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Trippin'

von Yehiel
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
OC (Own Character) Shawn Peter Raul Mendes
18.07.2019
18.07.2019
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Ich kann nicht fassen, dass es tatsächlich keine Slash-Geschichte über Shawn Mendes zu geben scheint. Freunde, das geht nicht. ;-) Das musste ich ändern. Hier der erste Teil des Ergebnisses.


Teil 1:

Regen. Und Camilla. Eine wirklich ätzende Kombination.

Es gab Tage, an denen hasste er seinen Job. Wobei, das stimmte nicht ganz: Es gab Tage, da hasste er, was er machen musste, um Erfolg zu haben. Shawn Mendes liebte Musik, sich selbst und das Rampenlicht. Aber er hasste Promotion. Und Interviews. Und dieses endlose Gelaber irgendwelcher Fernseh- und Radio-Futzis, die am Ende doch alle immer das gleiche wissen wollten. Gefühlt jedes Interview auf der Welt hatte drei Themen: Wie er es mit den Frauen hielt, wie er seine Haare machte und warum er immer so nett lächelte.

Die banale Wahrheit war: Mit den Frauen hielt Shawn Mendes mal elegant gar nix. Wenn er morgens aufstand, sah er immer scheiße aus, hatte aber halt eine Stylistin und nett lächelte er immer, weil er halt das Gesicht hatte, das er hatte. Angela Merkel sah ja auch mürrisch aus, wenn sie gute Laune hatte. Er sah halt auch dann nett aus, wenn er die Mordlust im Blick hatte.

Konnte man jetzt nix gegen tun.

Und natürlich hatte er gerne Erfolg. Wer auch nicht? Wer hatte nicht gerne Geld?

Aber an Tagen wie diesen, an denen er neben Camilla her galoppierte, wie ein Giraffenbaby neben seiner zu klein geratenen Mutter, nur um einen Paparazzi zu ergattern, der sie beim knutschen fotografieren würde. Dass es an diesem Tag auch noch regnete, half nicht. An Tagen wie diesen hasste er seinen Job, fast genauso sehr, wie er Camilla hasste.

Als sein Plattenlabel ihn damals unter Vertrag genommen hatte, hatte der Boss ihm - das musste der junge Kanadier fairerweise eingestehen - nichts vorgemacht. Hatte sogar prophezeit, dass ab einem gewissen Level an Erfolg die jungen, karrieregeilen Frauen an seinen Lippen hängen und alles für ein bisschen seines Ruhms tun würden. Der Typ vom Label hatte das damals sicher eher als Ansporn gemeint, so nach dem Motto: Und die Frauen werden dich lieben. Shawn war das damals egal gewesen - sein Outing hatte ja auch noch vor ihm gelegen. Heute war es ihm vor allem: Lästig.

“Du siehst nicht besonders begeistert aus”, fauchte Camilla, weil er ihr wohl nicht mit dem gebotenen Enthusiasmus in den Ausschnitt geschmachtet hatte. Ironischerweise sollte das in dieser Situation geschossene Foto des Paparazzos der erfolgreichste PR-Stunt der Beiden sein: “Ärger im Paradies” titelten am Tag danach gefühlt alle relevanten Magazine.

Daran, dass Shawn Mendes eigentlich schwul war, dachte kein Mensch mehr.

Die Phase, in der - grindr sein Dank - sein Geheimnis fast aufgeflogen wäre, war allerdings deutlich nervenaufreibender gewesen, als das hier. Jeden Tag hatte er befürchten müssen, dass seine Karriere zu Ende war oder in der Hand von irgendwelchen halbhomophoben Fernsehfutzis lag, die mit ihrer Berichterstattung die Meinung der Zielgruppe dominierten. Inzwischen fürchtete Shawn sein Outing nicht mehr. Allerdings verspürte er auch keine besondere Lust auf den in diesem Fall notwendigen Beicht-Auftritt bei Ellen DeGeneres.

Nein, einstweilen würde alles so bleiben, wie es jetzt war. Zumal: Er war zwar schwul und stand wirklich, wirklich sehr auf große blonde Männer (keine Jungs, sondern Männer!) mit blauen Augen. Aber er war im Moment nicht verliebt. Nicht einmal ein bisschen. Shawn Mendes glaubte nicht an die Liebe auf den ersten Blick. Auch, wenn er beharrlich in seinen Songs einen anderen Eindruck vermitteln wollte, hatte der Kanadier bisher immer geglaubt, Gefühle müssten sich entwickeln. Müssten wachsen, gegossen und gepflegt werden, wie seltene Blumen. Und genau deswegen, da war er sich sicher, war er noch nie verliebt gewesen. Er hatte keine Zeit, um etwas wachsen zu lassen. Oder, um Blumen zu pflegen, um im Bild zu bleiben. Überhaupt: Liebe konnte warten. Er war 20, sah gut aus. Er wollte Geld verdienen und - vor allem - Musik machen. Er hatte viel vor, wollte die Welt sehen.

Nein, die Liebe konnte warten.

“Sorry”, presste er durch die zusammengebissenen Zähne, als Camilla schon wieder etwas zischen wollte, und legte alle Liebe, die er für diese ätzende Person aufbringen konnte, in sein Gesicht.

“Na also”, flötete sie und strahlte wie auf Knopfdruck.

Vierzehn Tage später fand Shawn sich erneut an einem Ort wieder, an dem er eigentlich nicht sein wollte. Dieses Mal war er auf einem dieser Networking-Events, zu denen man von Zeit zu Zeit gehen musste, wenn man im Musikbusiness vorankommen wollte.

Diese fand in dem unsagbar protzigen Privathaus eines Musikindustrieheinis statt und, wenn man seiner Assistentin glauben wollte, dann würden allekommen.

Wer auch immer das sein sollte. Camilla jedenfalls würde nicht da sein. Shawn konnte seine Dankbarkeit kaum in Worte fassen, auch wenn das vermutlich bedeuten würde, sich den ganzen Abend das Pärchengefasel irgendwelcher Fremder anhören zu müssen. Erfreulich war auch, dass Bieber nicht mehr auf solche Partys ging. Musste er nicht mehr. Wer auf dem Thron sitzt, der muss nicht mit den Grafen reden.

“Gibt’s was zu trinken?”, fragte er direkt nach der Begrüßung durch den Gastgeber den jungen Kellner, der an der Seite des Raumes hinter einem Podest stand und irgendwie nervös wirkte, weil er etwas gefragt wurde.

“J-ja”, stammelte der Angesprochene mehr, als er redete. Gott, wie Shawn es hasste, wenn Leute so auf ihn reagierten. ”W-wir haben alles, was sie wollen”. Das bezweifelte Shawn nicht, entschied sich dann aber für ein Glas Wein. Trocken, rot. Gut.

Er stellte überrascht fest, dass er die meisten Leute hier nur vom Sehen her kannte. Nun gut, er hatte die komplette letzte Zeit auf Tour verbracht und die Leute im mittleren Management bei Plattenfirmen wechselten schnell, aber dennoch: Sehr viele neue Gesichter. Einige davon halbprominent - war das da ein Teilnehmer vom letzten Bachelor? -, andere schon deutlich bekannter. Nach dem Erfolg seines letzten Albums hatte sein Manager ihm, Shawn, gesagt, er sei jetzt auf der A-Liste. Also, richtig berühmt. Wenn das stimmte, dann war das hier maximal die B-Kategorie.

Oder er war zu früh.

Ein Glas Wein später hatte sich der Raum merklich gefüllt. Und Shawn hatte drei, vier Leute getroffen, die er kannte. Musiker aus seinen alten Tourbands, zumeist, einen guten Produzenten und ein ehemaliges Mitglied einer Girlgroup. Er unterhielt sich gut, aber nicht sehr gut - und ließ daher seinen Blick durch den Raum wandern. Trip, der Gitarrist einer Tourband, legte ihm die Hand auf die Schulter.

“Da du dich offensichtlich langweilst, würde ich dir gerne jemanden vorstellen”, grinste er und zog den kanadischen Sänger sanft mit sich.

“Ich habe mich nicht gelangweilt”, protestierte Shawn weniger hart, als er vorgehabt hatte, vor allem, weil er nicht unhöflich sein wollte.

“Jaja”, grinste der Gitarrist, der Shawn von seiner ersten Tour her kannte und dem er nur wenig vormachen konnte.

Shawn wollte gerade etwas entgegnen, als irgendetwas ihr schweigen ließ. Es war kein Geräusch und auch keine andere Person, die im Weg gestanden hätte. Es war ein Gefühl. Eine Präsenz, die ihm magisch vorkam. Die ihn aus dem Gleichgewicht brachte.

Shawn wollte einfach nur weg. Das war nicht der Plan.

Da drüben, in der Ecke, an eine Mauer gelehnt, stand: ER.
 
 
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