Der Eine, der nicht wollte

CrossoverHumor, Romanze / P16 Slash
Lucifer Morningstar Mazikeen
24.07.2019
16.09.2020
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16.09.2020 2.445
 
„Ich kann nicht glauben, dass du ihn einfach so davonkommen lässt!“, fuhr ich auf, sobald wir die Kabine, die nun unser schäbiges Zuhause auf Zeit sein sollte, betreten hatten. „Er hat dich betrogen und dir alles genommen, was dir wichtig war! Ich meine, du warst nicht mehr als ein Häufchen Elend, als wir uns getroffen hatten. Allein dafür hat er schon eine mächtige Abreibung verdient, egal, ob er es nun schon getan hat oder nicht. Weißt du was, wenn ich mit ihm fertig bin, dann wird er sich das sicher zwei Mal überlegen und du kannst deinem Leben weiter in Ruhe nachgehen.“

Mike stand nur da, mit verschränkten Armen und an der Tür lehnend, und schien zu warten, bis mein Ausbruch vorbei war. Dann seufzte er und brachte genau auf den Punkt, was ich vergessen hatte: „Und wir beide hätten uns nie getroffen.“

„Oh“, machte ich und sah betroffen zu ihm auf. Er zuckte nur mit den Schultern, stieß sich dann von der Tür ab und kam zu mir zum Bett. Ich nahm an, dass er sich zu mir legen würde und breitete die Arme aus, aber stattdessen trat Mike mit einer dynamische Bewegung auf die Bettkante, fasste den oberen Rand des doppelstöckigen Bettes und schwang sich nach oben. Das Lattenrost über mir knarrte verdächtig, als er sich auf die Matratze fallen ließ, was mich aufspringen und ihn skeptisch mustern ließ. „Was wird das?“

„Ich will schlafen“, beantwortete Mike die Frage grummelnd. „Du hast mich erst vor ein paar Stunden in die Wüste geschickt, mich dann durch ein Loch in die Zeit geworfen, wir wären fast ertrunken – Nein, ich wäre fast ertrunken, du bist ja unsterblich! Und jetzt muss ich mich damit anfreunden, dass der Mann, der wie ein Vater zu mir war mich betrogen hat und der Mann, den ich liebe, will ihn töten. Und der andere ist auch hier und er ist … Ach lassen wir das! Also, bitte: Lass mich schlafen!“

Mit einem Grinsen beobachtete ich Mike, der mich schmollend anblickte, sich dann fluchend von mir wegdrehte und mir nun noch sein schönes Hinterteil zeigte.

„Wir diskutieren noch“, teilte ich ihm mit. „Außerdem hast du gerade gesagt, dass du mich liebst.“ Diese Worte von ihm gehört zu haben ließen mich noch um einiges breiter Grinsen und vor allem den miesen Verräter vergessen. Vielmehr riefen sie mir in Erinnerung, dass Mike und ich nicht mehr so viel Zeit zusammen hatten und diese wollte ich gerne sinnvoll nutzen.

„Du hältst einen Monolog“, brummte Mike. „Ich hingegen versuche seit Minuten zu schlafen.“

„Okay, schon verstanden“, teilte ich ihm mit und griff wie er zuvor den Rand des oberen Bettgestells. Ich entschied mich dann jedoch dazu, dass da oben viel zu wenig Platz war und drückte Mike auffordernd die flachen Hände in den Rücken.

„Was soll das?“, blökte er demonstrierend. Obwohl das ja vollkommen klar war!

„Rutsch rüber, ich will mit hoch!“

„Warum?“, seufzte Mike. „Da unten ist noch ein Bett!“ Ich versuchte ihn weiter zur Wand zu schieben, aber wie ich pikiert feststellte, machte Mike sich extra schwer. Mit meinen Kräften hätte ich ihn sicher mühelos wegschieben können, jedoch machte ich mir auch Sorgen, dass ich ihn aus versehen durch die Stahlwand ins Meer schoss. Dann wäre meine Unsterblichkeit wohl nichts mehr, dass mich vor Mikes Rache hätte retten können.

„Das wäre mir ja auch lieber, aber du bist ja hier hoch gegangen!“ Seufzend kletterte ich auf die obere Etage, was Mike mit einem Murren quittierte. Aber er war selbst schuld, dass ich halb über ihm lag und auch ein paar Mal schmerzhaft auf seinen Beinen kniete! Er wollte ja nicht zur Seite rücken, dabei hätten nur ein paar Zentimeter gereicht.

„Aua! Lucifer, jetzt warte doch mal. Ich ...“ Umständlich bewegte Mike sich unter mir weg, wobei er mich fast vom Bett gestoßen hätte und rutschte näher zur Wand. „Zufrieden?“

„So ziemlich. Dann können wir jetzt anfangen.“

„Anfangen?“, echote Mike verwirrt.

„Der Versöhnungssex. Wir haben gestritten und der Sex danach soll der Beste sein.“

Perplex und mit offenem Mund starrte Mike mich an. Ich beschloss mich vorsichtshalber am Bett festzuhalten, da ich gerade irgendwie mit allem bei ihm rechnete. Aber wie ich feststellen sollte, würde er mich nicht enttäuschen. Sein Blick glitt analytisch über meinen Körper und ich wusste ganz genau, was das bedeutete. Diese Nacht würde keiner von uns schlafen.

„Was hast du dann noch deine Klamotten an?“, fragte Mike mit solch einer rauen Stimme, dass mir heiß und kalt wurde. So schnell ich konnte entledigte ich mich des störenden Stoffes und erfüllte Mikes Wunsch. Ich sehnte mich bereits nach seinen Lippen und den hungrigen Küssen, als er sich einfach umdrehte und mir erneut die kalte Schulter zeigte.

„Hey ...“, protestierte ich. Dann hörte ich ihn jedoch kichern und wie ich zufrieden feststellte, zog er sich zeitgleich die Hosen runter.

„Du darfst das große Löffelchen sein. Bis ich einschlafe, dann ist Feierabend!“


Mike hatte deutlich bessere Laune, als wir am nächsten Morgen auf dem Weg in den Salon waren. Der Versöhnungssex hatte eindeutig Wunder gewirkt, jedoch auch nur, bis wir die Kabine verließen und ich mich des unangenehmen Gefühls nicht verwehren konnte, dass wir beobachtet wurden. Irritiert drehte ich mich immer wieder um, aber jedes Mal wenn ich glaubte etwas zu sehen, huschte es aus meinem Blickfeld, bevor ich es genau in Augenschein nehmen konnte.

„Was ist los?“, fragte Mike, dem das mittlerweile aufgefallen war. Ich warf ihm einen beschwörenden Blick zu und brachte ihn mit einem „Psst!“ zum Schweigen, jedoch brachte mir Mikes Aktion auch einen entscheidenden Vorteil ein: Unser Verfolger fühlte sich zu sicher, als dass er länger auf seine Deckung achtete.

„Hab ich dich!“, rief ich triumphierend aus, als ich herumfuhr und den gemeinen Wicht an seinem Arm aus dem Schatten zog. Es zappelte und strampelte nur so, aber dennoch lockerte ich den Griff nicht.

„Lucifer! Lass ihn lo-“ Es muss Mikes Ruf gewesen sein, der mich einen Moment unachtsam sein ließ. Anders konnte ich mir es nicht erklären, dass ich plötzlich den Boden unter den Füßen verlor und in einer grotesken Bewegung über der Schulter meines „Angreifers“ hinweg segelte. Dieser jemand musste dennoch ein wahrhaftiger Riese sein, wenn er es schaffte mich im Zweikampf so zu überrumpeln.

„Mich könnt ihr nicht täuschen!“, ertönte eine viel zu junge und helle Stimme, für so einen Furcht einflößenden Kämpfer. „Ich weiß nicht, wie ihr es gemacht habt Nemo und meinen Vater um den Finger zu wickeln, aber ich werde euch im Augen behalten! Darauf könnt ihr euch verlassen!“

Blinzelnd rappelte ich mich auf und starrte auf die Person, die es geschafft hatte den Teufel von den Füßen zu fegen. Mein Lachen war eine Mischung aus Unglauben, Belustigung und auch … Scham. Das da vor mir, war nicht mehr als ein Dreikäsehoch. Ich konnte schwer einschätzen wie alt der Junge war, aber sicherlich hatte er die Zehn noch nicht überschritten. Er war also einer der Menschen, die ich tunlichst mied. Kinder waren einfach … Kreaturen. Kreaturen, die gut dazu geeignet waren in der Hölle alleinstehende Millionären zu quälen, die lieber ihre Ruhe wollten.

Wie es schien, war ich auf dieses Konzept jetzt selbst hereingefallen. Viel verletzender war aber, dass Mike nur dastand und wie ein Irrer zu kichern begann.

„Er hat mich noch nie enttäuscht“, erklärte er, als ich ihn böse anstarrte. Ich seufzte, richtete mich auf und strich meinen zerknitterten Anzug glatt.

„Und mit wem hab ich das Vergnügen, wenn ich fragen darf?“

Der Junge maß mich mit einem Gesichtsausdruck, als hätte allein die Frage ihn beleidigt. Dann straffte er seine Gestalt und schaffte es, sich dadurch etwa 1,75 Zentimeter größer erscheinen zu lassen. Stolz reckte er sein Kinn in die Luft, während seine Augen vor Selbstsicherheit nur so funkelten. „Ich bin Ghunda Singh, der Leibwächter des Prinzen!“

„Der Leibwächter des ...“ Wieder entfuhr mir ein Lachen, dann drehte ich mich langsam zu Mike um und deutet auf vorpubertären Zwerg vor mir. „Das ist er? Du weißt schon, der ...“ Ich konnte es kaum glauben, vor mir stand der zukünftige Lover meines Lovers, wegen dem er sich monatelang die Augen ausgeheult hatte, bevor ich ihn wieder auf andere Gedanken bringen konnte. Derjenige, wegen dem alle meine Avancen beinahe ins Leere gelaufen wären. Alles wegen einem Dreikäsehoch? Kopfschütteln packte ich Mike an seinen Schultern und zog ihn in eine ruhige Ecke. „Du hast mir nicht gesagt, dass er so jung ist.“

„Wir sind ja auch in der falschen Zeit gelandet!“, zischte Mike mir zu. „Und wir sollten uns nicht noch mehr verdächtig verhalten. Du weißt, was mein Vater … was Nemo gesagt hat: Wir dürfen keinem mehr verraten, wer wir sind. Singh darf nicht wissen, wer ich bin, aber wenn wir ihm weiter einen Grund zum Misstrauen geben, dann wird er es schnell herausfinden.“

Lächelnd drehte ich den Kopf und musterte den Jungen, der uns nach wie vor nicht aus den Augen ließ und glaubte Mike sofort. Ich erkannte einen Bluthund, wenn ich ihn sah und dieser dort tarnte sich eindeutig nur als Kind.

Ghundas Mundwinkel verzogen sich zu einem humorlosen Lächeln, während er auf seine Augen deutete und dann auf mich zeigte. „Ich hab euch im Auge!“, raunte er und lief so an uns vorbei, dass er gegen mich stieß.

„Warum hab ich das Gefühl, dass er es nur auf mich abgesehen hat?“, fragte ich, nachdem das gruselige Kind außer Hörweite war. Mike zuckte mit seinen Schultern, begann dann aber breit zu grinsen.

„Vermutlich hat er seinen Konkurrenten in dir erkannt.“ Damit gab er mir einen schnellen Kuss und drehte sich um, nicht ohne mir vorher einen Klaps auf den Po zu geben. Langsam fragte ich mich wirklich, ob er zu viel Zeit mit mir verbracht hatte. „Kommst du, Lucifer? Ich hab hunger!“


Mahlzeiten schienen hier einer ungeschrieben Regel zu folgen: Sie waren höchst unangenehm. Während Mike, Nemo und die reizende Sophie in einem belanglosen Gespräch versunken waren, starrten die drei weiteren Augenpaare ungeniert in meine Richtung. In Trautmans Augen erkannte ich deutlich die Furcht darin – natürlich, die Furcht mir gegenüber – und in den Blicken der beiden Singhs war pures Misstrauen zu sehen – in diesem Fall auch nur gegen mich.

Besteck klirrte zögerlich, bis es schließlich Trautman war, der seines als erster sinken ließ und sich mit einer fadenscheinigen Ausrede aus dem Salon stahl. Blieben noch Singh Eins und dessen gruselige Miniversion, die mit Baby-Mike auf einer kuschelig anmutenden Spieldecke hockte. Amrit Singh hielt sein Messer in einer verdächtigen Position, die es ihm aber unmöglich machen sollte, das vor ihm befindliche Brot zu schmieren, wohl aber, es mir in die Hand zu rammen, wenn ihm danach war.

„Das wird nicht funktionieren“, teilte ich ihm daher mit, bevor er seine kostbare Zeit mit Experimenten verschwenden würde. „Wegen der Sache mit der Unsterblichkeit und so.“ Ein Grinsen, das nicht lustig gemeint war und dass ich heute schon einmal gesehen hatte, schlich sich auf sein Gesicht. Dann ließ er das Messer geschickt um seine Hand kreisen, bis er es in einer andern Position wieder fest hielt. Die Botschaft an mich war klar: Der Mann konnte mit Messern umgehen, aber das änderte allerdings weiterhin nichts daran, dass ich unfähig zum Bluten war.

Nun wusste ich aber zumindest woher der kleine Singh seinen bitterernsten Gesichtsausdruck her hatte. In dieser Familie wurde anscheinend nicht gelacht und sie spielten nur zu gerne mit scharfen Gegenständen. Langsam war ich traurig darüber, dass ich Maze nicht mitgenommen hatte. Ihr hätte das sicherlich gefallen. Da kam mir eine weiter Idee: Waren die beiden vielleicht Dämonen?

Kritisch beäugte ich Ghunda, der sich mittlerweile vollends dem ahnungslosen Baby zugewandt hatte und es dabei beobachtete, wie es sich frustriert nach einem zu weit entfernten Spielzeug streckte. Nachdem es dieses nicht erreichen konnte, griff es sich wütend ein anderes und warf es dem älteren Jungen an den Kopf.

„Ha! Einige Dinge verändern sich nie!“, lachte ich auf. „Sei froh, dass es keine Flasche Tequila war.“

Ghunda sah nur kurz zu mir auf. Seine Augenbrauen kringelten sich fragend, dann schien er aber beschlossen zu haben, dass ich seiner Aufmerksamkeit nicht würdig war. Stattdessen langte er nach dem Stoffwürfel, den Mini-Mike vor einigen Minuten haben wollte und drehte ihn abschätzend nach allen Seiten. Was suchte er da eigentlich? Messer? Eine versteckte Sprengfalle?

Nachdem das Spielzeug anscheinend seinen Ansprüchen genügte, gab er es dem Baby, das sofort vergnügt quiekte, in die kleinen speckigen Hände.

Aber auch Mini-Mike sollte mich nicht enttäuschen: Er begnügte sich nur kurz damit, dass Stoffding zu schütteln und beschloss dann auch dieses Ghunda an den Kopf zu werfen. Nun wusste ich, dass Dinge werfen ein elementarer Grundstein von Mikes Persönlichkeit war. Vielleicht hatte es sogar eine tiefer Bedeutung?

Das Baby brach in ein quietschendes Lachen aus, aber gegen meine Erwartungen wurde Ghunda nicht wütend – im Gegenteil: Er schien das toll zu finden! Jetzt war mir einiges klar. Mike liebte es innerlich andere zu quälen, in dem er ihre liebsten Dinge gegen sie einsetzte und Ghunda war ein verdammter Masochist.

Oh Moment, die tiefsten Wünsche gegen andere einsetzen? Das hatte ich schon mal gehört und wenn ich es genau betrachtete, war es genau die Sache, die ich gerne tat! Ich hatte mich in mich selbst verliebt!

Entsetzt starrte ich Mike an, der mir völlig entgeistert entgegenblickte. „Alles in Ordnung, Lucifer?“

„Ich hab eine Frage“, flüsterte ich ihm zu. „Hat … mein Vater dich gemacht? Ich meine, anscheinenden wollte er eine neue Version von mir erschaffen.“ Ich lachte, aber der Gedanke dahinter erschreckte mich eher. Wollte mein Vater mich nun ersetzen? Und dann verliebte ich mich auch noch genau in meine Kopie?

„Was auch immer da oben wieder vorgeht“, sagte Mike ernst und tippte mir gegen die Stirn. „Die Antwort ist nein.“

„Und wie erklärst du dir das da?“ Ich hatte die Stimme noch weiter gesenkt und deutete auf Mini-Mike und seinen Aufpasser. „Er liebt es offensichtlich gequält zu werden und du erkennst es sofort und reagierst so, wie es ein Teufel tun würde. Er scheint dir hörig zu sein, obwohl du noch ein kleiner Knirps bist, als er selbst.“ Geschlagen seufzte ich, als ich Mikes entschiedenem Blick begegnet. „In Ordnung, du bist anscheinend doch kein Lucifer 2.0.“ Ich stockte und beobachtete die beiden auf der Decke wieder. „Aber weißt du was mich irritiert?“ Mit tausend Fragezeichen in den Augen beugte Mike sich zu mir, bis ich ihm ins Ohr flüstern konnte. „Mir wird etwas übel, wenn ich daran denke, dass die beiden in gut achtzehn Jahren Sex haben werden.“

Mike ließ entgeistert das Besteck sinken, starrte dann in die gleiche Richtung wie ich und wurde etwas blass. „Am besten wir denken nicht weiter darüber nach, solange wir hier sind. Sonst muss ich mich trennen sobald ich Zuhause bin und ich weiß nicht, wie ich ihm das erklären soll.“
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