Brautsträusse und Strumpfbänder

GeschichteAllgemein / P12
Celebrían Elrond Erestor Galadriel Glorfindel Haldir
21.07.2019
25.07.2019
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Kapitel 2

Erestor zog sich sofort in den hinteren Teil des Raumes zurück, und Glorfindel fragte sich, ob der dunkelhaarige Elf tatsächlich versuchte, sich unsichtbar zu machen, was jedoch offensichtlich nicht funktionierte. „Uh, lass uns das hier durchziehen und uns dann wieder dem Fest zuwenden. Der Wein fliesst reichlich, und Celeborn hat etwas von seinem eigenen Vorrat mitgebracht.“ Da er noch immer den Brautstrauss in den Händen hatte, legte er ihn auf einen kleinen Tisch und betrachtete dann Erestor. Er sieht aus wie ein Reh, in einer Falle gefangen und darauf wartend, vom Wolf gefressen zu werden. Schüchtere ich ihn so sehr ein? Das habe ich bisher nicht gewusst!

„Ich werde Dir dieses Strumpfband nicht am Bein befestigen!“ Erestor schleuderte das kleine Ding aus blauer Seide auf den Boden und starrte Glorfindel finster an. „Warum musstest Du auch die Blumen auffangen?“

„Elrond rief 'Fang auf!' Was hätte ich tun sollen?“ Glorfindel empfand plötzlich Mitleid mit dem dunkelhaarigen Ratgeber. Dies hier war ohne Zweifel der letzte Ort, an dem Erestor jetzt sein wollte. „Wenn Du mitspielst, werden wir in null komma nichts diesen Raum wieder verlassen können!“ Glorfindel setzte sich auf die Fensterbank und teilte seine Roben, legte so seine langen Beine frei.

Nackte Beine , stellte Erestor peinlich berührt fest. „Bedecke Dich!“ Irgendwie schaffte er es, seinen Blick abzuwenden, der auf die langen muskulösen Beine gefallen war. „Und warum trägst Du keine Leggings?“

„Das ist ein Fest, Erestor. Wir werden tanzen, Wein trinken und uns ein wenig berauscht fühlen – warm. Leggings stören da nur.“ Glorfindel grinste – schlussfolgernd, dass Erestor Leggings trug! Er wackelte mit dem rechten Bein und rief Erestor zu sich heran. „Nun komm schon, Du schaffst das!“

„Nein,“ sagte Erestor kurzgefasst, und er hoffte, dies würde seine ständig anwachsende Verlegenheit übertönen. Warum tut Elrond mir das an? Er drehte sich von Glorfindel weg, um seinen Unwillen, dies weiterzuführen, zu demonstrieren. „Ich werde Dich nicht auf diese Art und Weise berühren!“

Glorfindel hob eine Augenbraue und hörte auf, zu wackeln. „Dann ekelst Du Dich vor mir?“

„Nein!“ Erestor beeilte sich mit seiner Antwort. „Ich ekle mich nicht vor Dir!“

„Also warum weigerst Du Dich dann, mich zu berühren?“ Glorfindel liess seinen Fuss von links nach rechts schwingen und wieder zurück, als sei er noch ein Kind, das irgendetwas ausheckte.

„Es ist viel zu persönlich..... intim,“ versuchte Erestor zu erklären. „Ich kann unmöglich meine Finger an Deinem Bein entlang gleiten lassen.“ Oh, allein die Vorstellung davon liess seine Leistengegend erwachen. Noch tiefer mit der Dunkelheit verschmelzend, kreuzte er die Arme vor seiner Brust und hoffte, die Dunkelheit würde sein Gesicht ebenfalls verbergen. Er holte tief Luft, als Glorfindel auf die Füsse sprang und dann auf ihn zukam. „Lass mich allein.“

„Das kann ich nicht,“ sagte Glorfindel langsam. „Selbst, wenn ich es wollte, könnte ich nicht. Sie werden uns nicht hier hinauslassen, bis das Strumpfband an seinem Platz ist.“ War es nur Einbildung, oder schwankte Erestor? Und war das dort wirklich Schamesröte, die sich auf dem hübschen Gesicht zeigte? Warum so schüchtern, Erestor?

„Dann mach es doch selber fest!“ Warum war ihm diese brilliante Idee nicht früher gekommen? Aufgeregt machte Erestor einen Schritt nach vorne, aber da Glorfindel genau das Gleiche tat, standen sie sich nun von Angesicht zu Angesicht gegenüber, berührten sich beinahe. „Du machst es fest!“ wiederholte Erestor, nun mit weit grösserer Entschlossenheit. „Sie müssen ja nicht erfahren, dass nicht ich es war, der es angelegt hat!“

Glorfindel schüttelte seinen Kopf, betrübt aus einem nicht fassbaren Grund. Seit Jahren hatte er diese Konfrontation vermieden, aber er erkannte, dass ihm das nicht mehr länger möglich war. „Warum hast Du Angst davor, mich zu berühren?“

„Angst? Ich habe keine Angst!“ Aber Erestors Augen enthüllten die Wahrheit, und er wandte den Blick schnell ab. „Ich habe keine Angst!“

„Doch, Du hast Angst,“ sagte Glorfindel langsam. „Warum?“ Er hob seine rechte Hand und streichelte damit über Erestors Gesicht, und auch wenn er eine Abwehrbewegung erwartet hatte, war er überrascht, als Erestor sich nach hinten an die Mauer drückte, um etwas Abstand zwischen ihnen herzustellen. „Ich beisse nicht, Erestor.“

Erestor zitterte, als er diese freundliche, fast sinnliche Stimme hörte. „Bitte nicht.“

„Nein, so kommen wir nicht weiter,“ wiederholte Glorfindel entschlossen. „Du sagst, Du ekelst Dich nicht vor mir..... Du sagst, Du hast keine Angst vor mir..... warum also weigesrt Du Dich, mich zu berühren, Erestor?“ Er benutzte die gleiche Stimme, die er einem verämgstigten Kind gegenüber gebraucht hätte, in der Hoffnung, den Ratgeber zu beruhigen. „Du kannst mir vertrauen, Erestor. Du kannst es mir sagen.“

„Nein, das kann ich nicht,“ entgegnete Erestor mit zittriger Stimme. „Bitte, dränge mich nicht weiter.“

Glorfindel erkannte, dass er nicht zu Erestor durchdringen konnte, also strich er sanft ein letztes Mal über die schwarze Mähne und zog sich zurück, gab Erestor seine kostbare Privatsphäre zurück. „Also, dann gib mir schon das Strumpfband.“ Er kam mit Erestor nicht weiter, und die Anspannung in dem Zimmer stieg an. Er hatte keine Ahnung, wie der andere Elf reagieren würde, wenn er sich tatsächlich in die Enge getrieben fühlte, und er wollte es auch gar nicht herausfinden. Die Anspannung – der Druck – ängstigte Erestor aus irgendeinem Grunde.

Glorfindels zärtliche Berührungen schickte kleine Funken durch Erestors Körper, aber er ignorierte sie, so gut er konnte. Er bewegte sich rasch, schlüpfte an Glorfindel vorbei und hob das Strumpfband vom Boden auf. „Hier, mach schon.“

Voller Unglauben sog Glorfindel die Luft ein, als sich der Berater tatsächlich von ihm abwandte, sodass er all die Privatsphäre hatte, die er benötigte. Ich kann Dich einfach nicht verstehen, Erestor! Glorfindel machte das Strumpfband an seinem Schenkel fest und legte dann eine seiner Hände auf Erestors Schulter. Wie erwartet, zuckte der andere Elf vor seiner Berührung zurück. Ich würde wirklich gerne wissen, warum Du so sonderbar reagierst.

„Hast Du es?“ Erestor wusste, er klang kalt und kurz angebunden, aber das war der einzige Weg, um die Welle aus Zuneigung und Angst im Zaum zu halten, die durch ihn strömte. So viele Nächte lang hatte er von einer solchen Gelegenheit geträumt. Es wäre so einfach gewesen, Glorfindel die Wahrheit zu sagen; dass er ihn liebte, aber er konnte die Worte nicht aussprechen. Die Angst davor, dass Glorfindel ihn zurückweisen könnte, lähmte seine Zunge.

„Ich frage mich, was Haldir und Orophin dazu zu sagen haben,“ bemerkte Glorfindel nachdenklich.

„Sie werden sich nicht damit aufhalten, zu fragen, wie das Strumpfband an seinen Platz gekommen ist,“ antwortete Erestor und hoffte, es war kein Wunschdenken, soweit es ihn betraf.

**********

Zuerst hatte Haldir Glorfindel gemustert und sah nun tief in Erestors Augen. Schliesslich traf er seine Entscheidung und fragte Glorfindel. „Hat Erestor unsere Traditionen geehrt? Hat er das Strumpfband befestigt?“

Glorfindel wusste, er musste es gut machen, um Haldir täuschen zu können. Der Hauptmann konnte sehr genau zwischen Lüge und Wahrheit unterscheiden. „Ja, das hat er.“

Haldir legte seinen Kopf etwas schräg, seine Empfindungen dieser Antwort wegen noch nicht preisgebend. „Erestor, habt Ihr das Strumpfband angelegt?“

Erestor hatte seine Hände in den Falten seiner langen Ärmel versteckt und rang sie nun nervös. Haldirs wissender Ausdruck war total nervtötend, und er wusste es in dem gleichen Moment, wo Haldir es wusste. Aber er musste es versuchen. „Ja, das habe ich.“

„Das ist eine Lüge,“ stellte Haldir ruhig fest. „Und das passt überhaupt nicht zu Euch, Lordkanzler.“

Erestor biss sich auf die Unterlippe, und sein Blick fiel unsicher in Glorfindels Richtung. Was sollte er nun tun?

„Ihr habt gelogen,“ wiederholte Haldir. „Es war Glorfindel, der das Strumpfband befestigt hat. Ihr enttäuscht mich, meine Herren, indem Ihr versucht, mich zu hintergehen.“

„Aber ich kann es nicht tun!“ Erestor explodierte vor Emotionen. „Es ist nicht fair, uns einzuzsperren! Glorfindel hat nichts falsch gemacht, und Ihr solltet ihn gehen lassen!“

Haldir schüttelte den Kopf. „Er hat einen Fehler begangen, als er Eure Anweisungen ausgeführt hat, Lordkanzler.“

„Nun komm schon, Haldir!“ Glorfindel ging auf den Galadhel zu, den er schon seit Jahrzehnten kannte. „Da ist ein Fest im Gange, und ich verpasse es! Ich möchte Celeborns Wein probieren!“

Haldir war nicht beeindruckt. „Ihr wisst, was Ihr zu tun habt, Mylord. Und nun geht zurück in Euer Zimmer.“

Erestor warf Glorfindel einen von Panik erfüllten Blick zu. „Wir werden bis zur nächsten Yule-Feier dort festsitzen!“

„Nein, wir werden bis ans Ende von Arda dort sitzen!“ Glorfindel, an diesem Punkt nun schlecht gelaunt, marschierte zurück in den Raum.

„Lordkanzler, bitte folgt Lord Glorfindel hinein.“ Haldirs Züge blieben völlig ausdruckslos, aber in seiner Stimme war Fröhlichkeit zu hören.

Einen Moment später steckte Glorfindel noch einmal seinen Kopf heraus. „Haldir? Wäre es annehmbar, wenn Erestor und ich die Aufgaben tauschten? Würde es Dich besänftigen, wenn ich ihm das Strumpfband anziehe? Würdest Du uns dann gehen lassen?“

Schockiert wickelte Erestor seine Roben so fest um sich, wie er nur konnte. „Du wirst mich nicht anfassen!“ Der Gedanke an Glorfindels Hände, die an seinem Bein entlang und an seinem Oberschenkel entlang fuhren, erregte ihn. Errötend und mit einem beschämten Gesichtsausdruck rannte er zurück in den Raum, hoffte, seine Erregung und seine Verlegenheit vor den Anwesenden verbergen zu können.

Schliesslich erlaubte sich Haldir ein Grinsen. „Aye, das ist akzeptabel.“ Seine haselnussbraunen Augen zwinkerten schelmisch. „Das ist eine exzellente Idee, wenn ich das so sagen darf.“

„Gut, jetzt habe ich wenigstens eine Chance, dieses Zimmer verlassen zu können, bevor das Fest zu Ende ist,“ sagte Glorfindel selbstgefällig und zog die Tür hinter sich zu. Wie schwer konnte es sein, dieses Strumpfband an seinen Platz zu bekommen?

**********

„Denkst Du, er wird Erfolg haben?“ fragte Orophin, der bis jetzt still geblieben war, zufrieden damit, zu sehen und zu hören, was zwischen den drei Elfen vor sich ging.

„Glorfindel?“ Haldir wackelte zweideutig mit der einen Augenbraue. „Das hoffe ich.“

„Du hast auch diesen Blick gesehen, nicht wahr?“

„Die Blicke,“ entgegenete Haldir und betonte den Plural. „Die beiden Narren fühlen sich zueinander hingezogen.“

„Ich habe mich schon gewundert, warum Elrond so erpicht darauf war, dieser alten Tradition bis ins Kleinste zu folgen.“

„Du hast jetzt Deine Antwort, Orophin,“ sagte Haldir, ein weiteres Mal grinsend. „Wenn der Plan funktioniert, haben wir vielleicht bald eine weitere Hochzeit zu feiern.“

„Erestor und Glorfindel heiraten,“ sagte Orophin und lachte amüsiert. „Was einen zu der Frage bringt, wer wohl dann den Brautstrauss und wer das Strumpfband werfen wird.“

„Das werde nicht ich sein,“ antwortete Haldir, seine Augen blitzten voller Frohsinn. „Ich werde kein Pfand in Elronds kleinen Spielchen werden.“

„Und ich werde es auch nicht sein,“ stellte Orophin fest. „Und nun lass uns unseren Turteltauben weiter zuhören, wie sie schimpfen und toben.“