Wie eine dunkle Sonne

von -Rhea-
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P16 Slash
Space Frogs
18.07.2019
01.11.2019
11
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Hallo und schön, dass ihr meine Geschichte lest :)
Das hier soll primär die Freundschaft der beiden Frösche beschreiben, die sich langsam weiterentwickelt. Ich weiß selbst noch nicht, wie sie ausgehen soll :)
Viel Spaß beim Lesen,
Rhea

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„Und deine BFF-Sommeraktion ist: Deine BFF im Sand eingraben!“, verkündete Steve und sah grinsend über den Rand der „Top-Model“-Zeitung hinüber zu Rick, der im Off theatralisch die Augen verdrehte.

„Soll ich dich mal im Sand eingraben Steve?“, fragte er und bemühte sich, seinen Gesichtsausdruck ausdruckslos zu belassen, was ihm misslang. Und zwar gewaltig. Seine Mundwinkel zuckten.

„Jaa, ja“, brummte Steve und musterte weiter die Horoskop-Seite dieser Baumverschwendung, die sich tatsächlich Zeitschrift schimpfte, dann sah er hoch. Seine Augen wurden riesig und mit allem gekünstelten Erstaunen das er aufbringen konnte fragte er mit viel zu hoher Stimme: „Ich bin dein bester Freund?“

Rick biss sich fest auf die Zunge, um nicht laut zu kichern.
Er sagte nichts, doch die treudoofen Augen seines YouTube-Partners waren einfach zu...gut.
Also nickte er mit gequälter Miene, was man auf dem Video Gott sei Dank nicht erkennen konnte. Natürlich war Steven sein bester Freund, was sollte er auch sonst sein? Aber niemals würde er das zugeben. Niemals.
Der dunkelhaarige Frosch analysierte nun sein eigenes Sternzeichen und zog dann rasch den Übergang zur Endcard. Rick beobachtete ihn dabei mit einer gewissen Faszination. Steves überdrehte Art vor und hinter der Kamera schaffte es immer wieder, ihn seiner geliebten, schlechten Laune zu berauben und es wunderte ihn überhaupt nicht, warum er bei ihren Zuschauern und auch bei ihren Kollegen so beliebt war. Es war einfach erstaunlich, wie es seinem Partnerfrosch gelang, die Welt stets in einem positiven Licht zu sehen und das auch noch auf andere Menschen zu übertragen…

„Uuuuuuund…. Fertig!“, brüllte Steve schließlich und sprang aus dem Bild wie ein Känguru.
Rick schaltete die Kamera ab und ließ sich träge auf seinen Stuhl fallen. Gähnend griff er nach seiner Tasse, die langsam kalt werdend auf dem Fensterbrett vor sich hinvegetierte.

„Duuuuu bist dran mit schneiden“, grinste der größere Frosch und stupste Rick in den Rücken. Der nickte nur und legte demonstrativ seine Füße auf der Tastatur ab. Er wusste wie sehr Steve auf Sauberkeit und Ordnung fixiert war und dass er es nicht leiden konnte, wenn Rick seine Fusselsocken auf „Nutzflächen“ ablegte. Bezeichnete er ihn dann als pedantisch und unentspannt, entfachte das meist heftige Diskussionen, die Rick sehr genoss. Oft verhielten sich die beiden  wie ein altes Ehepaar, was ihnen Marti auch regelmäßig unter die Nase rieb, doch es machte ihnen beiden viel zu viel Spaß sich gegenseitig zu ärgern, als dass sie darauf verzichten würden.

Eine Weile sah er Steve dabei zu wie er aufräumte, dann hörte er ihn schließlich draußen im Flur.

„So du Kackhaufen“, rief Steve von dort aus und Rick hörte, wie er seine Schuhe anzog, „ich geh heim!“

Rick erhob sich langsam, ging in die Küche und stellte seine Tasse in die Spüle. Er wusste, dass auch das Steve zur Weißglut bringen konnte („Wie schwer kann es bitte sein, sich zu bücken?? Wir haben EINE SPÜLMASCHINE!“), weswegen er verschmitzt grinste.
Draußen im Nebenraum hörte er Steves Handy klingeln und seinen Besitzer mangels eines zweiten Schuhs durch die Gegend hüpfen. Rick schmunzelte und sah aus dem Fenster, wo die Sonne bereits recht tief stand. Er hatte wenig Lust auf das Schneiden. Ihr Video war recht lang geworden, was ihm um einiges mehr Arbeit machte, als er gerade bereit war zu tun. Er versuchte abzuschätzen, wie lang er dafür brauchen würde, doch das steigerte seine Motivation nicht.

„Wann? WAS?“
Steves laute Stimme drang aus dem Flur und riss Rick aus seinen Gedanken. Verwundert  sah er auf.

„Steve?“
Keine Antwort.
Er trat hinaus in den Flur, wo er seinen Freund in erstarrter Pose vorfand, die Hand um seine Jacke geklammert, seine Augen glitten hektisch hin und her.

„Ich… bin unterwegs, gib mir eine Stunde“, flüsterte der Dunkelhaarige und legte auf.
Sein Blick blieb ein paar Sekunden auf dem Display kleben, dann wandte er sich zur Tür wie ein Schlafwandler.

„Steve?“, probierte es Rick noch einmal und griff nach der Schulter seines Partnerfroschs, was diesen aus seiner Starre holte.

„Ich muss los“, krächzte er, ohne Rick in die Augen zu sehen, riss sich von seinem Freund los und stürmte aus der Tür, einen verwirrten Lockenkopf zurücklassend.

„Steve! STEVE!“, rief Rick ihm hinterher, „WARTE!“
Doch noch bevor er die Treppe erreicht hatte, hörte er unten die Haustür zugehen und Steve war verschwunden.

Was war passiert?
Rick schüttelte langsam den Kopf.
Wer hatte seinen Freund angerufen?
Steve hatte nicht viel gesagt, doch offensichtlich war es ein Notfall. War jemandem etwas passiert? Ein Unfall? Oder etwa ein Todesfall??

Steves geschockter Blick beunruhigte Rick mehr als er zugeben wollte. Er war Steves überdrehtes Grinsen gewöhnt, oder sein verträumtes In-die-Luft-Starren. Doch das? Wann hatte er Steven jemals unglücklich gesehen?

Um nicht zu sehr darüber nachzudenken, schloss er die Tür und ging zurück zu seinem PC, wo er mit dem Schneiden begann. Steve würde sich sicher melden und es würde sich herausstellen, dass er sich völlig umsonst Sorgen gemacht hatte. Ganz sicher.

**

Doch Steven meldete sich den ganzen Freitagabend nicht und auch am Samstag herrschte absolute Funkstille, was schließlich dazu führte, dass Rick, der den ganzen Tag irgendwo zwischen Videoupload und Konsole verbracht hatte, bereits kurz nach Mitternacht im Bett lag. Draußen hatte er es einfach nicht mehr ausgehalten…
Er machte sich unheimliche Sorgen. Steven war nicht der Typ, der sich nicht meldete, im Gegenteil. Er informierte einen über alles was er tat und wo er war, ob man es nun hören wollte, oder nicht….

Am Sonntagmorgen dann wachte Rick ungewöhnlich früh auf.
Die Sonne war noch nicht einmal ganz aufgegangen, um diese Zeit befand sich der Langschläfer normalerweise noch im Tiefschlaf. Murrend und leise in seine Bettdecke fluchend drehte er sich auf den Rücken und blickte zur Seite. Sein Handy lag dicht neben seinem Kopf und blinkte hell in sein müdes Auge.
Das hatte ihn also aus dem Schlaf geholt.
Er griff danach und sah auf dem Display eine Nachricht von Steve.

Sofort war Rick hellwach. Schnell entsperrte er das Handy und öffnete den Messenger.

Guten Morgen Rick,

Hör mal, es tut mir wahnsinnig leid, dass ich mich erst jetzt melde, aber es ist viel passiert. Meine Mutter hatte einen Autounfall und wurde sehr schwer verletzt. Sie liegt im Moment im Koma und muss operiert werden, das geht aber nicht in Oranienburg in der Klinik, verlegt werden kann sie aber auch nicht. Es ist nicht sicher, was jetzt passiert. Ich kann dir nicht sagen, wann ich zurückkomme. Wenn sie aufwacht, dann wird sie nach Berlin in die Chirurgie verlegt. Ich weiß nicht, wann ich zurückkomme, tut mir leid…

Machs gut, Steve.


Rick las die Nachricht zweimal durch. Seine Befürchtung war berechtigt gewesen.  
Was Steve geschrieben hatte klang nicht gut. Koma, Operationen und eine Verlegung?
Was bedeutete das? Gab es Hoffnung? Würde sie wieder gesund werden?
Rick kannte Steves Mutter und er wusste, wie sehr Steven an ihr hing. Eine freundliche, stets gut gelaunte Frau, die beinahe ihr ganzes Wesen an ihren Sohn weitergegeben hatte.
Er dachte an seinen Freund, wie er in der Klinik saß, alleine und es stach ihm ins Herz.
Er musste sich furchtbar fühlen…
Rasch stand er auf und zog sich ein T-Shirt an, bevor er in die Küche schlurfte, wo er auf Marti traf, der ihn verdutzt anstarrte.

„Guten Morgen Rick. Was machst du denn hier?“, fragte der YouTuber freundlich und schob ihm die Kaffeekanne zu.

„Ich wohne hier“, brummte Rick, zog seine Lieblingstasse aus dem Schrank und setzte sich Marti gegenüber.

„Alles okay mit dir?“, fragte Marti und sah nun ehrlich besorgt aus.

„Ne“, antwortete er und starrte in die Tiefen seiner Tasse.
Eine Weile schwiegen die beiden, dann erzählte er seinem Kollegen, was am Freitag passiert war und berichtete von Steves Nachricht. Dankenswerterweise erwiderte Marti nichts, blickte aber nun ähnlich besorgt wie er selbst.
Rick grübelte. Stevens ängstliches, geschocktes Gesicht schien sich auf seine Netzhaut gebrannt zu haben. Er machte sich unheimliche Sorgen. Er würde es nie zugeben, doch Steven leiden zu sehen war das Schlimmste, was man ihm antun konnte. Es schien irgendwie unnatürlich.
Steven und Trauer, das war wie eine dunkle Sonne oder eine grüne Katze. Es passte einfach nicht. Er musste ihm helfen, irgendwie. Mal abgesehen von seinen Mitbewohnern und YouTube-Kollegen war Steve eine der wenigen Personen die ihm wirklich nahe standen und vor allem die einzige Person, der er bedingungslos vertraute. Er liebte ihn, seinen besten Freund, der ihn schon so oft zum Lachen gebracht hatte, obwohl ihm gar nicht danach zumute war.

Er musste ihm helfen, ganz dringend.

„Marti?“, fragte er also.

„Ja?“
The Clavinover legte seinen Stift weg, mit dem er gerade etwas auf einem Stück Papier notiert hatte.

„Kannst du mir eine Zugverbindung nach Oranienburg raussuchen? Sobald wie möglich?“, fragte er.

Sein Kollege sah ihn einen Moment lang an. Er schien zu überlegen, ob er etwas sagen sollte, entschied sich aber dagegen.

„Wann frühestens?“, fragte er und zog sein Tablet näher zu sich her, bereits die Basisdaten eingebend.

„In zwei Stunden?“, antwortete Rick, stand auf und verließ die Küche.
Er fragte sich, warum er eigentlich überhaupt gezögert hatte. Vermutlich weil es eine Familienangelegenheit war. Von Stevens Familie. Doch wer war denn Stevens Familie? Da gab es nicht mehr viele Menschen. Seine Mutter war nach seinem Abschluss nach Oranienburg gezogen, wo sein Vater lebte wusste Rick nicht. Irgendwie waren er und seine Mitbewohner zu Stevens Familie geworden, vor allem er. Die Vorstellung, dass sein bester Freund nun alleine in einem Krankenhaus saß und nichts tun konnte, mit niemandem reden außer mit seiner bewusstlosen Mutter, bereitete ihm Übelkeit.

Rick war unsicher. Er war sich nicht sicher, ob Steven ihn überhaupt sehen wollte.
Würde er selbst in einer solchen Situation jemanden sehen wollen?
Er wusste es nicht.
Rasch stopfte er ein paar Wechselklamotten, seinen Geldbeutel und ein Ladegerät in seinen Rucksack und kehrte zurück zu Marti, der bereits im Türrahmen lehnte, mit zwei Blättern Papier in der Hand.

„Hier, der Zug kommt in einer Stunde, einmal umsteigen. Ich fahr dich, komm.“

Rick öffnete den Mund um zu antworten, wusste jedoch nicht, was er sagen sollte.
„Ich…“, begann er also, doch Marti schüttelte nur den Kopf. Eine Welle von Dankbarkeit überflutete Rick und mit einem festen Knoten im Bauch verließ er, gefolgt von Marti, die Wohnung.

**

Als er das Krankenhaus betrat, wusste er immer noch nicht, was er Steve genau sagen sollte.
Er hatte die ganze Zugfahrt über gegrübelt, doch Erfolg hatte er damit nicht gehabt.
Was sagte man in solchen Situationen? Das alles gut werden würde? Das wäre gelogen.
Das er verstehen könnte wie Steve sich fühlte? Das wäre noch mehr gelogen…
Er konnte sich nicht einmal ansatzweise vorstellen wie es war darauf zu warten, dass ein Arzt aus dem Zimmer marschierte und mit seiner Nachricht vielleicht sein Leben zerstörte…

Die Dame an der Information schickte ihn in die Notaufnahme, von wo aus er auf die Station gelangte. Er sah Steven bereits von weitem.
Der Gedanke an Steve heute morgen hatte ihm wehgetan. Doch sein Anblick stach Rick mit ungeahnter Intensität mitten ins Herz. Sein Freund war leichenblass. Er saß stocksteif auf einer Bank, die Hände ineinander gekrallt, so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten. Sein Blick war auf die Tür vor ihm gerichtet. Vorsichtig ging Rick auf ihn zu.

„Steve?“, fragte er leise und der junge Mann zuckte zusammen und sah auf. Seine Augen hinter seiner Brille waren gerötet und glasig, doch sie weiteten sich verwundert, als sie ihren besten Freund erblickten.

„Rick? Was machst du…hier?“, fragte er. Seine Stimme klang rau, als hätte er sie schon eine Weile nicht mehr benutzt.

Rick setzte sich neben ihn, etwas näher als er es unter normalen Umständen getan hätte.
„Ich wollte dich nicht allein lassen“, sagte er schlicht und blickte seinen Freund aufmerksam an.
„Was ist passiert Steve?“

Steve presste seine Hände noch fester in seinen Schoß. Rick spürte wie er zitterte. Das war ein Alptraum.
Seufzend griff er nach Steves linker Hand, um ihn daran zu hindern, sich die Knöchel zu zerquetschen und legte sie neben ihn auf der Bank ab.

„Sie war zu schnell“, flüsterte Steve nach kurzer Pause und ohne aufzusehen, „auf der Autobahn. Sie ist die A10 entlanggefahren und sie war wohl spät dran. Das hat ihr Chef gesagt. Und ein LKW-Fahrer hat nach links ausgeschert ohne zu schauen und hat sie gegen die Leitplanke gedrückt. Der Polizist hat gesagt sie wollte bremsen und kam dann ins Schlittern und…“

Steve brach ab. Rick spürte seinen Körper beben und er handelte instinktiv. Er legte einen Arm um die zusammengekauerte Gestalt neben ihm und zog ihn dicht an sich. Steve schien zu frieren, sein ganzer Körper war eiskalt. Er leistete keinerlei Widerstand, im Gegenteil. Verzweifelt klammerte er sich in den Stoff des grünen Pullis und begann, zu Ricks Entsetzen, zu weinen.

Noch nie hatte er Steven weinen sehen.

Es fühlte sich an, als würde eine große, krallenbestückte Hand durch seinen Magen nach seinem Herz greifen und es unfassbar fest zusammenquetschen.
Steven litt. Vorsichtig und sehr unsicher strich Rick ihm über den Rücken, ein instinktiver Versuch, seine eigene Körperwärme auf den zitternden Menschen neben sich zu übertragen.

„Was sagen die Ärzte? Kommt sie durch?“, fragte Rick leise. Es mochte nicht besonders taktvoll sein, doch er brauchte diese Information.

Steve vergrub sein Gesicht in Ricks Armen. Der spürte, wie die Tränen sich ihren Weg durch den Stoff bahnten und wartete ab.
“Sie sind gerade drin. Sie…sie warten darauf, dass die Blutungen aufhören, erst dann können sie…operieren.“

Rick nickte, dann betrachtete er seinen dunkelhaarigen Partnerfrosch genauer. Er hatte die Augen geschlossen, die verquollen und rot glänzten.
In ihm erwachte eine Art Beschützerinstinkt.
Wann hatte Steve zum letzten Mal geschlafen?
Und wann würde hier endlich ein Arzt erscheinen??

Als hätte eine höhere Macht ihn erhört, öffnete sich die Tür ihnen gegenüber. Ein Mann in den Vierzigern, offensichtlich der Arzt, trat gefolgt von zwei Krankenschwestern hinaus. Er sah Steve und blieb vor ihm stehen. Dieser hatte etwas Mühe damit sich aufzusetzen, weshalb er von Rick mehr schlecht als recht in eine aufrechte Position gehievt wurde.

„Herr Schuto?“, fragte er und Steve nickte steif.

„Hören Sie, ich wünschte ich hätte bessere Nachrichten für Sie. Ihre Mutter hat multible Brüche am ganzen Körper, zum Teil auch Trümmerbrüche, wovon einer für ein Kollabieren der Lunge verantwortlich sein wird, wenn die Fragmente des Knochens weiter wandern. Wir müssen das sofort operieren, wir können nicht mehr warten, bis die Blutungen stoppen. Außerdem sind Teile des Rückenmarks beschädigt, was sich auf den Heilungsprozess auswirken wird.“

„Darf ich zu ihr?“, fragte Steve tonlos. Rick war sich sicher, dass er nicht einmal die Hälfte von dem verstanden hatte, was der Arzt gesagt hatte.

„Sie ist nach wie vor nicht ansprechbar, das künstliche Koma bleibt bis zur OP bestehen, wir werden sie in zwanzig Minuten abholen. Es tut mir leid Herr Schuto, aber bitte, rechnen Sie nicht mit einem Erfolg. Die Verletzungen sind so schwer, dass es an ein Wunder grenzt, dass ihre Mutter noch nicht verblutet ist. Möchten Sie den genauen OP-Vorgang erklärt bekommen?“

Steve antwortete nicht. Er starrte den Mann in Weiß nur verzweifelt an, Tränen liefen ihm über die Wangen, er hatte wieder angefangen zu zittern. Rick fühlte sich genötigt zu antworten.

„Nein. Aber wie lange dauert die OP?“

„Es werden vier OP-Zyklen sein, jeder mit Unterbrechung, jeder etwa zwei bis drei Stunden, vorerst. Wie gesagt, wir holen die Patientin gleich ab, solange dürfen Sie zu ihr, wenn Sie das wünschen. Ob die OP Erfolg hat, können wir ihnen keinesfalls vor morgen Mittag mitteilen, ich würde ihnen raten, sich bis dahin etwas auszuruhen. Wir haben ihre Telefonnummer, wir werden sie kontaktieren, sobald es Neuigkeiten gibt.“

Rick nickte und der Arzt marschierte geschäftig davon. Er fuhr sich durch die zerzausten Haare, stand dann auf, griff nach Steves Eiswürfel einer Hand und zog ihn hoch.

Es war verblüffend, wie schnell zwanzig Minuten vergingen.
Die Ärzte kamen, holten Steves Mutter ab und dann war es still. Kein Monitor piepste mehr, kein Licht summte.
Bebend rutschte Steve an der weißen Krankenhauswand hinunter auf den Boden, wo Rick ihn auffing und in seine Arme zog.

So saßen sie da und keiner der beiden sagte etwas. Steve hatte die Augen geschlossen, sein Kopf lag in Ricks Schoß, seine Hände waren wieder in Ricks Pullover gekrallt. Er hatte aufgehört zu zittern, was auch an Ricks Körperwärme lag, die etwas von der Kälte wegzubrennen schien, die ihn seit Freitag nicht mehr losließ. Er ließ sich fallen, klammerte sich noch fester an seinen besten Freund und empfand nichts weiter als Dankbarkeit.
Dankbarkeit dafür, dass jemand hier war, der auf ihn aufpasste. Er war nicht mehr alleine. Ein kleiner Funken Hoffnung keimte in ihm auf und langsam, gegen seinen Willen, entspannte sich sein Körper. Steven driftete in einen traumlosen Schlaf ab, voller Hoffnung, dass wenn er aufwachte, sich alles nur als böser Traum herausstellte....
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