The lost secret

von DFate
GeschichteAbenteuer, Drama / P12
Elfman Strauss Mirajane Strauss OC (Own Character)
18.07.2019
07.10.2019
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Das Königreich Fiore…
Ein neutrales Land mit 17 Millionen Einwohnern und eine Welt voller Magie.
Mit der Magie wird ganz gewöhnlich Handel betrieben und sie ist tief im Alltag der Menschen verwurzelt.
Dann gibt es auch jene, die Magie beherrschen und als Beruf ausüben. Man nennt sie Magier.
Die Magier gehören den unterschiedlichsten Gilden an und führen Aufträge aus.
Von diesen Gilden gibt es unzählige im Reich und in einer Stadt befindet sich eine ganz besondere Gilde.
Einst hatte sie… Nein… Noch bis in die ferne Zukunft wird diese Gilde zahlreiche Legenden hervorbringen.
Ihr Name lautet… Fairy Tail.


Es war spätabends in der Nacht. In einer normalen Stadt wären bereits sämtliche Lichter aus. Und die Bewohner würden sich ihren Betten befinden und friedlich schlafen. Aber nicht in dieser Einrichtung. Nachtaktivität war hier praktisch Gesetz.
In einem langen Gang, dessen Boden aus eiskalten Stahlplatten bestand, humpelte ein Junge von gerade mal 14 Jahren einem Licht entgegen. Es war nicht das Licht von Freiheit. Die Hoffnung hatte er schon lange aufgegeben. Solange keine Hilfe von Außerhalb kam, würde er niemals frei sein.
Der Junge war nicht gerade gut bekleidet. Seine helle Hose und sein braunes Shirt waren voller Löcher und waren an manchen Stellen mit Blutflecken beschmutzt. Die dunkelblauen Haare des Jungen waren zerzaust und ungewaschen. Auch seine Statur war nicht wünschenswert. Er war mager, wobei dieses Wort nicht mal ansatzweise ausreichend war. Er bestand praktisch nur noch aus Haut und Knochen. Seine Beinmuskeln reichten gerade so aus, dass er laufen konnte. Auch seine Armmuskeln waren mitleiderregend schwach. Dass er überhaupt noch lebte, war ein echtes Wunder.
Warum schleppte er sich überhaupt noch weiter? Er wusste nur zu gut, was ihn in diesem Licht erwarten würde. Wie oft hatte er sich vorgestellt, wie es wäre, aufzuwachen und irgendwo jenseits dieses Gebäudes zu sein?
Er war gerade dabei, das Licht zu erreichen und einen anderen Raum zu betreten, als plötzlich alles in Dunkelheit gehüllt wurde. Bei dem Versuch, sich an den Wänden im Raum zu orientieren, griffen seine Hände immer wieder in die Luft.

„Mörder…“; hörte er eine Stimme plötzlich von irgendwo.

Und er kannte diese Stimme nur zu gut. Immerhin hatte er Jahre an der Seite der Besitzerin verbracht. Panik überkam den Jungen und er drehte sich in alle Richtungen.

„Nein. Das kann nicht sein. Ich… Ich habe dich nicht…“, rief der Junge in die Dunkelheit.

„Du hast mich im Stich gelassen…“, antwortete die Stimme.

Schweiß überkam das Gesicht des Jungen. Er hatte sie nicht im Stich gelassen. Das konnte einfach nicht sein. So etwas würde sie nie sagen und das wusste er. Warum bekam er dann solche Angst?

„Sag mir, wo du bist! Dann kann ich dich vielleicht noch retten!“, rief er der Stimme entgegen. Doch statt ihm zu antworten, erschien mitten in der Finsternis eine Gestalt.
Ein Mädchen in einem knielangen, weißen Hemd stand allein umgeben von den Schatten. In ihren Augen waren keine Pupillen zu sehen, keinerlei Emotionen spiegelten sich in ihnen wieder. Ihr Blick war starr auf den Jungen gerichtet. Sie öffnete den Mund, doch ihre Stimme schallte aus allen Richtungen:

„Schlaf, Akira…“

Sie richtete ihre Hand auf den Jungen namens Akira, der völlig erstarrt war und den Blick des Mädchens panisch erwiderte. Die Hand des Mädchens ging in magentafarbenem Feuer auf und erneut ertönte ihre Stimme in der gesamten Finsternis:

„Schlaf in den Abgründen ewiger DUNKELHEIT!“

Sofort schossen die Flammen auf Akira zu. Er sah seinem Ende entgegen. Er könnte diesen Flammen nicht entkommen.

XXXXX

Unverzüglich fuhr Akira aus seinem Schlaf. Sein gesamter Körper war schweißgebadet und sein Herz pochte wie verrückt… Nur ein Albtraum… Wie von einer Mücke gestochen griff er sofort auf seinen Nachtschrank, der sich direkt neben seinem Bett befand und nahm von dort eine einfache Brille mit schwarzem Rahmen und setzte sie sich auf. Kurz darauf schaltete er eine Tischlampe an, die den gesamten Raum in ein schwaches, gelbes Licht hüllte.
Zu sehen war neben einem Kleiderschrank in Beton-Optik und zwei weißen Bücherregalen, die voll mit Büchern waren, nichts weiter als ein Schreibtisch, der jedoch nur zwei Bilderrahmen als Unterlage diente.
Seine Hand wanderte zu einer Kette, die um seinen Hals hing. Dort war ein silberner Schlüssel befestigt. Akira umklammerte diesen Schlüssel, als würde sein Leben von ihm abhängen. Er hatte ihn noch und ihn nicht verloren. Und wieder einmal war er eingeschlafen, ohne die Kette abzunehmen.
Er schlug die Decke zurück und stieg aus dem Bett. Sein Schlafzimmer verlassend blicke er in den Flur. Die Wände waren weiß gefärbt und der Boden bestand aus Holzdielen, die jedoch noch recht neu waren. Kein Wunder, schließlich war das Haus, in dem Akira lebte, erst vor 4 Jahren erbaut worden.
Zu seinem Glück lag das Badezimmer direkt neben dem Schlafzimmer, weshalb der Weg nicht gerade lang war, und das war Akira nach seinem Albtraum nur recht. Er begab sich direkt ans Waschbecken. Während er den Wasserhahn aufdrehte, blickte er in den Spiegel vor ihm.
Akiras Haare waren inzwischen etwas zu lang geworden. Einige Strähnen überragten schon seine Augen. Er müsste sie also demnächst wieder schneiden lassen. Hier und da waren sie so dunkel, dass sie fast schwarz wirkten.
Seine Augen hingegen strahlten in einem Smaragdgrün und sein Gesicht hätte durchaus ein recht hübsches sein können. Wären da nicht die beiden Narben, die es verunstalteten. Während sich eine quer über das Gesicht zog, wurde die andere nur durch sein rechtes Auge unterbrochen, wenn er es öffnete.
Akira wusste nicht mehr, wie genau er sich die Wunden, auf die diese Narben folgten, eingehandelt hatte. Da das vernarbte Auge aber noch funktionierte, ging er davon aus, dass seine Augen damals geschlossen waren.
Er hielt seine Hände unter das laufende Wasser und schüttete es sich ins Gesicht. Das Wasser war eiskalt, doch das spielte für Akira keine Rolle. Er musste sich selbst irgendwie beruhigen, und einschlafen war dafür keine Option mehr.

„Ob es vielleicht doch stimmt …?“, fragte er sich selbst gedankenverloren.

Seine Stimme war für einen Mann seines jungen Alters von 20 noch recht hoch, aber dennoch tief genug, um herauszuhören, dass er den Stimmbruch und die Pubertät hinter sich hatte. Von der Statur her war er eher der Durschnitt. Eine Körpergröße von 1,84 Meter und ein nicht gerade von Muskeln besetzter Körper bildeten den Laib dieses Mannes.
Da es keinen Sinn hatte, sich Gedanken zu machen, schüttelte Akira sie einfach bei Seite und begab sich wieder in sein Schlafzimmer. Er entschloss sich, sein Haus zu verlassen und stattdessen den einzigen Ort aufzusuchen, an dem er sich wahrlich zu Hause fühlte.
Er fischte aus seinem Kleiderschrank ein weißes Shirt, auf dem einige Zeichen aus einer antiken Runenschrift abgebildet waren. Dazu einfache schwarze Jeans. Zu guter Letzt zog er sich noch eine schwarze Jacke über. Es war zwar Juli, doch die Jacke war ziemlich dünn und die Temperaturen in Akiras Heimatstadt Magnolia waren angenehm kühl, die Jacke würde also nicht stören.
Seine innere Uhr verriet ihm, dass es gerade kurz vor Sonnenaufgang sein musste. Er schaltete seine Lampe aus, zog die Fenstergardinen zurück und öffnete das Fenster schließlich. Und seine Vermutung erwies sich als richtig, als er am Horizont bereits die ersten Sonnenstrahlen ausfindig machte.
Unweigerlich musste Akira lächeln. Für ihn hatte der Sonnenaufgang etwas ebenso Magisches wie die Welt, in der lebte. Für ihn war es so, als würde mit jedem Sonnenaufgang eine neue Welt geboren werden, die immer wieder etwas Neues zu bieten hatte.
Zunächst war Akira am Überlegen, ob er den Sonnenaufgang beobachten sollte. Doch er legte diesen Gedanken beiseite. Immerhin wollte er noch etwas Zeit für sich allein haben. Also schloss er das Fenster wieder und schnappte sich ein Buch aus seinem Regal und begab sich anschließend zur Haustür.
Kaum war diese geöffnet, erblickte Akira direkt vor seinem Haus zwei kleine Jungs, die sich in etwa im Schulalter befanden. Er kannte diese beiden nur zu gut. Sie lebten in einem Waisenhaus, das nicht weit entfernt von seinem Zielort lag.

„Guten Morgen, Akira!“, grüßte ihn der etwas größere Junge.

Bereits ahnend, warum die beiden gekommen waren, stellte Akira sich eher die Frage, wieso die beiden nicht bis mittags warten konnten. Einer Unterhaltung würde er nicht mehr ausweichen können und da sich sein Zielort in derselben Richtung befand wie das Waisenhaus, war klar, dass er die beiden so schnell nicht mehr loswerden würde.
Nicht, dass er etwas gegen Kinder hätte, aber diese zwei konnten richtige Kletten sein. Er setzte sich also in Bewegung, wissend, dass die Jungs ihm folgen würden.

„Was treibt euch beide so früh her?“, fragte er in einem leicht erzieherischen Ton. Für Kinder in ihrem Alter war es wichtig, nachts viel zu schlafen. Im Sommer waren die Nächte zwar recht kurz, aber dennoch war er der Ansicht, dass Kinder frühstens um 7 Uhr morgens aufstehen sollten.

„Wir haben das Rätsel gelöst!“, verkündete der etwas kleinere Junge mit Stolz. Sie liebten es, wenn Akira ihnen kleine Rätsel zum Lösen gab. Eine Sache war für ihn klar, an diesen Jungs würden gute Detektive vorbeigehen, denn sie hatten es sich in den Kopf gesetzt, Magier zu werden.

„Dann lasst mal hören. Was geht am Morgen auf vier, am Mittag auf zwei und am Abend auf drei Beinen?“

„Der Mensch!“, riefen beide Jungs zeitgleich. Anschließend begangen sie abwechselnd mit der Erläuterung.

„Am Morgen geht der Mensch auf vier Beinen, denn am Morgen seines Lebens ist er noch ein Baby, die krabbeln ja auf allen Vieren.“

„Am Mittag geht der Mensch auf zwei Beinen. Da ist er erwachsen und braucht seine Hände nicht mehr.“

„Und am Abend ist er ein alter Mann, der eine Gehhilfe braucht. Diese ist das dritte Bein, auf dem der Mensch am Abend geht.“

Beeindruckt von den Kombinationsfähigkeiten der Kids, ließ Akira einen Pfiff los.

„Nicht schlecht. Gut mitgedacht, Jungs.“

Erneut grinsten die beiden. Akira wusste nur zu gut, worauf die beiden warteten. Er schaute in den Himmel und überlegte kurz. Er hatte vor kurzem ein etwas längeres Rätsel in einem Buch gelesen und bevor er selbst auf die Lösung kam, hatte er nicht weitergelesen. Die Vorstellung, wie lange die beiden wohl für das Rätsel brauchen würden, amüsierte ihn. In der Theorie gab es nämlich mehrere Antworten, aber nur eine davon war absolut.

„Also gut“, fing er an. „Hört gut zu. Seid ihr bereit?“

Die beiden Jungs nickten eifrig.

„Ich habe nie gelebt und werde doch immer sein. Niemand hat mich je gesehen oder wird mich je sehen. Und doch bin ich das, worauf alle vertrauen, die atmen und existieren. Was bin ich?“

Zunächst erntete Akira nur verdutzte Blicke, wie immer, wenn er den beiden Knirpsen ein neues Rätsel auferlegte. Doch sofort fingen die beiden an, zu überlegen. Normalerweise gab er ihnen immer ein sehr leichtes Rätsel, wenn sie ein etwas schwierigeres lösen konnten. Aber Akira wollte die beiden nicht unterfordern. Was wäre dafür besser geeignet als ein Rätsel, auf das mehrere Antworten möglich waren?

„Wenn ihr das Rätsel gelöst habt“, fing er an. „Kommt in die Gilde. Ihr solltet froh sein, dass ihr nachts schlafen dürft. Nutzt die Nacht also auch zum Schlafen und nicht, um halb sechs am Morgen vor meiner Tür zu stehen, nur um die Antwort auf ein Rätsel zu geben.“

„Tut uns leid, Akira…“, sprachen sie wie aus einem Munde. Zunächst glaubten die Kinder, sie würden eine weitere Standpauke hören. Stattdessen spürten sie jeweils eine Hand auf ihren Köpfen. Als sie raufschauten, sahen sie Akiras warmes Lächeln, das er ihnen schenkte.

„Und jetzt macht euch heim. Eure Mutter ist sicher krank vor Sorge.“

„Ok. Bis dann, Akira.“

„Wir sehen uns!“

Kurz darauf verschwanden die Jungen in einer Seitengasse. Akira blickte ihnen zufrieden hinterher. Er kannte die Betreuerin des Waisenhauses und wusste, dass sie alle Kinder dort wie ihre eigenen liebte, was glücklicherweise auf Gegenseitigkeit beruhte. Auch die beiden Jungs von eben sahen in der Betreuerin eine Mutter.
Gedankenverloren wanderte sein Blick in den Himmel, der sich etwas aufgehellt hatte, jetzt wo die Sonne aufgegangen war. Wenn er noch allein sein wollte, dann müsste er jetzt gehen, bevor die Ruhe gestört werden würde.

XXXXX

Endlich hatte Akira sein Ziel erreicht. Er fand sich vor einem zweistöckigen Gebäude wieder, das einer Pagode ähnelte, die nach oben hin immer kleiner wurde. Über dem Eingangstor stand in großen blauen Buchstaben „Fairy Tail“ und an den Seiten des Schriftzuges fanden sich Statuen von Wesen wieder, die wie Feen aussahen, denen ein Schweif wuchs.
Dieses Gebäude war der Sitz von Fairy Tail, der stärksten Magiergilde des Königreichs Fiore. Fairy rühmte sich damit, viele Magier hervorgebracht zu haben, deren Namen im ganzen Land bekannt waren. Der Gildenmeister Fairy Tails war sogar einer der Zehn heiligen Magier, den mächtigsten Magiern, die der Kontinent Ishgar, auf dem Fiore lag, je hervorbrachte.
Dummerweise war Fairy Tail auch ein Haufen von Chaoten. Wenn sie nicht gerade auf einem Auftrag waren, verbrachten die Mitglieder der Gilde die Zeit meistens damit, sich in der Gilde zu prügeln. Am schlimmsten waren dabei Natsu und Gray. Die beiden bekamen sich wegen den banalsten Dingen in die Haare und die Einzigen, die sie unter Kontrolle halten konnten, waren der Meister und Erza. Aber Erza war zurzeit auf einem Auftrag und bis der Meister eingriff, hatten sich 90% der anderen Mitglieder in die Prügelei der beiden eingemischt und die halbe Einrichtung zerstört. Und selbst das war keine Garantie, besonders, wenn Cana den Meister unter den Tisch getrunken hatte. In solchen Momenten musste Akira dann immer den Schlichter spielen, auch wenn Natsu und Gray seine Schlichtungsweise als unorthodox ansahen.
Generell war Akira eher einer der Typen, die eher in sich gekehrt waren und Streitereien immer aus dem Weg gingen. Ein Pazifist war er jedoch sicher nicht. Auch er nutzte Gewalt, wenn auch es nur den Sinn hatte, die zu beschützen, die ihm wichtig waren. Der „friedliche“ Weg des Redens hatte ihn in seinem bisherigen Leben kaum weitergebracht und er verfluchte sich selbst dafür, dass er…

„Wie immer der Erste, der anwesend ist, was?“, riss ihn plötzlich eine Stimme aus seinen Gedanken. Er erschrak so heftig, dass er instinktiv die Faust ballte und zuschlagen wollte. Doch als er sich umdrehte, bemerkte Akira, welchen Fehler er beinahe begangen hätte.

Die Übeltäterin, der die Stimme gehörte, war eine junge Frau von 19 Jahren. Sie hatte langes, weißes Haar, das sich an den Enden leicht kräuselte, wobei zwei Ponys ihr Gesicht umrahmten und bis zu ihrer Brust reichten. Das auffälligste Merkmal ihrer Frisur war jedoch ein kurzer, nach oben gerichteter Pferdeschwanz, der durch Sammeln und Binden ihrer Haare auf ihrer Stirn entstand.
Ihren Augen strahlten in einem Blau, das dem sternenbedeckten Nachthimmel ähnelte und sie hatte ein wunderschönes Gesicht, welches vor allem Abonnenten des Magazins „Weekly Sorcerer“ kannten, für den sie des Öfteren als Pin-Up-Modell agierte. Ihr Name war Mirajane Strauss und sie war ebenfalls ein Mitglied von Fairy Tail.
Akira senkte schnell seinen Arm und er lockerte sich etwas auf, nachdem er durch den Schreck angespannt war. Sofort wanderte ein nervöses Lächeln auf sein Gesicht.

„Mensch, Mira… Warum erschreckst du mich so? Du kennst doch meine Reflexe.“

„Stimmt, aber ich kenne auch deine Wahrnehmungsgabe“, antwortete Mira mit einem warmen Lächeln, welches wie jeden Tag ihr Gesicht schmückte.

„Weißt du, wenn du sowieso immer eher als der Meister da bist, dann könntest du dir doch eigentlich auch den Schlüssel geben lassen und frühs alles vorbereiten, findest du nicht?“

„Um dann den Haufen Verrückter zu empfangen, der sich anständige Gilde nennt? Danke, ich verzichte.“

„Och, bei Gray und Natsu funktioniert deine Erza-Imitation doch ganz gut.“

„Wenn es wenigstens nur die beiden wären. Aber sobald die sich prügeln, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Rest auch ins Speerfeuer geraten ist. Und Natsu sorgt schon für genug Verbrennungen.“

Auf diese Bemerkung hin folgte sowohl bei Akira als auch bei Mira ein ausgelassenes Kichern. Allerdings gab es eine Sache, die Akira etwas verwunderte.

„Warum bist du eigentlich schon hier, Mira?“

Ihr Blick wanderte gen Boden und allein daran wusste Akira schon, dass sie ihm irgendetwas verheimlichen wollte. Kurz darauf blickte Mira ihm wieder ins Gesicht, schloss allerdings die Augen.

„Na ja, ich war heute mal etwas früher wach und da dachte ich, dass ich…“

Doch sie konnte den Satz nicht zu Ende bringen. Als sie die Augen öffnete sah sie, dass sie sich in einer Umarmung Akiras befand, was sie doch ein klein wenig überraschte.

„Du kannst mir nichts vormachen, Mira“, sagte er in einem sanften Tonfall. „Du versuchst, mir etwas zu verheimlichen. Aber das brauchst du nicht, und das weißt du auch.“

Das tat sie wirklich und trotzdem versuchte sie es immer wieder. In solchen Momenten wünschte sie sich, dass er nicht so eine Wahrnehmungsgabe, die stark mit seiner Beobachtungsgabe einher ging, hatte. Aber da es keinen Sinn hatte, eine fehlgeschlagene Fassade aufrecht zu erhalten, rückte Mira mit der Sprache raus.

„Na gut… Um ehrlich zu sein, habe ich letzte Nacht nicht besonders gut geschlafen. Und die Hitze in meinem Zimmer war dabei nicht mal das Problem.“

„Es ist wegen Lisanna, nicht wahr? Du hast von damals geträumt, hab‘ ich recht?“

Lisanna war Miras kleine Schwester. Sie war genau wie Mira ein Mitglied von Fairy Tail gewesen, und dass, obwohl sie nur zwei Jahre jünger als Mira gewesen war. Aber zwei Jahre zuvor kam Lisanna bei einem Auftrag ums Leben. Ihr Tod war einer der schwärzesten Tage der Gilde gewesen. Sie war zwar nicht die erste Magierin, die der Arbeit wegen ihr Leben einbüßte, doch es waren die Umstände ihres Todes, die ihn um so tragischer machten. Mira quälte der Tod ihrer geliebten kleinen Schwester sehr. Nicht nur war sie an jenem Tag dabei, Lisanna war auch noch in ihren Armen davongeschieden. Dieser Vorfall sorgte dafür, dass Mira einen großen Teil ihrer magischen Kraft einbüßte. Das glaubten zumindest alle, aber Akira war fest davon überzeugt, dass ihre Kraft noch immer irgendwo in ihr schlummerte und durch ihre Schuldgefühle blockiert wurden.

Mira versuchte zwar, dem Drang zu widerstehen, doch allein die Erinnerung an diesen Tag lies sie alle Kraft und alle Freude verlieren. Sie gab sich der Trauer hin und brach in Tränen aus. Sie legte die Arme um ihren Kameraden, da sie befürchtete, sonst zusammenzubrechen.

„Ich vermisse sie so, Akira… Warum nur musste sie von uns gehen…? Warum konnten… wir ihr nicht… helfen…?“

„Du und Elfman, ihr wart ihr Ein und Alles. Und sie hat euch mehr geliebt, als irgendwen sonst. Aber an diesem Tag waren Dinge geschehen, die keiner von uns voraussehen konnte. Wir konnten nur das Beste aus der Situation machen. Und ich kann dir versichern, Mira, an ihrem Tod tragen weder du noch Elfman eine Schuld. Und Lisanna würde nicht wollen, dass ihr euch selbst die Schuld daran gebt.“

„Aber… Ich habe…“

„Nein, du hast alles getan, was in deiner Macht stand…“

Ohne zu wissen, wie lange es dauern würde, bis Mira aufhören würde, zu weinen, hielt Akira sie fest. Er wusste, dass sie das gerade brauchte. Und er wusste, wie sehr Mira mit ihren Schuldgefühlen zu kämpfen hatte

XXXXX

Nach einiger Zeit hatte Mira sich wieder beruhigt. Sie und Akira hatten sich auf eine Bank gesetzt, die in der unmittelbaren Nähe der Gilde stand. Mira wischte sich die letzten Tränen aus dem Gesicht. Es folgte noch ein kurzer Schniefer, bevor Mira endlich wieder ein Lächeln aufsetzen konnte.

„Danke, Akira. Ich weiß, du kannst dir schöneres vorstellen, als dir meine Sorgen anzuhören.“

„Blödsinn, für sowas sind Freunde doch da. Du kannst immer zu mir kommen, wenn dich etwas bedrückt.“

Er sagte es zwar nicht, aber es tat Akira immer in der Seele weh, Mira weinen zu sehen. Er konnte ihren Schmerz und Verlust nachempfinden, und auch die Schuldgefühle, die daraus resultierten. Aber er wusste genau so gut, dass es ihrer Psyche auf Dauer nicht gut täte, wenn sie immer alles in sich hineinfräße.

„Egal, was kommt. Meine Tür steht für dich immer offen.“

Nun war Mira es, die ihre Gedanken für sich behielt. Glaubte Akira wirklich, sie würde nicht merken, dass auch er etwas zu verbergen versuchte? Er konnte sie vielleicht durchschauen, aber das beruhte auf Gegenseitigkeit. Doch er würde nicht so schnell nachgeben, und sie wollte ihn auch nicht wirklich drängen. Daher entschied sie sich, dass sie ihn im Laufe des Tages darauf ansprechen würde.
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