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MitmachgeschichteAllgemein / P18 Slash
24.07.2019
14.08.2019
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Langsam schlug Shiori die Augen auf und sah nichts als eine unendliche Schwärze um sich herum. Keine Spur von dem roten Himmel, an den sie sich mittlerweile gewöhnt hatte. Dazu war es auch noch ungewohnt still um sie herum und der Boden, auf dem sie lag, fühlte sich weich, nahezu kuschelig an. Es erinnerte sie ein bisschen an die alten Zeiten, als sie noch in ihrem gemütlichen Bett hatte schlafen können.
Wo bitte war sie hier? Und warum war es so dunkel? Prüfend rieb die junge Frau sich die Augen, um sich zu vergewissern, dass sie weder verbunden, noch von jemandem ausgestochen worden waren. Langsam wich ihre erste Verwirrung einem leichten Ärger. „Reiko?“, fragte sie in die Dunkelheit hinein. „Reiko, bist du hier?“
„Tut mir leid, ich heiße nicht Reiko“, ertönte eine Antwort von einer Shiori unbekannten Frauenstimme. „Aber könntest du bitte mal das Licht anmachen?“ „Das würde ich gerne, wenn ich wüsste, wo der Lichtschalter ist!“, gab Shiori in einem scharfen Tonfall zurück und kam langsam auf die Beine. Wieso war Reiko nicht bei ihr? Wer war diese Fremde?
„Warte, wer bist du überhaupt?“ Die misstrauische Stimme schien näher zu kommen. „Hast du mich hier rein gesperrt? Was soll die Scheiße?!“ Ein verlegenes Räuspern folgte. „Ich meinte, hast du dich zu so einer Unverfrierenheit gedreistet?“ Unwillkürlich verzog Shiori abschätzig das Gesicht. „Es heißt Unverfrorenheit“, korrigierte sie. „Und ich habe mich zu nichts dergleichen erdreistet. Also solltest du mich nicht ungerechtfertigter Weise verdächtigen und mir lieber helfen den Lichtschalter zu finden.“
Sie watete mit ausgestreckten Armen durch ein Meer aus Kissen, bis sie endlich auf eine Wand stieß. Einen Schalter entdeckte sie nicht, dafür aber eine Türklinke, die sich herunterdrücken ließ. Ächzend stemmte Shiori sich gegen die schwere Tür und schaffte es schließlich, diese ein Stück weit aufzudrücken. „Der Ausgang!“, triumphierte sie. „Exquisit!“, rief die andere und folgte ihr eilig nach draußen.
Geblendet von dem plötzlichen hellen Licht kniff Shiori ihre blassgrünen Augen kurz zusammen und konnte erst dann ihre Begleiterin richtig erkennen. Shiori war selbst nicht gerade klein, aber die andere Frau überragte sie noch einmal um ein gutes Stück, was sie nicht nur ihren dunklen High Heels zu verdanken hatte. Im Gegensatz zu der zierlichen, schmalen Shiori war sie allerdings von sportlicher Statur, um ihre muskulösen Oberarme spannten sich die kurzen Ärmel des blauen Kleides, das aussah, als ob es jemand Cinderella gestohlen hätte.
Zwei ebenso blaue Augen betrachteten Shiori ihrerseits neugierig und schließlich knickste die Fremde höflich. „Wir sollten uns vorstellen, oder?“, fragte sie dabei. „Ich bin Nagamine Hazuki. Und ich muss sagen, dass dein Kleid dir wirklich gut steht.“
Shiori sah an dem Sommerkleid herab, das sie über ihren Leggins trug. Es war kurz, weiß und mit violetten Lilien bedruckt, die gut zu ihren ebenfalls violetten Haaren passten. „Danke schön. Ich heiße übrigens Ohashi Shiori und falls du noch nicht von mir gehört hast, ich habe von der Hope's Peak den Titel Ultimative Bankerin bekommen.“ „Oh, du bist eine Ultimative.“ Hazuki zwinkerte ihr verschwörerisch zu. „Dann bist du bestimmt total popolär bei den Männern.“ „Es geht.“ Shiori sah auf den silbernen Ring an ihrem Finger herab. „Aber ich bin schon verlobt. Und worüber reden wir hier eigentlich? Wir müssen herausfinden, wo wir hier sind!“  
Entschlossen sah sie sich in alle Richtungen um. Hinter ihnen befand sich die schwere Tür, die zu dem dunklen Raum voller Kissen führte. Links und rechts von ihnen waren leere weiße Wände. Und vor ihnen führte der Gang zu einer weiteren Tür. Der Ausgang dieses seltsamen Gebäudes vielleicht?
Beinahe geräuschlos durchquerte Shiori mit ihren Ballerinas den Gang und legte ein Ohr an die Tür. Sie meinte leise Schritte zu hören, sowie eine tiefe Stimme, die mit sich selbst zu reden schien. „Egal, wo man hingeht, es sieht doch überall gleich aus… Also, was ist jetzt schon wieder passiert? Ist hier jemand?“
Offenbar waren Shiori und Hazuki nicht die einzigen, die sich fragten, wie sie hierhergekommen waren. Entschlossen öffnete die junge Bankerin die Tür, die offenbar zu einem Waschsaal führte. Mehrere Waschbecken reihten sich im vorderen Bereich aneinander, im hinteren Bereich schien es einige Duschzellen zu geben. Die Schmutzschichten auf dem Boden ließen Shiori allerdings scharf die Luft einsaugen.
Neben den Waschbecken stand ein Mann mit dem Rücken zu den beiden Frauen. Hazuki betrachtete sein pechschwarzes Haar, die hochgewachsene Gestalt und die stilvolle Kombination aus grauer Anzughose und einem schwarzen, mit Musiknoten gemusterten Hemd. Dann beugte sie sich leicht zu Shiori herunter und tuschelte angetan: „Meine Güte, sieht er nicht einfach impertinent aus?“
Shiori hielt sich nicht damit auf, die andere auf die wahre Bedeutung des Wortes hinzuweisen, sondern wandte sich an den Fremden. „Entschuldigung, hast du eine Frau namens Reiko gesehen? Sie ist…“ Der Mann drehte sich um und bei seinem Anblick brach Shiori mitten im Satz ab.
Das Gesicht des Fremden war eine einzige Brandwunde und da er sein Haar zurückgekämmt hatte, gab es nichts, dass das offene Muskelgewebe verbergen konnte. Lippen hatte er keine mehr, was ihm ein totenschädelgleiches Grinsen verlieh. Auch ohne den langen Ast, der dem Mann offenbar als Blindenstock diente, hätte Shiori seine Behinderung erkannt; es fiel schwer den Blick von diesen lidlosen, milchig weißen Augen abzuwenden.
„Tatsächlich habe ich schon lange niemanden mehr gesehen“, antwortete er mit einer Stimme, die zu kultiviert für sein Gesicht klang. „Aber möglicherweise habe ich Eure Freundin ja gerochen?“ „H-hey, willst du damit sagen, dass sie stinkt?“, fragte Hazuki erschüttert. „Wie unhöflich, du kennst sie doch gar nicht!“
„Ah, natürlich, unser Geruchssinn muss sehr unterschiedlich sein“, kam die ruhige Antwort. „Vielleicht denkt ihr, dass ich weniger wahrnehmen kann als ihr, aber nehme die Dinge lediglich anders wahr. So kann ich zum Beispiel riechen, dass Ihr…rote Haare habt.“
Überrascht fasste Hazuki nach einer losen Strähne ihres hochgesteckten, roten Haares. „Und welche Farbe haben meine Handschuhe?“, wollte sie wissen. „Das ist ein Trick“, erwiderte der Mann. „Ihr tragt keine Handschuhe.“ „Doch, hübsche, weiße.“ Wie zum Beweis hob Hazuki die Arme, die tatsächlich in ellbogenlangen Handschuhen steckten und der Mann lachte leicht auf. „Da habe ich wohl falsch geraten.“ Er verneigte sich leicht. „Gestatten, mein Name ist Yamiru Sengar. In ausgewählten Kreisen kennt man mich als den Ultimativen Komponisten. Aber verzeiht mir bitte, damit wollte ich nicht prahlen.“ Er streckte höflich seine freie Hand aus und die beiden Frauen schüttelten sie nacheinander. „Dürfte ich auch erfahren, mit wem ich das Vergnügen habe?“
„Natürlich, ich bin Ohashi Shiori, auch bekannt als die Ultimative Bankerin.“
„Eine Bankerin, hm?“, hakte Sengar nach. „Dann muss ich bei Euch ja sicherlich keine Skrupel erwarten. Oder habe ich mit meinen offenen Worten Eure Strategie vereitelt, Eure Mitmenschen zu manipulieren?“
In Shioris Gesicht begann etwas zu zucken. „Jetzt hör mal zu, du Freak!“, schnappte sie. „Nur weil ich eine kompetente Bankerin bin, muss ich nicht auch eine verlogene Egoistin sein!“ „Aber, aber, Miss Shiori“, entgegnete Sengar vollkommen ruhig. „Das ist doch kein Grund gleich aus der Haut zu fahren. Sicher wart Ihr schon oft solchen Vorurteilen ausgesetzt, nicht wahr?“
Gereizt überließ Shiori es Hazuki sich dem Komponisten vorzustellen und beschloss sich mit einer Inspektion des Waschsaals abzulenken. Insgesamt gab es zehn Duschen, von denen jedoch nur sechs tatsächlich funktionierten. Das Wasser war eiskalt, aber immerhin halbwegs rein, was in diesen Zeiten keine Selbstverständlichkeit mehr war.
Am anderen Ende des Raums gab es eine zweite Tür, die nach draußen führte und Shiori meinte knapp „Ich such dann weiter nach dem Ausgang“, bevor sie durch die Tür trat. Der Gang vor ihr glich dem vorherigen exakt und während Shiori langsam einen Fuß vor den anderen setzte, wurde das Gefühl beobachtet zu werden immer stärker. Schließlich fuhr sie herum und zuckte leicht zurück; zwischen Türrahmen und Decke kauerte eine blasse Gestalt an der Wand und fixierte sie aus blutroten Augen.
Es handelte sich um eine sportliche, junge Frau mit langem, schneeweißem Haar, welches teils zu einem hohen Zopf gebunden worden war und von einem Stirnband zurückgehalten wurde. Der untere Teil ihres Gesichts war von einem roten Schal verborgen, die Hände steckten in schwarzen Handschuhen und ihre Hakama-Hose, sowie das entsprechende Oberteil ließen bei Shiori bereits den Verdacht aufkommen, dass es sich bei der Weißhaarigen um eine Kunoichi, einen weiblichen Ninja, handelte.
Unbeirrt lag der kühle Blick der Frau auf Shiori, sie spannte sich kurz an, sprang – und schlug ungeschickt mit dem Gesicht voran auf dem Boden auf.
Shiori blinzelte und ging dann langsam zu der Frau herüber. „Ähm...brauchst du Hilfe?“
Sofort war die Fremde wieder auf den Beinen und richtete mit unbewegter Miene ihre Kleidung, bevor sie mit leiser, kaum vernehmbarer Stimme etwas erwiderte. „Entschuldige, wie war das?“, hakte Shiori nach und die Weißhaarige wiederholte etwas lauter: „Du hattest Glück, dass du mich bemerkt hast. Als Ultimative Kunoichi wurde ich darauf trainiert, möglichst leise und unauffällig zu sein.“
Eines ihrer Augen war plötzlich violett geworden und Shiori bemerkte die rote Linse, die an der Wange der Kunoichi hing. „Ich glaube, du hast eine Kontaktlinse verloren.“
Die Weißhaarige blinzelte, drehte sich dann kommentarlos um, fummelte kurz an ihrem Gesicht herum und drehte sich dann wieder um, diesmal wieder mit zwei roten Augen. „Wer bist du überhaupt?“, wollte sie dann wissen. „Und weißt du, wo wir hier sind?“ Erneut stellte die Bankerin sich vor. „Ich versuche auch gerade herauszufinden, was das hier für ein Gebäude ist. Anscheinend sind wir beiden aber nicht die einzigen hier. So, verrätst du mir jetzt auch deinen Namen?“
„Sagae Chitaru“, stellte sich das Mädchen mit einer leichten Verbeugung vor. „Wenn du nicht weißt, wie wir in diesem viel zu weißen Gebäude gelandet sind, weißt du dann vielleicht, was es mit diesen Armbändern auf sich hat?“
Zuerst dachte Shiori, dass sie die Lederbänder meinte, welche die Bankerin um ihr Handgelenk trug. Erst dann bemerkte sie den merkwürdigen Reifen zwischen ihren anderen Armbändern. Auf den ersten Blick wirkte er wie eine Uhr, nur dass auf dem Display lediglich die Ziffer Fünf zu sehen war. Chitaru trug ein identisch aussehendes Armband und Shiori versuchte sich daran zu erinnern, ob sie so etwas auch bei Hazuki und Sengar gesehen hatte.
„Ich habe keine Ahnung“, erwiderte sie und fasste sich überfordert an die Stirn. „Ich wünschte, Reiko wäre hier…“



„…llo? Kannst du mich hören? Hey, hey! Muss ich dich erst wach küssen, Dornröschen? Haha…“
Zähflüssig wie ein leckerer Sirup sickerte die Stimme zu Nanako durch und langsam schlug das Mädchen seine großen, blauen Augen auf. Kein Wunder, dass sie so gut geschlafen hatte; sie lag auf einem gemütlichen Sofa, auch wenn sie sich nicht daran erinnerte, sich darauf gelegt zu haben. Ihr Blick wanderte durch das Wohnzimmer und sie überlegte angestrengt, ob sie hier schon einmal gewesen war. War sie vielleicht bei einem Freund? Nein, bei ihren Freunden sah es anders aus… Vielleicht sollte sie sich lieber etwas umsehen?
Langsam setzte das Mädchen sich auf und schob den Vorhang ihrer langen, dunkelgrünen Haare mit beiden Händen auseinander, um besser sehen zu können. Tatsächlich, auf dem Sofa neben ihr saß ein Mädchen im Teenager-Alter und schien immer noch gutgelaunt auf sie einzureden.
Optisch war sie beinahe das Gegenteil von Nanako; während alles an der Grünhaarige weich wirkte,  die unordentlich gewellten Haare, ihr kuscheliger, dunkelgrüner Kapuzenpullover, der kurvige Körper, der ein gesundes Speckröllchen und große Brüste aufwies, war das andere Mädchen dünn und kränklich, mit Ringen unter den schmalen, braunen Augen und einem Doktorkittel über ihrer roten Bluse. Dazu war ihre Haut nahezu ungesund blass, ganz anders als Nanakos von Natur aus dunkle Haut. Wahrscheinlich aß sie nicht genug süßes…  
„Hi, endlich bist du wach!“, meinte sie jetzt mit einer überraschenden Lebhaftigkeit. „Ich bin Zamira! Du kannst auch Zammy oder Zam sagen…Wobei, nein, bleib lieber bei Zamira. Ich bin übrigens auch die Ultimative Chemikerin, also wenn du mal eine Natriumbombe haben willst, sag Bescheid. Hah, das war natürlich ein Witz. Ich mache keine Bomben. Obwohl ich das könnte. Aber sag mal, wie heißt du eigentlich?“
Zamira redete sehr viel, aber sie wirkte wie eine Freundin, weswegen Nanako sie sanft anlächelte und über eine Antwort nachdachte. „Mein Name?“, fragte sie nach. „Hm…Ich heiße Nanako. Das ist zumindest mein Vorname. Und mein Nachname ist Tachibana, wenn du den auch wissen willst. Hm, und…wenn du ihn nicht wissen wolltest, dann weißt du ihn jetzt trotzdem, aber... das ist nicht so schlimm, oder?“
„Überhaupt gar nicht!“, stimmte Zamira ihr zu. „Freut mich dich kennenzulernen, Nanako. Also, ich wollte mich hier noch viel mehr umsehen, aber ich hatte beschlossen erst zu warten, bis du von deinem Schönheitsschlaf aufgewacht bist. Nicht, dass du den nötig hättest, haha.“ Sie sprang auf und ihr langer, kastanienbrauner Zopf schwang von der einen Schulter zur anderen herüber. „Willst du dich mit mir umsehen, Nanako?“
„Mich umsehen?“, wiederholte die Grünhaarige. „Hm…ja, das klingt nach einer guten Idee. Aber ich sollte dabei besser gut aufpassen. Es ist wichtig…dass ich alles wichtige, was ich sehe, aufschreibe. Ja, deinen Namen schreibe ich mir auch besser auf, sonst vergesse ich ihn vielleicht noch.“ Sie griff in die Taschen ihrer bequemen Sporthose und kramte Notizblock und Stift hervor.
Während sie noch mit Schreiben beschäftigt war, inspizierte Zamira bereits die Inneneinrichtung des Wohnzimmers. Es wirkte vollkommen gewöhnlich, mit freundlich hellen Wänden, einem Tisch zwischen den Sofas, einem Regal für Bücher und Zeitschriften, sowie einem kleinen Schränkchen aus Eichenholz, auf dem ein Radio stand. Prüfend versuchte Zamira einen Sender einzustellen, erhielt aber nur ein statisches Rauschen.
Schließlich blieb sie bei einer großen Lampe in Form eines Schwans stehen und wandte sich grinsend zu Nanako um. „Mein lieber Schwan, was für eine Lampe!“ „Hmm, sie sieht etwas ungewöhnlich aus“, befand Nanako langsam. „Ich glaube, jemand hatte einen Schwan als Vorbild. Schwäne sind nette Tiere…denke ich. Eigentlich finde ich nur Spinnen etwas gruselig…aber andere Tiere sind nett. Also ja…ich denke, ich mag die Lampe.“
Bestimmt mochte Zamira Tiere auch, entschied Nanako. Immerhin trug sie ein oranges Halstuch, das mit niedlichen, braunen Bärchen gemustert war. Ja, zumindest Bären musste sie mögen. Oder vielleicht allgemein niedliche Tiere…  
Inzwischen war die Grünhaarige selbst auf die Beine gekommen und zu einem Bild an der Wand herübergegangen. Es handelte sich um ein Foto der Hope's Peak Academy, stellte sie lächelnd fest. Wie schön, das war doch die Schule, die sie besucht hatte. Aber was war das für ein Bild daneben? Darauf war ebenfalls die Hope's Peak zu sehen, aber sie war kaum wiederzuerkennen. Von dem Hauptgebäude waren nur noch Ruinen geblieben, überall lagen Trümmer herum. Dazu war der Himmel überhaupt nicht blau, nicht einmal grau oder schwarz, sondern bedrohlich rot und Nanako schauderte unwillkürlich. Was für ein schreckliches Bild… wer würde denn so etwas in seinem Wohnzimmer aufhängen?
„Ich habe einen Gebäudeplan entdeckt!“, rief Zamira in dem Moment. „Oder zumindest von diesem Stockwerk, angeblich soll es noch mehr geben. Jedenfalls haben wir noch jede Menge zu erforschen!“  
Neben dem Wohnzimmer sollte es angeblich eine Vorratskammer geben und die beiden Mädchen entschieden sich als nächstes dorthin zu gehen. Der große Raum war schnell gefunden, viele der zahlreichen Regale hier waren jedoch leer. Nanako erkannte ein paar Dosen, in denen wahrscheinlich Nudeln oder Suppe aufbewahrt wurden, und verspürte einen enttäuschten Stich. Sie hatte gehofft, in der Vorratskammer ein paar Süßigkeiten zu finden.
Dafür war hier noch jemand; ein Mann, der vielleicht Ende Zwanzig und damit ein paar Jahre älter als sie selbst sein musste. Mit Sicherheit war er allerdings der größte Mann, den Nanako kannte. Seine Haare erinnerten sie dagegen an Lakritze, schwarz und leicht abstehend.
Ohne den Mädchen weitere Beachtung zu schenken, ging er die Regale durch, betrachtete prüfend die aufbewahrten Lebensmittel und verstaute ein paar Dosen in den Taschen seiner blau und weiß gestreiften Trainingskleidung. Zwischendurch holte er ein kleines Gerät hervor und schien etwas zu inhalieren, steckte es aber sofort wieder weg, sobald er die beiden Mädchen bemerkte.
„Hallo, hallo.“ Zamira hatte sich mit einem neugierigen Lächeln an seine Seite gesellt. „Klasse, dass wir hier noch jemanden gefunden haben. Weißt du vielleicht, wo wir hier eigentlich sind?“ „Nein.“ Die Stimme des Mannes war tief und rau. „Das versuche ich herauszufinden. Aber zunächst ist es das wichtigste an Lebensmittel zu kommen.“ Und damit fuhr er mit seiner Beschäftigung fort.
„Gute Idee“, stimmte Zamira munter zu. „Ich bin übrigens Zamira, das hier ist Nanako und als die Ultimative Chemikerin kann ich bereits sagen, dass die Chemie zwischen uns stimmt, haha.“ „Daiba, Ultimativer Tiefseetaucher“, erwiderte der Mann knapp. „Freut mich.“
„Ähm, freust du dich wirklich?“, fragte Nanako nach. „Weißt du, du siehst uns dabei nämlich gar nicht an…“ Für einen Moment wandte sich Daiba ihr zu und betrachtete sie aus dunkelgrauen Augen. „Es hat mir auch nichts ausgemacht, alleine hier zu sein“, meinte er nur. Weitere Gespräche schienen ihn nicht mehr zu interessieren, denn er wandte sich bereits um und verließ die Vorratskammer.





So, das waren die ersten Sieben. Ich hoffe, es hat euch so weit schon mal gefallen, die nächsten Vorstellungskapitel sollten bald folgen.~