Herz und Verstand

von MaggyMay
KurzgeschichteRomanze / P12
Dr. Marc Lindner Dr. Theresa Koshka
28.07.2019
11.10.2019
22
25350
18
Alle Kapitel
30 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
Eine kleine Warnung vorweg, dieses Kapitel ist leicht kitschig und hat nicht soooo viel Handlung. Ich hoffe ihr verzeiht mir meinen kurzzeitigen Hang zum Schmalz :-)

Noch bevor sie die Augen öffnete, merkte sie, dass eine Wärme sie umgab, die nicht von den weichen Daunen kam, in denen sie sich einkuschelte. Sie spürte außerdem etwas Schweres auf ihrer Taille. Noch immer mit geschlossenen Augen tastete sie vorsichtig danach und stoß auf das, was sie sich erhofft hatte: Marcs Arm. Überglücklich fuhr sie seinen Hemdsärmel hinunter bis zu seiner Hand, legte ihre sanft auf sie. Sie seufzte. Wie oft hatte sie sich ein solches Aufwachen erträumt? So behutsam wie möglich drehte sie sich in seinem Arm um und blickte ihn an. Er lag völlig friedlich neben ihr, sie fest im Arm und schnarchte ganz leise vor sich hin. Sie lächelte bei dem Anblick und konnte nicht anders, als ihm sanft über die Wange zu streicheln, gleichzeitig hoffend, ihn nicht aufzuwecken. Er hatte sich den Schlaf verdient. Seine Lippen verzogen sich zu einem leichten Lächeln, er schlief aber scheinbar ruhig weiter. Sie wurde mutiger, strich ihm nun durch sein strubbliges Haar, das ihm in die Stirn gefallen war. Aufmerksam betrachtete sie jedes Detail seines Gesichts, jedes Fältchen, jedes Grübchen, eine Landkarte seines bisherigen Lebens, all seiner Erfahrungen, die er machen durfte und musste. Sie fuhr über seine Wange herunter zu seinen Lippen, fuhr bedächtig mit ihrem Zeigefinger darüber, federleicht. Wie sehr sie diesen Mund liebte, der sie küssen konnte wie kein zweiter, der Worte sprach, die sie tief berührten. Als sie ihren Blick wieder nach oben gleiten ließ, blieb er an Marcs Augen hängen. Er war aufgewacht und betrachtete still ihr Treiben.

Eine sanfte Berührung an seiner Wange hatte ihn aus seinen Träumen geholt. Aus Träumen, die, wie es gerade aussah, in nicht allzu ferner Zukunft Realität werden könnten. Erst als er sich ganz sicher war, dass er sich das Ganze nicht nur einbildete, öffnete er langsam seine Augen und blickte in Theresas Gesicht, die ihn aufmerksam beobachtete. Genauer gesagt, betrachtete sie gerade intensiv seine Lippen. Wie sehr er diesen verklärten Blick an ihr liebte, den man immer nur an ihr sah, wenn ihr Kopf gerade Sendepause hatte und sie nur ihr Herz sprechen ließ. Und er war stolz, dass er der einzige war, der mit diesem bedacht wurde. Bemüht, sich nicht anmerken zu lassen, dass er wach war, wollte er diesen intensiven Moment so lang wie möglich auskosten und festhalten. Spürte er doch eine Intimität in diesen leichten Berührungen, die er nicht in Worte hätte fassen können. Und schließlich ließ sie ihren Blick hinaufwandern und sah ihm genau in die Augen. Sekundenlang sahen sie sich einfach nur an, ihr Finger noch immer zart an seiner Unterlippe, genossen den gemeinsamen Augenblick. Schließlich strich sie sanft über seine Wange und ließ ihre Hand auf dem Bettlaken liegen. „Guten Morgen.“ Seine Stimme war noch kratzig vom Schlaf, aber warm und liebevoll wie immer. „Guten Morgen. Gut geschlafen?“ Er lächelte. „Wunderbar. Und du? Geht es dir gut?“ Fragend sah er sie an. Auch sie lächelte glücklich. „So gut wie lange nicht mehr.“ Dass sich die Antwort auf beide Fragen bezog, musste sie nicht extra dazusagen, sie wusste, dass er verstand.

Er streckte sich. „In Hemd und Jeans schlafen war wohl nicht die beste Idee.“ Theresa fuhr ihm langsam über den Ärmel zum Kragen hinauf und die Knopfleiste wieder herunter. „Ich schlafe gern in deinen Hemden“, gab sie zu, erinnerte sich dabei an die einzige Nacht zuvor, die sie gemeinsam in ihrem roten Bett verbracht hatten. „Dein Duft lässt mich ruhiger schlafen.“ Er nahm ihre in seine Hand und hielt sie fest. „Du bekommst die Herrschaft über all meine Hemden. Auch wenn ich nicht bei dir sein kann.“ Sie lächelte. „Danke. Ich werde drauf zurückkommen.“ Sie schwiegen eine Weile einvernehmlich. Irgendwann grummelte Theresas Magen. „Lust auf Frühstück?“ „Ein zweiter Traum, der heute Morgen Wirklichkeit wird.“ Er sah sie traurig an. „Theresa, ich…“ Sie legte ihm einen Finger auf den Mund. „Du musst dich nicht entschuldigen. Ich freue mich, dass wir jetzt so weit sind. Lass uns die Vergangenheit hinter uns lassen. Wichtig ist nur, was noch kommt.“ „Womit habe ich dich nur verdient?“ Er konnte noch immer kaum glauben, welche Wendung sein Leben in den letzten Tagen genommen hatte.
Eine Stunde später trafen sie sich frisch geduscht und zurechtgemacht im Frühstücksraum des Hotels wieder. Theresa gierte nach dem ersten Kaffee des Tages, wohingegen Marc gelassen auf seinen grünen Tee wartete. Beim Frühstücken schmiedeten sie Pläne für den Tag: Heute würden sie noch komplett in Hamburg verbringen, am nächsten Vormittag ginge ihr Zug nach Erfurt. Dann würde der Alltag sie wieder einholen, vor dem beide etwas Angst hatten. Hätten sie genug Zeit für sich? Würden sie im ganzen Klinik- und Alltagsstress wieder in alte Muster verfallen? Aber sie waren sich einig, jetzt erst einmal ihre kurze Auszeit unbeschwert zu genießen, die sie zu zweit genießen konnten.

Sie fuhren das komplette Touristenprogramm: Hafenrundfahrt, Stadtführung, Spaziergang durch die Speicherstadt und ein Fischbrötchen auf dem Fischmarkt. Sie wollten sich den Sonnenuntergang auf dem Michel anschauen, ehe sie in einem portugiesischen Restaurant zu Abend essen wollten. „Wow“, entfuhr es Theresa atemlos, als sie endlich das Gebäude erklommen hatten. „Der Ausblick ist der Wahnsinn.“ Marc stellte sich hinter sie und umfasste ihre Taille mit seinen Händen. Er schaute auf sie herunter. „Wie recht du hast.“, stimmte er ihr leise zu, ohne, dass sie wusste, was er eigentlich meinte. Die Abendsonne ließ die Hansestadt in einem unwirklichen Licht erstrahlen, die Alster glitzerte und es war überraschend still hier oben, ganz im Gegensatz zum hektischen Großstadttreiben unter ihnen. Sie genossen die Aussicht, Theresa leicht an Marc gelehnt, der sie ganz fest hielt. Hätte er die Möglichkeit gehabt, er hätte die Zeit angehalten. Ein friedlicher Moment, den sie miteinander teilten und der sich fest in seiner Erinnerung verankern würde, ihm Kraft geben würde, wenn es ihm schlecht ging. Im Dämmerlicht drehte Theresa sich schließlich zu ihm um und sah ihm in die Augen. Stumm erwiderte er ihren Blick und zog sie nah an sich. Er wusste, gleich würde es endlich soweit sein. Wie lange hatte er sich danach gesehnt, wie oft in den letzten Tagen den Drang gehabt, es zu tun? „Marc?“ Sie sah ihn ernst an. „Hm?“ Theresa schluckte, nahm allen Mut zusammen, ihm das zu sagen, was sie fühlte. „Ich liebe dich.“ Sie spürte, wie ihr Herz wild klopfte, gleichzeitig aber eine innere Ruhe, die unterstrich, wie wahr diese Worte waren. Konnte es wirklich so einfach sein? Atemlos sah sie Marc an, der ihren Blick fixierte.

Sie hatte sie gesagt. Die magischen drei Worte. Die Worte, die er ihr schon vor langer Zeit gestanden, aus ihrem Mund aber noch nie gehört hatte. Die wahrscheinlich noch nicht viele Menschen von ihr gesagt bekommen hatten. Er war völlig überrascht, mindestens genauso wie sie damals von ihm. Er war nicht in der Lage, etwas zu erwidern, zu sehr genoss er das Gefühl, das ihre Worte in ihm auslösten. Er sah sie fest an, während sein Gesicht langsam ihrem näherkam, in seinen Augen konnte sie die Antwort erkennen, sie bedurfte keiner Worte. Langsam legten sich seine Lippen auf ihre und verschmolzen zu einem zarten Kuss. Seufzend schlossen sie ihre Augen, ließen sich fallen, in diesen Moment, nach dem sie sich beide schon so lange verzehrt hatten. Sie wussten nicht, wie lang sie dort oben standen, fest aneinandergeschmiegt, all die Küsse nachholend, auf die sie in der letzten Zeit verzichten mussten. Irgendwann aber lösten sie sich voneinander, schließlich wollten sie die Nacht nicht in luftiger Höhe verbringen. „Ich bin so stolz auf dich.“ Sie lächelte ihn glücklich an. „Ich auch.“
Review schreiben