Beautiful Hangover- nur ohne Alk und ohne Beautiful

GeschichteRomanze, Thriller / P16 Slash
Daesung G-Dragon Seungri T.O.P Taeyang
27.07.2019
21.10.2019
4
23066
2
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
Das ist der Link zum BIGBANG „Beautiful Hangover“ MV, auf dem die FF lowkey basiert (auch wenn die Frau darin hier keine große Rolle spielt ^^°): https://youtu.be/zYuYqgcWDWY  



Ch. 1: PoV T.O.P


Kapitel 1: S.O.S- Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit







D-Lite.

Choi Seunghyun lächelte, als er diesen Namen sah. Diese wenigen Buchstaben auf dem Papier vor ihm reichten aus, um ihn in einen Zustand der freudigen Erwartung zu versetzen. Der 28-Jährige fühlte sich so, als säße er in einer Achterbahn, kurz vor dem höchsten Punkt, kurz vor der rasanten Fahrt nach unten, in genau dem Moment, in dem sich Angst mit Euphorie zu einem Kribbeln im Bauch vermischten. Es war das erste Mal seit langem, dass Seunghyun solche heftigen Emotionen durch seine Arbeit verspürte. Dass überhaupt starke Gefühle seinen Körper durchfuhren, die nicht Frustration oder Müdigkeit waren.

In den letzten sieben Monaten war der 28-Jährige in eine Art Schlaf gefallen, aus dem er nicht mehr aufwachen konnte. Er war in der Rolle des Dornröschens, doch sein Prinz war wahrscheinlich in dem Dornenwald vor dem Schloss elendig krepiert. Seunghyun funktionierte zwar körperlich und konnte rational denken, aber er besaß einfach nicht die Kraft, etwas Neues auszuprobieren, was ihm vielleicht etwas Lebensfreude geben könnte. Seunghyun wusste selber nicht, was es genau war, dass ihm jegliche Motivation geraubt hatte. Sein Job vielleicht, denn dieser zerrte an seiner Kraft und auch seinem Schlaf, doch das musste er in Kauf nehmen, um seiner Mutter Geld schicken zu können. Und Geld verdiente man nun mal durch Arbeit. Viel Geld kam erst mit viel Arbeit. Seunghyun hatte vor vier Jahren ein großes Apartment beziehen können, in dem nun viele teure Bilder hingen.

Vor ihm auf dem einfach gestaltetem Schreibtisch lagen ein altmodischer, dünner Hefter und ein kleiner USB-Stick, auf dem alles Wichtige zu jenem D-Lite und seinen Aktivitäten stand, einiges davon mit Fotos und kurzen Videos dokumentiert, die man heimlich über verschiedene Überwachungskameras- und drohnen aufgenommen hatte. Die Frage nach dem Datenschutz war dabei wohl in den Hintergrund gerückt. Allerdings war Choi Seunghyun Teil der sogenannten S.O.S- der Gruppe, die für Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit stand. Und zum Schutz der Zivilbevölkerung konnte man den Datenschutz fragwürdiger Personen anscheinend mal vernachlässigen. Seunghyun war seit Jahren tätig im Bereich der Sicherheit und dort im Teilgebiet des Entlarvens von Schmugglern tätig, welche vor allem Drogen aus anderen Ländern weiterverkauften.
YG-City, kurz YG, hatte ziemlich strenge Richtlinien, was das Konsumieren bestimmter Güter anbelangte. Wenn man zum Beispiel beim weiterverkaufen von Heroin erwischt wurde, konnte das zehn Jahre Gefängnis nach sich ziehen.
Laut der demokratisch gewählten Regierung war der Aufstieg des Stadtstaates YGs nach Jahren der Abgeschiedenheit und Autarkie nur möglich, weil den Bürgern neben einer disziplinierten Arbeit viele private Freiheiten gewährt wurden. Somit konnten die Bewohner sich nach einem langem Tag oder einer ermüdenden Woche entspannt regenerieren, ohne Diskriminierung wegen ihres Äußeren, ihrer Religion oder Hobbys fürchten zu müssen. Seunghyun hatte sich so zum Beispiel nie Sorgen machen müssen, weil er homosexuell war. Doch dafür waren die Atmosphäre und auch die Rahmbedingungen der Arbeit umso stärker geregelt und vorgeschrieben. Seunghyun hatte Glück, einen hohen Schulabschluss bekommen zu haben, denn nur wenige Jahre nach seinem Schulaustritt gab es eine neue Regelung, mit der alle Kinder zwar ein durchaus wichtiges Zeugnis nach zehn Jahren bekamen, aber jeder hohe Abschluss darüber kostete viel Geld. Bildung war der Schlüssel zum Erfolg, doch durch die Privatisierung der Schulen endeten viele intelligente junge Menschen mit Jobs, die sie unterforderten. Dieses Problem wurde von der Regierung gekonnt ignoriert, doch Seunghyun kannte durch seine Arbeit genug von diesen klugen Jugendlichen, welche mit ihrem Potential versuchten, auf illegalen Wegen ihre Lage zu verbessern. Und die Zahl von diesen jungen Kriminellen würde voraussichtlich von Jahr zu Jahr steigen. Denn obwohl es in YG (bis auf sehr wenige Ausnahmen) keine Diskriminierung von Minderheiten oder Sexismus gab und der Stadtstaat somit sehr offen und modern wirkte, hatte die Regierung eine sehr negative Einstellung gegenüber (organischen) Importen. Das lag daran, dass YG vor seiner Neugründung besonders stolz auf seine Autarkie war.
Drogen jeglicher Art durften nur für schwere medizinische Fälle verwendet werden, Tabak war komplett verboten, Alkohol jedoch gar nicht. Wer also wahrnehmungsverändernde Substanzen für den Privatgebrauch verwendete, durfte mit schweren Strafen rechnen. Am beliebtesten waren einige Jahre in spezieller Haft und das zermürbende an jenen Jahren war das Gefühl, vollkommen nutzlos zu sein. Man musste auf Monitoren zusehen, wie Verwandte und Freunde tagtäglich arbeiteten und den Haushalt machten, während man selber in seiner Zelle saß und nicht wusste, wie man die Zeit totschlagen sollte. Man konnte theoretisch den ganzen Tag schlafen und darauf warten, dass etwas passierte, während andere Gefangene das Essen vorbereiteten oder Parks säuberten. Seunghyun war noch nie wegen irgendetwas in rechtliche Schwierigkeiten geraten, aber er hörte genug Geschichten von seinen Kollegen. Besonders schlecht stand es um die Unglücklichen, die versucht hatten, illegal zu emigrieren, doch das war nicht Seunghyuns Zuständigkeitsbereich.

Der 28-jährige versuchte nun, seine Gesichtsmuskulatur wieder unter Kontrolle zu bringen, doch er hätte wahrscheinlich auch lächeln müssen, wenn er nicht alleine wäre. Choi Seunghyun hatte heute das Privileg, ein kleines Büro mit drei Schreibtischen für sich zu haben, denn zwei seiner Kollegen waren zwangsweise krankgeschrieben, nachdem ein Testlauf mit einer Drohne falsch lief. Britney würde wahrscheinlich mit einer Handprothese wiederkommen. Die Kampfdrohne sollte lediglich eine Zielscheibe fixieren, aber dummerweise war sie davor explodiert.
Eigentlich wurde die künstliche Intelligenz immer zuverlässiger, aber wenn man das entsprechende Know-How hatte, konnte sie genauso gut für jeden beliebigen Zweck manipuliert werden. Und ein Anschlag auf ein Sonderkommando gegen Kriminalität war nichts Unvorstellbares. Jeder Beruf besaß nun mal seine Schwierigkeiten und Risiken. Diese Anschläge gegen S.O.S gingen allerdings nur von Kriminellen der Bildungselite aus und die Lücke zwischen diesen Privilegierten und den Verlieren des technischen Fortschrittes und der Privatisierung der höheren Bildung wurde immer größer. So war es kein Wunder, dass immer mehr Arbeit auf Seunghyun zukam, der sich vor allem mit illegalen Drogen und dem Verkauf dieser beschäftigte. Die Leute wollten von ihrem traurigem Leben abgelenkt werden, denn seitdem ein neuer Typ Roboter viele herkömmliche Arbeiten flächendeckend übernahm, blieb den meisten Menschen mit wenig IT- Kenntnissen nichts anderes übrig, als schlechter bezahlte Jobs anzunehmen. Denn ein Studium der höheren Informatik und im Programmieren war nur mit entsprechendem Schulabschluss möglich. Und der kostete. Menschliche Reinigungskräfte für spezielle Zimmer und teures Geschirr waren jedoch billiger als diese Roboter, die bei feinmotorischen Aufgaben oft gepflegt und neu programmiert werden mussten, weswegen vor allem Menschen mittleren Alters diese Reinigungsarbeiten unternahmen. Das Geld, was sie dafür bekamen, war nicht viel. Aber nicht nur diese Arbeiter waren unzufrieden, es herrschte seit der Schulreform und dem Einführen jener Roboter eine angespannte Stimmung und Seunghyun erschien es so, als ob die Roboter mehr Rechte hätten als lebendige Menschen mit niedriger Bildung. Aber das erschien dem Mann mit den natürlich schwarzen Haaren jetzt alles unwichtig, denn er hatte nun einen Fall vor sich, auf den er unterbewusst seit ungefähr drei Jahren hoffte.
Und nun hatte das Warten endlich ein Ende.

Choi Seunghyuns Aufgabe würde darin bestehen, jenen D-Lite (beziehungsweise den Mann, der sich hinter diesem Pseudonym versteckte), zu beobachten, mit ihm Kontakt aufzunehmen und durch ihn mehr über das System hinter dem Verkauf illegaler Güter erfahren. Dabei sollte er so viele Informationen wie möglich sammeln, denn S.O.S glaubte, einer bestimmten kriminell organisierten Gruppe auf der Spur zu sein. Das Unternehmen war keine leichte Aufgabe, da in den ihm gegeben Unterlagen weder D-Lites richtiger Name noch seine Mittäter vermerkt waren. Unentdeckt musste Seunghyun natürlich auch bleiben, weswegen er den Decknamen T.O.P. annehmen würde. D-Lite schien eine nicht unwichtige Person in diesen kriminellen Kreisen zu sein, weswegen T.O.P sich an seine Fersen heften sollte. Nachdem Seunghyun genug Infos hatte, die reichen sollten, um Schlüsselmitglieder einer moralisch bedenklichen Befragung zu unterziehen, durfte er wieder zurück in seinen Noch- Wohnsitz. Bis dahin hatte er eine Wohnung zugeteilt bekommen, die in der Nähe eines bestimmten Gebäudes stand. Der 28-Jährige fuhr sich durch die dunklen, gestylten Haare und stand von seinem angeblich rückenfreundlichen Bürostuhl auf, dabei blieb sein Blick an seiner Reflexion im schwarzen Bildschirm des Laptops hängen.
Choi Seunghyun war ein attraktiver Mann. Jedenfalls schien das die Meinung seiner Mitmenschen zu sein und der 28-jährige konnte sich auch nicht über sein Spiegelbild beschweren: Markante, schmale Gesichtszüge und dunkle, eckige Augenbrauen komplimentierten seine nun wachen Augen mit den dunklen Wimpern. Die schmalen Lippen passten zu den harten, typisch maskulinen Konturen seiner Kieferlinie. Ein fast vollständig symmetrisches Gesicht, welches zu dem 181 Zentimeter großem, schlanken, aber dennoch trainiertem Körper passte. Seunghyun war erstaunt, als er sah, dass er immer noch lächelte. Seine Augen funkelten, was ein starker Kontrast zu den letzten Wochen war. Denn in dem vergangenem halben Jahr hatte Seunghyun das Gefühl, sein Spiegelbild besaß statt den dunkelbraunen Augen lediglich zwei kleine trübe Seen, in denen sich kein Leben mehr befand und in denen biologischer Abfall vor sich hin dümpelte. Wenn er das in den letzten Monaten ändern könnte, nur, damit die Fragen nach seinem Wohlbefinden stoppten, hätte er es getan. Seunghyun war sein äußeres Erscheinungsbild und Auftreten durchaus wichtig und das betraf nicht nur seine Mimik. Das war auch einer der Gründe, aus denen er bereits eine kleine Kollektion an den verschiedensten teuren Anzügen in seinem begehbaren Kleiderschrank aufbewahrte.

Seunghyun packte den Hefter und den Stick ein und machte sich auf den Weg, um seinem besten Freund, Kwon Jiyong, persönlich über diesen überaschenden Wendepunkt Bescheid zu geben. Seunghyun hatte sich in den letzten Wochen aufgrund seiner Arbeit immer seltener mit seinem Freund getroffen, weswegen der Besuch sicherlich überraschend für den Jüngeren kam, vor allem zu dieser Zeit. Seunghyun hätte ursprünglich nach seinen zehn Stunden Feierabend gehabt, es war nun 19 Uhr; ohne diesem neuen Auftrag hätte er noch eine Stunde im Büro verbracht und Berichte geschrieben. Sein Chef war jedoch der Meinung, dass Seunghyun eher gehen durfte, um zu Hause abwägen zu können, ob er den Auftrag annehmen würde oder nicht. Doch er brauchte keine Zeit zum Überlegen. Dass Seunghyun in jeder Sache, die D-Lite beinhaltete, mitmachen würde, musste ja niemand wissen. Und so stand er auf, zog seinen, langen dunklen Filzmantel an und machte sich auf den Weg zu seinem besten Freund. Es war Ende Oktober und in YG waren heute lediglich 8 Grad Celsius. Die Straßen und vor allem die kleinen Gärten und Parks waren von Blättern in den verschiedensten Orangetönen gesäumt. Ein kleines gelbes Blatt schwebte Seunghyun genau vor die Füße. Er blieb stehen und beobachtete, wie das kleine tote Laubblatt vor seinen schwarzen Schuhen langsamer wurde, dann durch den plötzlichen Windzug einer vorbeifahrenden Straßenbahn kurz wieder in die Höhe gewirbelt wurde und vor Seunghyuns Schienbein dreieinhalb Umdrehungen machte, um schließlich auf den kalten Boden zu trudeln, zu seinen toten Brüdern und Schwestern, die vor ihm Mutter Baum verlassen hatten und nur noch darauf warteten, von Wetter und Kleinstlebewesen in ihre organischen Bestandteile zersetzt zu werden.Seunghyun musste grinsen, als er daran dachte, dass D-Lite bald auch zu einem fallenden Blatt werden würde. Aber ein „fallendes Blatt“ wäre eine Beleidigung für jene Person; D-Lite würde zu einem explodierenden Stern werden, einer Supernova, die so hell erstrahlte, dass sie bis zu Seunghyuns Planteten sichtbar sein würde. D-Lite war eine Supernova, die so nah an Seunghyuns Erde explodierte, dass seine Ozonschicht davon ausgelöscht und jegliches Leben damit in Gefahr bringen würde, doch das wäre es Seunghyun wert. Er müsste D-Lite nur zum Explodieren bringen, damit er so hell strahlte, dass es das Ereignis des Jahrtausends wurde. Und zwar nur er alleine, T.O.P, der den Kriminellen, den Stern D-Lite so weit in die Ecke drängte, dass er gar keine andere Wahl hatte, als zu explodieren, wäre für dieses Ereignis verantwortlich. Und dann würde er selber in D-Lites Licht erstrahlen und vergehen.

Choi Seunghyun zog seinen dunkelgrauen Mantel enger um sich. YG war zwar ein Stadtstaat mit seinen eigenen Regeln und Gesetzen, aber an den Jahreszeiten kam die Stadt trotz enormen technischen Fortschritts nicht vorbei. Seunghyun war der kühle Späherbst persönlich ganz recht, denn er hasste den Sommer, in dem er ständig für alle möglichen unwichtigen Leute eine Rechtfertigung finden musste, warum er bei den hohen Temperaturen noch etwas Langärmliges anzog. YG war zwar sehr fortschrittlich, was Entfaltung der Individualität Aller ohne verurteilende Kommentare betraf, aber manche Dinge waren wohl für alle verbindlicher Standard. Und dazu gehörte anscheinend, dass man im Sommer halbnackt aus dem Haus ging. Als ob es irgendjemanden etwas anginge, wie er sich kleidete, aber aufgrund der Höflichkeit konnte er das den entsprechenden Personen leider nicht ins Gesicht sagen. Seunghyun strebte schließlich eine steile Karriere nach oben an und jegliches unangemessenes Verhalten bedrohte seine Aufstiegschancen. Anzüge waren bei der Kleidungsfrage jedoch eine elegante Lösung: Sie ließen einen vor allem bei zu heißen Temperaturen so wichtig aussehen, dass niemand sich traute, die Person darin auf seinen Stil anzusprechen. Bestimmte Berufe und Angelegenheiten verlangten nun mal, dass man sich entsprechend dafür zurechtmachte.
Wenn Seunghyun einen Arbeitstag im Büro mit lediglich seinen zwei Kollegen verbrachte, konnte er sich zwar kleiden, wie er wollte, doch obwohl Seunghyun vor Jahren pinke Haare trug, hing der gleichfarbige Anzug seit langer Zeit in seinem Kleiderschrank. Warum, wollte Seunghyun sich nicht wirklich eingestehen.

Einige Minuten später klopfte Choi Seunghyun an die weiße Wohnungstür im achten Stock, da die Haustür im Gebäudekomplex seines besten Freundes Jiyong offen stand, was ungewöhnlich war. Die Tür wurde ihm von einen kleinerem, schmalen Mann mit funkelnden Ohrringen und genauso funkelnden, ungeschminkten Augen geöffnet. Kwon Jiyong war ein Künstler. Und eine kleine Diva. Doch als der Jüngere Seunghyun in seine Wohnung ließ, sah er auf den ersten Blick aus wie ein durchschnittlicher junger Mann, der vor dem Computer arbeitete: Schwarze Haare, die in der Mitte ein wenig länger waren als an den Seiten und eine große Brille so wie ein einfaches weißes Baumwollshirt und schwarze kurze Hosen aus bequemen Stoff waren der erste optische Eindruck, den Seunghyun erhielt. Doch er wusste, dass Kwon Jiyongs Look sich gefühlt jede Woche um 180 Grad wendete, was teils daran lag, dass der 27-jährige als Nebenjob modelte.  
„Schön, dass du dich auch mal wieder blicken lässt. Du bist zeitig heute“, bemerkte der barfüßige Jiyong überrascht und nachdem die beiden mit einer Flasche Wein und zwei Gläsern ins Wohnzimmer gingen, schmiss das Teilzeitmodel seinen zierlichen Körper auf das rote Kunstledersofa. Seine Wohnung war modern geschnitten, aber es standen zwischen roten, schwarzen und weißen Möbelstücken die verschiedensten Gegenstände herum, die genau so gut auch in eine Oma- WG gepasst hätten. In YG gab es zwar einen sehr geringen sexistischen Prozentsatz der Bevölkerung, aber manche Dinge änderten sich wohl nie. Oder nur sehr langsam. Zum Bespiel, dass Porzellanfiguren eher zu einer Rentnerin statt zu einem unter Dreißigjährigem S.O.S- Beamten passten. Jiyong war zwar wie Seunghyun auch bei S.O.S, aber im Gegensatz zu seinem besten Freund war er im Sauberkeitsbereich tätig und bestimmte über Gehalt und Arbeitszeiten von Reinigungspersonal. Seunghyun stellte die Weingläser vorsichtig auf dem schwarzen Tisch ab, bevor er sich auf den Sessel neben der Couch setzte, die vollständig von Jiyong beansprucht wurde.
Das Wohnzimmer von Jiyong war kleiner als das von Seunghyun, was allerdings daran lag, dass Jiyong das größte Zimmer seiner Wohnung als Kreativwerkstatt nutzte. Der 26-Jährige produzierte in seiner Freizeit Songs, um abzureagieren. Obwohl Seunghyun nicht so kreativ war, hatte er früher großen Gefallen daran gefunden, mit seinem besten Freund zu rappen und auch selber Lyrics zu schreiben. Seit dem letzten Jahr hatte er dies allerdings nicht mehr gemacht. „Ganz ehrlich, Hyung“, setzte Jiyong an, und rückte seine verrutschte Brille gerade, „du siehst heute so anders aus.“ Er sah Seunghyun mit hochgezogenen, gezupften Augenbrauen an. „Gibt es was, was ich wissen muss?“ Seunghyun lächelte. „Kann schon sein“, meinte er und umklammerte den USB-Stick, welchen er aus seiner Tasche genommen hatte. „Ich soll D-Lite verhaften“

Zu sagen, dass Jiyong überrascht wäre, wäre eine Untertreibung.
„D-Lite?!“, stieß er aus und richtete sich dabei so ruckartig aus seiner liegenden Position auf, dass seine Brille auf den Boden fiel. Bei der Bewegung stieß Jiyong zeitgleich beinahe ein Glas roten Wein um, welches Seunghyun bereits eingeschenkt hatte, doch der Ältere konnte es noch fassen, ehe es auf den Boden fiel. Rot war eine von Jiyongs Lieblingsfarben, doch auf seinem weißen Teppich wäre er wahrscheinlich nicht sehr erfreut über diese neue Farbe. „Das…das musst du mir jetzt aber genau erklären, bevor ich das absegnen kann“, meinte der Jüngere, als er sich einigermaßen gefasst und seine Brille aufgehoben hatte. „Ich meine- bist du dir sicher, dass du dir das antun willst, Bro? Ich meine-“, doch Seunghyun unterbrach ihn. „Du weißt doch gar nicht, worum es geht!“ „Okay, dann bin ich mal gespannt“, meinte der Jüngere und streckte seine dünnen, rasierten Beine unter dem kleinen weißen Tisch aus. Seunghyun bemerkte den schwarzen Nagellack auf seinen hellen Zehen, doch er sagte nichts dazu, da die Farbe bereits teilweise herausgewachsen war. Jiyong war ein Perfektionist und Seunghyun wagte es selten, Kommentare zu seinen teilweise sehr schrägen Outfits abzugeben. Der 177 cm große Mann hatte selten seine Naturhaarfarbe, doch anscheinend wollte er seinen Haaren eine Pause gönnen, bevor sie sich aus Protest verabschiedeten.
Der zierliche 27-jährige hörte nicht nur jetzt aufmerksam zu, als Seunghyun von seinem neuen Auftrag erzählte, sondern er war seit so ziemlich immer für den Älteren da und Seunghyun war unglaublich dankbar für diesen besten Freund. Die beiden waren zusammen aufgewachsen, wenn auch mit anderen Eltern, doch sie verband eine so starke Freundschaft, dass man von einer Brüderlichkeit sprechen konnte. D-Lite hingegen war seit drei Jahren nicht mehr in Seunghyuns Leben gewesen.

„Und…. Du bist dir sicher, dass du Dae einfach so zu deinem Chef schicken kannst, der den Kleinen dann die ganze Nacht verhört und dann für n paar Jahre in den Knast schickt?“, fragte Jiyong mit unglaubwürdigem Blick, doch Seunghyun hatte ab dem Kosenamen „Dae“ nicht mehr wirklich zugehört. Denn erst, als Jiyong es aussprach, wurde Seunghyun wirklich bewusst, dass Dae und D-Lite die gleiche Person waren. Denn „Dae“ hieß mit richtigem Namen Kang Daesung.

Und wie Seunghyun im Gegensatz zur S.O.S wusste, war Kang Daesungs Pseudonym D-Lite.

Dae war mit Jiyong befreundet gewesen, wobei Jiyong den anderen wie einen kleinen Bruder behandelt hatte.

Kang Daesung und Choi Seunghyun hatten sich vor etwas mehr als drei Jahren getrennt.

D-Lite verkaufte Schlafmittel und andere Medikamente, die aufgrund ihres Anteils an illegalen Substanzen strafrechtlich waren. Man war auf ihn aufmerksam geworden, nachdem eine Sportlerin nach einem positiven Drogentest zugab, dass sie illegale Substanzen von einem gewissen D-Lite kaufte, um vor Wettkämpfen besser schlafen zu können. Seunghyun wusste, dass sie bereits vor fünf Jahren Daesungs Kundin war und es beruhigte ihn, dass der Jüngere nie seinen echten Namen preisgab. Die Verhörmethoden waren alles andere als nett. Vor einigen Jahren gab es auch schon Gerede über D-Lite, weswegen S.O.S glaubte, mit ihm viele Informationen zu bekommen.
Daesung musste nun 26 Jahre alt sein. In der Akte stand, dass das geschätzte Alter D-Lites zwischen 23.5 und 34.7 Jahren lag. Seunghyun fand dies ganz amüsant. Wer auch immer diese Zahlen errechnet hatte, war entweder ein Nerd oder ein Roboter. Oder beides. Es gab schließlich genug Menschen, die so emotionslos waren, dass sie als Roboter durchgehen könnten, wenn sie keine menschlichen Bedürfnisse wie Schlaf oder Hunger hätten. Wie diese Leute eine Beziehung führen konnten, würde wohl für immer ein Mysterium für Seunghyun darstellen. „Ji?“, fragte der 28-Jährige seinen besten Freund, „was denkst du, wie wird er reagieren, wenn er herausfindet, dass ich ihn finden soll?“

Der Angesprochene seufzte und strich sich in einer dramatischen Geste durch die nach Apfelspülung riechenden Haare. „Hyungie…“, setzte er vorsichtig an und nahm sein Glas Rotwein in die feingliedrige Hand, auf der noch Reste eines Nagellacks die Fingernägel zierten, „ich würde an deiner Stelle einfach vergessen, dass dieser Auftrag überhaupt existiert“ Er sah dem Älteren ernst in die Augen. „Ich will nicht, dass du etwas tust, was du später bereust.“, fügte er als Rechtfertigung seiner Aussage hinzu. Seunghyun schaute zu Boden, auf den weißen flauschigen Teppich. Normalerweise unterstützte Jiyong jede noch so ausgefallene Aktion, aber heute schien er dies anscheinend vergessen zu haben. „Ich denke, ich kann das selber ganz gut einschätzen“, meinte Seunghyun ein wenig enttäuscht und versuchte, zu verstehen, dass Jiyong wohl doch nicht immer seine Gedanken lesen konnte. „Also“, begann der Ältere erneut, „Was denkst du, wie wird er reagieren?“

.

Nachdem Seunghyun sich von seinem Kindheitsfreund verabschiedete, setzte er sich in seinem geräumigen Apartment auf einen seiner teuren, ersteigerten Stühle. Die Reaktion seines besten Freundes war enttäuschender weise eher lauwarm gewesen, doch anscheinend verstand Jiyong nicht, wie sehr Seunghyun diese Herausforderung brauchte. Denn wenn er mit der erneuten Präsenz von D-Lite- Kang Daesung- in seinem Leben nicht konfrontiert geworden wäre, würde Seunghyun in seinem Tümpel von stumpfer Routine kläglich ertrinken. Denn wie seine Augen war bis heute auch sein gesamter mentaler Zustand einer dreckigen Pfütze gleich: leblos, trostlos und voller Dreck und Sinnlosigkeit. Seunghyun war bereits bis zur Hüfte im Schlamm gewesen, doch dieser neue Auftrag sorgte dafür, dass die braune Brühe seines alltäglichen Trotts sich in klares Wasser verwandelte, in dem Seunghyun bis zum trockenen Ufer schwimmen konnte. Mit einem Schlag war er wieder wach, aus seinem komatösen Dornröschenschlaf erwacht und konnte mit Enthusiasmus an seine Arbeit gehen. Konnte aus dem verwunschenem Schloss rennen und seinen Prinzen selber aus den Dornen retten.

Choi Seunghyuns Augen waren nun wieder klar und bevor sie sich in die leblosen Tümpel verwandelten, war er voller Elan und Ehrgeiz an seinen Job gegangen, doch irgendwann kippte die Stimmung. Es war ein langsamer, schleichender Vorgang gewesen, doch es war niemand da, der diese kleinen Veränderungen in Seunghyuns Verhalten bemerkte. Es gab schließlich niemanden, mit dem Seunghyun jeden Tag Kontakt hatte. Jiyong musste noch andere Verpflichtungen wahrnehmen und mit seinen Arbeitskollegen hatte Seunghyun nicht viel zu tun, obwohl er einige seiner männlichen Kollegen aus den anderen Abteilungen bereits erfolglos gedatet hatte. Choi Seunghyun selber hatte freiwillig seit über zwei Jahren so viel Zeit wie möglich auf Arbeit verbracht, doch anscheinend war genau das einer der Faktoren, weswegen er an Lebensqualität verlor. Vielleicht war das verbissene Arbeiten wie der Weg zu dem Tümpel, in den Tümpel gewesen. Als Jiyong ihn vor ungefähr fünf Monaten darauf ansprach, war Seunghyun bereits zu tief in jenem dreckigen Wasser gewesen, als dass er Jiyongs Hand noch hätte greifen können. Dass er also lediglich von D-Lite aus seiner Trance geweckt wurde, sollte eine dunkle Vorahnung der krassen Veränderung sein, die nicht nur Seunghyun ab diesem verhängnisvollen Tag betreffen sollte.

Denn wenn ein Stern stirbt und als Supernova explodiert, zerstört er mit einer gewaltigen Kraft alles andere um sich herum.

.

Ein paar Anrufe und einen Tag später stand Seunghyun unsicher vor seinem Kleiderschrank, ein großer schwarzer Rollkoffer lag leer vor ihm. Nächsten Montag würde er in seine vorübergehende Wohnung ziehen und das so lange, bis er erfolgreich Informationen zu D-Lite und der Gruppe der Dealer gesammelt hatte. Heute war Freitag, also standen ihm gerade mal zwei Tage Vorbereitungszeit zur Verfügung.
Seunghyun konnte während seiner Mission hoffentlich in sein Apartment und sich bestimmte Klamotten oder anderes Wichtiges bei Bedarf holen, allerdings müsste er seinem Vorgesetzten einen ziemlich guten Grund dafür geben, zurückzugehen. Denn falls ihn jemand beobachten sollte, wäre seine Tarnung umsonst gewesen. Seine Aufstiegschancen könnte er sich dann wahrscheinlich auch fürs Erste abschminken. Seunghyun hatte jenen Auftrag wahrscheinlich auch aufgrund seiner schauspielerischen Fähigkeiten bekommen, aber man musste keine unnötigen Risiken eingehen. Choi Seunghyun konnte beim besten Willen nicht abschätzen, wie lange seine Mission gehen würde, aber er konnte auch nicht sagen, wie langer er die Mission gerne ausführen wollte. Normalerweise wollte er einen Auftrag so schnell wie möglich erfüllen, doch diesmal war es anders. Persönlicher. Denn er war so unglaublich gespannt, wie D-Lite, Daesung, nun aussah, ob und wie er sich verändert hatte und wie ihre erste Begegnung nach drei Jahre aussehen würde. Ob es überhaupt ein Wiedersehen geben würde. Denn Daesung war definitiv nicht auf den Kopf gefallen, auch wenn er manchmal ein wenig naiv war, die Kinderserie Doraemon vergötterte und eine beachtliche Sammlung an Lego-Steinen besaß (in die Seunghyun auch investiert hatte). Seunghyun hoffte unterbewusst, dass Daesung nicht zu einem jener Kriminellen geworden war, die ohne zu zögern wegen Kleinigkeiten über Leichen gingen. Daesung war kein schlechter Mensch. D-Lite war kein schlechter Mensch. Trotzdem waren beide kriminell. Sie waren schließlich dieselbe Person, doch diese Tatsache blendete Seunghyun noch so gut es ging aus. Er hatte ja noch zwei Tage Vorbereitungszeit.

Seunghyun packte Unterwäsche, Socken und ein paar bequeme Hosen für „zu Hause“ in seinen Koffer, dann legte er Oberteile verschiedenster Art dazu. Mit noch ein paar Hosen würde er über ungefähr drei Wochen kommen, wenn er keine Gelegenheit zum Waschen hätte. Natürlich war seine Wohnung (hoffentlich) mit allem Wichtigen ausgestattet, aber Seunghyun würde wohl ein paar Abstriche machen müssen, was den gewohnten Luxus anging. Doch letzten Endes war es ihm herzlich egal, wie sein „zu Hause“ aussah- eine Wohnung war lediglich eine Hülle, eine Verpackung, die mit Erinnerungen und mehr schönen als unschönen Momenten mit geliebten Menschen gefüllt werden musste. Seunghyuns derzeitiges Apartment war laut dieser Definition ein Zuhause, doch dass das nicht nur an Jiyongs Besuchen lag, ignorierte Seunghyun gekonnt. Der S.O.S-Agent ging zu seinen Anzügen. Ein klassisch schwarzes und ein dunkelblaues Exemplar legte er vorsichtig in den großen Koffer, dann noch passende Schuhe und Krawatten. Manchmal war alles, was über Gewinn und Verlust entschied, das passende Auftreten. Der erste Eindruck war immer entscheidend und Seunghyun wäre ein Idiot, wenn er nur einfache, dunkle Klamotten mitnehmen würde.
Als er beim Suchen nach brauchbaren Kleidungsstücken den pinkfarbenen Anzug sah, zuckte er kurz zusammen. Dann packte er die restlichen Klamotten zusammen und versuchte, keine Gedanken an den emotionalen Teil seiner Arbeit zu verschwenden. Denn obwohl Seunghyun sich extrem durch jenem Auftrag wahrscheinlich in einem emotionalen Desaster befinden würde, musste er darüber nachdenken, dass er auch Erleichterung verspürte. Erleichterung darüber, endlich wach zu sein, aber gleichzeitig auch Erleichterung darüber, dass er, Choi Seunghyun, den Job alleine erledigen würde. Wenn jemand seiner derzeitigen Kollegen herausfinden würde, dass er und D-Lite mal ein Liebespaar waren, würde er sofort einen anderen Auftrag bekommen. Oder dazu gezwungen werden, alles, was er über Daesung wusste, preiszugeben, was durchaus wahrscheinlicher war. Somit beruhigte es Seunghyun ungemein, dass nicht seine Kollegen Tom oder Britney diese Aufgabe bekommen hatten und somit etwas über Deasung herausfinden könnten, was ihn verriet. Der Drohnenunfall gestern hatte doch etwas Gutes gehabt.

Als Seunghyun jedoch den Inhalt des USB-Sticks vor einigen Stunden angesehen hatte, stand dort auch, dass er zwar nicht komplett auf sich allein gestellt war, allerdings konnte man auch nicht hundertprozentig für seine Sicherheit garantieren. Doch das war Seunghyun egal. Gestern wäre es ihm wahrscheinlich auch noch gleich gewesen, ob er bei einer Mission seine Gesundheit riskierte oder nicht. Somit stand der 28-Jährige vor einer doppelten Herausforderung und jede Abwechslung war ihm herzlich willkommen. Seunghyun schaute in den großen Badspiegel, als er die wichtigsten Hygieneartikel zusammensuchte. Er sah immer noch verändert aus. Zum Guten verändert. Seine Augen waren fast so lebendig wie die von Jiyong, wenn er die Nacht erfolgreich durcharbeitete, um an seiner neuen Software PEACEMINUSONE, kurz P-1, etwas zu verbessern. Seunghyuns Gesicht war fast so strahlend wie das von Daesung, wenn er eine Folge der japanischen Kinderserie Doraemon sah.

Seunghyun öffnete seinen Badschrank über dem mit Goldelementen versehenem Waschbecken. Sein Blick fiel auf eine Schachtel mit Schlaftabletten. Sie waren noch originalverpackt und standen auch nicht erst seit gestern hier. Die einfache, weiße Verpackung unterschied sich kaum von den Schachteln in einer Apotheke, aber diese kleinen Pillen waren erheblich teuer gewesen als herkömmliche Ware. Seunghyun überlegte kurz, dann nahm er die quadratische Schachtel aus dem Schrank und verstaute sie unter den Anzügen in seinem Koffer. Da er nun das Gröbste zusammengepackt hatte, beschloss er, sich erneut seine von der S.O.S gegebenen Informationen anzusehen. Es war das Beste, wenn er die Daten in seinem Kopf gespeichert hatte. Seunghyun hatte noch das Wochenende, um sich auf den Auftrag vorzubereiten und obwohl das sehr kurzfristig erschien, musste er letztendlich belastbar und flexibel in seinem Beruf sein und der 28-Jährige hatte das unbestimmte Gefühl, dass genau das auch der Grund für die kurze Vorbereitungszeit war. Allerdings hatte er bereits ein paar praxisnahe Erfahrungen bezüglich des Nachspionierens von Verdächtigen und ein Großteil von Seunghyuns Job bestand darin, Personen im entscheidenden Moment den illegalen Weiterverkauf bestimmter Güter nachzuweisen. Sie davor zu beobachten und nach dem Aufnehmen von Fotos oder Videos in Verwahrsam zu nehmen. Natürlich musste er noch davor genügend Hintergrundinformationen sammeln und recherchieren und anschließend einen ausführlichen Bericht schreiben. Das Schriftliche überwog normalerweise bei solchen Aufträgen, bei denen er einen Verdächtigen als Zielperson hatte, doch diesmal würde definitiv der praktische Anteil größer sein.
Denn es war eine Sache, wenn man am Computer Informationen sucht und dann eine Person überwacht, um danach zu ihr zu kommen, um sie zu verhaften und es war eine komplett andere Angelegenheit, wenn man für unbestimmte Zeit im Brennpunktviertel unter falschem Namen versuchte, sich durch eine bestimmten Person Überblick zu einer organisierten kriminellen Gruppe zu verschaffen.

Vor allem, wenn jene Schlüsselperson der eigene Exfreund war, dem man damals jeden Wunsch von den Augen abgelesen hatte.
Manchmal wünschte Seunghyun sich, einer jener Kollegen zu sein, die mit monotoner Gleichgültigkeit jede Aufgabe bewältigten, die das Leben ihnen stellte.

.

Der Montag begann für Seunghyun mit einem Schock.

Als der S.O.S-Fahrer ihm zu der Adresse seiner vorübergehenden Wohnung fuhr, musste Seunghyun- T.O.P- schlucken. Das Haus befand sich ganz in der Nähe von Daesungs alter Wohnung und auch, wenn der 28-jährige nach drei Jahren nicht mehr so nostalgisch war, dass es Verzweiflung gleichkam, musste er sich immer noch vollkommen der Tatsache bewusst werden, dass er nicht nur D-Lite, sondern auch Kang Daesung verhaften würde.
Mit diesem Gedanken packte er langsam seine Klamotten in den robusten, hölzernen Kleiderschrank seiner neuen, kleineren Wohnung. Diese war schlicht eingerichtet, der hellste Ort darin war momentan eine kleine Küche, die direkt mit dem Esszimmer verbunden war. An dem Tisch war Platz für vier Personen und genau so viele schwarze, einfache Stühle standen auch um den rechteckigen Kunststofftisch. Das Bad war lediglich mit einer Duschkabine statt einer Badewanne ausgestattet und das cremefarben gestrichene Wohnzimmer war ungefähr halb so groß wie das in Seunghyuns Apartment. Die Farbe an den Wänden blätterte in den meisten Zimmern auch schon wieder ab und als Seunghyun probeweise das Licht im Schlafzimmer anschaltete, flackerte die Glühbirne. Ein kleines Insekt flatterte zu der alten Lampe. Trotzdem war der Agent erleichtert, eine normale, einigermaßen saubere Wohnung vorzufinden. Er war Schlimmeres gewohnt, doch er wurde auch nicht jünger. In seiner Jugend hatte er zwar einige fragwürdige Entscheidungen getroffen, über die er heute nur den Kopf schütteln konnte, doch damals war Seunghyun strapazierfähiger gewesen. Und vielleicht ein bisschen hoffnungsvoller, naiver. Wie Daesung.

Im Schlafzimmer erwartete ihn ein schmales Bett mit einer einfachen Kommode, doch obwohl Seunghyun bei sich auf einem Kingsize-Bett schlief, könnte er auf diesem Exemplar mit Ach und Krach noch einen anderen, etwas kleineren Menschen unterbringen. Doch er verdrängte diesen Gedanken schnell wieder. Er führte die Mission schließlich praktisch alleine durch und in einer Beziehung war er momentan auch nicht. Seit ungefähr einem Jahr hatte er keine Person mehr gedatet, da er den jeweils anderen nach einer gewissen Zeit nicht mehr ansprechend fand oder auch, weil er merkte, dass er mit dem Anderen nicht wirklich über seine Probleme reden konnte.
Seunghyun hatte immer, wenn er einen netten Mann näher kennenlernte, den Druck, sich von seiner besten, professionellen Seite zu zeigen. Am Anfang einer Beziehung nichts ungewöhnliches, aber Seunghyun hatte nach wochenlangem Flirten und Treffen immer noch den Eindruck, dass er sich bei jenen Personen nicht fallen lassen konnte und das war auch meist der Grund, warum er die Beziehung im Keim erstickte. Potential wäre schon da, aber wenn Seunghyun von jenen Männern vor allem aufgrund seiner professionellen Ausstrahlung, die er auch auf Arbeit bewahrte, gemocht wurde, war der S.O.S-Agent enttäuscht. Denn immer, wenn er seine andere, echte Seite zeigte, hieß es, er solle nicht so kindisch sein. Somit kamen Seunghyun die Dates vor wie Bewerbungsgespräche und deswegen konnte er sich gleich mehr auf seine Arbeit konzentrieren. Er hatte schließlich ein Ziel vor Augen und seine Mutter war finanziell von ihm abhängig.
Sein bester Freund Jiyong verstand wahrscheinlich noch am ehesten, dass Seunghyun mit einer Beziehung einen Ausgleich von seiner professionellen, berechnenden und ernsten Seite brauchte. Aber Jiyong als sein Kumpel hatte nun mal nicht die gleiche Stellung wie ein Liebhaber. Seunghyun und Jiyong hatten sich sogar mal eine Wohnung geteilt, was auch gut funktionierte, aber damals war Seunghyuns Leben auch ein wenig einfacher gewesen.

Als er aus dem dreckigen Fenster sah, konnte er auf der Straße gegenüber Daesungs alte Wohnung sehen. Seunghyun zog die Vorhänge zu. Daesung hatte ihn zwar manchmal zurechtgewiesen, wenn Seunghyun ihm zu hyperaktiv vorkam, aber im Großen und Ganzen mochte Daesung Seunghyuns kindische Seite. Er selber war in Seunghyuns Augen ein zu beschützender unschuldiger, lächelnder Engel gewesen. Ein Stern, der Seunghyuns Präsenz brauchte, damit sie gemeinsam den dunklen Himmel der immerwährenden Nacht erhellen konnten. Denn alleine wollte keiner der beiden scheinen, da es zu hoffnungslos wäre, ganz allein am großen schwarzen Nachthimmel zu sein. Immer, wenn Seunghyun über einen längeren Zeitraum ernst und still blieb, versuchte Daesung, ihn aufzumuntern. Ein Großteil der Männer, die Seunghyun nach ihm datete, mochten nur seine nachdenkliche, ernste Seite; sie ließ ihn anscheinend mysteriös und ein bisschen unerreichbar wirken, was jene Männer umso stolzer machte, mit genau diesem mysteriösen Seunghyun schlafen zu können.

Als der S.O.S-Agent seinen schwarzen Arbeitslaptop auf den Holztisch stellte, nahm er das Vibrieren seines Smartphones in seiner Hosentasche wahr. Ein Anruf von Jiyong. „Ji, was gibt’s?“, begrüßte er seinen besten Freund, während er krampfhaft versuchte, nicht zu dem jetzt verhangenen Fenster zu sehen. „Das sollte ich eher dich fragen“, sagte Jiyong nur, „Bist du gut angekommen?“ „Ja, alles gut. Bin in der Nähe von Daes alter Wohnung untergebracht, wenn er also noch da wohnt, habe ich gute Chancen, den Auftrag schnell zu erledigen“, meinte T.O.P nur und versuchte, die Tatsache, dass er D-Lite gerade bei einem seiner Kosenamen genannt hatte, zu verdrängen. „Hyung… noch kannst du aussteigen“, meinte Jiyong daraufhin eindringlich und Seunghyun konnte vor seinem geistigem Auge sehen wie Jiyong mit seinem ernsten Blick die Luft vor ihm anstarrte. Jiyongs Blicke hatten meist ihre gewünschte Wirkung, doch Seunghyun war als sein bester Freund praktisch immun dagegen. Er würde sich diesen Auftrag nicht nehmen lassen, von niemanden. Auch nicht von Kwon Jiyong. „Wenn du meinst…“, seufzte der Jüngere nach einem Moment. „Aber sag nachher nicht, ich hätte dich nicht gewarnt. Heul dich nicht bei mir aus, wenn es schiefgeht.“ Beide wussten, dass das nicht ernst gemeint war. „Toll, dass du so viel Vertrauen in mich hast…“ meinte Seunghyun nur.
„Choi Seunghyun, ich als dein bester Freund erwarte von dir, dass du mich auf dem Laufenden hältst. Und damit meine ich nicht nur die harten Fakten.“ Seunghyun schwieg daraufhin und blickte erneut zu dem verschlossenem Fenster. Er wüsste zu gerne, ob sein Exfreund noch in jener kleinen Wohnung lebte oder ob er eine andere Bleibe gefunden hatte, die für einen Stern für ihn angemessen war. „Hyung“, begann Jiyong erneut, „Es tut mir Leid, wenn ich dich gerade anzweifle, aber ich glaube trotzdem nicht, dass du emotional dazu in der Lage bist, Dae zu verhaften. Nicht, so lange du noch freiwillig ein Haufen Überstunden machst, weil du unbedingt noch einen zusätzlichen einem Fall übernehmen wolltest, weil die Zielperson Kang mit Nachnamen hieß.“ „Das war einmal“, sagte Seunghyun genervt. „Und was war, als du Doraemon- Merch gekauft hast, obwohl du nicht mal ein Fan davon bist? Und Daesung diese Serie liebt?“ „Jiyong“, versuchte Seunghyun in seinem freundlichsten Ton zu sagen, „Das mit dem Merch war vor zwei Jahren. Ich weiß, worauf ich mich hier einlasse. Ich-“ „Oh, tust du das?“, unterbrach der Jüngere ihn. „Ja, tue ich“, meinte Seunghyun genervt. Er überlegte, ob er einfach den Anruf beenden sollte.  Ob er dabei kindisch war, interessierte ihn dabei nicht im Geringsten. Aber da er nicht so viele Freunde hatte, sollte er seine wenigen Kontakte pflegen.

„Hyung“, kam es ein paar stille Sekunden später von Jiyong, „Versprich mir bitte, dass du auf dich aufpasst. Und tu nichts, was du nicht mit deinem Gewissen vereinbaren kannst. Das meine ich ernst-Ich kenne dich schließlich gut genug“, eine kurze Pause,

„T.O.P Hyung“

.

.

.

So, das war das erste von ungefähr 10 Kapiteln, Updates kommen erfahrungsgemäß unregelmäßig af, also sorry schon mal im Voraus~

Jedes Kapitel hat dafür ungefähr den gleichen Umfang, also mindestens 6k Wörter.

Für Kritik bin ich immer offen uuund wenn jemand die Motivation hat, mir bei der englischen Übersetzung für Ao3 zu helfen, würde ich mir sehr freuen ^-^

Joa, dann war´s das für heute uuuund wir sehen uns (früher oder später, irgendwann vielleicht)~

~ThePinkaegyodonut :*
Review schreiben