Der Wald und was sich darin verbirgt (Arbeitstitel)

GeschichteMystery, Freundschaft / P12
OC (Own Character)
21.07.2019
21.07.2019
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„Anastasia!", rief es aus der Küche.

„Jaha, ich komme doch schon!", rief Anastasia genervt von oben und polterte die Treppe hinunter.

„Deine Großmutter ist krank und es geht keiner ans Telefon. Ich habe die Sorge, dass ihr irgendetwas passiert sein könnte. Würdest du mit dem Fahrrad zu ihr fahren und nach ihr sehen? Ich schaffe es heute nicht."

„Ja, kann ich machen. Ich habe ja sonst nichts zu tun außer für meine Mathearbeit am Montag zu lernen.", entgegnete Anastasia etwas gereizt. Wieso musste sie eigentlich immer die Botengänge für ihre Mutter erledigen?

„Großartig! Du musst ja nicht lange dort bleiben. Ich packe noch ein paar Leckereien in den Korb ein und danach kannst du losfahren."

Anastasia zog ihren roten Mantel an und holte ihr schwarzes Hollandrad aus der Garage. Vielleicht konnte sie auf dem Rückweg noch bei ihrer Freundin Conni vorbei fahren, damit sie Anastasia die Sache mit den Parabeln nochmal erklärte.

Da kam auch schon ihre Mutter durch die Tür und klemmte ihr den Korb auf den Gepäckträger. „Fahr vorsichtig! Und lass das Telefon ja in der Tasche, während du Fahrrad fährst.", ermahnte sie ihre Tochter. Anastasia verdrehte die Augen und fuhr los.

Normalerweise fuhren sie mit dem Auto über die Bundesstraße zu ihrer Großmutter. Doch Anastasia fuhr immer durch den verbotenen Wald zu ihrer Oma. Welcher Mensch mit Verstand würde denn freiwillig einen 10 Kilometer langen Umweg durch eine hügelige Landschaft fahren, wenn er das Ziel in der Hälfte der Zeit erreichen konnte?

Auf dem Waldweg angekommen holte sie das Handy aus der Tasche, um etwas Musik anzumachen. Kurze Zeit achtete sie dabei nicht auf den Weg und wäre fast gestürzt, als die über eine aus dem Boden ragende Baumwurzel fuhr. Fluchend erkannte sie, dass dabei die Luft aus ihrem Reifen gewichen war. Also würde sie wohl oder übel den ganzen Weg schieben müssen. Das war es wohl mit dem Besuch bei Conni.

Missmutig stapfte sie den Waldweg entlang, als sie lautes Gebell hörte. Ein schwarzweißer Hund trabte ihr entgegen. Er kam ihr bekannt vor, sie wusste nur nicht woher.

"Johny!", schallte es durch den Wald. Es war Wolfgangs Hund! Natürlich, wie konnte sie das denn vergessen? Vielleicht parkte der Gärtner ja mit seinem Wagen ja irgendwo in der Nähe und konnte sie mit zu ihrer Großmutter nehmen. Von Optimismus getrieben beschleunigte sie ihre Schritte. Um die nächste Ecke erspähte sie auch schon den grauen Schopf des Gärtners. Im selben Moment schoss Johny mit lautem Gebell an ihr vorbei Richtung seines Herrchens.

Lächelnd begrüßte er Anastasia. "Hallo. Was treibt dich denn zu so früher Stunde aus dem Bett?" "Ich soll Oma diesen Korb bringen," Sie deutete auf den Korb auf ihrem Gepäckträger. "aber meine Fahrradreifen sind platt. Deshalb muss ich jetzt zu Fuß gehen."

"Ich könnte dich mitnehmen, muss aber noch mit Johny eine große Runde laufen. Du kannst mich gerne begleiten."

"Hm, ich würde lieber direkt zu Oma gehen."

"Ich habe nicht weit entfernt geparkt. Du kannst dein Fahrrad am Auto an den Baum lehnen und ich nehme es nachher mit.", entgegnete Wolfgang.

"Ja, das ist eine gute Idee. Dann laufe ich schon mal los."

Anastasia schob ihr Fahrrad zum Auto, stellte es ab und folgte dem Weg zu Großmutters Haus.

***

Wolfgang spähte durchs Gebüsch, während Johny sein Geschäft verrichtete. Wie groß Anastasia geworden war! Wolfgang beobachtete das Mädchen, wie es mit seinen langen schlanken Beinen davonlief. Sie würde sein nächstes Opfer werden das stand jetzt fest. Den Spaziergang mit Johny würde er auf heute Abend verschieben müssen. Schnell führte er den Hund zum Auto, verstaute das Fahrrad im Kofferraum und raste zum Haus ihrer Großmutter.

Wolfgang parkte etwas abseits.  Vorsichtig stahl er sich zum Haus und schaute durch das Fenster des Wohnzimmers. Dort war die alte Dame und dieser hochnäsige Buttler! Sie überreichte ihm einen Zettel. Er würde also sicher gleich einkaufen fahren und Wolfgang hatte das Haus für sich.

Schon einige Minuten später hörte Wolfgang wie das Garagentor quietschend aufging und der schwarze Mini Cooper des Buttlers hinausfuhr. Wolfgang wartete bis er das Auto nicht mehr hören konnte und schlüpfte durch die Hintertür in der Küche in das Innere des Hauses.

Seine Mutter war eine Hexe gewesen und hatte ihm einen Zauber beigebracht der eine Unsichtbare Wand entstehen lässt sobald jemand das Haus betritt. Somit war der Eindringling im Haus gefangen. Eben diesen Zauber bereitete Wolfgang vor, als Anastasias Großmutter Arabella in die Küche platzte und Wolfgang störte.

"Wolfgang, was machst du denn hier?" Sie war überrascht. War etwa schon wieder Mittwoch und der Gärtner war wieder da?

"Ich habe deine Enkelin im Wald getroffen. Sie ist auf dem Weg hierher gewesen. Ihren Reifen ist die Luft ausgegangen, also habe ich ihr Rad mitgebracht und suche gerade nach einer Schüssel in der ich mit Wasser Prüfen kann wo das Loch in den Reifen ist.", schwindelte Wolfgang die alte Frau an.

"Lass mich mal sehen." Sie kniete sich vor den Schrank um ihm bei der Suche nach der Schüssel zu helfen. Doch Wolfgang packte sie und begann sie zu Würgen.

"Du wirst mir das hier nicht kaputt machen, du alte Schreckschraube. Du hättest einfach nach oben gehen und dich wieder ins Bett legen sollen. Aber du musst ja alles kontrollieren!" Schon wurde der Großmutter schwarz vor Augen und sie erschlaffte in seinem Griff.

Mit dem Seil der alten Schaukel fesselte Wolfgang Arabella an den Stuhl in der Küche. So konnte sie keinen warnen. Er hatte gerade seinen Zauber vollendet als es auch schon an der Tür klopfte und Anastasia in die Eingangshalle trat. Wolfgang stellte den größten Topf, den er finden konnte, mit etwas Wasser auf den Herd und legte das Messer bereit. gleich würde er seine Mordlust an Arabellas rothaarigen Enkelin befriedigen. Das Mädchen platzte rein, sah die Großmutter, die  schlaff in ihren Fesseln hing, drehte sich um und rannte wieder zur Tür.

Die Jagd hat begonnen!, dachte Wolfgang aufgeregt. er nahm das Messer und setzte ihr nach.  Als er in den Flur kam, sah er wie Anastasia im vollen Lauf gegen die Barriere prallte und zu Boden ging. Er musste lächeln, denn er konnte nicht glauben wie einfach es gewesen war das Mädchen zu fangen. Anastasia rappelte sich auf ein schlug mit der Faust gegen die unsichtbare Barriere. Ein dumpfes Geräusch erklang. Anastasia drehte sich zu Wolfgang um. Ihr Gesicht war blass und voller Angst. Wolfgang schlich mit dem Messer langsam auf sie zu. Da hörte Anastasia ein Rascheln im Gebüsch. In Todesangst kreischte sie "Hilfe!"

Anastasia war eine Sekunde abgelenkt von der Hoffnung dass sie jemand gehört hatte, schon machte Wolfgang einen Satz auf sie zu, um sie zu packen. Doch das Mädchen packte das Pfefferspray, das sie vorhin auf der Suche nach Taschentüchern in ihrer Tasche gefunden hat, und sprühte Wolfgang eine gehörige Ladung davon ins Gesicht. Der Mann brüllte auf, fasste sich ins Gesicht und ließ dabei das Messer fallen. Während er versuchte sich die tränenden Augen mit dem Jackenärmel trocken zuwischen, zerrte er das schreiende Mädchen zurück in die Küche.

Er sperrte Anastasie in die Vorratskammer und wusch sich ausgiebig das Gesicht. Sie aber kletterte die schmalen Regalbretter hoch, sah den Jäger am Waldrand. Mit wild pochendem Herzen schlug sie gegen die Barriere. Der Hund des Jägers bemerkte sie und rannte laut bellend auf das Fenster zu. Der Jäger kam auch zum Fenster und sah die verweinten Augen des Mädchens. Sofort wusste er was zu tun ist. Er nahm einen Beutel aus der Jackentasche und reichte ihn dem Mädchen.

"Wenn er die Tür aufmacht, bläst du ihm das Pulver ins Gesicht! Aber sei vorsichtig und atme es bloß nicht selbst ein!", flüsterte der Jäger. Anastasia nickte stumm.

Wenige Augenblicke später hörten sie Schritte. Anastasia bezog Aufstellung vor der Tür und nahm etwas Pulver in die Hand. Der Gärtner öffnete die Tür und Anastasia blies ihm das ganze Pulver entgegen. Der Gärtner versteifte sich und fiel wie ein nasser Sack hinten über. Anastasia stieg über ihn drüber und rannte zur Tür, wo ihr auch schon der Jäger entgegen kam. Er packte Wolfgang und verfrachtete ihn in eine Kiste.

"Der wird nun keinen Ärger mehr machen.", sagte er.

Anastasia war schwer beeindruckt von dem jungen Mann, der keine Sekunde gezögert hat ihr zu helfen und umarmte ihn zum Dank stürmisch.

"Wenn du demnächst wieder durch den Wald fährst, sollte ich dir vielleicht zeigen wie du dich gegen die Monster, die dort draußen auf dich lauern schützen kannst.", meinte der Jäger lächelnd. "Komm einfach demnächst bei mir vorbei."
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