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Ein paar Stunden

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteLiebesgeschichte / P12 / MaleSlash
21.07.2019
21.07.2019
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„Alles in Ordnung, Sir?“  
Franks Mundwinkel zuckte. Nicht einmal hatte Meechum es im Dienst gewagt ihn anders anzusprechen als mit „Sir“, selbst nicht, wenn sie allein waren und es niemand hören konnte. Das sprach für die Professionalität des Secret Service Agenten. Den Respekt, den er Frank und seinem Amt als Präsident der Vereinigten Staaten entgegen brachte. Insgeheim aber wartete Francis Underwood nur auf einen Ausrutscher, einen winzigen Versprecher. Ein kleines „Frank“, dass dem schlanken Mann unbekümmert über die Lippen stolperte. Am liebsten wenn sie allein waren. Underwood wusste genau was er dann mit dem Jüngeren anstellte. Frank freute sich auf den erschrockenen Ausdruck, der im Moment des Erkennens seines Fehlers durch Edwards Gesicht huschen würde. Meechum könnte gar nicht anders, so sehr er seine Mimik während der Arbeitszeit auch unter Kontrolle hatte. Frank würde es erkennen. Er war vorbereitet. Und selbst wenn es jemand hörte war es Frank egal. Seine Replik hatte er sich längst zu recht gelegt. Ein kurzer strenger Tadel mit dem stillen Versprechen im Blick seinen Bodyguard dafür zu bestrafen. Was würde dann in Edwards Augen stehen? Vorfreude, wie sie Frank auf diesen Moment empfand? Ihm würde es Spaß machen Meechum leiden zu lassen. Nur ein wenig, zu mehr wäre er Edward gegenüber nicht fähig. War er nie gewesen und würde er auch nie sein.

Obwohl es ihn damals frustriert hatte, so kurzfristig einen neuen Personenschützer vor die Nase gesetzt zu bekommen, hatte ein Blick auf den Mann gereicht. Ein Blick und Frank hatte Meechum nicht nur akzeptiert, nein, er hatte ihn begehrt. Von Anfang an. Den dunkelhaarigen Mann, ein Stück größer als Frank. Formbar. Gutaussehend. Wenn er beschwipst war, würde Francis Underwood sogar soweit gehen und Edward als süß bezeichnen, niedlich wie ein Hundewelpe. Auch wenn Frank sich aus solcherlei Anhängsel nichts machte, hatte er sofort gewusst dass er diesen einen Menschen behalten wollte. Edward Meechum strahlte etwas aus, dass der damals noch Fraktionsführende nur von wenigen Menschen empfing. Der Anwesenheit anderer wurde Underwood schnell leid, nicht Meechums. Es war als würde dieser Mann genau dort hingehören wo er war, nirgendswo anders als an Frank Underwoods Seite.
 
Das gepanzerte Fahrzeug war zum Stehen gekommen. Edwards braune Augen betrachteten den Präsidenten mit einem Anflug von Besorgnis durch den Rückspiegel. Ob alles in Ordnung war? Frank konnte den lautstarken Pöbel hören, der hinter den verdunkelten Seitenfenstern auf dem Bürgersteig gegen ihn wetterte. Er war derlei Kritik gewohnt und nickte dem Jüngeren auf dem Fahrersitz zu. Solche Belange besprach Underwood sicher mit dem Secret Service Agenten, wenngleich Edward nicht irgendein Agent war.

„Alles bestens, Meechum. Ich habe ja Sie an meiner Seite“, betonte Frank. Zu einem deutlichen Lächeln ließ sich er aber nicht hinreißen. „Immer, Sir“, versicherte Meechum bevor er ausstieg um das dunkle Dienstfahrzeug zu umrunden und Franks Tür zu öffnen. Underwood trat neben seinem Beschützer ins Sonnenlicht, empfangen von vor wutschäumenden Plakaten und Parolen, wissend das nichts im Leben für immer war. Irgendwann würde der Pöbel verstummen, ein anderer Agent über ihn wachen, seine Amtszeit zu Ende gehen. Für immer war relativ. Es gab für Frank nur eine Ausnahme, egal wie weit er sich dafür seine Zukunft vorstellte. Claire kam immer darin vor. Ihre Ehe konnte nichts zerstören. Aufrütteln, erschüttern, ja, aber nicht zerstören. Dafür hatten sich ihrer beider Wurzeln zu tief in dem jeweils anderen vergraben. Sie heraus zu reißen käme ihrem Tod gleich. Sie konnten nicht ohne den anderen überleben.
 
Der Auftritt war kraftraubend gewesen. Die Kritiker unnachgiebig. Frank der ewigen Wiederholung seiner Worte für heute überdrüssig. Erschöpft schaute er aus dem Fenster. Entspannung, einen Moment lang nicht an Politik denken war alles was er wollte. „Ist meine Frau schon zurück?“ Claire konnte ihn auf andere Gedanken bringen. „Ich werde nachfragen.“-„Nein, schon gut. Ich rufe sie selbst an. Danke Meechum.“
Frank zog das Telefon aus seinem Jackett und musste nicht lange warten bis seine Frau das Gespräch annahm.
„Das nennt man Gedankenübertragung. Ich wollte dich auch gerade anrufen. Wie ist es gelaufen?“ Claire klang ein wenig gestresst. Wahrscheinlich hatte sie die Ablenkung genauso nötig wie er.
„Anstrengend, ob es die Mühe wert war wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Bist du schon wieder in Washington?“
„Nein, ich brauche hier noch etwas mehr Zeit.“ Das hatte er ihr bereits anhören können.
„Wie lange?“
„Ich hoffe, ich kann sie kann morgen Nachmittag schon überzeugen.“
Seine Frau würde zurückkommen wenn er es sie darum bat. So schlecht ging es ihm aber nicht um ihr diesen Gefallen abzuverlangen und sie ihre Arbeit vernachlässigen zu lassen.
„Nachmittags, dann sehen wir uns gar nicht bevor ich nach New York muss. Wer richtet mir die Fliege wenn du nicht da bist?“
„Ich bin sicher da wird sich schon jemand finden.“
Frank konnte Claires breites Lächeln in ihren Worten hören und sein Blick fand die Person auf die seine Frau anspielte. Völlig entspannt lenkte Meechum das unauffällige dunkle gepanzerte Fahrzeug, in das sie nach dem öffentlichen Termin gewechselt waren, durch den Verkehr. Frank erwiderte nichts, gab seinem Geist die Zeit zu wandern. Claire stand ihm diese Minuten des Schweigens zu bevor sie entschied das es genug waren. „Es ist schon eine Weile her“, erinnerte Claire ihn.
Frank lehnte sich zurück und betrachtete Meechums Profil. Dieser Mann war zutiefst loyal, verschwiegen und respektierte Franks Amt im höchsten Maße. Eigenschaften, die Frank sehr achtete. Zudem war Edward die eine Person neben seiner Ehefrau in dessen Nähe er ganz er selbst sein konnte und Claire hieß die Vertrautheit zwischen Frank und Edward nicht nur gut, sie hatte es kommen sehen und mit geschaffen. Am Abend des kaputten Weinglases an dem sich Meechum in die Hand schnitt.
Frank mochte die Hände des Secret Service Agenten. Oft schon hatte er von der Rückbank seines Dienstwagens beobachtet wie Meechum mit seinen schlanken Finger über das Lenkrad strich. Sanft und fest zu packend zugleich. Zu wissen wie sich diese Berührung auf seinem eigenen Körper anfühlte erfüllte Frank mit tiefer Zufriedenheit. Nach der Zeit mit seinem alten Freund Tim auf dem College hatte er nie wieder dermaßen für einen Mann empfunden. Was hatte Claire getan? Mit wenigen Worten Erinnerungen geweckt und Platz für neue angedeutet.
„Viel zu lange.“ Die langen schlanken Finger, die hohen Wangenknochen. Edwards dunkle Augen begegneten seinen im Rückspiegel an einer roten Ampel als spürte der Agent es wenn Frank ihn musterte. „Ich wünsche dir einen schönen Abend“, gluckste Claire. Francis Underwood hatte ein kleines Biest geheiratet. „Ich liebe dich“, verabschiedete er sich. Mit einem zufriedenen Grinsen starrte er auf den dunkelbehaarten Hinterkopf seines Fahrers. Öfter als nötig blickte Meechum den Rest der Fahrt in den Rückspiegel. Es gefiel Frank den Jüngeren nervös zu machen.

Underwood überlegte den Rest der Fahrt wie er es anstellen sollte den Abend so ausklingen zu lassen wie er es wollte. Im Weißen Haus herrschte heute reges Treiben. Dort waren viel zu viele Menschen, die sicher alle irgendetwas von ihm wollten. Nach einem Außentermin lauerten sie stets auf seine Rückkehr. Sollten sie doch warten, dachte Frank. Sein Wunsch ließ sich vielleicht auch anders erfüllen. „Meechum, fahren Sie bitte rechts ab.“
„Sir?“ Es war beeindruckend auf wie viele verschiedene Arten dieser Mann das kurze Wort aussprechen konnte. Stets respektvoll fanden sich feine Nuancen, die Frank gelernt hatte raus zuhören. Streng, fordernd, zustimmend, drängend, fragend. Dieses Mal klang es skeptisch. Frank hatte keine Lust auf Erklärungen, war er sich selbst nicht sicher wie es am Zielort weiter gehen sollte.

„Tun Sie es einfach“, grummelte er ungeduldig, weil der Wagen nur langsam vorwärts rollte. Dabei setzte er sich selbst mit dieser kurzfristigen Entscheidung unter Druck.
„Die Ampel weiter vorne ist rot, Sir“ Meechum ließ Franks Laune an sich abprallen und blieb ruhig, „Sie wollen nicht ins Weiße Haus?“ Warum hatte Claire ihm diesen Floh ins Ohr gesetzt? Weil sie Frank angehört hatte, dass er sie heute Abend brauchte? Sie ihm wegen ihrer Abwesenheit eine andere Option aufzeigte? „Nicht sofort, nein. Die nächste Links und wieder rechts.“ - „Ja, Sir“ Der Widerstand in Edwards Stimme sank. Er war noch immer nicht einverstanden, tat aber wie ihm geheißen und brauchte keine weiteren Instruktionen mehr um Franks Ziel zu finden.

Der alte Underwood Wohnsitz lag dunkel und verlassen vor ihnen. Frank war nicht mehr hier gewesen, seit er und Claire ins Weiße Haus gezogen waren. „Haben Sie einen Schlüssel dabei?“ - „Natürlich nicht. Es war ein spontaner Einfall. Ich bin sicher Sie bringen mich auch ohne meinen Schlüssel in das Haus.“ Frank wusste nicht genau ob noch alle Sicherheitsmaßnahmen, die nach seiner Ernennung zum Vizepräsidenten nachgerüstet worden waren, aktiv waren. Und wenn schon, Meechum kannte alle Codes zum deaktivieren des Alarms. Er musste nur schnell genug sein.  „Sie zögern Meechum. Wo liegt das Problem? Bei Ihrem Gewissen? Ich habe Ihnen die Erlaubnis gegeben bei mir einzubrechen.“ - „Ich bin für Ihre Sicherheit zuständig, Sir. In jeder Sekunde.“
Frank verstand und verschränkte die Arme. Edward konnte den Präsidenten nicht alleine im Fahrzeug zurück lassen um in ein Haus einzubrechen.  „Ich kann Sie begleiten, wenn Ihnen das lieber ist.“
„Das ist mit Verlaub eine absurde Idee, Sir“, die Worte waren ihm sichtlich schwer gefallen. Er kritisierte seinen Vorgesetzten sonst nie.
„Ach wirklich?“
„Ich kann Ihre Sicherheit nicht gewährleisten. Die Mauer ist zu hoch.“
„Sie klettern über meine Mauer?“ unterbrach Frank, „Diese Mauer?“, zeigte er auf die gegenüberliegende Seite auf sein Grundstück. Das wollte Frank sehen.
„Das wäre der einfachste Weg“
„Ich warte im Wagen“, grinste Frank entschlossen. Von hier aus hatte er gute Sicht. Nichts würde ihm entgehen.
„Sir“, protestierte Meechum.
„Ich sitze in einem gepanzerten Auto, keiner weiß dass ich hier bin. Sie werden wohl über eine Mauer klettern und mich ins Haus holen können während ich hier warte.“
Meechum hatte die Mauer angestarrt und das Lenkrad fester umfasst. Er mahlte mit den Zähnen und schaute über seine verspannten Schultern zu Frank. Der Secret Service Agent wollte seinem Präsidenten diesen Wunsch abschlagen. Frank konnte es ihm ansehen bevor Meechum auch nur ansetzte den Mund zu öffnen.
„Das ist ein Befehl“, mit diesen vier ruhig ausgesprochenen Worten nahm er dem Jüngeren allen Wind aus den Segeln. Edwards Schultern sanken und sein Kopf stieß einmal gegen die Kopfstütze. Der Widerwille, die Wut, die Verzweiflung, die Hilflosigkeit waren greifbar. Frank suhlte sich mit einem schiefen Grinsen darin und saugte sie ins sich auf. Dieser Abend war bis hierhin amüsanter als er sich hätte träumen lassen. Seine Laune besserte sich, doch sie hielt leider nicht lange an.
Franks Plan war aufgrund der Spontanität nicht durchdacht. Es ärgerte ihn innerlich, aber er konnte noch das Beste daraus machen. Immerhin waren sie beide allein im Haus der Underwoods, auch wenn es alles andere als einladend wirkte. Die meisten Möbel waren zum Schutz vor Staub mit großen Tüchern abgedeckt. Die Luft stickig. Meechum bewegte sich leicht angespannt. Er hatte Frank bestätigt, dass sie sicher waren. Warum war der Secret Service Agent dann so unentspannt? Franks Erfolgsaussichten sanken egal wie sehr er grübelte und bevor eine Lösung fand wurde er jäh unterbrochen. Sein Handy klingelte und kündigte ein Gespräch mit Seth an. Unangenehm ahnte Frank und er nahm es leicht gereizt an.
„Seth“, grummelte Underwood in das kleine Gerät.
„Frank, Sie fahren in der Gegend herum?“ Seth kam stets ohne Umschweife auf den Punkt. Das machte ihn so effizient. Franks Blick fiel auf Meechum, der Bastard stand steif in seinem Wohnzimmer und hatte gewusst, dass das passieren würde. Frank selbst hätte es wissen müssen. Er war der verdammte Präsident.
„Wo stecken Sie? Wenn man Sie unterwegs sieht, Bilder gemacht werden. Wie lauten Überschriften? Ich muss dazu Stellung beziehen können.“
Frank verließ den Raum. „Beruhigen Sie sich, Seth. Dazu wird es nicht kommen.“
„Der Secret Service läuft herum wie ein aufgescheuchtes Huhn. Wann sind Sie wieder hier?“
„Ich weiß nicht genau, warum?“
„Das kann ich denen doch so nicht verkaufen. Sie müssen sofort zurück kommen. Zudem wollte ich heute noch mit Ihnen die Lagebesprechung für New York durchgehen.“
„Hat das nicht bis morgen Zeit?“
„Natürlich.“

Frank verharrte einen Moment und klopfte mit dem Telefon auf seine Handfläche. Meechums Schritte hinter ihm stoppten. Immer den korrekten Abstand einhaltend. Frank drehte sich zu seinem Bodyguard um und verringerte den Abstand dadurch etwas.
„Sie haben das weiße Haus kontaktiert?“ Wie konnte Frank es nicht bemerkt haben? Weil er zu sehr mit sich selbst und seiner fixen Idee beschäftigt gewesen war.
„Das musste ich. Wir haben die geplante Route verlassen.“
„Die wissen wo wir sind?“ Nur weil Seth es nicht wusste galt das nicht auch für den Secret Service.
„Ich habe das GPS deaktiviert.“ Auch daran hatte Frank nicht gedacht. Jeder seiner Schritte wurde überwacht. Er hätte daran denken müssen. „Ich bringe Sie mit diesem Ausflug in Schwierigkeiten“, stellte Frank fest.
„Sir.“ Bestätigung. Frank konnte seinem Personenschützer nicht einmal mehr böse sein. Ihm fiel auf, dass Meechum den Kopfhörer aus seinem Ohr gezogen hatte. Locker baumelte er davor. „Kontaktiert man Sie?“, zeigte Frank auf Edwards Ohr.
„Minütlich, Sir. Ich antworte nicht, aber sie werden uns in etwa 5 Minuten gefunden haben“, wies Meechum auf das Handy in Franks Hand. Natürlich, der Anruf von Seth. Sie verfolgten ihn zurück und standen gleich reihenweise vor seiner Tür. Diesen Abend hatte er sich wirklich anders vorgestellt. Resigniert erlaubte er Meechum seinen Job zu machen, „Geben Sie Entwarnung und lassen Sie uns fahren“, seufzte Frank und folgte Meechum aus dem Haus.

Schweigend kehrten sie ins Weiße Haus zurück. Als Meechum ihm die Wagentür aufhielt versuchte Frank in den braunen Augen zu lesen. Was hielt der Mann von seiner Aktion? Hatte er Franks Absichten durchschaut? Was ging in Meechum vor? Da war nichts. Unglaublich wie dieser Kerl seine Emotionen in sich verschließen konnte. Hätte Frank nicht schon die andere Seite von Edward kennengelernt, er würde glauben der Mann wäre zu nichts anderem fähig. Ein nichts fühlender Schatten.
Meechum folgte Frank aber nicht wie üblich zu seinen Wohnräumen, sondern bog ein paar Flure vorher ab. Ein anderer Secret Service Agent, der wie eine Statue an der Wand gestanden hatte, nahm automatisch seinen Platz ein. Normalerweise hatte Frank damit kein Problem. Normalerweise. Der heutige Abend war nicht normal.
„Wo wollen Sie hin?“, stoppten Franks Worte Meechum. Er hatte heute etwas anderes mit dem Jüngeren vorgehabt. War auf ganzer Linie gescheitert und wollte zumindest in Erfahrung bringen, ob er erfolgreich gewesen wäre, wenn… Verdammt, Claire. Frank hatte monatelang vor lauter Arbeit keinen einzigen Gedanken an dieses Vergnügen verschwendet. Sie hatte mal wieder vor ihm gewusst was er insgeheim wollte.
„Ich muss mich den Fragen des Secret Service stellen.“
„Jetzt?“
„Unverzüglich, Sir.“
„Sie haben auf meinen Befehl hin gehandelt, sollten Sie Schwierigkeiten bekommen soll man sich direkt an mich wenden.“
Meechum nickte und wandte sich zum Gehen. Kaum war Edward aus der Tür wies Frank den anderen Agenten an zu warten.
„Meechum“, rief Frank. Der Agent erschien zwischen den Türpfosten, stumm auf weitere Worte wartend, „finden Sie einen Weg wie ich in Zukunft das Weiße Haus verlassen kann ohne dieses ganze Drama drumherum.“, zischte Frank leise.

*

Frank hatte die Gedanken an den verkorksten Abend weit von sich geschoben. Eine Wahl hatte er nicht gehabt. Die globalen und nationalen Ereignisse überschlugen sich und ließen keinen Platz für eigene Belange. Erst als die Lage sich beruhigte schlich sich der Wunsch nach einer Auszeit in den Vordergrund. Claire war einverstanden auch wenn sie in ihrer Position als Botschafterin nicht die Zeit hatte ihn zu begleiten. Er würde ja nicht allein fahren, hatte sie zwinkernd hinzu gefügt.

„Haben Sie einen Weg gefunden?“, erkundigte sich Frank leise ein paar Wochen später bei Meechum als er die Außenministerin aus dem Ovaloffice begleitete.
„Sir?“, blieb Meechum stehen.
„Der Ausflug.“ Niemand konnte dem Präsidenten verbieten einen Tag frei zu nehmen. Aber was es für ein Aufwand war. Seth hatte Fragen gestellt. Wieso. Weshalb. Warum. Frank hatte alle nachvollziehbar beantworten können. Seth und Remy sogar den geeignetsten Tag auswählen lassen.
„Natürlich, Sir. Sie sagen mir wann und wohin. Und wir können los.“
„Das hört sich fantastisch an.“, zuckten Franks Mundwinkel nach oben. Meechum nickte und verließ das Ovaloffice. Das war das Beste, das Frank am heutigen Tag gehört hatte.

*

Francis Underwood hatte Seth und Remy versprochen auf dem Weg zu seinen erholsamen Stunden zu arbeiten. Zwischendurch hatte er zwar mal von den Papieren aufgesehen, im Grunde aber kaum etwas von der Fahrt ins Grüne mitbekommen. Deshalb war er verwirrt als er am vermeintlichen Ziel aus dem Auto stieg und sich umsah. „Wo sind wir?“ Enttäuschung machte sich breit. Es sah alles ganz anders aus als in seiner Erinnerung. „Hier wollte ich nicht hin.“
„Hier ist es sicher“, kam es beiläufig von Meechum, der den Kofferraum öffnete. Frank verschränkte die Arme vor der Brust. Was bedeutete das? „Wie sicher?“
„Falls uns etwas zustößt wird man uns nie finden sicher.“ In Edwards Seitenblick funkelte es. Frank zog fragend die Augenbraue hoch. Der Jüngere stellte die schwere Reisetasche, die er aus dem Kofferraum gehievt hatte, neben sich auf den Boden. Er breitete die Arme aus, drehte sich im Kreis und rief aus voller Kehle: „Ich, Edward Meechum, im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte werde gleich mit den Präsidenten der vereinigten Staaten…“ Franks Brustkorb bebte vor Lachen. Vögeln, hörte er Meechum mit seinem inneren Ohr sagen. Edward ließ das Satzende in der Luft hängen als wüsste er selbst nicht welches Wort er hatte sagen wollen. Die Arme noch ausgebreitet, fror das Lächeln auf seinen Lippen ein. Frank trat auf ihn zu, Edwards Blick in seinem gefangen haltend und blieb Fuß an Fuß vor ihm stehen. Edward lächelte. Ihre Zeit hatte begonnen.
„Ich bin noch nicht überzeugt. Sag es.“ Den Nacken leicht gestreckt spürte Frank Edwards warmen Atem auf seinem Gesicht. „Angeln“, hauchte Meechum an Franks Lippen bevor sich ihre Münder trafen. Frank grinste zufrieden in den noch vorsichtigen Kuss. Er konnte es kaum erwarten seine Rute auszupacken.

Franks Kopf lehnte an Edwards Brust, dessen Arm um seine gelegt war. Sie sprachen schon seit einer Weile nicht. Frank genoss einfach nur die Nähe des Jüngeren in mitten der Natur. Er war dankbar, dass Meechum das Reiseziel auf eigene Faust geändert hatte. Ein wunderschönes Fleckchen, es würde Claire auch gefallen. „Eddie“, Frank drehte sich etwas zur Seite um Edwards Gesicht sehen zu können. Der Agent brummte leise und schielte unter seiner Sonnenbrille auf Frank. „Hat da was angebissen?“, zeigte Frank auf die Angeln, die sie nicht weit entfernt am Ufer aufgestellt hatten. „Nein“, log Edward grinsend nach einem prüfenden Blick. „Ich bin mir sicher, dass einer am Hacken hängt.“, machte Frank Anstalten aufzustehen. Edward übte sanften Druck mit seinem Arm auf Franks Brust aus und hielt ihn wo er war, den Stoff des Shirts zwischen seinen Fingern. „Ich komme wieder“, versprach Frank. Edward blieb zurück und beobachtete Frank. Kopfschüttelnd mit einem Grinsen auf den Lippen lief der Präsident der vereinigten Staaten zu seiner Angel. Es war als hätte Edward all seine bisherigen Gefühle in sich gesammelt um sie zu diesem Zeitpunkt heraus zu lassen. „Reicht nicht mal für das Abendessen“, betrachtete Frank seinen enttäuschenden Fang und bat Meechum ein Foto für Claire zu schießen bevor er den Fisch wieder ins Wasser gleiten ließ.

Frank beobachtete etwas, dass er sonst nicht sah, weil sich die Gelegenheit nie bot. Sein Buch zur Seite gelegt kostete er jede Sekunde aus. Jeden Zentimeter musterte er. Edward schlief, so entspannt, so friedlich. Frank hatte seinerseits Mühe seine Lider geöffnet zu halten. Er war nicht müde. Es war die Ruhe, der Ausblick auf die sich gleichmäßig hebende Brust. Noch eine Stunde. Eine Stunde und aus Frank wurde „Sir“, aus Eddie wurde wieder „Meechum“. Edward rieb sich die Augen. „Ich bin eingeschlafen.“-„Bist du.“ Frank hasste das aufkeimende Gefühl von Distanz, das sich mit jeder Minute die verging weiter in ihm aufbaute. Edward fischte nach seiner Uhr und brummte missmutig, die Hände vor sein Gesicht haltend. Nein, er klang aufgebracht. „Warum?“, raunte Eddie nörgelnd. Ja, Frank hatte ihn wecken wollen. Mehrmals sogar. „Es sah süß aus. Ich konnte gar nicht aufhören dir zu zu sehen.“, witzelte Frank, obwohl er es durchaus ernst meinte. Was aber nicht ging. Ernst war nicht gut, für keinen von ihnen. Edward atmete frustriert durch. Ändern konnte der Agent sowieso nichts mehr daran die kostbare Zeit verschlafen zu haben.

Frank lehnte am Wagen und genoss die letzten Sonnenstrahlen in Freiheit auf seinem Gesicht. Denn genau das waren diese Stunden gewesen. Absolute Freiheit. Keine Zwänge, keine Pflichten.
Meechum schlug den Kofferraum zu. Er stand schon wieder viel zu weit weg. Secret Service weit weg. Frank schloss die Augen. Er wollte die Verwandlung nicht sehen auch wenn sie längst vollzogen war. „Wir müssen los.“, kündigte Meechum das offizielle Ende ihrer Zeit an. Zurück in den goldenen Käfig. Frank beschwerte sich nicht. Er hatte diesen Käfig gewählt, sein Leben lang darauf hingearbeitet darin zu sitzen.
„Nach meiner Uhr haben wir noch drei Minuten.“ Drei Minuten Freiheit, die würde er auskosten. Frank schloss seine Augen wieder. Die Sonnenstrahlen tanzten warm auf seiner Haut. „Sir.“ Ein drängendes Sir. Meechums Armbanduhr musste vorgehen. Frank würde ihm zum Geburtstag eine neue schenken.
„Noch zwei Minuten. Die kannst du entweder damit verbringen mich zu küssen oder du setzt dich hinters Steuer und wartest.“ Frank hatte mit Absicht seine autoritäre Stimme gewählt. Zwei Minuten erschienen kurz, aber es waren seine und die ließ er sich nicht von seinem ungeduldigen Gegenüber streitig machen.
Meechum nahm die Sonnenbrille ab. Entschlossen machte er zwei Schritte auf Frank zu, durchbohrte ihn mit seinem Blick. Edward hatte bereits mit diesem Ort und ihrer Zeit abgeschlossen. Es fiel Frank auch nicht leicht, aber sie hatten es vorher gewusst. Es gab keinen anderen Weg.
Edward legte mit geschlossen Augen seine Stirn gegen Franks. Frank ließ es geschehen. Er wusste es waren die letzten Sekunden der Nähe die Meechum sich eingestand und viel länger dauerte es nicht. Der Agent trat zurück und räusperte. „Mr. Präsident, es wird Zeit.“
„Natürlich“, trat Frank zur Seite und ließ Meechum seine Arbeit machen. Der Jüngere öffnete ihm die Wagentür. Auf der Rückbank warteten die Papiere von Seth darauf noch einmal durchgesehen zu werden. Frank konnte nicht glauben, dass es nur ein paar Stunden waren seit er die Arbeit hier zurück gelassen hatte.

Es war kurz vor Mitternacht. Frank hatte sich erst vor kurzem in den Wohnbereich im Weißen Haus zurückgezogen. Seine Reisetasche stand unangetastet in seinem Schlafzimmer. Es war noch derselbe Tag. Vor drei Stunden war er mit dieser Tasche von seinem freien Tag heimgekehrt. Drei Stunden, die Frank wie eine Ewigkeit vorkamen. Er war sofort nach seiner Rückkehr belagert worden von Seth, musste unzählige Telefonate führen und hatte diese Tasche bis eben vergessen. Der ganze Tag am See schien wie eine Seifenblase davon geschwebt zu sein. Mit einem Ratschen öffnete er den Reißverschluss. Das Cover des Buches welches er versucht hatte zu lesen sprang ihm entgegen. Frank nahm es in die Hand, verließ sein Schlafzimmer und setzte sich auf die Couch. Von der Stelle in der das Lesezeichen steckte musste er einige Seiten zurückblättern um seine Erinnerung aufzufrischen. War er so abgelenkt gewesen? Lächelnd wanderten seine Gedanken von den Buchstaben vor ihm zurück an den See bis ihn Claires heimkommen zurück in die Realität holte.
„Ihr wart angeln?“, setzte sich Claire neben ihn auf die Couch, zog ihre Schuhe aus und rieb sich die Wade. Ihr Tag war lang und anstrengend gewesen. Ihre Augen klein vor Erschöpfung. Frank legte sein Buch, in dem er immer noch nicht weitergekommen war, auf den Tisch vor ihnen und nahm die Brille ab. „Edward kennt einen fantastischen See in der Einöde, alles naturbelassen. Wir sollten mal zusammen hin. Es würde dir gefallen.“
„Klingt toll.“
„Hier sie dir das an.“ Frank zeigte ihr ein Foto auf seinem Handy, das Meechum von Frank und seinem Fang gemacht hatte. „Ich habe ihn wieder zurückgeworfen.“
„Du siehst so entspannt auf dem Bild aus.“, gähnte Claire, „Also hattet ihr Spaß?“
„Möchtest du Details?“
„Ein anderes Mal vielleicht. Ich bin erschöpft und will nur noch schlafen.“
„Soll ich mitkommen?“
Claire stutzte. Sie setzte sich auf und wurde ernst. „Francis, sag mir bitte nicht, dass ihr nur geangelt habt.“
„Ich dachte du wolltest keine Details.“ Frank stand auf und hielt ihr die Hand hin. „Komm ich bringe dich ins Bett und erzähle dir eine Gute Nacht Geschichte von zwei Anglern am See.“
Claire legte ihre Hand in seine. „Ich kann es kaum erwarten.“
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