Sturheit zahlt sich doch aus

von Snowsong
OneshotSchmerz/Trost / P16
Canim Gaius Octavian/ Tavar/ Tavi/ Rufus Scipio Lararl
22.07.2019
22.07.2019
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Vielen Dank an meinen Beta Kolliy, der sich auf die Jagt von Rechtschreibfehlern gemacht hat^^


Alle Figuren, Ländereien und sonstiges gehört Jim Butcher. Mit diesem Os wird kein Geld verdient, er ist regelrecht anhand der Freude des Schreibens entstanden und soll meine Leser unterhalten.

Codex Alera habe ich in sehr wenigen Tagen komplett durchgesuchtet. Eine herrliche Fantasy-Geschichte. Mein absoluter Lieblingsband ist Band 5, in dem auch der von mir verfasste Os spielt. Ich habe mich derart in die Canim verliebt, dass ich einfach etwas über sie schreiben musste.

Wer sich einen Canim einmal ansehen möchte, möge auf die Link klicken und sich das Bild ansehen, das Sandara gezeichnet hat.
https://www.deviantart.com/sandara/art/Alera-Codex-Nasaug-213545442



Dieser Os kann als Fortsetzung zu meinem anderen Codex Alera Os „Ein fast perfekter Sieg“ gelesen werden; muss aber nicht.
https://www.fanfiktion.de/s/5b1459aa000160292916e617/1/Ein-fast-perfekter-Sieg

Wer den 5. Band noch nicht gelesen hat und sich nicht Spoilern will, sollte hier nicht weiter lesen.
Für all die anderen; dieser Os spielt im 5. Band, kurz bevor Tavi Molva wieder verlässt.

„Dämon“ ist die canische Bezeichnung für Mensch. Jim Butcher verwendetet das Wort Mensch nur nicht als Beschreibung für die Bewohner von Alera.

In diesem Sinne, viel Spaß beim Lesen.

Eure Snowsong

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Sturheit zahlt sich doch aus


Kriegsführer Lararls Herz blutete. Der Cane mit dem goldenen Pelz weinte stumme Tränen der Wut, des Schmerzes und der Scham.

Er war wütend auf die Vord, die sein Volk, seine ganze Art nun an den Rand der Ausrottung gebracht hatten.
Es tat ihm in der Seele weh, die Kinder seines Volkes abgeschlachtete am Wegesrand liegen zu sehen.

Und er schämte sich zutiefst, dass es ihm nicht gelungen war, sie zu schützen.

Kriegsführer... das war der höchste Titel, den sein Volk zu vergeben wusste. Der Kriegsführer war es, der über ein Gebiet herrschte.
Lararl hatte lange als Kriegsführer geherrscht. Er hatte mit seinen Entscheidungen sein Volk nach besten Gewissen geführt.

Doch was brachten einem hochrangige Titel, wenn man nicht in der Lage war, die Seinigen zu beschützen? Die, die sich nicht selbst beschützen konnten? Die auf seinen Schutz und den seiner Krieger angewiesen waren?

Er hatte versagt.

Lararl schritt weiter die Straße entlang. Um ihn herum waren seine Krieger. Viele kannte er persönlich, nicht gerade wenige hatte er selbst ausgebildet.
Manch einer der Offiziere zählte er zu seinen besten Kriegern.

Die Rüstungen seiner Leute waren schwarz. Jene, die sich in der Schlacht bewiesen, erhielten einen mitternachtsblauen Streifen auf die Rüstung. Je mehr blau und weniger schwarz vorhanden war, umso angesehener war der Krieger.

Um ihn herum waren fast nur blaue Rüstungen zu sehen. Die wenigen, schwarzen Stellen vielen kaum noch auf.

Er war eine Ausnahme.

Die Vordkönigin hatte ihm seine Rüstung genommen. Nun trug er nur die blaue Tunika aus Leinen. Die wenigen, schlichten Stickereien gaben dennoch Auskunft über seinen Rang. Um seiner Hüfte schlang sich der Waffengurt und daran befanden sich zwei Schwerter.
Lararl drehte es den Magen um, wenn er daran dachte, dass er sie bald gegen sein eigenes Volk richten würde.

Erneut versuchte er erfolglos, sich gegen den Befehl der Vordkönigin zu stemmen. Seine Füße liefen einfach weiter.

Sie hatte ihn lebend gefangen. Er hatte sich verteidigt, zur Wehr gesetzt und viele Vord getötet. Doch die Kreaturen, die Käfern nicht unähnlich waren, waren zu stark gewesen.
Die Vord hatten eine eigenartige Methode entwickelt, um ihre Feinde gefügig zu machen. Dazu kroch ein Parasit über den Mund in den Körper des Feindes und plötzlich... plötzlich gehörte einem der eigene Körper nicht mehr.

Lararl wollte nicht nach Molvar marschieren und die Fliehenden abschlachten. Und doch reagierte sein Körper.
Dabei ignorierte dieser gekonnt jegliche Bedürfnisse.

Lararl war sich sicher, dass sich die Verletzungen an seinen beiden Hinterläufen; die ihm ein Vord zugefügt hatte, um ihn zu Fall zu bringen, längst entzündet hatten.
Es war ein Gewaltmarsch nach Molvar; schon unter normalen Umständen. Doch das Wetter schlug um, der Winter kam.
Mit dem Winter kam der unerwünschte Wetterteil. Shuar war ein kaltes Gebiet. An sich war es nicht so schlimm, wie man meinen könnte. Es war eine angenehme Kälte, eine trockene Kälte, die die Winter hatten.
Doch es gab die Vorwinterzeit. Wenn diese Zeit anrückte, dann kam der Graupel oder aber; wie in den letzten Tagen, der Regen. Dann weichten die Straßen auf und verwandelten sich in matschige Wege.
Das hielt für gewöhnlich nicht lange an. Der erste Frost ließ den Matsch gefrieren und ermöglichte so ein trockenes vorankommen. Aber bis es so weit war...

Auch jetzt war der Boden viel zu weich und seine offenen Wunden waren von dem Matsch bedeckt. Die Nächte waren schon kalt genug für Frost und würden die Verletzungen so versiegeln.
Wenn ihn kein Schwert tötete, dann war es der Wundbrand.

Die Vordkönigin aber beachtete das nicht. Sie ließ sie einfach weiterlaufen. Immer weiter. Stumm fragte sich Lararl, wie lange sein Körper das mitmachen würde.

Insgeheim hoffte er ja, dass Molvar schon verlassen war und Tavar; ein junger Dämon aus Alera, sein Versprechen gehalten hatte.
Daran klammerte sich Lararl verzweifelt. Tavar hatte ihm sein Wort gegeben, dass er sein Volk in Sicherheit bringen würde.

Zumindest trafen sie auf keine Flüchtlinge.

Molvar war ein großer Hafen; der einzige, der sein Gebiet besaß. Lararl wusste, es gab dort auch einige Schiffe. Es waren Handelsschiffe, die Canim aus Shuar waren mit den Felsen und Mienen zufrieden. Das Meer sollten die Nashramer haben.

Während sein Körper stumpf das machte, was er befohlen bekommen hatte, wanderten Lararls Gedanken zu Varg, seinem Gadara.
Gadara war ein Titel, ein Wort, dass die tiefste Art von Respekt ausdrückte, die man für sein Gegenüber empfand. Gadara bedeutete „geehrter Feind“.
Einen Feind konnte man viel leichter respektieren, als einen Freund. Von einem Feind wusste man, dass er einem früher oder später verraten würde.

Eigentlich hatte Lararl angenommen, Varg wäre es, der ihm eines Tages die Kehle durchschnitt.

Der Abend rückte näher und mit ihm auch Molvar.

Lararl blieb plötzlich stehen. Die Krieger um ihn herum liefen einfach weiter. Und so war er dazu verdammt, erneut zuzusehen, wie seine Krieger starben.
Auf der einen Seite jene, die wie er, von den Vord übernommen wurden. Auf der anderen Seite jene, die diesem Schicksal hatten entfliehen konnten und nun die Zivilisten hinter dem Wall verteidigten.

Es war ein schrecklicher Kampf und Lararl war zum Zusehen verdammt.

Wie lange stand er in der hereinbrechenden Nacht und beobachtete, wie seine Krieger starben? Und doch erfüllte auch Hoffnung sein Herz, denn den Vord, diesen ekelhaften Käfern, gelang es nicht, eine Bresche zu schlagen.
Zweimal gelangten sie hinter den Wall doch sie wurden zurückgedrängt.

< „Sie ziehen sich zurück, sie wollen fliehen“>,  erklang es plötzlich in seinem Kopf. Die Stimme war weiblich und gehörte der Vordkönigin.
< „Geh und finde Tavar. Töte ihn!“>

Sein Körper reagierte augenblicklich. Lararl lief los.
Die Verteidiger hatten sich bereits nach Molvar, den Hafen zurückgezogen. Es roch nach Feuer.
Molvar würde also brennen, um den letzten noch lebenden Canim den Rücken zu decken. Klug... sehr klug. Bestimmt war das Vargs Idee gewesen.
Lararl würde sich zu gerne ein Lächeln genehmigen. Er wusste, dass die Feuerbrunst die Vord lange genug aufhalten würde.

Die Vord rückten dennoch weiter vor. Der Verlust von tausenden von Vord konnte die Königin verkraften, denn sie konnte ohne weiteres neue Krieger produzieren.

Lararls Nase führte ihn zu einer Gruppe von Dämonen, die mit Vord kämpften. Ein Krieger hatte einen vertrauten Duft an sich... Tavar.
Zugegeben, der junge, alreranische Dämon kämpfte nicht schlecht. Seine Bewegungen waren sauber und geschmeidig. Er kämpfte also oft; oder hatte in letzter Zeit oft gekämpft.

Lararl näherte sich dem Kampf, achtete dabei aber, von der Seite zu kommen. Er hatte keinen Einfluss darauf, wie sein Körper sich bewegte, doch spürte der Kriegsherr, dass es nun sein Instinkt war, der die Oberhand übernommen hatte.
Sein Körper duckte sich, um kleiner zu erscheinen und seine Füße traten weniger hart auf.
Ein Kribbeln erfasst Lararls Körper: Es war der Nervenkitzel der Jagd.

Shuar war ein karges Land und so wurden die Krieger auch in der Jagd ausgebildet. Nicht immer waren Jäger erfolgreich, die die Gemeinschaft mit Fleisch versorgten. Manchmal mussten die Krieger ihr Essen selbst erlegen.
Es war wohl ein Überbleibsel aus alten Tagen. Lararl genoss wie wohl jeder andere Canim aus Shuar die Jagd und das Erlegen der Beute; nicht selten mit einem gezielten Nackenbiss, der die Wirbelsäule brach.

Die Vords hatten es geschafft, die geschlossenen Formation der Dämonen zu durchbrechen. Lararl wusste aus Erfahrung, dass dies meist das Ende für den Trupp bedeutete. War der Feind einmal hinter den eigenen Linien, gab es selten noch Hoffnung. Und doch koordinierte Tavar seine Männer irgendwie in die Formation zurück. Lararl war allerdings schon nahe genug.

Leise zog er seine Waffen.
In ihm sträubte sich alles dagegen, Tavar anzugreifen, doch sein Körper bewegte sich ohne sein Zutun.
Noch drei Schritte, dann waren die ersten Dämon in seiner Reichweite...

Einer der Männer stieß einen Schrei aus und Tavars Kopf ruckte herum. Ob er ihn erkannte?
Lararl preschte vor, der erste Dämon, jener, der geschrien hatte, fiel seiner Klinge zum Opfer.
Der Duft des Blutes hatte etwas Berauschendes an sich und für einen Moment genoss er es tatsächlich.
Er war Krieger und er lebte für den Kampf. Es war nur ganz natürlich, dass er auf einen erfolgreichen Sieg mit Freude reagierte.

Ein zweiter Dämon stellte sich ihm in den Weg und hob seinen Schild.

Lararl schlug mit der einen Waffe dagegen und drückte ihn so leicht zur Seite. So fand seine andere Klinge den Hals des Mannes. Er starb.

Auch die Vord hatten den Druck erhöht.

Ein Dritter blockierte den Weg und brüllte etwas, woraufhin sich die anderen zurückzogen. Langsam, mit einem Schildwall als Schutz.

Tavar versteckte sich nicht, er kämpfte an vorderster Front. Lararl kam nicht umhin, Respekt für diesen jungen Dämon zu empfinden. Auch jetzt zeigte der Dämon keinen Ambitionen, sich zurückzuziehen oder zu fliehen.
Lararl Instinkt warnte ihn; dies war ein gefährlicher Gegner. Langsam, bedacht sollte er vorgehen.

Doch die Kontrolle der Vordkönigin verlangte anderes und so schlug er mit voller Kraft zu.
Klirrend traf der Blutstahl auf die Waffe des anderen. Einst hatte er mit Varg die Waffen getauscht und er führte das Schwert seitdem. Es war eine gute Klinge, die ihn noch nie im Stich gelassen hatte.
So auch jetzt nicht. Tavar wankte.

Das zweite Schwert war aus dem Metall geschmiedet worden, dass in den Mienen seines Volkes zu finden war. Der mitternachtsblaue Froststahl zielte auf die Hüfte des Dämons.
Mit ungewöhnlicher Kraft schob Tavar den Blutstahl zur Seite und blockte auch diesen Angriff.
Er war stärker, als man es vermuten konnte.

Lararl erhöhte den Druck. Er musste ihn zu Fall bringen... zumindest war es das, was der Parasit ihn ihm wollte. Auf dem Boden würde der schlüpfrige Dämon nur noch wenig Bewegungsfreiheit haben.

Lararl wandte sich unter dem Einfluss der Königin. Unterdessen hatte Tavar seine gekreuzten Klingen abgefangen.
Lararl hätte am liebsten die Augen geschlossen. Er wusste, was kommen würde.

Einer seiner beiden Hinterläufe schnellte vor und zog Tavar ein Bein weg. Das brachte ihn aus der Balance.
Lararl hatte sich diese Technik vor Jahren angeeignet; mit seiner geringen Größe war dies einer der Wege gewesen, wie er hatte gegen die größeren Artgenossen ankommen können.
Tavar kannte das wohl nicht, den es reicht, um ihn wirklich zu Fall zu bringen.

Lararl stemmte sich gegen den Befehl, während er sich auf Tavar stürzte. Links und rechts gruben sich seine Klauen in den weichen Boden. Sein Kopf schnellte vor, hatte den schmalen Hals anvisiert.
Es würde schnell gehen, ohne Schmerzen. Lararl hatte so schon unzählige Kontrahenten getötet.

NEIN!

Ein innerer Ausruf und die Zähne schnappten zu. Kein Blut... kein Fleisch oder sonst etwas.

Lararl war so nahe an der Kehle seiner Beute, seine Kiefer hatten sich geschlossen; nur von der Breite von einem seiner Fellhaare.

Es kostete ihn unglaubliche Kraft seinen Kopf zurückzuziehen, sich in eine Aufrechte Position zu bringen. Langsam reckte er den Kopf... und zeigte Tavar so seine Kehle.

Schlag zu... schlag doch zu...

Es war ein stummes Flehen. Lieber würde er sein Leben durch die Hand des Dämons verlieren, als die letzte Hoffnung seines Volkes zu zerstören.

Dann riss die Vordkönigin die Kontrolle über ihn wieder an sich und sein Kopf raste wieder auf Tavars Hals zu.

Lararl zerrte an den Ketten, die ihn banden. Erneut schlossen sich die Kiefer und wieder schmeckte er kein Blut.
Zitternd zog er den Kopf zurück. Noch einmal zeigte er die Kehle in der Hoffnung, Tavar würde die Geste verstehen; sie ausnutzen.

Der Schlag, der in traf, kam dennoch unerwartet.

Der Hieb war nicht auf seine Kehle gesetzt gewesen, sondern auf seinen rechten Brustkorb. Er hörte den dumpfen Aufschlag und das verdächtige Knacken.
Der Dämon hatte ihm tatsächlich eine; oder mehrere Rippen gebrochen.

Dann drehte sich seine Welt und Lararl lag plötzlich auf dem Boden und starrte in den Himmel.
Eilige Schritte entfernten sich und mit ihnen Tavars Duft.

Still rappelte er sich auf und folgte Tavar. Feuer umfing ihn, Rauch biss in der Nase. Die Hitze war quälend und doch trieb ihn der Befehl weiter.

Tavar war schon im Wasser. Seine letzte Chance Tavar zu töten... oder ihn zu retten, indem er bei dem Versuch starb.

Seine Pfoten trugen ihn zu dem Steg. Er hörte die Ausrufe in einer fremden Sprache. Sie hatte ihn ohne Zweifel entdeckt und er hoffte zutiefst, wie würden ihn erschießen.
Tavar brüllte etwas, während er weiter schwamm. Immer weiter auf das große und letzte Schiff zu, dass im Hafenbecken lag.

Nichts hielt Lararl auf, als er ins Wasser sprang und Tavar hinterher paddelte. Er war kein guter Schwimmer; die Canims aus Shuar konnten sich gut in engen Gängen bewegen oder hervorragend klettern. Aber schwimmen?
Nein, das nicht.

Lararl hatte den Dämon erreicht und zog ihn unter Wasser. Das ließ er sich nicht gefallen. Tavar trat nach ihm und erwischte; durch Glück oder Zufall tatsächlich Lararls Kehle.
Sein Maul öffnete sich und Salzwasser strömte hinein.

Seine Beute war unterdessen schon wieder am Auftauchen. Lararl folgte.

Er konnte das Seil erkennen, dass Tavars Leute über die Reling geworfen hatten. Tavar kletterte schon daran hoch. Er rief erneut etwas.
Lararl packte das Seil und folgte. Derweil arbeitete es in seinem Kopf.

Befiehlst du deinen Leuten, mich am Leben zu lassen? Doch wozu Tavar? Was soll es dir bringen, das Leben deines Feindes zu schonen?

Dann hatte er die Reling erreicht. Er hatte aufgeholt, Tavar, der gerade an Bord kam, konnte ihm nicht mehr ausweichen und so riss er den Dämon erneut zu Boden.
Tavar rief etwas, während um ihn herum die Waffen gezogen wurden. Und doch griffen sie nicht an, verteidigten ihren Anführer nicht.

„Kriegsführer?“
So hatte er ihn erkannt. Lararl öffnete sein Maul, um ihm das Leben zu nehmen.
„Kriegsführer, kämpft dagegen an. Wir werden einen Weg finden...“, Tavar klang zuversichtlich. Vielleicht war es das, was verhinderte, dass Lararl den Hals durchbiss. Lararl kämpfte gegen den Befehl, aber wie lange würde er das noch schaffen?
Wieso erschlugen sie ihn nicht einfach?

Noch ein letztes Mal zeigte er die Kehle und hoffte inständig, dass Tavar; oder einer der anderen das ausnutzen würde.

Der Moment verstrich, keine Klinge brachte ihm den Tod.

Lararl versuchte, so lange zu verharren wie nur möglich doch sein Körper reagierte einfach anderes. Er öffnete das Maul erneut.
Etwas Hölzernes schob sich in seinen Kiefer, dann wurde sein Kopf nach hinten gerissen. Jemand war auf seine Schultern gesprungen.

„Kitai!“, rief Tavar.

Lararl schüttelte sich, versuchte das Weibchen abzuwerfen, welches ihn da so dreist bestiegen hatte.
Er griff nach hinten. Seine Klauen trafen auf eine Lederrüstung. Dann einen Ruck und schon lag sie unter ihm und auf Tavar.

Sie starrte ihn an.

Lararl fand noch einmal die Kraft, zu verharren. Wenn Tavar nicht zuschlug, dann vielleicht sein Weibchen? Weibchen konnten zu tobenden Wesen werden, wenn sie jemanden aus ihrer Familie beschützen wollten.
Tatsächlich trat in die grünen Augen der Weißhaarigen ein entschlossener Ausdruck und sie rammte ihm das Holz; eine Stange in den Bauch.
Es war ein harter Schlag.

Und eher sich Lararl versah, taumelte er zurück und erbrach das geschluckte Salzwasser.

Die Geräusche um ihn herum wurden plötzlich wieder lauter, normal. Schmerzen flutete über ihn herein und der Drang Tavar zu töten, erlosch.
Verwirrt sank Lararl zurück.

Tavars Weibchen hatte sich unterdessen aufgerichtet und ihr Schwert gezogen. Lararl sah sie einfach nur an. Seine ganze Kraft war aufgebraucht, er hielt sich mit Müh und Not noch bei Bewusstsein.

Tavar rief etwas auf seiner Sprache, sprang ebenfalls auf. Doch das Weibchen hatte die Waffe schon gehoben und ließ sie nun herabsausen.
Nur hatte sie sich gewaltig verschätzt, denn die Klinge kam nicht einmal in seine Reichweite.

Sie starrte ihn an. Lararl stellte seine Ohren auf und erwiderte den Blick. Hätte sie ihn töten wollen, dann hätte sie die Chance gehabt. Sie hatte etwas anderes im Sinn.
Langsam sah sie nach unten. Er folgte dem Blick.

Auf den dunklen Planken, von dem brennenden Molvar erhellt, war eine Pfütze aus Erbrochenem, Meerwasser und Magensäure. Und darin schwamm ein zweigeteilter Parasit mit silbernen Fühlern.

Er war frei.

Augenblicklich setzte Schwindel ein. Die Erkenntnis riss ihn fast in die Bewusstlosigkeit.
Doch bevor er umkippte und vielleicht seinen Verletzungen unterlag, musste er noch etwas wissen.

„Mein Volk...“, seine Stimme war nur ein heißeres Krächzen. „Was ist mit meinem Volk?“
„Wir haben sie, Kriegsführer“, antwortete Tavar ihm, der langsam auf ihn zukam. „Wir haben sie alle. Dein Volk lebt und wird es heil nach Alera schaffen.“

Unendliche Erleichterung machte sich in Lararl breit. Nach zwei Jahren des Krieges, der Hoffnungslosigkeit und des Bangens nun diese Worte zu hören... es nahm ihm eine gewaltige Last von den Schultern.
Schwarze Punkte tanzten in seinem Sichtfeld. Es wurden immer mehr und mehr.

Er konnte nun loslassen. Er hatte nicht versagt, sein Volk würde leben.
Ein herber Rückschlag waren die vielen Toten, aber es hatten dennoch einige geschafft.

„Du hast dein Wort gehalten.“ Lararl hatte Probleme, seine Augen offenzuhalten.
„Ich halte mein Wort immer, Kriegsführer. Und nun lass meine Heiler nach deinen Wunden sehen.“

Was für ein ungewöhnliches Wesen dieser Tavar doch war. Ein Jammer, dass er ihn nicht früher getroffen hatte. Er wäre eine würdiger Gadara gewesen...

„Mein Volk braucht dich lebend, Tavar“, erwiderte Lararl. Alle Geräusche wurden dumpfer. „Mein Posten kann mein Nachfolger besetzten...“ Er wankte. Seine Sicht wurde unscharf und von den schwarzen Punkten schließlich völlig eingenommen.

„Es war mir eine Ehre, Gadara...“ Und dann nahm er nichts mehr wahr. Nur noch diese Schwärze, die Linderung und Ruhe versprach.
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