Bis das der Tod uns scheidet

KurzgeschichteSchmerz/Trost / P16
Ben Hargreeves / Nr.6 / The Horror Klaus Hargreeves / Nr.4 / The Séance OC (Own Character)
18.07.2019
19.07.2019
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Was mache ich hier nur? fragte sich die junge Frau mit philippinischen Wurzeln, die auf dem Gehweg, vor dem riesigen Gebäude, auf und ab lief. Sie strich sich ihre karamelfarbenen Haare aus der Stirn, die durch das angestrengte Auf-den-Boden-starren nach vorne gefallen waren. Ja, was tat sie hier? Ihr fiel keine logische Erklärung dazu ein. Schließlich war sie nicht einfach hier fort gegangen, sie hatte fluchtartig den Kontinent verlassen und alle Brücken hinter sich eingerissen, aus Angst ihre Vergangenheit könnte ihr folgen. Bei der Erinnerung an ihn, den sie so sehr geliebt hatte, dass es fast ausgereicht hätte, ihm zu folgen, zerfiel ihr Herz fast in Stücke. Sie zwang sich dazu, seinen Namen zu denken:
Ben... Ihr schossen Tränen in die Augen.
Was zur Hölle mache ich hier?

Geboren am 01. Oktober. 1989, mit einem besonderen Talent „gesegnet“, wie es ihre Mutter nannte, gehörte sie zu den 43 Kindern, deren Geburt ein nicht gelöstes Rätsel war. Allerdings weigerte sich ihre Mutter, sie dem alten Reginald Hargreeves zu verkaufen und so wuchs sie halbwegs friedlich in der philippinischen Hauptstadt auf. Zum Glück. Doch sie wollte herausfinden, was es mit ihrer Geburt auf sich hatte und so machte sie sich auf den Weg nach Amerika, auf der Suche nach diesem mysteriösen Hargreeves, der anscheinend etwas zu wissen schien. Dort stolperte sie geradewegs in eine Mission der Adoptivkinder, die einen Waffentransport verhinderten. Sie hatte die Fähigkeit, sich unsichtbar zu machen. Früher konnte sie nur ihren Körper verschwinden lassen, doch mit einiger Übung lernte sie, ihre Fähigkeit auf kleine Gegenstände zu übertragen, wie beispielsweise Kleidung. Dadurch kam sie nah genug an den Kampf heran, um alles genau zu beobachten. Und da war er. Der schönste Mensch den sie je gesehen hatte. Ben...
Auf der Suche nach der Wahrheit, fand sie die Liebe ihres Lebens. In den nächsten Jahren, drehte sich für sie alles um Ben. So sehr, dass selbst die Suche nach Antworten an Bedeutung verlor. Es war ihr egal, wieso sie alle geboren wurden, sie war einfach glücklich darüber. Bis zu
diesem einen Tag jedenfalls...

Es war ein Fehler herzukommen, stellte sie fest, ich kann nicht hierbleiben.
Gerade als sie sich dazu entschieden hatte, zu verschwinden und nie wieder an diesen Tag zu denken, hörte sie hinter sich eine schmerzhaft vertraute Stimme.
„Jasmin?“
Ihr wurde mit einem Schlag eiskalt. Seine Stimme klang irritiert und nicht mehr so kindlich und doch... Jasmin würde aus tausenden Stimmen diese eine erkennen, egal wie viel Zeit verstreichen würde. Klaus. Ihr ehemaliger bester Freund, den sie aus tiefsten Herzen vermisst hatte.
Sie konnte sich nicht umdrehen. Zu große Angst hatte sie davor, sein Gesicht zu sehen. Ihr wurde übel. Sie hatte ihn einfach zurück gelassen, ganz alleine mit seinen Geschwistern. Auf einmal wurde sie wütend. Seine Geschwister! Diese Familie war ein Witz! Nie hatte jemand einen Scheiß auf Klaus gegeben. Oder auf... sie musste schlucken... oder auf Ben. Im Gegenteil! Den einen haben sie in die Drogensucht getrieben und den anderen in den Tod. Jetzt wurde sie von einer Welle verzweifelter Trauer erfasst... und ich habe Klaus im Stich gelassen, weil ich so mit meinem eigenen Schmerz beschäftigt war.
Die Stimme riss Jasmin aus ihren Gedanken. „Jasmin, bist du das oder war die letzte Pille nicht gut? Oder sehr gut, je nach dem wie man es betrachtet.“
Jasmin atmete tief durch und drehte sich langsam um. Es traf sie ein Gefühl, als hätte man ihr in den Magen getreten. Da stand er. Mit seinem perfekten, erstaunt schauenden Gesicht, seinen schwarz-braunen, zerzausten Haaren und einem... einem Rock? Der Rock verwirrte sie etwas, aber es war eindeutig Klaus. Ihr Klaus, ihr bester Freund, den sie verlassen hatte, ohne sich zu verabschieden und dem sie jetzt nicht in die Augen schauen konnte. Doch es war nicht nur das schlechte Gewissen, das sie quälte. Jetzt wo sie Klaus sah, brachen all die Erinnerungen an Ben über sie herein.

Wie sie sich zum ersten mal sahen, bei diesem Waffentransport...

Ihr erster Kuss...

Wie Ben ihr das erste mal „ich liebe dich“ sagte...

Wie Klaus ihr sagte, dass Ben von seiner letzten Mission nicht zurück gekommen ist...

Wie sie eine Woche gewartet und gehofft hatte, dass Ben lebend auftaucht...

Und wie sie weggelaufen ist, als schließlich die Gewissheit kam, dass Ben tot war...

Ben...

Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, während sie betreten versuchte Klaus' schockiertem Blick auszuweichen.
„Ich hab keine Halluzination, du bist es wirklich oder?“ fragte er unsicher.
„Ich bin es“ flüsterte Jasmin. Sie erwartete, dass Klaus sie anschreien
würde, sie solle verschwinden oder dass er sie ignorieren und wütend an ihr vorbei stapfen würde. Beides oder noch Schlimmeres hatte sie verdient, doch nichts davon geschah. Stattdessen sprang er, mit drei großen Schritten, freudig zu ihr und schloss sie in die Arme. Diese Reaktion tat ihr mehr weh, als jeder böse Spruch, den er hätte bringen können. Das habe ich nicht verdient!
„Klaus...“
„Das ist ja der Wahnsinn!“ unterbrach er sie, sie immer noch festhaltend, als könnte sie jeden Moment verschwinden.
„Hey...“ begann sie wieder.
„Ich hätte nie damit gerechnet, dich je wieder zu sehen!“ Klaus jauchzte wie ein Kind, dass von sein Eltern in einem riesigen Bällebad vergessen wurde.
„Klaus...“
„Wenn ich den anderen erzähle, dass du wieder da bist... die werden ausrasten! Zwar nicht vor Freude, aber sie werden ausrasten!“
„Ich bin nicht wieder...“
„Wo warst du denn so lange?“
„Ich war...“
„Es ist so viel passiert!“ jubelte Klaus weiter, ohne auf Jasmins Versuche zu achten, sich aus seiner Umarmung zu befreien. Er tut so, als wären die letzten Jahre nicht gewesen, als wären wir immer noch Freunde, dachte Sie, mit einem Klos im Hals.
„Klaus, hör mir...“
„Aber warte mal!“ rief er aus, griff Jasmin an die Schultern und schob sie gerade soweit von sich, dass er ihr in die Augen schauen konnte, „Ich kann mir schon denken, warum du damals weg warst, aber warum bist du dann hier?“
Wieder wurde Jasmin eiskalt. Davor hatte sie Angst gehabt, vor dieser Frage. Sie redete sich ein, die Antwort nicht zu kennen, doch sie kanntesie nur zu gut. Konnte sie es wagen, es auszusprechen? Konnte sie es aushalten? Tränen sammelten sich ihn ihren Augen und verschleierten ihre Sicht.
„Ben fehlt mir...“ Jasmin wollte noch mehr sagen, doch ihre Stimme brach ab und die Tränen liefen über. Die Freude in Klaus' Blick verwandelte sich in Mitgefühl und er zog sie wieder in seine Umarmung, die nicht mehr so überschwänglich war, sondern sanft und tröstend. Er nickte, als würde er jemandem lautlos zustimmen, beugte sich zu Jasmins Ohr und flüsterte:
„Du fehlst ihm auch.“