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Gefühle im Herzen

von ToiToiToi
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Access Time Chiaki Nagoya Fynn Fish Marron Kusakabe Miyako Toudaiji Yamato Minazuki
26.07.2019
26.07.2019
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26.07.2019 3.225
 
Er sah auf seinen Laptop und betrachtete das Foto, das Access ihm von Maron, dem besonderen Mädchen, gegeben hatte. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass sie es war. Sie strahlte nichts Gefährliches aus. Sie lächelte schüchtern, aber freundlich in die Kamera als sie neben ihrer besten Freundin stand. Die großmaulige Quasi-Polizistin. Er zweifelte stark daran, dass es ihr gelingen würde ihn oder Jeanne zu verhaften. Jeanne. Maron. War sie wirklich dieselbe Person? Er würde es schon herausfinden. Chiaki sah auf die Uhr, seufzte und machte sich auf den Weg zur Schule.

„Nur deinetwegen komme ich wieder zu spät, Maron! Nimm die Beine in die Hand und lauf!“ Miyako zog Maron hinter sich her. Halbschlafend versuchte sie, nicht über ihre eigenen Beine zu stolpern. Wenn Miyako nur wüsste, warum sie so müde war. Bis spät in die Nacht hatte sie als Jeanne mit der Polizei gespielt bis es ihr endlich gelungen war, das Schachmatt zu setzen und dem Bild des Malers seine Schönheit zu nehmen. Zurückgeblieben waren nur eine weiße Leinwand, ein weißer Bauer und eine zufriedene Fin. Aber der ständige Schlafmangel nagte an der Brünetten, sodass sie immer wieder verschlief und sich von einer meckernden Miyako zur Schule schleifen ließ.
„Ich habe dich nicht gebeten auf mich zu warten. Lauf doch einfach schon mal vor“, schlug sie deshalb vor. Miyako hatte es nicht verdient, wegen ihr eine Strafe zu bekommen. Außerdem machte sie diese Rennerei fertig.
„Dann kommst du doch erst recht zu spät.“ Miyako lächelte über ihre Schulter. „Wozu hast du schließlich eine beste Freundin, wenn sie dir nicht ordentlich in den Hintern tritt?“
Miyako beschleunigte noch etwas und Maron stolperte mehr als dass sie rannte. Plötzlich bremste Miyako ab.
„Wir sind zu spät“, stellte sie fest. Sie waren am Schulgebäude angekommen. Es war kein architektonisches Meisterwerk, hatte eher eine ziemlich symmetrische Kastenform. Mitten über dem Eingang ragte eine Fahne wie ein Speer in die Luft.
„Frau Pakkalamao wird sauer sein“, merkte sie an.
Maron zuckte mit den Schultern. „Ich habe dir ja gesagt, dass du vorlaufen sollst.“
Miyako streckte ihr die Zunge entgegen und lief auf den Eingang zu. Maron folgte ihr bis zur Tür ihres Klassenzimmers.
„Hoffen wir einfach, dass sie auch zu spät ist.“ Miyako drückte die Türklinke hinunter.
„Ihr seid zu spät und warum?“, kam es ohne Verzögerung vom Lehrerpult. Frau Pakkalamao trug ein rotes Kleid und stand vor der Klasse. Es dauerte einen Augenblick, bis Maron es bemerkte. Sie stand dort nicht allein. Aber das war doch …
„Du!“, rief sie, als die Erinnerung langsam vor ihrem inneren Auge auftauchte.
„Hey ihr zwei“, antworte der junge Mann mit den wunderschönen braunen Augen und zwinkerte ihr zu. Er trug dieselbe Schuluniform wie alle Jungs in ihrer Klasse.
„Der Höschengaffer!“, fauchte sie entsetzt.
„Maron, ich verbitte mir solche infamen Unterstellungen in meinem Klassenzimmer. Nun aber zu eurem neuen Mitschüler. Stellst du dich bitte vor?“
„Sehr erfreut. Ich bin Chiaki Nagoya.“ Ein leises Tuscheln war im Klassenzimmer zu hören und einige Mädchen tauschten hinter vorgehaltener Hand ein paar schnelle Worte, ohne ihre Augen von dem attraktiven Neuling in der Klasse zu wenden.
„Ich… Ich bin Miyako“, hauchte die Schwarzhaarige und war völlig hin und weg. „Hinter mir, das ist Maron. Ich finde es super, dass wir in dieselbe Schule gehen.“
Das war einfach furchtbar! Maron zog von dannen und setzte sich auf ihren Platz. Schmollend, dass ihre beste Freundin dem Neuen jeden Wunsch von den Lippen ablesen wollte, während sie ihm am liebsten den Hals umgedreht hätte.
„Und jetzt setz dich, Chiaki. Neben Maron ist noch ein Platz frei.“ Frau Pakkalamao wollte endlich mit dem Unterricht beginnen und scheuchte nun auch Miyako zu ihrem Platz.
Muss der auch noch neben ihr sitzen! Heute hatte sie definitiv kein Glück. Die Blicke ihrer gesamten weiblichen Mitschülerinnen folgte Chiaki, der die Frechheit besaß sich nach allem nun wirklich neben sie zu setzen.
Kaum dass er saß, lehnte er sich zu ihr herüber.

„Und, welche Farbe tragen wir heute?“, grinste er und wusste sehr wohl, dass er Maron damit auf die Palme bringen würde. Wenn er ehrlich war, würde ihn die Antwort aber schon interessieren. „Rot?“
„Waaas?“, fauchte sie kratzbürstig und lehnte sich demonstrativ von ihm weg. „Ich weiß nicht, was du meinst.“
Das war eine Einladung an ihn.
„Oh, das weißt du sehr wohl.“ Anzüglich hob er die Augenbrauen und Marons Gesicht färbte sich rosa.
„Ruhe da hinten! Also Kinder, wir beginnen jetzt mit dem Unterricht“, unterbrach Frau Pakkalamao sein Spiel. Er würde sich nicht davon stören lassen. Seine Augen fixierten das Gesicht der jungen Frau neben ihm. Er stützte seinen Kopf auf seiner Handfläche ab und lächelte süffisanft zu ihr herüber. Es dauerte nicht lange, da stellte sie ihn schon mit einer aufgebrachten Reaktion zufrieden.
„Schau endlich weg!“ Maron war es sichtlich unangenehm, dass er sie die ganze Zeit mit seinen Blicken musterte. Zu gerne hätte er eine Antwort auf seine Frage nach der Farbe bekommen. Aber wenn alles nach Plan lief, dann würde er es schon noch herausfinden.
Er lehnte sich weiter zu ihr herüber, sodass nur sie seine Worte hören konnte.
„Du bist genau nach meinem Geschmack. Gehen wir mal aus?“ Er hauchte diese Worte mit einem gewissen Unterton in der Stimme, von dem er wusste, dass er nicht wirkungslos blieb.
„B-Bist du hier der Baggerkönig oder was?“ Maron drehte sich mit hochrotem Kopf weg. Sie war scheinbar einfach schüchtern oder ein wenig verklemmt. Chiaki verdrehte die Augen. Na, das konnte ja etwas werden?
„Versprochen, du musst mir auch nicht deine Unterwäsche zeigen“, neckte er sie.

Genug war genug. Maron drehte sich abrupt zu diesem frechen Typen neben ihr um und strecke ihm die Zunge raus. Trotzig, wie ein kleines Kind. Aber ihr fielen einfach nicht die passenden Worte als Reaktion auf seine Frechheit ein. Da musste es eben so gehen.
„Hey Maron, benimm dich!“ Frau Pakkalamao sah sie streng an.
Wieso denn ich?, dachte Maron und sah auf ihren Tisch. Ich mache doch überhaut nichts. Diesen Chiaki konnte sie jetzt schon nicht leiden. Deshalb war sie froh, als die Stunde endlich beendet war und sie in die Turnhalle gehen konnte. Hier würde sie ihre Ruhe vor diesem Blödmann haben.
Sie liebte es. Ihr Körper bewegte sich im Takt mit der sanften Musik, sie drehte sich, schloss die Augen und lächelte nur für sich.
„Maron, ich muss dich darauf aufmerksam machen, dass das verkehrt ist. Du musst deine Beine um genau 120 Grad heben.“ Miyako beobachtete ihre Freundin ganz genau.
„Was glaubst du denn, was ich hier tue?“, erwiderte Maron außer Atem, als sie versuchte ihr rechtes Bein noch ein Stückchen weiter gen Himmel zu recken.
„Das ist die Frage“, lachte Miyako und wurde dann ernst. „Ich zeig es dir!“
Sie griff nach dem Bein ihrer Freundin. Beinahe wäre Maron vornüber gekippt.
„Auaaa! Sag mal, hast du vielleicht eine Meise? Warum bist du so grob zu mir?“ Schnell löste sich Maron von Miyako.
„ich würde mal meine Hand auf die Brust legen und nachdenken. Vielleicht fällt dir dann was dazu ein.“ Miyako funkelte sie an.
Einen Moment lang überlegte Maron. Hatte sie etwas getan, dass ihre beste Freundin verletzt hatte? Sie konnte es sich nicht vorstellen.
„Nein, irgenwie nicht.“ Was hatte Miyako nur?
„Du hast heute geflirtet! Soll ich dir noch mehr auf die Sprünge helfen?“ Der Vorwurf klang in ihrer Stimme mit. Eine böse Vorahnung machte sich in Marons Gedanken breit: Wenn es nach ihrer Freundin ginge, dann würden sie noch viel mehr Zeit mit diesem Chiaki verbringen müssen. Ihr persönlich war die gemeinsame Zeit im Klassenzimmer ja schon zu viel!
Maron konnte es nicht fassen.
„Mit diesem Schmuddelheini? Willst du mich verärgern?“ Unfassbar, dass Miyako soetwas von ihr dachte.
„Maron?“ Miyakos Stimme wurde leiser. „Hast du wirklich kein Interesse an ihm?“

Er spitzte die Ohren. Seit Maron fluchtartig das Klassenzimmer verlassen hatte, saß Chiaki draußen auf den Stufen am Ausgang der Turnhallentür. Es war ein warmer Tag und die Mädchen trainierten mit offener Tür, sodass er sich den besten Platz gesucht hatte. Gespannt lauschte er auf ihre Antwort.
„Warum sollte ich?“, entgegnete Maron ihrer Freundin und ein gewisser Hauch von Kälte lag in ihrer Stimme. Chiaki verzog das Gesicht. So war das eigentlich nicht geplant.
„Ich meine das ernst“, bekräftigte Miyako noch einmal ihre Gedanken. Zu gerne wollte er den Ausdruck auf Marons Gesicht sehen. Meinte sie es tatsächlich so, wie sie es gesagt hatte? Oder hatte sie das nur wegen Miyako gesagt? Unbewusst und ziemlich offensichtlich starrte er zur Turnhallentür hinein. Zur Hölle noch mal, direkt traf ihn Marons Blick. Als hätte sie darauf gewartet ihn zu erwischen. Voller Bestätigung drehte sie sich mit Verachtung von ihm weg. Irgendwie ahnte er, dass es besser war sich fürs erste zurückzuziehen. Sicher würde Maron irgendetwas nach ihm werfen, wenn er hier noch länger verweilte. Grübelnd und mit den Händen in den Hosentaschen lehnte er sich ein paar Meter von der Tür entfernt an die Wand.
„Hallo Chiaki. Möchtest du vielleicht mit uns lernen?“ Er hatte kaum bemerkt, dass sich ein kleines Grüppchen von drei Mädchen genähert hatte.
Er schenkte ihnen ein charmantes Lächeln, auch wenn ihm nicht danach war.
„Das ist sehr lieb von euch. Aber heute kann ich nicht. Vielleicht ein anderes Mal?“, antwortete er wage und hoffte, dass die drei sich verziehen würden. „Ich muss dann auch los.“ Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen stieß er sich von der Wand ab und setzte sich langsam in Bewegung.
„Dann bis morgen, Chiaki“, hörte er eines der Mädchen hinter sich und er hob die Hand. Ganz bestimmt nicht! Er passierte gerade die Tür, vor der er einige Minuten zuvor noch Maron beobachtet hatte, als plötzlich Maron heraustrat und die Hände in die Hüften stemmte. Ein leichter Schweißfilm lag auf ihrer Stirn und sie schien im Sonnenlicht zu strahlen. Sie hatte eine gewisse Eleganz. Langsam ließ er seinen Blick über sie wandern. Von den schlanken und unbedeckten Beinen, hoch über ihre Oberschenkel bis zu ihrem Hintern. Dieses Sportoutfit stand ihr ausgesprochen gut. Es war beinahe wie ein knapp geschnittener Badeanzug, nur, dass die langen Ärmel ihn störten. Aber ihr Hintern kam gut zur Geltung und er konnte sich vorstellen, wie der Rest ihres Körpers aussehen musste. Er grinste schief. Seine Augen wanderten höher, strichen über ihre Brüste und blieben schließlich in ihrem Gesicht hängen. Sie war hübsch, das konnte Chiaki nicht leugnen. Vielleicht hatte er auch deshalb die Mission des schwarzen Engels angenommen.
„Was glotzt du so?“ Maron zuckte zusammen und verweilte in ihrer starren Haltung, die etwas an ein aufgespießtes Insekt erinnerte. Maron, sie war nicht so einfach zu haben und verdammt kratzbürstig. Es gefiel ihm. Sie war eine Herausforderung und das mochte er. Dann würde die Mission ihm wenigstens etwas abverlangen, wenn sie seinem Charme nicht gleich erlag.
„Ich habe doch nur geguckt. Mit der Figur kannst du glatt Model werden“, neckte er sie und sein Grinsen wurde breiter. Unrecht hatte er definitiv nicht damit.
Er konnte sehen, wie es in der hübschen jungen Frau brodelte. Gleich würde sie explodieren.
„Du mieser kleiner Spanner“, fauchte sie und holte aus, um ihm eine schallende Ohrfeige zu verpassen. Er sah ihre flache Hand auf seine Wange zuschießen und reagierte blitzschnell. Chiaki griff nach ihrer Hand und nutzte den Schwung, den sie in ihren Schlag legen wollte, um sie an sich heranzuziehen. Ihr Gesicht war nah an seinem und er konnte ihren schnellen Atem auf seiner Haut spüren, als ihre Nasenspitzen sich beinahe berührten.
„Du bist unglaublich, wenn du wütend bist“, hauchte er und sah ihr tief in die Augen.

Das war zu viel für sie! Definitiv zu viel! Maron schluckte, als sie ihm plötzlich so nah war. Er roch gut. Was war das nur? Sein Aftershave? Viel zu spät fiel ihr ein, dass sie wohl alles andere als gut riechen musste. Man konnte es als Zuschauer zwar nicht sehen, aber rhytmische Sportgymnastik verlangte dem Körper viel ab. Es war eine Kunst, den Zuschauer glauben zu lassen, dass man seine Bewegungen mühelos vollzog. Doch das war nicht die Wahrheit. Es war anstrengend und man schwitzte. Und was hatte er da gesagt? Hatte sie das richtig verstanden? Du bist unglaublich, wenn du wütend bist, hallte seine raue Stimme in ihrem Kopf nach. Ihr wurde warm im Gesicht und am liebsten hätte sie noch einen Versuch gestartet, Chiaki eine Ohrfeige zu verpassen. Stattdessen zerrte sie sich aus seinem Griff und versuchte ihm und seinem eindeutigen Flirtversuch zu entkommen. Möglichst wollte sie dabei nicht in die glitzernden braunen Augen zu schauen, die sie so fixierten. Endlich gelang es ihr und sie drehte sich mit pochendem Herzen von ihm weg. Sie wollte einfach nur schnell zurück in die Turnhalle und sich ablenken.
„Maron, das Training ist noch nicht vorbei. Was machst du –“ Miyako unterbrach sich selbst und korrigierte sich schnell. Mit großen Augen sah sie ihre Freundin an. „Was macht ihr da?“
Charmant und als wäre er die Unschuld in Person lächelte Chiaki Miyako an.
„Du gehst doch auch in dieselbe Klasse wie ich?“
Eine leichte Röte legte sich über die Wangen ihrer besten Freundin. „K-Kann man so sagen“, antworte sie und klammerte sich an einen hölzernen Hula Hoop Reifen in ihren Händen.
„Wann ist hier Schluss mit dem Gehopse?“ Chiaki vergrub seine Hände erneut in den Hosentaschen und sah in die Sporthalle. Es schien nicht so, als wäre bald Schluss.
„Heute um halb sechs“, antworte Miyako wie aus der Pistole geschossen. Maron warf ihr einen bösen Blick zu. Das musste sie diesem Blödmann doch nicht gleich verraten!
„Ich warte auf euch, dann können wir gemeinsam nach Hause gehen“, schlug Chiaki vor und Miyako quietschte auf.
„Das ist klasse!“ Sie strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Maron allerdings nicht. Sie fühlte sich nicht wohl bei dem Gedanken, dass Chiaki sie begleiten würde. Dass er auch noch in demselben Gebäudekomplex wohnte wie sie! Sie würde heute Abend mit Fin darüber reden. Maron war sich sicher, dass der kleine Engel ihre Empörung über diesen unhöflichen Flegel teilen würde. Sie richtete ihren Blick auf Chiaki, der immer noch in der Tür stand. Kurzerhand knallte sie die Tür vor seiner Nase zu. Der hatte für heute genug gespannt!

Auf dem Nachhauseweg trottete Maron lustlos hinter Miyako und Chiaki her. Sie konnte die Begeisterung ihrer Freundin einfach nicht verstehen.
„Sag mal“, begann der Idiot und blickte zu ihr nach hinten. „Macht dir rhytmische Gymnastik eigentlich Spaß?“
Es passte ihr nicht, dass er sie angesprochen hatte. Allein, dass er sie so ansah ließ die Wut vom Nachmittag wieder in ihr aufkochen.
„Es geht so“, antwortete sie mürrisch. Das ging ihn doch nichts an, dass sie diesen Sport liebte. Doch Miyako nutzte die Gelegenheit.
„Weißt du“, begann sie energisch. „Ich unterziehe mich diesem Mammut-Training um fit zu bleiben. Außerdem werde ich mit Sicherheit schnell sein müssen, um diese Diebin Jeanne zu fassen!“
„Und du, Maron?“ Warum musste er sie wieder ansprechen, wo Miyako sich doch so bereitwillig für eine Unterhaltung anbot?
„Das geht dich überhaupt nichts an, was ich warum mache!“, knurrte sie leise.
„Nun sei doch nicht so zickig. Ich interessiere mich eben für dich.“ Da war wieder dieser Blick. Maron bekam eine Gänsehaut.
„Ach, die ist doch sowieso viel lieber alleine. Spar dir die Mühe.“ Dass Miyako ihr mit dieser Aussage helfen wollte, glaubte Maron nicht. Wahrscheinlich wollte sie lieber über sich reden und die Aufmerksamkeit des frechen Mannes auf sich ziehen. Maron schaufte. Das sollte ihr nur recht sein! Aber wehe, Miyako beschwerte sich hinterher bei ihr über seinen mangelnden Anstand!
Kurz überlegte die Braunhaarige, ob sie tatsächlich den Wohnkomplex betreten sollte, als Miyako und Chiaki durch die Schiebetür verschwanden.
Vergiss es, Maron, sagte sie zu sich selbst. Du bist stark, bereit, unbesiegbar, schön, entschlossen und mutig. Sie würde sich von diesem Chiaki nicht die Freude nehmen lassen. Entschlossen schritt sie durch die Tür.
„Bitteschön, die Damen.“ Chiaki hatte bereits den Aufzug gerufen.
„Oh, super!“ Miyako konnte gar nicht schnell genug in den Aufzug kommen.
Maron schüttelte den Kopf.
„Fahrt ihr schon mal vor. Ich habe noch was zu erledigen.“ Ihr Blick schweifte kurz zu der Wand mit den vielen Briefkästen. Sofort fand sie ihren. Ob wohl heute ein Brief für sie dabei war? Sie spürte die Augen von Miyako und Chiaki auf sich. Miyako verstand sie sofort und drückte auf den Knopf, der die Aufzugtür schloss.
„Bis später, Maron.“ Sie lächelte ihrer Freundin zu. Sie konnte es sich nicht vorstellen, wie es war alleine zu leben und nie von ihren Eltern zu hören. Sie tat ihr unfassbar leid. Aber endlich war sie mit Chiaki alleine.

Maron war ihnen nicht in den Aufzug gefolgt. Er war sich nicht sicher, ob er denselben traurigen Ausdruck in ihren Augen gesehen hatte wie damals, als er sie im Eingangsbereich beobachtet hatte. Hätte er die Chance nutzen und sie trösten sollen. Jetzt war es zu spät. Miyako redete ununterbrochen und erläuterte gerade detailliert, wie ihr heutiges Training abgelaufen war.
„Du, Miyako?“, unterbrach er sie kurzerhand. Es interessierte ihn nicht besonders, was die Tricks und Kniffe der rhytmischen Sportgymnastik waren.
„Ja?“ Bereitwillig ihm jede Antwort zu geben sah ihn aus ihrem offenen Gesicht heraus an.
„Auf wessen Brief wartet Maron?“ Eigentlich hatte er die Frage anders formulieren wollen. Wieso schaut Maron ständig in ihren Briefkasten, hatte er fragen wollen. Nur konnte Miyako ja nicht wissen, dass er ihre Freundin schon länger beobachtete. Und da er sich selbst zwischendurch wie ein Stalker vorgekommen war, wollte er diese Worte nicht ausgesprochen erleben.
Enttäuscht sah Miyako ihn an. Er wusste, dass sie etwas anderes erwartet hatte. Schnell schenkte er ihr ein einnehmendes Lächeln.
„Ich wundere mich nur“, gab er zu. Miyako schien kurz zu überlegen und kam zu dem Ergebnis, dass sie ihm seine Unterbrechung nicht übelnahm.
„Frag sie lieber selbst“, antworte sie schließlich und begann ihm von ihrer Jagd nach Jeanne zu berichten. Er hörte ihr nicht zu. Was war so wichtig, dass dieses Mädchen jeden Tag in den Briefkasten sah und die Tränen unterdrücken musste, wenn er leer war?

„Irgendwie bin ich deprimiert“, murmelte Maron zu sich selbst. Inzwischen war sie in ihrer großen leeren Wohnung und hatte sich einen bequemen Rock und ein Top angezogen. „Morgen beginnt ein neuer Tag.“
Maron öffnete die Schiebetür zu ihrem kleinen Balkon, reckte sich und sah gen Himmel. Sie streckte sich ausgiebig.
„Was soll denn das werden?“ Ihr Kopf schnellte zur Seite und sie sah in ein belustigtes Augenpaar. Chiaki!
„Das geht dich gar nichts an!“ Ertappt verschränkte sie die Arme vor der Brust. „Sag bloß, du wohnst genau neben mir.“ So viel Pech konnte sie doch gar nicht haben, oder?
„Sieht fast so aus. Das Apartment ist ein echter Knaller.“ Er lächelte sie an. „Und der Ausblick ist phänomenal.“
Versuchte er etwa gerade eine normale Unterhaltung mit ihr zu führen? Keine Blödeleien und dummen Sprüche? Sie gab sich einen Ruck.
„Im siebten Stock kann man das ja auch wohl erwarten.“ Ihre Stimme klang etwas forscher als sie es beabsichtigt hatte.
„Das stimmt, aber ich habe an einen anderen Ausblick gedacht.“ Maron folgte ahnungslos seinem Blick. Er sah sie an und langsam wanderte sein Blick an ihrem Gesicht hinunter und blieb an ihrem Dekolleté haften. Da war er wieder, dieser miese Spanner! Sie schrie entsetzt auf, machte sofort kehrt, verschloss die Balkontür und zog sicherheitshalber die Vorhänge vor.
„Wieso immer ich? Das gibt es doch gar nicht“, fluchte sie und lehnte sich mit ihrem Rücken gegen die Balkontür. Es war nicht ihr bester Tag. So gar nicht.
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