That's not enough

KurzgeschichteHumor, Romanze / P12 Slash
Hanabi Yasuraoki Sanae Ebato
20.07.2019
27.07.2019
2
3329
3
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
Hallo liebe*r Leser*in,

Ich weiß gar nicht, ob ich es angekündigt hatte, aber seit ich mit Almost is never enough angefangen hab, wusste ich, dass ich zu Tooru und Sanae auf jeden Fall noch etwas schreiben würde. Das Datum war unklar, aber hier sind wir. Wer weiß, welchen Umfang das hier annehmen wird, aber es ist als Side-Projekt gedacht.

Die Geschichte wird vermutlich nicht nur aus Toorus Sicht erzählt werden, sondern auch aus Sanaes Sicht. Es wird am Rande auch ein wenig um Mugi und Hanabi gehen. Die Geschichten gehören zwar zusammen, sind aber auch unabhängig voneinander lesbar.

Liebe Grüße,
Riley

1. Say something


Ich traf Sanae in einer Vorlesung. Sie saß einige Reihen vor mir und sah gelangweilt von ihrem Notizheft auf. Mit den Lippen knabberte sie immerzu frustriert auf ihrem Stift herum und gelegentlich, wenn die Dozentin etwas sagte, das bis hier hinten nur schwer zu verstehen war, tippte sie ihre Freundin an, um nachzuhaken.

Ihrer Freundin hatte ich es zu verdanken, dass ich überhaupt Sanaes Namen kannte. Bisher hatte ich sie nur aus der Ferne bewundert. Unsere Blicke waren sich noch nie begegnet, darum kam ich mir ein wenig wie eine Stalkerin vor, aber immer wieder suchten meine Augen sie.

Sie war auf jeden Fall unfassbar schön, aber das war es nicht, was mich zu ihr hinzog. Sie hatte diese eigenwillige Art, die vielen meiner Kommilitoninnen fehlte.

Es war wie auf der Oberschule. Noch immer drehten sich die Gespräche nur um Jungs. Jedes Geschlecht wollte dem anderen imponieren und das merkte man vielen in meinem Kurs an. Es gab genug Leute, die sich mehr mit ihrer Selbstpflege und Tuscheleien beschäftigten, als mit dem Inhalt der Vorlesung.

Es war völlig in Ordnung. Ich gönnte ihnen die Flirts und die nicht wirklich heimlichen Blicke. Ich beneidete sie sogar. Für sie war es einfach, sich zu verlieben. Such dir jemanden, der dir gefällt und entweder gefällst du ihm, oder nicht. Sie alle mussten sich vermutlich keine Gedanken darüber machen, erst jemanden kennenzulernen, auf dem Weg zu sein sich zu verlieben, nur um dann festzustellen, dass man doch nicht gut genug war.

Ich behauptete zwar, darüber zu stehen, doch es verletzte mich dennoch, wenn ich trotz aller Bemühungen für das abgelehnt wurde, was ich war. Meine Eltern hatten gut daran getan, mir den Namen Tooru zu geben. Vielleicht wussten sie schon bei meiner Geburt, was einmal aus mir werden würde.

Ich hatte mir gar keine Hoffnungen bei Sanae gemacht. Wie bei vielen Frauen zuvor, lotete ich erst einmal aus, ob ich überhaupt ihrem Geschmack entsprach. Ich hatte nicht das Bedürfnis, mich wieder mit jemandem anzufreunden, mich zu verlieben und schließlich abserviert zu werden, sobald ich etwas über mich preisgab.

Glücklicherweise hatten Sanae und ich sehr viele gemeinsame Vorlesungen. Sie und diese Freundin – Hana, glaube ich – erzählten sich viel privaten Kram, der eigentlich nicht für fremde Ohren gedacht war. Sie erzählen sich so natürlich alles, dass man eifersüchtig werden könnte. Doch ich war nicht der Typ Mensch, der eifersüchtig wurde. Vielmehr faszinierten mich ihre Leben.

Sie waren zusammen auf die Oberschule gegangen, waren hierhergekommen und studierten wie ich, verschiedene Fächer auf Lehramt. Beide waren in etwa in meinem Alter und hatten die ersten Wochen auf der Uni mehr oder weniger über sich ergehen lassen.

Sanae, das merkte ich schnell, war sehr extrovertiert und versuchte mit verschiedenen Leuten Kontakte zu knüpfen, wohin gegen ihre Freundin sich oft zurückzog. Das bot mir eigentlich die perfekte Gelegenheit, sie einmal anzusprechen. Eigentlich.

Ich war nicht schüchtern. Ganz im Gegenteil. Aber in den letzten Tagen, in denen ich die rothaarige Schönheit beobachtet hatte, war dieses Herzklopfen dazugekommen, das mich jedes Mal lähmte, wenn ich meine Chance sah.

So auch heute. Hana verabschiedete sich schnell nach der Vorlesung, offenbar war auch für sie heute Schluss. Sanae hingegen blieb noch eine Weile über ihren Notizen sitzen und kritzelte einige Anmerkungen an den Rand.

Obwohl ich keine Ahnung hatte, wie ich sie ansprechen wollte, entschied ich mich spontan, mein Hirn abzuschalten und es einfach zu wagen. Irgendetwas würde mir schon einfallen.

Gesagt, getan.

Ich schaffte es tatsächlich unbeschadet, zu ihrer Bank zu kommen und lehnte mich lässig zu ihr hinüber. In meinem Kopf wog ich meine Möglichkeiten ab. Ich konnte sie auf den Stoff ansprechen, da sie so fleißig Notizen machte, oder aber direkt in die Vollen gehen. Doch während ich da stand und überlegte, hatte sie aufgeblickt und sah mich direkt an. Eine ihrer langen roten Haarsträhnen war ihr ins Gesicht gefallen und ich ertappte mich dabei, wie ich sie ihr wieder hinters Ohr streichen wollte. Komm schon, Tooru, ermahnte ich mich selbst. Sei keine Idiotin.

Ihre blaugrünen Augen ruhten auf mir, schienen mich zu analysieren.

„Hi“, sagte ich nur. Da sprach die Nervosität aus mir.

Und tatsächlich antwortete sie mit einem Lächeln. Ein Lächeln, das mir galt! Und da ich nicht die Idioten-Tooru raushängen lassen wollte, murmelte ich: „Ich bin Tooru.“

Nicht die Art von Gespräch, für die ich aufgestanden war. Ich hasste Smalltalk und wollte eigentlich einen locker-leichten Spruch auf den Lippen haben, doch gerade hatte ich das Gefühl, dass mein Gehirn schon überlastet damit war, dass sie mich wahrnahm. „Hallo. Mein Name ist Sanae.“ Es war ein gutes Zeichen, dass sie mir direkt den Vornamen anbot, oder? Sie deutete eine höfliche Verbeugung an, noch immer hielt sie den Stift, auf dem sie immer herumkaute, in der Hand und schwenkte ihn leicht in der Luft. Sie wartete vermutlich auf eine Reaktion meinerseits. Es musste ja einen Grund geben, warum ich sie angesprochen hatte, richtig?

Ich kämpfte die Nervosität nieder, zumindest so gut es ging, und lehnte mich ein Stück gegen den Tisch. Gut, dass diese Dinger am Boden festgeschraubt waren. „Also gut. Ich will gar nicht lang um den heißen Brei herumreden. Hättest du Lust, einen Kaffee zu trinken? Also, keinen ... ‚lass uns Freunde sein‘-Kaffee, sondern einen ‚vielleicht könnte mehr draus werden‘-Kaffee?“

So, da war es raus. Jetzt würde sie mich wahrscheinlich für eine durchgeknallte Alte halten, die wahllos irgendwelche Frauen in ihren Vorlesungen anmachte und das mit einer Offenheit, die in Japan verpönt war. Vermutlich würde sie gar nichts sagen und mir mit einem Blick zu verstehen geben, dass ich ihre Grenzen überschritten hatte oder sich sogar wegen sexueller Belästigung an die Vertrauenslehrerin wenden.

In meinem Kopf manifestierten sich furchtbare Bilder. Mit meiner Offenheit konnte nicht jeder umgehen und auch wenn ich sie eine Weile beobachtet hatte, zumindest in Erfahrung gebracht hatte, dass sie sehr wohl auch auf Frauen stand ... Es war vielleicht zu viel des Guten.

„Gerne.“

Die Überraschung war groß und es dauerte einige Sekunden, bis mir klar wurde, was sie da geantwortet hatte. Es war ein kleiner Herzstillstandmoment, den ich nicht erwartet hatte. Vorsichtig schielte ich nach rechts und links, versuchte jemanden hinter oder neben mir auszumachen, an den sie diese Worte gerichtet haben könnte, aber da war nur ich. Noch immer zweifelnd tippte ich mir auf die Brust und musste ziemlich blöde dreinstarren, denn das leichte Grinsen wurde zu einem glockenhellen Lachen. „Ja, ich meine dich.“

Es konnte nicht anders sein, irgendjemand musste den Stein gehört haben, der mir vom Herzen fiel. War mein blöder Anmachspruch, der nicht mal ein solcher war, wirklich angekommen?

Hatte ich es ernsthaft geschafft, dieser reizenden Frau ein Date zu entlocken?

„Wann und wo?“, fragte ich, bei dem Versuch, das vorherige Selbstbewusstsein zusammenzukratzen. Es versteckte sich irgendwo hinter dem Felsbroken, der mir vom Herzen gefallen war. Ich hoffte, das taube Kribbeln in meinen Beinen war der Versuch meines Körpers, mich zurückzuerobern.

„Wie wär’s jetzt gleich? Mit einem Eis statt dem Kaffee? Ich meine, bei den Temperaturen?“ Sie wartete nicht auf eine Antwort meinerseits, sondern begann, ihre Tasche zu packen. Dass sie ihren Blick abwandte, half mir erstaunlich gut, meine Fassung wiederzuerlangen.

Ich räusperte mich, so leise es eben ging, und bejahte fröhlich ihren Vorschlag. Es war unsinnig, meine Vorfreude im Zaum zu halten, denn auch sie grinste bei meiner Antwort über beide Ohren. Ich hatte schon vorher den Eindruck gehabt, dass sie mir in ihrer Seltsamkeit in nichts nachstand, aber jetzt war es mir so klar vor Augen, dass ich mir gar nicht mehr erklären konnte, wie nervös ich vorher gewesen war.

Gerade als ich dachte, dass ich diesmal definitiv einen charmanten Spruch auf Lager hätte, sagte sie: „Es wird aber auch Zeit, dass du mich ansprichst. Ich dachte, du würdest Löcher in meinen Rücken starren.“

Und riss mir damit den Boden unter den Füßen weg.
Review schreiben