Die Freiheit zu leben ~ Motten fühlen sich vom Licht angezogen

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
OC (Own Character)
19.07.2019
25.11.2019
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Yippie! Kapitel 2 ist geschafft und ich bin sauglücklich :)
Ich hoffe ihr habt Spaß beim Lesen. Es kann die nächsten Tage noch passieren, dass der Text etwas ausgebessert wird :P Fehlerteufelchen werden gern mal überlesen.

Über Wünsche , Anregungen, Lob und Kritik würde ich mich sehr freuen.

Eure Salaka-Chan <3


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1. Kapitel "sphaera sensum"



"Am Hof wurden hoch angesehene Ritter, die bereits im Ruhestand waren ermodet. Die Herzogin versuchte die Fälle zuerst mithilfe ihrer Leibgarde aufzuklären. Leider wurden an den Tatorten kaum Beweise und Spuren hinterlassen. Die Garde kam kaum mit ihren Ermittlungen voran und anfangs wurde besonders auf Diskretion geachtet. Die Strategie ging jedoch nicht auf und die Mordserie wurde fortgesetzt. Nachdem die breite Masse von den Geschehnissen erfuhr, brach blinde Panik in der Bevölkerung aus. Besonders die ärmeren Einwohner fühlten sich nicht wohl. Nachts konnte man niemanden mehr vertrauen und die Gewalt nahm spürbar zu.

Ab diesem Zeitpunkt entschied sich Anna-Henrietta einen Experten mit diesem Fall zu betrauen. Ein Hexer wurde einberufen. Es war niemand geringeres als der weiße Wolf, Geralt von Riva und zugleich ein sehr guter Freund von mir.
Während seinen Ermittlungen kam er schnell zu dem Schluss, dass die Mordserie nicht von einem Menschen begangen werden konnte. Der nächste Anschlag ließ nicht lange auf sich warten und der Hexer verfolgte den vermeindlichen Täter. Beim Aufeinandertreffen stellte sich heraus, dass es sich um einen höheren Vampir handelte. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass es sich bei dem Täter um einen Freund von mir handelte. Ich unterbrach den Kampf der beiden Kontrahenten und versuchte die Problematik im gemeinsamen Dialog zu klären. Leider ist mein Freund sehr impulsiv und braucht eine gewisse Zeit, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen.

Er zog sich zurück und war für uns unauffindbar. Während ich mich auf die Suche nach ihm begab,  versuchte Gerald weitere Informationen von der Herzogin zu erhalten. Unsere gemeinsamen Nachforschungen ergaben, dass der Vampir von Entführern erpresst wurde, welche angeblich seine Geliebte gefangen hielten und bei Missachtung der Forderungen, töten würden.
Die Herzogin äußerte zudem den Verdacht, dass ihre Schwester Syanna hinter den Anschlägen und somit auch gleichzeitig hinter der Erpressung stecken könnte. Ihre Befürchtungen bewahrheiteten sich und mein Freund musste feststellen, dass es sich bei dem Erpresser und Opfer um ein und dieselbe Person handelte. Syanna wollte ihn als Mordinstrument benutzten um ihre Schwester zu Fall zu bringen und selbst als Herzogin über Toussaint herrschen. Als ihr Plan vom Hexer aufgedeckt wurde, reagierte mein Freund recht, wie soll ich sagen?" Regis räusperte sich kurz und fuhr mit seiner Hand durch sein Haar. "Ungehalten trifft es wahrscheinlich am besten."


"Für wahr Regis." Livia stellte ihren Tee am Tisch ab und schlug ihre Beine übereinander. Finster blickte sie aus dem Fenster und fuhr fort. "Man sollte jedoch seine Grenzen kennen und diese nicht überschreiten, selbst wenn man ein äußerst mächtiges Wesen ist." Sie warf ihrem Besucher einen strengen Blick zu. "Ich kann mir die Fortsetzung der Geschichte bildlich vorstellen. Du hast ein sehr besonnenes und zugleich mildes Gemüt Regis. Wahrscheinlich hast du versucht deinen Freund zu beschwichtigen. Leider schlug der Versuch fehl und Syanna wurde von ihrem enttäuschten Geliebten ermordet." Regis wollte etwas erwiedern, wurde jedoch von Livia mit einer Handbewegung unterbrochen. "Nimm ihn nicht in Schutz Regis! Er hat mit seiner Gefolgschaft Beauclair angegriffen und unzählige Unschuldige verletzt und getötet. Ein Verrat wiegt schwer aber dennoch rechtfertigt es nicht eine solche Tat. Dein Freund ist ein Monster. Ein Biest, dass in seine Schranken gewiesen werden muss. Ich frage dich deshalb Regis," Livia stand auf und blickte auf ihren Freund herab. "weshalb hat der Hexer ihn ziehen lassen. Ist es nicht seine Aufgabe Monster zu töten?"


Eine bedrückende Stille herrschte in dem kleinen Raum. Der Vampir kämpfte sichtbar um seine Fassung und ballte seine Hände zu Fäusten während er seinen Kiefer anspannte. In Livias Augen spiegelte sich kurz ihre Angst vor Regis Reaktion wieder, dennoch blieb sie standhaft und wich keinen Schritt zurück. Sein Blick war für sie undurchschaubar. Es war als würde man einem Raubtier ins  Antlitz blicken. Die darin befindlichen Gefühle waren kaum für einen Menschen nachzuvollziehen.

"Ich kann deine Reaktion verstehen und dennoch möchte ich dich bitten ihn nicht direkt zu verurteilen. Der Hexer hat das gleiche wie ich in meinem Freund gesehen und ihn deshalb ziehen lassen. Er ist lediglich ein Opfer der modernen Zivilisation. Es zog ihn, genauso wie mich, zu den Menschen. Ihr seid fasziniernde Geschöpfe und keiner gleicht dem Anderen. Während die meisten von uns nur ihren animalischen Trieben folgen, erlegt ihr euch selbst Regeln auf, um ein harmonisches Zusammenleben zu erreichen. Mein Freund war neugierig und bedingt durch seinen naturellen Trieb wahrscheinlich zu naiv. Verdeckte Machtspielereien, Hinterhältigkeit und Boshaftigkeit zu den eigenen Liebsten waren ihm fremd. Ich hatte ihm als Zeichen unserer Freundschaft einen Anhänger in Form einer Motte geschenkt.

Syanna war für ihn die Sonne. Leider wandte er seinen Blick niemals von ihr ab und verbrannte sich seine Flügel an ihr. Nun muss er sich entscheiden wie er sein weiteres Leben fristen möchte. Entweder in völliger Finsternis und Einsamkeit oder im strahlenden Licht der Zivilastion. Als sein Freund kann ich es nicht akzeptieren, dass er sich selbst aufgibt und in der Abgeschiedenheit weiterlebt. Er muss verstehen, dass nicht alle Lebewesen so sind. Das der Hexer ihn verschon hat, war bereits der erste Schritt in die richtige Richtung."
Livia presste ihre Lippen aufeinander und fuhr in kühlem Ton fort: "Und als Dank für seine Erkenntnis wurde er von der Herzogin ins Gefängnis befördert. Regis, ich sehe dass dir viel an deinem Freund liegt, allerdings darf man seine Taten nicht völlig außer Acht lassen. Du selbst hast ihn als impulsiv beschrieben. Was sollte ihn abhalten nochmals so eine Tat zu begehen."

Nun stand Regis ebenfalls auf und trat dicht an Livia heran. Er beugte sich zu ihr herab bis nur noch wenige Zentimeter ihre Gesichter trennten. Sein kühler Atem umfing sie wie der erste Schnee im Winter. Sie konnte ihren Blick nicht von ihm abwenden und blieb bewegungslos stehen.


"Sein Gewissen."


Erst nachdem er sich von ihr abwandte und ans Fenster trat bemerkte sie, dass sie vergessen hatte zu atmen. Langsam sog sie die stickige Luft ein und ließ sich wieder auf ihren Stuhl nieder. Der Tee war bereits kalt und schmeckte nun bitter. Genauso wie die Schelte von Regis. Ihre Finger spielten wie von allein mit sich selbst, während sie es nicht wagte zu ihrem Gesprächspartner aufzublicken.
Die Stille setzte sich fort, nachdem sie sich entschloss frischen Tee aufzusetzten. Während das Wasser sich langsam im Kessel erhitzte, gab sie aromatische Kräuter hinzu. Sogleich schlug ihr der frisch herbe Lavendelduft entgegen. Als die ersten Bläschen im Wasser emporstiegen nahm sie den Kessel von der Feuerstelle.

Regis stand immer noch am Fenster und blickte in die Dunkelheit. Dichte Nebelschwaden zogen sich über die Landschaft und ließen den Eingang zum Wald noch düsterer erscheinen. Sie stieß einen schweren Seufzer aus und durchbrach das Schweigen. "Regis ich... es tut mir leid. Ich wollte nicht, dass unser Gespräch so endet. Ich verstehe, dass dir sehr viel an deinem Freund liegt."
"Ich verdanke ihm mein Leben. Nun ist es an mir, dasselbe für ihn zu tun."
"Welche Rolle soll ich in dieser Geschichte spielen?"

Regis deutete auf das Päckchen am Tisch. "Hilf mir ihn wieder zur Besinnung zu bringen. Zeig ihm, dass er sich täuscht und die Welt nicht so verdorben ist, wie er es annimmt. Nicht jeder verbrennt sich im Licht."

Livia nahm das Päckchen auf und begutachtete es von allen Seiten. Es war sehr leicht und sie meinte darin etwas rollen zu hören. Nach dem Auspacken hielt sie eine Glaskugel in der Hand. Weißer Rauch befand sich in ihr und die Schwaden zirkulierten langsam darin.
"Man nennt sie sphaera sensum. In deiner Sprache übersetzt bedeutet es soviel wie {Kugel der Gefühlswelt}. Diese Kugeln werden in Nazair aus dem äußerst seltenen Mineral Markcooperit  gewonnen. Mithilfe von drei Runenschmieden können die Glyphen in das Mineral überführt werden. Zu guter Letzt benötigt man noch etwas Blut von der Person, deren Gefühle visualisiert werden sollen.

Der Gebrauch ist im Gegensatz zum Herstellungsprozess äußerst simpel. Weiße Schwaden deuten auf einen entspannten Zustand. Die betroffene Person schläft beispielsweise. Rote Schwaden deuten auf einen äußerst aufgewühlten Zustand. Die Person ist eventuell  aggresiv oder erschocken. Grau weißt hingegen auf einen unschlüssigen Zustand hin. Je kräftiger die Farben, desto stärker ist die momentane Emotion.  

Der weiße Rauch in der sphaera sensum beruhigt mich ungemein. Mein Freund scheint zu Ruhen und keine Albträume zu haben."
Livia fiel vor Schreck die Sphäre aus der Hand. Der Aufschlag am Boden verursachte kein Geräusch, doch auf der Oberfläche der Kugel erschienen filigran leuchtende Muster. "Die Glyphen verhindern unter anderem, dass die sphaera sensum bei einem Aufprall zerbricht. Wenn du möchtest, kannst du als Besitzer auch bestimmen, dass die dargestellte Gefühlswelt nur für dich sichtbar ist. Für andere wäre es dann nur eine transparente Glaskugel. Dank der Glyphen hat die Sphäre noch eine weitere nützliche Funktion. Die betroffene Person weiß jederzeit die Position des Sphärenbesitzers, solange dieser die Kugel mit sich führt, während der Besitzer mithilfe der sphaera sensum die betroffene Person rufen kann. Dafür musst du die Sphäre lediglich mit einer Hand umschließen und im Geiste nach ihm rufen."

Livia starte nun voller Entsetzten ihr ausgepacktes Geschenk an. Als sie sich über das erhaltene Present beschweren wollte hielt Regis eindringlicher Blick sie davon ab. Sie schluckte ihre Zweifel herunter und hob den Gegenstand wieder auf.

"Also gut. Ich spiele bei deinem Spiel erstmal mit. Wenn es mir jedoch zu heiß wird höre ich sofort auf."
Ein leichtes Lächeln lag auf Regis Lippen und er verneigte sich vor ihr. "Ich danke dir für dein Vertrauen. Ich schwöre dir, dass du es nicht bereuen wirst."


"Das wird sich noch zeigen Regis, das wird sich noch zeigen."
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