Neues vom Känguru

GeschichteAllgemein / P12
22.07.2019
25.07.2019
4
2651
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Ein vorrangestelltes Zitat:
"Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten"
Donald J. Trump

Ich sitze mit dem Känguru und einem etwa fünfzenjährigen Mädchen, das Mitglied im Asozialen Netzwerk ist und sich selber Christina F. nennt auf einer wackeligen Palette vor einem Späti unweit des Bahnhof Zoo.
Ich weiß selber nicht genau was wir hier sollen, aber das Känguru meinte ich müsse hier unbedingt dabei sein.
Misstrauisch beäuge ich Christina, das Mädchen hat schwarz gefärbte Haare, ist stark geschminkt und ihr Outfit zieht aus als käme sie frisch vom Straßenstrich.
"Ey mann, was glotzt de mich so an?", fragt mich Christina und verdreht dabei die Augen, "wenn de was von mir willst musst de schon Kohle aufn Tisch legen."
Ich starre das Mädchen leicht schockiert an und frage mich was um alles in der Welt sie im Asozialen Netzwerk zu suchen hat.

Das Känguru hebt ein Pfote und sagt dann an Christina gewand: "Das ist der Oberst, für ihn musst du nicht spielen."
Sofort werden Christinas Augen groß und ich meine leichte Bewunderung durchschimmern zu sehen.
Warscheinlich täusche ich mich.
"Du bist also der Oberst, hab schon voll viel von dir gehört mann.", Christina reicht mir die Hand, "ich bin Christina F., das Mädchen vom Bahnhof Zoo", sie deutet in Richtung des Gebäudes auf der anderen Straßenseite.

Ich bin vom Asozialen Netzwerk ja einiges gewohnt, aber dieses Mädchen bringt mich dann doch etwas aus der Fassung und ich frage unbeholfen: "Und was machst du so als Mädchen vom Bahnhof Zoo?"

Christina verdreht die Augen, dann lächelt sie mich provozierend an: "Mir iwie den nächsten Druck besorgen, anschaffen, manchmal spiel ich für nen Dealer die Vermittlerin."

Ich bin nun wirklich geschockt, ich dachte immer drogenabhängige Jugendliche gäbe es seit den 80ern nicht mehr und wundere mich vor allem über Christinas Ehrlichkeit.
Trotzdem frage ich vorsichtig: "Hast du schon mal nachgedacht damit aufzuhören?Willst du dir wirklich so dein Leben zerstören?"

Das erstaunlich stille Känguru und Christina werfen sich einen kurzen Blick zu, dann fangen sie beide an zu prusten: "Die Nummer zieht einfach immer wieder super", freut sich Christina.

Ich schaue verständnislos von einem zum anderen: "Das ganze ist nur ein Witz?", frage ich an Christina gewandt.
"Aber sicher doch", erwidert diese, ein breites Grinsen auf ihrem geschminkten Gesicht, "wenn du so", sie deutet vielsagend auf ihre Netzhose, "durch Berlin läufst denken alle du seist nur sone jugendliche Ausreißerin, die sich ihr Geld aufm Strich verdient und drogenabhängig ist."

Ich bin ein wenig verwirrt: "Und was bringt dir das?", frage ich sie, doch diesmal ist es das Känguru das antwortet: "Ihre Anwesendheit interessiert die ignoranten mittelklassen Bürger nicht, sie kann tun und lassen was sie will und die einzige Aufmerksamkeit die sie bekommt ist vielleicht mal ein abwertender Blick."
Christina lächelt noch eine Spur breiter: "Ich bin die perfekte Großstadtspionin."

Während ich langsam begreife wie schlau Christinas Tarnung eigentlich ist, nimmt sich das Känguru halb abwesend eine Zeitung die ein anderer Gast offenbar hat liegen lassen und ließt scheinbar gleichgültig vor: "New Yorker Börse bricht zusammen, große Wirtschaftskrise im Anmarsch?", dann fügt es hinzu "sicher können wir ein paar Kinder am Bahnhof Zoo irgendwann brauchen."

Dann steht es auf und hüpft in den Späti: "Ich hol uns erstmal drei Bier."