That's not my name

GeschichteHumor, Romanze / P16
Camille O'Connell Freya Mikaelson Lucien Castle Niklaus Mikaelson
21.07.2019
21.07.2019
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London. Was für ein ätzender Ort, um zu heiraten.
Gut, vor ungefähr zwei Wochen hätte Freya darüber vielleicht noch anders gedacht. Doch vor zwei Wochen war sie auch noch glücklich. Vor zwei Wochen hatte sie noch nicht gewusst, dass Keelin seit längerer Zeit ein heimliches Verhältnis hatte. Und vor zwei Wochen kam sich Freya noch nicht vor, wie die größte Versagerin der Welt.
Nicht unbedingt das schönste Gefühl, das man haben konnte. Da kannte die Mikaelson-Hexe tausend andere Dinge, die sich besser anfühlten.
Zusätzlich einen auf ‚Ist das Leben nicht schön?‘ zu machen, kratzte stark an dem verbliebenen Rest ihrer Selbstbeherrschung. Dieses ungute, fast schon zerreißende Gefühl hatte sich in den letzten Tagen so sehr verstärkt, dass sich Freya überhaupt nicht mehr wohl in ihrer eigenen Haut fühlte. Es ging sogar soweit, dass sie mit dem Gedanken spielte, irgendwas dummes zu tun, von dem sie eigentlich wusste, dass es ein Fehler sein würde. Aber sie wollte das Gefühl einfach nicht loslassen, dass ein Fehler ihr helfen könnte, sich wieder ein wenig lebendiger zu fühlen.
Denn im Moment war es eher so, als seien sie und ihre Probleme für andere Leute nicht existent. Seit ein paar Wochen drehte sich alles nur um ihren Bruder und seine geliebte Cami. Sie freute sich ja für die beiden. Dennoch war sie froh, wenn die ganze Hochzeitsgeschichte endlich über die Bühne gegangen war und sie sich zu Hause in ihrem Familienanwesen in aller Seelenruhe ihren Herzschmerz schön trinken konnte.
Wow, jetzt war sie sogar schon in ihren Gedanken am absoluten Tiefpunkt angekommen.
„Na na, Liebes, du zerstörst noch die schönen Hochzeitsaufnahmen mit deinem grimmigen Blick.“
Eine Stimme riss sie aus dem Gefühlswirrwarr, das sich zur Zeit ihr Bewusstsein nannte. Lucien stand neben ihr und begutachtete das Buffet, das vor ihnen angerichtet war.
Freya sagte nichts, sondern warf ihm nur einen Blick zu, der ihm klar machen sollte, dass sie nicht für derartige Späße zu haben war.
Lucien seufzte und sah sie dann an. „Wie geht es dir denn?“, fragte er schließlich mit einer deutlichen Spur Ernsthaftigkeit in der Stimme.
Auch wenn Freya ihm dankbar dafür war, dass er der erste seit Tagen war, der wahrhaftig um ihr Wohl besorgt war, konnte sie nicht anders, als bei ihm ihren Frust rauszulassen.
„Wie soll es mir schon gehen?“, begann sie aufgebracht, „Wie geht es jemandem, der frisch verlassen auf der Traumhochzeit des Bruders von jedem der Gäste nur Sprüche zu hören bekommt, wie ‚Was? Keelin und du seid getrennt? Ihr wart doch so ein schönes Paar.‘“
Nachdem sie in bühnenartiger Leistung die nervigen Hochzeitsgäste nachgeäfft hatte, leerte sie ihren Martini in einem Zug und knallte das Glas in passender Stimmung auf den Büffettisch.
„Wie viele hattest du von denen schon?“, hakte Lucien vorsichtig nach und bemühte sich dabei, die Amüsanz in seiner Stimme auf das nötigste zu reduzieren.
„Keine Ahnung“, war Freyas ehrliche Antwort, während sie sich einmal durch die Haare fuhr, „Zu viele.“
„Hör doch nicht auf die ganzen Idioten, die hier rumlaufen. Die sind alle nur total benebelt von der Tatsache, dass sie auf einer Hochzeit sind. Dadurch vergessen sie einfach, dass im Leben nunmal nicht immer alles nach Plan verläuft“, versuchte Lucien sein bestes, Freya zu beruhigen und strich ihr kurz sanft über den Arm. So leicht, wie er sich das vorgestellt hatte, war es nur nicht.
Immer noch verbittert nahm Freya den nächsten Martini entgegen, den sie schon vor gefühlten Ewigkeiten bei dem jungen Kellner bestellt hatte.
„Ich werde ganz bestimmt nie heiraten“, jammerte sie, bevor sie von ihrem neuen Getränk einen großen Schluck nahm. Lucien konnte das fast nicht mitansehen, hatte gleichzeitig aber das Gefühl, dass er hätte nichts sagen können, was Freya auf andere Gedanken brachte.
„Das ist doch Unsinn“, meinte er und konnte nicht glauben, dass er die sonst so selbstbewusste Hexe einmal derart niedergeschlagen erleben würde. „Wenn du mich fragst, könnte sich jede Frau glücklich schätzen, dich zu haben.“
Die blonde Mikaelson schenkte ihm dafür nur einen mürrischen Blick. Lucien musterte sie kurz, ehe er hinzufügte: „…oder jeder Mann.“ Allerdings ahnte er schon, dass das genauso wenig helfen würde, also hob er nur abwehrend die Hände. „Ich mein ja nur.“

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Der nächste Morgen war der Tag, auf den sich Klaus schon seit gefühlt hunderten von Wochen freute. Heute würde er endlich heiraten. So fremd sich das auch immer noch für ihn selbst anhörte, aber er war glücklich mit dieser Entscheidung. Und er war glücklich mit Camille. Er hatte nie wirklich Glück in der Liebe gehabt, nicht dass er sich immer sonderlich bemüht hatte. Doch nun hatte er das Gefühl, seine düsterer Vergangenheit ein Stück hinter sich lassen zu können.
Er hatte kaum schlafen können und so kam es, dass er hellwach und mit wachsender Aufregung im Hotel umherlief, das sie für die Hochzeit gebucht hatten, sobald die Sonne aufgegangen war. Sein erstes Ziel waren Lucien und Rebekah, die sich für das Wochenende ein Zimmer teilten. Sie würden bestimmt noch schlafen, doch das war Klaus im Moment egal. Lucien war sein Trauzeuge und Rebekah seine Schwester. Beide waren also quasi zuständig dafür, dass er am Tag seiner Heirat nicht den Verstand verlor.
Ohne anzuklopfen stürmte er also ins Zimmer. „Ich werde heute heiraten, mein Freund. Kannst du das glauben?“
Von Rebekah fehlte jede Spur, aber wie zu erwarten lag Lucien noch in seinem Bett und blinzelte Klaus ein wenig verschlafen entgegen. „Guten Morgen, Nik!“ Er war etwas verwundert. So aufgeregt und nervös hatte er seinen alten Freund noch nie gesehen. Allerdings war das gerade eher seine zweite Sorge und er hoffte so sehr, dass Nik seine Anspannung nicht bemerken würde
„Sehen wir uns unten am Frühstücksbüffet?“, fragte der Ur-Hybrid und zeigte mit beiden Zeigefingern auf Lucien. „Sicher“, meinte er nur und richtete sich leicht auf. War er nur zu ihm gekommen, um ihn das zu fragen?
„Sehr schön, bis gleich dann“, trällerte Klaus schon fast und verlies gut gelaunt das Zimmer.
Kaum war er verschwunden, bewegte sich hektisch die Bettdecke und Freya schnappte nach Luft, als sie ihr Versteck endlich verlassen konnte. „Ob er was gemerkt hat?“, fragte sie panisch und sah zu Lucien, der nicht minder nervös wirkte.
Das hoffte er nicht. Denn wenn Nik das jemals erfuhr, würde er Hackfleisch aus ihm machen.
Er hatte ja selber keine Ahnung, was da in ihn gefahren war. Das mit ihm und Freya fiel wohl unter den Fällen „einfach passiert“. Ihrem Bruder konnte man das aber vermutlich nicht verkaufen.
Freya und Lucien saßen eine Weile nebeneinander, sahen sich ein wenig peinlich berührt immer wieder an und zwangen sich ein Lächeln auf. Sie beide wussten, wie unangenehm diese Situation war, ändern konnten sie es jetzt jedoch nicht mehr.
„Wie geht es dir? Alles ok?“, fragte Lucien dann plötzlich, nur um überhaupt etwas sagen zu können. „Ähm…Ja, ja sicher“, war Freyas zögerliche Antwort und lächelte immer noch nervös. „Und bei dir so?“
Tja, was sollte Lucien darauf schon antworten? Denn genau genommen war absolut nichts in Ordnung. Aber er nickte dennoch. Er wollte es nicht noch schlimmer machen, als ohnehin schon.
„Gut, dann… werd ich wohl mal gehen“, meinte Freya, als sei sie nur kurz gekommen, um mit Lucien etwas zu besprechen.
Sie war gerade dabei, aus dem Bett aufzustehen, erinnerte sich aber daran, dass sie immer noch nackt war. Kurz kratzte sie sich am Kopf und sah über die Schulter Lucien an. „Würdest du… wegschauen?“ Lucien fühlte sich ertappt, da er sie tatsächlich beobachtet hatte, wendete aber schnell den Blick ab. „I…ich hatte gar nicht vor hinzusehen“, versicherte er ihr.
Freya nickte und tat einfach mal so, als ob sie ihm glauben würde, während sie sich beeilte, so schnell wie möglich ihre Sachen zusammenzuklauben und aus dem Hotelzimmer zu verschwinden.

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Das Telefon im Zimmer klingelte schon eine Weile, als Rebekah zurückkam. Ihre Haare waren unordentlich, genauso wie ihr Kleid und ihre Schuhe trug sie in den Händen. Auf ihrem Gesicht jedoch zeichnete sich ein zufriedenes Lächeln ab, das zeigen sollte, dass sie definitiv Spaß in der letzten Nacht hatte.
Aus dem Bad hörte sie nur das gleichmäßige Rauschen der Dusche, was erklärte, weshalb Lucien das Klingeln nicht gehört hatte. Rebekah ging um ihr eigenes Bett herum, setzte sich darauf und nahm den Hörer ab.
„Hallo?“
„Wo wart ihr alle denn nur?“, schrie ihr Hayley am anderen Ende der Leitung entgegen, sodass sie das Telefon für einen kurzen Moment weiter weg halten musste, um nicht taub zu werden.
„Hi“, begrüßte sie die Mutter ihrer Nichte so, als wäre sie gerade nicht angeschrien worden, „Ich war gestern noch feiern. Die Briten sind wirklich zum…“
Hayley unterbrach sie, immer noch genauso gestresst, wie am Anfang des Telefonats.
„Das interessiert mich gerade nicht im Geringsten!“ Rebekah verdrehte leicht die Augen. Was war denn nur mit ihr los? Dass sie nun doch eingeschnappt war, da sie wegen Hope in Amerika bleiben musste, konnte sie sich nicht vorstellen. Bei Niks Hochzeit wollte Hayley mit Sicherheit nicht dabei sein.
„Hör zu!“, erklärte sie weiter, „Du erinnerst dich an Caroline? Diesen blonden Vampir?“
„Das Blondchen, das Nik umgarnt hat, als sei sie das letzte weibliche Wesen auf der Welt? Wie könnte ich sie vergessen…“, bestätigte Rebekah mit leicht genervtem Unterton und ließ Hayley weitersprechen.
„Sie war hier und will jetzt nach London kommen, um Klaus zu sagen, dass sie ihn liebt!“
„Nicht dein Ernst!“ Rebekah war vom Bett aufgestanden und riss die Augen auf.
„Doch!“, fuhr Hayley fort, „Nicht dass mich Klaus Liebesleben groß interessiert, aber Cami ist diejenige, die ihn zu einem besseren Menschen… Vampir…, was auch immer, macht und dadurch auch zu einem besseren Vater für Hope. Ihr müsst sie irgendwie aufhalten, sonst könnt ihr die Hochzeit vergessen!“
„Ok, ich schau, was ich machen kann“, versprach Rebekah, da sie genauso wenig wollte, dass die Hochzeitsfeier durch so einen Zwischenfall platzte.
„Gut! Mein Part ist damit erledigt!“, meinte Hayley noch und schien sich wieder ein wenig zu beruhigen, „Also… Was wolltest du da über die britischen Männer sagen?“
„Bis dann, Hayley!“ Grinsend schüttelte Rebekah den Kopf, sagte ihr noch, dass sie Hope von ihr einen Kuss geben sollte und legte dann auf.
Gerade rechtzeitig, als Lucien aus dem Bad kam. Sie mussten nun unbedingt die Augen nach Caroline offen halten und da konnten sie jede Hilfe gebrauchen.
„Hey, weißt du, wo Freya ist?“, wollte sie beiläufig wissen, während sie sich ein neues Outfit für den Tag aussuchte.
„Was soll die Frage?“, war Luciens eher geschockte Antwort. Verwirrt sah Rebekah ihn an: „Was?“
„Was?“, wiederholte Lucien ihre Worte und wirkte völlig perplex. Rebekah schüttelte den Kopf und schenkte seinem komischen Verhalten nicht weiter Beachtung.
„Hörmal, eine alte Freundin von Nik kommt hierher und will ihm sagen, dass sie ihn anscheinend liebt. Wir brauchen dazu Freyas Hilfe! Also, weißt du, wo sie ist?“, wollte sie es ihm nochmal ausführlicher erklären.
„Was ist das hier? Ein Zwangsverhör? Steh ich unter Aussagepflicht oder wie?“
Ok, Rebekah hatte keine Ahnung, was sein Problem war, aber dafür hatte sie jetzt wirklich keine Zeit. „Ein einfaches ‚Nein, ich weiß nicht, wo sie ist‘ hätte mir gereicht“, stellte Rebekah klar und verschwand kurz im Badezimmer, um sich umzuziehen und danach selber nach ihrer Schwester zu suchen.

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Diese Familie konnte sich wirklich glücklich schätzen, dass sie jemanden hatten, der in solchen Angelegenheiten immer einen kühlen Kopf bewahrte. Rebekah hatte allen Bescheid gesagt und unten in der Festhalle, die schon komplett für die Zeremonie dekoriert war, in ihren Plan eingewiesen.
„Ok, ich bewache diese Seite, Elijah die andere, Kol ist am Haupteingang und du musst den Nebeneingang da vorne im Auge behalten“, erklärte sie Freya und zeigte in verschiedene Richtungen. „Oh und Lucien wird sich um Nik kümmern, damit Caroline ihn nicht zuerst findet.“
„Äh, was interessiert es mich denn, wo Lucien ist?“, meinte Freya da plötzlich und fing an, nervös zu lachen. Mit schief gelegtem Kopf musterte Rebekah ihre Schwester. Drehte sie denn jetzt auch durch?
„Weißt du… von Zeit zu Zeit mag ich Lucien gar nicht so richtig“, beendete Freya ihre komplett zusammenhangslose Meinung über Niks langjährigen Freund. Rebekah hatte wirklich keine Zeit dafür und nickte einfach. „Verstehe!“, sagte sie noch und ging dann an den Ort, an dem sie aufpassen sollte. Hoffentlich würde alles gut gehen.

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Etwas später lief Klaus an der Stelle, an der er in wenigen Stunden vor den Altar treten würde, auf und ab. So nervös war er wirklich noch nie in seinem Leben gewesen und Versagensängste hatte er erst recht nie gehabt. Doch heute war der erste Tag, an dem er sich Sorgen machte, dass irgendwas an der Hochzeit schief gehen könnte. Lucien machte ihn zusätzlich nervös, da er ihn wie einen Schatten verfolgte und überhaupt nicht mehr aus den Augen ließ.
Er hatte es bisher wortlos so hingenommen, jedoch hatte er bald das Gefühl, seinen Freund genervt wegschicken zu müssen. Gerade als er das tatsächlich tun wollte, kam Cami in den Raum, dicht gefolgt von Rebekah.
„Halt warte, es bringt Unglück, die Braut vor der Hochzeit zu sehen!“, rief sie ihr hinterher.
„Rebekah, ich weiß deine Sorge zu schätzen, aber ich denke, wir können eine Ausnahme machen“, meinte Cami völlig gelassen.
Klaus musste amüsiert schmunzeln, ehe er zu Lucien und seiner Schwester blickte. „Könnt ihr uns kurz alleine lassen?“ Er formulierte seine Worte zwar zu einer Frage, der Tonfall jedoch erinnerte eher an einen Befehl. Also nickten Rebekah und Lucien und verschwanden zusammen in die selbe Richtung, um das bald verheiratete Paar nicht weiter zu stören.
„Was machst du hier, Liebes. Ich kann es zwar kaum erwarten, dich so zu sehen, aber ich muss meiner Schwester zustimmen. Laut alter Überlieferungen bringt das Unglück“, erinnerte Klaus seine Verlobte.
„Ich weiß, aber ich halte es kaum aus, nur im Brautankleidezimmer zu sitzen“, gab Cami ehrlich zu und schmollte leicht, „Davina versucht, was sie kann, um mich abzulenken, aber die Spannung zerreißt mich förmlich.“
Klaus lächelte und nahm sie in den Arm. „Mir geht es doch ganz genauso“, flüsterte er ihr zu und brachte sie dadurch ebenfalls zum Lächeln.
„Wir schaffen das schon“, versprach er ihr, nahm ihr Gesicht in beide Hände und gab ihr einen zärtlichen Kuss. Eine Weile schwiegen sie und sahen sich einfach nur glücklich an, bis Cami seufzte. „Wir sollten das Schicksal wohl nicht länger herausfordern“, verabschiedete sie sich schweren Herzens von Klaus und ging in die Richtung, in der auch Lucien und Rebekah verschwunden waren, um wieder zu Davina zu gehen.
Klaus blickte ihr kurz wehmütig hinterher, ehe sein Blick auf den gegenüberliegenden Eingang fiel und es beinahe nicht fassen konnte. Geschockt und erfreut zugleich fasste er sich an die Brust und ging ein paar Schritte nach vorne.
„Ich glaub es einfach nicht…Oh mein Gott, Caroline!“ Sie stand wirklich wahrhaftig vor ihm. Kurz fragte er sich, wie lange sie schon dort stand, aber war im Moment einfach nur froh, sie zu sehen. „Du bist doch noch gekommen.“ Er hatte niemandem erzählt, dass er eine einzige Einladung nach Mystik Falls geschickt hatte, um Caroline einzuladen. Lange hatte er darüber nachgedacht, doch bekam das Gefühl nicht los, sie dabei haben zu wollen. Er liebte Cami, aber Caroline war für kurze Zeit ein wirklich wichtiger Teil seines Lebens gewesen, zumindest was ihn anging. Deswegen hatte er es nie für möglich gehalten, dass sie tatsächlich nach London fliegen und seine Einladung ernst nehmen würde. Doch nun war sie wirklich hier.
„Verzeih mir, dass ich so direkt frage, aber ich hab nicht mit deiner Anwesenheit gerechnet, also… Wieso genau bist du hier?“, wollte Klaus dann aber doch wissen.
Caroline wirkte sehr neben der Spur, betrachtete ihn für einen Moment, wie er in seinem Hochzeitsanzug vor ihr stand, und musste sich ein Lächeln aufzwängen, damit man ihre anrollenden Tränen nicht sehen konnte. „Ich, ähm… Bin nur gekommen, weil ich dir noch etwas sagen wollte…“, begann sie und sah kurz weg, während sie langsam ein- und wieder ausatmete.
Verwirrt, aber auch neugierig musterte Klaus die junge Frau, die er einst geliebt hatte, wagte es aber nicht, sie dazu zu drängen, weiterzusprechen. Er wollte ihr Zeit geben, was auch immer sie zu sagen hatte. Denn sie schien mit ihrer Antwort noch zu hadern.
„Ich…“, begann sie und musste noch einmal schlucken, „Ich wünsche euch beiden alles Gute.“
Augenblicklich fing Klaus an zu lächeln. Für einen Moment hatte er seine Aufregung vergessen können, als seien diese Worte aus Carolines Mund die beste Beruhigung gewesen.
„Danke“, entgegnete er aufrichtig. Das bedeutete ihm fiel. Caroline versuchte ebenfalls zu lächeln und nahm Klaus dann kurz in den Arm.
„Du kannst gerne noch bleiben, wenn du möchtest“, bot der Urhybrid ihr an. Carolines Reaktion war ein schnelles Nicken. „Ok“, flüsterte sie und versuchte, ihre inneren Gefühle zu unterdrücken. Klaus wirkte glücklich. Aus irgendeinem Grund wollte sie das nicht zerstören.

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Als die Zeremonie endlich begann, war also auch Caroline unter den Gästen und suchte sich einen Platz vor dem kleinen Altar. Die meisten Leute kannten sie nicht, so blieben ihr zumindest schräge Blicke erspart.
Einzig und allein Rebekah konnte sich nicht ganz zurückhalten und flüsterte Elijah ein paar abfällige Bemerkungen entgegen, als sie beide über den Mittelgang liefen. Die beiden gehörten zur engeren Familie und schritten der Braut voraus, um sich entweder an ihrer oder an Klaus’ Seite zu platzieren. So auch Lucien und Freya, die nach den beiden Mikaelsons folgten.
Es war seit langer Zeit abgemacht, dass sie beide zusammen eingeteilt waren, doch sie hatten keine Ahnung, dass sie nun unter diesen Umständen die Hochzeit einleiten würden.
Ein wenig peinlich berührt hakte sich Freya in Luciens Arm ein, so wie sie es mit Rebekah geprobt hatten, und lächelte kurz verlegen.
„Was wir letzte Nacht gemacht haben…“, fing Lucien plötzlich an zu flüstern, redete allerdings nicht weiter. Das musste er auch nicht, wenn es nach Freya ging. Zum Glück übertönte die Musik ihr kleines Gespräch.
„…war total dämlich“, beendete Freya seinen Satz und er nickte leicht. Ihnen war sehr wohl bewusst, dass das eigentlich hätte nicht passieren dürfen. „Ja, es war total verrückt…“, entgegnete Lucien und Freya pflichtete ihm bei, während sie sich bemühte, für die Gäste weiterhin freundlich zu lächeln. „Was haben wir uns nur dabei gedacht?“
Es herrschte kurz Stille zwischen ihnen, als sie einen Blick austauschten, von dem Lucien nicht genau wusste, wie er ihn deuten sollte. „Ich…komm heute Nacht wieder bei dir vorbei…“, entschied er kurzerhand und sagte somit das erste, was ihm im Kopf rum ging. Es war mehr wie eine Frage formuliert, er wollte nicht taktlos wirken, doch er fühlte sich nicht so, als hätte er letzte Nacht in seinem Empfinden einen Fehler begangen.
Freya schaute die letzten paar Meter, die die beiden noch von der Stufe des Altars trennten, ihn nicht mehr an. Zuerst dachte Lucien, dass sie seine Worte absichtlich ignorieren würde und er vielleicht doch ein Schritt zu weit gegangen war.
Doch dann hörte er sie leise durchatmen. „Ich freu mich drauf“, entgegnete sie in völlig neutralem Tonfall, bevor Lucien und sie sich trennten, um sich jeweils links und rechts neben Rebekah und Elijah zu stellen und auf Cami zu warten. Es folgten noch Davina und Kol, ehe die Braut von Marcel zum Altar geführt wurde.
Mit stolzen, langsamen Schritten lief sie den roten Teppich entlang, während alle Blicke auf ihr ruhten. Überall im Raum waren Kerzen verteilt, die im Takt der Musik zu flackern schienen.
Auf ihrem Gesicht zeichnete sich ein strahlendes Lächeln ab und ihre Augen verrieten schon leise Tränen der Freude, die sie jedoch geschickt wegblinzelte.
Bei Klaus angekommen, der nicht minder glücklich wirkte, übergab Cami den Blumenstrauß, den sie in der Hand hielt, Davina und stellte sich dann gegenüber von ihrem Verlobten.
Die Musik hatte aufgehört, kurz bevor der Priester zu sprechen begann.
„Liebe Freunde, liebe Familie, wir sind hier zusammen gekommen, um einen Bund der Ehe zu schließen. Und zwar zwischen Camille O’Connor und Niklaus Mikaelson. Möge das Glück, das wir heute mit ihnen teilen, sie für immer begleiten.“
Dann wandte er sich der Braut zu. „Und nun, Camille, sprich mir nach: Ich, Camille..“
Cami wiederholte, was er ihr vorsagte und sprach jedes Wort mit Bedacht, während sie das Gefühl hatte, ihr Herz würde jeden Moment aus ihrer Brust springen: „Ich Camille…“
„…nehme dich, Klaus …“
„… nehme dich, Klaus …“
„… zu meinem mir angetrauten Ehemann in guten und in schlechten Tagen, bis dass der Tod uns scheidet.“
„… zu meinem mir angetrauten Ehemann in guten und in schlechten Tagen, bis dass der Tod uns scheidet.“
Dann drehte sich der Priester zu Klaus und nickte ihm kurz zu.
„Und nun Klaus, sprich mir nach: Ich, Klaus…“
„Ich, Klaus…“ Er holte einmal tief Luft.
„…nehme dich, Camille…“
„…nehme dich, Caroline…“
Die Gesichter der Gäste, auf denen sich davor ein gerührtes Schmunzeln abbildete, zeigten von jetzt auf gleich pures Entsetzen. Einschließlich Klaus, der nur eine Millisekunde nach seinem letzten Wort, bemerkte, was er gerade getan hatte. Caroline. Er hatte Caroline gesagt. Caroline. Nicht Camille. Was war nur in ihn gefahren?
„Ä..ähm… Camille“, wollte er das ganze retten, doch verstand leider auch, dass es dafür schon längst zu spät war. Das empörte Gemurmel unter den Gästen wurde immer lauter und Cami, die zuvor Klaus Hände gehalten hatte, ließ ihn mit einem Mal los. Ihren Augen zu urteilen, hatte sie noch nicht realisiert, was gerade vorgefallen war, doch sie wusste definitiv, dass etwas nicht stimmte.
Caroline hingegen war sehr bewusst, dass Klaus nicht einmal vor einer halben Minute ihren Namen, anstatt den seiner Verlobten genannt hatte und wollte am liebsten den Raum verlassen. Allerdings wurde ihr klar, dass hier kaum jemand wusste, dass sie gemeint war, also versuchte sie so gut wie möglich, ihren roten Kopf zu verstecken und wartete ab.
Der Priester wollte die Sache schnell bereinigen und versuchte, professionell mit der Situation umzugehen. „Beruhigen Sie sich bitte. Nochmal von vorne. Klaus, sprich mir bitte nach: Ich, Klaus…“
Der Ur-Hybrid räusperte sich, rang sich selbst um Fassung und stellte sich wieder aufrechter hin. Er musste das jetzt durchziehen.
„Ich, Klaus…“
„…nehme dich, Camille…“
„…nehme dich, Camille…“ Dieses mal stolperte er schon fast über ihren Namen, doch wollte sich nichts anmerken lassen.
„…zu meiner mir angetrauten Ehefrau in guten wie in schlechten Tagen, bis dass der Tod uns scheidet.“
„…zu meiner mir angetrauten Ehefrau in guten wie in schlechten Tagen, bis dass der Tod uns scheidet.“ Er wirkte zwar erleichtert, dass er sich kein zweites Mal versprochen hatte, doch er wusste, dass das nur ein geringer Trost für Camille sein würde. Und er wusste auch, dass er dringend mit ihr reden musste. Am besten jetzt direkt nach der Trauung.
Der Priester beendete seine Rede, erklärte die beiden zu Mann und Frau und ließ sie schließlich gegenseitig die Ringe an den Finger stecken.
Bei all dem wirkte Cami allerdings eher abwesend und auch den Blickkontakt zu Klaus vermied sie. Es war so paradox. Beide hatten sich so sehr auf diesen Moment gefreut und jetzt wünschten sie sich, dass er so schnell wir möglich vorbei sein würde. Klaus aber aus einem anderen Grund als Cami.
Sie riss sich für die Hochzeitsgäste noch einmal zusammen und lief eingehakt in Klaus Arm den roten Teppich entlang, bis sie um die Ecke gebogen waren und sie die Zeremonie endlich hinter sich hatten. Sofort entfernte sich Cami von Klaus und beschleunigte ihre Schritte.
„Cami, warte bitte“, rief er ihr nach, doch verstummte sofort, als er ihren Blick sah. Kurz hatte sie sich noch zu ihm umgedreht und musste sich dabei bemühen, ihre Tränen zu verstecken. „Nein, Klaus, lass mich bitte für einen Moment alleine.“ Dann verschwand sie durch die Tür und ließ Klaus verzweifelt stehen.

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Damit die Hochzeitsfeier nicht komplett aus dem Ruder lief, hatte sich Rebekah darum gekümmert, dass dennoch alles nach Planfortgesetzt wird. Die Gäste waren im Saal, in dem gefeiert wurde, gut versorgt. Es gab reichlich Essen am Buffett, es spielte eine Live-Band und es waren genug Leute da, mit denen man sich unterhalten konnte.
Von Cami fehlte seit der Trauung jede Spur. Es könnte sein, dass sie sich irgendwo im Hotel verkrochen oder auch, dass sie bereits das Land verlassen hatte. Freya wusste, wie angespannt Klaus deswegen war und er jetzt familiäre Unterstützung benötigte. Allerdings war sie sich bewusst, dass Rebekah dieses Brüderdrama schon ein paar Jahre länger mitmachte und somit am besten wusste, was zu tun war. Deswegen wartete sie einfach, was ihre kleine Schwester für Anweisungen verteilte. Denn früher oder später würde sie das tun.
Als Freya sich am Buffett umsah, um eine normale Hochzeitsfeier vorzuspielen, gesellte sich Lucien mal wieder zu ihr.
„Hey“, meinte er in einem gedämpften Tonfall, was Freya ebenso erwiderte. Auch er sah so aus, als ob er keine Ahnung hatte, wie er Klaus helfen sollte. Hilflos schaufelten sie sich also ein paar Löffel Essen auf ihren Teller.
Bezüglich des aktuellen Problems konnten sie fürs erste wohl nichts unternehmen. Allerdings hatten sie ja noch ihre eigene geheime Sache, die sie irgendwie klären sollten.
„Freya, das darfst du jetzt wirklich nicht falsch verstehen, aber…“, begann Lucien und hoffte, dass er nicht alleine mit seiner folgenden Meinung war, „…wir haben uns doch für heute Nacht wieder verabredet. Naja, und ich fürchte einfach, dass das unsere Freundschaft gefährden könnte. Du weißt schon.“ Ganz abgesehen davon, dass auf keinen Fall irgendjemand von ihrer Familie das jemals erfahren dürfte. Glücklicherweise sah Freya das ganz genauso.
„Ja, natürlich“, gab sie ihm recht, und schüttelte innerlich mit dem Kopf, wieso sie überhaupt so dämlich gewesen waren. „Wie konnten wir es nur so weit kommen lassen?“
Lucien war da auf ihrer Seite, denn auch er konnte nur den Kopf schütteln. „Und das gleich sieben Mal.“ Freya versuchte immer noch eine Erklärung für ihr Verhalten zu finden.
„Naja, Lucien, wir sind weit weg von zu Hause“, fing sie an, auch wenn sie wusste, dass das nichts entschuldigen konnte. Lucien allerdings machte dabei mit, sich ihren Ausrutscher schön zu reden.
„Ja, und noch dazu in einem sehr romantischen Land, nicht wahr?“, fügte er hinzu. Freya musste anfangen zu kichern. „Das liegt bestimmt an London.“
„Böses London“, meinte Lucien und musste auch kurz lachen. Niemand wusste so genau, wo dieses Gespräch hinführte. Freya hatte da aber plötzlich eine Idee.
„Solange wir hier in London sind… ich meine… könnten wir doch so weiter machen, nicht wahr?“, sprach sie sie vorsichtig aus. Lucien hatte offensichtlich nur drauf gewartet, dass sie so etwas ähnliches sagen würde.
„Haben wir denn eine andere Wahl?“, fragte er und Freya schüttelte augenblicklich den Kopf. „Nein“, sagte sie kurz und knapp und war sich nicht sicher, ob das wirklich eine gute Entscheidung war.
„Aber, wenn wir wieder zu Hause sind…“, fing Lucien an klarzustellen, doch Freya wusste was er sagen wollte und beendete seinen Satz: „… tun wir es nie wieder.“
„Wir tun es nur in London“, bestätigte Lucien und klang dabei eher so, als hätten sie gerade beschlossen, was sie zum Abendessen bestellen würden. Dass sie beide in ihrer Selbstkontrolle versagt hatten, war ihnen wohl nur zu gut bewusst, überspielten es aber beide ziemlich gut.
„Hey, hier unten gibt es einen Weinkeller, hast du den schon gesehen?“, wollte Lucien plötzlich wissen und Freya verstand sofort, was er meinte.
„Wir treffen uns in zwei Minuten.“ Sofort ließ Lucien seinen Teller stehen und ging voraus, während Freya sich noch kurz vor dem Spiegel zurecht machen wollte.
Als sie fertig war und sich umdrehte, stand allerdings schlagartig Rebekah vor ihr.
„Ich weiß nicht, was ich tun soll, Freya. Cami ist wie vom Erdboden verschluckt und Klaus steht kurz davor, jeden in London umzubringen. Hilf mir doch“, jammerte sie und obwohl Freya das wirklich gerne getan hätte, lagen ihre Prioritäten gerade ganz wo anders.
„Weißt du, Rebekah, tu doch einfach das, was du für richtig hältst“, wollte sie sie schnell abwimmeln, hatte aber keinen großen Erfolg. „Ja und was ist das richtige?“, hakte Rebekah weiter nach und schien mit ihren Nerven am Ende. Freya wollte nicht unsensibel sein und gleich nachher würde sie ihre Schwester auch wirklich unterstützen, aber jetzt gerade wollte sie einfach nur schnell weg.
„Überstürze nichts, ok? Handle mit Überlegungen. Lass dir irgendwas einfallen.“ Sie hatte weiterhin keine guten Ratschläge parat, doch war schlau genug, nach ihrem letzten Satz direkt an Rebekah vorbeizugehen und sie somit davon abzuhalten, weiter um Hilfe zu bitten.
Weit kam sie allerdings nicht, denn sie entdeckte Lucien keine 5 Meter weiter an einem Stehtisch.
„Hey, wir wollten uns doch im Weinkeller treffen“, erinnerte sie ihn und musste sich bemühen, nicht zu wütend deswegen zu sein. „Vergiss es, das fällt aus“, meinte Lucien ebenfalls ein wenig genervt und zeigte zur Kellertreppe, wo ein Angestellter des Hotels mit einer kleinen Gruppe an Gästen stand. „Die Führung durch den Weinkeller beginnt in 5 Minuten“, rief er und nun verstand Freya.
Der Keller war dann wohl kein ungestörter Ort mehr.
Also stellte sie sich neben Lucien und lehnte sich auf den Tisch, als Kol mit einem getarnten Blutbeutel an ihnen vorbeilief. Auch er wirkte ein wenig gestresst. „Hey Kol, was machst du denn da?“, wollte Freya wissen und hielt ihn kurz auf, „Wolltest du nicht deinen täglichen Blutbedarf ein wenig runterfahren?“ Das wollte er tatsächlich, denn er hatte Freya erzählt, dass er seinen früheren Blutrauschen entgegenwirken wollte.
„Ja, aber ich dachte, wir sind in einem anderen Land und da zählt das nicht“, redete sich ihr Bruder raus. Ein paar Sekunden musste Freya über seine Worte nachdenken und ihr fiel auf, dass sie mit Lucien genau die gleiche Übereinkunft geschlossen hatte. „Ja, das ist wahr“, gab sie ihm also recht und auch Lucien nickte bestätigend, während er mit den Schultern zuckte. „Dem kann man nicht widersprechen.“

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Ein wenig später gelang es Lucien und Freya unbemerkt von der Feier wegzukommen und sich auf Freyas Hotelzimmer zu schleichen. Sie würden ja nicht ewig weg sein und danach hatten sie auf jeden Fall vor, dabei zu helfen, Cami zu finden.
Gerade als sie dachten, nun endlich alleine zu sein, saß Elijah auf einem der Betten und tippte nervös an seinem Handy herum. Freya bekam fast einen Herzinfarkt. Zwar teilten sie sich das Zimmer, aber sie hatte niemals gedacht, dass ihr Bruder jetzt hier sein würde.
„Oh mein Gott, Elijah“, rief sie überrascht und hoffte nicht zu ertappt auszusehen. Ein Glück, dass sich die meisten gerade mehr Sorgen um Klaus machten, als darum, was Freya trieb.
„Niklaus hat Carolines Namen gesagt. Carolines! Freya, ich kann dir gar nicht sagen, wie wütend ich gerade auf unseren Bruder bin. Vermutlich komm ich auf der Liste direkt unter Camille“, begann Elijah aufgebracht. Er hatte die Sache mit Caroline damals ziemlich genau mitbekommen und erinnerte sich nur noch daran, das für Klaus nichts anderes mehr von Bedeutung zu sein schien. Er war wie besessen von einem Mädchen, das er nicht haben konnte. Elijah war sehr froh gewesen, als es vorbei gewesen war. Zumindest hatte er das immer gedacht.
„Ach, es bringt nichts, sich darüber so aufzuregen. Wichtig ist, dass wir Camille bald finden“, beruhigte sich Elijah typisch für ihn recht schnell wieder, „Wollt ihr unten etwas trinken?“, bot er Freya und Lucien an.
„Ja sicher, aber wir… Ich muss mich noch kurz umziehen, weißt du“, wollte Freya ihrem Bruder umschreiben, dass sie kurz gerne alleine wäre. Auch wenn sie keine Erklärung parat hatte, wieso ausgerechnet Lucien dann hier war.
„Du kannst uns doch schonmal einen Tisch reservieren“, lenkte sie ab und Lucien spielte ebenfalls seine Rolle. „Ja, und wir kommen in fünf Minuten nach“, schlug er vor und bekam Freyas Ellenbogen in die Seite. „In fünfzehn“, korrigierte sie ihn und versuchte, unauffällig zu wirken.
Bevor Elijah darauf reagiert konnte, klingelte plötzlich sein Handy. „Das ist Hayley. Ich hab schon vier Mal versucht, sie zu erreichen“, erklärte er und hob ab.
„Hayley, es ist etwas passiert. Kannst du versuchen, ob du Camille erreichst?“, begann er und setzte sich währenddessen wieder aufs Bett. Freya wurde klar, dass ihr Zimmer wohl nicht der beste Ort für ihr und Luciens Vorhaben war.
„Hey, wie wärs wenn wir uns in meinem Zimmer umziehen würden?“, schlug Lucien leise vor und zuerst sah Freya ihn verwirrt an. „Aber ich hab doch bei dir gar keine…Oh verstehe.“ Sie grinste kurz und ließ Elijah dann weiterhin mit Hayley telefonieren. Das würde ihn hoffentlich für eine Zeit beschäftigen.

Luciens Zimmer war zwei Stockwerke höher. Auf dem Weg dorthin wurden sie aber zum Glück nicht mehr gestört und auf dem Zimmer war auch niemand. Zur Sicherheit verschloss Lucien allerdings die Tür hinter sich, bevor noch jemand auf den Gedanken kam, Freya und ihn nochmal zu stören.
„Wow, du siehst echt toll aus“, bemerkte Lucien, als er sich zu Freya herumgedreht hatte und nicht glauben konnte, dass sie endlich alleine waren.
„Dafür haben wir keine Zeit“; meinte Freya sofort und zog Lucien augenblicklich sein Jackett aus, das irgendwo am anderen Ende des Zimmers landete. Weiter kamen sie allerdings nicht, denn von außen rüttelte plötzlich jemand an der Tür.
„Hey, Lucien! Ich brauch mal kurz Pause von dem ganzen Drama da unten. Was soll der Quatsch? Ich hab einen manipulierten Typen hier draußen.“ Niemand geringeres als Rebekah stand vor dem Zimmer und hatte offensichtlich genau das gleiche wie Lucien und Freya vor.
„Und ich hab hier drinnen ne Frau, Rebekah“, stellte Lucien klar und hoffte, dass sie sich einen anderen Platz suchen würde. „Das ist nicht wahr, ich hab gesehen, dass du mit Freya da rein gegangen bist“, entgegnete Rebekah und fügte noch ein „`Tschuldge Schwesterherz“ hinzu.
„Wir…äh…Wollten uns nur ein wenig ausruhen, verstehst du?“, versuchte es jetzt Freya, ihre Schwester dazu zu bringen, sich ein anderes Zimmer zu suchen.
„Wer von euch muss jetzt auf Sex verzichten. Ich oder ihr?“, fragte Rebekah mit Nachdruck und Lucien und Freya waren froh, dass sie jetzt nicht ihre Blicke sehen konnte, denn dadurch hätten sie sich mit Sicherheit verraten.
Schlussendlich blieb ihnen nichts anderes übrig, als ihr das Hotelzimmer zu überlassen. Diese Diskussion würde nur zu auffällig wirken.

Ungeduld machte sich langsam in ihnen breit und das veranlasste Lucien dazu, unmoralische Vorschläge zu machen. „Und das ist auch wirklich in Ordnung?“, teilte Freya ihre Bedenken laut mit, als sie das nächste Zimmer betraten: nämlich das von Klaus und Cami.
„Naja, die zwei werden es heute sowieso nicht mehr benutzen“, meinte Lucien und kam sich dabei schon fast ein wenig schadenfroh vor.
„Schau doch nur, wie schön sie das alles hergerichtet haben“, fiel Freya auf und strich leicht über die Rosenblüten, die auf dem Bett verteilt wurden. Ihr kamen erneut leichte Zweifel. „Ich weiß nicht, ob wir wirklich hier bleiben sollten.“
„Hey, beruhige dich“, redete Lucien auf sie ein, „Das hier ist doch die Flitterwochensuite und das bedeutet, dass dieses Zimmer gradezu Sex erwartet. Wir wollen das Zimmer doch nicht enttäuschen, wie würde es denn nur vor den anderen Zimmern dastehen, wenn es seinem Namen nicht gerecht werden würde?“ Lucien setzte einen Blick auf, den Freya an einen Hund mit großen Augen erinnerte und musste lachen.
„Na gut“, willigte sie ein und begann die überflüssigen Kissen vom Bett zu werfen, kurz bevor ausgerechnet Klaus ins Zimmer gestürmt kam.
„CAMI?!“
Schlagartig senkte Lucien die Bettdecke wieder und tat so, als ob er darunter etwas gesucht hätte. „Nein, also hier ist sie nicht“, sagte er reflexartig, obwohl ihm klar war, dass das total idiotisch klang.
„Du hast sie noch nicht gefunden?“, fragte Freya geschockt nach, als sie sah, wie verzweifelt ihr Bruder immer noch war.
„Nein und dabei hab ich sie überall gesucht.“ Klaus seufzte.
„Naja überall kannst du sie ja nicht gesucht haben, sonst hättest du sie ja gefunden“, widersprach Lucien und Freya und er begannen abwechselnd auf ihn einzureden.
„Ja, such weiter nach Cami!“
„Ja, vielleicht noch ungefähr 30 Minuten?“ Dabei sah Lucien kurz fragend zu Freya.
„Oder 45“, schlug sie vor. „Wow, also in 45 Minuten kannst du sie zweimal finden“, bemerkte Lucien und war froh, dass Klaus im Moment zu sehr durch den Wind war, als diese Anspielung zu verstehen.
„Nein, das bringt doch nichts. Ich hab schon alles versucht. Vielleicht sollte ich einfach warten, bis sie sich beruhigt hat und von alleine zur mir kommt“, meinte Klaus urplötzlich und setzte sich erschöpft auf die Bettkante.
„Ihr beide kennt die Geschichte mit Caroline ja gar nicht…“, meinte er und schon als er Luft holte, um weiterzusprechen, wussten Freya und Lucien beide, dass sie so schnell nicht von hier verschwinden konnten. Wie erwartet erklärte Klaus ihnen, wie das in einer Stadt namens Mystic Falls begonnen hatte und schien dabei keine Einzelheit auszulassen.
Er redete so lange bis Elijah, der offensichtlich auf der Suche nach ihnen war, ebenfalls in die Suite kam, um ihnen zu berichten, dass Cami bereits nach New Orleans zurück geflogen war. Ein Schock für Klaus, doch Freya war froh, dass Elijah sie von seiner Erzählstunde erlöst hatte.
„Ich hab uns bereits einen Flieger gebucht. Er startet morgen früh“, teilte er ihnen dann mit, „Freya, wir sollten uns noch ein wenig ausruhen, genauso wie du, Niklaus. Wenn wir morgen wieder zu Hause sind, werden wir weitersehen.“ In solchen Situationen spielte er gerne den großen Bruder, der alles im Griff hatte, das wusste Freya. Und auch wenn ihr Plan mit Lucien komplett schief gelaufen war, konnte sie nicht leugnen, dass sie gegen eine Runde Schlaf nichts einzuwenden hatte.
Also folgte sie ihrem Bruder und ließ Lucien und Klaus in der Suite zurück. Ihr Plan war doch eh von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen.

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Einen langen Flug später waren sie wieder im Mikaelson Compound angekommen. Klaus Stimmung war weiterhin im Keller und sobald er seine Koffer im Eingangsbereich abgestellt hatte, kündigte er sofort an, sich auf die Suche nach Cami zu machen. Elijah wollte ihn unterstützen und wohl auch davon abhalten, weitere Dummheiten anzustellen, und folgte ihm.
Kol und Rebekah hingegen begleiteten Davina und Marcel nach Hause, da sie Klaus Gejammer nicht mehr ertragen konnten. Das hätten sie natürlich nie laut ausgesprochen, aber jeder wusste, dass das der wahre Grund war.
Somit blieben mal wieder nur Freya und Lucien übrig und so langsam wusste Freya nicht so wirklich, ob das Schicksal nun auf ihrer Seite war oder nicht. Jetzt waren sie endlich alleine und ungestört, aber die Stimmung hatte schon wieder einen gewisse unangenehme Grenze erreicht.
„Tja, jetzt gilt wohl wieder die ‚nicht-mehr-in-London-Regel‘, was?“, meinte Lucien und lachte nervös. Ihm ging es wohl genauso wie Freya.
„Wenn wir gerade davon sprechen“, fing sie an und musste sich räuspern. Folgendes wollte sie Lucien eigentlich schon gestern gesagt haben, aber eine wirklich Gelegenheit hatte es nicht gegeben. Sie fand aber dennoch, dass er es verdient hatte zu hören. „Es war für mich in London nicht ganz leicht, wegen der Sache mit Keelin, du weißt schon…Naja, jedenfalls wollte ich dir… Ich fand diese Nacht wirklich schön und dafür wollte ich dir danken.“ Er war für sie da gewesen, als niemand sich wirklich für sie interessiert hatte. Durch ihn war sie wenigstens ein bisschen abgelenkt gewesen.
„Oh“, war Luciens überraschte Reaktion darauf, meinte das jedoch überhaupt nicht negativ, sondern wirkte eher ein wenig gerührt. Damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet.
„Ich fand die Nacht auch sehr schön“, stimmte er ihr zu und lächelte leicht, „Und nicht etwa weil ich in schlechter Verfassung war, sondern weil ich finde, dass wir naja… echt gut zusammen sind.“
Freya musste lachen und war froh, dass sie wieder ein wenig entspannter waren. „Ja, das sind wir.“ Ihr wurde mal wieder bewusst, weshalb sie sich so gut mit Lucien verstand und wie viel er ihr eigentlich bedeutete.
„Dann werd ich wohl mal gehen“, meinte Lucien und zeigte auf seine Koffer, „Ich sollte auch auspacken.“ Freya nickte und sie umarmten sich kurz zum Abschied. Es war allerdings merkwürdig. Ihr Körper hatte lange nicht mehr so auf männliche Berührungen reagiert, wie jetzt gerade. Normalerweise war das nicht mehr als eine Freundschaftsgeste für sie, doch sie fühlte dieses Mal mehr dahinter und als sich Lucien schließlich umdrehte, flüsterte eine kleine Stimme in Freyas Körper ‚Geh nicht‘.
Obwohl sie es nicht ausgesprochen hatte, blieb er tatsächlich kurz vor der Tür stehen, als er nochmal kurz auf seine Armbanduhr blickte. Gleich darauf stellte er den Koffer wieder ab und drehte sich zu Freya um.
„Auf meiner Uhr ist noch die Londoner Zeit“, erkläret er, „Zählt das?“
Freya konnte schwören, dass sie noch nie glücklicher war, als in diesem Moment. „Oh, und wie das zählt.“ Gleichzeitig stürmten sie aufeinander zu und küssten sich, als sei es das einzige gewesen, auf das beide sehnlichst gewartet hatten. Dieser Kuss löste in Freya so viele verschiedene Gefühle aus, dass sie sich sicher war, dass dafür noch überhaupt keine Worte erfunden wurden. Doch das war ihr egal. Was auch immer sie gerade fühlte, es machte sie unbeschreiblich glücklich.

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Ein paar Tage vergingen und Freya und Lucien schafften es erstaunlich gut, das mit ihnen geheim zu halten. Sie hatten sich darauf geeinigt, erst einmal zu warten, wohin sich alles entwickelte. Es funktionierte einfach so gut zwischen ihnen, dass sie das Gespräch, was sie denn nun für eine Beziehung zueinander haben wollten, immer wieder in die Zukunft schoben.
Ihre Vertrautheit war zwar etwas sehr positives und durch das Drama mit Cami und Klaus, dass weiterhin seinen Lauf nahm, waren alle anderen abgelenkt, doch sie mussten dennoch höllisch aufpassen, dass niemand etwas bemerkte. Tja, das klappte mal besser und mal schlechter.
An diesem Morgen eher schlechter.
Elijah hatte mit Hayley Rebekah und Freya abfangen können, um mit ihnen über Klaus zu sprechen und wie sie helfen konnten. Cami sprach mittlerweile zwar wieder mit ihm, aber wenn, dann meistens ziemlich laut und wütend. Es war also Zeit, etwas zu unternehmen.
Zusätzlich hatte er Lucien dazugeholt, da er zumindest auf Klaus manchmal einen großen Einfluss hatte. In solchen Situationen konnten er und Freya wirklich gut verheimlichen, dass sie sich mittlerweile näher standen. Allerdings unterliefen selbst Profis manchmal kleine Fehler.
„So, da wir alles geklärt haben. Ich muss los, ich hab noch einen Geschäftstermin.“ Mit diesen Worten stand Lucien auf und gab Freya aus Gewohnheit einen kleinen Kuss. Noch bevor sich seine Lippen wieder ganz von ihren getrennt hatte, wurde ihm bewusst, dass das so ziemlich das dümmste ist, was er hätte tun könnte. Aus Panik musste er schnell handeln und steuerte kurz darauf Rebekah an. „Bekki“, sagte er ihren Namen als Abschiedsgruß und küsste sie ebenfalls mit genau der gleichen Intensität. Lieber glaubten alle, er hätte den Verstand verloren, als dass sie das mit ihm und Freya herausfanden. Das war seiner Meinung einfach zu früh.
Gerade als er auf Hayley auch noch zu ging, hielt sie sofort eine Hand vor ihr Gesicht. „Denk nicht mal dran“, warnte sie ihn und er war froh, dass er seine Show nicht weiterspielen musste und so schnell wie möglich verschwinden konnte.
„Was ist denn mit ihm los?“, fragte Elijah verwundert, als die Eingangstür ins Schloss gefallen war. „Vielleicht eine europäische Art sich zu verabschieden“, schlug Freya vor, die erst jetzt wieder fähig war zu atmen.
„Das hat doch mit europäisch nichts zu tun“, widersprach Hayley und sah ziemlich verstört in die Richtung, in die Lucien verschwunden war.
„Doch“, meinte Rebekah, „Mir kommt das spanisch vor.“

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Die nächsten Tage verhielten sich Freya und Lucien also noch unauffälliger, als ohnehin schon und niemand schien Verdacht zu schöpfen.
Freya plante ihre Treffen immer ziemlich genau, und bisher klappte es so perfekt, dass sie mittlerweile wieder entspannter in Anwesenheit ihrer Familie war.
An einem Samstagnachmittag waren sie alle auf einer von Klaus Galerien eingeladen. Er hatte in letzter Zeit viel gemalt, um mit seinen Gefühlen klar zu kommen und Rebekah hatte prompt einen Saal für ihn gemietet. Vielleicht würde es ihm gut tun, mal abseits von seinem Streit mit Cami unter Leuten zu sein.
Sie hatte alle Familienmitglieder eingeladen, was so viel bedeutete, wie gezwungen hinzugehen. Allerdings ging die Ausstellung den ganzen Tag und somit war es ihnen frei gestellt, wann sie dort auftauchen würden. Rebekah und Elijah waren seit Vormittags schon dort, Kol wollte mit Davina irgendwann nachkommen und Freya hatte keine genauen Angaben gemacht und nur davon geredet, dass sie davor noch etwas erledigen musste. Dennoch schien jeder geplant haben, zu kommen und das reichte Rebekah.
Allerdings war ihr nach zwei Stunden eingefallen, dass sie diesen französischen Wein zu Haus vergessen hatte, mit dem sie unbedingt mit Klaus anstoßen wollte. Also holte sie ihn gegen Mittag und nutzte kurz die Gelegenheit, um ihr Make-up aufzufrischen. Auf einmal hörte leise Geräusche aus Freyas Zimmer. War sie etwa immer noch hier? Sie dachte, dass ihre Schwester etwas erledigen wollte. Kurzerhand klopfte sie an dir Tür. „Freya, ist alles in Ordnung?“, fragte sie nach und öffnete vorsichtig die Tür, nur um danach geschockt aufzuschreien. Genauso wie Freya als sie sie sah. Reflexartig hielt sich Rebekah eine Hand vor die Augen. Was bitte machte ihre Schwester da bitteschön nur in ziemlich knapper Unterwäsche alleine in ihrem Bett?
Schnell wickelte sich Freya einen Morgenmantel um. „I…ich wollte nur noch schnell ein kleines Nickerchen machen“, wollte sie die Situation erklären.
„Seit wann machst du denn ein Nickerchen in dieser Position?“ Rebekah war immer noch völlig verwirrt. „Bitte sag mir, dass du auf eine Frau gewartet hast. Bitte!“, flehte sie sie an, denn nur das würde sie als Erklärung zulassen.
„Ähm… naja, nicht direkt, aber…“ Freya vermied Blickkontakt zu ihrer Schwester und Rebekah hatte einen leisen Verdacht. „Oh mein Gott! Freya, willst du mir sagen, dass du auf einen Mann gewartet hast?“ Jetzt verwandelte sich ihr Schockzustand in pure Neugierde.
„Möglicherweise“, stimmte Freya ihr zu, denn leugnen konnte sie es wohl schlecht. Rebekah quietschte leicht auf. Ihr war gerade egal, wer dieser Mann war, sie wollte einfach nur alles über ihn wissen. „Dann lass ich dich mal wieder alleine, hm?“, sagte Rebekah und grinste, „Aber nachher will ich alles über diesen geheimnisvollen Typen wissen, der dich wieder ans andere Ufer geschleppt hat.“
„Nein nein, schon gut. Ich sag ihm Bescheid, dass wir uns wann anders treffen. Ich komm mit dir zur Ausstellung“, hielt sie Rebekah davon ab zu gehen, „Ich muss mich nur kurz umziehen.“
Während sie gesagtes in die Tat umsetzten, schickte sie Lucien eine kurze Nachricht und hoffte, dass er in diesem Moment nicht bereits vor der Tür stand.
Doch sie hatte Glück, denn er schrieb zurück, dass er dann direkt zu Klaus Galerie fahren würde. Freya atmete kurz tief durch und dankte dem Universum, dass das nicht schief gelaufen war.
Während sie mit Rebekah auf dem Weg in die Stadt war, musste sie allerdings jede Kleinigkeit von ihrem neuen Partner erzählen. Ihre Schwester wollte einfach alles wissen, akzeptierte allerdings, dass sie noch nicht verraten wollte, wer es war.
Dass es in London angefangen hatte, verschwieg Freya natürlich. Mit dieser Information könnte Rebekah nämlich 1 und 1 zusammenzählen. Nachdem sie allerdings den Teil der Story gehört hatte, den sie auch hören durfte, wirkte sie sehr zufrieden und Freya musste zugeben, dass es gut tat, jemandem davon erzählt zu haben. Naja immerhin so halb.
Rebekah wäre aber nicht Rebekah, wenn sie daraus nicht eine größere Sache machen würde, als sie überhaupt war. Wie angekündigt war Lucien bereits da, als die zwei Mikaelsson-Schwestern ankamen und lehnte an der Bar mit einem Wein in der Hand.
Kurz blickte sie sich um und flüsterte Lucien dann zu. „Hey Lucien, hat dir Freya schon von ihrer heimlichen, männlichen Affäre erzählt?“
„Bekki!“, sagte Freya empört. „Na komm, Lucien kann ich es doch erzählen. Außerdem brauch ich mal wieder ein neues Thema als Nik und Cami“, schmollte Rebekah und Freya konnte irgendwie verstehen, was sie meinte. Außerdem wäre Lucien tatsächlich die nächste Person, der sie so etwas erzählen würde, wenn es nicht um ihn selbst gehen würde. Er ging bei so einer Sache wenigstens nicht gleich an die Decke.
„Na und wann wirst du ihn uns vorstellen?“, fragte Rebekah aufgeregt nach.
„Er ist sehr schüchtern“, meinte Freya, „Ich glaube, das wird noch ein wenig Zeit brauchen.
„Da hörst du es“, unterstütze Lucien Freya in ihrer Meinung und nahm einen Schluck von seinem Wein.
„Ach komm, ich will aber den Mann kennen lernen, der dir den besten Sex bietet, den du je hattest“, wiederholte Rebekah das, was Freya ihr vorhin gebeichtet hatte, mit einem kleinen Grinsen. Freya sah sie ein wenig peinlich berührt an und gleich darauf hörte sie, wie Lucien wie verrückt hustete. Er hatte sich an seinem Wein verschluckt und musste kurz verarbeiten, was gerade passiert war, konnte aber nicht verhindern, dass es ihm zum Grinsen brachte.
„Was grinst du denn da?“, wollte Freya leicht beleidigt wissen. „Nichts“, entgegnete Lucien und hustete nochmal kurz, „Ich freu mich nur so für dich… und diesen Mann.“ Freya verdrehte die Augen und wünschte für einen kleinen Moment, sie könnte Rebekah die ganze Wahrheit erzählen. Wusste aber, dass das nur in einem Chaos enden würde.
Allerdings wusste sie auch, dass dieser Moment irgendwann einmal kommen würde und sie hatte höllische Angst davor. Selbst vor Rebekah, die sich jetzt zwar für sie freute, aber sie trotzdem dafür verurteilen würde. Naja vermutlich würde sie eher sauer sein, dass sie sie nicht von Anfang an eingeweiht hatte.
Sie seufzte leise und sah Lucien kurz unauffällig an, der immer noch Anzeichen seines glücklichen Grinsens auf den Lippen trug. Freya wusste nicht, ob sie ihn dafür küssen oder umbringen wollte, aber er gab ihr trotzdem das Gefühl, dass sie das alles schon hinbekommen würden, was auch immer die Zukunft brachte. Und das beruhigte sie ungemein.
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