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Dragonwar {Final Fanatsy XIV}

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Gen
25.07.2019
07.06.2020
8
39.107
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25.07.2019 4.803
 
Mein Kopf pochte immer wieder in regelmäßigen Abständen, als ich das erste Mal seit einer langen Dunkelheit wieder meine Augen öffnete. Ich hatte das Gefühl schon ewig nicht mehr wach gewesen zu sein, weshalb meine Augen merklich damit überfordert waren sich an die helle Umgebung um mich herum anzupassen. Bevor ich richtig sehen konnte, war es leichter gewesen, um mich herum zu lauschen. Es war still hier; wo ich mich befand. Es schien keine Person in meiner Nähe zu sein.

Vorsichtig fuhren meine Hände durch mein leicht schwitzendes Gesicht. Über meine Stupsnase, direkt zu den Schuppen zwischen meinen Augen und auf meiner Stirn. Durch meinen verwuschelten schwarzen Pony, direkt zu den Hörnern an der Seite meines Kopfes. Alles war noch dran. Jedoch hatte ich meinen Hörnerschmuck nicht mehr da, wo er sich vor ein Paar Stunden, Tagen, Wochen noch befand. Das allerdings sollte wohl in diesem Moment mein allerletztes Problem sein.

Die türkis - blauen Augen in meinem Kopf hatten sich mittlerweile an die helle, aber dennoch gedimmte Umgebung gewöhnt, sodass ich mich endlich leicht aufsetzen konnte. Meine Beine gerade abgestreckt und es fühlte sich so an, als wären sie aus Blei. Dabei lagen sie lediglich nur da, aber es war schwer gewesen, nur die Zehen zu bewegen. Aber meine Annahme hatte sich bestätigt. Ich war wirklich alleine hier gewesen.

Gierig durchsuchten meine Augen das Zimmer. Es war aufgeräumt, die Luft war frisch. Das Bett war ein wenig durchgelegen; ich schien schon etwas hier zu sein. Neben dem hölzernen Bett stand ein Nachttisch. Darauf ein Glas mit klaren Wasser gefüllt. An der Glasoberfläche kullerten allmählich die Kältetropfen hinab. Anscheinend musste vor nicht allzu langer Zeit jemand hier gewesen sein, um das Glas aufzufüllen.

Immer noch mit einem Wirbelsturm im Kopf trat ich den Kampf an, meine Beine aus dem Bett zu heben. Es war anstrengend und nach einigen Bewegungen schnaufte ich bereits, aber mit Erfolg. Ich schaffte es aufzustehen, wenn auch nur wackelig, und griff nach dem Glas, um zumindest einen feuchten Rachen zu haben, der mir bis eben noch fehlte. Komplett geleert, verließ ich das ruhige Hinterzimmer und trat in das mulmig warme Wohnzimmer ein. Auch hier, keine Menschenseele weit und breit zu sehen.

Dennoch hörte ich von draußen einige Stimmen rufen und reden. Manche direkt vor dem Fenster, andere liefen flüchtig daran vorbei. Sehen jedoch konnte ich durch das Milchglas kaum etwas.
Nach kurzem Umschauen erblickte ich meinen Bogen direkt neben dem brennenden Kamin stehen. Ich konnte mich zwar nicht mehr daran erinnern, was genau passiert war, trotzdem war ich froh, dass meine Waffe es überstanden hatte. Mit meinen Fingerspitzen fuhr ich einige Male über die Lackierung der edlen Waffe und atmete tief durch. Bis die ruhige Umgebung von einem lauten Knautschen durchbrochen wurde. Mein Blick rate Richtung Eingang, von dem die Geräusche zu kommen schienen.

„Du bist aufgewacht!“, der Satz war nicht mal ganz zu Ende gesprochen, da kam mir ein kleiner Junge im blauen Gewand entgegen geflitzt und schlang sich um meine Taille. Ich fühlte mich überrumpelt, kippte gleichzeitig nach hinten und konnte mich gerade so mit meiner freien Hand am Kamin auffangen, bevor mein Rücken noch den Boden küsste. Dennoch legte auch ich einen Arm um den kleinen Elezen - Jungen und obwohl mein Au’Ra Körper nur ein paar Zentimeter größer war als er, so konnte ich mein Kinn trotz allem auf seinem Köpfchen parken.

Alphinauds weiße Haare rochen angenehm nach frischer Luft und ich fragte mich, wo es ihn wohl hergeweht hatte.

„An was kannst du dich noch erinnern? Wie geht es dir? Ist noch alles dran? Funktioniert noch alles -?“, als Alphinaud damit begann mich mit tausenden Fragen zu meinem Gesundheitszustand zu überrumpeln, war ich ganz froh, als sich plötzlich eine dritte Person in unser ‚Gespräch‘ einmischte.

„Alphinaud, das arme Mädchen ist doch noch gar nicht ganz auf den Beinen“, lächelte ein großer Elezen türkis - blauen Haaren, die ihm tief ins Gesicht fielen, in unsere Richtung. Er brachte eine angenehme frische mit ins Haus. Die gleiche Frische, die Alphinaud bereits in einen Haaren mit sich trug.

„Das ist Haurchefant. Er hat uns geholfen, Shaia“, wandte ich meinen Blick wieder in Alphinauds Richtung. Ich wusste nicht, wobei uns dieser wohl zur Hilfe gegangen war, aber ich befürchtete, dass ich es bald erfahren würde.

„Möchtest du eine heiße Schokolade? Mit ein paar Glücksgefühlen lässt es sich vielleicht besser erinnern.“

Ich antwortete Haurchefant mit einem Nicken, gleichzeitig mit einem Lächeln untermalt. Der Elezen in seinem schweren Kettenhemd schien wirklich in Ordnung zu sein. Ich hoffte, baldigst noch mehr über ihn herauszufinden. Aber ich glaubte, dass man ihm Vertrauen schenken konnte.

Zusammen mit Alphinaud setzte ich mich an den großen hölzernen Tisch, der unmittelbar neben dem Kamin seinen Platz fand. Es war mulmig warm gewesen und trotzdem würde mir eine leckere heiße Schokolade noch die nötige Wärme geben, die ich brauchte, um mich wieder komplett frisch zu fühlen. So, wie die Kriegerin des Lichts es wohl auch tun sollte.
Mit scharfen Blick, aber ohne es mir anmerken zu lassen, beobachtete ich Haurchefant dabei, wie er in den beiden Tassen herum rührte. Ich konnte es fast nur hören, weshalb meine Augen ihn nun von oben bis unten musterten. Haurchefant hatte einen breiten Rücken und starke Schultern. Er trug dunkle Ohrringe; fast Anthrazitfarben. Ich bemerkte, wie sich diese ab und an bewegten; er lauschte. Wonach aber wusste ich nicht. Meine Ohren waren nicht einmal halb so gut, wie die von einem Elezen oder einer Miquo’te. Dafür hatte ich als Au’Ra andere Talente; wie unglaublich klein zu sein. Zwar war Alphinaud als Elezen nicht wirklich größer als meine Person, Haurchefant hingegen ragte über mich hinweg, wie ein Baum über den Erdboden.

„Bittesehr, mit Marshmallows drin. Ich hoffe, sie schmeckt. Leider nur mit Wasser gebrüht. In Camp Drachenkopf haben wir nicht die Kapazitäten Kühe zu halten“, erklärte der Ritter und stellte sowohl mir, als auch Alphinaud eine große Tasse hin. Sofort schlang ich meine kalten Finger darum und sah fordernd in die Runde, um endlich eine Erklärung zu erhalten.

„Also..“, Alphinaud begann sich an mich zu wenden, während Haurchefant sich mit gegenüber auf den Stuhl setzte, „an was kannst du dich noch erinnern?“

Angestrengt versuchte ich eine Erinnerung in meinen Kopf zu rufen. Es war schwer gewesen die kleinen Fetzen an Bildern zu ordnen, aber nach ein Paar Minuten hatte ich zumindest ein vorläufiges Ende gefunden: „Ich erinnere mich daran, dass ich bei der Sultan gewesen bin..“

Sofort nickte Alphinaud mir zu und setzte bei meiner gegeben Information an: „Die Sultane ist tot. Und der Bund der Morgenröte zusammen mit Phönixgeneral Raubahn die obersten Verdächtigen. Teledji Adeleji hat eine Menge Arbeit geleistet. Wir waren also gezwungen zu fliehen. Aber dank dem Aufgebot der Wachen musste sich der Bund opfern. Wir haben sie zurück gelassen … Zum Glück haben wir uns in den Tunneln von Ul’dah wiedergefunden, sodass wir wenigstens uns hatten. Zusammen sind wir nach Coerthas geflohen. Haurchefant hat uns Zuflucht gewährt.“

Für einen kurzen Moment erhob ich meinen Kopf von dem Rand der Tasse und blickte in die Augen des Elezen mir gegenüber. Er nickte mit einem ehrlichen Lächeln auf den Lippen.

„Wir können nicht zurück. Stattdessen müssen wir versuchen uns einen Weg nach Ishgard zu bahnen..“

Es war schwer gewesen Alphinaud zu folgen, aber die dunklen Löcher in meinen Kopf erhellten sich wieder. Ich konnte mich daran erinnern, wie die Sultane von ihrem Stuhl kippte. Ich erinnerte mich, wie ich mit dem Bund durch die Tunnel unter der Stadt nach dem Ausgang suchte und wie alles mit einem starken Windstoß endete. Und nun war ich hier. In einem Land das ich nicht kannte; und wie immer, vor einer Aufgabe, die ich noch nicht zu kennen wusste. Aber so, wie ich Alphinaud kannte, hatte er schon deutlich weiter gedacht.

„Hier herrscht schon lange der Drachenkrieg und Ishgard lässt schon seit vielen Jahren keine Besucher mehr hinter das Tor seiner Stadt“, murmelte Alphinaud tief ins eine Tasse hinein, die er beinahe ausgetrunken hatte. Ich hingegen schaute den Marshmallows dabei zu, wie sie in der schokoladigen Brühe dahinschwanden.

„Da magst du nicht ganz Unrecht haben, aber unmöglich ist es nicht“, Haurchefant lächelte in die Runde, als stünden wir nicht einmal ansatzweise vor einem Problem. Verwundert zog ich eine Augenbraue in die Höh: „Ich werde versuchen etwas zu arrangieren. Alphinaud, warum führst du Miss Eoliria nicht ein wenig durch das Camp? Frische Luft tut ihr sicherlich gut.“

Alphinaud nickte ihm zu und ich konnte in seinen Augen sehen, wie unser kleiner Anführer Haurchefant vertraute. Allerdings sah ich auch noch etwas anderes dort in seinen trüben Spiegeln der Seele. Angst, Furcht, Hass. Etwas, was Alphinaud in letzter Zeit doch eigentlich gar nicht ähnlich sah.

Das Knartschen der Tür zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Haurchefant hatte uns schon verlassen und sich an seine Arbeit gemacht.

„Komm’ lass uns ein wenig spazieren gehen.“

Ich folgte Alphinauds und Haurchefants Vorschlag. Zusammen mit dem Jungen in Blau gekleidet verließ ich das erste Mal, seitdem ich hier in diesem fremden Land angekommen war, das Zimmer. Außerhalb der Tür erwartete mich eine angenehme, aber dennoch eisige Kälte. Weit uns breit war das Camp in eine weiße Schneedecke gehüllt und ich wusste nicht, ob meine Schuppen dieser Kälte lange standhalten würden. Dennoch gab ich mein bestes.

Alphinaud geleitete mich unbewusst durch das Camp, denn nach ein paar getanen Schritten verfielen wir in ein Gespräch. Denn ich bemerkte, wie Alphinaud etwas auf der Seele brannte; trotzdem wollte ich ihn nicht einfach so drängen.

„Ich vermisse sie, weißt du? Alisaie. N-Natürlich auch den Rest unserer Freunde.. Aber als Bruder habe ich doch die Aufgabe meine Schwester zu beschützen .. auch, wenn sie das sicherlich gut alleine hinbekommt..“

Lange ließ ich Alphinaud erzählen. Er sollte sich alles von der Seele reden, bis es ihm besser ginge. Antworten tat ich ihm nie. Er hatte nicht danach gefragt und ich wollte Alphinaud nicht unterbrechen. Ich würde alle seine Sorgen aufnehmen, damit er sie nicht tragen musste.

„Wie lange war ich bewusstlos? Seit wann sind wir hier?“, ich unterbrach die Stille zwischen uns, nachdem Alphinaud nicht mehr zu mir gesprochen hatte - für eine ganze Weile. Gemeinsam spazierten wir durch das Camp. Durch einen der Torbögen, direkt auf den Markt zu - oder das, was man Markt nennen konnte. Es waren nicht mehr als drei Stände gewesen; so windgeschützt, wie nur irgend möglich. Dennoch zweifelte ich nicht daran, dass man nicht das zu finden vermochte, was ein Held auf seiner Reise brauchte.

„Seit nun etwa 1 1/2 Wochen. Du hast lange geschlafen, aber besser spät aufwachen, als nie mehr, oder?“, versuchte Alphinaud mich an zu schmunzeln, aber scheiterte nach ein paar Sekunden kläglich daran.

„Shaia …“, der zierliche Junge blieb stehen. Ihm schien nicht nur immer noch etwas auf dem Herzen zu liegen, sondern gleichzeitig war ihm auch noch kälter geworden. Kein Wunder, die Temperatur unterlag großen Schwankungen. Vor allem zwischen dem heißen Ul’dah und dem eisigen Coerthas.

„Es tut mir leid, dass ich geglaubt habe, die Kristallstreiter würden die Welt verbessern. Ich habe alles aus dem Blick verloren. Ich habe zu groß gedacht. Und nun stehen wir hier und haben nichts; ich habe gefühlt alles nur noch schlimmer gemacht als vorher…“, Alphinauds Stimme zitterte, genauso, wie sein zierlicher Körper. Ihn so zu sehen, ließ mein Herz zusammen gequetscht zurück. Die Kristallstreiter waren alles für ihn gewesen. Für diesen Strategen gab es nichts wichtigeres. Nun jedoch haben sie sich gegen ihn gewandt und ganz Eorzea steht Kopf. Eine Suppe, die wieder ausgelöffelt gehört.

Gerade, als ich versuchen wollte, mit irgendwelchen Worten den Jungen vor mit aus seiner Dunkelheit heraus zu holen, unterbrach uns eine neu - bekannte Stimme. Haurchefant schaute aus der Tür seiner Ritterstube heraus: „Shaia! Alphinaud! Mögt ihr bitte einmal kommen? Ich habe Neuigkeiten!“

Weiterhin geknickt hob Alphinaud seinen kleinen Kopf. Gerade so konnte ich seine strahlend blauen Ozeanaugen unter seinem weißen Pony erkennen. So hatte ich den sonst so zielstrebigen Jungen noch nie erlebt. Er hat einiges mitgemacht. Vielleicht hätte ich ihm nicht ganz so viel zumuten dürfen.

Trotzdem richtete er sein Haupt wieder auf und führte mich zu Haurchefant und seinem Stützpunkt in Camp Drachenkopf, wo uns ein weiteres bekanntes Gesicht begrüßte. Oder wohl eher nur mich.

„Shaia! Oh, du bist ja wach! Ich freu mich so!“, keine Sekunde später klebte mir ein weinendes Lalafell an einem meiner Beine. Tataru war also ebenfalls hier. Das erleichterte mich. Ein Freund weniger, um den man sich Sorgen machen musste.

Ich legte meine flache Hand auf ihren Kopf nieder, um ihr durch Haar zu fahren. Gleichzeitig drückte sie sich noch etwas mehr an sich und ich konnte nicht anders, als zu Lächeln.

„Tataru hilft Haurchefant wo es nur geht. Ich habe sie selber in den letzten Tagen kaum zu Gesicht bekommen“, grinste Alphinaud plötzlich und ließ sich auf einen der Stühle vor Haurchefants Schreibtisch nieder. Ich konnte nicht anders als aufzulachen.

„Hey! Ich konnte eben nicht mit ansehen, wie unsere arme Shaia regungslos im Bettchen liegt! Jemand musste doch etwas unternehmen und hier alles auf Vordermann bringen!“, Tataru hatte nichts von ihrer gesunden Fröhlichkeit und ihrem Spaß verloren, was mich noch einmal mehr erleichterte.

Tatar hatte in ihrer kleinen Rage von mir abgelassen und leichten Schrittes ging ich ebenso auf den schweren Schreibtisch zu, hinter dem Haurchefant stand. Mit den Händen lehnte er sich auf der Tischplatte ab und schaute lächelnd in unsere Gesichter.

„Ich habe euch eine Freifahrt nach Ishgard besorgen können“, erklärte er uns nun, als wir gemeinsam um ihn herum standen und oder saßen und unsere Minen veränderten sich in fragende Gesichter. Wie hatte er das nun so schnell geschafft? Einfach so, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken?

„Das Haus Fortemps, eines der vier Fürstenhäuser wird euch Zuflucht gewähren.“

Überraschende Seufzer zogen durch den Raum. Eines der vier großen Häuser Ishgards würde sich unser annehmen? Warum? Wieso? So schnell? Was genau hatte Haurchefant da ausgehandelt? Ohne eine gewisse Form von Gegenleistung wäre dieser Pakt sicherlich nicht entstanden.

„Sagt nicht, dass ihr unwissend darüber wart, dass ich ein Mitglied des Fortemps Hauses bin?“

Mein Blick schweifte zu Alphinaud, der sich peinlich berührt im Nacken kratzte, als hätte er es wirklich nicht gewusst. Ungläubig schüttelte ich meinen Kopf; so leichtsinnig war Alphinaud ja schon lange nicht mehr gewesen, aber übel nahm ich es ihm nicht. Jede Hilfe war eine Hilfe, die wir annehmen musste. Wir waren alleine in einem fremden Land, hatten einiges erlebt, was an unseren Knochen nagte und nun suchten wir nur noch nach Verbündeten, die uns im Moment ein Dach über dem Kopf boten.

„Ich, Hauchefant Greytsone, bin ein dienender Ritter des Hause Fortemps..“, ich hörte ein Zweifeln in Haurchefants Stimme, was er zu bemerken schien. Sein Blick aber verriet mir, dieses Wissen nicht kundzutun. Erst einmal nicht.

„Morgen Früh brecht ihr auf zum Tor des Urteils. Ich werde euch jemanden schicken, der euch zum Hause der Fortemps bringt. Keine Sorgen, ihr werdet ihn erkennen“, fügte Haurchefant nun hinzu und ich nickte, als Zeichen, dass ich alles verstanden hatte. Und so auch meine beiden Freunde.

Nicht wenig später saßen wir zu dritt zusammen wieder am Tisch unseres kleinen Rückzugsortes. Tataru hatte uns eine Suppe zum Abendbrot gezaubert, war aber bereits auf der Couch beim Feuer eingeschlafen. Sie muss hart gearbeitet haben.

„Ich werde mich dann auch mal aufs Ohr hauen. Wer weiß, was uns morgen in der Stadt alles erwartet“, Alphinaud erhob sich von seinem Stuhl, so leise es ihm möglich war, und ging ein paar Schritte auf die schlafende Tataru zu, um ihr sachte eine Decke über den kleinen Körper zu ziehen. Mit einem zufriedenen Seufzen drehte sich das Lalafell auf die andere Seite.

„Mach’ du auch nicht mehr so lange. Die Kriegerin des Lichts sollte auch ausgeschlafen sein für ein wenig Sightseeing.“

Zur Bestätigung Alphinauds nickte ich einverstanden und schaute ihm nach, während er in dem Zimmer neben meinem verschwand. Den ganzen restlichen Abend hörte man keinen Mucks mehr aus dieser Ecke des Hauses kommen.

„Du hast kaum aufgegessen. Schmeckt es dir nicht?“, riss Haurchefant mich nun aus meinen Gedanken und ich schaute sofort auf meine Suppenschüssel nieder, die immer noch halb voll gefüllt war. Tataru hatte leckeren Eintopf gekocht, aber die Gedanken darüber, wo sich Alisaie und Thancred, Minifilia und Y’shtola nun versteckten, brachten mich an den Rand des Wahnsinns. Aber nicht nur mich - mein Blick ging zurück zur Tür von Alphinauds Zimmer.

„N-Nein, Tataru hat wirklich wieder etwas tolles gekocht.. aber dennoch, ich fühle mich überfordert..“, es war schon lange nicht mehr der Fall, dass ich mich so geschafft fühlte. Ich hatte Primae besiegt, kämpfte ständig gegen das galearische Kaiserreich. Aber das war gar nichts im Vergleich zu dem Gefühl, welches ich in diesem Moment verspürte. Ich war kaputt; vielleicht auch nur, weil ich gerade über eine Woche im Bett den Dornröschenschlaf gehalten habe.

„Alphinaud hat vieles über dich erzählt. Du bist eine Heldin, Hydaelyns Heldin und ich denke nicht, dass du es nötig hast, wie drei Tage Regenwetter durch die Weltgeschichte zu streifen. Du hast vieles geschafft. Du hast vielen Menschen ein beruhigtes Leben zurück gegeben. Und auch, wenn die Situation im Moment aussichtslos erscheint; es sind Freunde an deiner Seite, die dir helfen werden. Alte Freunde und auch neue“, Haurchefant verfiel in eine Stille hinein, nachdem er mich mit jedem Satz mehr und mehr aufgebaut hatte. Oder zumindest stützte.

Man konnte nicht sagen, dass der Elezen keine Ahnung hatte oder im Unrecht lag. Ich hatte schon vieles erreicht bis hierher. Ich habe Menschen verloren, aber mindestens doppelt so viele konnte ich retten. Und wenigstens das war mir ein Trost gewesen.

„Morgen geht es früh los. Du solltest nicht mehr so lange machen; auch, wenn du bereits ein Weilchen geschlafen hast“, Haurchefant riss mich aus meinen Gedanken heraus und als ich aufblickte, stand der große Mann im Kettenhemd bereits an der Tür zum Ausgang. Ich nickte ihm als Zeichen meiner Bestätigung noch zu, bevor er dann mit einem Lächeln auf den Lippen durch die schwere Holztür verschwand. Somit ließ Haurchefant noch einmal eine angenehme frische Luft in den Raum.

Mit einem Schmunzeln und einem leichten Ausatmen nahm ich die Frische in mich auf, bevor ich damit begann das Geschirr so leise wie möglich wegzustellen, um die schlafende Tataru nicht zu wecken, bevor ich dann noch ein wenig Holz für die Nacht nachlegte und schlussendlich in meinem Mietszimmer verschwand.

Vorsichtig zündete ich die Kerze an, welche sich auf meinem Nachttisch befand, damit der Raum zumindest nicht komplett in der Dunkelheit verschwand. Erst danach wandte ich mich aus meiner Rüstung heraus und atmete tief auf. Ich hatte die ganzen letzten Tage in diesen schweren Klamotten geschlafen. Umso mehr freute sich mein zierlicher Körper über die erlangte Freiheit.

Mit dem Kopf in den Händen vergraben, ließ ich mich rücklings auf das weiße Bett fallen. Mein Schädel pochte ordentlich; die Kopfschmerzen waren eben noch nicht ganz von Dannen gezogen. Aber mit einer ordentlichen Mütze Schlaf würde das schon was werden. Hoffte ich zumindest. Deshalb kuschelte ich mich auch mit der Erwartung ins Bett, dass am nächsten Tag, um diese Uhrzeit, alles schon wieder etwas besser aussehen würde.


Ich war es nie wirklich gewohnt gewesen, von Hühnern oder anderes gleichen Vögeln geweckt zu werden. Allerdings fehlte mir schon das Gezwitscher, welches mich die ganzen letzten Jahre in Gridania und dem Nordwald begrüßte, wo ich mein Zelt seit meiner Ankunft hier aufgeschlagen hatte. Hier aber sang nichts. In dieser Kältewüste, die kaum einem Tier wirklich ein Zuhause schenkte. Insgeheim hoffte ich, dass es in Ishgard anders war. Nicht ganz so zugeschneit, wie in Camp Drachenkopf.

Angezogen und beinahe abfahrbereit verließ ich wohl vorerst das letzte Mal dieses Zimmerchen und stieß im Vorraum auf eine aufgeregte Tataru und einen verzweifelnden Alphinaud.

„So früh am Morgen und schon so munter“, grinste ich in die Runde und die Aufregung um mich herum kam sofort zum erliegen, als ich nach meinem Bogen griff.

„Haurchefant ist schon vorgegangen. Er sagte, jemand würde in Ishagrd auf uns warten“, lenkte Alphinaud sofort zum Thema des heutigen Tages und ich konnte nicht anders, als ein kleines Lächeln über meine Lippen huschen zu lassen.

„Dann lasst uns doch endlich los! Nicht, dass der liebe Haurchefant noch lange auf uns warten muss!“, Tatarus Art hatte mir in meiner langen Abwesenheit gefehlt. Sie hielt einen damit immer auf Trab, meinte es im gleichen Augenblick jedoch nie böse. Abgesehen davon, war es immer gut jemanden dabei zu haben, der kleine Anschubser verteilte, damit es auch ja voran ging.

Gemeinsam packten wir also unsere sieben Sachen zusammen. Zum Schluss schwang ich mir noch meinen geliebten Bogen auf die Schulter und schloss dann hinter uns dreien die Tür, damit wir uns in dem kleinen Schneeriesel auf die Socken machen konnten.

In Camp Drachenkopf herrschte die allgemeine Arbeitsmoral. Ständige sprintete jemand von A nach B und es gab niemanden, der nicht hart schuftete. Dagegen fühlte ich mich direkt nutzlos und es tauchte ein Drang in mir auf, schnell etwas zu unternehmen. Alphinauds und Tatarus schnelle Schritte aber hielten mich davon ab, mich in Arbeit zu stürzen. Dabei hatten beide sogar noch kürzere Beine als mein zierlicher Au’Ra Körper.
Zum Glück für uns alle, war es nicht all zu weit zum Tor des Urteils. Es lag nur etwas weiter außen vom Camp Drachenkopf, was uns allen sehr gelegen kam. Niemand von uns war wirklich ausgerüstet gewesen, um durch ein Eisgebiet zu wandern. Kein Wunder, dass wir zu guter Letzt trotzdem mit zitternden Leiben am großen Eisentor Einzug hielten. Alphinaud suchte schon von weitem nach der geeigneten Kontaktperson, die uns in Haurchefants Auftrag nach Ishagard hindurch lassen sollte. Letzten Endes gerieten wir an einen Tempelritter der gerade seine Wache ausübte.

Noch bevor Alphinaud das Wort ergreifen konnte, tat es der Ritter selbst: „Ihr seid sicherlich die Freunde von Sir Haurchefant, ist das korrekt?“

Sofort kreuzten sich unser aller Blicke und für einen Augenblick tat sich eine unangenehme Stille zwischen den Anwesenden auf. War es wirklich so offensichtlich gewesen, dass wir von weit weit weg hier gelandet waren? Bei genauerem Betrachten unserer Gruppe, war es allerdings tatsächlich nicht sonderlich abwegig gewesen, dass Einheimische so reagierten.

Alphinaud nickte mit einem leicht verpeilten Blick in den Augen hängend und mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen ließ der Tempelritter das Tor für uns öffnen und eine lange Brücke zu den Toren Ishgards wurde uns eröffnet. Zusammen mit Tataru zu meiner Linken und Alphinaud zu meiner Rechten schritten wir durch das Tor des Urteils über eine lange Schlucht hinweg. Um uns herum die Wolken, unter uns eine Tiefe ohne Boden. Ein weiterer Schritt gen neues Abenteuer wurde getan, was wir bis zu jenem Zeitpunkt allerdings noch lange nicht wussten.

In Ishgard begrüßten uns die Fundamente als erstes. Eine Stadt, in der der Drachenkrieg unleugbar war. Das Holz zerfiel in die Einzelteile; eingestürzte Häuser und Wände überall.
Der große Ätheryt begrüßte uns in der neuen Stadt. Strammen Schrittes ging ich auf den leuchtenden Kristall zu und verband mich mit ihm, um immer wieder hier her finden zu können. Ich hatte meinen Arm kaum wieder herunter genommen, da zog Alphinaud an dem Hemd meiner Rüstung.

„Ob das der Mann ist, den Haurchefant zu uns schicken wollte?“, ich folgte Alphinauds durchdringlichen Blick etwas weiter weg vom Ätheryten und entdeckte einen gut bekleideten Mann. Er hob sich deutlich von den Menschen in der Umgebung ab. Seine Kleidung schien aus Samt oder Seide zu sein, so, wie diese in ihrem dunklen Rot glänzte. Ich nickte nur schwach und ging voran; Alphinaud und Tataru folgten mir auf Schritt und Tritt. Er bemerkte uns bereits, bevor wir vor ihm zum stehen kamen.

„Miss Eoliria?“ Hörte ich ihn bereits sagen, da kam ich noch nicht einmal richtig zum stehen. Dennoch hatte ich ihn verstanden und nickte dem fremden Mann selbstsicher zu.

„Ja. Wir gehören zur Haurchefant“, stellte ich noch ein Mal fest, um herauszufinden, ob der Herr auch wirklich wegen uns an dieser Stelle aufzufinden gewesen war.

„Sir Haurchefant hat mich gebeten, Sie hier abzuholen. Ich bin der Sekretär der Fortemps“, stellte der ältere Herr sich nun endlich vor und meine Skepsis ihm gegenüber sank, „wenn Sie mir nun folgen würden? Sir Haurchefant wartet bereits auf Ihre Ankunft.“

Ich drehte mich noch einmal kurz über die Schulter zu Alphinaud und Tataru, und holte mir von den beiden ein einverstandenes Nicken ab, bevor ich dem Fortempsdiener meine Zusicherung zusprach und der Herr uns in einen anderen Teil der Stadt führte. Von den armen Fundamenten ging es in den wohlhabenderen Teil der Stadt; das Strebewerk. Der Übergang beider Stadtteile fühlte sich an, wie ein harter Schnitt, denn die dunklen, kalten, vom Krieg gezeichneten Fundamente verwandelten sich plötzlich in eine wunderschöne, saubere glanzvolle Stadt und ich bemerkte sofort, in welch einer Welt ich mich hier befand. Die Schwere zwischen Arm und Reich stand sperrangelweit offen; die Politik in diesem Staat hatte zu Kämpfen. Nicht nur mit den Drachen.

Viele Treppen trugen mich und Miene Gefährten zu schönen hellen Häusern hinab. Vor jedem Eingang mindestens eine Wache. Auf den Schildern derer verschiedene Symbole.

Von weitem erkannte ich schon Haurchefant mit seinen außergewöhnlichen Haaren vor der Tür eines der Häuser stehen und lächelte, als unsere Gruppe vor dem großen Eleven stehen blieb. Der Sekretär sagte nichts mehr; übergab uns lediglich wieder zurück in Haurchefants Hände.

„Schön, dass ihr es unbeschadet und in einem Stück hier her geschafft habt. Kommt doch gerne rein, mein Vater erwartet euch bereits“, hieß Haurchefant uns in Ishgard willkommen und nahm uns mit in das Hause Fortemps.

Dieses Haus trotzte vor Wohlstand. Noch nie war mir eine Stadt untergekommen, die solch großen Problemen gegenüber stand, wie Ishgard es tat. Nicht einmal Gridania oder Limsa und auch nicht Ul’dah hatten solch einen großen Riss zu flicken. Nicht in der Gegenwart, nicht in der Vergangenheit und auch nicht mehr in der Zukunft.

Haurchefant stemmte eine große Flügeltür auf und führte uns in ein geräumiges Wohnzimmer. Alphinaud, Tataru und ich wurden von der Wärme eines schönen Feuers begrüßt und am liebsten hätte ich nach dieser chaotischen Reise erst einmal Siesta auf dem Samtsofa gemacht, welches in der Mitte des Raumes stand. Daran durfte ich im Moment aber nicht einmal denken.

„Vater, ich habe unsere Gäste mitgebracht. Darf ich dir vorstellen Alphinaud Leveilleur, die Sekretärin des Bundes der Morgenröte - Tataru Taru und die Heldin Eorzeas; Shaia Eoliria“, Haurchefant drehte sich mit einem vielversprechenden Gesichtsausdruck zu mir und ich lächelte ihm entgegen. Haurchefant schien mehr von mir zu halten, als ich anfänglich geglaubt hatte.

„Willkommen im Hause Fortemps. Einem der Lords - Häuser von Ishgard“, hieß uns Haurchefants Vater herzlichst willkommen und kam näher auf uns zu, bevor er seine Ansprache fortfuhr,“ es freut mich, dass ich den Helden aus Eorzea behilflich sein kann.“

Der Herr des Hauses kam unserer Gruppe ein wenig näher; auf seinem Mund ein freundliches Lächeln abgebildet: „Ich bin Edmont Fortemps und diese beiden Burschen dort hinten sind meine beiden Söhne. Emanellain und Atoirel. Und meinen dritten Sohn kennt ihr ja bereits; Haurchefant.“

Ich folgte Sir Fortemps Handbewegungen und musterte seine beiden anderen Söhne innigst. Sie schienen sich wenig für uns zu interessieren. Beide wichen nicht aus ihrem Gespräch zurück; hörten uns nicht einmal zu. Deshalb wandte ich meinen Blick auch schnell von den beiden Elezen mit den dunklen Haaren ab und schaute zu Haurchefant, der neben mir stand. Ich sah an ihm hoch. Wirklich ins Gesicht schauen konnte ich ihm nicht. Meine Blicke tasteten lediglich seinen Rücken, seine Schulter und die äußersten Bereiche seines Gesichtes ab. Ich fragte mich, wieso Haurchefant einen anderen Nachnamen, wie seinen Vater besaß. Es machte mich stutzig; oder vielmehr neugierig und am liebsten hätte ich nachgefragt. Andernfalls war ich hier nur Gast und auf diesen Unterschlupf angewiesen; weshalb ich über dieses Thema erstmal hinwegschwieg.

„Herr Fortemps, stellt es wirklich kein Problem dar, wenn sie Flüchtlingen Unterschlupf gewähren? Seit Jahren sind nie Reisende, gar Fremde, hier her gekommen.. was werden die Einheimischen davon halten?“, so, wie Alphinaud war, musste er hunderprozentig wissen, ob es wirklich okay war, dass wir die nächste Zeit hier unterkommen konnten. Immerhin war Alphinauds Frage nicht abwegig. Mir waren die Fragenden Blicke der Einheimischen Leute nicht entgangen. Wir waren aufgefallen und vermutlich wussten bereits die obersten Staatsleute von unserem eintreffen.

„Bitte, macht euch darüber keine Gedanken. Die Ishgarder werden sich mit der Zeit an euch gewöhnen. Da bin ich mir sicher!“

Vorsichtig platzierte ich meine Hand auf Alphinauds Schulter. Er reagierte mit einem Blick über seine Schulter hinweg, woraufhin ich ihm nur ins Gesicht schmunzeln konnte. Er sollte sich keine Sorgen darüber machen, was die anderen Leute dachten. Bei Edmont Fortemps ehrlichen Worten war ich mir sicher, dass die Fortemps sich die Situation genauestens überlegt hatten. Das Haupt dieses Hauses wüsste schon, was zu tun war und ob und wie wir hier verweilen dürften. Deshalb war ich frohen Mutes. Und vor allem dankbar, dass wir Hilfe bekamen, die uns gerade recht ereilte - denn unsere Kollegen und vor allem Freunde waren weiterhin vom Erdboden verschwunden.
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