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Die vereinte Front - Neue Wege

von Das Vii
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Schmerz/Trost / P18 / Mix
Annie Leonhardt Eren Jäger Hanji Zoe Irvin / Erwin Smith Levi Ackermann / Rivaille OC (Own Character)
27.07.2019
27.10.2021
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Die vereinte Front - Neue Wege


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Kapitel 1: Der Feind meines Feindes

»Der ganze Strudel strebt nach oben//
Du glaubst zu schieben, und du wirst geschoben.«

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832), deutscher Dichter und Naturforscher.

~*~

»Dieser verdammte Erkundungstrupp!« Gloria donnerte ihre Faust auf den Schreibtisch und die Soldatin vor ihr zuckte zusammen. »Immer steckt der seine Nase in fremde Angelegenheiten!« Sie stieß scharf den Atem aus. »Sie haben den Tunnel in Grisha Jaegers Keller gefunden, sagst du?«
»Korrekt.« Die Soldatin nickte.
Gloria lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und blickte durchs Fenster. Über der Hauptstadt Mitras und dem Berg in deren Mitte schwebten dunkle Wolken. »Dieser Smith und seine Bande von Irren ist und bleibt eine Plage.« Verbissen drehte sie den Füller in ihrer Hand. Doch es half nichts. Die Wut sackte in ihr Inneres und fraß sich dort fest.
Sie sah zum Kamin an der gegenüberliegenden Wand. Mit einem Ruck schob sie den Stuhl zurück und stand auf.

Das teure Holz unter dem Teppich knarrte, als Gloria an der Soldatin vorbei zum flackernden Feuer schritt. Sie hob das Kinn zu der seidenen Flagge, die über den Kaminsims gespannt war und fixierte das grüne Einhorn mit der Krone. »Wir als Zentralbrigade können nicht zulassen, dass der Erkundungstrupp unsere Arbeit zunichte macht«, erklärte sie. »Wir können uns nicht leisten, dass irgendwelche weiteren Entdeckungen an die Öffentlichkeit gelangen … «
Am Schleifen des Leders erkannte Gloria, dass die Soldatin von einem Fuß auf den anderen trat. »Was schlagen Sie vor? Was sollen wir tun?«
Gloria überging die Fragen. »Hast du erledigt, was ich dir aufgetragen hatte?«, erkundigte sie sich stattdessen.
»Lief alles wie geplant«, war die Antwort.
»Gut.« Gloria wandte sich zu der Soldatin und musterte diese von Kopf bis Fuß. Mit ihrem kurzen, braunen Haar und einer durchschnittlichen Statur gehörte sie zu der unauffälligen Sorte. Was ein Grund gewesen war, warum Gloria sie ausgewählt hatte. Sie neigte den Kopf. »Du stehst stramm, Hanna. Das gefällt mir«, lobte sie. »Wegtreten!«
»Jawohl.« Hanna salutierte.
»Geh zu meinem Vetter«, fügte Gloria noch hinzu und musterte wieder die Flagge. »Er wird sich um alles Weitere kümmern. Ab sofort bist du ihm unterstellt.«

Es dauerte einen Moment, dann hörte Gloria wie Hanna den Raum verließ. Denn es war nicht an den Spionen, die Pläne auszuarbeiten. Untergebene hatten zu gehorchen und keine Fragen zu stellen. Alles Weitere stand ihr zu, Gloria Bernhard, dem Oberst der Zentralbrigade.
Ein Gefühl der Überlegenheit blühte aus der Wut in Glorias Brust und sie setzte sich zurück an ihren Schreibtisch. Es wurde Zeit, Erwin und dem Erkundungstrupp ein Ende zu bereiten. Es wurde Zeit, ein Treffen zu organisieren.

~*~

In Mitras ging die Sonne auf. Langsam stieg sie über den Gipfel des östlich gelegenen Berges und löschte den Schatten, den er auf die Hauptstadt Sinas warf. Nebel waberte über den klaren Kanälen, als das Licht sich seinen Weg hindurch bahnte, doch die verwinkelten Gassen erreichte es noch nicht. Die Schwaden dort schienen dichter zu werden, desto mehr man hindurchzublicken versuchte. Nur der glühende Zigarrenstummel im Mund eines Mannes erleuchtete eine Straßenecke an der Flusspromenade.

Andreas Brenke war der bedeutendste Unternehmer innerhalb der Mauern. Seit deren Erbauung kümmerte seine Familie sich um die Organisation jeglicher Güter innerhalb Mauer Sinas, wie die Reeves Familie es in Mauer Rose tat, und vor ihrer Zerstörung die Familie Barls es in Mauer Maria. Ob Beschaffung, Verarbeitung, Lagerung oder Verteilung von Ware, das alles lag in seiner Hand. Alle Güter trugen seinen Stempel und die dazugehörigen Dokumente seine Unterschrift. Brenke erledigte seine Angelegenheiten ordentlich und war um den Wohlstand seiner Mitbürger bedacht. Vielmehr jedoch um den eigenen, den er konsequent und ohne schlechtes Gewissen zu mehren versuchte. Die neusten Entwicklungen bezüglich des Erkundungstrupps verstimmten ihn daher sehr.

Den Hut tief im Gesicht blickte Brenke auf seine Taschenuhr. Fünf vor halb sechs… Es sollte jeden Moment soweit sein. Er steckte die Uhr wieder weg und ließ den Blick über die Dächer und Fenster schweifen. Noch sah er niemanden, aber seine Begleitung sollte jeden Moment dazustoßen. Er machte sich auf den Weg.

Kaum bog Brenke in eine Seitenstraße, gesellte sich ein hochgewachsener Schatten an seine Seite. Der eilige Schritt wurden von dem über den Boden schleifenden Kirchengewand verborgen und verliehen der Gestalt ein erhabenes Auftreten. Das Blitzen der grünen Katzenaugen unter dem in die Stirn gekämmten blonden Pony sprach eine ganz andere Sprache.  
Vorsorglich nahm Brenke einen weiteren Zug von seiner Zigarre und entspannte seine Haltung. »Pünktlich, wie immer, Frau Oberst«, grüßte er. »Heute ganz fromm in blond?«
»Sei bloß still«, zischte Gloria. »Dieses Dilemma ist deine Schuld! Ich kann es nicht fassen, dass du diese verdammte Expedition unterstützt hast… ! Hättest du nicht den Proviant gestellt, wären sie nie aufgebrochen. Jetzt siehst du, was wir davon haben.«
»Fehlender Proviant würde Erwins kindischen Ehrgeiz nicht stoppen.«
»Seinen kindischen Ehrgeiz?«, konterte Gloria. »Oder deinen?«
Brenke nahm einen weiteren Zug und blies den Rauch scharf durch die Nase aus.

Ohne inne zu halten, schnappte Gloria sich seine Zigarre und drückte sie an der Wand aus, ließ sie zwischen den nächsten Kanalgittern verschwinden. »Die riecht man meilenweit…!«
Brenke spannte den Kiefer an. Ihre tiefe Stimmlage verriet ihm, das besser nicht zu kommentieren, also hob er nur die Hände. »Hindernisse beflügeln Erwin und seine Irren. Davon bin ich nach wie vor überzeugt«, entgegnete er. »Besser man lässt sie selbst die Grenzen ihrer Weltvorstellung entdecken. Früher oder später wird sie das schon umbringen.«
Gloria blieb stehen und kräuselte die Oberlippe. »Später ist nicht schnell genug.« Sie ging weiter voraus und er folgte.

Ihr Ziel lag außerhalb des Stadtinneren auf einer Anhöhe. Umzäunt von einem drei Meter hohen Zaun prunkte das Gebäude der Generaldirektion unantastbar auf der Erhebung nahe des Bergs. Der Regierungssitz der Mauern strahlte die Macht aus, die er innehatte. Imposante Statuen und Reliefs schmückten die weißen Außenfassaden; waren im perfekten Einklang mit der Anzahl an Fenstern und Säulen, sodass nichts überladen wirkte. Im Innenbereich sah das anders aus. Marmor in verschiedensten Farben bedeckte den Boden und im Licht der Kronleuchter schimmerte er wie heißes Wachs.

Brenke genoss den Hall seiner Schuhe im weiten Treppenhaus. Er erinnerte sich nicht daran, wann seine letzte Sitzung hier stattgefunden hatte. Die Gruppe, zu der er gehörte, trat nur zu besonderen Anlässen zusammen. Trotzdem zweifelte er daran, dass sie heute vollzählig sein würden.
Hinter ihm entledigte sich Gloria ihrer Kutte. Stiefel, Uniformhose und Bluse kamen zum Vorschein und als sie die blonde Perücke abzog, fiel ihr die kastanienbraune Mähne über die Schultern. Als sie Kinder waren, hatte Brenke mal daran gezogen. Aber damit hatte er schnell aufgehört.
Brenke rieb sich über die Knöchel, während Gloria aufholte.

Gemeinsam gingen sie den Flur entlang. Sonst war das Gebäude wie leergefegt. Nur von der Tür am Ende des Gangs hörte man Gemurmel. Brenkes Herz klopfte stärker. Aber davon zeichnete sich nichts auf seinem Gesicht ab.
Er fuhr sich durch den Bart. »Was hast du also vor?«, fragte er.
Gloria richtete ihre Uniform und entspannte ihre Züge. »Zuerst? Deinen Mist geradebiegen«, sagte sie mit erhobenem Kinn. »Wir werden ein paar Leute zusammentrommeln und dann sollte sich das schnell erledigt haben.«
»Dein Ehrgeiz war immer die einzige Eigenschaft, die dich sympathisch macht.«
Gloria zeigte keine Reaktion. »Wenigstens habe ich noch eine.«
Brenke zuckte mit den Schultern.

Die Tür war direkt vor ihnen. Brenke atmete tief durch und sie umfasste den Knauf mit weißen Knöcheln. Blähte die Nasenflügel. »Ich werde auf gar keinen Fall zulassen, dass der Erkundungstrupp lebend in die Mauern zurückkehrt«, schwor sie mit gesenkter Stimme. »Ansonsten ist alles, wofür wir beide seit Jahren arbeiten, umsonst gewesen. Und das wird nicht passieren.«
Brenke lächelte. »Da bin ich ganz bei dir.«
»Gut.«
Ohne zu klopfen, öffnete sie die Tür. Begrüßt wurden sie von den ernsten Gesichtern von Generalissimo Darius Zackly und einer Handvoll anderer.
Das Gefühl von Macht beflügelte Brenke. Er nahm seinen Hut ab und neigte den Kopf, Gloria salutierte. »Generalissimo.«
Zackly hob die Augenbrauen. »Frau Oberst, Herr Brenke«, begann er mit strenger Stimme. »Ich hoffe, Sie haben gute Nachrichten für uns?«
Gloria kreuzte den Blick mit Brenke und lächelte ruhig. »Selbstverständlich. Es wird sich um alles gekümmert«, antwortete sie. »Der Erkundungstrupp ist so gut wie Geschichte.«
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