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GeschichteDrama, Romanze / P18
Gavin Reed Hank Anderson OC (Own Charakter) RK200 Markus RK800-51-59 Connor
29.07.2019
31.01.2020
95
299.822
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Dieses Kapitel
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05.12.2019 1.828
 
Ich habe das so vermisst. Ich habe ihn so vermisst!
Es ist weit nach 0 Uhr, als Connor und ich noch immer nebeneinander unter der Decke liegen, uns entweder in den Augen des andern verlieren, miteinander über all das Zeug reden, das passiert ist, als wir uns einige Tage lang nicht gesehen haben, oder wild herumknutschen.
Wie sehr ich es vermisst habe! Ich denke das so oft in diesen Stunden und spreche es nur gefühlt jedes zehnte Mal wirklich aus, und doch kommt es mir vor, als wiederhole ich mich am laufenden Band.
Das iPad in meiner Tasche habe ich total vergessen. Wir benötigen es auch nicht. Wir sind einfach zu beschäftigt miteinander; uns anzusehen, zu berühren, zu streicheln und zu küssen. Wir lachen miteinander und uns gehen einfach nicht die Themen aus.
Ich werde langsam schläfrig, und auch wenn Connor mich mehrmals darauf anspricht, dass wir schlafen könnten, wehre ich mich vehement dagegen. Ich habe ihn zu sehr vermisst, als dass die Nacht für uns schon vorbei sein darf und als dass ich ihn morgens wieder mehrere Stunden an seinen Job freigeben will.
Wir sind wie zwei verliebte Teenager, die sich nach einer endlos langen Woche wieder im Arm halten.
Connor schlägt mir irgendwann vor, nochmal duschen zu gehen und ich stimme sofort zu, unter der Voraussetzung, dass er mitkommt. Sein Bad ist klein und seine Dusche eng; die Kacheln an der Wand sind größtenteils zerschlagen oder abgebröckelt, und der Duschkopf ist furchtbar verkalkt, doch nach der turbulenten letzten Woche schockt mich heute Nacht definitiv nichts mehr. Kaum auszudenken, dass ich Connor erst in seiner kleinen, baufälligen Wohnung besuchen muss, um das Gefühl zu erlangen, dass sich meine Batterien langsam wieder aufladen. Doch natürlich weiß ich, dass mein Zustand überhaupt nichts mit dem Ort zutun hat, an dem ich mich befinde, sondern mit dem Typen, der sorgsam meinen Körper einseift und sich bei meinen Brüsten doch einen Tick zu viel Zeit lässt.
Es war klar, dass es nochmals eskalieren wird, spätestens, als wir beide zu zweit nackt in der engen Dusche stehen und uns gegenseitig einseifen. Erneut fallen wir übereinander her, und ich bin wieder froh darüber, dass wir wohl die einzigen auf der Etage sind und ich mich nicht akustisch zurückhalten muss. Er ist gleichzeitig so furchtbar zärtlich und dann wieder so angenehm wild. Natürlich ist gerade in der Anfangsphase solch ein Gedanke typisch, doch bin ich der felsenfesten Überzeugung, dass dieser Kerl mir so schnell nicht langweilig werden wird.
Wir haben also einen wunderbaren Abend, der damit endet, dass ich nackt in seinem Arm liege und er mir den Kopf krault.
Ich bin so furchtbar glücklich, dass ich plötzlich die Arme um seinen Oberkörper werfe und mich quiekend an ihn drücke. Er ist warm und er ist weich. Es ist toll, ihn zu berühren und seine Haut überall an meiner zu spüren. „Das ist alles so schön!“, japse ich und inhaliere seinen Geruch. „Wäre das nicht schön, wenn es immer so wäre?“ Ich sehe ihm Halbdunkeln zu ihm hoch. Meine eigenen Worte verwirren mich ein bisschen. Es kommt mir vor, als frage ich ihn und mein Karma einfach nach zu viel.
Er sieht zu mir runter. „Das wäre es bestimmt!“, gibt Connor nickend zurück. „Denkst du denn, es ist für immer so?“
Ich zögere und lasse mich zurück auf den Rücken in seinen Arm sinken. „Das weiß ich wirklich nicht“, antworte ich wahrheitsgemäß. „Aber ich will es zumindest.“
Connor nickt. Sein Hand streichelt meine nackte Schulter.
Ich zögere wieder, dann frage ich vorsichtig: „Du willst nicht zurück zu uns nach hause kommen, oder? Hank hat gefragt.“
Connor seufzt. Dann sagt er: „Ich sollte wohl nochmal mit ihm darüber reden. Aber nein. Ich will eigentlich nicht zurück zu euch ziehen, um ehrlich zu sein.“
Ich hatte es vermutet, doch trotzdem versetzt mir seine Aussage einen Stich. Ich kann ihn total verstehen. Ich würde wirklich ebenfalls nicht mit Hank und mir unter einem Dach wohnen wollen. Aber trotzdem war es toll, als er die letzten Wochen einfach jede Nacht da war. „Okay“, sage ich und versuche, möglichst gefasst zu klingen. Ich kriege es nicht hin.
Connor erkennt die Enttäuschung in meiner Stimme. „Hey, ich kann ja trotzdem öfter bei Hank vorbei kommen. Also – meine Freundin wohnt bei Hank. Es wird sich nicht vermeiden lassen!“
Freundin. Er hat es gesagt. Wir haben die ganze Zeit nicht mehr richtig über unsern Beziehungsstatus gesprochen. Stattdessen hatten wir uns gesagt, dass wir uns lieben. Wir sind halt schon so ein schräger Haufen. Aber seine letzte Aussage versöhnt mich ein wenig – schließlich bin ich Connors Freundin. Wollte ich das nicht unbedingt so sehr?
„Was gibt’s zu grinsen?“, fragt Connor und stupst mich an.
„Och...“, nuschele ich und grinse immer breiter. „Ich glaube nichts...? Freund?“
Er lächelt mich an und zieht mich an sich.
Den Kopf auf seine Schulter gelegt starre ich verknallt bis über beide Ohren in die Dunkelheit. Bis ich sage: „Du. Die Möbel, die im Wohnzimmer rumstehen. Hank hatte sie ja für dich gekauft, damit du das Zimmer von Cole bekommst.“
„Ich weiß“, nickt Connor.
„Er will sie dir hier her bringen. Du fehlst ihm, aber er will dich unterstützen. Damit wir Familie bleiben“, erkläre ich.
„Oh“, sagt Connor überrascht. „Das ist aber nett. Das würde mir tatsächlich helfen.“
Zufrieden kuschele ich mich an ihn. Es fällt mir tatsächlich nicht leicht, damit zu leben, dass er wirklich ausgezogen ist. Ich habe eigentlich echt keinen Bock, regelmäßig bis zum Maison zu pilgern, um ihn zu sehen. Aber ich muss endlich lernen, Kompromisse einzugehen. Und nicht alles von ihm zu nehmen, was er hat, nur weil er bereit ist, viel zu geben.
Connor scheint zu verstehen, was ich denke, als ich tief durchatmend an seiner Brust liege. „Hey Jen“, flüstert er mir leise zu. „Ich kann ja auch mal bei dir schlafen. Und du manchmal bei mir. Sieh das nicht als so eine harte, räumliche Trennung. Es geht einfach darum, dass man manchmal etwas Abstand haben muss, um zusammenzufinden. Das war von vornherein die Idee dahinter.“
„..Ja“, sage ich vorsichtig. „Ich weiß das. Ich will das wirklich als das akzeptieren. Ich gebe mir echt Mühe.“
„Das ist toll“, sagt Connor. Ich höre an seiner Stimme, dass er lächelt. Er zieht mich an sich und küsst mein Haar.
Verschämt ziehe ich die Schultern hoch. Dann sage ich leise: „Du hast gestern gemeint, wir könnten...“ Ich unterbreche mich und atme tief durch.
„Wir könnten was?“, fragt er.  
Ich zögere. Dann geb ich mir einen Ruck. „Dass wir vielleicht mal zusammenziehen könnten“, nuschele ich möglichst beiläufig.
Er seufzt und wendet sich ein wenig von mir ab.
Erschrocken setze ich mich auf. Die Decke rutscht mir von den Schultern und ich sitze oben ohne vor ihm. „W-war das ein doofer Vorschlag?“, frage ich verunsichert. „Zu voreilig oder so? Wenn ja: Sorry!“ Ich höre mich echt erbärmlich an. Als sei ich wirklich emotional abhängig von ihm. Verdammt, Jen, das darf so nicht wieder anfangen. Ich muss mich zusammen nehmen! Allerdings ist er derzeit einfach der einzige Halt, den ich habe. Und unsere Beziehung steht nach wie vor auf so wackeligen Beinen. Ich sollte mich wirklich um eine Therapie bemühen, denke ich reumütig, während Connor sich wieder zu mir umdreht und zu mir hoch blickt.
Er sieht mir verwirrt in die Augen, dann gleitet sein Blick hinunter zu meinen Brüsten, dann schnell wieder zu meinem Gesicht. Sein Mund ist leicht geöffnet und seine Lippen sehen so weich aus. „...Was?“, fragt er irritiert. „Doof? Nein...“ Er wendet wieder den Blick ab, nachdem seine Augen schon wieder einen Moment zu lange an meinen Brüsten hängen geblieben sind.
„Was denn dann?!“, frage ich überfordert.
Er seufzt wieder. Dann sagt er unsicher: „Du weißt doch bestimmt, dass wir Androiden wirklich mies bezahlt werden.“ Vorsichtig sieht er zu mir hoch, diesmal schaut er konzentriert in mein Gesicht, als koste ihn das eine Menge Willenskraft, nicht abzudriften. „Tatsächlich ist es nicht mal ein Viertel von dem, was ein menschlicher Detective verdient. Ich habe wirklich keine Ahnung, wie ich damit eine Wohnung bezahlen soll, Jen.“ Er sieht mir fest in die Augen.
Ich starre zurück.
Wieder senkt er den Blick. Dann sagt er verzweifelt: „Kannst du dir nicht ein T-Shirt anziehen, während wir über sowas ernstes reden???“
Erleichtert atme ich durch und lache. „Nö, das find ich mal ganz gut, dass du dich wegen mir nicht konzentrieren kannst, nicht umgekehrt!“, rufe ich und bleibe so sitzen, dass er meine Brüste im Blickfeld hat.
Verschämt brummt er etwas.
„Aber... der Wille zählt, oder nicht?“, meine ich und lache immer noch. „Ich dachte echt grad, du willst einfach nicht!“
Connor schüttelt den Kopf. „Natürlich will ich! Also, wenn wir eine Weile zusammen sind und das gut zwischen uns läuft?! Und wenn wir... du weißt schon... vielleicht zu dritt sind?“
Zu dritt? Eine Wohnung mit Connor und dem Mini? Das wäre fast zu schön, um wahr zu sein.
Ich strahle ihn an.
Er runzelt die Stirn. „Ich will nur echt nicht auf deine Kosten irgendwo wohnen.“
„Und wenn schon?“, erwidere ich und ziehe die Beine an. Großzügig, wie ich bin, sorge ich dafür, dass er noch immer meine Brüste im Blick hat. „Du kannst da doch nichts für. Und außerdem unterstützt du mich mit andern Sachen, als mit Geld. Beziehungsweise: Auch, wenn du weniger Geld hast, als ich, hast du viel öfter für mich bezahlt, als umgekehrt.“
„Weil ich nicht esse“, sagt er sofort.
„Na und? Du hast es trotzdem getan“, antworte ich.
Er brummt etwas und zieht die Decke an sich.
„Was hast du gesagt?“, frage ich.
„Pack deine Brüste ein!“, sagt er nun deutlich und völlig aufgeschmissen. „Ich kann mich kein Stück konzentrieren!“
„Pah, pack du sie doch ein!“, rufe ich lachend.
Er zögert kurz, dann meint er: „Gut, du hast es so gewollt!“, richtet sich auf, zieht mich mit dem Rücken an seinen warmen Oberkörper und drückt mich in die Kissen.
Ich winde mich unter seinen Berührungen doch er ist so warm, dass ich es mir gerne gefallen lasse, wieder an ihm unter der Decke anzukommen.
„Alles muss man selbst machen“, schimpft er leise, als er mich an sich drückt und mir über den Bauch und die Brüste streichelt, um mich zu wärmen.
„Du hast es schon schwer mit mir“, erwidere ich grinsend und genieße seine Wärme.
„Überhaupt nicht“, erwidert er ernst und küsst mein Ohr. „Und... ich nehm das zurück, was ich gerade gesagt habe. Zieh dir doch nichts an.“
Er streichelt mich zur Ruhe, während Sumo leise am andern Ende des Raumes schnarcht und der Dezemberwind vor dem Fenster viel zu heftig an einer Regenrinne reißt. Die Wohnung ist kalt und baufällig. Trotzdem gibt es keinen Ort auf der Welt, an dem ich gerade lieber wäre.
Ich drehe mich zu ihm um und lege mich auf seinen Arm. Ich dämmere weg, und auch, als ich schon längst eingeschlafen bin, streichelt Connor mir noch sanft übers Haar.
Vielleicht, denke ich, bevor ich einschlafe, vielleicht wird doch noch alles gut.
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