Von Helden und Monstern

von binuclear
GeschichteRomanze / P16
OC (Own Character)
20.07.2019
05.09.2019
10
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Schneller als erwartet konnte Ishiko ihren Wissensdurst stillen, da sie Schlüssel klappern hörte, was ihr signalisierte das ihre Mutter zurück war.
„Ishiko?“ Drang es aus dem Flur zu ihr hinüber, weshalb die dunkelhaarige sich voller Tatendrang auf den Weg machte. „Was machst du denn schon zu Hause? Ist etwas passiert?“ Kam die besorgte Frage ihrer Mutter, die sofort stoppte als sie ihre Tochter erblickte.
„Kannst du mir das erklären?“ Fragte Ishiko mit noch neutraler Stimme und hielt ihrer Mutter den Brief demonstrativ empor.
„Woher?“ Kam die sofortige Reaktion, die schuldbewusster nicht sein konnte.
Ihre Mutter war vieles, aber nicht gerade eine gute Lügnerin. „Hast du in meinen Sachen gewühlt?“
„Woher ist doch irrelevant! Sag mir, warum du ihn geöffnet hast und warum du ihn ganz offensichtlich vor mir verstecken wolltest?“
„Wieso?“ Lächelte ihre Mutter, kam einen Schritt näher und wirkte plötzlich so, als sähe sie die Sache nicht mehr ganz so Wild. „Ishiko. Ich öffne die Post deines Großvaters schon seit langen. Für gewöhnlich schickt er auch nur eine Geburtstagskarte.“
Ishiko war fassungslos über die Gelassenheit ihrer Mutter, die ihr gerade berichtete, das sie schon immer ihre Post öffnete und ihr vermutlich nur das ausgesonderte übergab.
„Das ist aber keine Karte!“ Wurde ihre Stimme demnach lauter und hielt den Brief nun deutlich in die Höhe. „Da du ja ganz offensichtlich bestens informiert bist, kannst du mir vielleicht auch sagen, was das soll?“
„Ishiko!“ Tadelte ihre Mutter sie kurz, wurde aber sofort wieder ruhig. „Was soll das schon sein. Dein Großvater war schon immer ein wenig sonderbar.“
„Oh dann findest du es also nicht auffällig, das er mir plötzlich sein Dojo vermacht?“
„Warum nicht? Du wirst bald 18 Jahre alt.“
„Aber?“ Fragte Ishiko noch immer geschockt und brachte gerade nicht mehr hervor.
„Freu dich doch. Ich weiß zwar nicht wie es dort mittlerweile aussieht, aber alleine das Grundstück dürfte einiges Wert sein.“
„Was?“ Stockte der dunkelhaarigen der Atem, während ihre Mutter lächelnd an ihr vorbei in Richtung Küche ging.

Das konnte doch nicht wahr sein?
Nicht nur das ihre Mutter ihre Post las, nun wollte sie auch Opas Dojo verschachern.
Ishiko wusste das ihre Mutter nie viel mit dem Lebensstiel ihres Mannes anfangen konnte, aber das sie so darüber dachte, ging ihr zu weit.
„Wie wäre es mit gegrillten Fisch zum Abendessen?“ Drang die Stimme ihre Mutter wieder zu ihr durch, worauf Ishiko einen Entschluss faste.
Sie würde herausfinden, was das alles zu bedeuten hatte.

Ohne Antwort ging sie demnach in ihr Zimmer, schloss die Tür und packte ohne lange zu überlegen einige Sachen in eine kleine Tasche. Keine zehn Minuten später, hatte sie sich umgezogen und war fertig aufzubrechen, als sie zuletzt den Brief verstaute. Den Schlüssel hing sie sich unterdessen um den Hals, da sie ihn auf keinen Fall verlieren wollte. Danach suchte sie ihre Mutter auf, die wie erwarten, in der Küche stand.
„Mama ich...“
„Kannst du mir mal den Reis geben!“ Wurde sie von ihrer Mutter unterbrochen, die ihr mit dem Rücken gegenüberstand.
„Du brauchst mich nicht mit einzuplanen Mama...“
„Ach ja!“ Schmunzelte die Frau und wand sich nun doch ihrer Tochter zu, worauf sie wie erwarten sofort stockte. „Ishiko?“
„Ich geh Opa suchen. Ich werde also einige Zeit nicht da sein.“
„Was? Aber...“ Stammelte ihre Mutter, während die dunkelhaarige sich bereits zur Tür begab. „Du kannst doch nicht ganz alleine.... und so plötzlich... Ishiko!“ Wurde sie immer hastiger.
„Ich kann nicht herumsitzen, während da ganz offensichtlich was nicht mit Opa stimmt.“
„Aber was soll da nicht stimmen? Er...“
„Mein Entschluss steht fest. Ich pass schon auf mich auf. Du brauchst dir also keine Sorgen machen.“ Mehr sagte die junge Frau nicht, die Mühe hatte ihre Mutter aufmunternd entgegen zulächeln. Zu fest war ihr Entschluss und so fand sie sich bereits auf der Straße Richtung Bahnhof, während ihre Mutter weiterhin vergeblich versuchte sie aufzuhalten.


Schneller als erwartet, saß Ishiko im Schnellzug nach Z Stadt und ging ihren Plan erneut durch.
Den Gedanken, dass sie tatsächlich voreilig gehandelt hatte, kam ihr immer mal wieder, aber für einen Rückzieher war es längst zu spät.
Mit Sicherheit würde sich das ganze auch einfach erklären können, aber dafür musste sie erst einmal ins Dojo.

Nach einer gefühlten Weltreise, kam Ishiko am Hauptbahnhof in Z Stadt an und musste sich sofort eingestehen, das sie die Größe dieser Stadt falsch in Erinnerung hatte. Unzählige Leute tummelten sich auf den Bahnsteigen, worauf sie sich beinahe wie ein Landei vorkam.
Da sie allerdings nicht viel Zeit verlieren wollte und es hier ohnehin nichts gab, was ihre Aufmerksamkeit wert war, suchte sie sich ein Taxi und gab dem Fahrer die Adresse durch.
Auch diese Fahrt verlief für Ishikos Geschmack viel zu lange, was sich besonders in der untergehenden Sonne zeigte. Ihr Ziel bereits vor Augen, war sie dennoch nicht angekommen, da sie immer noch die zahlreichen Stufen erklimmen musste, welche hinauf ins Dojo führten.
Warum es gerade ganz oben auf diesem Berg liegen musste, hatte sie sich früher schon immer gefragt.
Ihr Opa hatte es immer, als eine Art Hürde symbolisiert, die man auf dem Weg zu wahrere Stärke überwinden musste. Aber vermutlich wollte er so nur lästige Vertreter abschrecken.
Schwer atmend, verfluchte sie sich für ihre in der letzten Zeit schwächer gewordene Kondition und war mehr als Glücklich, als sie die letzten Stufen hinter sich gebracht hatte. Nun lag vor ihr das immer noch imposante Tor das, wie sie sofort erkannte fest verschlossen war. Sie hatte es zwar nie als stetig geöffnet in Erinnerung, aber nun war es mit einem schweren Schloss versehen. Generell wirkte dieser Ort recht vereinsamt, was sie bereits an den durch Steinchen verdreckten Stufen erkennen konnte.
Hier stimmte eindeutig etwas nicht.
Das Dojo war, so weit sie sich erinnern konnte immer ein recht belebter Ort. Man konnte immer einen von Bangs Schüler antreffen, die mit ihrem Training oder Pflichten gut ausgelastet waren.
Kurz versuchte Ishiko die Tür aufzudrücken, was sich schnell als vergebens herausstellte. Dabei kam ihr der Schlüssel in den Sinn. Schnell hatte sie ihn hervorgezogen und wie zu erwarten passte er in das neu angebrachte Schloss.

„Hallo! Opa?“ Sprach Ishiko noch recht zurückhaltend, als sie eintrat und einen verlassenen Ort vorfand.
Mit jedem Schritt den Ishiko weiter fortsetzte, zeigte sich immer deutlicher das Bild, das hier niemand mehr lebte. Der Hof war auch hier nicht wie erwartet von Steinen und Sand befreit und selbst sämtliche Fenster des Haupthauses waren fest verschlossen. „Hallo!“ Rief sie nun lauter und machte sich ungehindert weiter auf den Weg in das Herzstück. Innerlich hoffte sie immer noch, dass sie hier jemanden antreffen würde, auch wenn sie im Grunde bestätigt bekam, das ihr Plan ein schnelles Ende gefunden hatte.
„Hallo! Ist hier jemand?“ Rief sie erneut, als sie durch die Gänge ging, vorbei an den Unterkünften der Schüler. Noch immer hingen an den Türen die kleinen Holzschilder, auf denen die Namen der Bewohner standen, auch wenn sie ihr fremd waren.
Ishiko war hier aufgewachsen und kannte demnach sämtliche Schüler. Hier wurde ihr jedoch zum ersten Mal schmerzlich Bewusst, das sie im Laufe der Jahre viel verpasst hatte.
Woher auch?
Sie war nicht mehr teil dieser Welt, die sich in ihrer Abwesenheit drastisch gewandelt hatte.
Wie von alleine ging sie den Gang weiter, bis sie vor einer Tür stand, die sie nach all der Zeit aber immer noch im Dunkeln finden würde. Ein kleines Lächeln schlich sich in ihr Gesicht, das aber sofort verblasste. Jemand hatte den Namen auf dem Holzschild schier in rasender Wut bis zur Unkenntlichkeit herausgeschnitten.
Noch eine Frage, die sie beantwortet haben wollte.
Vorsichtig die Tür öffnend, sah sie in eine schlichte Unterkunft, die verlassen keinen Anhaltspunkt auf einen Bewohner machte.
„Verflucht!“ Flüsterte Ishiko, eher sie bei ihrer weiteren Suche das Tempo erhöhte. Demnach schnell stand sie vor einer weiteren Tür, welche sie aufzog und wie erwartet auch hier niemanden vorfand.
Hier war das Arbeitszimmer ihren Opas und wenn, dann konnte sie nur hier einen Anhaltspunkt finden.

Bei dem Chaos, das hier herrschte, könnte das allerdings etwas dauern.
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