Sturmschatten

GeschichteDrama, Romanze / P16
Shikamaru Nara Temari
27.07.2019
23.05.2020
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23.05.2020 6.351
 
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Schnee war nichts Seltenes in Konoha, doch die Menge an Schnee, die dieser Tage herunter ging, hatte Shikamaru noch nie dermaßen mitbekommen. Er beschloss als es gerade nicht schneite in den Wald zu gehen und nach den Hirschen zu sehen. Choji begleitete ihn. Er erzählte Shikamaru von den aktuellen Entwicklungen mit Karui.
"Sie hat mich gefragt, ob wir es nicht mit einer Beziehung versuchen sollten."
"Das freut mich sehr, Mann", sagte er und klopfte ihm auf die Schulter. "Du hast eine tolle Frau verdient."
"Sie kommt Weihnachten nach Konoha. Ich wollte sie Ma und Pa vorstellen."
Shikamaru musste lächeln. So unsicher wie Choji sonst war, konnte er sich einfach nur freuen. Karui schien genau die richtige Frau zu sein. Er kannte sie durch die Arbeit in der Union schon bedeutend länger und wusste sie würde seinen besten Freund glücklich machen. So wie Chojis Wangen glühten, war er bis über beide Ohren verknallt.
"Das ist ein großer Schritt. Weiß Karui von ihrem Glück?"
Choji nickte und richtete den Rucksack auf seinem Rücken.
"Sie hat es von sich aus vorgeschlagen. Nächstes Jahr soll ich ihre Eltern kennenlernen. Wie geht es Temari? Kommt sie auch über Weihnachten?"
"Ganz gut", erwiderte Shikamaru kurz. "Sie müsste gerade auf den Weg sein."
Wenn er ehrlich war, wusste er nicht wie es Temari ging. Sie hatte ihm wie üblich geschrieben, doch ihren Briefen fehlte die Tiefe. Immer noch war da etwas zwischen ihnen, dass er nicht genau benennen konnte. Er hoffte die nächsten Tage würden dieses ungute Gefühl in ihm endlich zum Schweigen bringen. Shikamaru dachte an den Ring der darauf wartete im richtigen Moment an ihren Finger gesteckt zu werden.
"Hey, vielleicht können wir ja zusammen was unternehmen. Wir fragen auch Sai und Ino, ob sie Lust darauf haben", schlug Choji vor.
"Das lässt sich bestimmt einrichten."
Endlich erreichten sie das Waldstück und Shikamaru wurde von einer Hirschkuh begrüßt, die offensichtlich begonnen hatte zu kalben. Nun war er mehr als froh gekommen zu sein, denn wie es aussah hatte sie Probleme dabei.

***


Temari saß fröstelnd mit Sakura und Hinata in einem Teehaus. Sie hatte nur kurz ihre Sachen bei Shikamaru untergestellt und war, nachdem er nicht anwesend war, zum Hokageturm gegangen. Dort war sie Sakura begegnet, die sie ohne Umschweife zu ihrer Verabredung mit Hinata genommen hatte. Sie nippte an ihrem Tee und lauschte den beiden Frauen wie sich über die aktuellen Geschehnisse in Konoha austauschten. Die Tür wurde erneut aufgerissen TenTen und Ino traten ein.
"Hallo Temari! Schön dich zu sehen", begrüßte Ino sie und setzte sich neben. TenTen hob kurz die Hand: "Erzählt, wie geht's dir?"
"Das Übliche. Ich reise zwischen den Dörfern hin und her und muss mir langweilige Vertragsverhandlungen antun. Dazwischen beschwert sich das Konzil Sunas, dass ich irgendwelche Interessen des Windreichs nicht beachtet habe und reise wieder hin und her."
"Ich könnte das nicht", sagte Hinata. "Dafür bin ich zu gerne in Konoha. Ständig mein Dorf zu verlassen, würde mir nicht gefallen."
"Temari macht es anscheinend gerne", warf Sakura ein und angelte sich ein Stäbchen mit Dango vom Teller. Temari tat es ihr nach.
"Irgendwer muss die Aufgabe übernehmen."
TenTen hatte damit durchaus Recht, doch trotzdem gönnte Temari sich den Luxus zwischendurch Matsuri mit diesen Aufgaben zu betrauen. Vor allem brauchte sie jemanden der ihre Nachfolge antreten musste und das war ziemlich bald.
Wie würden es die restlichen Mitglieder der Union aufnehmen, wenn sie ging?

"Willst du eigentlich für immer in Suna bleiben?"
Inos Frage hätte unschuldig klingen können, doch Temari wusste genau worauf sie anspielte.
Was ist wenn Shikamaru dich heiraten will? Willst du ihn aus Konoha heraus reißen?
"Nun es kommt darauf an, wie sich alles in Zukunft entwickelt", erwiderte sie ausweichend.
"So wie ich das sehe, werden Shikamaru und du irgendwann heiraten. Er hat hier eine Menge Verpflichtungen. Es wäre logisch, dass ihr in Konoha zusammen lebt und eine Familie gründet."
Ihr fehlte echt die Sprache. So unverblümt hatte Ino bisher nie das Thema angesprochen.
"Ino!" rief Sakura aus. "Kannst du das Thema nicht einmal ruhen lassen?"
"Das geht dich überhaupt nichts an, Sakura", fauchte Ino zurück. "Shikamaru und Choji haben nicht nur ihren eigenen Clans gegenüber Pflichten. Wir sind uns gegenseitig verpflichtet."
Das war Temari eindeutig zu viel. Sie stand auf und legte Ryo für ihren Anteil auf den Tisch. Sie hatte genug davon. Die Rufe die ihr nacheilten als sie das Teehaus verlief, prallten an ihr ab. Sie wollte weg, raus. Irgendwo hin. Bloß weg.

***


Shikamaru hatte sich gerade auf sein Sofa gelegt als die Tür stürmisch aufgeschlagen wurde. Arashi, der gerade noch friedlich auf dem Sofa geschlafen hatte, sprang panisch auf und rannte davon. Die Tür prallte an der Wand ab. Er schreckte hoch und kurz darauf stand Temari im Zimmer.
"Alkohol."
"Ähm, was?"
"Hast du Alkohol da?"
Er setzte sich hin und fuhr sich durch die Haare.
"Ich habe bestimmt noch irgendwo Wein. Aber ist es nicht ein bisschen früh dafür, Temari?"
Shikamaru hatte zwar gewusst, dass sie angekommen war, aber er konnte sich nicht erklären, weshalb sie so aufgewühlt war. Sie war temperamentvoll. Das hatte er schon immer gewusst. Und er hatte genau das vermisst. Nur hoffte er nicht der Grund für ihre Wut zu sein.
"Hol den Wein, wir müssen reden, Shikamaru."
Ohne Umschweife stand er auf. Er hatte ihr versprochen da zu sein, wenn sie ihn brauchte. Also würde er auch mit ihr mitten am Tag Wein trinken.

***


Sie wollte Shikamaru keine Angst machen indem sie einfach so in seine Wohnung stürmte. Ihre Emotionen waren einfach über gekocht. Sie musste reden und zwar dringend. Temari glaubte bald zu explodieren. Seit Monaten tanzten Shikamaru und sie um das Thema herum. Es musste endlich Klarheit herrschen. Shikamaru stellte wortlos die Gläser und die offene Flasche auf den Tisch. Sie griff zu und füllte ihre beiden Gläser bis oben auf. Sofort nahm sie einen großen Schluck. Er nippte nur am Glas. Shikamaru trank selten Alkohol und dafür bewunderte sie ihn. Sie wusste nicht wie oft sie schon nach einer Nacht mit Kankuro und dem Alkohol am nächsten Morgen aufgewacht war und sich wünschte sie hätte nicht so übertrieben.

"Du musst Ino klar machen, dass sie aufhört mich über uns auszufragen. Ich weiß, dass du ihr von Kana erzählt hast und ich mache dir dafür keine Vorwürfe, aber wenn sie noch einmal von Traditionen eurer Clans erzählt, muss ich sie vom Hokagefelsen werfen."
Shikamaru verschluckte sich an seinem Wein und starrte sie an.
"Sie wollte heute wissen ob ich in Suna bleibe. Es klang als gäbe sie mir die Schuld daran, dass wir noch nicht verlobt sind. Als würde ich dich daran hindern die Pflichten des Nara-Clans zu erfüllen."
Temari wollte verdammt sein wenn sie Ino weiter so in ihr Leben ließ. Sie brauchte dringend Abstand von diesen Themen. Vor allem nachdem sie sich schon entschieden hatte. Sie wollte die letzten Tage mit Shikamaru genießen und eine schöne Zeit haben bevor sie ihn damit konfrontierte in welche Richtung ihre Entscheidung ging. Doch Inos Worte hatten sie zum Schwanken gebracht. Denn sie wollte genau das. Eine Zukunft mit Shikamaru. Sie wollte jedoch nicht schwanken. Nur als sie nun in seine braunen Augen sah, warf sie all ihre Vorsätze über den Haufen.

"Ich kann nicht darüber nachdenken wie es mit uns weiter geht, so lange Dinge ungeklärt sind. Wir haben nie ernsthaft darüber geredet wie es mit uns weiter geht. Was ist wenn der Vertrag nicht gelöst werden kann? Und wie machen wir weiter wenn doch? Diese Unwissenheit frisst mich auf. Seit Monaten geht es nicht voran und ich habe keine Kraft mehr zu tun als wäre alles in Ordnung. Ich habe verdammte Angst, Shikamaru. Also sag mir bitte was machen wir? Ich halte das nicht länger aus."
Er stellte sein Glas auf den Tisch und fasste ihr mit der Hand an die Wange. Sein Lächeln war traurig.
"Ich habe auch Angst, Temari. Zu wissen, dass du von jetzt auf gleich aus meinem Leben verschwinden könntest, lässt mich in Panik verfallen. Ich habe noch so viele Pläne offen, einer verrückter als der andere, nur damit wir zusammen sein können. Doch wir wären damit nicht glücklich. Keiner von uns. Ich kann dir nur anbieten mit dir zu kämpfen bis zum bitteren Ende."
Sie ließ ihm keine Zeit weiter auszuführen was er meinte, sondern zog ihn in einen Kuss.
Ich liebe dich, dachte sie. Warum nur tut es so weh dich zu lieben?


***


Shikamaru war froh als der gehetzte Ausdruck aus Temaris Augen endlich verschwand. Stundenlang unterhielten sie sich mit so viel Tiefe wie lange nicht mehr. Es war schwer Nähe aufrecht zu halten, wenn man drei Tagesmärsche auseinander wohnte. Er hatte bemerkt, dass sie sich in seiner Gegenwart immer noch nicht ganz wohl fühlte. Ihm war klar, dass einiges zwischen ihnen kaputt gegangen war. Dadurch, dass sie sich kaum gesehen hatten, schien Temari unbewusst noch Angst zu haben, doch er wollte sie nicht darauf ansprechen. Sie war eine starke Frau und er würde ihr helfen so gut es ging. Er hatte die Augenringe bemerkt und ihr blasses Gesicht. Sonst war Temari das blühende Leben. Es sorgte ihn, dass sie schlecht schlief. Der Abend war inzwischen herein gebrochen. Sie lehnte sich an seiner Schulter an und gähnte.
"Müde?"
"Mhm."
"Soll ich dich ins Bett bringen?"
"Mhm."
Er drehte sie so, dass er sie leichter auf seinen Arm nehmen konnte und hob sie hoch. Ihre Arme klammerten sich fest um seinen Hals.
"Schlaf mit mir", murmelte sie verwaschen.
Er erstarrte kurz.
Hatte sie das wirklich gesagt?
"Was hast du gesagt?"
Doch es kam keine Antwort mehr. Er legte sie sanft auf das Bett und zog die Decke über sie. Nachdem er sich selbst hinter sie gelegt hatte und ihr einen Kuss auf die Wange gab, hörte er wie sie sagte: "Ich meinte das Ernst, Shikamaru. Schlaf mit mir."
Er suchte nach ihrer Hand. Er hatte sich also nicht verhört. Shikamaru wusste nicht wie er mit dieser Aufforderung umgehen sollte. Er wollte nichts Falsches sagen. Schon einmal hatte er ihr Avancen abgewehrt und sie damit von sich weg getrieben. Er wollte nicht noch einmal den gleichen Fehler machen.
"Nicht heute, Tem. Morgen ist auch noch ein Tag."
Sie kicherte. Wie er das vermisst hatte.
„Ich meinte nicht heute, Heulsuse.“
Dann entwich sämtliche Anspannung aus ihrem Körper als der Schlaf sie übermannte. Shikamaru lag noch lange wach und dachte über ihre Worte nach.

***


Sie vertrug Rotwein nicht allzu gut. Das hatte sie auch schon vorher gewusst. Als sie nun mit Herzrasen im Bett hochschreckte, drehte sich nicht nur alles, sondern ihr wurde unglaublich schlecht. Hinter sich nahm sie nur ein verschlafenes " 'mari?" wahr und stürzte aus dem Bett ins Bad. Sie übergab sich ein, zwei Mal, dann kam nur noch Galle heraus. Ihr Magen verkrampft sich noch weiter und sie hing schwer atmend über der Toilette. Der Schweiß lief ihr über das Gesicht. Gestern hatte sie nur ein paar Dango gegessen und ansonsten nichts. Ihr Körper nahm es ihr anscheinend sehr übel. Shikamaru hatte es anscheinend geschafft sich aus dem Bett zu schälen. Sie betätigte die Klospülung damit der Geruch von Erbrochenem verschwand. Er hockte sich neben sie.
"Soll ich dir einen Tee kochen?"
Sie schüttelte den Kopf. Sie wollte einfach hier liegen bleiben und in Ruhe sterben. Ihr Magen tat ihr weh, ihr Kopf dröhnte und sie fühlte sich auf einmal so kraftlos.

Sie hörte wie Shikamaru aufstand und den Wasserhahn anstellte. Er ging wieder auf die Knie und zog sie vorsichtig nach oben. Sanft wischte er ihr mit einem kalten, feuchten Tuch über das Gesicht und am Mund entlang. Seine Hand stützte sie ab.
"Du hast Fieber", bemerkte er als er seine Hand an ihre Stirn hielt.
"Ich werde nie krank", gab sie zurück.
"Kannst du allein aufstehen?"
Anstatt einer Antwort rappelte sie sich auf und kam mit wackeligen Knie zu stehen. Sie wollte sich an Shikamaru vorbei aus dem Bad begeben, da wurde ihr schwarz vor Augen. Seine jahrelang trainierten Reflexe sorgten dafür, dass sie nicht auf den Boden fiel.
"Lässt du dir jetzt helfen, anstrengendes Weib?"
Temari merkte wie er zwischen Belustigung und Besorgnis schwankte.
"Vielleicht bin ich doch krank.“
Daraufhin schnaufte er. Sie wusste nicht wann sie zuletzt richtig krank gewesen war. Eventuell als kleines Kind, doch sie konnte niemanden fragen, da alle die davon wissen konnten verstorben waren. Sie merkte noch wie sie warm eingepackt wurde dann war sie wieder eingeschlafen.

***


Auch wenn es stark schneite, machte Shikamaru sich auf den Weg zu seinem Elternhaus. Er hatte Temari ungern zurück gelassen, aber noch eine Kanne Tee neben das Bett gestellt und ihr ein nasses Tuch auf die Stirn gelegt bevor er ging. Ihr ganzer Körper schien mit einem Mal unter Feuer zu stehen. In der Theorie wusste er wie man sich um jemanden kümmerte der krank war. Aber er hatte weder Schmerzmittel zu Hause noch wusste er womit Temari sich angesteckt hatte. Er kannte viele Rezepturen und Mittel des Nara-Clans auswendig, doch die meisten, die er benötigte waren speziell auf Hirsche ausgelegt. Damit er nichts falsch machte wollte er seine Mutter um Rat fragen. Sie hatte sich schließlich auch um ihn gekümmert wenn es ihm schlecht ging. Er trat über die Türschwelle und lief in seine Mutter hinein, die ihre Tasse vom Frühstück in die Küche trug.

"Morgen, Mum."
"Shikamaru! Du bist aber früh auf. Ist alles in Ordnung?" Sie schaute ihn mit einer gehobenen Augenbraue an. "Folge mir in die Küche."
"Temari ist krank und ich weiß nicht wie ich ihr helfen kann."
Yoshino ließ Wasser in die Spüle laufen und weichte das Geschirr ein. Er hatte seine Hände in den Taschen seiner Hosen vergraben.
"Hat sie Fieber?"
"Ja, ziemlich Hohes sogar. Ihre Stirn glüht und sie hat sich vorhin übergeben."
Seine Mutter drehte sich zu ihm.
"Hat sie was Schlechtes gegessen?"
"Das weiß ich nicht."
"Ich komme mit dir und schaue sie mir an. Ist das in Ordnung?"
"Ich wäre dir sehr dankbar, Mum. Ich mache mir Sorgen."
Sie nickte.
"Geh in das Arbeitszimmer und hol mir das kleine, rote Buch im zweiten Regal von links, drittes Fach. Du kannst es nicht übersehen. Ich hole den Rest."
Shikamaru würde sobald Temari wieder gesund war, einen riesigen Strauß Blumen für seine Mutter holen.

***


Wirre Träume suchten sie heim und quälten ihren Schlaf. Sie warf sich unruhig im Bett herum. Ihr war erst warm, dann wieder fror sie unglaublich.
"Temari, Liebes. Wach auf."
Zuerst glaubte sie die Stimme ihrer Mutter zu hören. Als sie die Augen aufschlug, saß Yoshino Nara am Bett. Hinter ihr stand Shikamaru mit in Falten gezogener Stirn.
"W-was?"
Ihr Mund fühlte sich trocken an. Sie konnte sich kaum konzentrieren.
"Hilf ihr sich aufzusetzen, Shikamaru", kommandierte Yoshino. "Und leg ihr noch ein Kissen hinter den Rücken."

Es gefiel ihr überhaupt nicht wie ein nasser Sack durch die Gegend gehoben zu werden, aber sie selbst fühlte sich gar nicht in der Lage sich zu bewegen. Das Fieber ging durch den ganzen Körper und sie fühlte sich wie mit Steinen beschwert. Kaum saß sie aufrecht zählte Yoshino ihren Puls am Handgelenk und steckte ihr ein Thermometer unter die Zunge. Sie versuchte nicht zu würgen. Es war schwer die Augen offen zu halten.
"Ich stelle dir ein paar Fragen, Temari. Du musst nur mit Kopfschütteln oder Nicken antworten."
Sie nickte.
"Hast du in den letzten Tagen Fisch, Fleisch oder ungewaschenes Obst gegessen?"
Sie verneinte. Wenn man durch die Wüste reiste, tat man gut daran keine verderblichen Lebensmittel mitzunehmen. Eine Welle der Übelkeit schüttelte sie. Yoshino nahm das Thermometer an sich.
"Bist du vielleicht schwanger?"
"Mum! Du kannst doch nicht solche Fragen stellen!"
Temari war belustigt von Shikamarus Empörung und sie gluckste. Er warf ihr einen scharfen Blick zu.
"Stell dich nicht so an. Du weißt, dass bestimmte Medikamente gefährlich für schwangere Frauen sind."
Shikamaru seufzte.
"Nein", krächzte Temari. "Ich bin nicht schwanger."
"Dein Fieber ist über 40 Grad. Ich gebe dir was gegen die Übelkeit und dann senken wir dein Fieber."
"Danke, Yoshino."
Sie war wirklich dankbar. Auch wenn es ihr nicht gefiel, dass Yoshino sie so sah, war es ein tolles Gefühl so umsorgt zu werden.
"Du brauchst dich nicht zu bedanken." Sie drehte sich zu Shikamaru. "Du bleibst bei ihr während ich alles vorbereite."

Temari schloss die Augen und hörte wie die Tür geschlossen wurde.
"Tut mir leid, Tem. Ich wusste nicht wie ich dir helfen kann. Und meine Mum kennt sich mit Erkrankungen jeder Art aus. Sie wohnt auch nicht so weit weg wie Sakura oder Ino."
Er nahm ihre Hände in seine. Sie merkte erst da, wie kalt ihr war.
"Ich fühle mich wirklich elend", sagte sie. "Du hättest auch Naruto zur Hilfe rufen können, wenn es mir dadurch besser ginge."
"Habe ich dir schon Mal erzählt wie ich auf einer Mission krank wurde und Naruto versucht hat mir eine Suppe zu kochen?"
Sie öffnete unter Schwierigkeiten die Augen.
"Nein, ich glaube nicht."
"Ich weiß nicht warum, aber er hat nicht nur Gemüse und Fleisch in die Suppe geworfen, sondern auch Kamillenblüten und Pfefferminze und anderes Grünzeug, von dem ich bis heute nicht weiß, was es war."
Sie musste lachen.
"Hat es geholfen?"
"Nein. Ich habe mich die ganze Nacht übergeben. Als wir in Konoha ankamen hat Sakura ihm die Ohren lang gezogen. Seither hat er nie wieder versucht mich derart zu vergiften."
Es wurde anstrengend aufrecht zu sitzen.
"Ich bin müde. Kannst du mir helfen?"
Anstatt einer Antwort nahm er sie vorsichtig in den Arm, zog das Kissen, das ihren Rücken stützte zur Seite und legte sie nach hinten. Er strich ihr die Haare aus der schweißnassen Stirn und gab einen Kuss darauf.
"Ich hole dir noch eine Decke und stell die Heizung höher."
Er verließ das Bett und wollte sofort zur Tat schreiten.
"Shikamaru?"
"Ja?"
"Meine Worte von gestern Abend habe ich Ernst gemeint. Alle."
Zu gerne hätte sie gesehen wie er rot anlief, aber der Schlaf umarmte sie mit seinen schweren Armen.

***


Um Temari nicht zu stören, ließ er sie den Rest des Tages schlafen. Yoshino hatte ihm gezeigt wie er einen Tee zusammen stellte der gegen die Übelkeit half. Außerdem hatte sie einen Sirup dagelassen, der das Fieber senkte. Gegen Mittag kam Sakura vorbei und brachte Schmerzmittel mit. Sie schaute auch noch einmal kurz wie es Temari ging und bat darum sie zu holen, sollte es ihr schlechter gehen. Irgendwann hatte Arashi lautstark darauf bestanden ins Schlafzimmer zu wollen. Widerwillig hatte er den Kater herein gelassen. Sofort war dieser aufs Bett gehüpft und hatte sich zu Temaris Füßen hingelegt.

Shikamaru nutzte die Zeit und schrieb an Berichten für die Arbeit. Der Schneesturm machte es unmöglich nach draußen zu gehen. Er brühte sich gerade einen Kaffee auf da vernahm er Temaris Stimme. Schnell eilte er zu ihr. Sie saß am Bettrand und zitterte. Ihre Haare standen zu allen Seiten ab. Er sah wie sie versuchte aufzustehen, aber daran scheiterte. Damit sie nicht einen weiteren Versuch startete, half er ihr auf. Sie hatte kaum Körperspannung. Noch nie hatte Shikamaru sie so gesehen.
"Ich muss auf die Toilette", gab sie zu. "Außerdem brauche ich andere Kleidung. Ich habe alles voll geschwitzt."
"Ich helfe dir ins Bad und such dir ein Shirt von mir raus." Er hörte wie sie wimmerte. "Hast du Schmerzen?"
"Ich schäme mich so. Ich wollte ein paar schöne Tage mit dir verbringen und jetzt bin ich ein jammerndes Häufchen Elend."
"Ich wäre auch nach Suna gereist damit ich mich um dich kümmern kann. Wir können nicht immer nur die schönen Seiten des Lebens miteinander verbringen."
Sie kamen am Bad an.
"Wie machst du das?"
"Wie mache ich was?“
"Egal wie elend ich mich fühle, du munterst mich immer auf."
"Ich will dass es dir gut geht. Immer." Er blieb vor der Toilette stehen. "Soll ich dir helfen?"
"Egal wie schlecht es mir geht, aber das schaffe ich allein."

***


Es dauerte zwei Tage und dann fühlte sie sich schlagartig besser. Zwar noch nicht so, dass sie sofort aufspringen wollte, aber die wohltuende Wärme einer Dusche tat einfach so unglaublich gut und belebte ihre Lebensgeister. Sie trocknete ihre Haare und trat in ein Handtuch gewickelt ins Schlafzimmer. Die letzten Tage hatte sie nur in Shirts von Shikamaru geschlafen. Da sie immer noch nicht ganz gesund war, aber sich seit heute morgen nicht mehr übergeben hatte, kramte sie in der Kommode und suchte nach etwas das sie anziehen konnte. Sie wollte keines ihrer Kleider voll schwitzen. Ihre Hand traf auf einen Widerstand, was sich als kleine Schachtel entpuppte.
Ein Ring. Ein Verlobungsring, schoss ihr durch den Kopf.
Schnell schob sie das Kästchen zurück nach hinten in die Schublade. Sie wollte auf keinen Fall dabei erwischt werden, wie sie in seinen Sachen herum wühlte. Erst recht nicht, dass er sie mit diesem Schmuckkästchen in ihrer Hand sah, denn sie wusste wenn es wirklich ein Ring war, würde er sich sofort vor sie knien und ihr die eine Frage stellen. Und sie würde ihm keine Antwort geben können. Zumindest nicht die Antwort, die er sich erhoffte.

Gerade hatte sie eine Shorts und ein Oberteil heraus gesucht, da trat Shikamaru ein.
"Ich habe dir Tee gemacht", verkündete er. Erschrocken drehte sie sich um. Das Handtuch hielt zum Glück.
"Oh...danke."
Unbeirrt von ihrem spärlichen Bekleidungszustand stellte er den Tee auf den Nachttisch. Er wollte sich wieder aus dem Zimmer schleichen, doch sie lief auf ihn zu und griff nach seinem Handgelenk. Instinktiv reagierte er und zog sie an sich. Ihre Lippen fanden einander.
"Du schmeckst gut."
"Mein Seife riecht verführerisch an dir."
Sie merkte sofort die aufgeladenen Spannung zwischen ihnen. Das Handtuch war die einzige Barriere zwischen ihnen. Es konnte so leicht eskalieren. Zu leicht. Es war keine gute Idee gewesen sich so auf ihn zu stürzen, doch sie hatte ihn vermisst. Die letzten Nächte hatte er auf dem Boden geschlafen auf einem Futon. Sie wollte wieder neben ihm einschlafen, denn ihnen lief die Zeit davon. An ihrem letzten Abend würde sie ihn endlich in ihre Pläne einweihen, auch wenn sie sich davor fürchtete.
"Würdest du heute Nacht wieder mit mir in einem Bett schlafen, Nara?"
"Nichts würde mich abhalten."

***


Temari hatte darauf bestanden nach draußen zu gehen und einen Spaziergang durch den Schnee zu machen. Ihr fiel die Decke auf den Kopf nachdem sie die letzten Tage nur drinnen verbracht hatte. Widerwillig hatte er zugestimmt. Sie war immer noch ziemlich schwach auf den Beinen. Er hatte versucht sich nicht zu erschrecken als er sah, dass sie in seiner Kommode herumwühlte. Wenn sie den Ring fand, wären alle seine Pläne sofort zunichte gemacht worden. Sicher hätte er improvisieren können, darin war er ganz gut, aber er wollte ihr nicht das Gefühl geben diesen Antrag zu machen, weil sie keine andere Wahl hatten, sondern, weil er sich nur sie als seine Frau vorstellen konnte.

Sie hatte sich bei ihm untergehakt und ließ sich von ihm durch die Straßen führen. Selbst wenn sie beide nicht romantisch veranlagt waren, ging auch ihnen der Zauber des Moments nicht verloren. Sie kamen an Kindern vorbei die Schneemänner bauten und sich mit Schneebällen bewarfen. Shikamaru stellte sich kurz vor eines dieser Kinder wäre seines und Temaris. Er fragte sich ob ihr Kind ihre Augen bekommen würde, denn wenn man ihn fragen würde, was er am schönsten neben ihrem Lächeln fand, waren es ihre Augen. So grün wie die Blätter seiner Heimat mit einem Hauch blau, dass ihn an die stürmischen Winde am Meer erinnerten.

„Willst du mitspielen?“ fragte Temari ihn auf ein Mal.
Scheinbar hatte sie bemerkt, wie er die Kinder beobachtete.
„Wir haben uns früher in der Akademie auch immer mit Schneebällen abgeworfen“, erzählte er. „Zumindest bis Ino einen harten Schneeball von Kiba direkt ins Gesicht bekommen hat. Danach hat uns Iruka-sensei allen verboten Schneebälle zu werfen.“
Bei der Erinnerung daran musste er lächeln. Es war damals eine schöne Zeit gewesen. Sogar er hatte sich daran beteiligt und mit Choji eine riesige Wand aus Schnee gebaut hinter der sie sich versteckt hatten. Selbst Sasuke der sonst nie an irgendwelchen Aktivitäten mit seinen Klassenkameraden mitmachte war voller Elan dabei gewesen.

„Ich weiß noch wie ich mit Gaara und Kankuro Sandburgen gebaut habe.“
Shikamaru sah wie sie mit den Augen nach oben schaute als würde sie sich daran erinnern als wäre es gestern gewesen. Ein Lächeln saß in ihrem Mundwinkel.
„Damals bevor Rasa uns verboten hat mit Gaara zu spielen. Kankuro hat sich gewünscht, dass Gaara einen Kothaufen aus Sand formte. Was er natürlich gemacht hat“
Sofort prustete Shikamaru los.
„Natürlich würde Kankuro sich sowas wünschen.“
Sie kniff die Augen fröhlich zusammen und grinste.
„Ich wünschte mir manchmal genau diesen einen Tag zurück. Als alles noch so leicht und unbeschwert war.“
„Nun ich kann dir keine Sandburgen anbieten, aber wir können einen Schneemann bauen.“
„Das ist doch kindisch, Shikamaru.“
Anstatt zu antworten küsste er sie.
„Es ist weniger kindisch, wenn wir uns jemanden dazu holen, der sich auch über einen Schneemann freuen würde. Komm mit.“

***


Temari war nicht das erste Mal bei Kurenai. Wie immer begrüßte sie die beiden herzlich und stimmte zu, dass sie Mirai mitnehmen konnten um einen Schneemann zu bauen. Sie merkte wie sich ihr Herz zusammen zog als sie daran dachte, dass sie neben Shikamaru auch all ihren Freunden in Konoha Lebewohl sagen würde, wenn sie sich von ihm trennte. Doch sie musste ihre Gefühle zur Seite schieben, sonst konnte sie nicht an ihrem Plan festhalten. Sie musste zum Wohle Sunas handeln. Sie durfte nicht egoistisch sein, sondern musste an all die Menschen denken, die unter der Entscheidung leiden würden, wenn sie sich dafür entschied Kana nicht zu heiraten und darauf hoffen Konoha nicht als Verbündeten zu verlieren. Wenn sie darüber nachdachte was für einen Tumult es in der Shinobi Union auslösen würde, dass sie ging und sich von Shikamaru trennte. Ihr wurde schlecht bei dem Gedanken.

Während Mirai fröhlich an Shikamarus Hand herum hüpfte und davon redete den größten Schneemann in ganz Konoha zu bauen, wollte sie sofort umdrehen und nach Suna gehen. Den Leuten im Konzil die Meinung geigen und ihnen sagen, sie sollten sich ihren Vertrag dorthin stecken wo die Sonne nie hin schien. Sie würde auch Mirais kleines Herz brechen.

***


"Das Essen war wie immer großartig", verkündete Shikamaru zwei Tage später als sie das Weihnachtsessen bei Yoshino hinter sich gebracht hatten.
"Du bist es einfach nicht gewohnt ordentlich zu Essen, Shikamaru", erwiderte seine Mutter. "Wie oft kochst du schon, außer Temari ist da?"
Temari die neben ihm saß, lächelte leicht. Schon den ganzen Abend über war sie tief in ihrer eigenen Welt versunken. Shikamaru wusste nicht was sie beschäftigte, vor allem da er geglaubt hatte zwischen ihnen wäre endlich alles geklärt. Sie verheimlichte ihm etwas und er wusste nicht was.
"Shikamaru kann echt gut kochen", half Temari ihm aus.
"Wie viel hast du ihr bezahlt damit sie das sagt?"
Temaris Lächeln wurde breiter. Sie sah seine Mutter verschwörerisch an. Das nahm keine gute Wendung für ihn. Wenn seine Mutter und seine Freundin sich verbündeten, war er ein toter Mann.
"Glaubst du ernsthaft ich könnte Temari dazu bringen so etwas zu sagen, ohne dass ich am nächsten Tag schwer verwundet im Krankenhaus liege, Mum?"
Jetzt lachten beide Frauen.
"Du kannst dich entspannen, Shikamaru. Ich bin mir sicher, dass du gut für dich selbst sorgen kannst", beschwichtigte seine Mutter. "Trotzdem würde es mich interessieren wie du es geschafft hast Temari zu einem Date mit dir zu überreden."
Er seufzte laut auf.

***


Temari war zum Abschied von Yoshino gedrückt worden und das hatte sie hart schlucken lassen. Sie hatte die Umarmung mindestens genauso kraftvoll erwidert und sich noch einmal dafür bedankt, dass sie ihr geholfen hatte als sie so krank war. Es wurde immer schwieriger die Fassade aufrecht zu halten. Während sie gehofft hatte die Weihnachtstage glücklich und zufrieden mit Shikamaru zu verbringen, schien dieser Besuch für sie zur reinen Qual zu werden. Erst Mirai und Kurenai, dann Yoshino und morgen würde sie auch noch auf Ino, Sai, Choji und Karui treffen. Alles fühlte sich an wie ein Abschied. Denn nichts anderes war es.

Auch Shikamaru schien zu merken, dass etwas nicht stimmte. Er drückte fragend ihre Hand als sie sich auf den Weg zu seiner Wohnung machten. Sie schüttelte den Kopf und sah ihn lächelnd an.
Es ist alles gut. Mach dir keine Sorgen.
Wie sie es hasste ihn zu belügen. Ihm eine heile Welt vorspielte wenn sie Shikamaru in ein paar Tagen das Herz brechen musste.

Er blieb stehen dennoch stehen. Damit er keine weiteren Fragen stellte, beugte sie sich nach vorne und küsste ihn. Er wollte den Kuss unterbrechen, doch sie hielt ihn einfach fest und setzte ihre Zunge so geschickt ein, dass Shikamaru gar nicht anders konnte als darauf einzugehen. Nach all den Monaten wusste sie genau wie sie ihn dazu bringen konnte, zu vergessen was er sagen wollte und sie verdammt noch Mal einfach zu küssen. Sie merkte wie ihre Taktik wirkte. Er zog sie auch näher heran. Seine Hände fanden von allein unter ihren Umhang und umfassten ihren Hintern. Als sie sicher war, dass er nicht noch einmal das Thema aufgreifen würde, ließ sie endlich von ihm ab.
"Wow", war das Einzige was er hervor brachte.
"Lass uns endlich nach Hause gehen", flüsterte sie an sein Ohr.

***


Shikamaru hatte den folgenden Tag keine Kraft um sich auf irgendwas zu konzentrieren. Er war sich der Anwesenheit Temaris zu sehr bewusst und konnte nicht verhindern jedes Mal rot anzulaufen, wenn sein Blick auf ihr hängen blieb. Vor allem, weil sämtliche ihrer Berührungen dazu führten - und sei es nur wenn ihre Hand seine zufällig streifte - ihm das Blut in andere Körperregionen schießen zu lassen. Er war vollkommen in ihren Bann gezogen.

Nachdem sie gestern nach Hause gekommen waren, hatten sie nicht viele Worte miteinander verschwendet. Sie waren kaum aus ihren Schuhen geschlüpft, da hatten sich eng umschlungen auf dem Sofa wieder gefunden und weiter geküsst. Am Ende hatte nicht mehr viel gefehlt und sie wären den letzten Schritt gegangen. Nur das Fehlen von ausreichender Verhütung hatte sie abgehalten und es war ihm einem Moment lang sogar vollkommen egal gewesen.

Er hatte gleich nach dem Aufstehen dafür gesorgt, dass zumindest dieses Hindernis aus dem Weg geschafft war und ein wenig beschämt ein paar Kondome besorgt. Temari war zwar überrascht, dass er früher aufgestanden war als sie, doch nachdem sie gesehen hatte, was er besorgt hatte, war zuerst ihr Gesicht rot angelaufen. Dann hatte sie ihn mit einem so verführerischen Lächeln angesehen, dass es sich anfühlte als hätte er Blei geschluckt. Ihr auf den Lippen gehauchter Kuss hatte dabei nicht geholfen.
Sie machte ihn verrückt und das auf eine Weise wie niemand sonst zuvor.

Damit er nicht den ganzen Tag durch ihre Nähe verwirrt wurde, hatte er sich gegen Mittag auf seine Veranda gesetzt, trotz des Schnees und der Kälte. Arashi hatte sich entschlossen ihm Gesellschaft zu leisten und lag eingerollt auf seinem Schoß. Zwischendurch forderte er lautstark hinter den Ohren gekrault zu werden und schnurrte zufrieden vor sich hin. Er schaffte es sogar sich so sehr in das Buch zu vertiefen, dass er erst wieder den Kopf hob als er ihre Schritte hörte.
"Ich habe Tee gemacht. In einer Stunde Treffen wir uns mit unseren Freunden", sprach sie und blieb neben ihm stehen.
Sie hatte sich schon dementsprechend angezogen und Shikamaru merkte wie wie er schwer schlucken musste. Temari trug ihr dunkles, langes Kleid mit dem roten Gürtel um die Taille. Er liebte dieses Kleid und das wusste sie.
"Huhu, jemand anwesend beim Genie?"

Sie wedelte mit ihrer Hand vor seinem Gesicht herum. Er befreite sich aus seiner Starre und hoffte er hatte nicht angefangen zu sabbern. Er fühlte sich als hätte sie ihm einen Leckerbissen vor die Nase gesetzt, den er nicht essen durfte. Shikamaru ließ den Atem den er angehalten hatte heraus und verfluchte seinen verdammten Körper und die blöden Hormone. Wo er dabei war, fluchte er innerlich, dass sie gleich Essen gehen würden, wenn er es eigentlich bevorzugen würde sie ins Schlafzimmer zu ziehen und ihr dieses verdammte Kleid vom Körper zu streifen.

Er räusperte sich.
"Danke, Tem. Ich komme gleich nach. Ich ziehe mich eben um."
Sie wandte sich ab um zu gehen. Temari war fast wieder in der Tür verschwunden, da drehte sie sich noch einmal um.
"Vielleicht solltest du eine Hose anziehen, die nicht so eng sitzt."
Sie zwinkerte ihm zu und ließ ihn mit knallroten Kopf zurück. Er brauchte nicht nach unten zu sehen um zu wissen was sie meinte.

***


Die Stimmung beim Essen mit ihren Freunden war ausgelassen. Sie saßen schon fast drei Stunden im Restaurant und hatten bis auf Choji, natürlich, ihre Mahlzeit beendet. Karui erzählte gerade davon wie es gewesen war unter Killer Bee zu trainieren und wie oft sie allein deswegen im Krankenhaus gelandet war, weil sie seine Kraft unterschätzt hatte.

Temari ließ sich davon berieseln und versuchte nicht zu auffällig in Shikamarus Richtung zu schauen. Sie hatte genau wie er heute das Knistern zwischen ihnen wahrgenommen. Das Feuer, dass seit Monaten zwischen ihnen brannte und nur durch ihre Vernunft zurück gehalten wurde. Dieses Pickeln, was dazu führte ihr die Luft zum Atmen zu nehmen und an all die Dinge zu denken, die sie mit Shikamaru machen wollte, wenn sie allein waren.

"Und wie bist du mit Chojis Eltern zurecht gekommen?" fragte Ino und leerte ihr Glas Wasser.
"Sie sind so unglaublich liebe Menschen", sprach Karui. "Ich habe selten so eine herzliche Familie erlebt. Und Choza kann verdammt gut kochen."
"Hat er sein berühmtes Curry gemacht? Davon kann ich nie genug bekommen", schwärmte Ino.
"Dabei isst Ino sonst kaum etwas", merkte Shikamaru an. "Aber sobald Choza Curry gemacht hat, stand Ino vor der Haustür der Akimichis und hat verlangt mitzuessen."
Choji und Shikamaru fingen beide an zu lachen als Inos Gesicht vor Scham rot anlief.
Temari merkte wie Shikamaru unterm Tisch ihren Fuß streifte. Mit Absicht wie sie sah als er ihr kurz einen Blick zuwarf.
Lass uns endlich nach Hause gehen.
Karui schien ihren Blickwechsel bemerkt zu haben, denn sie grinste Temari an.

"Aber wir sollten vielleicht langsam Mal zahlen", sagte Karui lässig. "Sogar Choji ist satt geworden."
Das stimmte, denn er stellte gerade die letzte Schüssel Reis zur Seite und rieb sich über den Bauch.
"Wir haben noch keinen Nachtisch bestellt", beschwerte er sich sofort.
"Gegen einen Nachtisch hätte ich nichts einzuwenden", sagte Sai. "Hier in der Nähe gibt es einen Laden mit leckeren Eissorten."
Temari versuchte nicht die Augen zu verdrehen. Sie hatte ganz andere Ideen für einen Nachttisch. Eine die nichts mit Eis zu tun hatte. Und jede einzelne davon beinhaltete, sie, Shikamaru und sein Bett.
"Ich bin vollkommen satt", merkte sie an. "Und auch ziemlich müde."
"Du bist ja auch noch nicht ganz gesund, Tem", kam ihr Shikamaru zu Hilfe. Wieder strich sein Fuß an ihrem entlang. Dieses Mal ein Stückchen höher. Er wurde verdammt mutig sobald er etwas haben wollte. Das gefiel ihr.

Schließlich einigten sie sich darauf, dass Shikamaru und Temari den Abend für beendet erklärten während der Rest noch einen Nachtisch suchte. Temari versuchte nicht rot an zulaufen als Karui ihnen viel Spaß wünschte.

Shikamaru schleifte sie fast den ganzen Weg in die Wohnung zurück. Kaum dort angekommen ließ er sie gerade noch ihren Umhang und die Schuhe ausziehen. Dann küsste er sie so hart und nachdrücklich, dass sie seine Absichten nicht mehr falsch verstehen konnte. Sie stolperten immer noch küssend ins Schlafzimmer. Erst da ließen sie voneinander ab. Er schaute ihr tief in die Augen. Sie konnte dort so viel Verlangen nach ihr sehen. Ein Funkeln, dass er schon den ganzen Tag in den Augen hatte.

Erneute beugte er sich vor und küsste sie. Dieses Mal sanft und ohne Hektik, dafür gründlich. Ihr wurden die Knie weich, doch er fing sie auf, drückte sie an sich.
„Ich will dich, Temari“, sprach er an ihr Ohr. Sie spürte seinen Atem als er seine Zähne einsetze um sie dort zu beißen. Sie sollte verdammt sein. Ihr ganzer Körper schrie nach ihm. Danach von ihm berührt zu werden. Überwältigt von ihrer eigenen Courage löste sie sich von ihm und drehte ihm den Rücken zu. Selbst wenn sie nur diese eine Nacht miteinander hatten, so würde sie ihm alles geben was sie hatte.

***


AN:

Vielen lieben Dank an Dennuuus, DarkDay, chili, Any und winter für eure Reviews. Ich fand eure Reaktionen wieder einmal sehr interessant und bin sehr gespannt was ihr zu diesem Kapitel sagt.

Ich möchte gar nicht allzu viel zu diesem Kapitel sagen.
Ja, es ist eine Art Cliffhänger, weil wir immer noch nicht wissen, wie Temari sich jetzt endlich entscheidet, aber der Cut ist bewusst hier gesetzt.

Nächste Woche geht es weiter.
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