Undercover

GeschichteKrimi, Romanze / P18
Elizabeth Keen Raymond "Red" Reddington
18.07.2019
18.07.2019
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Warm und klebrig spritzt ihr die rote Flüssigkeit ins Gesicht, als neben ihr jemand von einem Querschläger getroffen wird. Es landet ebenfalls auf ihren Haaren und ihren Klamotten.
Ein Blick zur Seite zeigt ihr, dass es nicht nötig ist anzuhalten, für den Getroffenen kommt jede Hilfe zu spät.
Ein Tropfen, Blut und Schweiß vermischt, der ihre Wange runter rennt, holt sie ins Hier und Jetzt zurück. Sie unterdrückt den Wunsch diesen wegzuwischen.
Genug Zeit war schon vergangen und mit den Schreien und Schüssen hinter ihr, konnte sie sich nicht mehr Unaufmerksamkeit leisten.

Schneller, Izabella, Schneller.

Die Rufe ihrer Kameraden, Kollegen und Bekannten, welche ebenso flüchten wie sie und dabei versuchen das Feuer zu erwidern, spornen sie an.
Sie hebt ihre Pistole um zurückzuschießen, aber zielt dabei nicht wirklich. Sie muss genug tun um ihre Deckung aufrecht zu erhalten, damit niemand verdacht schöpft, selbst in dieser Situation. Aber dabei wollte sie niemanden verletzen. Und sie konnte das Gefühl der Erleichterung nicht unterdrücken, welches durch sie fuhr, als sie wirklich niemanden traf.
Vielleicht war dies der Moment welcher sie ins Verderben riss oder sie hätte von Anfang an einfach in Deckung gehen sollen und nicht dieser waghalsigen Flucht beiwohnen. Bis heute würde sie nicht wissen, was es war was sie falsch gemacht hatte.

Ein scharfer Schmerz bohrte sich in ihren Unterleib, ließ sie auf keuchen und stolpern. Sie merkte wie ihre Schritte langsamer wurden, unsicher und fahrig. Ihr Atem wurde gepresster, bei dem Versuch nur noch in den Brustkorb zu atmen und nicht in ihren Bauch.
Sie hatte das Gefühl das sie fiel, doch starke Hände bewahrten sie vor den harten Betonboden. Hielten sie fest, führten ihre eigenen zu dem Loch in ihrem Bauch aus welchen ihr Blut quellt. Sie weiß noch, wie surreal ihr all das vorkam, auch wenn es nicht das erste Mal war das sie angeschossen wurde.
Vielleicht war es so surreal weil der Mann der ihr half, einer der wenigen Männer waren mit denen sie sich in dem Waffenhändlerring angefreundet hatte. Oder weil er wirklich zurückgekommen war, als er gesehen hatte das sie getroffen wurde.
Sicherlich waren es auch seine Worte, welche aus seinem Mund prasselten. Es waren klischeehafte Phrasen, dass alles wieder gut werden würde, dass es ihr bald besser ginge und sie beide einfach zusammen weiter gehen müssten.
Er war noch einer dieser Menschen mit Anstand, wenn man das von Leuten behaupten konnte die Waffen in Kriegsländer verkauften. Aber er ließ nie jemanden zurück, dass wusste sie.
Und doch war es ihr inniger Wunsch das er es diesmal tat.

Sanft schüttelt sie schließlich den Kopf und versucht dabei zu lächeln, was leicht verzerrt rüber kommt, aufgrund der Schmerzen, welche sie verspürt.

„Du musst weg hier.“, flüstert sie und versucht dabei mit ihrer linken Hand seine Hände wegzudrücken.

Sie wusste das Ramirez eine Frau hatte und einen kleinen zweijährigen Sohn. Er sollte wirklich abhauen. Carla, würde es alleine nicht überstehen, alleine schon seinen Verlust nicht. Dafür liebte ihn seine Frau zu sehr.

Nun war es an ihm den Kopf zu schütteln. „Ich gehe nicht ohne dich, Iz.“

Es war angenehm den Kosenamen ihres Undercoverdecknamen zu hören. Und sie konnte nichts dagegen tun, dass sie ihn in Gedanken aufzog. Was für ein weicher Verbrecher er doch war. Zu weich um sie zurückzulassen und seine eigene Haut zu retten.

Sie versucht noch einmal zu lächeln, welches ihr diesmal besser gelingt.

„Es ist ok, Juan. Ich bin hart im nehmen. So eine kleine Kugel ist nichts für mich. Wenn du nicht aufpasst sitze ich schneller auf deiner alten Veranda und läster mit Carla über dich, bevor du Bier sagen kannst.“, scherzte sie, versuchte ihren Worten aber Nachdruck zu verleihen. Wie um es zu unterstreichen schob sie ihn nochmal von sich weg.
Diesmal ließ er es zu, half ihr aber noch dabei sich gegen einige Holzpaletten zu lehnen.

„Ich nehme dich beim Wort, Iz, nur damit du es weißt.“, schmunzelte er verkniffen und hob seinen Zeigefinger, fast als wollte er ihr drohen, dass wenn sie dies hier nicht überleben würde, er sie selbst nochmal unter die Erde bringen würde. Einfach weil sie ihr Wort nicht gehalten hatte.

Sie nickte und er stand auf, wobei er ihr nochmal leicht zuwinkte.

Hätte sie gewusst, dass dies ein Lebewohl, anstatt ein Wiedersehen bedeutete, hätte sie ihn nicht weggeschickt.
Sie hätte ihn bei sich behalten, versucht zu überreden sich zu stellen. Zusammen hätten sie auf die Polizisten gewartet und sie hätte ein gutes Wort für ihn eingelegt, wahrscheinlich sogar einen Deal ausgehandelt, so lange es bedeutete das er zurück zu Carla und seinen Sohn konnte.

Aber sie wusste es nicht.


Und so musste sie zusehen, wie sein Körper getroffen wurde. Wie er zusammenzuckte und Laute des Schmerzes von sich gab. Wie er auf den Boden aufschlug und um ihn herum der Beton rot wurde, getränkt von seinem Blut.
Hilflos hatte sie versucht zu ihm zu gelangen. Sie hatte sich mit den Armen über den Boden gezogen, ihre Beine schon unfähig ihr Gewicht zu halten.

Sie hatte seinen Namen geflüstert, dann gerufen. Sie wollte mit aller Kraft das er wach blieb, etwas erwiderte und um sein Leben kämpfte.
So wie sie darum kämpfte wach zu bleiben, die Schwärze welche sich an ihrem Blickfeld sammelte ignorierend. Es war wichtiger ihn zu retten.


Erst später hatte sie erfahren dass Juan Ramirez schon Tod war, als er auf den Boden aufschlug. Eine Kugel hatte direkt sein Herz getroffen.

An diesem Tag starb nicht nur er, sondern auch Izabella Carlos.






Mit rasendem Herz und in kalten Schweiß gehüllt, riss sie die Augen auf. Sie kämpfte gegen den Traum an, versuchte zurück zur Realität zu finden. Seufzend fuhr sie sich über die Augen, lehnte sich rüber in die Richtung ihres Nachttischschrankes, nur um mitten in der Bewegung inne zu halten.
Dies hier war nicht das Apartment welches sie gewohnt war, sondern eines der Motelzimmer, welches sie seit drei Monaten benutzte. Sie schloss die Augen.


Du bist Elizabeth Scott. Du bist nicht Izabella Carlos.

Diese zwei Sätze wiederholte sie mehrfach im Kopf, wobei sie von einem Stechen in ihrem Unterleib abgebracht wurde, ganz als wolle dieser ihr sagen, dass sie eben doch Izabella Carlos war.
Sie wusste das dieser Schmerz, einfach nur ein Phantomschmerz war, hervorgerufen durch ihre Erinnerungen und Gefühle welche diese auslösten. Schließlich hatte es die Psychologin, welche sie auf anraten ihres Bosses, die letzten zwei Monate besuchen musste, erklärt.
Es waren hauptsächlich ihre Schuldgefühle welche die Schmerzen hervor riefen. Das sie überlebt hatte und Juan Ramirez nicht. Das einer Familie der Ehemann, Vater genommen wurde.
Sie versuchte diesen Gedanken von sich zu drängen. Es war ihr Job sich bei verbrecherischen Organisationen einzuschleusen und Informationen anzusammeln. Diese sorgten dafür dass die Bösen hinter Gitter kamen und die Guten sicher waren.
Und es waren Kollateralschäden, wenn dabei einer von ihnen verletzt wurde. Ein Risiko was automatisch einher ging mit dem Dasein eines Verbrechers.
Sie wusste das.

Aber sie konnte nichts dagegen tun, gegen das Wissen, dass nicht alle Verbrecher welche sie kennenlernte, so skrupellos oder verdorben waren, wie die Gesellschaft es einen weiß machen wollte.

Mit einem weiteren tiefen Seufzer fuhr sie sich durch ihre Haare, löste die Knoten mit ihren Händen, welche sich über Nacht gebildet hatten. Ein Blick auf ihr Handy verriet ihr die Uhrzeit. Halb fünf am Morgen.
Das sie erst gegen zwei eingeschlafen war, dass juckte ihren Körper wohl nicht. Schließlich war sie jetzt hellwach und Elizabeth wusste, dass sie sich nicht nochmal hinzulegen brauchte, dass war ein hoffnungsloses Unterfangen.

Sie erhob sich, langsam und erschöpft, da ihr Kreislauf erst mal in Gange kommen musste und scannte den Fußboden nach ihren Laufklamotten.
Auch wenn das Motelzimmer irrsinnig klein war, schaffte sie es doch dank ihrer chaotischen Natur, immer wieder ihre Sachen zu verlegen und bei der Suche nach diesen verursachte sie nur noch mehr Unordnung.

Meist war diese aber von Erfolg gekrönt so auch wie diesen frühen Morgen, oder eher späte Nacht? Liz schüttelte den Kopf über ihre Gedanken und schälte sich aus ihren Schlafklamotten. Der Sport-BH zwickte etwas, da er doch enger saß, als ihre übliche Unterwäsche, aber sie mochte es lieber, dass alles an seinem Platz blieb, wenn sie durch den Park rannte.
Den Schlüssel verstaute sie in der Tasche ihrer Shorts, ebenso wie ihr Smartphone, ehe sie den Reißverschluss zu dieser schloss.
Sie dehnte sich kurz bevor sie anfing ihre übliche Strecke abzugehen, wobei ihre Schritte immer schneller wurden, als sie die Straßen hinter sich ließ und in einem Waldstück eintraf.
Manche Menschen liefen um sich fit zu halten oder ihre Gedanken zu ordnen.
Elizabeth lief um zu vergessen.


Verschwitzt und außer Atem schloss sie die Tür zu dem kleinen Motelzimmer auf, warf diese hinter sich zu, wobei sie gleichzeitig anfing sich auszuziehen. Ihr Körper verlangte nach einer heißen Duschen und ihr Wohlgefühl ebenso.
Fast hätte sie den Anruf verpasst, welche wohl schon angefangen hatte als sie aus der Dusche gestiegen war.
Hastig angelte sie mit ihrer rechten Hand nach dem mobilen Telefon  und versuchte mit ihrer linken Hand das Handtuch festzuhalten, welches sie nachlässig um sich geschlungen hatte. Mit einem Druck ihres Fingers nahm sie den Anruf entgegen.


„Scott.“, meldete sie sich.

„Agent Scott, schön zu wissen, dass sie doch noch meinen Anruf entgegen nehmen.“, ertönte die Stimme des Vizedirektors des FBI, Harold Cooper.


„Entschuldigen Sie, Sir.“, beeilte sie sich zu sagen. Auch wenn er meist freundlich ihr gegenüber war, war er doch niemand welchen man warten lassen sollte. Vor allem nicht wenn man wie Liz darauf wartete, endlich wieder in den Dienst einsteigen zu dürfen. Schließlich hatten ihr der Arzt und die Psychologin schon vor drei Wochen ihre Erlaubnis dazu gegeben.


„Macht nichts, Scott. Und ich sagte Ihnen doch bereits, dass sie mich nicht Sir nennen müssen. Cooper reicht vollkommen aus. Aber weswegen ich anrufe. Ich habe einen neuen Auftrag für sie.“

Aufregung durchflutete sie, gemischt mit Nervosität und einer Art Unruhe, wobei sie nicht benennen konnte ob diese positiv oder negativ war.
Und dann konnte sie nur an ein Wort denken: Endlich.
Endlich würde sie aus diesem Loch von Motel herauskommen. Endlich würde sie, wieder etwas zu tun haben, außer sich mit Fast Food vollzustopfen und stundenlange Gespräche von Psychologen über sich ergehen zu lassen.

Sie räusperte sich kurz, antworte, wobei sie versuchte die Gefühle aus ihrer Stimme herauszulassen. „Ich höre, worum geht es?“

„Das ist etwas, was ich Ihnen lieber persönlich erzähle, Agent Scott.“ Er schwieg kurz, ehe er fortfuhr.
„Aber sie kennen doch sicherlich, Raymond Reddington?“

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