Hubsi und Anja - Oneshots

von wolfstarr
GeschichteRomanze / P12
Dr. Anja Licht Franz Hubert
21.07.2019
27.07.2019
2
1948
 
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„Liebe Frau Doktor Licht, wir werden Sie vermissen! Sie waren immer eine Bereicherung und eine wahre Meisterin Ihres Fachs. Sie haben maßlos dazu beigetragen, dass unsere Aufklärungsquote bei 100% liegt. Sie werden ein großer Gewinn für Hamburg sein, Gott sei Dank nicht für immer. In drei Jahren werden wir Sie ja wieder bei uns begrüßen dürfen.“ Bevor Girwidz sich in weiteren Floskeln verlieren konnte, nutzte Sonja seine Atempause und ergriff schnell das Wort: „Anja, du bist so eine großartige Person, menschlich wie beruflich, und ich bin dankbar, dass ich dich kennenlernen durfte. Bleib wie du bist, ich hoffe, in Hamburg wartet nur das Beste auf dich!“ Sie drückte Anja an sich. Die kleine Ärztin war gerührt. „Vielen Dank, Herr Girwidz, danke Sonja! Ich werde euch alle so sehr vermissen, aber es ist Gott sei Dank ja nicht für immer.“ Ehe sie weiterreden konnte wurde sie von einem völlig verheulten Riedl an sich gedrückt. „Anja, ich werd' dich vermissen!“ Die Pathologin strich dem aufgelösten Polizisten beruhigend über den Rücken. „Ich werd' dich auch vermissen.In drei Jahren sehen wir uns wieder und bis dahin hast du Karriere gemacht und zwar so, dass du gar nicht mehr an mich denken wirst.“ Sie klopfte ihm aufmunternd auf die Schultern und wandte sich Hansi, der sie einfach nur in den Arm nahm und ihr leise ins Ohr flüsterte: „Hubsi wird das nicht  sagen können, deshalb bedanke ich mich in seinem Namen für alles, was du für uns und vor allem für ihn getan hast.“ Nun musste Anja wirklich schlucken und nickte nur. In ihrem linken Auge glitzerte es verdächtig. Schließlich wandte sie sich schweren Herzens ihrem Exmann zu. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, so lange von ihm getrennt zu sein, sie würde alles, einfach alles an ihm vermissen, auch ihre ständigen Reibereien. Beinahe eine Minute lang starrten sich beide einfach nur an. Sie konnte aus Hubsis Gesicht keine Gefühle ablesen, konnte nicht erkennen, was in ihm vor sich ging. Schließlich schien es so, als hätte Hubsi seine Stimme wiedergefunden: „Dann mach's gut. Ciao!“ meinte er heiser und streckte seine rechte Hand aus. Zögernd ergriff Anja diese. „Danke. Servus dann.“ erwiderte sie. Sie war enttäuscht. Insgeheim war sie nämlich jederzeit bereit gewesen, ihre drei Jahre Berufsweiterbildung in Hamburg abzusagen, hätte Hubsi ihr auch nur im Geringsten zu verstehen gegeben, das er noch etwas, irgendetwas für sie empfand. Sie lächelte noch einmal kurz in die Runde, dann drehte sie sich schnell um und verließ das Revier. Sie konnte ihre Tränen nicht länger zurückhalten und vor lauter Wut über ihren Exmann trat sie noch einmal kräftig gegen den Reifen des Streifenwagens. Sie setzte sich in ihren Wagen, doch sie fuhr nicht sofort los, sondern ließ erst einmal all ihren Tränen freien Lauf. Und es waren viele Tränen.

Hubsi stand noch einige Sekunden nach Anjas Abschied wie erstarrt da. Was hatte er gerade getan? Er hatte sich gerade die dämlichste Aktion aller Zeiten geliefert, ein Blick in Hansis Gesicht bestätigte ihm das. Er zuckte mit einem Mal zusammen und sprintete zur Tür. Er riss diese auf und
lief auf den Parkplatz hinaus. Er musste Anja einfach noch einmal sehen, sich für sein Verhalten entschuldigen. Tatsächlich stand der schwarze Wagen noch auf dem Parkplatz. Er legte die restlichen Meter im Eiltempo zurück und klopfte wie wild an die Scheibe. Anja, noch immer hemmungslos weinend drehte erschrocken den Kopf herum und schlug sich die Hand vor den Mund. Schnell öffnete sie die Autotür und bevor sie irgendetwas sagen konnte, schloss Hubsi sie in seine starken Arme. Er nahm alles an ihr genau wahr, brannte diesen Moment in seinem Gehirn ein, denn er wusste nicht, wann er zum nächsten Mal die Gelegenheit dazu hatte.  Er vergrub seinen Kopf in ihren Haaren und sog den Duft ihres Apfelshampoos ein, er streichte sanft über ihren Rücken, nicht gewillt, sie jemals wieder loszulassen. „Hubsi...“ setzte die Pathologin an, doch sie wurde sofort unterbrochen. „Oh Anja, mir tut es so schrecklich leid, mir tut das alles so sehr leid. Ich hab mich wie ein Arschloch benommen und du hast des ned verdient. Du host nur des beste verdient und des kann i dir ned bieten. Trotzdem kann ich den Gedanken ned ertragen, dass du in Hamburg vielleicht jemanden kennenlernst und dann vielleicht für immer do bleibst. Ich..Anja, bitte geh nicht. Ich brauch dich doch!“

Nach diesen Worten musste Anja erst einmal schlucken. Hätte Hubsi sie nicht nach wie vor festgehalten, hätten ihre Knie nachgegeben und sie wäre zusammengebrochen. So vergrub sie ihren Kopf einfach nur in seinem Hemd, lehnte sich an seine Brust und atmete den vertrauten Geruch aus Aftershave und Waschmittel ein. Ja, sie liebte ihn und sie musste nicht zweimal nachdenken. „Hubsi, ich bleibe, wenn du das wirklich willst. Ich..glaube, ich könnte das gar nicht, ich könnte nicht so lange von dir getrennt sein. Ich brauche dich auch, ohne dich kann ich einfach nicht!“ ihre Stimme war nunmehr ein Flüstern, als sie hinzufügte: „Ich liebe dich nämlich.“ Sie konnte spüren, wie Hubsis Haltung sich etwas entspannte. Vorher hatte sie gar nicht gemerkt, dass er verkrampft dagestanden hatte, doch gerade hatte sie förmlich gespürt wie ihm ein Stein vom Herzen gefallen war. Konnte das womöglich bedeuten.. Sie sah ihm in die Augen. Braun traf auf blau, blau traf auf braun. Keiner konnte den Blick abwenden, wie magisch angezogen begannen sie sich langsam aufeinander zu zu bewegen. Sanft legte Hubsi seine Hand an Anjas Wange und wischte zärtlich mit dem Daumen ihre Tränen weg. Sie wiederum legte ihre Hand auf seine und es war als wenn diese Berührung den Startschuss für den letzten Schritt gewesen wäre. Mit seiner linken Hand, die noch immer um Anjas Schultern geschlungen war, zog er die kleine Ärztin so nah an sich heran, dass kein Blatt Papier mehr zwischen sie gepasst hätte. Fragend blickte er sie an, doch er konnte kein Zeichen erkennen, das sich als Widerspruch oder Unwillen deuten ließe. Dadurch ermutigt legte er vorsichtig seine Lippen auf ihre. Er hatte vergessen, wie gut, wie richtig es sich anfühlte, ihre Nähe, Anja selbst zu spüren. Die Pathologin vertiefte den Kuss sofort und minutenlang nahmen die beiden nichts um sich herum wahr. Die beiden hatten sich und der Rest war ihnen egal, so bemerkten sie auch nicht, wie das restliche wolfratshauser Polizeirevier sich um sie versammelt hatte. Erst nachdem sie neben sich plötzlich lautes Klatschen vernahmen, lösten sie sich erschrocken voneinander, doch Anja ergriff sofort Hubsis Hand. Sie wollte nicht mehr von ihm getrennt sein, nie wieder. „Das wurde aber auch Zeit!“ jubelte Hansi! Lächelnd sahen Hubsi und Anja erst in die Runde und dann sich gegenseitig an. Ja, damit hatte er wirklich Recht!

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Guten Tag, alle miteinander. Ja, ich melde mich auch mal wieder mit einer neuen Geschichte bzw. einem Oneshot zurück. Ich werde hier wie gesagt nach und nach alle Oneshots veröffentlichen, die sich bei mir so über die Zeit angesammelt haben. Ich hoffe, sie gefallen euch :-)
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