Circus Mortem

GeschichteDrama, Mystery / P18
19.07.2019
15.08.2019
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Ein starker Wind wehte und stiftete die Blätter zum Rascheln an. Es war tiefste Nacht und die dunklen Straßen von London wurden nur spärlich von alten Straßenlaternen beleuchtet. Zwei von ihnen drohten jedoch jeden Moment zu erlöschen und es war weit und breit niemand zu sehen, der sie wieder anzünden würde. Londons Straßen hatten allerdings einen besonderen Charme, wenn sie in völliger nächtlicher Schwärze getaucht sind. Die große prachtvolle Turmuhr ragte über die Dächer der Häuser und schlug plötzlich Mitternacht. Es war ein herrlicher Klang des Wahrzeichens dieser Stadt. So dunkel und unheilvoll, dass einem die Haare zu Berge stehen ließ. Zu dieser Zeit hielt sich keine Menschenseele auf den Straßen auf und alle lagen friedlich in ihren Betten und schliefen und niemand bemerkte die große schlanke Gestalt mit dem wehenden zerschlissenen Mantel, die versteckt in der Dunkelheit die Straßen entlang lief und seinen Kragen noch ein Stückchen weiter hochzog, um ja nicht erkannt zu werden, was völlig unmöglich war.

Nicht einmal seine zwei auffälligen Gefährten, die ihm folgten, wie Küken ihrer Mutter, hätten entdeckt werden können. Man konnte lediglich ein Keuchen, Stampfen und das helle Geräusch von Damenschuhen auf Stein wahrnehmen, die durch den unebenen Straßenboden verursacht wurden. Die große Gestalt, die sie führte machte große schnelle Schritte und schien genau zu wissen wohin sie in dieser späten Stunde gehen wollte. „Schneller!“, zischte sie mit einer geschmeidigen Stimme und beschleunigte das Tempo. Sie durften keine Zeit verlieren. Zumindest hasste er es wertvolle Zeit zu verschwenden. Seine Gefährten wussten nicht wohin sie gingen, doch sie versuchten mit ihrem Anführer schrittzuhalten und ihre Erschöpfung so gut es ging zu verbergen. Einer von ihnen schien ein Mann zu sein, der in einem grauen Anzug mit weißen horizontalen Streifen steckte und sicher maßgefertigt war. Der Anzug bestand aus einem Stoff, der für Männer in London ziemlich unüblich war. Auf seinen Kopf thronte ein großer schwarzer Zylinder, der ihm ein paar zusätzliche Zentimeter Körpergröße dazuschummelte. Ohne ihn wäre er nämlich ziemlich klein für einen Mann gewesen. Neben ihm lief eine ebenso kleine, aber dickliche Person, die, wie es schien eine Pause vertragen könnte, denn sie keuchte erschöpft und atmete hörbar stark. Sie trug nur ein seidiges, dünnes Kleid, das im Wind stark wehte, was ihr aber nichts auszumachen schien. Ihre Damenschuhe verursachten ein unaufhörliches klack, klack, klack.

„Ist es endlich soweit, Todd?“, fragte der Mann mit dem Zylinder, grinste und offenbarte gelbliche Zähne.

Im Hintergrund konnte man ein unanständiges Kichern vernehmen, das von der dicken Frau kam. Als ihr Partner sie mit einem finsteren Blick bestrafte, hielt sie ihre Hand vor dem Mund und versuchte ihr Kichern zu ersticken, was ihr schwerlich gelang. Auch sonst schien sie die Situation nicht wirklich ernst nehmen zu können.
„Der Circus Mortem gibt bald seine erste Vorstellung...nach so langer Zeit.“, antwortete die mysteriöse große Gestalt namens Todd und lachte plötzlich auf. Er hatte so lange darauf gewartet das große Zelt wieder aufschlagen zu können und nun war es endlich soweit.

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