anzugehen.

Und trotzdem. Nachts, wenn alles still war und ich langsam in den Schlaf dämmerte hörte ich leise im Hinterkopf Marbas:
„Desdemona Weltenzerstörerin, du gehörst mir!  Du wirst mein Sein!“







Na? wie findet ihr das erste Kapitel? Lasst mir doch ein Review da wenn ihr ögt und lasst mich wissen o Interesse an der Geschichte um Mona besteht.
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