Incarcerus

von Keiraleth
GeschichteDrama, Fantasy / P18
24.07.2019
15.02.2020
60
486153
24
Alle Kapitel
184 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
"You think you know a story, but you only know how it ends. To get to the heart of the story, you have to go back to the beginning.”

The Tudors, Season 1



Kapitel 1
Im finstren Walde


Das Erste, was Hermione wahrnahm, als die Schwerelosigkeit von ihnen fiel, waren kalte Tropfen, die ihr ins Gesicht prasselten und ihren Nacken hinab rannen.
Ihre vom Bad noch feuchten Haare störte das nicht, denn sie hatte keine Zeit gefunden, diese auch noch zu trocknen, ehe der Zeitumkehrer sie aus Shell Cottage heimeliger Wärme gerissen hatte. Ihre beiden Freunde ärgerte die kühle Nässe dafür umso mehr, wie sie beide augenblicklich murrend preisgaben. Denn es regnete nicht nur, es war auch dunkel.
Als die Zauberer sich wachsam umsahen und Hermione hastig die Kette des Zeitumkehrers unter ihrer Kleidung verschwinden ließ, erkannten sie, dass sie sich auf einem ungemein schlammigen Weg befanden. Obwohl gerade erst angekommen, waren ihre Umhangssäume bereits verschmutzt. Nasses, durchweichtes Laub fiel neben ihnen zu Boden und versank in den dichten, dunklen Pfützen, die sie umgaben.
Gemeinsam ließen sie ihre Blicke schweifen und versuchten mehr als die schwarzen Silhouetten all der nahe stehenden Bäume auszumachen, die sie umgaben und sich schon wenige Meter in der Ferne in völliger Finsternis verloren.
Ron grunzte. „Sieht aus, als steckten wir in einem verfluchten Wald.“
Harry zückte gerade seinen Stab, vielleicht, um Licht zu machen und damit seine missmutige Aussage nur weiter zu untermauern, als Hermione ihn am Ärmel packte und den von Wasserrinnsalen und Schlammbetten durchzogenen Weg hinab wies.
„Seht ihr das? Da drüben?“
„Da ist ein Licht“, stimmte er überrascht zu. Harry kniff die Augen zusammen, auch weil der Regen seine Brillengläser benetzte, und senkte die Stimme. „Sieht aber nicht nach einem Haus aus. Es ist viel zu klein. Vielleicht eine Taschenlampe?“
„Wo?“
Obwohl er sie beide deutlich überragte, reckte Ron den Hals, doch Hermione hielt sich nicht damit auf, auch ihm die Richtung zu weisen, stattdessen wisperte sie: „Das ist keine Taschenlampe. Das Licht sieht viel zu unruhig aus … es ist … ein Feuer … vermutlich.“
Eine Sekunde lang sagte keiner von ihnen etwas, denn die Tatsache allein, dass es höchstwahrscheinlich keine elektrische, noch magische Lichtquelle war, ließ sie alle Böses ahnen und eine Theorie in Erwägung ziehen, die Ron erst wenige Tage zuvor klar bei ihren monströsen Wurzeln gepackt hatte: Wenn sie nicht in der Zukunft gelandet waren, bedeutete es, dass ihnen Zeitreisezyklen bevorstanden und dass das Ende ihrer Reise in noch sehr viel weiterer Ferne lag, als zuvor angenommen.
Und wenn unsere endgültige Rückkehr so weit außer unserer Griffweite liegt, dann ist es auch Logan.
Ein schweres Knäuel herber Enttäuschung presste gegen ihre Innereien, noch ehe sie sich dessen ganz bewusst wurde. Hermione schluckte es herab, presste es in die Wundhöhle zurück, derer es entstiegen war, hob das Kinn und sah begierig zu ihren beiden Freunden weiter.
„Gehen wir herüber?“
„Bleibt uns etwas anderes übrig?“, gab Harry belegt zurück. Er straffte die Schultern, sodass Lóriens Umhang sich seicht aus dem Matsch unter seinen Füßen hob, und nickte schließlich. „Indem wir hier herumstehen, kommen wir Hogwarts nicht näher. Also los. Und … haltet eure Stäbe bereit.“

Der Weg war so verschlammt, dass Hermione schon nach wenigen Schritten das Gefühl besaß, ihre Schuhe seien um das Doppelte angewachsen. Die helle Farbe ihrer Sneakers, vermutlich auf ewig ruiniert, versank im Dreck und der Finsternis, sodass es nicht einmal mehr einen Tarnzauber benötigte. Ob Magie sie vielleicht noch zu retten vermochte, bezweifelte sie schon wenige Meter später.
Wozu auch? Wenn wir uns tatsächlich in der Vergangenheit befinden, werden wir uns ohnehin anders kleiden müssen.
Der Gedanke machte sie nervös und bitter zugleich. Jetzt, da sie jedoch hier waren, bewies sich der Wille, ihre Aufgabe zu bestehen, als weit mächtiger und wies all diese Gefühlsduseleien prompt in ihre Schranken. Tatsächlich fühlte sie sich gewappneter denn je. Vielleicht waren es inzwischen einfach genug unabsehbare Zeitreisen, die sie gemeinsam bestritten hatten, um noch wirkliche Aufregung oder Angst zu empfinden. Wachsam und sanft beunruhigt, ja, das war sie, aber nicht erschrocken. Nicht zaudernd.
Es war Harry, der vorausging, und so war es sein Rücken, dem Hermione durch die Dunkelheit folgte, denn Licht verwendeten sie noch immer nicht. Einerseits konnten sie auf diese Weise ihr schwach leuchtendes Ziel besser ausmachen und andererseits würde ein eigenes Licht ihr Kommen nur unnötig ankündigen. Keiner von ihnen wusste schließlich, wer oder was dort auf sie wartete.
Bislang war es immer ein Freund, raunte ein rauer Instinkt in ihr, aber wer sagt, dass er uns auch auf Anhieb als Freunde erkennt?
Die Vorstellung, wie Logan wohl damals in der Spelunke in Kanada auf sie reagiert hätte, wenn er sie nicht gekannt hätte, war alles andere als erbauend. Dass sie davor auf zwei freundliche Hobbits, eine sorglose Königsfamilie und eine neugierige Gouverneurstochter getroffen waren, mochte bislang auch nur reines Glück gewesen sein.
Eine weitere jähe Erkenntnis gesellte sich hinzu: Wer auch immer dort drüben ist, in Zukunft werden ich vermutlich voller Freundschaft an ihn zurückdenken.
Denn wenn man jemanden beistand, für jemanden eintrat, mit ihm ein Leben lebte, dann war es schwer, sich nicht in Verbundenheit voneinander zu trennen. Selbst wenn man gemeinsam eine Stadt in Brand gesetzt hat.
Der Waldweg beschrieb einen leichten Bogen und dann waren sie der Lichtquelle endlich so nahe, dass sie erkennen konnten, worum es sich dabei handelte.
Letztlich erwies sich, dass sie mit ihrer Vermutung gar nicht so falsch gelegen hatten.
„Es ist eine Laterne.“
Harry verlangsamte seine Schritte, als sie auf ihr Ziel zuhielten und Hermione und Ron folgten ihm.
Obwohl der Regen immer noch kalt und unbarmherzig auf sie niederprasselte und längst alles durchweicht hatte, was sie trugen, da sie zu beschäftigt damit gewesen waren, sich gegen einen potentiellen Gegner zu wappnen, um an einen einfachen Trockenzauber zu denken, war Hermione ausgesprochen heiß. Die Wanderung durch den Schlamm bewies damit recht ungalant, dass ihr in der gemütlichen Mutant High vor allem eines verloren gegangen war: ihre Kondition.
Aufmerksam traten sie näher.
Die flackernde Laterne, deren fernem Licht sie bis hierher gefolgt waren, war an der Vorderseite einer Kutsche befestigt. Ihr feines, gestanztes Metall war gesprungen und der Wind, der durch die Risse und malerischen Aussparungen wanderte, ließ die Flamme so bedrohlich flackern, dass sie unentwegt im Sterben begriffen schien.
Das Gefährt selbst war den Kutschen von Hogwarts nur vage ähnlich und erschien deutlich antiker. Räder mit langen Speichen, rötliches Holz, ein überdachter Wagen und weitestgehend kantig stand sie da. Dort, wo für gewöhnlich das Fenster saß, befand sich hier ein hölzernes, feingliedriges Gitter. Dass kein Glas eingebaut war, erkannte Hermione nur als weiteren Hinweis auf ihre derzeitige historische Verortung.
Wir befinden uns im Mittelalter oder in einer Zeit kurz danach. Der Renaissance vielleicht.
Die Kutsche wies kein in der Dunkelheit erkenntliches Wappen auf, auch nicht, als sie sich näherten, aber dafür war zwei braune Pferde vor ihr angezäumt, die ungeduldig wieherten, kaum dass sie sie drei herannahen spürten.
Als sie neben dem vorzeitlichen Gefährt zum Halten kamen, bemerkte Hermione, dass eine der Radachsen gebrochen war und die Kutsche deshalb auf ihrer rechten Seite seicht vom Weg abgekommen und im Gestrüpp gelandet zu sein schien. Von Menschen keine Spur.
Nachdenklich sah sie zu ihren Freunden. Einstimmig nickten sie einander zu, ehe sie auseinander zu schreiten und sich näher umzusehen begannen.
Hermione erstarrte, als sie wachsam den Kutschbock erreichte.
Direkt neben den unruhigen Tieren lag eine Gestalt im Schlamm, völlig verdreckt, durchnässt und starr. Ihr Gesicht ruhte in einer riesigen Pfütze, doch ihrer Kleidung entnahm Hermione, auch ohne ihn zu wenden, dass es sich dabei um einen Mann handeln musste.
Ein weiterer, lebloser Mann saß auf dem Kutschbock. Kraftlos vornüber gesackt, ragten gleich mehrere Pfeilschäfte aus seiner Seite, lebhafte Zeugen eines scheinbar vorangegangenen Überfalls.
„Leute …“, vernahm Hermione Rons gedämpfte Stimme, während sie noch ungläubig die beiden Toten betrachtete. „Hier liegen zwei Frauen. Ich glaube --- ich glaube, sie wurden getötet.“
Wachsam tätschelte Hermione den Hals eines der Kutschpferde, um seine spürbare Unruhe zu besänftigen, dann umrundete sie die Kutsche weiter, auf der Suche nach Ron. Sie fand ihn und Harry zusammen auf der vom Weg abgewandten Seite.
Erst hier offenbarte sich ihnen das ganze Gräuel.
Zwischen Gestrüpp und Rädern lag eine weibliche Silhouette in einer vom schüttenden Regen ausgedünnten Blutlache, die auch den nahen Abhang hinab geflossen war. Die Frau war älter, obwohl Hermione ihr genaues Alter in der Düsternis der flackernden Laterne nicht gänzlich beziffern konnte. Zwei geöffnete, hölzerne Truhen lagen umgestoßen und geplündert um sie verteilt. Ein paar spärliche Stofffetzen schauten daraus hervor, doch der Großteil schien längst gestohlen worden zu sein.
In der geöffneten Kutschtür, die etwas schief in den Angeln hing, was einem aussichtslosen, kurzen Kampf entsprungen sein mochte, lag eine zweite Gestalt, deutlich jünger als die erste, wenn nicht gar jünger als Hermione selbst. Die junge Frau war kalkweiß, was dem Tod aber auch dem hohen Blutverlust verschuldet sein mochte, und diese unnatürliche Blässe ließ ihr dunkles, ehemals fein zusammengestecktes Haar nahezu schwarz wirken. Ihr Kleid aus dunkelblauem Samt war mehrlagig und schlicht, trotzdem verriet es Hermione auf Anhieb, dass sie vielleicht nicht zwingend adlig gewesen war, aber doch zumindest einer gehobenen Gesellschaftsschicht entstamm.
„Sie wurden ausgeraubt“, wisperte sie heiser. „Die Frauen tragen keinen Schmuck und ihr Gepäck wurde offensichtlich geplündert. Vermutlich eine Bande Gesetzloser. Vorne liegen zwei weitere Männer, einer von ihnen erstochen, der andere von Pfeilen getroffen. Beide tot.“
Sie schluckte schwer, während die Jungs um sich sahen, die Stirn runzelten und betreten nickten. Harry fasste sich letztlich ein Herz, trat zu der jungen Toten herüber und schloss ihre noch halb geöffneten Augen.
„Was soll das?“, murmelte Ron leise, nachdem er eine ganze Weile ins Dickicht gestarrt und nach Feinden gelauscht zu haben schien, deren Geräusche der fallende Regen womöglich dämpfte. „Warum setzt uns der Zeitumkehrer hier aus? Wie sollen wir Toten helfen?“
„Ja, wäre es nicht wesentlich sinnvoller uns an einen Zeitpunkt vor dem Überfall zu bringen?“, stimmte Harry ihm zu.
„Vielleicht …“ Grübelnd biss Hermione sich auf die Unterlippe. „Vielleicht hätten wir es nicht verhindern können. Vielleicht wären sie gestorben, ganz gleich, was wir unternommen hätten. Wenn der Zeitumkehrer das erkannt hat, dann hat er es vermieden, uns ebenfalls der Gefahr auszusetzen. Deshalb der Zeitpunkt danach.“
„Aber das macht doch keinen Sinn“, widersprach Ron. „Was erwartet er jetzt von uns? Dass wir sie wiederbeleben?“
Schweigend stierte Hermione ins Innere der Kutsche, fixierte die junge Tote und durchforstete ihren Kopf nach einer Antwort. Das schwache, flackernde Licht der Laterne spiegelte sich auf ihrer weißen Haut, schimmerte in ihrem Haar und tränkte ihre blutleeren Lippen in eine nur scheinbar rötliche Farbe. Als sie ihren Blick hinab gleiten ließ, erkannte sie die tödliche Verwundung im Bauchraum, die zerschlitzte Stelle, die dunkle Farbe, die der Stoff dort angenommen hatte. Abrupt sah Hermione weiter und plötzlich verstand sie, dass die Tote etwas in der linken Hand hielt, halb verborgen in der Finsternis der Kutsche, eingeklemmt zwischen ihren Fingern und den Sitzpolstern der Bank.
„Da ist ein Pergament.“ Vorsichtig trat sie näher und erkannte noch in der Bewegung ein Wachssiegel. „Es ist ein Brief.“
„Also wenn wir hier sind, um den Job einer Eule zu erledigen-“, begann Ron barsch, doch Hermione gebot ihm mit einem einzigen Blick Stille, dann langte sie vor, zog den Brief aus der Hand der Toten und brach das Siegel.
Um das Pergament nicht unnötig dem prasselnden Regen auszusetzen, während sie es entfaltete und rasch überflog, hielt sie sich bewusst in der Nähe der Tür. Gleich mehrmals las Hermione die wenigen schwungvoll und doch präzise geschriebenen Zeilen durch, ehe sie langsam ausatmete und wieder zu ihren beiden Freunden aufsah, die sie inzwischen mehr als erwartungsvoll beobachteten.
„Ich denke nicht, dass wir hier sind, um einen Brief zu überbringen“, erklärte sie gedämpft. „Ich glaube vielmehr, wir sind hier, um ihn zu erfüllen.“
Harry hob die Augenbrauen. „Was meinst du damit? Was steht drin?“
Hermione zögerte, überdachte wiederholt ihre Vermutung und die unabsehbaren Konsequenzen, die sie barg. Ihre Gewissheit schwoll weiter an. Gekonnt überging sie die Fragen ihres besten Freundes und fuhr stattdessen einfach fort: „Scheinbar hätten wir nichts für sie tun können, sonst hätte der Zeitumkehrer sie uns retten lassen. Und vielleicht, wenn wir es dennoch geschafft hätten, wäre Voldemorts Fluch immer noch zu mächtig gewesen, als dass all diese Menschen ihrem alten Weg gefolgt wären. Unser Einfluss wäre vermutlich zu gering ausgefallen, ihr Leben zu komplex oder die Veränderung zu gravierend, um das manipulierte Leben auf ihre angestammten Bahnen lenken zu können. Einen anderen Grund kann es schlicht nicht dafür geben, dass er uns zu Toten gebracht hat.“ Sie machte eine kurze Pause, um den Gedanken in ihrem als auch im Kopf ihrer beiden Freunde Raum zu geben. „Nun, wenn wir sie aber weder retten, noch auf ihren angestammten Lebensweg bringen können, gibt es nur eine andere Option: Wir … wir selbst müssen diesen Weg einschlagen, um unsere Zeit zumindest halbwegs in alte Gefüge zu lenken und den Schaden zu reduzieren.“
„Willst du – Hermione, willst du uns gerade sagen, dass wir sie ersetzen müssen?“
„Vermutlich nicht sie alle“, schränkte sie ein und reichte Harry das Pergament weiter. Kurz und traurig wies sie zu der jungen Toten. „Vermutlich nur sie.“

„Sie heißt Catherine Brooke“, erklärte Hermione, während sie drei beisammen unter der Kutschlaterne verharrten und der Regen endlich abnahm und sich zu einem sanften Nieseln wandelte. „Dem Brief zufolge ist sie ein Mündel von Charles Brandon, dem Herzog von Suffolk. Zumindest war sie auf dem Weg zu ihm, denn ich glaube, dass dieser Herzog selbst von seinem Glück noch gar nichts ahnt. So, wie es in der Nachricht klingt, ist dieser Brief selbst die Übergabe der Mündelschaft, denn offensichtlich ist sie erst kürzlich zur Waise geworden.“
„Und da dieser Herzog keine Ahnung hat, denkst du, dass es uns möglich ist, sie zu ersetzen“, schlussfolgerte Harry.
„Ja, es macht es zumindest einfacher, auch wenn der Zeitumkehrer dahingehend sicher keine Berechnungen angestellt hat, schließlich mussten wir uns auch mit Magie in Priamos’ Familie einschleichen. Er setzt einfach voraus, dass es uns gelingt, ihren Platz einzunehmen. Wahrscheinlich ist es die letzte Möglichkeit, dieses Zeitalter grade zu biegen, weil wir für die entscheidende Person selbst nichts mehr tun können.“
„Apropos Zeitalter, steht da auch zufällig, welches Jahr wir haben?“, wollte Ron wissen, der bislang schweigend gelauscht hatte. „Dass wir immer noch in Großbritannien sind, sollte ja geklärt sein.“
„August 1531, wenn man der Unterschrift neben dem Siegel trauen kann“, antwortete Harry, während er erneut in den Brief sah.
Einen langen Moment verfielen sie alle ins Schweigen und Hermione begann ohne Umschweife ihre Kenntnis über diese weit zurückliegende, historische Zeit aus den bruchstückhaften Fragmenten losen Wissens zu rekonstruieren. „Ich glaube, Henry, der Achte, ist in England an der Macht. Das hier müsste die Tudorzeit sein.“
„Wer war Henry, der Achte?“ Ron zog eine ahnungslose Grimasse, was sie ihm ausnahmsweise nicht übel nahm, da er aus einer reinblütigen Zaubererfamilie stamm, die sich sicherlich nicht im geringsten mit dem wohl berühmtberüchtigsten Muggelkönig der Insel beschäftigt hatte.
„Das war doch der König, der alle seine Frauen getötet hat“, entfuhr es Harry, noch ehe Hermione etwas erwidern konnte.
„Nicht alle“, schränkte sie rasch ein. „Aber er hatte sechs und mindestens eine davon hat er meines Wissens hinrichten lassen. Ich weiß nichts Genaues, dafür habe ich viel zu wenig Zeit in der Muggelwelt verbracht und die Tudorherrschaft kam bestimmt in späteren Stufen im Geschichtsunterricht vor, als wir längst nach Hogwarts gegangen sind-“
„Fass dich kurz, Hermione“, unterbrach Ron sie ungeduldig. „Was wissen wir?“
„Nun, er hat einige tief greifende Änderungen in England bewirkt, hat sich von der katholischen Kirche gespalten und den Glauben im Land revolutioniert. Davon abgesehen … Professor Flitwick hat ein paar Mal erwähnt, dass unter Henry Tudor, dem Achten, die Hexenverfolgung eine auffällige Wiederbelebung nach ihrem vorangegangenen Abebben erlebte. Letztlich hat das zum Geheimhaltungsabkommen geführt, wenn auch etwas später, als noch mehrere Verfolgungswellen folgten.“
„Grandios.“ Genervt rümpfte Ron die Nase. „Wir schleichen uns also bei einem Herzog ein, während Muggel Muggel verbrennen, die sie für Hexen und Zauberer halten.“
„Sie haben nicht nur Muggel verbrannt, Ron“, bemerkte Harry leise. „Manchmal gab es echte Treffer.“
„Dann lasst uns gefälligst zu keinem davon werden.“
Der Regen schien endgültig verstummt, während sie gesprochen hatten, auch wenn die vom Wind geschüttelten Blätter immer noch zahlreiche dicke Wassertropfen auf sie niederplatschen ließen. Noch immer jedoch war es tiefschwarze Nacht.
Während Hermione wieder den Brief entgegennahm und in ihrer Kleidung verstaute, richtete Harry seinen Blick zu ihr zurück, nun seicht besorgt, als sei er ihre gesammelten Erkenntnisse noch einmal für sich durchgegangen und auf keinen grünen Ast gelangt.
Sie brauchte nur Sekunden, um zu verstehen, dass seine Sorge ihr galt.
„Hermione, du musst nicht-“
„Doch“, entschied sie, noch ehe er zu Ende sprechen konnte. „Ich bin die einzige Frau hier und außerdem … ist es offenbar das, was der Zeitumkehrer will.“
„Wir können nicht von dir verlangen, dass du dieses Risiko eingehst. Wir haben überhaupt keine Ahnung, wer dieser Herzog ist, noch was Catherine Brooke in ihrem Leben widerfahren sollte.“
„Harry, ich bekomme das hin“, versicherte sie ernst. Und noch während sie die Worte leibhaftig aussprach, verstand sie, dass sie sie tatsächlich so meinte. Für eine Sekunde selbst überrascht von ihrem Nachdruck und der darin enthaltenen Zuversicht sprach sie weiter: „Ich habe mich schon als vermeintliche Königsnichte und Piratentochter ausgegeben. Vielleicht kann ich nicht gut lügen, aber ich kann mich anpassen und ich kann zaubern. Bislang hat das gereicht.“
„Bislang war das auch immer nur eine Notlösung. Wenn du jetzt aber ihren Platz einnimmst, dann wirst du daran gebunden sein, dann wirst du zum Auftrag, oder nicht? Keiner kann dich zwingen, das zu tun, nicht einmal der Zeitumkehrer.“
„Nicht ich bin der Auftrag, sondern die Menschen und Gegebenheiten, die von Catherine Brooke beeinflusst werden sollten, Harry. Und ja, ich weiß, dass das Ganze riskant ist, weil wir absolut nichts über sie wissen und nicht absehen können, was es bedeutet ihr Leben zu leben. Du weißt selbst, wie sehr ich solche undurchsichtigen Pläne hasse. Aber ich habe nicht diesen weiten Weg gemacht, all unsere Freunde verlassen und verloren, um nun hier aufzuhören.“ Fest sah sie Harry in die Augen. „Ich habe Logan versprochen, dass ich weitermache. Und ich denke, Ron und du seht das genauso. Catherine Brooke zu ersetzen, ist nur eine kleine Hürde. Ich schaffe das.“ Zaghaft lächelte sie. „Außerdem bin ich nicht alleine. Ihr seid ja auch noch da.“
„Ja, und wer sind wir?“, gab Ron zu bedenken. „Wenn wir in deiner Nähe bleiben sollen, brauchen wir dafür einen plausiblen Grund.“
Damit hatte er zweifellos recht. Nachdenklich fuhr sich Hermione über die Schläfe, während ihr Blick erneut von den regungslosen Körpern der Toten gefesselt wurde. „Ich … ich lasse mir dazu etwas einfallen … Erst einmal sollten wir … wir sollten sie begraben, meint ihr nicht?“

Während Hermione rasch ein paar Schutzzauber sprach, die sie vor unerwarteten Besuchern warnen würden, hoben Harry und Ron auf magischem Wege vier Gräber aus der durchweichten Walderde.
Rons Zauberkräfte verließen ihn erneut, nachdem ein Grab fertig war, und so war es schließlich Hermione, die Harry zur Hand ging, unter klaren Bemühungen die düstere Miene des sommersprossigen Mannes nicht zu beachten, die eine erneute Welle der Unzufriedenheit ankündigte. Um ihm das Gefühl zu geben, trotzdem gebraucht zu werden, wies sie ihn letztlich an, sich noch einmal in der Kutsche umzusehen, auch wenn sie sich recht sicher war, nichts übersehen zu haben.
Als sie die vier Toten letzten Endes in ihr Grab gebettet und es erneut mit Erde aufgefüllt hatten, verharrten sie in der von Blättern, Ästen und Gestrüpp umhüllten Dunkelheit. Ron kehrte zu ihnen zurück, verschränkte die Arme und seufzte.
„Was es wohl für unseren restlichen Aufenthalt hier bedeutet, dass wir mit vier Toten starten?“, murmelte er, als die Stille so durchdringend wurde, dass selbst weit entfernte, scharrende Waldtiere zu vernehmen waren.
Keiner antwortete ihm, stattdessen beugte sich Harry herab und verwandelte einen Ast in einen auffällig geformten Stein, den er vor den nun nahezu unsichtbaren Gräbern platzierte.
„Nehmen wir es einfach als Anlass, nicht noch mehr Menschen sterben zu lassen“, wisperte er.
Sie verweilten einige weitere Minuten, ehe sie sich einstimmig abwandten und langsam den Hang zurück zur Kutsche erklommen.
Eine der zwei Laternen war inzwischen erloschen und so entzündete Hermione sie neu, ehe sie sich gemeinsam mit den beiden Zauberern an die Arbeit machte, die Kutsche von ihren gröbsten Schäden zu befreien.
Ron besah sich nochmals die Pferde, während Harry mit einem inzwischen geübten Reparo die gebrochene Achse reparierte und Hermione sich den gesprungenen Scharnieren der Kutschtür zuwandte.
Als sie damit geendet hatten, versammelten sie sich erneut vor dem Kutschbock.
„Die Pferde sehen gesund aus“, erklärte Ron, kaum dass sie zu ihm stießen. „Ehrlich gesagt wundert es mich, dass sie noch hier sind. Warum haben sie sie nicht auch gestohlen?“
„Vielleicht hätte es sie zu viel Zeit gekostet, sie abzuschirren?“, erwog Hermione. „Womöglich haben sie mitten im Überfall andere Menschen vernommen und sind geflüchtet, solange sie noch konnten.“
„Wir sollten uns ohnehin langsam auf den Weg machen“, entschied Harry. „Mir gefällt dieser Ort nicht. Wer weiß, vielleicht kehren sie zurück und dann möchte ich nicht hier stehen und einer mörderischen Räuberbande erklären, wieso ich zaubern kann.“
Nickend stimmte Hermione ihm zu, ehe sie ihre Freunde anwies, ihre elbischen Umhänge abzulegen und in ihrem Gepäck zu verstauen. Sofort machte sie sich an die langwierige Arbeit ihre gewöhnlichen Pullover, Jeanshosen und Sneakers in eine zeitgemäße Kleidung zu verwandeln, wie sie die Toten getragen hatten.
Hermione hielt die Farben bewusst gedeckt und als Ron und Harry schließlich fertig eingekleidet waren, sahen sie schon um einiges heimischer in dieser Welt aus. Beide trugen nun ein Barett, Leinenhemden und darüber einen leichten, wenn auch hochwertigen Wams mit dazu passenden Schlauchhosen. Anders als nach ihrer Ankunft in Port Royal machten sie sich diesmal nicht übereinander lustig, aber vielleicht waren dafür auch die Nacht und die soeben beerdigten Menschen verantwortlich.
„Du wirst deine Brille desillusionieren müssen, Harry“, erklärte Hermione, während sie letztlich ihre eigene Kleidung in ein Meer von Stoff und Röcken verwandelte. Nach bestem Wissen imitierte sie das Kleid der toten Catherine Brooke – die besetzte Spitze, die unter dem Reifrock und unter dem eigentlichen Kleid mit flachem Mieder hervorgesehen hatte, dann den schweren Samt des dunkelblauen Stoffs, der so weit, kegelförmig und ausladend fiel, dass sie fast augenblicklich doppelt so viel Platz benötigte wie zuvor. Letztlich widmete sie sich der Detailarbeit, verfeinerte die Säume und Überärmel und setzte sich zum Schluss die Haube auf, die mehr einem breiten Haarreif ähnelte als einem Hut und die Ron wohlweislich in der Kutsche aufgelesen und ihr übergeben hatte. Catherine Brooke musste sie in der Panik des Kampfes verloren haben, noch ehe sie ermordet worden war.
„Ich glaube, du musst sie weiter hinten tragen“, bemerkte Harry, als er ihr Äußeres in Augenschein nahm. „Auf den alten Portraits in Hogwarts saß es mehr … auf dem Scheitel.“
Er trat näher, als er ihren verwirrten Blick auffing, richtete die französische Haube auf ihrem Kopf und grinste ihr unsicher zu. „Sieh mich nicht an, als sei ich ein unvermuteter Experte für altertümliche Damenmode, Hermione.“
„Ich habe mich nur gewundert …“
„Diese Violet, die die Fette Dame immer besucht hat, hatte so etwas ähnliches auf dem Kopf, erinnert ihr euch? Ich musste einmal eine ganze Stunde mit ihr diskutieren, ehe die Fette Dame sich dazu erbarmt hat, mich endlich in den Gemeinschaftsraum zu lassen.“
„Hattest du das Passwort vergessen?“, gluckste Ron.
„Nein, es war mitten in der Nacht, sie waren angeschwipst und hielten mich für galanten Besuch.“
Die beiden Zauberer amüsierten sich einen Augenblick voller inbrünstiger Gedanken an nun so lange zurückliegende Tage; an Freunde, Abenteuer und fast vergessene Träume. Die meisten davon hatten sie an dem Tag verloren, an dem sie das letzte Mal Dumbledores Büro betreten und nie wieder verlassen hatten.
„Vergesst nie, weshalb ihr fort gegangen seid.“
Selbst die Stimme des alten Direktors war nur noch ein schwaches Echo in ihrer Brust; die Bedeutung seiner Worte ein Mahnmal, das alles andere eingebüßt hatte, was es einst gespiegelt haben mochte.
Nachdenklich fasste Hermione an die Haube, die überraschend viel ihres Haar unbedeckt ließ, und dachte an die Tote, deren Platz sie nun einzunehmen gedachte. Auch sie hatte alles verloren, das ihr vorbestimmt gewesen war; auch ihre Freunde, Abenteuer und Träume waren an dem Tag von Voldemorts Überfall gestorben. Plötzlich ließ es Hermione frösteln, den Haarschmuck zu tragen, der noch wenige Stunden zuvor auf ihrem Kopf geruht hatte, einem Kopf voller unerfüllter Pläne und Hoffnungen.
Es wird mich daran erinnern, dass es ihr Leben ist, das ich von jetzt an führe.
Als der Gedanke in ihrem Inneren anschwoll und widerhallte, presste Hermione die Kiefer aufeinander.
Noch während Harry und Ron abschweiften und ihre Gedanken an andere Portraitgestalten teilten, wanderte ihr Blick zu ihrer linken Hand und fixierte den schmalen goldenen Ring. Nie hatte sie ihn abgelegt – selbst als sie James Norringtons Frau geworden war, hatte sie ihn lediglich an ihre Rechte verbannt. Legolas’ Ehering begleitete sie seit ihrem letzten Tag in Bruchtal, war die essentielle Leine zu Träume geworden, die lange schon im Sterben begriffen lagen.
Aber wenn sie ihn jetzt nicht ablegte, würde sie es nie tun. Sie könnte ihn tarnen, wie sie es so oft getan hatte, aber es ging nicht nur um ihre neue Rolle, es ging nicht nur um das Schauspiel. Es ging schlicht und ergreifend darum, dass ihr ganzes Herz wieder für ihre Aufgabe schlagen musste, wenn sie diese Reise durch all ihre Etappen überleben wollte.
Ich muss ihn ohnehin aufgeben.
Als Hermione sachte den Ring abzog, verstummten die beiden Zauberer inmitten ihres Gesprächs. Sorgsam verstaute sie ihn in ihrem Gepäck, auch wenn es für eine Sekunde ihre gesamten Innereien zerriss, dann zog sie Harrys elbische Karte hervor, richtete sich auf und wedelte damit.

Die Polster der Kutsche waren härter und ungemütlicher, als es ihre von der behaglichen Zukunft verwöhnten Körper erwarteten, doch Hermione wusste, dass dieser Unterschied schon in wenigen Wochen keinem von ihnen mehr auffallen würde. Man vermisste die Annehmlichkeiten zu Beginn, dann vergaß man, fast über Nacht, und erkannte erst wieder, was einem gefehlt hatte, wenn man längst zurückgekehrt war.
Es war Harry, der schließlich die elbische Karte inspizierte und sich ihre zukünftige Route einprägte, die zu einem Anwesen namens Westhorpe Hall führte, von dem Hermione ausging, dass es der Sitz des Herzogs war.
„Also, wie sieht’s aus? Für wen geben wir beide uns nun aus?“, fragte Ron, als sie endlich übereinkamen, dass sie der elbischen Karte stets hatten trauen können und dass sich an Harrys oberstem Wunsch, die Mission zu beenden, absolut nichts geändert hatte. Insbesondere seit Rogue gestorben war, schien dies für ihn nur noch größere Wichtigkeit errungen zu haben. Das hier zu Ende zu führen, bedeutet eben auch, dass ihr Tod nicht umsonst gewesen ist. Hermione konnte ihn verstehen.
„Ich meine, wir können nicht einfach ohne einen Plan auftauchen, oder?“, fuhr Ron fort. „Sonst werden wir wieder fortgeschickt und du sitzt alleine da.“
„Nein“, stimmte Hermione ihm zu. „Deshalb habe ich mir überlegt, dass ihr in den Dienst des Herzogs eintretet.“
Harry hob die Augenbrauen. „Und du glaubst, dass das so einfach geht?“
Sicher nicht, einfach ist nichts auf dieser Reise.
„Wir werden sehen, aber es ist die simpelste Lösung, die mir einfällt. Der Herzog von Suffolk wird viele Männer niederen Adels in seinen Diensten besitzen. Wenn ihr also hinzu stoßt, sollte das nicht allzu seltsam sein – insbesondere, da ihr mein Schutzgeleit bildet. Und falls er … falls ihm die Idee nicht gefällt, helfen wir eben mit ein wenig magischer Überzeugung nach.“
„Klingt besser als nichts.“
Finstern sah Hermione zu Ron herüber und entfaltete den Brief erneut, den Catherine Brooke ihnen unfreiwillig hinterlassen hatte. „Wir werden unsere Namen ändern müssen.“
Diesmal war es Ron, der düster aufsah. „Klar, du nimmst ihren an, aber wieso sollten Harry und ich unsere ebenfalls ändern?“
Vage erinnerte sie sich eines ihrer Gespräche vor ihrer Reise zur Mutant High, in dem er lautstark verkündet hatte, dass er seinen Namen nicht aufgeben würde, weil es das Letzte sei, was sie besaßen – selbst wenn es bedeutete, dass sie in unzähligen Kapiteln der Geschichtsbücher auftauchen würden. Also war Hermione nicht verwundert, als ihr nun augenblicklich klarer Widerwillen entgegen schlug.
„Zunächst einmal werde ich nicht Catherine Brookes Namen annehmen, denn dafür weiß ich viel zu wenig über sie, ihren Hintergrund und ihre Familie. Wir wissen gar nichts. Nein, ich ändere den Namen in diesem Brief auf meinen eigenen … nun, nicht ganz meinen eigenen … sondern einen Namen, der … der mir mal einmal gehört hat.“ Ihre Stimme brach, ehe sie rasch weitersprach. „Jedenfalls können wir uns auf diese Art eine eigene Geschichte zusammenspinnen, ohne aus Unwissen über die Brookes in eine Falle zu tappen, die uns womöglich enttarnt.“
„Du bleibst also bei Hermione?“, vergewisserte sich Harry verwirrt.
„Ja, Hermione Norrington.“ Sie schluckte, während die beiden Männer einen erstaunten Blick wechselten. „Seht, mein echter Name, Granger, kommt der Herkunft nach aus gewöhnlichen Standesschichten und wir befinden uns in einer Zeit, in der das von womöglich essentieller Bedeutung ist. Ich muss einen Nachnamen annehmen, der keinen Misstrauen erregt, wenn ich zum Mündel eines Herzogs werde. Und Norrington ist ein solcher Name, weder auffällig, noch gleichbedeutend mit einem niederen Stand.“
Mochte James Norrington auch erst in etwas weniger als zweihundert Jahren auf die Welt kommen, seinen Namen wieder zu verwenden, war womöglich auch eine späte Art, ihm zu danken. Nach allem, hatte er sie stets nur zu schützen versucht, und nun war dies der größte Schutz, den er ihr geben konnte.
Er war ein mutiger Mann. Er hat es bewiesen, indem er für mich gestorben ist. Ja, es fühlte sich gut an, seinen Namen in dieser Art weiter zu tragen. Es schien nur gerecht.
„Was ist mit uns?“
Erwartungsvoll sahen die beiden Zauberer zu ihr.
„Harry, du könntest dich Harold Dursley nennen – den Namen vergisst du nicht, nicht einmal im Schlaf, er ist genauso unauffällig wie Norrington und wir könnten dich weiterhin Harry rufen, ohne dass es Misstrauen erweckt. Und Ron, nun, im Grunde musst du nicht viel ändern – wie wäre es mit Ronald Wesley?“
Das war in der Tat so eine geringe Abwandlung, dass auch der rothaarige Zauberer nach kurzem Murren zustimmte.
Noch während Hermione Catherine Brookes Namen in dem Schreiben an den Herzog abwandelte und durch ihren neuen ersetzte, stieg Harry mit seiner Karte aus dem Innenraum der Kutsche und schloss die Tür hinter sich. Das Gefährt setzte sich in Bewegung, als sie gerade das Siegel mit einem Reparo wiederherstellte und ihm seinen ungeöffneten Schein zurückgab.
Als sie wieder aufsah, traf sie Rons Blick. Er sah genauso nervös aus, wie sie sich fühlte.





Musik: Dead Hearts – Stars

Schlussbemerkung: Ihr seid einfach nur großartig, das möchte ich an dieser Stelle noch einmal gesagt haben. Was für ein warmes Willkommen! Wenn ich eines schon jetzt sagen kann: Es hat sich gelohnt, die Zähne zusammenzubeißen und mich durch dieses (an manchen Tagen) endlose Werk zu zwingen, allein dafür hat es das!
Und nun - ihr seht, es geht los, und vielleicht seht ihr auch ... etwas ist anders als sonst ...