Das Lied des Krämerlings

KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P12 Slash
20.07.2019
04.08.2019
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*Klack*

Der volle Mond schien blass über Ketterdam, sein Schein verdeckt von den wabernden Nebelschwaden, die aus den dreckigen Kanälen aufstiegen.

*Klack*

Zu so später Stunde wagten sich nur wenige Menschen auf die Straße und denen, die es dennoch taten, sollte man tunlichst aus dem Weg gehen.

*Klack*

Selbst in den besseren Vierteln der Stadt, fernab der Häfen, an denen die Touristen in die Spiellokale der verschieden Gangs gelockt wurden, war keine Menschenseele zu sehen.

*KLACK*

Das Geräusch wirkte fehl am Platz, als es durch die Nachtluft hallte und das kleine Steinchen von der Scheibe abprallte, bevor es leise ins Gras vor dem Haus fiel.

Ein Schatten erschien hinter der Scheibe, die im schwachen Licht milchig schimmerte. Er trat nahe ans Fenster, um einen Blick in die Nacht hinaus zu werfen und verschwand kurz darauf wieder. Einen Moment später wurde der Raum von einem schwachen, gelblich-warmen Licht erhellt. Wieder erschien der Schatten im Fenster, war nun deutlicher zu erkennen. Die lockigen Haare waren auf einer Seite vom Schlaf plattgedrückt und auch die Bewegungen wirkten noch etwas schläfrig, als er das Fenster hochschob und den Kopf herausstreckte.
„Du hast einen Schlüssel, Jesper!“
Die Stimme des Jungens hallte durch die Gasse, obwohl er versuchte, sie gesenkt zu halten, aus Rücksicht auf die Nachbarschaft.
„Und weißt du überhaupt, wie spät es ist? Es ist mitten in der Nacht, also warum kommst du nicht einfach rein?“
Auf Jespers Gesicht erschien ein breites Lächeln.
Er war nur als schlanker Schemen zu erkennen, denn seine dunkle Zemeni Haut und die Kleidung, die im fahlen Licht verwaschen grau aussah, ließen ihn mit der Umgebung verschmelzen. Nur seine Augen und Zähne leuchteten hell.
Jesper drehte einen weiteren kleinen Stein zwischen den schlanken Fingern herum, warf ihn hoch und fing ihn wieder auf.
„Welcher Schlüssel?“, fragte er scheinheilig, während er abwägte, ob er auch dieses Steinchen gegen die Scheibe werfen könnte, ohne dabei jedoch seinen Freund zu treffen, doch er verwarf den Gedanken und ließ es stattdessen auf den Boden fallen.
Das Augenrollen des Anderen war förmlich zu hören. Jespers Grinsen wurde noch breiter, denn Wylan Van Eck zu necken machte fast so viel Spaß, wie ihn durch kleine Flirtereien zum Erröten zu bringen.
Mit geübten Kartenspielerfingern zog er einen schmalen, glänzenden Schlüssel aus der Reverstasche seiner abgewetzten Anzug-Weste und betrachtete ihn für einen Moment nachdenklich.
„Oh, meintest du den?“ Im Gegensatz zu Wylan versuchte er nicht, seine Stimme zu senken, sondern sprach mit einem Schulterzucken weiter gut gelaunt seine Gedanken laut aus. „Komisch, mir war, als hätte ich den im Haus liegen lassen… Sachen gibt’s!“
Er schnalzte leise mit der Zunge, als würde er sich wirklich darüber wundern, bevor er seinen Blick wieder auf den Rotschopf im Fenster richtete.
„Jetzt komm endlich rein“, flüsterte Wylan nach einem lauten Seufzen eindringlich, doch obwohl er sichtlich genervt war, war die Zuneigung zu dem schlaksigen Jungen vor dem Haus deutlich in seiner Stimme zu hören.
Ein weiteres von Jespers einnehmenden Lächeln blitzte durch die Dunkelheit, dann verschwand er um die Ecke. Auch in Wylans Gesicht schlich sich nun ein Lächeln, als er das Fenster wieder schloss, doch das konnte Jesper schon gar nicht mehr sehen.
Einen Moment lang wurde es still im Haus, dann war ein leises Klicken zu hören und ein gedämpftes Scharren, als die Tür geöffnet wurde.
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