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Freund oder Feind?

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Bob Andrews Justus Jonas OC (Own Character) Peter Shaw
25.07.2019
27.03.2021
22
66.201
5
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32 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
25.07.2019 2.382
 
Hey,

es hat sehr lange gedauert, bis ich mich an diese Geschichte herangetraut habe. Ich hatte die Idee zu der Story schon länger, wusste aber nicht ob und wie ich es schreiben soll. Ich weiß noch nicht wie viele Kapitel sie haben wird.

Ich würde mich sehr über Feedback freuen

Viel Spaß beim Lesen

sunsetgirl

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Das Zimmer, das im oberen Stock des Hauses lag, war mit Jalousien abgedunkelt. Abgestandene heiße Luft erfüllte den ganzen Raum und machte es fast unmöglich, sich länger als nur ein paar Minuten darin aufzuhalten. Durch die Lichtstrahlen, die noch von außen hinein drangen, sah man einzelne Staubpartikel, die durch die Luft flogen. Eine Weile sah der Junge ihnen dabei zu, wie sie sich drehten und dann langsam zu Boden glitten. Er saß ganz regungslos auf dem Bett in der Mitte des Raumes und starrte seit einer geraumen Weile vor sich hin. Seine Hände ruhten auf seinen Oberschenkeln, nur seine Finger spielten nervös umeinander.

Mit einem Mal stand er auf. Seine Hände griffen nach den Klamotten, die neben ihm auf dem Bett lagen. Langsam zog er das Hemd über seine Arme und begann, vollkommen in seine Gedanken versunken, die Knopfleiste zu schließen. Er schritt auf einen alten Holzschrank zu und öffnete quietschend eine der Türen.

Trotz der sommerlichen Hitze im Raum trug er eine Anzughose und ein langärmliges schwarzes Hemd. Als er die Tür schloss, betrachtete er sich in einem alten ovalen Spiegel. Er zupfte an dem etwas zu kleinen, unangenehmen Hemd. In der kurzen Zeit hatten sich schon deutlichen Schweißflecken an seinem Nacken gebildet. Mit zwei Fingern glitt er unter den Kragen, um ihn ein wenig zu lockern und Luft hinein zu lassen, mit der anderen fuhr er sich durch seine verstrubelten Haare.

Er legte das Band der Fliege, welche er aus dem Schrank gesucht hatte, um seinen Hals und versuchte sich zu erinnern, wie man sie band. Ärgerlich ließ er die beiden Enden wieder um seinen Hals fallen. Der Junge seufzte und starrte nur auf sein Spiegelbild.

Er drehte sich nicht um, als er ein Geräusch vernahm, das von der knarzenden Treppe herkam. Nicht einmal als es leise klopfte und eine ältere Frau ins Zimmer trat. Auch sie trug schwarz, nur statt eines Hemdes hatte sie ein knielanges, schwingendes Kleid an. Mit besorgter Miene trat sie an ihn heran. Der Junge sagte nichts, sondern stand wie angewurzelt da und starrte nur weiterhin auf die Spiegelung der zwei losen Fliegenenden. Währenddessen hatte die Frau ihn erreicht und legte eine Hand auf seine Schulter. In seinem Kopf spukte nur der lange vor ihm liegende Tag herum. Er zuckte nur leicht zusammen, als er sie endlich bewusst wahrnahm. Sie lächelte ihn an, als sie merkte, dass er sie durch den Spiegel ansah. Mit ein paar Schritten trat sie vor ihn und machte sich daran die losen Bänder zu einer Fliege zu binden. Dabei warf sie verstohlene Blicke zu seinem Gesicht, das immer noch starr geradeaus gerichtet war. Sie öffnete ihren Mund, um etwas zu sagen, doch wusste nicht, wie sie beginnen sollte. „Ich weiß,“ sagte sie und ließ ein Schlaufenende durch das andere Ende gleiten „..., dass das bestimmt sehr…. schwierig für dich sein muss. Ich kann mir nicht vorstellen … Ich wollte einfach nur wissen, wie es dir geht, Justus. Ob es dir gut geht. Junge, ich- „sie wurde schnell von Justus unterbrochen „Es … es geht mir gut, Tante.“ Sie trat einen Schritt zurück und musterte ihn. Er blickte sie jetzt direkt an und versuchte ein schwaches Lächeln. Sanft legte seine Tante eine Hand auf seine Wange und lächelte ihn mitfühlend an. Schnell wandte er seinen Kopf unter ihrem prüfenden Blick ab. Sie kannte ihren Neffen und wusste, dass das nicht der Wahrheit entsprach, aber sie wusste auch, dass er nicht darüber sprechen wollte. So drehte sie sich um und verließ wieder sein Zimmer.

Seine Fassade begann zu bröckeln und erschöpft setzte er sich wieder auf sein Bett. Schwer schluckte er den Kloß in seinem Hals hinunter. Bilder wechselten sich in seinem Kopf ab. Die Erinnerungen der letzten Woche kamen ihm wieder ins Gedächtnis und mit ihnen auch die Traurigkeit, die ihn wie einen schweren Stein mit in die Tiefe zog. Nur selten hatte er es dann noch in den letzten Tagen wieder an die Oberfläche zurückgeschafft. Schnell schüttelte er den Kopf und fuhr sich genervt über die Augen. `Es ging ihm gut´. Das versuchte er sich die letzten Tage einzureden. Der Satz hatte erheblich an Wirksamkeit verloren und klang nicht mehr stark und glaubwürdig, sondern nur noch erschöpft und traurig. Er fasste in seine Hosentasche und zog ein längliches zerknittertes Kärtchen heraus. Seine Züge entspannten sich wieder und er strich andächtig über das Papier. Er drehte seinen Kopf, als er ein Motorengeräusch von draußen vernahm. Justus steckte das Kärtchen wieder ein und stand auf. Als er durch die Tür auf die Treppe zutrat stoppte er. Es kostete ihn Überwindung die Stufen hinunterzugehen. Wieder nach draußen zu gehen. Wieder unter Menschen zu gehen.

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Zwei laute gleichmäßige dumpfe Schläge halten immer wieder durch das einsam erscheinende Haus. Das Glas Rotwein auf dem Beistelltischchen neben einer gemütlichen Couch erzitterte durch die dumpfen Schläge immer wieder. Eine Frau saß mit angezogenen Beinen auf der Couch und beobachtet die zitternde Flüssigkeit. Ihre Lippen waren zu einem schmalen Schlitz zusammengepresst. Tiefe Furchen zierten ihre Stirn und ihre Augen waren zusammengekniffen. Nach den nächsten zwei Schlägen rieb sie sich mit einer Hand die Schläfen. Schritte waren auf der hölzernen Treppe zu hören. Sie drehte ihren Kopf und brachte nur ein schwaches Lächeln bei dem Anblick ihres Mannes zustande.

Der Mann zog die schwarze Anzugjacke zurecht. „Es ist wahnsinnig heiß draußen. Aber es soll ja bald ein Gewitter kommen. Dann wird es bestimmt erträglicher. Trotzdem ist es eine Zumutung in Jacke und langer Hose.“ sagte er beiläufig, während er aus dem Fenster sah. „Es ist eben eine Feier, da kann man nicht einfach mit Shorts und T-Shirt aufkreuzen.“ Blaffte seine Frau ihn genervt an. Verwundert drehte der Mann sich zu seiner Frau herum. „Entschuldigung Liebling. Habe ich etwas Falsches gesagt?“ Er trat ein paar Schritte auf sie zu. Das laute Pochen erschallte weiterhin durchs ganze Haus. „Nein es ist nur- „sie wurde durch zwei besonders Laute Schläge unterbrochen. Wütend drehte sie ihren Kopf in Richtung Treppe. Anklagend zeigte sie hinauf in den zweiten Stock „Ich halte das nicht mehr lange aus. Das geht jetzt schon Tag und Nacht so. Ich weiß, dass es…. Dass es ihm hilft aber…“ erschöpft lehnte sie sich zurück. „Gib ihm ein bisschen Zeit. Er hat es nicht gerade leicht im Moment.“ Verständnisvoll berührte er ihren Arm. „Ich weiß…“ ihre Stimme wurde leiser „Ich will ihm ja auch helfen, aber... aber er lässt mich nicht.“ Ihre Augen wurden wässrig. Er setzte sich neben sie und legte einen Arm um ihre Schulter. „Es wird besser werden. Weiß er, dass wir bald gehen müssen?“ Sie raffte ihre Schultern. „Ja, das weiß er. Ich weiß nur nicht, ob er wirklich mitkommen wird.“ Ihre Züge waren jetzt weicher und sie schaute besorgt die Treppe hinauf. „Er wird kommen.“ Sagte ihr Mann nur, stand auf und nahm sich seine Autoschlüssel.

Der Junge saß zusammengesackt auf seinem Bett. Sein Rücken lehnte an der Wand und in der Hand knetete er einen kleinen Ball. Immer wieder ließ er den Ball auf den Boden aufspringen, sodass dieser an der Wand abprallte und zu ihm zurücksprang. Das ständige Geräusch des aufprallenden Balles vertrieb die Gedanken und Erinnerungen. Vertrieb die Zeit, ohne etwas zu tun. Vertrieb Möglichkeiten zum Nachdenken über… alles. Er brauchte keine Pause, um sich zu Erholen oder jemanden der ihm half. Wollte es nicht. Konnte nicht. Er holte tief Luft. Mit düsterem Blick starrte er vor sich hin und ließ den Ball wieder gegen die Wand springen.

Mit einem Mal fing er den Ball mit der linken Hand auf und blickte auf das schwarze, noch immer unangerührte Kleidungsstück auf dem Schreibtischstuhl. Eine Welle aus Bildern rollte über ihn hinweg. Deswegen wollte er diese Stille nicht. Mühsam quälte er sich aus seinem Bett und ging schlurfend auf seinen Schrank zu. Seufzend strich er über den Stoff des Hemdes. Nach einem Augenblick des Nachdenkens und einem raschen Blick auf die Uhr über seiner Tür griff er nach dem Hemd und zog es über seine Schultern. Mit einer energischen Bewegung wischte Peter den Dreck und Staub von der Spiegeloberfläche an seinem Schrank weg. Als er laute Stimmen von unten hörte, hielt er inne. Es waren wahrscheinlich seine Eltern, die darüber diskutierten, was sie machen sollten. Was sie mit ihm machen sollten. Er wusste es ja selbst einmal nicht. Er musterte sich. Tiefe Schatten lagen unter seinen Augen und seine Haut sah blass und eingefallen aus. Testweise setzte er ein Lächeln auf, doch auch sein Abbild, das sich in den trüben Scheiben spiegelte, schien nicht überzeugt. Als diese unerträgliche Stille wieder eintrat, fühlte er wie seine Augen etwas feucht wurden. Mit einer schnellen Handbewegung wischte er sich über sein Gesicht.

Er fragte sich, ob Justus heute kommen würde. Wirklich sicher war er sich nicht.

Peter hatte seinen Freund schon seit zwei Tagen nicht mehr gesehen. Nicht einmal angerufen hatte er. Justus hatte es wahrscheinlich viel besser weggesteckt als er selbst, der schon immer als Angsthase der drei ??? gegolten hatte. Vielleicht war er das ja auch.

Er drehte sich herum und schlüpfte in seine schwarzen Turnschuhe. Als er sich aufrichtete, kam es ihm vor als hätte er ein Déjà-vu. Irgendetwas an dieser Szenerie kam ihm schmerzlich bekannt vor. Doch so plötzlich wie das Gefühl über ihn gekommen war, war es auch schon wieder verschwunden. Nach etwas Unbestimmten suchend drehte sich Peter in seinem einsamen Zimmer herum. Er hörte die Stimme seiner Mutter, die ihn rief und wie dann eine Tür zugeschlagen wurde. Schnell beeilte er sich nach unten zu kommen. Peter zog die Haustür hinter sich ins Schloss und setzte sich zu seinen Eltern in den Wagen. Unruhig rutschte er auf seinem Sitzt hin und her. Fast wollte er wieder nach dem Türgriff fassen und verschwinden. Doch als er aufsah, bemerkte er die aufmerksam musternden Blicke seiner Eltern. Schnell senkte er den Kopf. Kaum merklich ließ er seine Hand in seine Tasche gleiten, die sich dort um den kleinen Ball schloss. Peter atmete tief durch und spürte wie die Anspannung von ihm abfiel.

„Und startklar?“ fragte sein Vater und musterte ihn weiter aufmerksam. „Ja, klar.“ Sagte Peter und hob seinen Blick. Seine Stimme klang stark und bereit, ganz im Gegenteil dazu was er fühlte. Sie fuhren los. Peter hatte sich zum Fenster gedreht und beobachtete jetzt die vorbeiziehenden Häuser und Landschaften. Aus dem Augenwinkel bemerkte er die Augen seiner Mutter, die ihn permanent beobachtete. Innerlich verdrehte er die Augen. Äußerlich ließ er sich nichts anmerken.

Auf ihrem Weg passierten sie das Haus der Familie Andrews. Das Familienauto war weg. Sie waren wahrscheinlich auch schon unterwegs, dachte Peter in diesem Augenblick. Nach einer Weile stoppte der Wagen, was ihn aus seinen Gedanken holte. Als er ausstieg, sah er einen kleineren Jungen mit schwarzem Haar, der in seinem Alter war und mit dem Rücken zu ihm auf dem Parkplatz stand. Dessen Blick war gedankenverloren auf den Boden gerichtet und seine Füße schabten nervös auf dem Kies. Peters Gesicht erhellte sich und er joggte zu dem Schwarzhaarigen hinüber.

„Hey Just. Alles klar?“ begrüßte er seinen Freund und boxte ihn matt gegen die Schulter. „Hab lang nichts mehr von dir gehört.“ Sagte er und bemerkte ihm selben Augenblick wie absurd es klang, hatten sie sich erst vor zwei Tagen das letzte Mal gesehen. „Ja, ich habe mich nicht aufrappeln können.“ Sagte Justus kurz angebunden und lief neben Peter den Weg über den Parkplatz entlang. Überall auf dem wiesenreichen Grundstück standen große Trauerweiden, deren Blätter sich im aufkommenden Wind sanft hin und her bewegten. Die Hitze, die den größten Teil des Tages vorgeherrscht hatte, wurde jetzt von angenehmeren Temperaturen abgelöst. Wolken schoben sich vor die Sonne. Das Wetter schien sich immer mehr der gedrückten Laune der Leute anzupassen. Peter schaute nach oben in den verdunkelten Himmel. Als er seinen Blick wieder senkt, erblickte er seinen Freund, tief in Gedanken versunken schon einige Meter voraus schlendernd. Mit langen schnellen Schritten holte er wieder auf. Mit einer hochgezogenen Augenbraue musterte er Justus, der von all dem nichts mitzubekommen schien. Sie versuchten die düstere Stimmung und das weite Gelände, dass von vielen dunklen Steinen gesäumt war zu ignorieren.

Nach ein paar Minuten auf dem geschotterten Weg kamen sie zu einer Kapelle, die von hohen Kastanienbäumen umrahmt wurde. Zögerlich traten sie nebeneinander in die Stille und Kühle der Kapelle ein und mussten beide instinktiv schlucken. Ohne sich abgesprochen zu haben, steuerten sie auf die letzte Reihe zu und setzten sich. Während der ganzen Zeit in der Kapelle starrten sie auf ihre Füße und ließen die Ansprache über sich ergehen. Am liebsten wären beide aufgestanden und hätten sich ganz weit von diesem Ort entfernt. Einfach hinaus aus den Flügeltüren und so weit weg wie möglich. Doch ihre Anwesenheit waren sie allen schuldig. Auch denen, die nicht hier sein konnten. Schmerzlich blickte Peter auf das große, goldumrahmte Foto, dass vorne stand.

Sie erhoben sich und folgten dem kleinen Zug über das Gelände. Ihnen voran gingen vier Männer, die den schwarzen Sarg trugen. Als die Gruppe vor dem Grab ankam, blieben Justus und Peter in einigen Metern Entfernung stehen. Beide, die Hände in den Hosentaschen vergraben, starrte sie zu Boden. Peter scharrte mit einem Fuß auf dem Kies, während Justus Kiefer unaufhörlich vor sich hinmalte. Ein paar der Leute warfen eine Blume ins Grab und entfernten sich schließlich. Beide seufzen synchron und mussten darauf kurz lächeln. „Ich dachte nicht, dass ein Fall der drei Fragezeichen einmal so enden würde.“ Sagte Peter leise. Justus nickte nur und schluckte den dicken Kloß in seinem Hals hinunter.

Als sich alle allmählich verstreuten traten die Beiden zögerlich auf die Grube zu und starrten unschlüssig auf die Blumen. Beide Jungen nahmen sich eine Blume. Als Justus die Pflanze auf den Sarg fallen lassen wollte, stoppte er. Er holte das Kärtchen aus seiner Hosentasche und band es mit einem kleinen weißen Band daran. Peter schaute auf den, ihm unglaublich leer vorkommenden Platz neben ihm. Während die Blume in das Loch fiel, sagte Justus, so dass es nur Peter hören konnte „Wir werden diesen Fall lösen. Wir versprechen es dir, Bob.“
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