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Erniedrigt

von imekitty
OneshotAngst, Familie / P16 / Gen
Daniel "Danny" Fenton / Danny Phantom Jasmine "Jazz" Fenton Madeline "Maddie" Fenton
22.07.2019
22.07.2019
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22.07.2019 5.068
 
Hallo! Mein Freund AlphaXGuardian spricht Deutsch und hat dies für mich ins Deutsche übersetzt. Ich bin so glücklich, es mit Ihnen zu teilen!

-

Danny verzog das Gesicht beim Anblick seiner Eltern. Für gewöhnlich jagten sie Geister nie um diese Uhrzeit so spät in der Nacht, und doch waren sie hier. Sie schauten ihn direkt an, so verblüffend, als dass es fast schon surreal war.

Sie standen unter ihm während er in der Luft schwebte. Jack fummelte mit irgendeiner neuen art von Waffe herum, an welcher er an diesem Morgen noch beim Frühstück gearbeitet hat. Maddies Augen waren kaum sichtbar als sie ihn durch ihre orangene Schutzbrille anstarrte, und doch durchbohrte Danny die Entschlossenheit in ihnen, raubte ihm seinen geisterhaften Atem.

Sie griff nach etwas an ihrem Gürtel, aber Danny konnte sich nicht bewegen, konnte nicht einmal flüchtig darauf blicken wonach sie griff. So transfixiert war er durch ihren intensiv stechenden Blick.

Warum schaust du mich so an? Was habe ich getan?

Doch plötzlich seufzte sie entnervt laut auf und schaute weg, wodurch sie den Halt den sie an ihm hatte brach. Sie griff sich Jack’s Waffe auf seinen Händen um sie selbst zu reparieren. Jack schmollte und jammerte zu seinem Ärgernis.

Noch immer über ihnen am schweben blinzelte er die Hypnosis weg aus seinem Kopf und wandte sich wieder der Geisterspinne zu, welche er gerade eben noch am bekämpfen war. Diese war gerade dabei wegzuhuschen. Er musste es aufhalten bevor es etwas zerstörte oder jemanden verletzte. Seine Eltern waren lediglich eine Gefahr für ihn. Der Geist war eine Gefahr für die Stadt. Er musste das Wohl aller vor seine eigene Sicherheit stellen.

Außerdem war er viel schneller als seine Eltern, sie würden ihn niemals kriegen.

Er flog der Spinne mit höchster Geschwindigkeit hinterher, ein Schrei von Maddie erklang hinter ihm.

Sie wird schon darüber hinwegkommen.

Danny suchte die Straßen ab, doch nirgends war ein Zeichen der Geisterspinne zu sehen. Er runzelte die Stirn und wünschte sich Sam und Tucker wären hier um ihm zu helfen. Doch es war mitten in der Nacht und er fand es nicht für notwendig sie für eine, in seinen Augen, geringfügige Bedrohung aufzuwecken.

Und doch wusste er, dass sie gerne ihre Hilfe anbieten würden wenn er sie nur fragte, ungeachtet dessen wie spät es denn nun sei. Ihre Loyalität erstaunte ihn immer wieder aufs neue, vor allem wenn er bedachte, dass sich nicht ganz sicher war ob er sie denn überhaupt verdiente. Es war ihm als würde er mehr und mehr verlangen, während er selbst nur wenig im Austausch anbieten konnte.

Somit waren ein paar Stunden Schlaf das mindeste, dass er ihnen anbieten konnte.

Nach einem grundlegenden Blick auf die Straßen entschied er sich eine gründlichere Suche durchzuführen. Sorgfältig schaute er hinter Gebäude und Orientierungspunkte.

Nichts.

Frustriert am aufseufzen landete er auf dem Boden und begann sich selbst zu fragen, wie lange er denn noch suchen sollte. Wenn er den Geist nicht finden konnte, würden seine Eltern dies wahrscheinlich tun. Vielleicht könnte er das hier ja einfach abschließen und endlich etwas seines wohlverdienten Schlafes abbekommen. Nein, nein, er konnte es nicht tun. Er hatte eine Verpflichtung diese Stadt zu beschützen. Es war allein seine Schuld, dass dieser Geist überhaupt hier war, er konnte nicht einfach aufgeben weil er “müde” war oder “keine Lust” hatte. Wenn er jede Nacht genug schlafen wollte und nicht jeden Morgen solche Schmerzen haben wollte, dann hätte er daran denken müssen, bevor er das Geisterportal seiner Eltern aktivierte und diesen Geistern eine einfache Möglichkeit bot, ihre Stadt zu überfallen.

Er senkte den Blick. Warum konnten diese Geister seine Stadt nicht einfach in ruhe lassen? Ist es das, womit er den Rest seines Lebens verbringen wird?

Ein Rascheln aus einer Gasse erregte seine Aufmerksamkeit. Er sah sie misstrauisch an. Schlechte Dinge passierten Charakteren in Filmen und Büchern stets, wenn sie nachts in dunkle Gassen gingen.

Er verdrehte die Augen und ging die Gasse entlang. Seiner Meinung nach war das Schlimmste das passieren konnte, dass er einen weiteren Geist bekämpfen müsste.

Vorsichtig durchsuchte er schwebend die Gasse, darauf vorbereitet jederzeit einem unerwarteten Angriff auszuweichen. Er erreichte das Ende, wo ein hohes Tor und zwei silberne Abfalleimer vor ihm standen. Er landete auf dem Boden und sah sich verwirrt um. Er hatte definitiv ein Geräusch von hier gehört, aber was genau hatte es verursacht?

Ein weiteres Rascheln, diesmal lauter. Danny wandte seine Aufmerksamkeit einem der Mülleimer zu und spähte hinein, worauf er einen Vogel erblickte, der verzweifelt mit den Flügeln schlug um vergeblich aus dem beengten Raum zu entkommen.

Danny beobachtete den Kampf des Vogels in seinem Metallgefängnis. Keine Möglichkeit, als dass dieser auf eigenen Wunsch immateriell wird und sich durch die sie umgebenden Wände bewegt. Keine Möglichkeit, um sich vor jenen zu schützen, die ihn finden könnten und beschlossen ihn zu verletzen.

Er griff in den ansonsten leeren Mülleimer und nahm den Vogel in seinen Händen auf. Er warf diesen in die Luft und sah zu, wie er in die Nacht auf die Sterne zuflog.

Es ist schön zu fliegen, das hatte Sam einmal zu ihm gesagt.

Danny hielt seine Arme und nickte in leiser Zustimmung.

Plötzlich trat ein scharfes Stechen direkt unter seinem Nacken ein.

Danny schrie kurz vor Überraschung auf und zog sofort den Pfeil heraus, der ihn getroffen hatte. Er starrte es in seiner zitternden Hand an. War es ein Beruhigungsmittel oder etwas ähnliches, das ihn vorübergehend lähmen würde?

Er begann sich umzudrehen und fragte sich, ob Skulker wieder einmal hinter ihm her war.

Eine vertraute Stimme brüllte ihn stattdessen an: "Nicht bewegen!"

Der Pfeil rutschte aus einem lockeren Griff und fiel zu Boden.

Mom!

Er hörte das aufladende Surren ihrer Ecto-Pistole und stellte fest, dass sie weniger als zehn Meter entfernt war. Womit er auch immer gerade eben angeschossen wurde hatte scheinbar keine spürbare Wirkung auf ihn. Er fragte sich, ob er sich einfach unsichtbar machen und wegfliegen konnte bevor sie denn näher kam.

"Womit ich dich gerade injiziert habe verhindert, dass du deine Moleküle für eine Weile in jeglicher Weise verändern kannst", sagte Maddie finster. "Du kannst dich nicht unsichtbar machen oder immateriell werden."

Danny begann wieder sich umzudrehen, doch sie fauchte ihn heftig an: "Ich sagte beweg dich nicht!"

Danny schluckte und machte keine weiteren Bewegungen. Er stand mit dem Rücken zu ihr und seine Gedanken rasten um das Problem, wie er denn nur aus dieser Situation wieder herauskommen sollte. Er konnte tatsächlich nicht unsichtbar werden, seine Moleküle ignorierten seine mentalen Befehle vollkommen. Er blickte zum freien Himmel auf, konnte aber unmöglich wegfliegen, wo die Waffe doch so direkt auf ihn gerichtet ist.

Er hörte, wie sie näher kam, bis er spürte, dass sie nur ein paar Meter hinter ihm war.

"Geh auf die Knie", befahl seine Mutter, "und leg deine Hände auf deinen Kopf."

Danny zögerte.

"Phantom jetzt!" schrie Maddie. "Ich werde dich erschießen, wenn ich muss!"

Danny verzögerte die Befolgung nur einen Moment länger, nur noch ein paar Sekunden, um die Würde zu wahren, welche er bald aufgeben würde. Er senkte sich zittrig auf ein Knie und hielt kurz inne, bevor er schließlich sein anderes Knie auf den Boden senkte. Er verschränkte seine behandschuhten Finger auf dem Hinterkopf und versuchte, nicht an den Ausdruck zu denken, den seine Mutter hinter ihm aufgesetzt hatte.

Warum hatte sie sich entschlossen darauf zu verzichten, ihn mit einem Beruhigungsmittel bewegungsunfähig zu machen? Warum hat sie ihn nicht in einem Sicherheitsbehälter gefangen? Warum zwang sie ihn stattdessen in diese unterwürfige Position?

Versucht sie mich dazu zu bringen mich minderwertig zu fühlen?

Er wartete im stillen darauf, dass sie nach Jack rief, ihm einen anderen Befehl gab, überhaupt irgendetwas zu tun, aber es geschah für einige Momente nichts. Seine Augen wanderten, als er versuchte, einen Ausweg finden.

Worauf wartete sie überhaupt? Wollte sie ihn unwohl oder nervös machen?

Wenn das der Fall war funktionierte es.

Es vergingen weitere Minuten. Er konnte immer noch das Summen von Maddies Waffe hören, sowie ihren gleichmäßigen Atem. Er konnte hören, wie seine rasenden Herzschläge in seinem Kopf hämmerten.

Eine weitere Minute verstrich. Danny drehte seinen Kopf leicht und hoffte, einen Blick darauf zu werfen, was hinter ihm vorging.

"Schau nach vorne Phantom", zischte Maddie.

Danny gehorchte und fragte, so ruhig er konnte: "Wie lange willst du mich noch so halten?"

"Solange ich Lust habe."

Danny zuckte beim Biss in ihrem Ton zusammen. "Schau, es tut mir leid, dass du so einen schlechten Eindruck von mir hast ..."

Maddie trat näher. "Halt die Klappe, Geist."

Danny sagte nichts mehr.

Maddie setzte ihren Blaster neben seinem Kopf an. "Ich sollte dich jetzt erschießen und deine problematische Existenz beenden."

Danny sprach mit Spott. "Problematisch? Ohne mich -"

Maddie schlug ihn mit ihrer Waffe über den Kopf. "Nur weil du unsere Stadt ein paar Mal gerettet hast, heißt das noch lange nicht, dass du ein Heiliger bist."

"Was bedeutet es dann?" forderte Danny mit einem unkontrollierbarem Beben in seiner Stimme. Der Schmerz von ihrem Schlag ebbte bis direkt hinter seinen Augen.

"Sag mir, warum ich dich nicht erschießen sollte."

"Amity Park wimmelt jetzt schon vor Geistern, wenn es mich nicht gäbe, und wenn du mich loswirst, übernehmen die Geister die Kontrolle."

"Du denkst wir können nicht selbst mit ihnen klarkommen Phantom?"

Danny schüttelte aufgebracht den Kopf, er wollte seine Mutter nicht weiter aufregen. "Das ist es überhaupt nicht! Es ist nur ..." Er stockte und versuchte, die richtigen Worte zu finden. "Ich habe einen kleinen Vorteil, wenn es um Geisterkämpfe geht."

"Weil du selbst ein Geist bist?"

Danny korrigierte sie fast mit "Halbgeist", erwischte sich aber rechtzeitig und nickte stattdessen.

Eine Schweigeminute verging, bevor Maddie wieder sprach. "Du warst schon immer faszinierend für mich, Phantom. Von dem Moment an, als ich dich zum ersten Mal sah, konnte ich sagen, dass du anders warst als die anderen Geister. Ich wollte dich aus experimentellen Gründen für die Wissenschaft gefangen nehmen. Ich wollte ... aufschlitzen, in dich hineinsehen, verstehen woraus du gemacht bist. "

Danny spürte, wie sein Ecto-Druck leicht abnahm, aber er beruhigte sich und kämpfte mit tiefen Atemzügen gegen die Übelkeit.

"Aber Phantom, alle unsere Probleme haben mit dir angefangen", sagte sie empört. "Wenn ich dich jetzt einfach loswerde, vielleicht verschwinden diese Probleme ja mit dir."

Danny wusste genau, dass sich der Stand der Dinge mit seinem Verschwinden nur verschlechtern würde, aber woher wusste sie, dass er überhaupt der Grund für ihre Geisterprobleme war? Nachdem er einen Moment nachgedacht hatte, fragte er vorsichtig: "Was meinst du damit, dass sie alle mit mir angefangen haben?"

"Mein Mann und ich waren dazu bereit die Geisterforschungen aufzugeben", sagte Maddie fast traurig. "Wir wollten ... alles aufgeben. Wir hatten noch nie Geister gesehen, und wir fingen an uns zu fragen, ob wir jemals einen sehen würden." Sie machte eine Pause. "Eines Tages haben wir unseren Glauben an Geister fast aufgegeben." Sie machte wieder Pause. "In dem Moment, in dem mein Mann gerade dazu bereit war bekannt zu machen, dass Geister nicht real waren, flogst ausgerechnet du von allen Geistern vorbei."

Danny durchsuchte sein Gehirn und versuchte, die Erinnerung an jenes Ereignis wiederzuerlangen.

"Seit diesem Moment, Phantom, hatten wir eine überwältigende Anzahl von Geisterproblemen. Warum ist dem so?" Sie rückte näher an ihn heran. "Wie kommt es, dass sobald wir dich gesehen hatten, wir von da an ständig Probleme mit Geistern hatten, wenn es zuvor noch nie der Fall war?"

Danny sagte nichts, unsicher dessen, wie er diese Frage beantworten sollte ohne Wut in ihr aufzubringen.

"Wenn du keine gute Antwort hast werde ich davon ausgehen, dass du dahinter steckst." Maddie drückte den Lauf ihrer Waffe an seinen Kopf.

Danny schnappte nach Luft und schloss die Augen. Seine Muskeln verkrampften sich und seine Hände, die sich immer noch am Hinterkopf befanden, zitterten. "Bitte erschieß mich nicht."

"Sag mir warum wir Geisterprobleme haben."

Danny wusste, dass er seine Identität offenbaren konnte, wenn die Dinge zu schnell von der Hand gingen. Er wusste aus früheren Erfahrungen, dass sie ihn annehmen würde. Dennoch war es etwas, das er nicht tun wollte, wenn er es nicht unbedingt tun musste. Ein letzter Ausweg. Er wollte sie nicht in Gefahr bringen oder, dass sie versuchte, seine Geisterkämpfe zu behindern, indem sie ihm Einschränkungen auferlegte oder einer seiner Schlachten beitrat.

Oder noch schlimmer - und er hatte dies Sam oder Tucker oder Jazz noch nicht zugegeben - er hatte Angst, dass ihr Wunsch an ihm zu experimentieren immer noch da wäre, selbst wenn sie wusste, dass er ihr Sohn war. Er hatte Angst, dass sie noch begeisterter von dem Fakt wäre, dass ihr geschätzter Geist nur ein halber Geist war, dass sie versuchen würde ihn zu manipulieren, damit sie aus ihm schlau werden konnte. Nur einen kurzen Blick hinein, Danny? Für die Wissenschaft, Danny? Weißt du nicht, was ich von dir lernen könnte, Danny? Willst du denn nicht, dass deine Mutter berühmt und respektiert wird, Danny? Ich habe dir das Leben gegeben, Danny, also ist es nur fair, dass du es mir zurück gibst, Danny, Danny, Danny.

Jedoch konnte er momentan seine Moleküle noch nicht ändern. Bedeutete das, dass er nicht wieder zum Mensch werden konnte? Ohne die Möglichkeit, seine Identität gegenüber seiner Mutter zu beweisen, würde sie ihn vielleicht trotzdem erschießen ohne ihm zu glauben.

"Ich verliere meine Geduld, Phantom."

"Ich gebe dir eine Antwort", sagte Danny langsam, "wenn du dich nur etwas zurückziehen könntest. Deine Waffe, die direkt gegen meinen Kopf gerichtet ist, macht es mir schwer mich zu konzentrieren."

"Du gibst mir eine Antwort oder ich bring dich um."

Ich bring dich um.

Solch widerwärtigen Worte von seiner eigenen Mutter.

"Es ist ..." Er fragte sich, wie er seine Antwort formulieren sollte. "Es ist tatsächlich, in gewisser Hinsicht meine Schuld, dass all diese Geister auftauchten-"

"Ja wirklich?" sagte Maddie kalt, als sie Dannys Kopf mit ihrer Waffe nach unten drückte.

"Lass mich ausreden!" schrie Danny auf. "Das wollte ich nicht! Es war ein Unfall!"

Maddie hob leicht die Waffe. "Ein Unfall?"

Danny richtete sich auf, nun musste er darüber nachdenken wie er fortfuhr, ohne zu viel zu verraten. "Du kennst euer Geisterportal, richtig?"

Maddie zögerte. "Was ist damit?"

"Erinnerst du dich daran, wie es beim ersten Erstellen nicht funktioniert hat?"

Danny spürte die wachsende Spannung, als Maddie darüber nachdachte.

"Woher weißt du das?" fragte sie.

"Weil ... nun ja ..." Was jetzt? Wie sollte er ihr eine befriedigende Antwort geben, ohne sein Geheimnis preiszugeben? "Ich habe es selbst gesehen. Ich war dort, als es nicht funktionierte."

Maddie wartete darauf, dass er fortfuhr, Danny jedoch spürte eine große Neugier in ihrer irritierten Stille.

"Ich versuchte ... in die Geisterzone zurückzukehren. Als Geist wusste ich, dass ich dort hingehörte." Das klang glaubwürdig, oder? Und ließ ihn nicht schelmisch klingen, richtig? "Der Weg, auf dem ich hierher gekommen bin, war nicht mehr zugänglich, also suchte ich nach einer anderen Möglichkeit. Als ich auf euer Portal stieß wusste ich, dass dies meine Chance war." Seine Stimme zitterte. "Aber es musste richtig eingeschaltet werden." Seine Mutter wusste, dass es ihm, ihrem Sohn, gelungen war, das Portal zu öffnen. Er konnte nicht lügen, musste es einarbeiten. "Als ich dann deinen Sohn alleine am Portal sah ..."

"Meinen Sohn?" unterbrach ihn Maddie. Ihre Stimme wurde lauter. "Was ist mit meinem Sohn?"

Die Reaktion überraschte Danny. Warum klang sie plötzlich so hektisch? "Äh, ja, deinen Sohn. Ich habe ihn gesehen und -"

"Was weißt du über meinen Sohn?" Maddie drückte ihre Waffe erneut gegen seinen Kopf. "Wo ist er? Was hast du mit ihm gemacht?" Sie knurrte, und doch klang sie panisch und verängstigt.

Danny wurde stumm. Was meinte sie? Warum fragte sie das, als ob ...?

Als ob sie glaubte, dass er vermisst wurde?

"Antworte mir, Phantom!" schrie Maddie. "Ich erschieße dich! Ich erschieße dich jetzt, wenn du mir nicht sagst, wo er ist!"

"Worüber redest du?" schrie Danny aus, vollkommen ratlos. Er versuchte erneut unsichtbar zu werden, aber seine Moleküle weigerten sich noch immer für ihn zu ändern.

"Ich spiele nicht rum, Phantom." Maddie packte ihn grob an seinen Haaren und sprach direkt in sein Ohr. "Du bist keine weitere Mühe mehr wert. Sag mir wo mein Sohn ist, und ich werde sicher sein, dass ich deine Existenz menschlich beende."

Er konnte die Wut seiner Mutter spüren und ihre Waffe am Kopf surren hören.

Mein Gott, sie wird mich wirklich töten.

"Ich bin ..." Seine zitternden Worte versuchten verzweifelt, an seinen Stimmbändern vorbei zu kratzen. "Ich bin dein-"

"Maddie!" rief eine andere Stimme, die unverkennbare Stimme seines Vaters. Er klang verzweifelt.

Maddie drehte sich um und sah ihn an, aber sie ließ Dannys Haar nicht los. "Jack, was ist los?"

Der Spinnengeist, nach dem Danny zuvor gesucht hatte, erschien hinter Jack in der Gasse. Maddie richtete sich sofort auf und riss Danny mit sich. Er keuchte vor Schmerz.

"Jack, pass auf!" schrie Maddie.

Der Spinnengeist packte Jack mit seinen Vorderbeinen. Jack versuchte, seine neue Waffe gegen den Geist einzusetzen, doch die Spinne schlug sie ihm aus der Hand in Maddies Richtung. Maddie ließ Dannys Haare los und hob die Waffe auf. Sie rannte auf den Spinnengeist zu und schoss darauf.

Danny wäre normalerweise geblieben, hätte seinem Vater geholfen, aber er musste da raus. Zittrig und schaudernd flog er dem Himmel entgegen und ließ seine Eltern zurück um allein mit dem Spinnengeist kämpfen.

Eine Langsamkeit, obwohl er so schnell flog wie er konnte. Ein Gefühl des Fallens, selbst als er höher aufstieg. Eine Schwere, die ihn niederdrückte, auch wenn er so leichtsinnig war.

Er musste sich hinlegen, musste alles verarbeiten ... irgendwo an einem sicheren Ort.

Er konnte sein Schlafzimmerfenster sehen. Er beschleunigte, als er darauf zuflog.

Ein explosiver Schmerz ließ ihn rasch zurück schweben. Der Geisterschild war aktiv und umgab sein Haus.

Jazz öffnete sein Fenster und sah ihn an. "Danny! Gott sei Dank! Ich habe versucht, dich anzurufen. Mama und Papa waren krank vor Sorge. Komm schnell hier rein!"

Danny versuchte sie anzusehen, aber er konnte seine Sicht nicht sehr gut fokussieren.

Jazz legte den Kopf schief. "Danny?" Sie beugte sich aus dem Fenster. "Komm schon, verwandel dich zurück und komm hier rein!"

"Ich ... ich kann nicht ..." Dannys Stimme war kratzig, als er versuchte zu sprechen.

Jazz runzelte ihre Stirn. "Du kannst nicht ... was?"

Danny holte tief Luft und versuchte es erneut. "Ich kann mich nicht zurückverwandeln."

Jazz starrte ihn kurz an bevor sie ging. Ein paar Augenblicke später wurde der Geisterschild ausgeschaltet und Danny trat sofort durch das offene Fenster ein. Seine Sicht war immer noch unscharf und verschwommen.

Jazz tauchte wieder in seinem Zimmer auf. "Okay, was ist passiert? Warum kannst du dich nicht zurückverwandeln?"

Sein Kopf füllte sich mit Druck und war kurz davor platzen.

Jazz legte ihre Hände auf seine Schultern. "Danny, du machst mir Angst."

Einengende Gefäße. Schwindel. Ausgrauen. Sein Verstand übertrug den starken Befehl zum fallen, fallen, fallen.

Danny brach zusammen und Jazz fing ihn in ihren Armen auf und senkte ihn in eine horizontale Position. Sie schaute zu ihm hinunter, als er sich wog und zitterte.

Er konnte hören, wie Jazz etwas sagte, aber er konnte ihre Laute nicht in sinnvolle Abschnitte einteilen.

Angst, Paranoia, Schmerz.

So viel.

Stechen, Pulsieren, Krämpfen-

Es zerriss ihn,zermalmte ihn, tötete ihn-

Sie hätte ihn beinahe getötet, behandelte ihn so rau, aggressiv und grausam, als wäre er-

NICHTS

Als ob er ihr nichts bedeutete-

Denn in diesem Moment bedeutete er ihr nichts.

Als ob sie-

HASST

Sie hasste ihn. Sie wollte ihn töten und sie-

HAT ES FAST GETAN!

So sehr, so sehr, so sehr, warum tat es so sehr weh? Er wollte, dass sie es wusste und konnte es sie dennoch nie wissen lassen.

Wäre sie davon zugetan, wenn sie später bemerkte, dass sie ihren eigenen Sohn getötet hatte?

Oder glaubte sie wirklich, dass es besser wäre ihn zu töten, wenn er die Ursache aller Geisterprobleme der Stadt war? Würde sie keine Reue empfinden, selbst wenn sie wüsste, wer er wirklich war?

Er wusste es nicht, wusste es nicht, wusste es nicht, hatte Angst es zu wissen.

Irgendwann hatte Jazz es geschafft, ihn auf sein Bett zu bringen. Er war sich nicht sicher, wann, aber wurde sich dessen bewusst, dass er nun saß und nicht mehr auf dem Boden lag.

Jazz redete mit ihm und versuchte ihn zu trösten. Obwohl er sich nicht erinnern konnte, gesprochen zu haben, musste er einige Dinge laut gesagt haben, da sie ihm jetzt versicherte, dass ihre Mutter ihn nicht hasste, dass er ihre Welt war seitdem er geboren wurde.

Danny hob den Kopf und sah sie plötzlich verlegen an. Er löste sich aus ihrer Umarmung und wandte sich ab. "Sorry", murmelte er. "Ich wollte nicht so ... schwach sein."

"Du bist nicht schwach", sagte Jazz. "Nicht im Geringsten."

Danny beugte sich vor, seine Ellbogen ruhten auf seinen Schenkeln, sein Kopf hing herab. Er atmete tief durch.

Jazz rieb ihm den Rücken. "Also, wenn ich richtig gehört habe, hat Mama dir ihre neueste Kreation injiziert, richtig? Ich habe sie vor ein paar Tagen darüber reden hören. Es verhindert, dass sich geisterhafte Moleküle verändern."

"Jep." Danny versuchte erneut sich zurückzuverwandeln, aber es passierte immer noch nichts. "Ich kann nicht unsichtbar oder immateriell werden ... oder sogar menschlich." Er nahm einen weiteren tiefen, zitternden Atemzug. "Was machte sie draußen um diese Zeit überhaupt?"

"Nun, ich wollte dich anrufen, um es dich wissen zu lassen! Aber du wolltest ja nicht ans Handy gehen. Ich schätze Mama kam in dein Zimmer und sah, dass du nicht da warst. Sie weckte mich und sagte, dass sie und Papa sich auf die Suche nach dir machen würden. " Sie machte eine Pause. "Sie hat sich wirklich Sorgen um dich gemacht, weil du, soweit sie weiß, nicht der Typ bist, der sich mitten in der Nacht raus schleicht."

"War ich früher auch nicht." Er versuchte es humorvoll zu sagen, aber die beabsichtigte Freude steckte in seiner Kehle fest. "Weißt du wie lange das Zeug halten soll?" Er fühlte wie die Panik wiederkehrte und sich aufbaute. "Was ist wenn sie zurückkommt und ich immer noch in meiner Geisterform bin?"

Jazz stand auf. "Warte hier. Ich komme wieder."

Sie ließ Danny allein in seinem Zimmer. Danny nutzte die Gelegenheit, um sich weiter zu beruhigen. Es war jetzt vorbei, versuchte er sich selbst zu sagen. Im Moment war er in Sicherheit. Nichts geschah, nichts bedrohte ihn. Nicht länger.

Jazz kam mit einer Spritze und einer Flasche klarer Flüssigkeit zurück. "Ich habe Mamas Notizen durchgesehen. Die Effekte sollen anscheinend stundenlang anhalten, aber das sollte sie aufheben."

Danny zuckte zusammen. "Das ist eine große Nadel."

"Es ist halt ziemlich dickflüssig," entschuldigte sich Jazz. "Am besten wir machen es an deinem Oberarm, denke ich."

Ohne ein Wort öffnete Danny seinen Overall und legte seinen rechten Oberarm frei. Jazz zog eine präzise Menge Flüssigkeit aus der Flasche, untersuchte sie auf Luftblasen und schnippte gegen das Gehäuse.

"Bist du sicher, dass du weißt was du tust?" fragte Danny besorgt.

"Natürlich. Mach dir keine Sorgen." Sie bewegte die Nadel auf Dannys Arm zu. "Außerdem, welche andere Wahl hast du?"

"Du weißt immer, wie du mich aufmuntern kannst." murmelte Danny.

Er sah weg um anzudeuten, dass er bereit war und spürte, wie die Nadel durch seine Haut fuhr. Zu beginn war der Schmerz noch erträglich, doch dieser wuchs an, als die Flüssigkeit in ihn injiziert wurde und seine Haut sich quälend trennte und streckte. Danny biss sich auf die Lippe um sich vom Keuchen abzuhalten.

"Fertig." Jazz zog die Nadel heraus. "Nicht allzu schlimm, hoffe ich?"

"Überhaupt nicht." Danny zog seinen Overall hoch und sah auf seine behandschuhten Hände hinunter. "Wie lange dauert es, bis es wirkt?"

"Wie lange hat es gedauert zu wirken, als du das erste Mal gespritzt wurdest?"

"Es ging schnell."

"Dann stelle ich mir vor, dass es jetzt auch schnell gehen wird."

Danny wartete noch einen Moment, bevor er tief einatmete und bereit war, seine Form zu ändern. Mit einem kleinen Knistern tauchten die bekannten Lichter auf und zeigten seine menschliche Gestalt. Danny sah erleichtert auf seine Straßenkleidung hinunter.

Jazz umarmte ihn. "Da ist mein kleiner Bruder." Sie trat zurück und seufzte. "Nun, jetzt hast du ein neues Problem."

Danny sah sie besorgt an.

"Was wirst du Mom erzählen, wenn sie fragt, wo du gewesen bist?"

Danny stöhnte. "Also zu dieser Stunde muss ich mir etwas wirklich Überzeugendes einfallen lassen." Er zog sein Handy heraus. "Ich bin mir sicher, dass sie mir glauben werden, wenn ich ihnen sage, dass ich bei Sam war." Er kicherte, aber es war etwas traurig. "Das klingt wie etwas, das ein normaler Teenager zu dieser Stunde tun würde, oder?"

Jazz drückte seine Schulter. "Du weißt, dass es Sam auch in Schwierigkeiten bringen würde, oder?"

"Sam wird das für mich tun", sagte Danny und schrieb eine verschlüsselte Nachricht an seine gothichafte Freundin. "Sie wäre mehr als glücklich, den Ärger mit mir einzustecken. Ich kenne sie." Er verschickte den Text. "Ich kann mich immer auf Sam verlassen."

Jazz nickte. Sie holte dann ihr eigenes Telefon heraus. "Ich werde Mom anrufen und ihr sagen, dass du zurück bist, okay?"

Danny hörte nur, wie Jazz mit Maddie sprach. Er konnte Maddies Seite nicht gut hören, nur schrilles Geschwätz, das sich freudig anhörte. Sie klang so glücklich zu wissen, dass es ihm gut ging, aber Danny konnte die Erinnerung daran nicht loswerden, wie sie vor weniger als einer halben Stunde mit ihm gesprochen hatte.

Jazz beendete den Anruf. "Sie sind auf dem Rückweg."

Danny seufzte schwer. "Ich denke ich muss mit ihr reden."

Die beiden Teenager gingen die Treppe runter. Jazz reaktivierte den Geisterschutzschild, bevor sie sich zu Danny im Wohnzimmer auf die Couch gesellte. Danny versuchte, seine Geschichte zu üben, versuchte sich zu beruhigen, damit er nicht noch einmal zusammenbrach, wenn er von seiner Mutter konfrontiert wurde.

Aber je mehr er versuchte seine Angst zu verringern, desto schlimmer wurde es.

Stattdessen versuchte er, sich auf die Schmerzen in seinem Arm zu konzentrieren, die von der Injektion stammen, sowie dem Schmerz in seinem Nacken, welcher verursacht wurde, als seine Mutter ursprünglich auf ihn geschossen hatte.

Er konnte sie jetzt fühlen, ziehende, pochende Schmerzen, die von den ursprünglichen Einstichstellen ausstrahlten.

Dieser körperliche Schmerz war vorerst wünschenswerter.

Endlich schwang die Haustür auf. Danny und Jazz standen beide da, als ihre Eltern reinkamen.

"Danny!" Maddie rannte zu ihrem Sohn und warf ihre Arme um ihn. "Ich war krank vor Sorge!"

Danny blieb stehen und lehnte sich leicht zurück.

Maddie zog sich zurück, ihre Hände jetzt auf seinen Schultern. "Wo warst du, junger Mann?"

Danny starrte sie blank an. Er versuchte, sich nicht auf sie zu konzentrieren, versuchte überhaupt keine Gefühle zu beschwören aus Angst, dass sie sich in etwas verwandeln würden, das er nicht kontrollieren konnte. "Es tut mir leid, dass ich dir Sorgen gemacht habe. Ich war bei Sam."

Maddie runzelte verwirrt die Stirn. "Sam?"

"Ja", sagte Danny flach, eintönig. "Es tut mir Leid."

Jack lachte. "Ach, Kinder."

Maddie wandte sich an ihren Ehemann. "Jack, das ist ernst."

"Äh ... ja, das ist es", stimmte Jack schnell zu. "Und wir werden auf jeden Fall morgen ein Gespräch mit Sams Eltern führen."

"Das werden wir bestimmt." Maddie drehte sich wieder zu Danny um. "Und wir müssen uns eine passende Strafe für dich überlegen, Danny." Ihr Gesichtsausdruck wurde etwas milder. "Aber ich bin so erleichtert, dass du in Sicherheit bist. Ich hatte Angst, dass ..." Sie machte eine Pause. "Nun, es ist egal. Du bist in Sicherheit."

"Ja", sagte Danny leise. "Bin ich."

Aber er war es fast nicht.

Fast nicht wegen ...

Maddie musterte ihn. "Geht es dir gut, Danny?"

Danny nickte. "Ja, mir geht es gut. Es tut mir nur ... wirklich leid. Ich bin müde."

Maddie runzelte die Stirn. "Du scheinst ... ich habe das Gefühl, dass etwas nicht stimmt." Sie fuhr mit den Fingern durch seine Haare.

- packte ihn grob an den Haaren -

Du bist es keinen Ärger mehr wert -

Mein Gott. Sie wird wirklich ...

Danny atmete scharf ein und zog sich zurück, sodass Maddie ihn nicht mehr berührte.

Maddies Brauen hoben sich. "Danny?"

Danny zwang sich zu einem entschuldigenden Lächeln. "Mir geht es gut, wirklich. Ich verspreche es."

Maddie musterte sein Gesicht. "Du weißt, dass du mit mir reden kannst, oder?"

Danny neigte den Kopf. "Natürlich weiß ich das. Du bist meine Mutter." Er versuchte, seinen Ton ruhig zu halten. "Ist es in Ordnung, wenn ich jetzt ins Bett gehe, oder willst du immer noch darüber reden?"

Maddie zögerte, bevor sie nickte. "Ja. Wir reden morgen."

Sie beugte sich vor, um seinen Kopf zu küssen, aber Danny wich ihr aus und ging zügig die Treppe hinauf. Er konnte fühlen, wie Jazz hinter ihm ging. Er konnte seine Eltern leise sprechen hören.

Er betrat sein Zimmer und schloss die Tür. Er lehnte sich einen Moment dagegen und schloss die Augen.

So viel, zu viel.

Würde das weggehen, umkehren?

Kann es?

Wenn er diesen Schmerz ignorierte, würde er dann von selbst nachlassen?
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