Narben auf unseren Herzen

von Marylein
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18
Hermine Granger Severus Snape
24.07.2019
16.08.2019
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Kapitel 10

Zitternd saß Hermine in ihrem breiten Sessel und sah über ihren Schreibtisch und die Reihen von Schülerpulten hinweg zu der dicken, verzierten Eichentür. Es hatte sie bereits alles an Kraft gekostet, sich beim Mittagessen nicht an Severus‘ Brust zu schmeißen und in Tränen auszubrechen.

Bloß die tuschelnden Schüler an den Slytherin- und Gryffindortischen hatten sie dazu bringen können, ein gleichgültiges Lächeln aufzusetzen und eine oberflächliche Unterhaltung mit Charlie zu führen, der glücklicherweise noch nichts gehört hatte.

Sie versuchte sich aufzusetzen, doch ein scharfer Schmerz in ihrem Rücken ließ sie nur gequält stöhnen. Die Zeit bis zum Unterrichtsende kam ihr unüberwindbar vor. Alles, was sie wollte, waren herber Kräuterduft und lange, feingliedrige Finger, die durch ihre Haare fuhren.

Sie wollte seine Stimme sagen hören, dass sie das nicht verdient hatte. Dass es in Ordnung war darunter zu leiden. Dass er nicht so von ihr dachte.

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Severus musste sich zurückhalten, um nicht Hermines Nacken zu streicheln, der völlig verspannt wirkte. Stumm seufzend verschränkte er die Arme und zwang seinen Blick wieder zu der Schulleiterin.

„Ich bin sehr erfreut über den Anklang, den Ihr Kurs gefunden hat, Professor Granger.“ Er verdrehte die Augen. Das ‚Aber‘ lag bereits in der Luft, als die junge Hexe sich noch bedankte. „Allerdings scheinen die Vorfälle unter den Schülern nicht abzunehmen, sogar eher noch extremer zu werden.“ Doch nur, weil er seinen Schülern nichts mehr durchgehen ließ.

Hermine legte jede Woche so viel Schweiß und Blut in diese eine Schulstunde und trotzdem war die Abneigung seines ganzen Hauses gegenüber der Geschichtslehrerin unverändert. Es machte ihn verrückt und er versuchte ihre Mühen jede Nacht zu entlohnen, ihr den Schmerz zu nehmen, den Slytherin ihr zu fügte.

„Nun, wenn man Wunden aufreißt, tut es immer erst mal mehr weh.“ Severus unterdrückte ein stolzes Lächeln. Nichts konnte sie unterkriegen. „Und sie werden Zeit brauchen, um diese tiefen Differenzen aufzuarbeiten.“ Mitfühlend verzog Minerva ihre dünnen Lippen, erinnerte ein wenig an den alten Schulleiter.

„Ich hatte gehofft, dass es etwas ändert, wenn die Schüler erkennen, wie sehr Sie sie respektieren.“, wandte die alte Hexe sich an ihn und er zog skeptisch die Augenbrauen zusammen. „Leider sind nicht alle so aufmerksam, wie ich.“

Er hatte sich auch bemüht seine Gefühle für Hermine so gut wie möglich zu verbergen. Zwar zeigte er offen seine Achtung ihr gegenüber, in der Hoffnung ein Vorbild zu sein, jedoch war er sich stets der Zuneigung bewusst, die er hier und da mit ein wenig zu viel Kühle überspielte.

„Du hättest diese Grenzüberschreitung vor einigen Wochen härter bestrafen müssen, Severus.“ Argwöhnisch legte er den Kopf schief. Minerva wagte es selten seine Entscheidungen so gerade heraus zu kritisieren und diesmal konnte er ihr nichts entgegnen. Sie hatte Recht.

„Ich habe Professor Snape gebeten, mich das regeln zu lassen.“, warf Hermine kleinlaut ein und er schloss kurz die Augen, fühlte sich daran erinnert, wie sie immer versucht hatte ihre Mitschüler zu verteidigen. Das brauchte er nicht.

„Seit wann interessiert es dich eigentlich, wenn Schüler irgendeinen Lehrer hassen?“ Minerva presste ihre Lippen zu einem schmalen Strich zusammen und hob ihre Augenbrauen zu einer herausfordernden Miene.

„Ich bestrafe jegliches Fehlverhalten fair und angemessen.“ Schnaubend wandte er sich ab und ließ den Blick über Hogwarts‘ Ländereien streifen. Es regnete mal wieder. „Jeder Gryffindor, der dich unter meinen Augen einen Todesser genannt hat, konnte harte Konsequenzen erwarten.“ Er hörte, dass Hermine nervös auf ihrem Sitz herum rutsche und bemühte sich Ruhe zu bewahren.

„Das erklärt immer noch nicht, wieso du jetzt auf einmal darüber reden willst.“ Das entschuldigende Seufzen seiner Geliebten ließ ihn aufhorchen und er hatte wieder dieses Gefühl in seinem Magen, das er so hasste. Wenn alle im Raum etwas wussten, von dem er keine Ahnung hatte.

„Irgendjemand hat diese Nacht ‚Schlammblut‘ auf meine Tür geschmiert.“ Wütend presste er die Zähne aufeinander. „Und ich habe bisher nicht geschafft, es weg zu zaubern.“ Severus schloss kurz die Augen, um sich zu sammeln. Sie hatte den ganzen Schultag diese Beleidigung ertragen müssen. Jeder, der ihren Unterricht besuchte, hatte es gesehen.

Schmerz durchfuhr ihn aufgrund dieser öffentlichen Demütigung. Er verwünschte Minerva, wollte Hermine in die Arme schließen und ihr gleichzeitig einen Vortrag darüber halten, dass er so etwas wissen musste. Ihr klar machen, dass sie das nicht verdiente und dieses ekelhafte Wort nichts mit ihr zu tun hatte.

Seufzend drehte er sich wieder den anderen Frauen zu, versuchte herauszufinden, wie sie sich fühlte, doch ihr Gesicht versteckte sich hinter dicken Locken und er durchstach stattdessen die Schulleiterin mit einem langen Blick. An irgendjemanden musste er schließlich seine Wut wenden.

„Und du gibst natürlich mir die Schuld daran.“ Leise gestand er sich ein, dass er es ebenso tat. Die Alte erwiderte nichts und er lief schnaubend auf die Tür zu. „Nun, da ich endlich davon unterrichtet wurde, muss ich mich dem Problem wohl annehmen.“ Man hielt ihn nicht auf.

Mit langen Schritten durchquerte er den Flur vor Minervas Büro und hörte ihre kleinen, trippelnden Füße schon bald hinter sich, doch er wurde nicht langsamer. Sie hätte es ihm sagen müssen, als sie beim Mittagessen zusammen gesessen hatten oder einfach jederzeit zu ihm hinunter kommen sollen. Er fühlte sich verraten.

Gerade von Minerva so zurecht gewiesen zu werden, Hermines erneute Beleidigung von ihr erfahren zu haben, traf ihn tief. Er hatte gehofft, dass sie sich ihm zu öffnen begann und nun hinterging sie ihn so öffentlich. All ihre flüsternden Geständnisse bedeuteten nichts, wenn er nicht der erste war, dem sie ihren Schmerz mitteilte.

Sie hatte ihm erzählt, wie schuldig sie sich Weasley gegenüber fühlte, wieso sie ihn verlassen musste und dass sie ihr ganzes Leben verloren hatte. Auch, wenn er nur mit sanften Berührungen hatte antworten können, war er sich sicher gewesen, dass es sie befreite. Und nun schien das alles nur noch ein gemeines Spiel, um ihm weiszumachen, dass sie ebenso fühlte, wie er.

„Severus, verdammt!“ Am Ende einer Treppe, die sich gerade an den Kopf einer anderen bewegte, schloss sie zu ihm auf, fiel erschöpft in seinen Rücken. Schnell sah er sich um. Sie nannte ihn bloß in ihrer gemeinsamen Einsamkeit so. Wenn keine Gefahr bestand, dass irgendjemand es hören würde

Dass sie so viel Zeit bei ihm verbrachte, sorgte bereits für Gerede, auch, wenn niemand von den zahlreichen Nächten wissen konnte. Dafür sorgte er mühsam gewissenhaft und die Angewohnheit, über alles im Schloss Bescheid zu wissen half nicht unwesentlich. Diesmal hatte es ihn jedoch im Stich gelassen.

„Es tut mir Leid.“ Wütend drehte er sich um, ließ den weiten Umhang gegen sie schwingen. „Ich wusste nicht, dass Professor McGonagall vorhatte, es anzusprechen.“ Er lehnte den Kopf vor und sah ihr tief in die Augen, versuchte seine Abneigung in jedes leise Wort zu legen.

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„Es tut Ihnen also bloß Leid, dass Sie erwischt wurden, Miss Granger?“, schnitt seine Stimme direkt in ihr Herz. Verzweifelt schüttelte sie den Kopf. Es tat ihr Leid, dass sie es ihm nicht früher gesagt hatte, doch viel mehr schmerzte die lächerlich tiefe Verletzung dieser Schmiererei.

„Ich hätte es dir heute Abend erzählt.“ Ihnen beiden war bewusst, wie unaufrichtig das war und es erniedrigte sie noch mehr. Unter der Kälte seines Blickes erschaudernd, schlang sie die Arme um sich.

„Das sollten Sie noch mal üben.“ Er löste sich wieder von ihrem jämmerlichen Anblick, nahm mehrere Stufen auf einmal und sie schüttelte die Panik ab, um ihm hinterher zu eilen.

Erst im Kerkerabgang konnte sie nach dem schwarzen Umhang greifen, doch er schleifte sie unbeeindruckt hinter sich her, bis in seine Räumlichkeiten. Verwirrt trat sie einen Schritt zurück, während er die Tür hinter ihnen schloss.

Ihr ganzer Körper zitterte unter dem weiten, dunkelroten Umhang. Er schwieg, lehnte sich bloß an das schlichte Holz und sah sie voller Bitterkeit an. Hilflos zuckte sie mit den Schultern. Sie fühlte sich einfach so unglaublich elend.

„Ich habe es Minerva nur gesagt, weil ich es nicht beseitigen konnte.“ Schnaubend schüttelte er den Kopf, forderte sie stumm dazu auf, ehrlich zu sein und sie brach unter der unverkennbaren Verletztheit seiner schwarzen Iriden.

Ein lautes Schluchzen wand sich aus ihrem Mund, als sie schmerzhaft auf die Knie fiel. Sofort war er bei ihr und die Anspannung des ganzen Tages entlud sich endlich in diesem unkontrollierbaren Weinen.

„Ich konnte einfach nicht.“ Sie schämte sich dafür, wie weh dieses Wort immer noch tat, wie sehr sie sich danach gesehnt hatte, von ihm getröstet zu werden. Wie sehr sie ihn brauchte. „Es ist so lächerlich.“, sprach sie aus, was sie sich den ganzen Tag vorgeworfen hatte. Seine Arme rieben Wärme in ihren zitternden Körper und es war erbärmlich, wie sehr sie seine Zuneigung in sich aufsog.

Wie konnte sie es immer noch persönlich nehmen, wenn irgendjemand diese veralteten, längst besiegten Überzeugungen verbreiten wollte? Irgendein trauriges, hasserfülltes Kind, das in ihr bloß ein willkommenes Ziel sah.

„Es ist lächerlich, zu behaupten, an dir wäre irgendetwas minderwertig.“ Wärme durchströmte ihre Brust und sie suchte mit ihrer Wange seine, wollte ihm so nah wie möglich sein.

Sie war erbärmlich. Den ganzen Tag hatte sie gelitten und Severus musste ihr bloß ein leises, umständliches Kompliment machen, damit diese kleine Stimme in ihrem Kopf endlich schwieg.

Scham verengte ihren Hals, als sie über seine Beine stieg und sich in seinen Umhang stahl. Sie war völlig abhängig von ihm. Wenn sie alleine waren, fiel es ihr viel zu leicht, an seine Liebe zu glauben und sobald ein wenig Abstand zwischen sie kam, schalt sie sich für diese Naivität.

„Ich hätte es nur lieber von dir erfahren.“, murmelte er nach einer Weile an ihrem Ohr und setzte einen Kuss darunter. Wieder entschuldigte sie sich und diesmal nahm er es nickend an. „Wer auch immer das war, darf deine ganzen Räumlichkeiten mit der Zahnbürste schrubben.“ Kichernd schüttelte sie den Kopf. Severus nahm ihr Gesicht in beide Hände und zog es vor seines.

„Glaub mir, ich würde ihn lieber in Filchs Ketten hängen sehen.“ Er klang wirklich wütend, doch er ließ sie nur seine liebevolle Sorge spüren und falsche Hoffnung kletterte wieder gemächlich ihre Wirbelsäule hinauf. „Mitten in der großen Halle.“ Belustigt zog sie die Augenbrauen hoch.

Irgendwie kam ihr die Vorstellung eines aggressiven Snapes lächerlich vor. Der Mann, den sie kennen gelernt hatte war so sanft in seiner Wildheit, dass sie ihn nicht länger fürchten konnte. Nur noch seine Ablehnung.

„Das würde ich nicht zulassen.“ Er brummte trotzig und sie fuhr beruhigend mit ihren Lippen darüber. Seine unverhüllte Wut brachten diese drei magischen Worte wieder auf ihre Zunge. Wie immer schluckte sie sie herunter.

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Aufgebracht stampfte Severus hinter seinem Schreibtisch hin und her, bis er endlich das vorsichtige Klopfen hörte. Seine Lippen verzogen sich zu einem verheißenden Lächeln und erwartend wandte er sich der Tür zu.

„Herein.“ Langsam trat der große, schlanke Junge ein. Er riss erschrocken die Augen auf, als er Hermine an Severus‘ Pult lehnen sah, doch er fing sich schnell wieder, um die übliche, selbstsichere Maske aufzusetzen.

Der Tränkemeister hatte nicht lange gebraucht, um heraus zu finden, wer für die Schmiererei verantwortlich war und er hätte ihm am liebsten dieses elende Wort in die Stirn geritzt, doch sie hatte darauf bestanden, anwesend zu sein. Er konnte ihr seine blinde Sucht nach Vergeltung nicht zeigen.

„Setzen Sie sich, Mister Gilford.“, bat er ihn mit seidiger Stimme und nahm wahr, wie Hermine hinter ihm zuckte. Es zügelte ihn ebenso, wie ihr Zusammenbruch vor wenigen Stunden.

Der Junge ließ sich auf einem Stuhl in der ersten Reihe fallen, vermied es seine Lehrerin anzusehen. Dass er nun gezwungen war seine Fehler unter ihren Augen zuzugeben, begann Severus zu gefallen.

„Was glaube Sie, führt Sie heute hier her?“ Er bemühte sich freundlich zu klingen und endlich warf der Junge einen Blick auf sie, die immer noch an dem Holz lehnte, sicher mitfühlend die Lippen verzog. Wer hier Freund und wer Feind war, würde noch früh genug klar werden.

„Gryffindor kommt wohl mal wieder nicht ohne unsere Hilfe aus.“ Wut ließ Severus Finger zucken und er schritt mit verschränkten Armen langsam auf den Schüler zu, immer noch Gleichgültigkeit in den kalten Augen.

„Ganz im Gegenteil, Mister Gilford.“ Geschmeidig drehte er sich zu seiner Kollegin um, als er an der ersten Reihe angekommen war und fand die gleiche, aufgesetzte Gleichgültigkeit. Obwohl sie noch immer verletzt war, warf sie dem Jungen nichts vor.

„Ich bin heute Mittag nichts ahnend in den vierten Stock gekommen und wurde von Ihrer originellen Kunst begrüßt.“ Er gab seiner Stimme eine Leichtigkeit, die jeden seiner Schüler hätte aufhorchen lassen und auch neben ihm spürte er nun beginnende Angst. Es zu bestreiten hatte bei dem dunklen Hauslehrer keinen Sinn.

„Professor Granger, erinnern Sie mich bitte noch einmal an meine Idee einer angemessenen Strafe.“ Sie schloss kurz die Augen und sah ihn dann entschlossen an. Stolz brandete ihn Severus herauf.

„An Mister Filchs Ketten aufhängen.“ Auf seinen fordernden Blick fügte sie leiser hinzu: „In der großen Halle.“ Mit einem unauffälligen Lächeln honorierte er, dass sie sofort verstanden hatte, worauf er anspielte und dass sie ihn nicht aufhielt. Neben ihm war keine Reaktion zu vernehmen.

„Ich hatte noch den gnädigen Einfall, Sie ihre Schmierereien mit der Zahnbürste entfernen zu lassen.“ Ein kaum hörbares Schnauben ließ Severus‘ Augen funkeln. „Die Sie danach natürlich weiterhin benutzen würden.“ Er wollte sich umdrehen, dem Jungen warnend seinen Zauberstab an die Kehle drücken und ihn winselnd um Vergebung bitten lassen.

Doch Hermine hatte ihm klar gesagt, dass Angst nicht helfen würde und obwohl er dem nicht zustimmen konnte, gab es etwas in ihm, das sich ihr beweisen wollte. ‚Er braucht keine Strafe, er braucht Hilfe.‘ Seufzend drehte er sich wieder um.

„Professor Granger hat versucht mich davon zu überzeugen, dass Sie nicht so ein widerlicher Abschaum sind, wie Ihre Taten es vermuten lassen.“ Unter der scharfen Beleidigung zuckte Gilford zusammen, ließ Severus‘ Nacken zufrieden kribbeln.

„Halten Sie Vergebung für eine Schwäche?“ Hermines stilles Erstaunen brannte sich in seinen Rücken und als er keine Antwort bekam, legte er die Hände flach auf das abgenutzte Pult, fixierte den Jungen, bis er endlich aufsah und langsam nickte.

„Ich war der Meinung, dass ich Sie bestrafen sollte, bis sie verstehen, wie schwer es tatsächlich ist.“ Trotzig verschränkte er die Arme und sah zu seinem Lehrer hinauf. „Und wir haben uns geeinigt, diese Möglichkeit noch nicht völlig auszuschließen.“ Skepsis vermischte sich wieder mit Angst, brachte Severus ein wenig Genugtuung.

„Doch Professor Granger ist wesentlich einfühlsamer und gütiger als ich.“ Er wollte sich umdrehen, um ihre Rektion zu sehen, doch er hielt den Blick des Jungen. Jedes lächerlich versteckte Kompliment ließ sie vor Freude strahlen.

„Sie ist der Meinung, Sie hätten ihre Vergebung verdient.“ Kurz schaute Gilford zu ihr, hielt ihr zweifelloses Mitleid jedoch nicht lange aus. „Sie werden sich entschuldigen, auch wenn Professor Granger davon nicht viel hält, wie ich gehört habe.“ Sie teilte jede Stunde in diesem ambitionierten Unternehmen mit ihm, ließ ihn an ihren Gefühlen teilhaben und er hoffte, dass es dem Jungen eine Warnung war.

„Und Sie werden dieses armselige Zeugnis ihrer Ignoranz entfernen.“ Schnell nickte er, ahnend, dass er tatsächlich nicht mehr zu befürchten hatte und Severus lehnte sich noch einmal näher an das fleckige Gesicht. Niemand durfte Hermine beleidigen.

„Sollte Ihnen das nicht vor Augen führen, dass Professor Granger ihren größten Respekt verdient hat, werde ich es Ihnen gerne selbst beibringen.“, flüsterte er schneidend, beherrscht dem Jungen keine körperlichen Schmerzen zuzufügen und entließ ihn schließlich mit einer knappen Handbewegung.

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Kopfschüttelnd sah Hermine dem armen Jungen hinterher, der an der Tür nur kurz angehalten hatte, um eine Entschuldigung zu murmeln. Sie war froh, dass Severus ihn dafür nicht zurecht wies.

Die Anspannung im Raum hatte die Haare in ihrem Nacken aufgestellt und ihr war schmerzlich bewusst geworden, dass ihr ehemaliger Lehrer nichts von seiner Bedrohlichkeit eingebüßt hatte. Nur in ihrer Nähe war er anders.

„Du hättest nicht so hart sein müssen.“ Schnaubend schwang dieser große Mann herum und traf sie mit einem harten Blick, ließ sie getroffen zusammen zucken. Sie wollte ihn wieder so liebevoll wie noch vor wenigen Stunden.

„Es reicht mir schon, wenn endlich dieses Wort verschwindet.“, versuchte sie es sanfter und endlich erweichten die breiten Schultern, als er auf sie zukam. Er hatte sich unglaublich zurückhalten müssen und sie war ihm dankbar dafür.

„Wie kannst du auch noch Mitleid mit ihm empfinden?“ Sehnsüchtig empfing sie ihn, schlüpfte sofort unter seinen Umhang und schmiegte sich an die vertraute Brust. „Alleine diese hingeworfene Entschuldigung hätte ihm Nachsitzen einbringen müssen.“ Er klang fast schon entschuldigend, doch sie war sich nicht sicher, ob es aufgrund seiner Strenge war, oder weil er ihrem Drängen um Gnade nachgegeben hatte.

„Er ist doch bloß ein verletztes Kind, Severus.“ Nachsichtig schnalzte er mit der Zunge, irgendwo in der Nähe ihres Ohrs und plötzlich spürte sie die weichen Lippen in ihrer Halsbeuge.

„Ich hätte niemals zulassen sollen, dass so etwas passiert.“ Es war offene Reue, die sie scharf einatmen ließ. „Es tut mir Leid.“, flüsterte er erstickt und sie lehnte ihren Kopf zurück, um ihm in die Augen zu sehen, fand Schuld, die er nicht verdient hatte.

„Du hast mir das nicht angetan.“ Liebevoll legte sie ihre Hand an seine Wange, strich über den scharfen Wangenknochen. „Ohne dich hätte ich den Tag niemals durchgestanden.“ Er senkte seine Lippen zu ihren, berührte sie kaum merklich.

„Ich war nicht mal für dich da.“ Wieder war da diese tiefe Trauer und in einem Versuch ihn aufzumuntern, rieb sie ihre Nase sanft an seiner. Es ließ ihn jedes Mal ganz leise lächeln.

„Das stimmt nicht.“ Ihr Atem war schneller geworden, doch trotzdem nahm sie seine Hand von ihrer Hüfte und legte sie auf ihr rasendes Herz. „Du warst hier.“ Ein leises Seufzen entwich diesem sonst so beherrschten Mann, der nur bei ihr zu all der Liebe wurde, die sie brauchte.

„Hermine.“ Flehend, sehnsüchtig. Und doch bewegte er sich nicht, spürte ihren Herzschlag und atmete zitternd ihre Luft. „Meine Hermine.“ Seufzend drängte sie ihren Körper enger an ihn, bis seine Hand zwischen ihnen gefangen war und der starke Arm sich schmerzhaft in ihre Rippen bohrte.

Das wollte sie sein. Seine Hermine. Die Frau, der er sein Herz gab. Sie brauchte die Liebe dieser schwarzen, verletzten Seele so sehr sie die Luft zum Atmen brauchte.

„Ja.“, war alles, was sie sagen konnte und er verstand. Mit einem unfassbar rohen Knurren eroberte er endlich ihre Lippen.

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Summend schmiegte sie sich noch enger an seine Brust, irgendein Lied auf den Lippen, das er nicht kannte. Hermine saß zwischen seinen Beinen und las ein Buch über mittelalterliche Zauberarchitektur, während er sein Kinn auf ihre Schulter legte und die kleinen Finger beobachtete, die das schwere Buch hoch auf ihren Knien hielten. Ihre Lippen bewegten sich lautlos mit, er konnte es an seiner Wange spüren, wo sie an ihm lehnte.

Glatte, weiche Haut lag an seiner, spendete eine innere Wärme, die ihm fast schon Tränen in die Augen trieb. Alles an diesem Bild war vertraut und natürlich. Er fühlte sich so wahrhaftig, wie noch nie in seinem Leben. ‚Ja.‘ Mehr hatte es nicht gebraucht, um sich wieder dieser süßen Fantasie hinzugeben.

Plötzlich warf sie das Buch achtlos neben ihn und drehte ihren Kopf zu ihm herum, fand sanft seine Lippen. Viel zu schnell löste sie den Kuss wieder. Sie suchte irgendetwas in seinen Augen.

„Ginny und Harry sind dieses Wochenende zusammen gezogen.“ Fragend hob Severus eine Augenbraue. Was ging ihn das an? „Und heute Abend feiern sie ihre Einweihung.“ Er war nicht sicher, was sie von ihm erwartete, fühlte sich plötzlich falsch in ihrer gemeinsamen Nacktheit. „Harry hat mich eingeladen.“ Alles andere wäre auch falsch gewesen. „Und dich auch.“

Er fühlte die alte Gleichgültigkeit wieder über seine Züge huschen, als ihm das Gespräch mit seinem ehemaligen Schüler einfiel. Sah er ihn als Hermines unvermeidbare Krücke oder ahnte er sogar mehr? Beschämt rückte sie ein wenig von ihm ab.

„Er hat mich in seinen Briefen immer wieder nach unserer gemeinsamen Zeit gefragt und…“ Ihre Stimme verhallte in ihren Locken, die sich schützend über ihr Gesicht gelegt hatten. Severus wollte sie daraus streichen, doch er befürchtete, dass sein Zittern ihn verraten würde. „Naja, ich hab ihm erzählt, wie wohl ich mich bei dir fühle.“ Weil er nichts von ihr verlangte, außer bedingungsloser Hingabe.

„Ich glaube kaum, dass es den anderen Gästen ebenso gehen wird.“ Sie musste bei ihm nicht fröhlich und unbeschwert sein. Sie musste sich nicht ständig selbst kontrollieren, weil er sie einfach so annahm, wie sie war. Er war sich sicher, da er selbst genauso fühlte. Doch diese Vertrautheit verschwand, sobald andere Menschen anwesend waren. In der großen Halle, auf dem Flur.

„Das stimmt nicht, Severus.“ Sie klang selbst nicht überzeugt davon. „Harry hat seit der Schlacht von Hogwarts immer wieder betont, wie dankbar er dir ist.“ Schnaubend schwang er die Beine aus dem Bett, drehte ihr dabei den Rücken zu und stützte seine Unterarme auf den Knien ab.

Auch, wenn man ihn nicht länger blind hasste, fühlte man doch noch immer Ablehnung dem ehemaligen Todfeind gegenüber. Und er verstand es, hasste sich selbst für all seine Taten. Vor allem, wenn er an die unverdiente Ehre dachte, sie berühren zu dürfen.

„Ich habe dort nichts zu suchen.“ Das hatte er bereits erkannt, als ihre besten Freund hier gewesen waren. Er gehörte nicht zu ihrem Kreis, zu ihrer Familie. Er war bloß eine willkommene Erholung für ihren erschöpften Geist.

Sanft berührte sie seinen nackten Rücken, ließ ihn flehend die Augen schließen. Immer wieder musste er die Gedanken an alles verdrängen, das außerhalb ihrer kleinen Blase war.

„Es ist in Ordnung, wenn du nicht möchtest.“ Die Enttäuschung in ihrer Stimme verengte seine Brust. „Ich wusste bis gerade nicht mal, dass ich selbst hin will.“ Hatte ihre Nähe der letzten Wochen sie schließlich doch seiner überdrüssig werden lassen?

„Und was hat dich überzeugt?“ Er wollte die Antwort nicht hören und doch musste er. Die Weichheit ihrer Lippen traf seine Wirbelsäule, als sie ganz hinter ihn rückte, die Beine um ihn und ihre Brüste an seinen gerundeten Rücken legte. Zittern durchfuhr ihn kampflos.

„Ich vermisse meine Freunde.“, murmelte sie an seiner Haut, strich mit den kleinen Fingern über seine Rippen nach vorne, fand die spärlichen Brusthaare. „Und ich fühle mich stark genug.“

Seufzend griff er nach ihren Händen und küsste jede Innenfläche mit größter Zärtlichkeit. Er hatte sich gedacht, dass sie ihn irgendwann nicht mehr brauchen würde.

„Das freut mich für dich.“ Bemüht sie seinen Schmerz nicht spüren lassen, zog er ihre Arme fest um seinen Bauch, genoss noch ein letztes Mal ihre Nähe. „Du hast dir lange genug eine Auszeit nehmen müssen.“ Sich an ihm festhalten und ihm all  ihre Erwartungen übergeben müssen, um endlich wieder Luft zu kriegen.

Er kannte dieses Gefühl, auch wenn er seine Probleme immer nur ausgeschlossen hatte, statt sie zu teilen. Aber bei ihr war alles plötzlich erträglich.

„Das stimmt.“ Es war ein offener Selbstvorwurf. „Aber es kam mir immer so anstrengend vor.“ Nicht länger. Sie war freier, sicherer. Dank ihm. Und es erfüllte ihn mit Stolz auch, wenn es hieß, dass sie sich wieder von ihm lösen würde.

„Ich wusste immer, dass zuhause nur Leere auf mich wartet.“ Er hatte ihr gezeigt, dass es mehr geben konnte. So, wie sie es ihm vor Augen geführt hatte. Der Unterschied lag bloß darin, dass er eine Zukunft an sie knüpfte.

„Du gibst mir die Kraft, mich endlich damit auseinander zu setzen, was mich lähmt.“ Desillusionierung, Offenbarung. „Ich habe mich so verloren gefühlt in dieser Taubheit.“ Bis sie sich gefunden hatten, gelernt hatten, dass sie nicht alleine waren. Und nun wollte sie weiter ziehen, jemanden finden, der sie verstehen und den sie lieben konnte. „Du bist wie ich.“ Erschrocken öffnete er den Mund.

Sie waren nicht gleich, fühlten bloß dieselbe Ernüchterung. Kopfschüttelnd wand er sich aus ihrer Umarmung und stand bedächtig auf. Als sein Blick ihren fand, lag Angst darin. Angst vor seiner Ablehnung. Fragend legte er den Kopf schief, beobachtete, wie sie beschämt die Decke um ihren entblößten Körper zog.

„Severus, ich weiß, dass du es auch fühlst.“ Ihr Kinn lag auf dem dicken, dunkelgrünen Stoff über ihren Knien. Obwohl sie eingehüllt war, wirkte sie klein und zerbrechlich. Mit einem erschöpften Seufzen fiel er neben dem Bett auf den Boden, kniete vor diesem niedergeschlagenen Bündel.

„Du bist nicht, wie ich.“, flüsterte er, legte den Kopf gegen ihre aufgestellten Beine. Sie strich durch seine Haare, verhieß ihn so zum Schweigen.

„Ich weiß, dass es nicht ewig so bleiben kann.“ Severus hob den Blick, fand jedoch nur ihre geschlossenen Augen. „Aber ich brauche Dich.“ Nicht so selbstsüchtig, wie er sie brauchte. „Gib mir bloß ein wenig Zeit, wieder auf die Beine zu kommen, bevor du mich verlässt.“ Verwundert zog er die Brauen zusammen, ließ sich von ihrer Offenheit treiben.

Du wirst gehen müssen.“ Er hatte nicht die Kraft dazu. Seine Stimme klang peinlich verwundbar, doch er ignorierte den aufsteigenden Selbstekel. Braune Augen trafen ihn mit einem hoffnungsvollen Nebel.

„Ich will nirgendwohin.“, flüsterte sie und ließ kraftlos ihre Beine fallen, empfing sein Gesicht mit diesen winzigen, sanften Händen, wanderte dann hinunter zu seiner nackten Brust und legte sie auf das ziehende Herz. „Es gibt kein anderes Zuhause für mich.“ Schmerzerfüllt schloss er die Augen, konnte den schnellen Atem auf seinen Lippen spüren.

„Lass mich zu dir nach Hause kommen.“ Ihre Bitte traf ihn tief. Genau das war sie für ihn. Zuhause. „Nur noch ein wenig länger.“ Schniefend wandte sie den Kopf ab und wollte sich zurück ziehen, doch er schlang die Arme um ihren weichen Körper und zog sie einfach mit sich auf den harten, kurzen Teppich. Ihre Glieder wanden sich zwischen seinen hervor, band sie in komplizierten Verschränkungen aneinander.

„So lange du mich brauchst.“ Und auch darüber hinaus. Er wusste, dass sein Herz sich niemals von ihr lösen würde. Sie schluchzte irgendwo an seinem Schlüsselbein, verstärkte den Druck ihrer erstaunlich kräftigen Arme und Beine.

„Alles, was du brauchst.“ Ein wimmernder Laut von ihr ließ ihn die Worte fast bereuen. Wenn sie wusste, dass er sie liebte, würde sie ihn verlassen. So, wie sie Weasley verlassen hatte.

„Komm mit mir zu Harry.“ Er hatte es kaum gehört, doch wie automatisch nickte er mit dem Kopf. Es würde ihn zerreißen, sie lachen und plaudern zu sehen, mit all ihren Freunden, wie sie es täglich beim Essen mit ihren Kollegen tat. Und doch konnte er ihre Bitte nicht abschlagen.

Er musste ihr einfach geben, was sie brauchte.

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Nervös strich Hermine ihr hellgrünes Kleid glatt, das sich trägerlos um ihre Brüste schlang und nach dem Seidenband an ihrer Taille locker herab fiel. Severus saß milde lächelnd auf ihren Bett, trug wie immer dunkles Hemd und Jeans, hatte jedoch auf den langen Umhang verzichtet. Und sie musste sich zurückhalten ihn nicht zu berühren.

Daran sollte sie sich besser schnell gewöhnen. Wenn er auf der Party seine Arme um sie legen würde, musste sie die Fragen ihrer Freunde ertragen, die sie nicht beantworten konnte.

Sie liebte einen Mann, der ihr all das zurück gab und trotzdem gehörte sein Herz nicht ihr.

Mit einem tiefen Seufzen griff sie nach der leichten, grauen Strickjacke und ließ ihren Zauberstab in die tiefe Seitentasche gleiten. Wie selbstverständlich nahm Severus ihr vorsorglich besorgtes Geschenk und machte sich mit ihr auf durch das Schloss, hinaus bis hinter die Appariergrenze.

Harry freute sich für ihr neu gefasstes Vertrauen. Kein Vorwurf, dass es gerade Snape war, nicht ein Wort über dieses ungleiche Paar. Es hatte ihr diesen trügerischen Traum wieder vor Augen geführt. Sie wollte Severus‘ Nähe nicht mehr missen. Und sie wollte ihm nicht länger nur in ihren privaten Räumen nahe sein.

Seine Hand, die immer wieder ihre streifte, während sie schweigend nebeneinander hergingen und der herbe Geruch ließen ihre Haut kribbeln. Nicht in dem Verlangen, ihn zu küssen, in sich zu spüren, sondern bloß in der Sehnsucht nach ihren sich verschränkenden Fingern. Nach einem Bekenntnis seiner Liebe.

Als sie ihr Ziel erreicht hatten, hakte sie sich bei ihm ein und konnte es sich nicht verkneifen, ihren Kopf an seinen Oberarm zu legen, bevor sie sie beide zu der Adresse brachte, die man ihr mitgeteilt hatte. Und auch, nachdem sie angekommen waren, hielt sie noch einen Moment an ihm fest, versuchte, geschützt von der Dunkelheit der Nacht, seine Stärke in sich aufzunehmen.

Sie wusste endlich, dass ihr egal war, was Schüler und Lehrer denken würden. Und auch, was ihre Freunde denken würden. Sie brauchte Severus einfach zu sehr. Es gab kein Leben mehr ohne ihn. Keines, das noch Sinn machte. Trotzdem durfte sie sich der Illusion nicht zu lange hingeben, denn Severus bewies ihr jeden Tag, wie unangenehm ihm der Gedanke war, man könne von ihnen erfahren.

Gemeinsam schritten sie die kleine Straße entlang. Er hatte beide Hände um den Pflanzentopf gelegt, auch wenn er ihn ganz klar in einer tragen konnte.

Als Professor McGonagall auf ihre Beziehung angespielt hatte, war er in Wut ausgebrochen. Schmerz schloss sich wieder um ihr Herz. Er fühlte sich wohl in ihrer Nähe, er begehrte sie. Aber er konnte sie nicht lieben. Sie konnte es ja selbst nicht.

„Mine!“ Mit einer herzlichen Umarmung begrüßte Harry seine beste Freundin, die sich ihm nach so langer Zeit endlich wieder nahe fühlte. „Ich hab so gehofft, dass du kommen würdest.“ Bedächtig löste er sich von ihr und hielt dann seinem ehemaligen Lehrer die Hand entgegen.

„Dass ihr kommen würdet.“ Severus griff danach, schüttelte sie kurz und nickte knapp. Wenn er nicht hier sein wollte, wieso hatte er ihr dann so schnell nachgegeben? Sicher nur, um dieser Einsamkeit zu entgehen, die sie nun ebenso gut kannte. Um ihr vor Augen zu führen, wie sehr sie ihn brauchte und sich in dieser Macht zu baden, die er über sie hatte.

„Wir haben dir einen kleinen Holunderstrauch mitgebracht.“ Sie zeigte unnötigerweise zu der Pflanze und Severus übergab sie stumm. Irgendwie kam sie sich hier falsch vor.

Aus dem Haus drangen Stimmen und Musik und nach einer Aufforderung folgten sie Harry hinein. Es war laut und es nahm ihr die Luft.

„Professor Grange, Professor Snape. Wie schön, Sie zu sehen.“ Die Stimme ihrer Schulleiterin riss sie aus ihren Gedanken und sie begrüßten die alte Hexe freundlich. „Und ich bin wirklich froh, dass dieses schreckliche Wort gestern Abend noch beseitigt wurde.“ Beschämt senkte sie den Blick, sah jedoch einen großen, rothaarigen Zauberer mit gewohnt schlurfenden Schritten zu ihnen kommen. Sie bereitete sich innerlich vor.

„Charlie hat mir gerade davon erzählt.“, sagte Ron, während er sie viel zu lang in den Arm nahm und Severus völlig ignorierte. Ihr wurde leicht übel, als sie spürte, wie sich die gesamte Aufmerksamkeit des vollen Wohnzimmers auf sie richtete. Sie wollte nach ihrem Halt neben sich greifen, doch das würde er nicht wollen. Diese Situation war ihm unangenehm genug.

„Abartig.“ Severus zuckte leicht und sie zwang sich zu einem unbeschwerten Lächeln. Sie musste Ron beruhigen, denn sie wusste nicht, wie sie diesen Mann neben sich verteidigen konnte, ohne seinen Stolz zu verletzen.

„Das war nur ein verzweifelter Schrei nach Aufmerksamkeit.“ Schnaubend stemmte ihr Exfreund die Arme in die Hüften. „Es ist wirklich nicht so schlimm.“ Das war es tatsächlich nicht. Sanfte Liebkosungen hatten ihr wieder vor Augen geführt, wie unbedeutend diese Beleidigung war.

„Ich hätte ihm am Liebsten eine rein gehauen, aber er musste nicht mal nachsitzen.“, kam es hinter ihr und sie drehte sich herum, um Charlie zu finden, der sicher nicht seine erste Flasche Butterbier hielt. „Slytherin müssen sich wohl einfach nicht an Regeln halten.“ Stöhnend öffnete sie den größer werdenden Kreis, darauf bedacht nicht von Severus‘ Seite zu weichen.

„Ich fand es angemessener mit ihm zu sprechen.“ Und auch, wenn es nur ein kleiner Anfang gewesen war, hegte sie die Hoffnung, dass er von seinem Hauslehrer in Zukunft mehr Zuwendung erfahren würde. Die ungewöhnlich versöhnlichen Worte dem Schüler gegenüber gaben ihr diese Sicherheit.

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„So ein Verhalten muss Konsequenzen tragen.“, schaltete sich ein ungewöhnlich sicherer Longbottom ein und Severus verdrehte erneut die Augen. Sobald Minerva den Vorfall angesprochen hatte, war ihm bewusst geworden, was ihn erwartete.

„Ich bin sicher, dass in Hogwarts angemessene Maßnahmen ergriffen werden.“ Mit zusammengezogenen Brauen sah er hinüber zu Zaubereiminister Schlacklebolt.

Er musste nicht von jemandem verteidigt werden, der den Prozess nach seiner Genesung so öffentlich ausgetragen hatte. Jedes Detail der Verhandlungen war in der Zeitung ausgebreitet worden und jeder, der wollte hatte darin entweder für oder gegen ihn ausgesagt.

Severus öffnete gerade den Mund, als Hermine ihm zuvor kam.

„Severus und ich haben uns mit Mister Gilford auseinander gesetzt und klar gemacht, dass solch ein Verhalten nicht toleriert wird.“ Benutzte sie seinen Vornamen, um ihn zu verteidigen oder um ihre Freunde an ihre Nähe zu gewöhnen? Jedes Mal, wenn sie im Schloss mit ihm sprach, ihn offen anlächelte, fragte er sich das. „Aber eine Strafe treibt den Keil doch bloß tiefer zwischen uns alle.“

Stöhnend warf der junge Weasley seine Hände in die Luft. Severus Finger zuckten.

„Hermine, du musst dich nicht mehr herum schubsen lassen.“ Grüne Augen landeten vielsagend auf dem Tränkemeister und ließen die Wut weiter aufkochen. Mit zischenden Worten lehnte er sich ein wenig vor und versuchte, ihre Anspannung neben sich zu ignorieren.

„Halten Sie wirklich so wenig von ihrer Freundin, Weasley?“ Der junge Mann wurde rot unter seinen zahlreichen Sommersprossen. „Sie ist nämlich tatsächlich in der Lage für sich selbst einzustehen.“ Funkelnd zog der andere die roten Brauen zusammen, konnte es jedoch nicht mit der antrainierten Zurechtweisung seines ehemaligen Lehrers.

„Severus wollte ihn öffentlich anprangern.“ Wieso betonte sie seinen Vornamen so seltsam? So eindringlich? Vielleicht bildete er sich das auch bloß ein. „Das Absehen von einer Strafe war meine Idee, Ron.“ Er fühlte sich seltsam beleidigt in der Weise, in der sie ihn verteidigte. Und trotzdem schwang leise Dankbarkeit in seiner Brust herum.

Seine blinde Wut auf diesen jungen Slytherin bedrohte seine Gefühle für Hermine zu offenbaren, doch er ließ es geschehen, badete in der Verwunderung vieler Anwesenden. Niemand hier kannte ihn. Niemand, außer ihr.

„Und es war schwer genug ihn davon zu überzeugen, ich will mich nicht erneut erklären müssen.“ Damit war das Thema für sie beendet. Einfach so, mit ihnen beiden auf einer Seite. Stolz und Wärme durchströmte ihn.

„Oh, ich bin sicher, Snape hat ihm ordentlich Angst eingejagt.“, scherzte die jüngste Weasley zwischen ihrem Bruder und ihrem Freund hervor und versuchte sich an einem beruhigenden Lächeln. Hermine lachte nickend. Für den Rest klang es sicher ehrlich, doch er fühlte ihre Vorsicht, diese Maske, die sie immer wieder über ihre schönen Züge legte.

„Er hat mir wirklich leidgetan.“ In einer scheinbar gelösten Geste legte sie eine Hand auf seinen Rücken, doch es durchfuhr ihn mit all seiner versteckten Bedeutung. Sie war sauer auf ihn gewesen, weil er so streng gewesen war, aber dahinter hatte eine liebevolle Dankbarkeit gelauert für seine uneingeschränkte Verteidigung.

„Hermine lässt Ihren Schülern also alles durchgehen und Sie müssen streng bleiben?“ Molly hakte sich überraschend elegant bei ihm unter und zog ihn aus dieser beklemmenden Anspannung, weg von der verstehenden Zuneigung seiner jungen, mutigen Hexe.

„Das kenne ich nur zu gut.“ Mit einem Lachen legte sie den Kopf in den Nacken. „Glauben Sie mir, ich habe sieben Kinder mit Arthur groß gezogen.“ Severus nickte sachte und versuchte weniger verbissen auszusehen. Wahrscheinlich sollte er sogar dankbar sein, so einbezogen zu werden. Es war ungewohnt und doch seltsam angenehm, irgendwo tief in ihm.

„Zum Glück muss ich mich mit keinem Ihrer Kinder mehr auseinander setzen.“, schnarrte er ungewollt sanft und wurde wieder mit einem aufrichtigen Lachen begrüßt.

Molly und Arthur hatte ihn in den letzten Jahren häufig eingeladen zu irgendwelchen Festen, doch er hatte es immer ausgeschlagen, sicher, dass sie es bloß aus Schuldgefühl taten. Doch die offene Art der kleinen, rundlichen Frau ließ ihn daran zweifeln.

Hermine hatte all diesen Selbstschutz bröckeln lassen, mit ihren weichen Lippen immer mehr Steine daraus geschlagen.

„Viele Jahre haben Sie nicht mehr, Bill arbeitet unermüdlich daran.“ Der Zweitälteste. Er konnte sich kaum noch an ihn erinnern, doch die roten Haare bereiteten ihm schon seit geraumer Zeit Unbehagen, das Gesicht darunter war ihm egal.

In der kleinen Küche standen Arthur, Poppy, Madam Hooch und ein aufgeregter Flitwick, den man wohl auf den Tresen befördert hatte.

Ein trauriger Haufen. Die restlichen Alten würden sicher bald zu ihnen stoßen und sein Platz in diesem Kreis war ihm schmerzlich bewusst. Selbst, wenn er sich der Fantasie hingab zu Hermine zu gehören, so hatte er bei ihren gleichaltrigen Freunden nichts zu suchen.

Er war nur hier, um auf sie zu achten.

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Mit einer festen Hand in ihrem Rücken zog Harry sie durch das Haus, das er mit Ginny gekauft hatte. Zeigte ihr mit Ron zusammen zahlreiche leere Kinderzimmer und in dem gemütlichen Schlafzimmer schloss er einfach die Tür hinter sich. Hermines Augen weiteten sich in leiser Angst.

Dass man ihr Severus weggenommen hatte, brachte die Verlorenheit zurück und jetzt, alleine mit ihren besten Freunden war es noch viel offensichtlicher, dass sie nicht wusste, was sie tun sollte.

„Ich bin wirklich froh, dass ihr gekommen seid.“, wiederholte der Dunkelhaarige mit einem breiten Lächeln. Der andere sah nicht so glücklich aus. „Und es freut mich noch viel mehr, wie gut es dir geht.“ Momentan fühlte sie sich alles andere als gut. Trotzdem hob sie ihre Mundwinkel.

„Du hättest uns gestern Morgen direkt eine Eule schicken müssen.“ Ron hatte trotzig die Hände in den Hosentaschen versteckt und sah sie unter seinen langen Haaren hindurch verletzt an. Amüsiert verdrehte sie die Augen.

„Damit du was genau tun kannst?“, forderte sie ihn auf und lachte dann über sein nachgebendes Stöhnen. „Ich komme wirklich gut zurecht, Ron.“ Von Severus so öffentlich darin bestätigt zu werden, hatte sie gestärkt. Mit ihm konnte sie all das aushalten, sogar dieses volle Haus. Harry grinste kopfschüttelnd.

„Mach dir nichts draus. Hat lange genug gebraucht, bis er mir Ginny anvertrauen konnte.“ Wahrscheinlich hatte er seine kleine Schwester noch nicht ganz gehen lassen und er würde sich ebenso Hermine gegenüber für immer verantwortlich fühlen. Sie spürte, dass Harry noch mehr sagen wollte und warf ihm einen weichen Blick zu.

„Was ist los?“ Seufzend ließ er sich auf den Badewannenrand gleiten und schlug die Hände vors Gesicht. Er war nervös. Als müsse er sich irgendetwas von der Seele reden. Ihr Herzschlag beschleunigte sich. Severus anzusprechen war in Rons Beisein sicher keiner gute Idee.

„Ich sehe euch beide so selten zusammen.“, murmelte er vor sich hin, ließ die anderen beiden einen belustigt besorgten Blick austauschen. „Aber ich konnte es niemandem zuerst sagen.“

Er würde Ginny einen Antrag machen. Sie spürte es einfach.

Freudiges Kribbeln entwand sich ihrer Kehle in einem hellen Laut und Ron sah aufgebracht zwischen ihnen beiden hin und her, wie so oft, wenn er etwas nicht verstand. Angestrengt bemühte Hermine sich um Zurückhaltung. Sie wollte Harry diesen Moment nicht nehmen.

„Ich werde um Ginnys Hand anhalten.“, stammelte er nach einer Weile endlich und Hermine ließ sich auf die Knie, um ihn in die Arme zu schließen.

‚Ich weiß einfach nicht, wie ich mit meinem Leben weiter machen soll, wenn du kein Teil mehr davon bist.‘, hatte er vor einigen Monaten weinend zugegeben und sie hatte nichts tun können, als es gleichgültig entgegen zu nehmen. Es war nur wieder mehr gewesen, das sie sich selbst vorwerfen konnte.

„Aber..“ Ron warf sicher gerade die Arme in die Luft, doch sie gab sich den erlösenden Tränen hin, die plötzlich in ihren Augen brannten. „Ihr seid gerade erst zusammen gezogen.“ Schluchzend lachte sie auf, langte nach der breiten, vertrauten Hand und zog ihn in ihre Umarmung.

„Das ist wunderbar, Harry!“, bestärkte sie beide Männer zugleich und lehnte sich ein wenig zurück um sie anzusehen. Da war es wieder. Diese alte Vertrautheit. Diese tiefe Verbundenheit zwischen ihnen dreien. „Das ist einfach wunderbar.“ Schnell bemühte Ron sich ihr zuzustimmen, klopfte seinem besten Freund auf die Schulter.

Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, in der sie halbherzige Einwände weglachten und Glückwünsche aussprachen, bevor sie sich endlich wieder sammelten und gemeinsam den Weg hinunter antraten.

Hermine suchte sofort nach Severus, brauchte irgendetwas von ihm. Nur eine Berührung seiner Hand, einen versichernden Blick, seinen Duft.

Sie fand ihn auf der Veranda mit Arthur Weasley in einer Unterhaltung über Heiltränke der Muggelwelt und die Ähnlichkeiten in der Verwendung von Kräutern. Direkt hinter ihrem Geliebten blieb sie stehen, wusste nichts zu sagen, das der Mann hören sollte, der ihr wie ein zweiter Vater war.

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Vorsichtig drehte Severus sich herum, hatte ihre Anwesenheit sofort bemerkt und als er nun ihre geröteten Augen sah, zog sich sein Herz schmerzhaft zusammen.

„Ist alles in Ordnung?“ Seine Stimme war gerade neutral genug, um den Rothaarigen neben ihnen zu beruhigen, doch er zeigte ihr seine Sorge mit ungewöhnlich offenen Augen. Zwar nicht länger zwischen ihnen, doch sicher in Anwesenheit anderer.

Sie nickte schnell und lächelte beruhigend zu ihm hinauf. Nur kurz spürte er ihre Hand in seinem Rücken, die seine Haut darunter kribbeln ließ.

„Es ist alles wunderbar.“ Argwöhnisch legte er den Kopf schief. Sie wirkte tatsächlich erleichtert. Mit einem fragenden Blick wandte sie sich an den Weasleyvater.

„Hat Harry dir den Rest des Hauses gezeigt?“, fragte der bedeutungsschwanger, ließ Severus wieder skeptisch seine Brauen zusammen ziehen. Sie nickte lächelnd, schloss ihn aus mit dieser wissenden, einträchtigen Geste. Wieder brannte in ihm der Drang, sie an sich zu ziehen. Um ihr zu zeigen, wo sie hin gehörte. Um allen zu zeigen, dass sie sein war.

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„Ich wollte ihnen ja bei der Einrichtung helfen, aber Ginny hat eine Abneigung gegenüber Wasch- und Küchenmaschinen.“ Zweifelsohne durch etwas Magie aufgebessert. Hermine kicherte leise, in Erinnerung an die zahlreichen Gegenstände, die Ron und sie beim Fuchsbau gefunden hatten, wenn sie sich mal wieder weggestohlen hatten.

„Ich bin sicher, sie meint es nicht böse, Mister Weasley.“ Sein tadelnder Blick ließ sie entschuldigend die Schultern heben, sie traf mit ihrer Hand dabei Severus‘. „Arthur.“ Verzeihend lächelte der schlaksige Mann und legte eine schwere Hand auf ihren Kopf, zerzauste die ohnehin schon wilden Locken.

Die Locken, an denen ihr Geliebter so gerne roch oder wild zog, um sie unter seinem Willen zu bewegen. Röte musste sich über ihrem Gesicht ausbreiten bei dem Gedanken daran. Nur für ihn hatte sie die Haare nicht zusammengebunden.

„Ihr seid alle viel zu schnell erwachsen geworden.“, jammerte er väterlich und sah dann entschieden zu Severus. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, mein kleines Mädchen wegzugeben, aber da muss wohl jeder Mann irgendwann durch.“ Harry hatte bei ihm offenbar bereits um die Hand seiner Tochter angehalten und ein wenig Wehmut kam in ihr auf bei dieser traditionellen Geste.

Ihre Eltern lebten in Australien, hielten sie bloß für eine verrückte Unbekannte, die ihr Haus mit aller Einrichtung viel zu teuer gekauft hatte. Zwei Jahre lang hatte sie Harry zurück gezahlt, was er ihr hatte schenken wollen. Arthur schien ihren traurigen Blick zu bemerken.

„Und ich bin mir sicher, es wird nicht lange dauern, bis ich dich ebenfalls vor den Altar führen werde.“ Dankbar griff sie nach seiner Hand, drückte sie kurz. „Ich hoffe nur, dass ich den Glücklichen ebenso gut kennenlernen kann, wie Harry.“ Ihr Magen drehte sich langsam um. Sie kannte ihn bereits und sie würde ihn sicher nicht so herzlich aufnehmen, wie den Auserwählten.

„Du hast schließlich nicht einfach nur irgendwen verdient.“ Sie fühlte, was er vor Severus nicht aussprechen konnte und es trieb ihr wieder Tränen in die Augen.

Es ändert nichts, dass es nicht Ron sein wird.

„Naja, ich werde meine Frau mal wieder suchen. Nicht, dass sie mich wieder bei meinem Vorgesetzten schlecht redet.“, murmelte er erstickt und ging an ihnen vorbei ins laute Wohnzimmer. Die Tür schloss all diesen Lärm mit ihm ein, ließ sie erleichtert aufatmen.

„Ist wirklich alles in Ordnung?“ Hermine sah überrascht zu Severus hoch, hatte seine Anwesenheit fast vergessen in der Freiheit, die sie ihr brachte. Sanft legte sie eine Hand auf seine breite Brust und schritt so nah an ihn heran, dass er sie vor jeglichen Blicken durch die Fensterscheiben verbarg.

„Danke, dass du hier bist.“, flüsterte sie gegen den schwarzen Stoff seines Hemdes, fühlte sein leises Zittern und genoss die Macht, die er ihr immer wieder über ihn gab. Alleine schon mit hierher zu kommen machte ihn so unglaublich verwundbar, sie spürte es in ihrer eigenen Brust.

„Du hast mich die letzten Stunden doch überhaupt nicht gesehen.“ Sie schüttelte den Kopf, bevor ihre Stirn an ihn fiel und sie diesen unvergleichlichen Geruch einsog. Seine Anwesenheit war das einzige gewesen, das die Aufregung aushaltbar machte.

„Aber ich fühle es.“ Knurrend hob er ihr Kinn an und sie sah die wilde Sehnsucht nach einem Kuss, um diese versteckte Liebe wieder in ihr zu wecken.

Er hatte die gleiche Angst gehabt, wie sie. Dass er merkte, wie wenig er sie brauchte. Dass er vergessen hatte, was sie verband.

„Ich wünschte, du könntest mich jetzt küssen.“, hauchte sie bebend und fand Bestätigung in dem verlangendem Zug seiner Finger an ihren Locken.

„Sie sollten mich nicht reizen, Miss Granger.“ Die tiefe Stimme kribbelte über ihre Wirbelsäule, breitete sich verboten in ihrem Schoß aus. Er hob die andere Hand zwischen sie, wissend, dass niemand es sehen konnte, und strich verheißungsvoll über ihr Kinn, hinunter an ihrer pochenden Halsschlagader bis zum Ausschnitt ihres Kleides.

Ihre Wangen wurden heiß bei dem plötzlichen Bedauern, nicht doch etwas Freizügigeres angezogen zu haben.

„Wieso?“ Sie war selbst von ihrer Kühnheit überrasch und hörte wieder dieses erregende Knurren, als seine langen Finger sich sanft um ihren Hals schlossen, ihr Kinn mit dem Daumen liebkosten.

„Weil Ihnen das niemals reichen würde.“ Er hatte Recht. Sie war völlig abhängig von ihm, Wachs in seinen Händen. „Du willst mich tief in dir.“ Zitternd keuchte sie, schloss voller Scham die Augen. Die ausbreitende Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen verriet sie.

„Du brauchst mich tief in dir.“ Sie murmelte etwas Zustimmendes, konnte ihre eigenen Worte nicht länger wahrnehmen. Er beherrschte sie vollkommen.

„Du gehörst mir.“ Ergeben nickte sie. Ihr ganzer Körper flehte nach ihm.

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tbc

In ein paar Tagen kommt dann vorerst das letzte Kapitel. An der Fortsetzung sitze ich gerade noch
Liebe Grüße,
Marylein
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