Mehr als Freunde, enger als Brüder (Newt x Albus (x Grindelwald))

GeschichteRomanze, Fantasy / P18 Slash
Albus Dumbledore Gellert Grindelwald Newt Scamander
22.07.2019
26.06.2020
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71.169
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22.07.2019 4.134
 
~ Eine weitere Geschichte von der lieben -Nele- und mir, im RPG entstanden.
Mein erster Albus. Es wurde höchste Zeit, sich mal an ihm zu versuchen. Ganz zu schweigen von Gellert, den wir zwar schon oft in RPGs gespielt hatten, die es aber nie in eine Fanfiktion-Form gebracht haben... *hust* zu brutal *hust*
Nun, jedenfalls... Das hier wird fluffig, vor allem am Anfang.
Ich wünsche euch viel Spaß ;)~




Es war spät, an diesem Juliabend mitten in London. Albus hatte den Beginn der Sommerferien genutzt, um einige Gänge in der großen Stadt zu erledigen. Unwichtige Dinge: Treffen im Ministerium, um seine politische Loyalität (soweit sie möglich war) zu unterstreichen, ein Gespräch mit einem Mittelsmann, der ihn über Gellerts Machenschaften auf dem Laufenden hielt und ihm bestätigte, dass der Mann weiterhin Großbritannien fernblieb. Albus war den Schmerz leid, den er fühlte, wenn er an Gellert dachte und daran, was aus ihm geworden war. Von all der Sehnsucht, all den Fragen nach dem ‚Warum?‘ war am Ende nur bittere Galle übriggeblieben. Die Erinnerungen waren schon lang nicht mehr frisch, die Gefühle vertrocknet mit jedem Jahr, das verging. Er sehnte sich nach etwas, das ihn auf andere Gedanken brachte, als dröge Treffen und unschöne Gespräche zur politischen Lage.  
Es war mehr ein unbewusstes Sehnen als ein tatsächlicher Plan, der hinter seinem nächsten Apparieren stand. Doch als er sich vor Newt Scamanders Wohnung in dem Mehrfamilienhaus im Norden Londons wiederfand, erschien es ihm richtig, hier zu sein.  
Einen Moment lang ließ Albus den Blick über das Gebäude schweifen. In der Küche, die zur Straße hinausführte, brannte Licht. Also war Newt zu Hause. Vielleicht war es eine seltsame Laune des Schicksals, die ihn ausgerechnet heute ausgerechnet hierhergezogen hatte. Aber Albus vertraute von jeher seinem Bauchgefühl. Deshalb zögerte er nicht, erklomm die Stufen zur Haustür und betätigte die Klingel, ehe er wieder ein paar Schritte zurück tat. Er wusste nicht, was er seinem ehemaligen Schüler sagen würde, wenn er ihm öffnete… Zuletzt waren sie viel in Gesprächen gewesen wegen des Obscurials aus New York, Credence. Doch Albus stand heute nicht der Sinn nach derlei Gesprächen. Vielmehr nach angenehmer Gesellschaft, die ihn von den schweren Themen ablenkte, mit denen er heute seine Schultern belastet hatte.  

*


Newt befand sich gerade in der Küche, in der einen Hand ein Sandwich, in der anderen seine Notizen, die er überflog. Seit der Sache in Paris war es vorerst recht still geworden um Grindelwald, fast wie die Ruhe vor dem Sturm. Doch Newts Motto war nicht umsonst 'Wer sich sorgt, leidet zwei mal.' - dementsprechend nutzte er die Zeit für Dinge, die auf der Strecke geblieben waren. Nämlich endlich sein Buch zu Ende zu schreiben.
Als es plötzlich klingelte, schaute er irritiert mit zusammen gezogenen Augenbrauen von seinen Notizen auf. Wer klingelte so spät bei ihm? Wer klingelte überhaupt bei ihm?
Er nahm seinen Zauberstab von der Küchenablage und ging zum Frenster, um hinunter auf die Straße zu blicken.
Als er Dumbledore dort unten erkannte, der vor seiner Tür stand und zu ihm hinaufschaute, blinzelte er verwundert. Augenblicklich legte er sein Sandwich zur Seite und machte sich zur Tür auf, um seinem Ex-Professor zu öffnen, während er sich fragte, weswegen dieser ihn so spät am Abend aufsuchte. War irgendetwas passiert oder gab es Neuigkeiten bezüglich Grindelwald?

*


Albus musste nicht lang darauf warten, dass Newt reagierte. Er sah den roten Schopf hinter dem Fenster entlang huschen und ging schmunzelnd zur Tür hin.  
Wenig später wurde sie geöffnet. Und da stand er: Mit rotem, zerzaustem Haar und glänzenden Augen war er direkt vor ihm und Albus wusste plötzlich, warum er hierhergekommen war: Weil das hier von jeher mehr als eine politische Partnerschaft für ihn gewesen war. Eine tiefe, unausgesprochene vertrauensvolle Verbundenheit, eine Freundschaft. Und, wenn Albus die geröteten Wangen Newts zu seinem Vorteil interpretieren wollte, freute sich der Jüngere ebenso, ihn zu sehen. Er schenkte ihm ein charmantes Lächeln. „Guten Abend, Newt“, sprach er und senkte leicht den Kopf zum Gruß, „Ich hoffe, ich komme nicht ungelegen.“
“Guten Abend, Professor”, grüßte Newt höflich zurück, doch sein Lächeln verflog und machte einer sorgenvollen Miene Platz. “Sie stören nicht, ganz und gar nicht”, beteuerte er, “Ist etwas passiert?”
Mit einem wohlwollenden Funkeln in den Augen schüttelte Albus den Kopf. „Nein, es ist nichts passiert“, sagte er und seufzte dann, um seiner Erschöpfung Ausdruck zu verleihen. „Zumindest nichts… schlimmes.“ Er schenkte Newt ein weiteres Lächeln. „Ich war nur zufällig in der Gegend und dachte, es wäre nett, einen Freund zu besuchen und mit ihm eine Tasse Tee zu trinken.“ Er ließ eine Kunstpause, damit Newt begreifen konnte, dass er mit der Bezeichnung ‚Freund‘ gemeint war und fragte dann: „Lässt du mich rein?“
Seine Worte führten immerhin dazu, dass Newts angespannte Haltung etwas lockerließ. “Oh”, entwich es ihm überrascht und, als die Frage schließlich zu ihm durchsickerte, trat er schnell zur Seite und senkte den Blick. “N-Natürlich, gern!”
Albus‘ Lächeln verstärkte sich. „Sehr schön“, sagte er und ging, da Newt ihm den Weg freimachte, an ihm vorbei. Im Hausflur blieb er stehen, um ihm den Vortritt zu lassen und folgte ihm dann in seine Wohnung. Er war schon einmal hier gewesen, aber es war lange her und damals hatten sie sich mit ernsteren Themen beschäftigt, die ihm nicht die Zeit gegeben hatten, sich umzusehen. Die Wohnung sagte einiges über Newts Charakter aus: Sie war wenig gefüllt mit Annehmlichkeiten, die ihm etwas wie persönlichen Luxus geben konnten und viel mehr ein Ort, an dem er alles hatte, was er zur Pflege magischer Geschöpfte brauchte. Wagschalen, voluminöse Eimer und große Messer, ein riesiger Kühlschrank voller – wie Albus vermutete – Futter für die Tiere. Albus sah sich in der Küche um, bemerkte das aufgeschlagene Notizbuch auf dem Tisch und musste schmunzeln. Was das anging, hatte sich Newt seit seiner Schulzeit kein bisschen verändert. Er hatte noch immer den Hang, jede Kleinigkeit, die ihm an Tierwesen auffiel, für die Nachwelt zu notieren.  
Albus stellte sich neben einen Stuhl und legte die Hand auf die hölzerne Lehne. „Darf ich?“, fragte er höflich, bevor er Anstalten machte, sich zu setzen.  
Newt, der eben eilig damit beschäftigt war, den Tisch freizuräumen (Albus machte ihm keinen Vorwurf über das Chaos, er hatte sich schließlich nicht angemeldet), nickte eilig. “Ja, bitte”, setzte er höflich hinzu.  
Albus ließ sich auf den Stuhl sinken und sah Newt dabei zu, wie dieser hektisch durch die Küche stob. Er musste über das Verhalten des Jüngeren schmunzeln. Er war schon immer ein wenig unbeholfen, wenn von ihm die Einhaltung sozialer Konventionen gefordert wurde. Albus hätte ihm gern gesagt, dass er sich nicht verbiegen musste, nur, weil er jetzt Besuch hatte, doch aus Erfahrung wusste er, dass Newt einfach eine Weile brauchte, um sich an Gesellschaft zu gewöhnen. Also blieb er mit einem amüsierten Lächeln auf den Lippen sitzen.  
Als der junge Mann ihm über die Schulter einen Blick zuwarf und fragte: “Wollen Sie einen Earl Grey?”, nickte er.  
„Sehr gern“, sagte Albus und fragte dann, um ein wenig der Hektik aus Newt zu nehmen, „Darf ich dir zur Hand gehen?“ Er zog seinen Handschuh aus, der durch die Küche schwebte und zwei Tassen aus dem Regal holte. Mit einem leisen Klirren landeten sie auf dem Tisch. Dann schwebte der Handschuh erneut fort und griff die Teedose, die auf der Theke stand.  
"Oh, das ist wirklich nicht nö-", begann Newt, als der Handschuh bereits neben ihm alles vorbereitete. "Danke", murmelte er schließlich mit einem schüchternen Lächeln und griff dann die beiden Tassen mit heißem Tee. Sichtlich nervös trug er sie zum Tisch und stellte eine vor Albus ab, ehe er sich ihm gegenübersetzte.  
Albus ließ seinen Handschuh auf den anderen gleiten, den er neben sich auf den Tisch gelegt hatte und griff seine Tasse, aus der nun heiße Schwaden emporstiegen. Ihm entging die Anspannung nicht, die Newt in Atem hielt. „Ich habe dich mitten in deinen Studien unterbrochen, wie es scheint“, sagte er, um ihn von dem Druck zu befreien, über belanglose Dinge sprechen zu müssen. Wie er Newt einschätzte, dachte dieser gerade fieberhaft über Small-Talk-taugliche Themen nach und scheiterte daran. „Woran arbeitest du gerade?“, fragte Albus.
Newt blickte zögernd auf. "Oh, ich schreibe immer noch an meinem Buch”, erklärte er, “Die letzten Monate blieb das etwas auf der Strecke und ich dachte, ich nutze die Ruhe etwas." Ein kleines Lächeln begleitete seine Ausführungen, ehe er fragte: "Und Sie? Was führt Sie nach London?"  
Seine Frage klang skeptisch, als wartete er immer noch auf einen Haken. Albus konnte es ihm nicht verübeln. Ihre letzten Unterhaltungen hatten sich auf Donnervögel, Newt York, Credence und Paris beschränkt und Albus hatte Newt mehr als einmal um Hilfe gebeten. Dass dieser nun erwartete, dass er einen neuen Auftrag brachte, wunderte Albus nicht.  
Er seufzte und winkte dann lächelnd ab. “Gespräche mit dem Ministerium“, sagte er, „Keine große Sache. Sie misstrauen mir glücklicherweise nicht mehr so sehr wie noch vor einigen Monaten. Was, nicht zuletzt, daran liegt, dass ich nun dafür sorge, sie regelmäßig zu kontaktieren.“ Er zwinkerte Newt zu. “Manche Gespräche muss man führen, damit man den Rest der Zeit das Leben führen kann, das einem vorschwebt“, sagte er und seine Augen funkelten, als er verschwörerisch hinzufügte: “Aber das brauche ich dir nicht zu erzählen, nicht wahr?“ Er trank einen Schluck Tee und ließ die Wärme in seinen Magen sinken. Sein Blick blieb einen Moment prüfend auf seinem Gegenüber liegen, ehe er aussprach, wovon er vermutete, dass Newts Frage eigentlich darauf abzielte: “Ich bin nicht hier, um dich wieder auf eine Reise zu schicken, ich verspreche es. Ich möchte wirklich nichts lieber als eine Tasse Tee… und ein wenig Gesellschaft, die sich mit schöneren Dingen beschäftigt als diesem leidigen Thema.“

*


Newt musste über Dumbledores Ausführungen bezüglich des Ministeriums schmunzeln. Ja, er konnte definitiv nachvollziehen, dass Dumbledore lieber von sich aus geplant den Kontakt suchte, statt sich erneut von dem Minister oder dem Direktor für magische Strafsicherheit 'überfallen' zu lassen.  
Dass er Newt allerdings versicherte, dass er tatsächlich nur auf eine Tasse Tee hier war, ließ Newt verlegen den Blick senken. "Und da dachten Sie von all Ihren Bekannten ausgerechnet an mich?”, fragte er überrascht, “Also nicht, dass es mich stören würde!", beeilte er sich schnell nachzusetzen ehe der Ältere ihn falsch verstand und vielleicht dachte, dass Newt etwas gegen seinen Besuch hatte. "Ich bin nur normalerweise nicht gerade die erste Wahl, wenn es um Gesellschaft geht”, setzte er kleinlaut hinzu.  
Dumbledore lachte leise. „Nun, meine offensichtlich schon“, sagte er und lehnte sich mit einem Schmunzeln zurück, während er Newt mit einem freundlichen Blick bedachte, „Und ich finde, wenn du mir die Bemerkung gestattest, dass du dich in ein ziemlich schlechtes Licht rückst. Du bist ein weitaus angenehmerer Gesprächspartner, als du vielleicht glaubst.“ Er beugte sich wieder vor, stellte die Ellbogen auf dem Tisch ab, die Tasse hielt er zwischen den Fingerspitzen. Über den Rand der Tasse warf er Newt ein weiteres Lächeln zu. „Was nicht zuletzt an deiner Fähigkeit liegt, auch die kleinsten Regungen und Stimmungsschwankungen zu erfassen und dich dementsprechend auf dein Gegenüber einzulassen. Was, meiner Meinung nach, eine große Gabe ist – die dir nicht zuletzt bei deinen Tierwesen zugutekommt.“
Bei den Worten errötete Newt peinlich berührt. "Oder vielleicht stellen Sie mich auch in ein zu gutes Licht", entgegnete er mit einem zaghaften Lächeln. "Und die kleinsten Regungen und Stimmungsschwankungen zu erkennen, gelingt mir bisher hauptsächlich bei Tierwesen. Bei Menschen hätte ich manchmal ganz gerne einen ähnlichen Verhaltensratgeber zur Hand wie den, den ich gerade über Tierwesen verfasse. Wobei der sicher bedeutend länger wäre als mein Buch." Er konnte ein kleines Schmunzeln nicht verhindern, ehe er einen großen Schluck Tee nahm.  
Dumbledore schmunzelte. „Ich denke, du hast ein weitaus größeres Potenzial als das, was du bisher anwendest“, sagte er, ehe er die Aufmerksamkeit endlich von Newt nahm und stattdessen den Blick durch die Küche schweifen ließ. „Ich bin neugierig“, gab er zu, als sein Blick an etwas auf der anderen Seite des Raumes hängen blieb, „Ich hatte mit deutlich mehr Tierwesen gerechnet. Wo hast du sie untergebracht?“  
Newt wollte bereits antworten, als ihm allerdings die Formulierung klar wurde. MEHR Tierwesen?  
Er riss den Kopf herum und folgte Dumbledores Blick zur Spüle. Man konnte von hier aus gut beobachten, wie eins der Nifflerbabys in der Spüle an der Kette zog, die den Stöpsel am Becken hielt.
"Oh nein, nicht schon wieder", seufzte Newt, sprang auf und lief zur Spüle. Das kleine Nifflerbaby hielt erschrocken inne und wollte bereits davonspringen, doch Newt war schneller und erwischte es zuerst.  
Mit zusammengezogenen Augenbrauen und einem strengen Blick hob er das Tierchen vor sein Gesicht. "Im Ernst, das kann so nicht weitergehen. Ihr könnt nicht jedes Mal ausbrechen, wenn ich mal länger als zehn Minuten nicht in der Nähe bin", tadelte er in strengem Tonfall. Der Niffler verstand es, unschuldig zu tun. Er blickte Newt mit großen Augen an und legte irritiert den Kopf schief.  

*


Albus unterdrückte ein leises Lachen. Er genoss es, Newt dabei zuzusehen, wie dieser seine Befangenheit vergaß, sobald es um die Tierwesen ging. Dann öffneten sich die Schlösser, die sonst sein Inneres vor der Welt verbargen und nicht zeigten, wer er wirklich war. In diesen Momenten begann er zu strahlen. Und Albus hatte schon von jeher Schwierigkeiten gehabt, seine Augen abzuwenden, wenn er ihn in diesem Zustand erblickte – mit zunehmender Zeit und je älter Newt wurde, desto schwieriger wurde es, sich davor zu verschließen.  
Er blieb wo er war, während er zusah, wie Newt das kleine Ding auf liebevolle Weise ausschimpfte.  
Als das beratungsresistente Nifflerbaby ihn nur weiter irritiert anblinzelte, seufzte Newt schließlich resigniert. "Hoffen wir einfach, dass deine Geschwister es nicht bis hier hoch geschafft haben", murmelte er, ehe er erstarrte, als würde ihm plötzlich wieder einfallen, dass er nicht allein war. Er schob das Nifflerbaby in seine Westentasche und wandte sich zu Albus herum.  
"Nun, die Gehege sind unten”, antwortete er auf Albus’ Frage, “Ich müsste sowieso hinunter und das Nifflerbaby zurückbringen, also wenn Sie möchten”, begann er, ehe er sein Angebot unterbrach und schnell einlenkte: “Sie können aber natürlich auch hier warten, ich brauche sicherlich nicht lange."  
Albus erhob sich und schenkte Newt ein charmantes Lächeln. „Ich dachte schon, du fragst nie“, sagte er mit einem amüsierten Funkeln in den Augen und stellte die Tasse auf dem Tisch ab. „Ich würde mich freuen, mir ansehen zu dürfen, was du geschaffen hast.“ Wie um es zu demonstrieren, trat er einen Schritt auf die Tür zu, blieb dann allerdings stehen, um Newt den Vortritt zu lassen. „Es versteht sich von selbst, dass ich darauf achten werde, deine Tierwesen nicht unnötig zu reizen. Ich vermute, sie sind menschlichen Besuch im Allgemeinen nicht gewohnt.“
Auf dem Gesicht seines Gegenübers breitete sich ein aufrichtiges Lächeln aus, das deutlich zeigte, wie wenig er ehrliches Interesse an seinen Tierwesen gewohnt war. Es steigerte seinen Enthusiasmus. Auf federnden Schritten lief er an Albus vorbei und während dieser ihm hinab folgte, begann er zu plaudern. "Oh, die meisten sind eigentlich recht ruhig, solange man auf den Wegen bleibt und ihre Gehege nicht betritt”, erklärte er nun unbefangen, “Generell sollten Sie sich nur nicht all zu schnell oder frontal auf die Tierwesen zubewegen und nicht zu laut sprechen."  
Albus wollte gerade antworten, da setzte Newt eilig hinzu: "Oh, um die Murtlaps sollten wir vielleicht einen Bogen machen. Die befinden sich gerade in der Paarungszeit und sind da etwas eigen. Wussten Sie, dass Murtlap Babies ohne das typische Gewächs auf ihrem Rücken geboren werden? Es bildet sich erst nach zwei Monaten und die Ausprägung und Farbe hat viel mit der Ernährung und der Wasserqualität zu tun."  
Albus folgte seinem ehemaligen Schüler lächelnd. Es war immer wieder ein Phänomen, wie sich Newt vom unscheinbaren, leisen jungen Mann in jemanden verwandelte, der strahlte und redete wie ein Wasserfall – durch einen simplen Themenwechsel und das Gefühl, gehört zu werden. Er nickte freundlich, um zu suggerieren, dass er zuhörte. Er konnte nicht einmal leugnen, dass es interessant war. Viel interessanter war aber, dass Newt sich die Zeit nahm, all das in Erfahrung zu bringen. Sein Beitrag half den Zauberern, Tierwesen besser zu verstehen. Vermutlich war ihm nicht einmal selbst bewusst, welch großen Einfluss er damit hatte – spätestens, sobald sein Buch es auf den Markt geschafft hatte. Albus machte sich im Geiste eine Notiz, bei Professor Dippet vorzuschlagen, dieses Thema in den Schullehrplan mit aufzunehmen. Wenn das Buch so strukturiert und sachlich war, wie Albus es vermutete, könnte man es als Lehrmaterial für die jüngeren Generationen verwenden.  
Um Newt nicht das Gefühl zu geben, ihm nicht zuzuhören, beendete Albus seine geistige Notiz und folgte den weiteren Erklärungen zu Murtlaps und später zu Grindelohs und Wasserdrachen. Sie kamen an Gehegen vorbei und zu jedem von ihnen hatte Newt etwas zu berichten. In Kurzfassung führte er die wichtigsten Eckdaten aus und gab bei einigen die neusten Ergebnisse seiner Studien zum Besten. Nebenher sammelte er aus allen Ecken Nifflerbabys ein, die herumstreunten.  
Albus‘ Lächeln wurde mit jeder Erklärung Newts wärmer. Es wäre komisch gewesen, auf eine belustigende Art, dass er nun von seinem Schüler unterrichtet wurde – wenn Albus noch in solchen Schubladen gedacht hätte. Stattdessen hing er förmlich an Newts Lippen, vor allem glitt sein Blick permanent dort hin. Newt war es vermutlich gar nicht klar, wie sehr es seine ohnehin große Anziehung noch steigerte, wenn er derart aufblühte. Albus hielt sich zurück, hielt seine Emotionen unter Verschluss, damit sie nicht an die Oberfläche traten und wünschte sich doch, Newt einfach am Unterarm zu greifen und zu sich herum zu ziehen, um ihn für einen kurzen Moment zum Schweigen zu bringen… Seine Lippen sahen weich und einladend aus und Albus fühlte seine Fingerspitzen kribbeln.  
Statt das, was er sich vorstellte, in die Tat umzusetzen, blickte er weiterhin auf Newts Rücken, während dieser voranging und griff dann mit einem leisen Lachen nach einem Nifflerbaby, das auf Newts rechter Schulter gekrabbelt war und versuchte, erneut zu entkommen. „Flinke kleine Geschöpfe“, kommentierte er amüsiert, hielt den Niffler in einem vorsichtigen, aber entschiedenen Griff und schob die Hand über Newts Schulter, sodass er ihn halb umarmte, während er ihm das Tierchen hinhielt. Den Arm über die rechte Schulter gelegt, den Niffler in der ausgestreckten Hand und den Kopf nah an Newts linkem Ohr, raunte er: „Es ist bewundernswert, wie du es schaffst, sie alle in Schach zu halten.“

*


Newt drehte bereits halb den Kopf und wollte selbst nach dem Niffler greifen, doch Dumbledore kam ihm zuvor. Er zuckte aus Gewohnheit kurz zusammen als der Ältere plötzlich so nah bei ihm stand und ihn halb umarmte, mahnte sich dann aber sich zu entspannen. Dies war schließlich Dumbledore. Es gab keinen Grund sich in seiner Nähe unwohl zu fühlen. Er war ein guter Freund, hatte das der Professor nicht vorhin noch betont? Und die meisten Menschen drückten Freundschaft und Zuneigung ganz selbstverständlich durch Körperkontakt aus.
"Ich... Ich würde es nicht 'in Schach halten' nennen”, murmelte er mit einem schüchternen Lächeln und versuchte die Gänsehaut zu ignorieren, die Dumbledores warmer Atem so dicht an seinem Ohr verursachte. “Wir leben einfach zusammen hier."  
Dumbledores gab ein bestätigendes Brummen von sich und ließ den kleinen Niffler in Newts erhobene Hände fallen. Sein Arm blieb auf Newts Schulter liegen. „Und ich bin sicher, deine Geschöpfe werden nichts tun, was dir schaden könnte“, sagte er bestätigend, „Was ich meinte, war der enorme Verwaltungsaufwand, alles zu organisieren, damit deine Tierwesen glücklich sind.“ Er trat einen Schritt zurück und ehe Newt sich umdrehen konnte, um ihn anzusehen, legten sich warme Hände auf seine Schultern. Daumen drückten probeweise in die festen Muskeln. „Ich frage mich nur, ob du dabei auch ausreichend auf dich selbst achtest?“ Seine Daumen drückten stärker. „Du scheinst ein wenig verspannt zu sein.“
"Uhm, ich... ich denke schon", murmelte Newt irritiert. "A-also dass ich auf mich achte...mein ich..."  
Als die Finger einen Knoten trafen und ihn zu kneten begannen, konnte Newt ein überraschtes Keuchen nicht unterdrücken.
Er hörte Dumbledore leise lachen. „Wie ich schon sagte“, raunte er ihm amüsiert ins Ohr, „Du bist verspannt. Vielleicht würden dir eine Pause und ein entspannter Abend guttun, sobald deine Tierwesen versorgt sind.“  

*


Albus konnte nicht verhindern, seiner Stimme einen verheißungsvollen Ton zu geben und hoffte, dass seine Worte nicht allzu offensichtlich waren. Sie waren noch nicht an dem Punkt angelangt, an dem er zulassen konnte, dass man ihm offen in die Karten schaute. Dafür waren da noch zu viele Grenzen, die er austesten musste, ehe er sagen konnte, wie sie im Augenblick zueinander standen… und ob Newt der Stimmung, die Albus erfüllte, ebenfalls erliegen würde.
Während er die Schultern weiter massierte, bemerkte er, dass Newt sich Mühe gab, kein weiteres Keuchen entweichen zu lassen. Zwar sah Albus sein Gesicht nicht, doch seine Ohren waren rot angelaufen. Und lehnte er sich wirklich ein wenig in die Berührung oder bildete Albus sich das nur ein?
“Die... die Tierwesen sind versorgt”, hörte er den Jüngeren leise sagen, nach ein paar Augenblicken der Stille, als hätte er beinahe vergessen zu antworten, "Sie haben alle feste Fütterungszeiten und werden unruhig, wenn ich diese nicht einhalte. Deswegen ist es a- aah..!" Newt warf einen Augenblick den Kopf in den Nacken und ließ ihn dann eilig wieder nach vorn fallen, als wäre es ihm peinlich.  
Was als unschuldige Massage begann (nun, vielleicht nicht ganz unschuldig), geriet zu einer Situation, die Albus unerwartet erregte. Er hatte Faszination für Newt gefühlt, als der Jüngere vorhin in der Küche gesprochen hatte, hatte begonnen, die zarten romantischen Bande, die er irgendwo im Verborgenen gespürt hatte, aufzudecken und ihnen nachgehen zu wollen. Doch er hatte nicht damit gerechnet, so schnell auch körperlich gereizt zu werden – und das nur durch Geräusche, die Newt von sich gab, weil er ihn massierte. Sein Stöhnen war verboten gut. Er biss sich auf die Innenseite seiner Wange, während er darüber schmunzelte, wie Newt gegen sich selbst ankämpfte und drückte noch ein-zwei Mal fester in den Knoten hinein, ehe er ihn aus seinem Griff entließ. „Nun, dann schlage ich vor, dass wir die Kinder noch ins Bett bringen und dann wieder zurück in die Küche gehen“, sagte er lächelnd und trat einen Schritt zurück. Sein Blick fiel auf die Nifflerbabys, die aus den vielen Taschen in Newts Weste herausschauten und ihre Schnauze in die Luft streckten, als suchten sie etwas Glitzerndes, Goldenes.  
Newt taumelte ein Stück, als hätte er einen Moment den festen Boden unter den Füßen verloren. Fahrig drehte er sich zu Albus um, blickte ihm für einen Sekundenbruchteil in die Augen und dann eilig zu Boden. “J-ja... sicher, ich...ich bringe sie eben... ich bin gleich wieder da", stotterte er überfordert und mit erhitztem Gesicht. "Ich..." Er atmete flach, als wollte er sich zum Sprung bereit machen. Dann siegte sein Fluchtinstinkt. "Bis gleich." Damit wandte er sich bereits um und bog in den nächsten Gang ein, an dessen Ende sich vermutlich das Nifflergehege befand.
Albus‘ Schmunzeln wurde breiter, während er dabei zusah, wie Newt davoneilte. Er hatte es zuvor schon geahnt und war sich aber lange nicht sicher gewesen. Nun hatte er einen deutlichen Hinweis erhalten, dass sich seine Theorie bestätigte, dass Newts Gefühle für ihn nicht gänzlich verschwunden waren. Damals, als Schüler, hatte Newt ihm an den Lippen gehangen – im übertragenen Sinne – und Albus hatte geahnt, dass es mehr gewesen war als die Bewunderung für einen Lehrer. Ihm war nie in den Sinn gekommen, etwas mit einem Schüler anzufangen, doch da ihr Kontakt auch nach Newts Verstoß nicht abgebrochen war, hatte er die letzten Jahre damit verbracht, ihn zu beobachten – und war selbst immer mehr in Bewunderung verfallen. Er hatte nie sonderlich viel Hoffnung darauf verwendet oder es in konkrete Ziele formulieren können. Zu wenig Zeit, zu viele politische Konflikte, die ihn auf Trapp hielten und Newt war ständig auf Reisen.  
Nun, da das Schicksal ihn an diesem lauen Sommerabend hierher verschlagen hatte, fragte er sich, ob er etwas beginnen sollte, dessen Ende er nicht kannte. Andererseits wäre es ein Jammer, es nicht zu tun. Newts roten Wangen nach zu urteilen würde er sich über ein wenig Aufmerksamkeit in dieser Richtung freuen und er hätte es verdient, mal einen Moment an sich selbst zu denken.  
Noch immer das Schmunzeln auf den Lippen, verließ Albus mit federndem Schritt die Kellergewölbe und trat wieder zurück in die Küche. Sein siebter Sinn zeigte ihm den kleinen Weinvorrat noch bevor er ihn mit eigenen Augen sah. Er wählte eine der besseren Rotweinflaschen aus, entkorkte sie und füllte zwei Gläser.
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