Wie es geht

GeschichteRomanze / P18
Jan "Farin Urlaub" Vetter
28.07.2019
02.02.2020
30
47215
7
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Dieses Kapitel
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Euer Warten hat ein Ende :D
Viel Spaß! :)


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4. Kapitel

„Könntest du tun, aber wir sind hier ja zum Arbeiten und nicht zum Vergnügen. Außerdem, steht auf meiner Stirn irgendwie Groupie geschrieben? Ich glaube nicht. Aber ich hatte Recht. Verwöhntes Rockstar Arschloch.“, zuckte sie mit den Schultern, windete sich geschickt aus der Situation und ließ sich auf das Sofa fallen.
„Du elende kleine Wanderkröte.“, stöhnte Jan genervt aus. „Ich dachte…“
„Denk nicht so viel Schätzchen. Klar sind wir jetzt beide scharf, aber sorry, ich bin nicht so eine. Mich kann man leider nicht nur mit einer Erfolgsgeschichte im Nacken verführen. Sorry. Komm Käthe, wir gehen.“
„Hey, warte!“ Seine Stimme klang fast hilflos.
Franziska drehte sich um. „Irgendwelche Schmuddelblättchen? Kann ich dir besorgen.“ Sie lachte.
„Nein, Mensch.“ Jan atmete genervt aus und musste dennoch schmunzeln. „Ich bin froh, dass wir gesprochen haben. Mir tut es auch leid.“
„Schon okay, du bleibst trotzdem ein Arsch.“
Er sah ihr nach und griff sich an die Stelle, in die sie zärtlich gebissen hatte. Jan wusste nicht in welchem Film er da gerade war.  Diese Frau war einzigartig. Mit welcher Leichtigkeit sie ihn am Hals küsste, ohne spürbare Aufregung. Völlig selbstbewusst. Das plättete ihn und es gefiel ihm auch.

„Fuck, fuck, fuck!“, fluchte Franziska, als sie zurück zu ihrem Büro lief.
Was hatte sie sich dabei gedacht? War sie denn jetzt völlig bescheuert? Ihre Nerven lagen blank. Aus ihrem eigenen Verhalten wurde sie nicht schlau. Farin zog sie an. Mehr als sie dachte. Bis eben gerade war er noch ihr persönlicher Feind und jetzt das. Er machte ihr nur Ärger und Stress. Sie wollte ihn vorhin einfach nur umbringen, so sauer war sie, und jetzt wäre sie am liebsten über ihn hergefallen. Viel schlimmer war nur, dass sie sich sicher war, dass es ihm genau so ging.
„Das war sowas von unprofessionell, Franja.“, schimpfte sie leise mit sich selbst. Wäre sie nicht gegangen, hätte es drauf angelegt und hätte das dann in der Branche die Runde gemacht, hätte sie wahrscheinlich ein Bordell aus der Halle machen können. Wie dumm war sie denn eigentlich?
Am liebsten hätte sie jetzt ihre Sachen gepackt und wäre nach Hause gefahren. Aber sie hatte hier noch zu tun.
„Franzmann, kommst du rauchen?“, riss sie Maik aus ihren Gedanken.
Völlig irritiert und mit einem Gefühl ertappt worden zu sein, sah sie ihren Kollegen an. „Ehm ja.“
Ihr wurde bewusst, sollte Farin in Plauderlaune kommen, war sie erledigt. Dann würden ihre Kollegen sie nicht mehr ernst nehmen.
Schlagartig wurde ihr schlecht.
„Was los?“, fragte Maik.
Franziska sah ihn an und ihr Puls hallte immer noch in ihren Ohren.
„Nichts. Ich bin genervt von diesem Arschloch.“
„Was hat er jetzt wieder angestellt, um dich auf die Palme zu bringen?“, Maik lachte.
Wusste er etwa was da gerade abging? Franziska wurde leicht paranoid und versuchte sich innerlich zu beruhigen. Er konnte das gar nicht wissen.
„Ach generell nervt er mich. Er braucht nur atmen.“
Maik lachte laut auf. „So bist du Franzmann. Man kann tun was man will, wenn man bei dir unten durch ist, ist man unten durch und du schwer genervt.“
Franziska zog an ihrer Zigarette und zuckte mit den Schultern.
Käthe rannte über die Wiese und jagte sämtlichen Dingen hinterher, die der leichte Wind aufwühlte. Sie war also das Mittel, welches das Eis zwischen den beiden wohl brach. Das offensichtliche Verbindungsstück. Ihre innerliche Verwirrtheit legte sich nicht im Geringsten.
„Darf ich mich zu euch gesellen?“, fragte eine ruhige Stimme.
Rod stand hinter den beiden und beide nickten.
Das Funkgerät rauschte und Maik rollte mit den Augen.
„Ich geh dann mal wieder rein und gucke was im Argen liegt.“, Maik stand auf und schloss die Tür hinter sich.
Stille.
„Ich bewundere dich.“, sagte Rod.
Fragend sah Franziska ihn an.
„Na ja, eine Frau auf die ein Haufen Männer hört. Ist bestimmt nicht einfach.“
„Hat lange genug gedauert.“, lächelte Franziska.
„Glaub ich dir. Aber selbst unsere Crew, die ehrlich gesagt sehr speziell ist. Das hat mich sehr irritiert.“ Rod sah sie an und grinste.
„Man wächst an seinen Aufgaben und ehrlich gesagt, liebe ich es. Eure Crew mal außen vorgelassen, aber ich weiß, dass ich mich auf meine Jungs verlassen kann. Blind und ohne Bedenken.“
Franziska schnippte ihren Zigarettenstummel weg. „Aber eure Jungs finde ich jetzt nicht so speziell. Umgängliche Menschen.“
„Außer Jan.“, warf Rod ein.
Franziskas Puls stieg schlagartig wieder an. „Auch solche Menschen muss es geben. Aber ehrlich gesagt, bellende Hunde beißen nicht. Auch er wird merken, dass es keinen Zweck hat, sich quer zu stellen.“
Rod grinste weiter. „Ja, er hat so Tage an denen er sehr speziell ist. Aber das geht vorbei. Spätestens morgen, wenn nicht sogar heute nach dem Konzert.“
„Lieber früher als später. Das kostet nur Nerven.“, lächelte Franziska den Chilenen an. Er strahlte so eine Ruhe aus, das tat gut.
„Was ich fragen wollte, wir würden heute Abend unseren Tourauftakt ein bisschen feiern, wenn du Lust hast, wir würden uns freuen, wenn ihr auch alle dabei seid.“
Franziska wurde nervös. Sie wusste nicht, ob sie das toll finden sollte. Wieder zog sich ihr Magen zusammen.
„Das ist lieb, ich werde es den Jungs ausrichten. Muss jetzt auch wieder rein.“, stammelte sie und ließ den Schwarzhaarigen allein.

In ihrem Büro genoss sie die Ruhe.  Der ganze Tag setzte sie so unter Hochspannung, die gefühlt auch erst abfallen würde, wenn die Band und Crew abreisen würde. Ihr Blick fiel auf die Uhr. Noch zwei Stunden bis das Konzert begann. Der Einlass war geregelt, der Aufbau abgeschlossen und eigentlich, war das die Zeit, in der alle noch einmal durchatmen konnten.
Aber sie kam nicht zur Ruhe. Vor ihrem innerlichen Auge ließ sie die Situation mit Farin noch mal ablaufen. Sein Atem, sein gieriger Blick. So ganz verstand sie immer noch nicht, was da vorhin abgelaufen war. Wie konnte sich eine Situation so schnell wenden? Sie konnten sich beide nicht leiden und auf einmal, ganz plötzlich, fühlten sie sich so zueinander hingezogen.
Ging es ihm denn überhaupt genau so? Oder bildete sie sich das nur ein und hatte sie sich mit ihrer Aktion an seinem Hals blamiert?
„Gott, wie peinlich das wäre.“, sagte sie halblaut.
Käthe sah sie an und gähnte.

Jan saß an der Bühnenkante und quälte seine Gitarre. Die ganze Halle wurde erfüllt von seinem Spiel. Die Security schwor sich ein und besprach noch Kleinigkeiten und Positionen. Nico beobachtete Farin aus dem Augenwinkel.
„Was los, Farin?“, fragte er ihn.
Jan sah ihn an und legte die Hand auf die Saiten. Stille.
„Nico, kann es sein, dass ich heute ein riesiges Arschloch war?“
Verdutzt sah der Securitymann ihn an „Das merkst du dieses Mal aber recht früh. Sonst dauert das was länger. Aber ja. Du warst heute schlimmer als sonst. Liegt es vielleicht daran, dass dir eine Frau Ansagen macht?“ Leicht lächelte er.
Farins Augen bildeten Schlitze. „Kann sein.“, raunte er.
„Ach Farin, mach dir nicht so einen Kopf. Wir kennen dich am besten und können damit umgehen. Die Leute vor Ort, müssen das nicht verstehen. Übermorgen sind wir wieder weg und alles ist gut.“
Der Gitarrist zuckte mit den Schultern. Wollte er überhaupt weg hier? Gerade, nachdem Franziska bei ihm war, begann er, sich hier wohl zu fühlen. Sah ein, dass sein Verhalten überzogen war und er bereute, dass der Start an diesem Ort so gelaufen war.
Alles in allem, war alles sehr gut organisiert und sie hatten wenig bis gar keinen Stress. Das war mehr wert, als alles andere. Und sie kannten es alle von der anderen Seite. Chaos, keine Organisation und unfähiges Personal.
Bei all seinen Gedanken, musste er immer wieder an diese Frau denken. Die alles im Griff hatte. Die sich selbst im Griff hatte, obwohl er so nah vor ihr stand. Er gab nichts auf seinen Karrierestatus, aber es war so außergewöhnlich, was diese Frau sich traute. Jan konnte es kaum verstehen, aber er musste sich eingestehen, dass es ihm gefiel. Franziska gefiel ihm.
Innerlich schüttelte er den Kopf. Er kannte sie ja nicht mal. Wie konnte sie ihm da gefallen.
„Farin?“, eine Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Er hatte vergessen, dass Nico immer noch bei ihm stand.
„Du solltest nach hinten. Der Einlass beginnt gleich.“
Jan nickte und zog sich zurück.

Franziska und Jan hofften beide, dass sie sich vorerst nicht über den Weg liefen. Keiner der beiden wusste, wie er sich dem anderen gegenüber verhalten sollte.
Es war ihnen unangenehm.
Jan war es unangenehm, wie er sie ansah. So offensichtlich, ohne zu verbergen, was er in diesem Moment wollte. Wobei er da schon nicht verstand, warum er das wollte. Es war eigentlich nicht seine Art.
Franziska war es unangenehm, weil sie Farin Urlaub in den Hals biss. Zärtlich und gefühlvoll. Aber es war immer noch ein Kunde, ihres Chefs. Doch in diesem Moment gierte etwas in ihr nach ihm. Er war nicht ihr Typ und es war schon gar nicht ihre Art.
Sie verstanden sich beide nicht und innerlich kämpften sie mit ihren eigenen Dämonen. Jeder für sich.

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