Wie es geht

GeschichteRomanze / P18
Jan "Farin Urlaub" Vetter
28.07.2019
02.02.2020
30
47215
7
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Dieses Kapitel
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Hallo :)
Seit 7 Jahren war es hier ruhig. Jetzt habe ich das Schreiben wieder entdeckt und will es euch nicht vorenthalten :)
Ich hab noch keine Ahnung, worauf die Story raus läuft, aber ich lass sie an der langen Leine und sehe wo sie mich hinführt. Viel Spaß beim Lesen :)

Dat FräuleinUrlaub :)


***

1. Kapitel

Gähnend lag sie im Bett. Draußen war es bereits hell und ihr Wecker gab ihr
unmissverständlich zu verstehen, dass sie aufstehen musste.
Mit einem Seufzen warf sie die Decke zurück und spürte den kalten Dielenboden unter ihren Füßen.
Auf dem Weg ins angrenzende Badezimmer, fiel ihr Blick auf ihren chaotischen Schreibtisch.
„Franja, wenn du so ein Chaos auf deinem Tisch hast, kann dein Leben ja nicht geordnet ablaufen.“, sagte ihr Vater immer. Sie lächelte. In ihrem Ohr hörte sie, wie er ihren Namen sagte und wie gerne sie das hatte. Keiner nannte sie so. Was wohl eher daran lag, dass keiner „Franja“ als Koseform von Franziska kannte. Bei Freunden war sie „Franzi“ und bei ihren Kollegen nannte man sie „Ziska“ oder „Franzmann“. An ihrer Arbeit war sie die einzge Frau. Vielleicht gaben sie ihr deshalb diesen Spitznamen, damit sie nicht so herausstach.
     
Kurz sah sie in ihren Kalender. Der Tag war gekommen, auf den sie überhaupt keine Lust hatte. Ein Tag mit voller Arroganz strotzenden Männern, die sicher ihre Allüren hatten und sie gewiss auf Trab hielten. Genau so würde es kommen, das spürte sie.
Franziska rollte mit den Augen.
Mit einem Blick auf die Uhr hastete sie zum Kleiderschrank und in die Küche. Die Kaffeemaschine dampfte unter Getöse und die braune Flüssigkeit lief in die Auffangschale. „Verdammte Scheiße!“, rief sie aus. Also kein Kaffee.
Motzig griff sie zu ihrem Schlüssel, Geldbeutel und Handy und verstaute diese in ihrer Arbeitshose. Als sie ihre Hand aus der Tasche zog, glitt ein Zettel zu Boden.
‚Sei morgen bitte pünktlich‘ stand darauf. Ihr Chef hatte sie extra noch ermahnt, weil er sie kannte und jetzt drohte sie tatsächlich zu spät zu kommen.
Mit einem lauten Knall flog die Tür hinter ihr ins Schloss. Womöglich wäre sie auch noch die Treppe heruntergefallen, so schnell wie sie lief.
„Guten Morgen Frau Münster.“, grüßte die ältere Dame im Treppenaufgang.
„Morgen Frau Berg, keine Zeit.“, gab sie hastig, im Rennen zurück.
„Mädchen, mach langsam, du hast doch noch alle Zeit der Welt.“, klang es hinter Franziska nach.
Kurz huschte ihr ein Lächeln über die Lippen. Ihre Nachbarin war ein Goldstück und Franziska hatte lange und gute Gespräche mit ihr. Sie sollte bald mal wieder bei ihr klingeln auf einen Kaffee.
Schwungvoll schloss sie die Tür ihres kleinen Autos und fuhr los. Mit einem Blick auf die Uhr rechnete sie nach. Sie konnte es wirklich noch schaffen, wenn alles andere auf ihrer Seite war. Ja, wenn.

„Hast du noch mal was von Jess gehört?“, fragte Dirk seinen besten Freund.
Dieser sah aus dem Fenster und zuckte mit den Schultern. „Sie ist doch jetzt glücklich und ganz ehrlich, es interessiert mich auch nicht. Ich bin darüber hinweg.“, sein Ton war leicht angesäuert.
„Ich mein ja nur, nicht das diese Tour für dich wieder im Desaster endet.“
Schweigend saßen sie im Wagen zur Halle.
Jan war klar, das Dirk es nur gut meinte. Immerhin hatte sie alle durch diese Trennung auf der letzten Tour unter ihm gelitten. Er war unausstehlich, launisch und einfach nicht berechenbar. Am meisten kotzte ihn das selbst an.
Aber er war darüber hinweg. Seine lange Reise half ihm und auch sein Freund brachte ihn auf andere Gedanken. An war ihm dankbar dafür. Sehr sogar.
„Sorry.“, murmelte er.
Fragend blickte Dirk zu ihm rüber.
„Falscher Ton.“
„Ach Jan, ich kenn dich mittlerweile gut genug. Ich nehm dir das nich übel.“
Sie lächelten sich an.
„Wird ne gute Tour.“, sagte Jan zuversichtlich.

Der Wagen bog um die Ecke und passierte die Sicherheitsschleuse.
Draußen war es warm. Die Hitze schlug den beiden wie eine Holzlatte ins Gesicht.
„Na ihr zwei? Rod ist schon drinnen.“, begrüßte Nico sie. Ihr Bandsecurity hielt beiden die Tür auf.
„Dieser Streber. Wenn wir sagen wir treffen uns um zehn, dann ist er halb zehn schon da.“, alberte Dirk rum. Jan lachte nur „Wenigstens einer in der Band der sich an Absprachen hält.“
Sie gingen einen langen weiten Flur entlang. Rechts und links gingen Türen ab. In der Luft hing ein Geruch von Essen. Das Catering war schon fleißig dabei, das Mittagessen vorzubereiten.
Für beide war es ein Geruch, der ein Gefühl des Heimkommens auslöste.
Sie hatten es vermisst. Doch wussten sie auch, dass sie sich nach den drei Monaten liebend gerne wieder trennten, weil sie sich nervten. Es war immer das Gleiche. Aber sie liebten es und wenn sie getrennte Wege gingen, konnte sie es eigentlich kaum erwarten, bis es wieder losging. Da dauerte es meist keine Woche, bis einer zum anderen Kontakt aufnahm.

„Da seid ihr ja endlich!“, rief Rod ihnen entgegen.
„Du alter Streber, beschwer dich nicht, wenn du wieder viel zu früh hier aufschlägst.“, motzte Dirk ihn im scherzend an.
Jan blickte sich um. Rods Garderobe war klein und nicht sehr gemütlich. Seufzend ließ er sich auf das kleine Sofa fallen.
„Können die sich nicht mal Mühe geben.“
„Jan, du kennst das doch und trotzdem erwartest du wohl immer das Adlon.“, lachte Rod.
„Klar, ich. Der ja so viel auf Luxusgüter gibt. Aber mal ehrlich, der Plan ist bis 16 Uhr Soundcheck, dann programmier ich noch ein bisschen an den Specials rum und dann soll ich in so einer Knastzelle bis 20 Uhr auf Konzertbeginn ausharren?! Das find ich nicht gerade entspannt.“, maulte er los. „Außerdem, spricht doch nichts gegen ein gemütliches Sofa auf welches ich auch drauf passe.“
Dirk und Rod blickten sich an. Da war sie wieder, ihre Tourdiva.
„Du wirst dich doch eh nicht mehr hinlegen, Jan. Du wirst dir deine Gitarre schnappen und draußen sitzen. Wie immer, wenn die Sonne scheint.“, sagte Dirk mit einem provozierenden Blick.
Er hatte ja Recht. So würde es kommen, aber es nervte ihn jetzt schon, dass seine Kollegen ihn so gut kannten. „Einer muss ja dafür sorgen, dass das nächste Album grandios wird.“, lachte er.
„Jungs, Lagebesprechung in der Halle.“, rief Nico in den Raum hinein.

Franziska bog ein und bremste abprubt ab. Sie war da. Sie hatte jetzt genau noch eine Minute Zeit.
Hastig rannte sie zum Hintereingang, zog ihren Ausweis aus der Tasche und lief weiter den Gang entlang.
Eine Stimme sagte ihr, dass sie sich noch mehr beeilen musste, als sie es schon Tat.
„Guten Morgen. Alex mein Name. Eigentlich wollte ich euch jetzt mein bestes Pferd im Stall vorstellen. Franzmann ist nämlich heute hier der Chef. Ich muss leider zu einem Termin.“
Franziska rannte geradewegs auf den Wellenbrecher zu, hinter dem ihre heutigen Schützlinge warteten. Sie schob die Umhängetasche zur Seite und sprang mit einem Satz über ihr Hindernis.
„Ein Turnierpferd aus der Sparte Springreiten?!“, sagte Jan halblaut und alle lachten.
Nur ihrem Chef Alex war es sichtlich unangenehm. Er kannte sie, hatte sie extra noch gebeten, pünktlich zu sein und jetzt dieses Situation.
„Moini, Ziska.“, sie streckte ihre Hand Richtung Dirk und versuchte ihre Atmung zu regulieren. Die Fragezeichen in den Augen ihrer Schützlinge erschlug sie fast.
Dirk und Rod stellten sich charmant vor und als sie zu Jan kam, konnte sie nicht anders als zu sagen „Ziska. Das Springturnierpferd, dass aber in jeglichen Sparten des Reitsports ihre Vorzüge hat.“ Dabei hatte sie etwas Anzügliches in ihren Blick gelegt.
Jan sah sie verdattert an, reichte ihr die Hand und sagte „Farin.“
Seine Bandkollegen lachten. Ihr Chef pfiff sie zu sich an die Seite „Ziska!“
„Was? Du kennst mich.“, gab sie unschuldig von sich.
„Ja eben. Also das ist Ziska, unsere Veranstaltungstechnikerin und heutige Herrin des Hauses.“
Franziska grinste freudig. Ihr war der Blick des großen Blonden nicht entgangen.
„Eine Frau? Schafft die das auch? Ich meine, wir haben schon aufwendige Konzertabläufe und Technik. Das braucht doch auch Erfahrung.“
Dirk rammte Jan seinen Ellenbogen in die Seite.
„Glaub mir, unsere Franziska ist die Beste. Sie kennt unsere Technik in der Halle in und auswendig und packt ordentlich mit an, um eurer Crew den Aufbau so angenehm wie möglich zu machen.“
Franziska war angesäuert. Jedes mal das Gleiche. Hörte dieses ewige ‚Kann das eine Frau auch‘ denn nie auf?
„Keine Sorge, heute Abend werdet ihr im Hotel sitzen und euch schämen, dass in Frage gestellt zu haben.“
Dirk hob abwehrend die Hände und deutete auf Jan.
Rod räusperte sich und begann in seiner ruhigen Art zu erklären „Ich glaube, du hörst das nicht zum ersten Mal, aber es ist schon komisch. Ich meine, wir touren nur mit Männern und begegnen eigentlich auch nur Männern in diesem Beruf.“
„Ja klar.“, gab Franziska genervt zurück und warf einen Blick über seine Schulter.
Ihr Kollege hängte gerade die Scheinwerfer an der Rangballustrade ab.
„Mensch Maik, wie oft den noch! Du sollst gleich die Markierung setzen und nicht erst warten!“, rief sie bestimmend. „Bezahlst du mir morgen die Zeit, um alles wieder einzuleuchten und auszurichten?!“
Der angesprochene Maik drehte sich auf der Leiter herum „Moinsen Franzmann. Alles klar.“
Die drei Männer staunten nicht schlecht über diese kleine Kostprobe ihrer Art.
„Ja also hier ist der Ablaufplan und die Frequenzen für die Funkgeräte hab ich eurer Crew schon weitergegeben.“, sagte Alex ungeduldig.
„Ja dann gehen wir mal unsere Crew begrüßen.“, sagte Dirk und drehte sich herum. Rod folgte ihm. Jan blieb etwas länger stehen. Er war völlig irritiert von dieser ganzen Situation.
„Jan kommst du?“, rief Dirk ihm zu, hastig drehte er sich um und lief den beiden nach.

„Ziska, kannst du mir mal erklären, was das war?“, fragte Alex sie gereizt.

***
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