Kein Entkommen Mehr

MitmachgeschichteAllgemein / P18 Slash
24.07.2019
14.09.2019
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„Dann sollten wir es wohl hinter uns bringen“, murmelte Shiori und schluckte leicht. „Einen Moment“, hielt Warabi sie zurück. Die Grünhaarige trat vor die Gruppe und hob mahnend einen Zeigefinger, während sie mit ungewohnt ernster Miene den Blick über die Versammelten wandern ließ.
„Unsere oberste Priorität in diesem Spiel“, begann sie langsam, „ist Vertrauen. Und das kann einfach nicht vollständig gedeihen, wenn irgendwelche Killer-Karten verteilt werden. Also…jeder sollte seine besser abgeben, wenn er kein Unheil auf sich ziehen will.“
Mit blassem Gesicht reichte Shiori ihr eine Visitenkarte, sichtlich froh, diese nicht länger bei sich zu tragen. Auch Nanako hob mit leicht zitternden Fingern eine Karte. „Ich will kein Unheil auf mich ziehen“, piepste sie. „Und diese Nachricht klingt wirklich nicht nett… Wenn es hier wirklich einen Auftragsmörder gibt, ist das hier ja wirklich gefährlich. Und ich möchte noch nicht sterben. Was ist das hier für ein Spiel…? Wann darf ich wieder nach Hause? Bitte, ich möchte zu meinen Eltern…“
Flehentlich sah sie die anderen an und Zamira legte fragend den Kopf schief. „Was hat man der denn ins Frühstück gemischt?“ „Ich glaube, sie leidet an einer Art Amnesie“, meinte Vika mit bitterer Miene. „Sie war schon so, als ich sie gefunden habe.“
In diesem Moment verdunkelte sich Ikutos Miene, als wäre ihm eine plötzliche Erkenntnis gekommen und er knüllte die Visitenkarte in seiner Hand zusammen. „OH MEIN GOTT“, brüllte er los und Nanako versteckte sich erschrocken hinter Yuu. „DAS HEISST JA, DASS HIER EIN MÖRDER IST! DAS IST JA GRUSELIG! DEN BRINGE ICH UM!“
„Aber dafür müsstest du ja herausfinden, wer es ist“, warf Lykra ein und Vika verschränkte die Arme. „Das war einer der Männer for sure. Die sind doch eh alle irre.“
Manu riss die Augen auf und wedelte abwehrend mit den Händen, Yataro hob leicht die Augenbrauen, während er einen neuen Kaugummi von der einen in die andere Wange schob, und Yuu lächelte unbeirrt freundlich. Teshi sah seufzend auf seine Hände herab. „Natürlich werde ich verdächtigt…“  
„Ich muss doch stark hoffen, dass das nicht für mich gilt.“ Sengars zerstörtes  Gesicht verzog sich zu einer empörten Miene. „Diese Karten sind schon unhöflich genug. Hat der werte Herr 'Ultimativer' Auftragsmörder denn nichts über Kundenorientierung gelernt? Wie soll ich ihn bitte jemals kontaktieren, ohne dass mir eine andere Person dabei helfen muss den Zettel auszufüllen? Offensichtlich hat da jemand seine Zielgruppe nicht besonders gut studiert und dabei ist diese nun wirklich alles andere als groß. Wenn jemand mir ein Angebot machen will, muss er schon direkt auf mich zukommen.“ Mit einem enttäuschten Seufzen schüttelte er den Kopf und Daiba schnalzte leicht mit der Zunge. „Tut mir leid, da werde ich mir nächstes Mal wohl mehr Mühe geben müssen.“
Einen Moment lang herrschte Stille.
Dann schlug Shiori erschrocken die Hände vor den Mund, Zamira schüttelte belustigt den Kopf und Ikuto hob brüllend seine Mistgabel, um sich auf Daiba zu stürzen. Annie war allerdings schneller, noch bevor Ikuto angreifen konnte, war sie Daiba fröhlich um den Hals gefallen, und der Bauer hielt verwirrt inne. „Du hast diese netten Karten geschrieben?“, fragte Annie und strahlte zu dem Taucher hoch. „Schön, dass wir dich endlich richtig kennenlernen!“
Seufzend schob Daiba das Mädchen weg. „Das war ein Scherz gewesen“, stellte er ruhig klar. „Wer auch immer dieser Auftragsmörder ist, wird das bestimmt nicht einfach zugeben.“ „Oh…“ Ikuto ließ die Mistgabel sinken und lachte verlegen. „Du warst aber sehr überzeugend!“
Raster eilte zu ihm und hielt einen Zettel so hoch, dass ihn alle lesen konnten. Das ist nicht lustig! Ihr dürft gar nicht erst daran denken, diesem Auftragsmörder einen Auftrag zu geben, wir müssen alle zusammenhalten!
„Hey, kein Grund auszurastern“, meinte Zamira lässig. „Der Mörder will doch, dass wir mit unserem Namen unterschreiben und wer ist schon so dumm und macht das? Wahrscheinlich will der Kartenschreiber damit doch nur die enttarnen, die andere tot sehen wollen. Und selbst wenn er es ernst meint, solange niemand einen Auftrag gibt, passiert auch nichts.“
„Ja, bestimmt war das sowieso nur ein lustiger Scherz“, kicherte Annie unbekümmert.
„Ich glaube auch nicht, dass jemand so etwas tun würde.“ Warabi faltete die Hände und lächelte wieder so sanft und verträumt wie zuvor. „Ich wollte nur absolut sichergehen, dass niemand auch nur einen dummen Gedanken bekommt.“
„Jetzt haben wir aber genug darüber geredet, oder?“ Lykra war bereits in den Aufzug gestürmt und joggte ungeduldig auf der Stelle. „Wir sollten endlich mit dieser Herausforderung beginnen!“

Wie Kami gesagt hatte, erwarteten sie eine rote, eine gelbe und eine blaue Tür und nachdem die Gruppe sich in die drei Teams aufgeteilt hatte, betraten alle gleichzeitig die Räume.
Enthusiastisch schlug Ikuto die rote Tür auf und überließ seinen Teamkameradinnen den Vortritt in ein gemütliches Lesezimmer. Staunend sahen sich die Spieler zwischen den aneinandergereihten  Bücherregalen um, die fast bis zur Decke hoch reichten. Passend dazu stand in einer Ecke ein gemütlicher Sessel, die große Schirmlampe daneben, sowie das Tischchen mit der Schale voll Holzobst rundeten das Bild ab.
„Okay, Rätsellöser.“ Zamira klatschte auffordernd in die Hände. „Geben wir alle unser bestes!“ „Wir schaffen das!“, rief Annie. „FÜR DAS TEAM!“, fiel Ikuto mit ein und alle drei rissen die Fäuste hoch und jubelten lautstark. Chitaru duckte sich mit einem verärgerten Zischen. „Müsst ihr die ganze Zeit rumschreien?“, fragte sie, aber ihre leise Stimme ging in dem Jubel der anderen unter.
Warabi ließ sich in dem Sessel nieder und drückte das rote Kissen darauf an sich. „Es ist wirklich bezaubernd, dass wir als Gruppe zusammenarbeiten“, seufzte sie zufrieden. „Egal, ob wir Verzweiflung oder Hoffnung oder nichts von beidem repräsentieren, wir können hier entkommen, wenn wir zusammenarbeiten.“
„Ähm, was kann ich denn machen?“, fragte Roze unsicher. „Soll ich vielleicht die Regale etwas entstauben? Das würde doch helfen, oder?“ „Das hilft bestimmt, meine putzige Freundin.“ Lächelnd legte Annie der Älteren einen Arm um die Schulter. „Vielleicht stehen auf den Buchrücken ja geheime Nachrichten! Oder auf den Regalen selbst! Und du könntest sie finden!“  
„Das werde ich machen“, nickte Roze. „Verlasst euch auf mich!“ Während sie sich an die Arbeit machte, verteilten sich die anderen in dem kleinen Raum, um ihn gründlich zu untersuchen.
„Nichts, nichts, nichts uuuuuund...nichts.“ Nacheinander hatte Zamira einen Holzapfel nach dem nächsten aus ihrer Schale genommen und diese anschließend gründlich in Augenschein genommen. „Vielleicht sind sie ja hohl und wir müssen herausfinden, was darin versteckt ist“, überlegte Annie und schüttelte die Äpfel versuchsweise. „Uh! Vorsicht!“, hielt Zamira sie auf. „Vielleicht sind das Vitaminbomben!“ Lachend wandte sie sich wieder ihrer Schale zu, wobei sie mit einem Finger über die Oberfläche fuhr und so auf verborgene Schnitzereien prüfte.
„Ich glaube, darin ist doch nichts versteckt“, stellte Annie enttäuscht fest und Zamira hob einen Daumen. „Besser, als wenn der Wurm drin wäre.“ „Aber vielleicht kann man sie in irgendwelche Löcher stecken!“, schlug Annie vor. „Im Regal zum Beispiel!“
„Ich habe hier keine Löcher bemerkt“, meldete sich Roze zu Wort und sortierte ordentlich ihre Bücher wieder ein. „Aber ich komme nicht an die oberen Regale, die Leiter hier lässt sich nicht bewegen.“
Tatsächlich war die Leiter mit einem Schloss gesichert und nachdem Ikuto ein paar Mal mit der stumpfen Seite seiner Mistgabel darauf eingeschlagen hatte, gab er schulterzuckend auf. „Ich kann dich hochheben!“, schlug er Roze vor, die hastig ablehnte. „Ich kann dir auch helfen“, bot Chitaru an. „Ich kann da hochklettern.“ „Ähm, ich meine das jetzt wirklich nicht böse.“ Roze blinzelte entschuldigend. „Aber lieber nicht. Nicht, dass du noch eines der Regale umschmeißt…“
„Begraben unter Büchern!“ Dramatisch ließ Zamira sich unter den Tisch sinken. „Mit so einem Ende hätte ich wirklich nicht gerechnet.“ „Und was untersuchst du da eigentlich spannendes, meine Ninja-Freundin?“, erkundigte sich Annie neugierig.
Chitaru trat einen Schritt zur Seite, damit die anderen auch die merkwürdige Statue betrachten konnten. Auf einem dicken Sockel standen mehrere Marmor-Bären, die mit ihrer Zweifarbigkeit und dem beunruhigenden Grinsen unverkennbar waren.
„Monokumas“, stellte Warabi mit mildem Schrecken fest. „Sie verdunkeln die Energie hier… Jemand sollte sie aus unserem Wohnzimmer räumen.“ „Ähm, das ist nicht unser Wohnzimmer“, erinnerte Zamira sie.
„Man kann sie anscheinend bewegen“, berichtete Chitaru, zog an einem Hebel und schon bewegte sich einer der Bären ein Stück zur Seite. „Das ist bestimmt ein Rätsel!“, rief Annie. „Wir müssen die Bären richtig anordnen und dann passiert etwas besonderes! Vielleicht werfen sie mit Konfetti! Und auf den Konfettischnipseln stehen dann neue Hinweise! Hurra!“ „KONFETTI!“, freute sich Ikuto. „UND BÄRCHEN! DIESER RAUM IST SO SCHÖN!“  
Chitaru seufzte und rieb sich die Ohren. „Ich probiere es dann mal weiter.“
„Und wir sollten den kuscheligen Sessel untersuchen!“, schlug Annie vor. „Auf, auf, meine ausgestopfte Freundin!“ Überrascht stand Warabi auf. „Hm? Ist etwas mit dem Sessel?“ „Sesselritzen eigenen sich immer gut als Versteck“, verkündete Annie und während die beiden in dem Möbelstück herumtasteten, tauchte Zamira wieder unter dem Tisch auf. „Das stimmt. Sesselritzen sind quasi die Schwarzen Löcher der Wohnzimmer-Universen.“
„Vergesst nicht das Kissen“, riet Chitaru. „Wahrscheinlich müssen wir es irgendwie aufschneiden.“
Im nächsten Moment kam Ikuto schon herbeigeeilt, packte das Kissen und riss es gewaltsam in zwei Teile. Prompt flogen Federn in alle Richtungen. „DAS IST JA WIE DAMALS BEI HENNE KIKU! DIE HATTE DER FUCHS ERWISCHT! DEN MUSSTE ICH PLATT FAHREN!“
„Was für eine Tragödie“, seufzte Warabi und streichelte den Fuchs auf ihrer Schulter.
„Und seht mal, was wir hier haben!“ Triumphierend hob Zamira einen Zettel hoch, der mit den Federn aus dem Kissen gefallen war. „5, 7, 13, 22, 38, 64“, las sie vor. „Und dann ein Fragezeichen.  Okay, finden wir die fehlende Zahl!“ „Wir schaffen das!“, rief Annie fröhlich. „FÜR DAS TEAM!“, brüllte Ikuto zustimmend.
Und alle drei rissen die Fäuste hoch und jubelten lautstark.

Die gelbe Tür öffnete sich zu einem Spielzimmer, das von einem Wald umgeben zu sein schien. Die Wände waren mit den Abbildungen verschiedener Bäume tapeziert, auf dem Boden lag ein dicker Teppich im Waldmuster. Lianen gleich hingen in einer hinteren Ecke des Raums zwei Seile von der Decke herab und Lykra stürzte gleich begeistert auf sie zu. Noch ehe einer ihrer Teamkameraden etwas sagen konnte, hatte sie sich an einem der Seile hochgezogen und schaukelte fröhlich hin und her. „Alles klar, von hier oben habe ich einen ganz guten Blick“, verkündete die junge Frau. „Wie sollen wir vorgehen?“
„Bringt das überhaupt etwas?“, fragte Teshi zweifelnd. Aus einem der Nachbarräume war lautstarker Jubel zu hören und der Braunhaarige nickte, als hätte er das erwartet. „Die anderen scheinen bereits gut voranzukommen. Und wir sind nicht gerade das beste Team für so eine Aufgabe.“
„Es ist mir egal, was ihr macht“, meinte Hazuki entschlossen. „Aber ich gewinne diesen Punkt! Mit Differenz!“ „Ich helfe dir natürlich“, versicherte Vika und auch Raster nickte.  
Nicht besonders überzeugt lehnte Teshi sich gegen einen Billardtisch. „Falls es überhaupt möglich ist hier rauszukommen“, fuhr er mit tonloser Stimme fort. „Seht ihr den umgekippten Stuhl neben den Seilen? Wahrscheinlich hat sich da einer umgebracht, weil er nicht mehr aus dem Raum kam…“
„Am besten suchen wir die Wände ab“, fiel Daiba ihm ins Wort. „Raster, du kannst die beiden übernehmen, ich die anderen zwei. Ihr anderen kümmert euch um den Rest.“ Seine Miene hatte einen konzentrierten Ausdruck angenommen und obwohl seine Stimme nicht anders als sonst klang, beeilten sich die anderen seinen Anweisungen nachzukommen.
Raster tastete die Tapete nach Wölbungen ab, Lykra bemühte sich zur Zimmerdecke hochzukommen, um diese abzutasten, Hazuki blätterte durch die Spielkarten, die auf einem der Tische lagen, Teshi rollte mit resignierter Miene Billardkugeln hin und her und Vika hockte sich neben einen Aktenkoffer, der neben dem umgekippten Stuhl an die Wand gelehnt war. „Er ist verschlossen“, stellte sie fest. „Hier ist ein Schloss.“
„Das könnte ein erstes Rätsel sein“, überlegte Daiba. „Was ist das für ein Schloss?“ „Anscheinend muss man erst einen Buchstaben eingeben“, berichtete die Schwarzhaarige. „Dann eine Zahl, dann einen Buchstaben, dann wieder eine Zahl, dann wieder einen Buchstaben und noch eine Zahl.“
„Hmm.“ Gedankenverloren ließ Daiba den Blick durch den Raum wandern, seinen Inhalator hatte er aus der Tasche geholt und scheinbar ohne es überhaupt wahrzunehmen warf er ihn ein paar Mal hoch, um ihn wieder aufzufangen. „Irgendwo in diesem Raum wird es dafür einen Hinweis geben“, erklärte er. „Steht irgendwo was auf dem Koffer?“
„Auf die Idee wär ich schon selbst gekommen“, grummelte Vika. „Nein.“
„Hazuki, steht irgendetwas auf den Spielkarten?“
„Nein, nur so Zahlen und Muster“, erwiderte die Rothaarige und hielt eine Karo-Sieben hoch.
„Teshi, fällt dir irgendetwas an dem Billardtisch auf?“
„Es gibt keine Stöcke.“ Teshi ließ etwas halbherzig eine Kugel in ein Loch rollen. „Man kann hier nicht mal richtig spielen…“
„Raster, ist dir irgendetwas an der Tapete aufgefallen?“  
Der Musiker schüttelte betrübt den Kopf, kniete sich dann neben den Teppich und hob ihn an einer Ecke hoch, ohne allerdings etwas überraschendes auf dem Boden vorzufinden.
„Dann sollten wir mal in einem dieser Kartons nachsehen.“ Daiba steckte seinen Inhalator wieder weg, ging zu dem Billardtisch herüber und hob diesen soweit an, dass man die unter seinen Füßen liegenden Pappkartons wegziehen konnte. Der erste war leer, der zweite auch, aber in dem dritten befand sich ein Zettel, der aussah, als wäre ein Teil davon abgerissen worden. Ein einziges Wort stand darauf.
„Quercus“, las Daiba vor und runzelte leicht die Stirn. „Weiß jemand was das bedeuten soll?“ Die anderen tauschten nur ratlose Blicke und als aus einem der anderen Räume wieder Jubel aufbrandete, fragte Teshi: „Sollen wir Kami sagen, dass wir aufgeben?“

Passend zu der blauen Tür war auch der restliche Raum in einem ruhigen Hellblau gestrichen. Auffällig fand Shiori die beiden großen Uhren, eine an der linken, eine an der rechten Wand, aber dominierend war die kleine Puppengesellschaft, die zusammen auf dem weichen blauen Teppichboden saß. Im Gegensatz zu Kami waren sie alle eindeutig weiblich, mit hübschen Kleidchen, lockigem Echthaar und bunten Glasaugen.
„Die sind niedlich“, stellte Nanako mit einem seligen Lächeln fest und hob eine der Puppen hoch, um sie an sich zu drücken. „Setz die wieder hin“, wies Shiori sie scharf zurecht und Nanako ließ erschrocken die Puppe fallen. „Tut mir leid“, brachte sie verunsichert hervor. „Sind das deine Puppen? Ich mag es auch nicht immer, wenn jemand einfach meine Sachen anfasst…“
„Schon gut.“ Shiori zwang sich zu einem Lächeln, um das verwirrte Mädchen nicht noch mehr zu ängstigen. „Ich dachte nur, dass wir hier keine Unordnung reinbringen sollten, falls die Sitzordnung der Puppen wichtig ist.“ „Ein sehr guter Gedanke“, lobte Yuu sie lächelnd und legte dann Nanako für einen Moment eine Hand auf die Schulter. „Wir spielen hier ein sehr wichtiges Spiel, weißt du? Ich kann dir alles später erklären, aber zunächst einmal müssen wir uns bemühen aus diesem Raum herauszukommen.“
„Und dafür müssen wir uns beeilen“, meinte Shiori. „Suchen wir nach Hinweisen!“ „Entschuldigung…“ Manus Gesicht war bereits beunruhigend blass, seine schmalen Schultern vor Anspannung angezogen. „Was für Hinweise sollten das sein?“ „Das weiß ich doch auch nicht!“ Gereizt warf Shiori die Hände in die Luft. „Versteckte Zahlen oder Zeichen oder sowas vielleicht.“
„Das schaffen wir schon“, meinte Yuu ruhig und lächelte Manu ermutigend an. „Dann übernehme ich die Puppen“, verkündete dieser und eilte zur der ersten. „Ich denke, es ist in Ordnung, wenn ich ihm helfe, oder?“, überlegte Nanako. „Immerhin können wir zu zweit mehr finden als alleine…“ „Ja, das ist gut“, versicherte Shiori ihr schnell und die beiden setzten sich zwischen die Puppen. Yuu sah sich solange die Uhren an, die linke war eine Digitaluhr, welche 7:15 Uhr anzeigte, die Zeiger der rechten zeigten dagegen 11:45 Uhr an.
Sengar tastete sich vorsichtig mit seinem Stock durch den Raum, während er dem Ticken einer eigenen Uhr lauschte.
Yataro dagegen war bei der Tür stehen geblieben und machte keine Anstalten sich umzusehen, weswegen Shiori entschlossen zu ihm herüberging. „Was tust du da?“, fragte sie gereizt und er erwiderte ungerührt: „Filmen. Könntest du ein paar Schritte zurücktreten? Du bist nicht im Bild.“
„Du kannst nicht einfach nichts machen“, herrschte Shiori ihn an. „Kami hat gesagt, dass es hierbei um Kooperation geht! Also sieh dich gefälligst auch um!“ „Nein, nein, das überlasse ich euch Schauspielern. Ich filme nur.“ „Wenn wir wegen dir Punkte verlieren…“, grollte Shiori und Yataro     meinte ruhig: „Wenn du die ganze Zeit nur mit mir argumentierst, wirst du garantiert keine Hinweise finden.“
Verärgert wandte die Bankerin sich ab und steuerte die nächste Wand an. Ein Scangerät war daran befestigt, daneben ein Glaskasten, in dem eine Schachtel aufbewahrt wurde. Prüfend tastete Shiori den Kasten ab, konnte aber keinen verborgenen Schalter finden, mit dem er sich öffnen ließe. Auch das Scangerät war offenbar nur zu bedienen, wenn man einen vierstelligen Zahlencode eingab. Hier würde sie erst einmal nicht weiterkommen.
An der gegenüberliegenden Wand hing eine Tafel, vor der Yuu und Nanako nun standen. In vier Reihen waren dort Buchstabenplatten angebracht, die für Shiori jedoch keinen Sinn ergaben:
AVZRE
IGULG
NWTTP
HFESO
Während Nanako versuchte die einzelnen Platten von der Tafel zu lösen, kratzte Yuu prüfend über deren Oberflächen und meinte dann: „Ich dachte, dahinter wäre etwas versteckt, aber anscheinend ist das nicht der Fall.“
Bei den Puppen schien es nicht viel besser auszusehen, Manu hielt in einer Hand eine kleine Blondine und in der anderen eine kleine Haarbürste und betrachtete beides mit zunehmend verzweifelter Miene, während Sengar prüfend die Kuchengabel einer weiteren Puppe zum Mund führte, kurz an dem Stück Spielzeugkuchen leckte und schließlich ernst nickte. „Aha. Holzgeschmack.“
Shiori atmete ein paar Mal tief durch, bevor sie sich ebenfalls neben die Puppen kniete. Die Freundin der Kuchenliebhaberin schien durch einen Strohhalm eine Art Kaffee aus einem Becher zu trinken und Shiori tastete den bunten Halm prüfend ab, ohne etwas darin zu finden. Als sie den Becher jedoch anheben und ausschütten wollte, musste sie feststellen, dass er am Boden befestigt war. „Sollen wir das jetzt etwa leer trinken?“, murmelte Shiori und sofort stolperte Manu zu ihr hin. „Ich mache das freiwillig“, erklärte er und begann hastig zu saugen.
„Schmeckt das scheußlich“, brachte er schließlich hervor, sobald der Becher leer war und während Yuu ihn für seinen tapferen Einsatz lobte, warf Yataro ihm einen Kaugummi zu.
Shiori betrachtete solange den Becher und strahlte. „Da steht etwas drauf!“ Nachdem die trübe, braune Flüssigkeit verschwunden war, waren ein paar Buchstaben am Rand des Bechers aufgetaucht. „89.4 MHz“, las Shiori vor. „Das klingt wie eine Radiofrequenz. Haben wir…?“
„Eine der Puppen hat ein Radio“, bestätigte Manu und duckte sich dann wieder nervös. „Aber es funktioniert nicht…“

„Ich wette, mit der Zahl könnte man das Schloss von der Leiter öffnen“, meinte Annie. „Aber das Rätsel ist zu hoch für mich…“ „Kein Problem“, grinste Zamira. „Die Schwierigkeit liegt nur in den ersten Zahlen, ansonsten ist es recht simpel. Man muss immer die nächsten beiden Zahlen addieren und jedes Mal eine höhere Zahl dazunehmen. Also 5 und 7 plus 1 ergeben 13, 7 und 13 plus 2 ergeben 22, 13 und 22 plus 3 ergeben 38 und immer so weiter. Die Lösung des Rätsels ist damit…“
„107“, entgegnete Warabi und lächelte zufrieden. „Das war wirklich bemerkenswert, Zamira.“ „DU SIEHST NICHT NUR NIEDLICH AUS“, brüllte Ikuto. „DU BIST AUCH NOCH TOTAL CLEVER!“ „Und nicht mal vergeben“, grinste Zamira.
Annie war bereits zu der Leiter geeilt und hatte den Code in das Schloss eingegeben, das sich prompt löste. „Wir haben es geschafft!“, jubelte die zierliche Braunhaarige. „Jetzt können wir überall dran und all diese wunderschönen und spannenden Bücher durchlesen!“
„Das würde Ewigkeiten dauern“, merkte Chitaru an. Anstatt sich von der Begeisterung der anderen anstecken zu lassen, sah sie sich mit kühler Miene um und betrachtete schließlich den Boden. „Habt ihr euch das schon einmal angesehen? Der Boden sieht fast aus wie die Karte meines Dorfs…“
„Herzlich Willkommen in Ninja-Town“, meinte Zamira und verbeugte sich in alle Richtungen. Tatsächlich aber setzten sich die in Brauntönen gemusterten Fliesen zu Formen zusammen, wenn man genau hinsah konnte man verschiedene Straßen und Gebäude erkennen.
Roze stieß einen erschrockenen Laut aus und im nächsten Moment ertönte ein knirschendes Geräusch. Die anderen fuhren zu der Putzfrau herum, die mit bestürzt geweiteten Augen neben der Monokuma-Statue stand. „Ich dachte, ich sollte sie etwas sauber machen“, erklärte sie. „Und dabei bin ich wohl an ein paar Hebel gekommen…“
Der Sockel der Statue hatte sich geöffnet und Zamira hob behutsam heraus, was darin versteckt gewesen war. „Eine Waage“, stellte sie fest. „Aber ein bisschen klein, selbst für dich, Annie.“ Das Mädchen, das begeistert Roze umarmt hatte, sah jetzt aufgeregt auf. „Wir müssen also irgendetwas wiegen! Ein bestimmtes Buch vielleicht!“
„Oh, seht mal her.“ Warabi hatte in der Zwischenzeit den Schirm der Leselampe abgetastet und hielt nun einen Zettel hoch. „Ich glaube, ich habe noch ein Rätsel.“ „Vorlesen! Vorlesen! VORLESEN!“, forderten die anderen und die Grünhaarige trug vor: „An einem schönen Tag trittst du aus einem Restaurant, fällst dann vor dem Taxistand auf die Nase und ergreifst dankbar die Hand des Priesters, der dir aufhelfen will.“ Sie sah von dem Zettel auf und lächelte in die Runde. „Ich habe… nicht die geringste Ahnung, was das bedeuten soll.“

„Quercus, Quercus…“ Halblaut murmelte Daiba das Wort immer wieder vor sich hin, während Vika versuchsweise an dem Schloss des Aktenkoffers herumspielte. „Vielleicht müssen wir das Wort irgendwie in Buchstaben und Zahlen übertragen oder so“, schlug sie vor. „Oder wir brechen ihn einfach auf“, knurrte Hazuki, zog einen ihrer hochhackigen Schuhe aus und machte Anstalten damit das Schloss zu bearbeiten.
„Warte.“ Daiba durchquerte den Raum mit wenigen Schritten und blieb vor einem der Spieltische stehen, auf dem ein Schachbrett stand. Ein einzelner Springer stand dort in seiner Startposition.
Lykra hing inzwischen kopfüber von ihrem Seil herab. „Ist dir etwas eingefallen?“, fragte sie hoffnungsvoll und Daiba hob abwehrend eine Hand. „Sieh mich nicht so an. Du solltest lieber selbst über die Lösung nachdenken.“ „Das tue ich ja“, beteuerte Lykra und landete geschmeidig wieder auf dem Boden. „Aber so komplexe Rätsel bin ich einfach nicht gewohnt…“
„Passt auf.“ Daiba deutete auf die Schachfigur. „Bei Schach werden die Positionen der Figuren durch einen Buchstaben und eine Zahl gekennzeichnet. Dieser Springer hier steht zum Beispiel auf Feld G-1.“ „Nicht nur stark, sondern auch noch intelligent“, schnurrte Hazuki und Vika meinte: „G1G1G1 ist aber nicht der Code.“ Wir bräuchten mehr Spielfiguren, schrieb Raster. Und was hat das mit Quercus zu tun?
„Das weiß ich noch nicht“, gab Daiba zu. „Vielleicht nichts. Das mit der Schachfigur war auch nur ein Gedanke.“ Angespannt sah er auf die Tische hinab, während Raster den Kopf schüttelte, ein Taschenmesser aus seiner Gürteltasche zog und zu dem Koffer herüberging, um damit das Schloss zu knacken. Gerade als es aufsprang, murmelte Daiba: „Von der Position aus hätte der Springer nur drei mögliche Felder, auf die er ziehen könnte. Drei Buchstaben und drei Zahlen.“
„Aber das ist jetzt nicht mehr wichtig“, strahlte Lykra. „Der Koffer ist auch so geöffnet! Und was haben wir schönes darin?“ Raster zog einen kleinen Gegenstand hervor und hielt ihn für die anderen hoch. „Eine Taschenlampe“, stellte Teshi fest. „Na, die wird uns in diesem komplett beleuchteten Raum bestimmt sehr nützlich sein.“

„Was soll das heißen, das Radio funktioniert nicht?“ Während Shiori das Radio panisch nach einer Antenne abtastete, blieb Sengar ganz ruhig. „Blinkt darauf ein Licht? Sind Batterien darin? Habt ihr versucht es einmal aus- und wieder anzuschalten?“
„Es fehlen tatsächlich die Batterien“, stellte Shiori fest, nachdem sie eine Klappe auf der Rückseite des Geräts geöffnet hatte. „Los! Suchen wir neue Batterien!“ Als hätte sie sie nicht gehört, setzte Nanako sich auf den Boden, zog die Beine an und starrte gedankenverloren ins Nichts.
„Ich glaube, die Uhr hatte ein Batteriefach“, meinte Yuu und kurz darauf waren sie tatsächlich bereit eine Nachricht von dem Radio zu hören. 'Klick', ertönte es. 'Grün. Braun. Blau. Blau. Grau. Grün. Rot. Klick. Grün. Braun. Blau. Blau. Grau. Grün. Rot. Klick.' Shiori schaltete das Radio wieder ab. „Ich denke, wir haben die Botschaft verstanden. Aber was soll das bedeuten?“
„Da ich nur viel Schwarzes sehe, wäre es gütig von einem von euch mir zu berichten, was es hier in diesen Farben gibt“, meinte Sengar und die anderen sahen sich nachdenklich um. „Nanako hat grüne Haare, braune Haut und blaue Augen“, stellte Manu fest. „A-aber ich glaube nicht, dass das wichtig ist.“ „Hier ist einiges blau“, meinte Shiori. „Eigentlich ist fast alles blau. Selbst die Kleider der Puppen passen nicht zu den angegebenen Farben.“
„Aber es könnte sich trotzdem auf die Puppen beziehen“, überlegte Yuu. „Immerhin wurden fünf verschiedene Farben genannt. Und hier sitzen fünf verschiedene Puppen. Ich denke, das hängt irgendwie zusammen.“ „Vielleicht haben die Puppen ja versteckte, bunte Flecken!“, überlegte Manu aufgeregt, nahm eine der Puppen und hob ihr Kleidchen an, um nachzusehen. „Warte“, hielt Shiori ihn mit leicht geröteten Wangen auf. „Du kannst den Puppen doch nicht einfach unter den Rock sehen!“
„Ich glaube, das ist auch nicht nötig“, lächelte Yuu. „Achtet mal auf die Augen der Puppen.“ „Braun, grün, rot, blau und grau“, murmelte Shiori und atmete erleichtert auf. „Sehr gut, Yuu. Du hast das Rätsel gelöst.“ Yuu verneigte sich leicht in ihre Richtung. „Danke, aber ich fürchte, das war noch nicht alles. Die Farben beziehen sich auf die Puppen und anscheinend gibt es eine bestimmte Reihenfolge. Aber was können wir damit anfangen?“
Nachdenklich drehte Shiori an ihrem Ring. „Hat irgendjemand eine Idee dazu?“
„Wie wäre es mit dem Scanner?“, meldete sich Yataro überraschend zu Wort. „Ihr könntet als erstes die grünäugige Puppe scannen, dann die braunäugige und so weiter.“ „Die Idee ist gar nicht schlecht“, stellte Shiori fest, betrachtete das Scangerät und seufzte dann frustriert. „Aber dafür müssen wir erst den richtigen Code herauskriegen, um den Scanner benutzen zu können. Wir sind also fast wieder bei Null.“

Zamira, Chitaru und Roze standen in einem kleinen Kreis zusammen und starrten auf die Fliese zu ihren Füßen, auf der ein Restaurant abgebildet war. „Von hier aus müssen wir zu einem Taxistand weiter“, murmelte Chitaru und suchte diesen bereits auf dem Boden. „Und dann zu einem Tempel.“ Roze folgte dem Weg und klopfte leicht mit ihren Absätzen auf die Fliesen, um zu testen, ob eine hohl war. „Eigentlich müssten wir da doch einen Gegenstand oder einen Hinweis finden, oder?“, fragte sie und klang bereits etwas frustriert.
„So leicht scheint es nicht zu sein“, meinte Zamira. „Aber wenn das die drei Eckpunkte eines Dreiecks darstellen sollen und wir den Mittelpunkt davon ausrechnen…vielleicht finden wir ja dort was!“
„Das klingt unglaublich kompliziert! Aber ich glaube, wir müssen einfach noch viel mehr auf den genauen Wortlaut achten!“ Damit ließ Annie sich einfach auf den Boden fallen, sodass ihr Fuß das Restaurant verdeckte und ihr Gesicht gegen den Taxistand gedrückt war. „Kann jemand die Lampe anmachen?“, nuschelte sie mit gedämpfter Stimme. „Vielleicht wirft dann eine Monokuma-Pfote einen Schatten in meine Richtung.“
„Monokuma soll dann den Priester darstellen?“, fragte Zamira und lachte amüsiert auf. „In seiner Verzweiflungssekte vielleicht. Ich glaube, du musst deine Hand nach dem Tempel da ausstrecken.“ „Wird gemacht!“ Ächzend reckte Annie sich, bis ihre Fingerspitzen gegen die richtige Fliese drückten und tatsächlich sackte diese plötzlich nach unten.
„DU HAST ES GESCHAFFT!“, jubelte Ikuto, hob Annie hoch und drückte sie stürmisch an sich. „IST DA DER SCHLÜSSEL?!“ „Nein“, seufzte Chitaru und zog ein sauberes Silbermesser aus dem entstandenen Hohlraum. „Nur das hier.“
Sofort scharten sich die anderen um sie und betrachteten die Klinge mit nachdenklichen Mienen. „Hm…VIII-A-241“, las Warabi die eingravierte Inschrift vor. „Wie schön, ein neues Rätsel.“
„Wahrscheinlich ein Hinweis auf ein bestimmtes Buch“, überlegte Chitaru und Rozes Gesicht hellte sich auf. „Die Regale sind so gekennzeichnet“, nickte sie. „Und alphabetisch geordnet. Also muss es das erste Buch ganz oben sein!“ Prompt rückte Ikuto die Leiter zurecht und Annie kletterte schnell die Sprossen hoch, um sich das richtige Buch zu schnappen. „Seite 241, Seite 241“, wiederholte sie dabei und las dann vor, was auf der Seite stand: „Leckerer Apfelkuchen nach Großmutters Art! 150 g Butter, 125 g Zucker, 5 Eier, 50 g Mehl, 2 TL Backpulver, 800 g Äpfel…“
„Stopp!“, unterbrach Zamira sie. „Kriegst du auch gerade Hunger?“, fragte Warabi verträumt, aber die Chemikerin schüttelte den Kopf. „Süße Kuchen sind nichts für mich. Aber ich denke, ich weiß jetzt, was wir wiegen müssen!“ „Kuchen?!“, fragte Ikuto überrascht. „Nein, Holzäpfel!“, jubelte Annie, sprang von der Leiter herunter und strahlte, als Ikuto sie rechtzeitig auffing.
Die anderen begannen bereits Apfel für Apfel auf die kleine Waage zu stellen. „Hm, acht Äpfel wiegen 720 Gramm“, stellte Zamira fest. „Aber neun Äpfel 810 Gramm… Okay, Zeit zu Schnitzen!“ Damit holte sie das Silbermesser hervor und begann sorgfältig an einem der Äpfel herum zu schaben, bis sie auf genau 800 Gramm kamen. Im nächsten Moment öffnete sich die Waage und offenbarte einen kleinen, goldenen Schlüssel, auf den die Sechs mit ehrfürchtigen Mienen herabsahen.
„OH MEIN GOTT!“, donnerte Ikuto los. „WIR HABEN ES GESCHAFFT! WIR KÖNNEN NACH DRAUSSEN!“ Triumphierend lachend rammte Zamira den Schlüssel ins Türschloss. „Die Frage ist jetzt nur, ob die anderen es auch bereits geschafft haben.“

Nachdem sie einen Lichtschalter gefunden hatten, standen die Sechs in vollkommener Dunkelheit. Das einzige Licht ging von dem schwachen Schein der kleinen Taschenlampe aus, aber neue Erkenntnisse gewannen sie dadurch nicht. „Wahrscheinlich musst du irgendetwas bestimmtes anleuchten“, war Lykras Stimme zu hören und Daiba ließ den Lichtstrahl über sämtliche Tische und Wände wandern, bis Vika schließlich „Da!“ rief.  
Auf der Baumtapete waren Schriftzeichen aufgetaucht, die Lykra fröhlich vorlas: „Zwei Paare wohnen zusammen! Ein Hinweis!“ Wie um die Situation zu unterstreichen, begann im nächsten Moment fröhliche Musik zu spielen.
Mit steinerner Miene schaltete Daiba das Licht wieder an. „Noch kein Grund zu feiern. Erst müssen wir dieses Rätsel lösen. Ich denke, es hat mit einem der Spieltische zu tun…“ Seine Stimme wurde übertönt, als Teshi passend zur Musik ein heiteres Lied anstimmte.
„Oho-oh, jetzt kommt der Endspurt!
Es war ein harter Kampf
Ja, das war es!
Er hat sich ausgezahlt
Dank Daiba!
Und der Sieg ist uns so nah wie nie-ieee!“
Strahlend sah Hazuki zu Daiba auf. „Anscheinend will das Rätsel, dass wir Paare bilden und zusammenziehen!“ „Hazuki, kann ich dich mal kurz sprechen?“ Während die anderen von Teshis Gesangseinlage abgelenkt waren, zogen sich die beiden in eine der Ecken zurück.
„Warum bist du so freundlich zu mir?“, fragte Daiba ernst. „Warum behandelst du mich, als würdest du mir vertrauen?“ „Na, das ist doch obsolet“, erwiderte Hazuki mit einem etwas unsicheren Lächeln. „Du bist so ein großer, starker, geweifter Mann, welche Dame würde da nicht darauf vertrauen, dass er sie beschützen kann?“  
Zum ersten Mal sah Daiba ihr direkt in die Augen und sein Blick war derart vernichtend, dass Hazuki erschrocken zurückwich. Im nächsten Moment wandelte sich ihr Schrecken in Ärger um. „Du bist außerdem sehr unhöflich, weißt du das? Es würde viel mehr Spaß mit dir machen, wenn du mal freundlicher sein würdest!“ „Ich habe nicht um Gesellschaft gebeten“, gab Daiba zurück.
„Quercus hin oder her
Für uns ist nichts zu schwer
Wenn wir zusammenhalten!“
Im nächsten Moment wurden Daiba und Hazuki von einer Glitzerwolke eingehüllt und während sie hustend ihre Kleider abklopften, gesellte sich Teshi zu ihnen.
„Daiba, keine Zeit zu zanken
Bring Hazuki nicht ins Schwanken
Ist dein Blick auch noch so kalt
Gibst du uns and'ren allen Halt

Wir dachten schon, dass wir verlieren
Und womöglich dann krepieren
Doch die Hoffnung kam zurück
Wir hatten großes Rätselglück.“
Lächelnd stieß Lykra Raster in die Seite und trällerte:
„Raster~
Mit deinem Messer
Ging es besser
Der Koffer öffnete siiiiiich!“
Teshi zwinkerte ihr mit einem charmanten Lächeln zu. „Sehr gut, Lykra. Singt alle mit, meine Freunde.“
Raster beschränkte sich darauf, die Hände zu heben und im Takt zu wippen, während Hazuki sich straffte.
„Ähm, ich kann nicht wirklich singen
Das wird nicht so gut klingen
Aber eigentlich macht es auch Spaaaß~“
Strahlend wandte sie sich zu Vika um, die mit konzentrierter Miene die ausgebreiteten Spielkarten auf einem der Tische begutachtete. „Komm, Vika, versuch es auch mal!“ Entgeistert sah Vika zu den anderen hin und seufzte schließlich.
„Kartenspiel
Bring uns ans Ziel
Wir brauchen noch ein Paar~“
Sie räusperte sich verlegen. „Also, wir haben hier eine Karo-Dame und einen Kreuz-König. Dann müssen wir wahrscheinlich eine Kreuz-Dame und einen Karo-König dazulegen.“ Während sie sprach, probierte sie das Gesagte gleich aus und tatsächlich rutschte ein Zettel aus dem Kartenfach. „LLRLLRRLRLB“, las sie vor. „Sind das Abkürzungen für etwas?“
„Einen Moment…“ Nachdenklich ließ Daiba den Blick durch den Raum wandern und sah schließlich zu den Seilen. „R könnte für rechts stehen. Und L dann für…“
„Das Rätsel schaffen wir mit...“, sang Teshi und Lykra rief: „Links!“
„Seht nur her, uns gelingt's
Das B schließlich steht für...“
„Beide!“, warf Vika ein.
„So hängen wir uns an die...“
„Seile!“, freute sich Lykra und zog mit aller Kraft an dem Linken, das sich tatsächlich ein Stück runter ziehen ließ. Daiba übernahm das rechte Seil und unter Teshis anfeuerndem Gesang zogen sie.

Nichts passierte.
„Ich glaube, wir haben die falsche Perspektive gewählt“, meldete sich Vika zu Wort. „Wir müssen rechts und links tauschen.“ Im nächsten Moment ertönte aus dem Nachbarraum ein lautes „WIR HABEN ES GESCHAFFT! WIR KÖNNEN NACH DRAUSSEN!“ und abrupt verstummte die Musik. „Das ist ja jetzt keine Überraschung“, murmelte Teshi. „Wir verlieren…“

Angespannt tigerte Shiori im Kreis herum. Der Code für den Scanner…wo sollten sie den Code für den Scanner herbekommen?! Die anderen wirkten ebenso ratlos, lediglich Sengar hatte sich bis zu dem kleinen Computer einer bebrillten Puppe vorgetastet und angefangen auf die Tastatur einzutippen.
„Oh, richtig, der Computer! Hast du irgendetwas gefunden?“, fragte Shiori hoffnungsvoll. Sengar hob den Kopf und wedelte demonstrativ vor seinen milchigen Augen herum. „Keine Ahnung.“ „Ah, tut mir leid.“ Verlegen bemühte Shiori sich dem Blinden nicht zu nahe zu kommen, als sie sich ebenfalls zu dem Computer herunterbeugte. Statt einem nützlichen Hinweis war darauf jedoch nur ein einziges Feld zu sehen.
„Wir müssen ein Passwort eingeben?“, fragte Shiori. „Das heißt wir brauchen jetzt einen Code und ein Passwort?!“
Nanako, die bisher in nachdenkliches Schweigen gehüllt auf dem Boden gesessen hatte, stand jetzt langsam auf und ging zu einer der Uhren. 11:45 Uhr zeigten die Zeiger, 7:15 Uhr blinkte die andere Uhr. Nanako streckte eine Hand aus und begann die Zeiger zu verstellen, bis sie ebenfalls auf Viertel nach Sieben deuteten. Es klickte leise und ein Fach öffnete sich unter der Uhr in der Wand.
„Wunderbar, Nanako!“, rief Shiori. „Was ist darin? Der Code? Das Passwort?“ „Ein Hammer“, lächelte Nanako.
„Wir müssen immer noch diesen Glaskasten öffnen“, überlegte Yuu und Shiori schnappte sich den kleinen Hammer, um damit das Glas einzuschlagen. Klirrend zersprang es in Scherben und die junge Frau griff schnell nach der Schachtel im Inneren der Vitrine. Auch darin befand sich kein Hinweis, sondern ein kleiner runder Magnet. „Ich denke, wir müssen ausprobieren, was hier alles magnetisch ist“, schlug Yuu vor und wenig später standen sie vor der Tafel mit den Buchstabenplatten. Tatsächlich ließen sich einige der Platten abziehen, andere hingegen reagierten nicht auf den Magneten.
 VZRE
I  ULG
NW
 FE
„Die Platten kann man auch verschieben“, erklärte Nanako. „Ich denke, das müssen wir auch tun und dann ergeben sie ein Wort. Und das Wort könnte für uns wichtig sein.“ „Ein hervorragender Gedanke“, lobte Yuu sie. „Ich kann mir auch schon denken, was für ein Wort das sein soll.“ Er schob schnell die Platten zurecht und betrachtete das Ergebnis: VERZWEIFLUNG
Shiori schüttelte sich leicht, gab das Wort aber versuchsweise als Passwort ein und tatsächlich blinkte das Feld grün auf. An seiner Stelle erschien ein Spielfeld auf dem Computerbildschirm. „Sieht aus wie ein Vier-Gewinnt-Spiel“, stellte die Bankerin fest. „Anscheinend haben wir die Möglichkeit entweder Monokuma-Köpfe oder Future-Foundation-Embleme als Spielplättchen zu wählen.“ Da die anderen sich nicht richtig entscheiden wollten, meinte Nanako lächelnd: „Der Bär ist niedlich, oder? Ich weiß nicht, was das andere sein soll, aber… Warum nehmen wir nicht die Bären?“
„Also gut.“ Erleichtert endlich weiter zu kommen, schob Shiori das erste Plättchen in eine Reihe und kurz darauf erschien der Schriftzug SIEG! auf dem Bildschirm, sowie verschiedene Zahlen die nacheinander aufblinkten. „Der Code!“, rief Manu und eilte schon los, um diesen in das Scangerät einzugeben. „Dann können wir jetzt endlich die Puppenaugen scannen“, seufzte Shiori und ein Gewicht schien ihr von den Schultern zu fallen, als sie schließlich endlich den Schlüssel in Empfang nehmen konnten.

„Wofür habt ihr denn so lange gebraucht?“, erkundigte sich Lykra, sobald endlich auch das letzte Team wieder aus seinem Raum kam. „Wir warten hier schon eine Weile.“ Es war nicht schwer zu erkennen, dass das rote Team gewonnen hatte, so zufrieden wie die Sechs drein sahen.
„Wir haben also verloren?“, fragte Nanako leise. „Was heißt das jetzt für uns?“ Yuu sah kurz auf sein Armband herunter, dass nur noch eine 2 anzeigte, aber seine Miene blieb beherrscht. „Richtig, ich wollte dir ja alles erklären“, meinte er mit ruhiger Stimme. „Warte.“ Yataro schob sich an ihm vorbei und hielt Nanako seine Kamera hin. „Sieh dir das hier an“, meinte er und schon war Kamis Stimme zu hören. „Willkommen beim Spiel der Götter“, wisperte es, gefolgt von Ikutos lautem Geschrei. Mit großen Augen beobachtete Nanako, wie die unheimliche Puppe das Spiel erklärte und wie sie selbst sich dabei ängstlich an Vika kuschelte.  
„Ihr habt es also alle geschafft.“ Wie immer ohne jede Vorwarnung glitt Kami von der Decke herunter. „Ich gratuliere den Siegern meiner ersten Herausforderung. Von nun an könnt ihr dieses Stockwerk und diese drei Räume jederzeit betreten. Aber zunächst müsst ihr wieder nach unten fahren.“
Schon ertönte die Durchsage: „Die zweite Abstimmung findet in Kürze statt. Bitte begeben Sie sich augenblicklich zu den Wahlkabinen. Ihnen bleiben fünf Minuten, um Ihre Wahl zu treffen. Allen Teilnehmern wünschen wir viel Erfolg.“



Eure Aufteilung:
Daiba (6) & Nanako (5) vs Roze (9)
Zamira (9) & Lykra (3) vs Shiori (5)
Sengar (5) & Raster (3) vs Annie (7)
Yataro (7) & Warabi (4) vs Vika (8)
Ikuto (7) & Hazuki (6) vs Manu (5)
Teshi (8) & Yuu (2) vs Chitaru (7)


Und eure Fragen:
Für die Pairs:
1. Willst du Bündnis oder Verrat wählen?
2. Wenn dein Partner anderer Meinung ist
- übernimmst du seine Meinung ( )
- beharrst du auf deiner Meinung ( )
- hältst du ihn im Notfall mit Körpereinsatz davon ab zu wählen ( )
3. Wie reagierst du, wenn dein Gegenspieler Bündnis gewählt hat?
4. Wie reagierst du, wenn dein Gegenspieler Verrat gewählt hat?
5. Sonstiges?

Für die Solos:
1. Willst du Bündnis oder Verrat wählen?
2. Wie reagierst du, wenn deine Gegenspieler Bündnis gewählt haben?
3. Wie reagierst du, wenn deine Gegenspieler Verrat gewählt haben?
4. Sonstiges?

Es steht euch selbstverständlich frei, euch bei der Wahl zu enthalten.


Antworten bitte bis spätestens zum 14.09.!