Your fear, my decision

von Yozora
OneshotAngst, Familie / P16
Emma Norman Ray
26.07.2019
26.07.2019
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Es war dunkel, nichts konnte sie sehen. Auch war es still, wie ausgestorben. Lediglich die hektischen Schritte, welche von ihr selbst kamen und das rauschen des Windes konnte sie wahrnehmen.

Immer weiter und weiter lief sie. Schaute nicht nach hinten, nur nach vorne. Sie wollte einfach weg. Weg von diesem dunklen Ort. Nach einiger Zeit die sie schon lief, konnte sie endlich etwas sehen.

»Endlich Licht.« sagte sie erleichtert. Doch als sie an der Quelle der Helligkeit ankam, füllten sich ihre grünen Augen mit Schrecken.

Schnell schlug sie sich ihre Hände vor den Mund und unterdrückte das Verlangen sich zu übergeben.   Sie stolperte zurück und fiel über ihre eigenen Füße auf den Boden.

Sie spürte die Nässe des Asphalts welche sich in ihren Rock sog. Doch war es ihr egal, ihre Aufmerksamkeit lag auf etwas ganz anderem.

Auf dem alten Lastwagen, oder besser gesagt auf dessen abgenutzten Ladefläche, die wie von einem Scheinwerfer beleuchtet war.

Da lagen sie. Ein weißhaariger und ein schwarzhaariger Junge. Das Mädchen bekam ein flaues Gefühl in ihrem Magen als sie die leblosen blauen und schwarzen Irden ihrer besten Freunde sah.

Diese Kälte... sie konnte es nicht ertragen. Tränen strömten ihr über die Wangen. Das durfte nicht sein. Es war wie damals bei Conny. Die rote Blume welche in der Brust der beiden Jungen steckte. Das Blut, mit denen die Beiden überströmt waren.

Sie waren tot, da gab es keine Zweifel. Ein unglaubliches Gefühl der Leere machte sich in ihr breit. Sie fühlte sich einsam, sich von beiden verlassen.

Ihr Gesicht spiegelte das reine Grauen wieder. Immer weiter robbte sie von dem Laster weg. Die Schürfwunden welche sie sich dabei zuzog ignorierend.

Das Mädchen versuchte aufzustehen, doch kaum war sie auf den Beinen, viel sie wieder auf den Boden.

Ihre Knie schlugen hart auf die Steine, doch spürte sie den Schmerz nicht. Die Trauer über den Verlust saß zu tief und ließ sie nichts anderes spüren.

Mit jeder Minute die sie dort vor den Leichen ihrer Freunde, ihrer Brüder verbrachte, realisierte sie die Situation immer mehr.

Ihr Herz pochte wie wild, als sie sich vor beugte. Sie konnte das Gefühl einfach nicht ertragen.

»Nein!«

Hellwach saß Emma aufrecht in ihrem Bett. Tränen liefen noch immer in Sturzbächen über ihre Wangen. Ihre Hand verkrampfte sich in ihrem Hemd über ihrem Herzen.

Der zierliche Körper der Orangehaarigen bebte und immer wieder erklang ein leiser Schluchzer.

Sie wollte aufspringen, aus dem Krankenzimmer in dem Schlafraum der Jungs rennen. Doch ging es nicht. Ihr Bein verhinderte diesen Plan, war es doch noch immer in einem Gips gefangen und Stützen hatte sie keine.

So musste sie also hier verweilen. In Ungewissheit wie es ihren besten Freunden ging. Tief in ihrem Inneren wusste sie, dass es nur ein Traum gewesen war. Dennoch wollte sie sicher gehen.

Mit der Zeit beruhigte sich das Mädchen wieder, auch wollte sie weiterschlafen, doch ging es nicht. So wartete sie, bis nach einigen Stunden sich die Tür zu ihrem Zimmer öffnete.

Ray und Norman traten in das Krankenzimmer, nur um eine noch immer ziemlich aufgewühlte Emma vorzufinden.

Sorge um ihre langjährige Freundin kam in ihnen hoch, weswegen sie schnell die Tür schlossen und zu ihr gingen.  Am Bett angekommen, schmiss sich ihnen das Mädchen auch schon in die Arme.

»Vorsicht Emma, dein Bein.« sagte Norman, doch beließ er es dabei, als er etwas bestimmtes spürte.

Ein Beben ging durch Emmas Körper und den Jungs wurde klar, dass sie weinte.

»Was ist denn passiert?« kam es nun von Ray, der seine Schwester anblickte.

Aber alles was er bekam, waren einige Schluchzer. Die drei verweilten einige Zeit so, bis das einzige Mädchen sich halbwegs beruhigt hatte und anfing zu erzählen.

»I...ihr wart t... tot. Lagt einfach nur da... mit einer roten Blume in der Brust.« Ein einzelnes Schluchzen entkam ihr, als sie in Normans blaue Augen blickte und leise sagte »E...es war wie bei Conny Norman. Wie... wie bei Conny.«

Nach diesen Worten drückte sich das Mädchen enger an ihre selbst ernannten Brüder und weinte nun leise vor sich hin.

Ja, es war nur ein Traum gewesen. Der Beweis dafür gab ihr in diesem Moment der Schwäche ja selbst halt. Aber allein das es hätte wahr sein können... Allein das diese Szene sie in der Zukunft wirklich heimsuchen könnte...

Sie wollte gar nicht daran denken.

Norman der wusste was Emma meinte, sah sie nur mitfühlend an und sagte. »Das wird nicht passieren. Wir finden einen Weg. Glaub mir.«

Emma blickte zu den Beiden hoch und sah sie nur verunsichert an.

»Versprochen?«

»Versprochen!« kam nur die einfach Antwort gleichzeitig von Ray und Norman.

Nachdem Emma genickt hatte und ein leichtes Lächeln auf ihrem Gesicht lag, schloss Norman sie wieder enger in seine Arme.

Auch Ray der sonst solche Gruppenumarmungen vermied, festigte seinem Griff. Er wollte Emma einfach nur ein Stück Geborgenheit geben.

Wieder saßen sie einige Zeit so da. Auf dem Bett im Krankenzimmer mit Emma im Arm. Ray und Norman kannten sie so aufgelöst nicht. Doch zeigte dies Beiden, wie groß ihre Sorge doch war.

Ihre Sorge, dass ihnen oder sonst jemanden aus der Familie, dass Gleiche geschah wie Conny und so vielen vor ihr.

Gerade wollte Norman etwas zu Emma sagen, als er sah wie Ray einen Finger auf seine Lippen legte und ihm einen Blick schenkte der so viel hieß wie ‚Bleib leise.'

Einen kurzen Moment war der Weißhaarige verwirrt. Jedenfalls bis er das gleichmäßige heben und senken des Mädchens mit den orangen Haaren sah.

Ein Lächeln legte sich auf sein Gesicht und er konnte den Drang Emma durch die wilden Haare zu fahren nicht verhindern.

Dieser Anblick, wie das Mädchen in seinen und Rays Armen schlief, ließ ihn seinen Beschluss nochmals festigen.

Er würde einen Weg finden, sie und alle die sie liebte zu retten. Er würde versuchen ihr jeden Wunsch zu erfüllen. Das hatte er sich geschworen.

Egal was es ihm kosten vermochte, er würde Emma retten. Selbst, wenn dieses Vorhaben sein Leben verlangte.

[991 Wörter]
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