Deception-Magie des Verbrechens - Staffel 2

von MelEl
GeschichteKrimi / P16
26.07.2019
16.09.2019
7
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Es war ungefähr halb zehn, als Kay und Mike vom FBI-Gebäude in Richtung Archiv fuhren, um mit Dina, Jordan und Gunter zu sprechen. Vorher hatten sie sich zurecht gelegt, was sie fragen würden. Es sollte nach Möglichkeit keine Überraschungen geben. Und keine Logiklücken. „Also,“ sagte Kay nochmals im Auto, „ich befrage Dina, du Jordan und gemeinsam befragen wir Gunter. Auc, wenn sie uns fabelhaft dabei geholfen haben, einige mächtige Verbrecher dingfest zu machen, besteht die kleine Vermutung, dass einer heimlichen Kontakt zu der Mysteriösen Frau oder einem ihrer Handlanger hatte. Vielleicht wurde auch unwissend jemandem gegenüber Details aus dem Special verraten.“
Mike nickte, er wusste natürlich, worum es ging. Er würde sich an den Plan halten.
Kay parkte den Wagen und die beiden betraten das Archiv. Jordan und Gunter saßen am Tisch und tüftelten an einer Sache, Dina kam gerade aus dem Badezimmer.
„Hallo Leute,“ begrüßte Mike so fröhlich wie möglich. „Hi,“ grüßte Jordan zurück und stand auf. „He,“ schimpfte Gunter, „du kannst doch nicht einfach loslassen.“ Das Gebilde auf dem Tisch brach zusammen. „Ups, sorry Gunter, ich dachte er wäre stabil.“
Dina begrüßte auch die zwei FBI-Agenten. Mike gab sie einen Kuss, dann umarmte sie Kay. „Hast du etwas von Cameron gehört?“ Kay schüttelte bedauernd den Kopf. Wiederholt dachte sie daran, als Cameron sie hier stehen ließ. Es war demütigend gewesen.
„Leider nicht. Ihr folglich also auch nicht. Wir sind aber aus einem anderen Grund hier. Uns sind Ungereimtheiten aufgefallen und wir müssen mit euch reden. Einzeln!“ Die drei Angesprochenen wechselten einen Blick. Dina ergriff das Wort.
„Das hört sich ja schlimm an. Als wären wir Schwerverbrecher. Aber wir wollen versuchen, euch zu helfen. Soweit wir dazu in der Lage sind.“  „Danke schön. Wo können wir ungestört reden, Dina?“ Kay und Dina gingen in ein angrenzendes Bürozimmer. Mike und Jordan setzten sich in einen anderen Arbeitsraum. Gunter blieb alleine zurück in dem großen, zentralen Raum.
Er überlegte, was dieses Auftreten der FBI-Agenten bedeuten konnte. Alles, was sie je getan hatten, war für die fantastischen Shows, als eingespieltes Team. Sie waren eine Familie und hielten zusammen. Wie Zahnräder griff eins ins andere.
Während Gunter sich seine Gedanken machte und weiter an dem Konstrukt auf dem Tisch werkelte, teilte Kay Dina ihre Vermutung mit.
„Also, es sieht folgendermaßen aus: Wir mussten feststellen, dass zum Beginn unserer Zusammenarbeit eine Logiklücke bestand. Ich versuche, dir zu erklären, was mir, uns aufgefallen ist. Ihr hattet doch doch die große Special-Show in LA. Die, bei der Cameron...“ Seinen Namen laut auszusprechen schmerzte mehr, als Kay sich eingestanden hätte. „...bei der Cameron in den Bildschirm flog und wo Jonathan auf der Bühne in NY erschien.“ Dina nickte, wie konnte sie diese Nacht vergessen. Die Nacht, in der Jonathan ein Mord angehängt wurde und in dessen Verlauf er ins Gefängnis musste. Wo er nun immer noch war. Sie biss die Zähne zusammen. Ihr Leben stand seit dieser Nacht ziemlich auf dem Kopf.
„Gut,“ erzählte Kay weiter. „Dann erinnerst du dich vielleicht auch, wer außer euch, noch von Jonathans Existenz wusste. Wer wusste, was bei der Show geplant war? Wer wusste, dass Cameron beziehungsweise Jonathan auf der Bühne in New York erscheinen würde? Hast du dies irgendjemandem verraten. Vielleicht auch aus versehen? Es ist wirklich jedes kleinste Detail wichtig.“
Dina schüttelte den Kopf. „Worauf willst du hinaus. Ich verstehe dich nicht. Wir fünf sind, waren, Nein, sind eine eingeschworene kleine Gemeinschaft. Wie eine Familie. Jonathan kannten wirklich nur wir!“
„Okay, aber es bleibt ein wichtiger Punkt. Die Show wurde live in LA aufgeführt. Dennoch stand die Mysteriöse Frau in NY, circa 3.000 Meilen von Camerons Standort entfernt. Sie muss von dem Auftritt in NY gewusst haben. Und damit eventuell auch von Jonathans Existenz.“
Dina sah Kay mit großen Augen an, als sie begann zu begreifen. In diesem Moment hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Dinas Mund öffnete und schloss sich wieder. Dann sprang sie auf. „Unmöglich! Das ist unmöglich. Ich verstehe es, aber ich kann es einfach nicht begreifen. Wie ist das Möglich? Wir planen immer alles nur unter uns. Hier im Archiv. Nie dringt etwas nach außen. Es herrscht allerhöchste Geheimhaltungsstufe. Da sind wir strenger als beim CIA. Kein Kontakt zu Fremden oder Freunden. Niemals während der Planung, Probe, Durchführung oder danach. Es ist einfach unmöglich. Und ich traue es auch Gunter oder Jordan nie im Leben zu, diesen Ehrenkodex zu brechen.“
Kay war auch aufgestanden und legte Dina eine Hand auf den Arm. „Beruhige dich, Dina. Ich möchte keinen beschuldigen. Aber du siehst, dass etwas faul ist. Und wir müssen herausbekommen, was. Am Besten gemeinsam.“ Kay schwieg und sah Dina an.
In diesem Moment konnten sie Jordan ähnliche Worte schreien hören wie die von Dina.
„Unfassbar...Wir sind eine Familie...Geheimhaltung...Ehrenkodex...“
„Wir sprechen jetzt mit Gunter und dann müssen wir zusammen überlegen, wie etwas nach außen hatte dringen können.“
Dina und Kay verließen das Büro und auch Mike und Jordan kamen in dem Moment zurück in den großen Raum. Mike schüttelte kaum merklich den Kopf, als er Blickkontakt zu einer Kollegin hatte. Dann konfrontierten sie Gunter mit ihrer Beobachtung. Seine Reaktion war nur, dass das ganze Lachhaft war. Aber zugleich auch beängstigend. Und alle drei wollten dabei helfen, Licht in dies ominöse Geschichte zu bringen.
Zuerst tranken sie gemeinsam einen Kaffee und plauderten über belanglose Sachen. Das Wetter, eine anstehende Wahl, den vielen Stadtverkehr.
Dann überlegten sie zusammen, ob es in irgendeiner Form ein Loch gegeben haben könnte.
Hatte es zu irgendeinem Zeitpunkt in irgendeiner Weise die kleinste Gelegenheit gegeben, dass jemand Außenstehendes internes Wissen hatte erlangen können?
Dina, Jordan und Gunter war es strickt untersagt, auch nur mit irgendjemandem E-Mails auszutauschen. Kein Fetzen Papier durfte aus dem Archiv hinaus befördert werden. Selbst untereinander durfte nicht auf elektronischen Kanälen über die Shows kommuniziert werden. Nur von Angesicht zu Angesicht im Archiv.
Doch plötzlich fiel Jordan etwas wichtiges ein. Vor Aufregung konnte er nicht sitzen bleiben. Er lief hin und her und kratzte sich nervös an der Nase. „Da gibt es eine Sache, die ich ganz vergessen habe. Jonathan und Cameron. Sie haben untereinander eine eigene, verschlüsselte Cloud. Oder zumindest ein ähnliches, nur für sie zugängliches Programm. Wann immer ihnen etwas für eine Show, ein Special, einfällt, machen sie dort Brainstorming-mäßig Notizen. Cameron sagte einmal, er könnte von einer Idee aufwachen oder gerade auf der Toilette sitzen. Damit der Einfall dann nicht wieder verschwindet, hier er ihn dort fest. Und Jonathan konnte dort dann dazu Bemerkungen machen oder eigene Ideen hinzufügen. Das sind immer die allerersten Steps, bevor es an die weitere Planung geht. Mit den spontanen Ideen fängt es immer an. Ob diese umgesetzt werden können, diskutieren wir dann immer gemeinsam.“
Jordan war etwas außer Atem gekommen bei diesem langen Vortrag. Nun sah er die anderen genauer an. „Lange Rede, kurzer Sinn, es gibt ein spezielles Programm, auf das nur Jonathan und Cameron Zugriff haben. Meines Wissens weiß von der Ideensammlung außer uns auch niemand. Aber vielleicht ist da das Loch. Eventuell wurde das Programm gehackt.“
Da diese ihre bisher einzige Spur war, würden sie dieser gemeinsam mit den Computerspezialisten vom FBI nachgehen. Und auch Jordan würde parallel versuchen, etwas heraus zu finden.
Draußen begann es bereits zu dämmern und alle verspürten neben Erschöpfung auch Hunger. So beschlossen sie, für heute Feierabend zu machen. Sie bestellen Pizza für alle. Dann fuhr Kay nach Hause. Mike und Dina verbrachten den Abend gemeinsam.