Neues vom Känguru

GeschichteAllgemein / P12
22.07.2019
02.06.2020
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22.07.2019 781
 
„Die Macht immer mit dir sein sie möge“
Lenin zu Stalin

Ich sitze auf meinem neuen Sofa und nehme das hitzige Wortgefecht am Tisch vor mir nur mit halbem Ohr war, ich weiß nicht mehr genau worum es geht, soweit ich weiß spielen einige Mitglieder des Asozialen Netzwerks in unserem Wohnzimmer Monopoly und das Känguru…
Ein roter Boxhandschuh reißt mich abrupt aus meinen Gedanken: „Sag du auch mal was“, beschwert sich das Känguru während ich mir erstmal mein Kinn reibe.
„Spinnst du?“, frage ich über die Dreistigkeit des Beuteltiers erbost.
Nun starren alle mich an.

Um den Tisch sitzen Christina, Krapotke und zwei Mitglieder des Asozialen Netzwerks die ich nur als Vorsitzender des BER und Kaiser von Deutschland kenn.
Der Flughafenvorsitzende ist ungefähr in meinem Alter und arbeitet meines Wissens schon seit Jahren als Arbeiter am Berliner Flughafen hat aber während all dieser Zeit ein Studium in Physik abgeschlossen und sein Diplom als Ingenieur für Flugzeugbau gemacht.
Den Kaiser kenne ich noch weniger, er kommt aus dem Asozialen Netzwerk Sektion Hamburg und ist vielleicht Anfang zwanzig.

Die vier sitzen um ein Monopoly-Spielbrett herum in dessen Mitte irgendjemand ein großes orangenes A geschmiert har und auf dem did Namen der Straßen und Bahnhöfe sind durchgestrichen und in schmieriger Handschrift ersetzt worden.
Ich lese laut: „Kurfürstendamm, Danziger Straße, Potsdammer Platz, spielt ihr hier gerade Monopoly Berlin oder was?“, frage ich leicht belustigt und halb besorgt, „habt ihr beim Asozialen Netzwerk wirklich so wenig zu tun?“

„Wir ham grad was richtiges krasses gemacht, Mann“, antwortet mir die ungewohnt fröhliche Christina, heute trägt sie ein sehr knappes schwarzes Top und ihre gewohnte Netzhose und ich frage mich mal wieder ob ihr das nicht langsam zu kalt wird.

Anmerkung des Lektors: Es ist November

Ich weiß nicht so genau ob ich wirklich wissen will was sie krasses gemacht haben, doch bevor ich irgendwas erwidern kann hat Christina auch schon ihr Smartphone gezückt und zeigt mir ein Foto.
Ich erkenne die Fassade des Ministeriums für Produktivität und stelle erschrocken fest, dass die Scheiben eingeschmissen sind und das vor der Eingangstür ein Pappmache-Kopf auf einen Stock gespießt ist.
Über diesem Kopf ist an der Wand in orange eine Sprechblase angemalt, der ominöse Kopf sagt: „Dies ist ein Antiterroranschlag des Asozialen Netzwerks.“

Ich bin verstört und leicht entsetzt zu gleich, vor allem als ich auch noch das Kunstblut sehe, dass vor dem Ministerium eine große Pfütze bildet.
„Das Blut der Menschen die sterben weil das Ministerium für Produktivität sie wegen fehlender Produktivität aus Deutschland abschiebt.“, erklärt der Kaiser, während er sich an seinem blonden Schnurrbart kratzt.
Ich frage mich welcher moderne Mensch bitteschön noch so einen Schnurbart trägt.
Irgendwie werden mir die Mitglieder des Asozialen Netzwerks immer suspekter.

Doch jetzt ist es das Känguru das sich empört zu Wort meldet: „Da gelingt uns einmal was wirklich großes, und dann spielt ihr dieses verdammte, elendige, widerliche…“
Krapotke unterbricht es: „Das ist doch nur ein Spiel.“
Das Känguru verpasst Krapotke eine Schlag ins Gesicht: „Mit Kapitalismus und Verbrechen spielt man nicht! Man bekämpft sie!“

Krapotke hält sich die blutende Nase.
Ich bemerke wie der Vorsitzende des BER möglichst unaufmerksam die Scheine zusammen räumst, scheinbar hofft er das Beuteltier so zu beruhigen.
Jedoch lässt sich Christina das nicht so leicht gefallen: „Ey mann, das ist voll scheiße, gönn uns doch auch mal n bisschen Spaß.“
Der Kaiser nickt zustimmend was das Känguru nur noch mehr in Rage versetzt, aus unerfindlich Gründen wendet er sich an den Kaiser, obwohl der Christina ja nur beigeplichtet hat: „Wenn du mit ihr“, es deutet abschätzig auf Christina, „Spaß haben willst, geb ihr fünfzig Euro und lass dich von ihr auf der Toilette befriedigen, aber spielt nicht dieses verdammte Kapital-Propaganda-Spiel!“

Von dem Wutausbruch des Kängurus lassen sich der Kaiser von Deutschland und das Mädchen vom Bahnhof Zoo scheinbar nicht beeindrucken, „immer diese Spießer“, schimpft sie und wirft ihm einen verschwörerischen Blick zu.
Der Kaiser blickt einmal zum Känguru, dann zu mir und dann wieder zu Christina.
Diese nimmt ihn prompt an der Hand und die beiden verlassen das Wohnzimmer gerade, als das Känguru ihnen noch hinterherschreit: „Lass gefälligst die Schnapspralinen hier!“
Schultbewusst nimmt der Kaiser eine Packung Schnapspralinen aus seinem Rucksack und legt diese auf die Garderobe.

Der immer noch blutende Krapotke, der BER-Vorsitzende und ich können uns ein Lachen nicht verkneifen, während das Känguru uns nur fragend ansieht: „Is was?“
„Nein, nichts“, prustet Krapotke, „nur das du die beiden jetzt dazu gebracht hast, was anderes zu spielen als Monopoly.“
Das Känguru lächelt selbstzufrieden: „Dann ist ja gut“, nimmt das Monopoly-Spielbrett mit beiden Pfoten hoch, stopft es sich in seinen Beutel und sagt: „Das ihr behalte ich mal lieber.“