Eigentlich

KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P12 Slash
Anko Mitarashi Iruka Umino Kakashi Hatake
16.07.2019
10.10.2019
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Explosive Experimente


Eigentlich war Iruka stets konzentriert.

Es war zum verrückt werden. Schon seit er am Morgen sein Bett verlassen hatte, konnte er an nichts anderes denken als an Kakashi, und dass er ihn heute Abend sehen würde. Iruka konnte keinen klaren Gedanken fassen. Beim Frühstücken hatte er versehentlich Milch ins Marmeladenglas gekippt anstatt in seinen Kaffee, und als er losfahren wollte hatte er gemerkt, dass er seinen Autoschlüssel in der Wohnung hatte liegen lassen. Alles, was ihm durch den Kopf schoss, waren mögliche Szenarien, wie sein Treffen mit Kakashi wohl ablaufen würde. Das war nicht gerade hilfreich, denn er hatte Arbeit zu erledigen. Er musste eine Klausur korrigieren, und diverse Unterrichtsstunden vorbereiten.

Iruka war stets konzentriert. Eigentlich.

„Setz dich endlich auf deinen Hintern, du machst mich irre!“, beschwerte sich Anko.
Kurenai seufzte nur zustimmend und reckte den Kopf in Richtung Anko: „Was ist denn los mit ihn?“
„Er hat ein Date!“, Anko grinste dreckig.
„Oh“, auch auf Kurenais Gesicht breitete sich ebenfalls ein Grinsen aus.
„Es ist kein Date!“, schaltete sich Iruka endlich ein, nachdem er zum Kopierer gelaufen war und gemerkt hatte, dass er die zu kopierenden Blätter auf seinem Schreibtisch hatte liegen lassen. Angestrengt stöhnend machte er sich auf den Rückweg quer durchs Lehrerzimmer.
Anko beugte sich zu Kurenai hinüber und flüsterte unüberhörbar: „Es ist ein Date. Sowas von!“
„Ich kann dich hören.“, grummelte Iruka und sammelte ein paar Blätter auf.
„Ja, macht doch nichts.“, feixte Anko, „Was wirst du eigentlich anziehen?“
Iruka wollte schon genervt abwinken, als ihm die perfekte Antwort durch den Kopf schoss: „Meine Spitzenunterwäsche von Victorias Secret.“
Ein anzügliches Pfeifen kam von der Tür – Asuma war eben ins Lehrerzimmer getreten. „Mach bitte Fotos, damit wir die hier aufhängen können.“
Iruka schlug die Hände vors Gesicht. Hätte er bloß nichts gesagt.
Die beiden Frauen kicherten vor sich hin. „Mit wem triffst du dich eigentlich?“, wollte Kurenai wissen.
„Streng geheim!“, wehrte Iruka ab und flüchtete – dummerweise flüchtete er in Tsunades Büro.

„Hallo Iruka, was gibt’s?“, wollte die Schulleiterin wissen, sie schien etwas überrascht, ihn hier zu sehen.
„Meine Kollegen sind anstrengend.“, erklärte er.
Tsunade rieb sich die Stirn: „Wem sagst du das! Aber… wenn du schon mal hier bist, ich habe noch einen Arbeitsauftrag für dich…“

Iruka konnte den Feierabend kaum abwarten, immer wieder huschte sein Blick zur Uhr. Pünktlich um 15 Uhr hatte er seine Aufgaben erledigt, packte seine Tasche zusammen und verabschiedete sich von Anko, die noch über irgendwelchen Arbeitsblättern brütete.
„Ah, warte doch!“, rief Anko und sprang ihren Kumpel an, der erschrocken zurückzuckte, „Irukaaa! Ich wünsche dir ganz viel Spaß bei deinem Da… bei deinem Treffen mit Kakashi. Tu nichts, was ich nicht auch tun würde! Und ruf mich später an, falls du dazu kommst. Ich will wissen, wie es gelaufen ist!“
„Schon gut“, gluckste Iruka ergeben, „Mach ich…“

Den Nachmittag verbrachte Iruka damit, sich ganz bewusst auf seinen Einkauf zu konzentrieren. Das klappte natürlich wunderbar, und nachdem er das Mehl wieder aus dem Kühlschrank geräumt und das Eis in der Spülmaschine gefunden hatte - wo es fast geschmolzen wäre – beschloss er, dass es Zeit für eine schnelle Dusche war.

So stand er schließlich frisch geduscht und mit einigen Kopien aus dem Theaterstück bewaffnet pünktlich um Sechs vor dem Kampfsportzentrum. Tief durchatmend drückte er die Schwingtür auf und trat ein. Der Empfangsbereich war modern gestaltet, mit tiefhängenden Lampen und einer langen Theke aus dunklem Holz, dekoriert mit weißen Orchideen. Eine Glastür führte in eine Art Hof oder Garten, weitere Türen zweigten ab, Schilder wiesen auf Toiletten, Umkleiden und Trainingshallen hin.

Doch all das nahm Iruka nur halb wahr, da seine ganze Aufmerksamkeit auf die Person gerichtet war, die scheinbar desinteressiert an der Theke lehnte und ihre Nase in ein Buch gesteckt hatte. Kaum fiel die Eingangstür hinter Iruka zu, ruckte Kakashis Kopf nach oben. Eigentlich sollte Iruka es inzwischen wissen, aber sein intensiver Blick traf ihn immer noch unvorbereitet und bohrte sich durch seine Augen direkt in seine Brust, wo sein Herz zitternd pochte.
„Hi“, nickte Kakashi, lächelte versonnen und legte das Buch beiseite. Sogar in seiner schwarzen Jogginghose und Jacke sah er einfach zum Anbeißen aus. Sein silbergraues Haar hatte er mit einem Stirnband gezähmt, zumindest soweit, dass ihm keine Strähnen in die Augen fielen. Zum wiederholten Mal fragte sich Iruka, woher Kakashi diese Narbe hatte, die sich über seine linke Augenbraue bis zu seiner Wange hinunterzog. Vielleicht würde er ihn irgendwann einmal danach fragen… Kakashi trug fingerlose, schwarze Handschuhe. Seine Trainingsjacke war offen und gab den Blick auf ein dunkelblaues, eng anliegendes Tanktop frei, seine Muskeln zeichneten sich überraschend deutlich unterm Stoff ab und trieben Hitze in Irukas Wangen…
„Wenn du fertig bist, können wir rüber in den Trainingsraum gehen.“, fuhr Kakashi im Plauderton fort, „Ich glaube sowieso nicht daran, dass sowas funktioniert.“
„Hm? Was?“, Iruka schüttelte bedröppelt seinen Kopf. Na wunderbar, er war schon wieder völlig in Kakashis Ausstrahlung gefangen, kaum war er zwei Sekunden hier.
„Jemanden allein mit den Augen auszuziehen.“, Kakashi grinste frech als Iruka ertappt zusammenzuckte, und sprach munter weiter, „Es gibt jedenfalls effektivere Methoden, soweit ich weiß. Na komm, wir schauen uns das Theaterstück mal an.“

Iruka versuchte gar nicht erst, ihm zu widersprechen, da er sich damit wahrscheinlich nur unglaubwürdig gemacht hätte. „Ich habe schon ein paar Szenen rausgesucht. Es gibt einen Kampf zwischen Romeo und ein paar feindlichen Ninjas, und Julia kommt ihn zur Hilfe…“, stieg er stattdessen auf Kakashis Vorschlag ein und folgte ihm durch eine Tür auf der rechten Seite.

Sie fanden sich in einem großen Raum wieder, gegenüber der Tür reichten große Milchglasfenster bis zum Boden. Dieser war komplett mit Matten ausgelegt, die Wände waren in einem schlichten Beigeton gestrichen. Kakashi schlüpfte im Gehen aus seinen Schuhen und kickte sie in eine Ecke, dann streifte er beiläufig die Jacke von seinen Schultern und warf sie hinterher.
Vorsichtig tastete Iruka nach seiner Nase, aus Angst, gleich Nasenbluten zu bekommen. Sein Blick wanderte über Kakashis Oberarme, Kakashis Unterarme… gut definierte Muskeln, ein rotes Kringel-Tattoo zierte seine linke Schulter.

Bevor er schon wieder in zu langes Starren verfiel, schlüpfte Iruka rasch aus seinen Schuhen und kramte nach der Szenenbeschreibung, die ihm vorschwebte. Die beiden Männer setzten sich auf den Boden und unterhielten sich eine Weile darüber. Iruka stellte fest, dass man sich wirklich gut mit Kakashi unterhalten konnte. Er war ein geduldiger Zuhörer, und brachte interessante und kreative Vorschläge ein. So fachsimpelten sie eine Weile über mögliche Kampfszenen, bis Kakashi fragte, ob Iruka überhaupt irgendwelche Erfahrungen mit Kampfsport hatte. Als dieser verneinte, beschloss er, Iruka erst einmal ein paar grundlegende Tae-Kwon-Do-Schritte zu zeigen, „Das ist für den Anfang am besten. Damit du wenigstens ein bisschen Ahnung davon bekommst, was ich hier mache.“

Nachdem Kakashi Iruka ein paar Bewegungen gezeigt (und dessen Haltung genauestens geprüft und korrigiert) hatte, kratzte er sich nachdenklich am Kopf. „Vielleicht… könnten wir das probieren. Versuch mal, mich anzugreifen, dann kann ich dir zeigen, wie man einen Angriff abblockt. Das ist außerdem eine gute Übung zur Selbstverteidigung.“
„Okay“, nickte Iruka und rieb sich verlegen die Nase. Er sollte Kakashi angreifen?

Konzentriert brachte er sich in Angriffsposition, die Beine so weit auseinander, dass er sein Gleichgewicht gut halten konnte. So wie Kakashi es ihm eben gezeigt hatte. Die Fäuste hielt er vors Gesicht, dann startete er seinen etwas unkoordinierten Angriff.
Kakashi hatte jede seiner Bewegungen genau verfolgt und nach Irukas Faust gegriffen, mit der anderen Hand bog er seinen Ellbogen nach oben. Iruka wusste gar nicht, wie ihm geschah, alles ging so schnell. Und schon fand er sich auf dem Mattenboden wieder, den Blick zur Decke gerichtet. Kakashi grinste triumphierend und beugte sich über ihn, um ihn festzuhalten.
„Diese eine Sache solltest du dir merken.“, flüsterte Kakashi mit leiser, rauer Stimme in Irukas Ohr, „Wenn man nicht aufpasst, liegt man ganz schnell unten.“
Iruka spürte, wie ihm die Hitze ins Gesicht schoss. Und nicht nur ins Gesicht… Plötzlich spürte Iruka ganz deutlich Kakashis Knie, die sich links und rechts an seine Hüfte drückten… Kakashis kräftige Hände, die seine Handgelenke auf der Matte festpinnten… Iruka spürte seinen ganzen Körper kribbeln, so nah war er ihm noch nie gewesen.
Kakashis leicht gerötetes Gesicht war nur Zentimeter von Irukas Nasenspitze entfernt. Er starrte wie hypnotisiert in diese dunklen Augen. Iruka biss sich auf die Unterlippe, seine Lippen zitterten ein wenig. Bildete er sich das nur ein, oder hatte Kakashi sich noch ein winziges Stück weiter heruntergebeugt? Der Atem der beiden Männer ging ungewöhnlich flach, als –

Ein ohrenbetäubender Knall erschütterte das gesamte Gebäude. Die Wände wackelten und der Boden bebte.
Kakashi war so schnell auf den Beinen, als hätte ihn eine Tarantel gestochen, und auch Iruka rappelte sich hoch – etwas langsamer allerdings. Ein kleiner, brauner Mops mit blauem Jäckchen raste ängstlich jaulend zur Tür herein. Der Hund drückte sich an Kakashis Beine und wimmerte.
„Pakkun, was ist denn passiert?“, Kakashi kratzte sich besorgt am Kopf, kurzentschlossen hob er den Hund hoch und drückte ihn Iruka in die Hände. „Hier, pass bitte kurz auf ihn auf. Ich schau nach, was das eben war.“
„O-okay“, stammelte Iruka etwas überrumpelt. Eben noch war er auf dem Boden gelegen, Kakashi über ihm – und jetzt diese Aufregung. Schon hörten sie laute Stimmen draußen auf dem Flur.

Vorsichtig folgte Iruka Kakashi, während er beruhigend über Pakkuns Kopf strich. Bevor er jedoch die Tür erreicht hatte, hörte er ihn schon brüllen.
„Meine Güte! Was ist denn hier passiert? Was…“

Iruka wagte es, seinen Kopf in den Flur zu strecken. Er wollte unbedingt wissen, was dort vor sich ging. Die Tür gegenüber, die auf den Hinterhof hinausführte, stand offen. Beißender Qualm vernebelte die Sicht, doch da war eine Gestalt, die hustend hereinstolperte. Lange, blonde Mähne, zu einem Pferdeschwanz hochgebunden, etwas zu viel Eyeliner und schwarzer Nagellack. Auf den ersten Blick schien es sich um eine junge Frau zu handeln, doch beim zweiten Blick auf die Lederjacke erkannte Iruka eine eher maskuline Figur.
„Du kleiner Scheißer! Deidara, warst du das?“, Kakashi war außer sich, er packte den Jungen am Kragen und drückte ihn gegen die nächstbeste Wand, „Was sollte das denn?“
„Ach, hab nur ein bisschen experimentiert…“, grummelte der Blonde, ein gefährliches Glitzern lag in seinen Augen.
„Experimentiert? Erklär mir, was das heißen soll, Deidara!“
„Plastiksprengstoff“, zischte er und kicherte überdreht.
„Wie bitte?“, Kakashi fuhr nun vollständig aus der Haut, „Sprengstoff? Wo hast du Sprengstoff her?“
„Gefunden…“
„Ich glaube, es ist höchste Zeit, die Polizei zu rufen!“

„Um Himmels Willen, er hat den Hinterhof in die Luft gejagt?“, kreischte eine Frau, die eben aus einer der Toiletten getreten war. In ihren Armen trug sie einen kleinen Jungen mit frisch gewechselter Windel. Dieser betrachtete mit schreckgeweiteten Augen die Szene, die sich vor ihm abspielte. „Ddduu hast mein Sandkuchn puttemacht!“, weinte das rothaarige Kleinkind völlig von der Rolle.
„Nicht nur den Sandkuchen, wie es aussieht.“, stöhnte Kakashi. Der halbe Hinterhof lag in Schutt und Asche. Ein paar zersplitterte Bretter kokelten vor sich hin.
„Stellen Sie sich bloß mal vor, mein kleiner Gaara hätte gerade im Sandkasten gespielt!“, kreischte die Frau weiter, einem Nervenzusammenbruch nahe, „Wenn ich nur daran denke, was… Ein Glück habe ich ihm eben die Windeln gewechselt! Das hätte übel ausgehen können.“
Der Kleine hatte ebenfalls die Lautstärke angehoben und schrie mit seiner Mutter um die Wette.
„Bitte, beruhigen Sie sich erst mal.“, versuchte Kakashi die Situation zu entschärfen. Hinter der Theke fand er ein Stofftier mit flauschigem, beigefarbenem Fell. „Hier, willst du nicht mit dem netten Bieber spielen?“
„Dassss’n Marder.“, grantelte der Junge, patschte aber trotzdem nach dem Tier. Iruka lief ein eiskalter Schauer über den Rücken. Er hatte noch nie ein Kind gesehen, das so einen Killerblick drauf hatte. Nicht mal Sasuke Uchiha konnte so schauen, selbst dann nicht, wenn er Streit mit Naruto hatte.

Deidara hatte offenbar beschlossen, dass er genug hatte und suchte das Weite, bevor Kakashi sich ihm erneut widmen konnte. Schneller, als irgendwer reagieren konnte, war er durch den Haupteingang hinaus auf die Straße gerannt. Ein lautes Knattern hob an.
„Spring rauf!“, rief eine dumpfe Stimme.

„Hiergeblieben!“, brüllte Kakashi, doch das Motorrad – eine schwarze Suzuki – war bereits angefahren. Der Fahrer trug dieselbe Lederjacke wie Deidara. Schwarz, mit komischen, roten Wolken drauf. Deidara schwang sich hinter ihn, seine lange, blonde Mähne flatterte im aufbrausenden Fahrtwind. Er zeigte demonstrativ den Mittelfinger in Kakashis Richtung, bevor das Motorrad hinter der nächsten Biegung verschwand.
Iruka stand mit offenem Mund da, den Hund auf dem Arm, und versuchte zu begreifen, was da eben geschehen war.
„Verdammte Akatsuzuki…“, fluchte Kakashi weiter und raufte sich die Haare, „Die machen nichts als Ärger. Diesmal sind sie zu weit gegangen. Diesmal gibt es eine Anzeige, darauf können die sich verlassen.“
„Akatsuzuki?“, stammelte Iruka und fragte sich, was das wohl bedeuten sollte. Irgendetwas klingelte da in seinem Kopf. Wo hatte er diesen Begriff schon einmal gehört?
„Eine Motorradgang, die hier ständig Ärger macht.“, erklärte Kakashi genervt, während er nach seinem Handy suchte, „Bis jetzt habe ich immer ein Auge zugedrückt, Rin und Obito zuliebe… Aber das hier geht eindeutig zu weit.“
„Was haben Sasukes Adoptiveltern damit zu tun?“, jetzt war Iruka neugierig.
„Nun ja…“, Kakashi wählte eine Nummer und kratzte sich unangenehm berührt am Kinn, „Es geht um Sasukes Bruder. Itachi. Er ist auch ein Mitglied dieser Gang.“
„Oha“, keuchte Iruka geschockt, Pakkun kläffte aufgebracht.


~ *** ~


Eigentlich war Sasori gerne mit seinen Freunden von Akatsuzuki unterwegs.

Er mochte es, einer Gruppe anzugehören, er mochte es, wenn andere mit ängstlichem Blick zu ihm aufsahen, weil er diese schwarze Lederjacke trug. Die Lederjacke mit den aufgenähten, roten Wolken. Ihr Symbol. Ein deutliches Zeichen für andere, entweder das zu machen, was man sagte, oder schleunigst das Weite zu suchen.
Wenn da nur nicht Deidara wäre. Deidara, der so völlig andere Ansichten vertrat als er selbst, der ständig Chaos stiftete und den man immer wieder aus Situationen retten musste, in die er sich dummer Weise selbst verstrickt hatte. Deidara trieb ihn regelmäßig zur Weißglut.

Sasori war gerne ein Teil von Akatsuzuki. Eigentlich.

„Jungs, möchtet ihr ein paar Chips? Soll ich euch einen Tee kochen?“ – Erst heute Morgen hatte die alte Frau ihre berühmten, selbst gemachten Chiyo Chips im Backofen gemacht. Das ganze Haus duftete nach den knusprigen Kartoffelscheibchen.
„Nein danke, Oma“, winkte der Junge mit dem feuerroten Haar genervt ab, „Wir kommen klar“ Er dirigierte die alte Frau wieder zurück in den Flur und klatschte ihr die Tür vor der Nase zu.
Schulterzuckend verschwand Oma Chiyo in ihrer Küche, sie grummelte leise vor sich hin. Undankbare Bälger. Da ließ man sie umsonst bei sich wohnen, und dann wollten sie nicht mal etwas von einem wissen. Es war ein Wunder, dass sie ihren Enkel heute überhaupt zu Gesicht bekommen hatte. Meistens bekam sie nicht mit, was er und seine merkwürdigen Kumpels unten in der Einliegerwohnung so trieben. Aber was kümmerte sie das auch. Sie beschloss, sich eben selbst einen Tee zu kochen und ihren Groll auf Sasori mal wieder hinunterzuschlucken.

Sasori hatte inzwischen seine Lederjacke über den Sessel geworfen und nickte den beiden Jungs zu, die vor der Playstation saßen und Need for Speed zockten. Hidan und Itachi drückten verbissen auf den Controllern herum, Kisame starrte gespannt auf den Bildschirm und feuerte – natürlich – Itachi an.
„Haare gefärbt?“, stellte Sasori mit Blick auf Kisames nun dunkelblaues Stachelhaar fest.
Kisame grinste etwas dümmlich, froh darüber, dass es endlich jemand bemerkt hatte. Hidan und Itachi hatten keinen zweiten Blick darauf verschwendet, und das hatte ihm echt weh getan. Beim letzten Freibadbesuch hatten sie nicht einmal seinen Sixpack gewürdigt, den er sich monatelang mühevoll antrainiert hatte. Ignorante Idioten…

Deidara war noch ganz aufgedreht von seiner Sprengstoffaktion eben, er hüpfte summend durch das geräumige Zimmer und ließ sich rücklings über die Lehne auf den Sessel fallen, seine Beine warf er in die Luft. Sasoris Lederjacke flutschte zu Boden.
„Pass doch auf, Mann!“, knurrte Sasori und bückte sich nach seinem heiß geliebten Kleidungsstück. Es hatte schon gereicht, dass er Deidara beim Kampfsportzentrum hatte einsammeln müssen – jetzt richtete er auch noch hier Chaos an. Hoffentlich hatte er all seinen Sprengstoff schon aufgebraucht. Sasori wollte seiner Oma nicht erklären müssen, warum seine Wohnung in die Luft geflogen war…
„Och, sei nicht so grantig!“, flötete Deidara und blinzelte Sasori kopfüber freudig an, „Ist doch alles super! Du hättest Kakashis Gesicht sehen sollen!“
Sasori, immer noch missmutig dreinblickend, plumste vor dem Sessel zu Boden: „Ja, ja, hast du fein gemacht, Deidara. Ganz toll. Willst du jetzt ein Eis dafür?“
„Ein Blowjob wäre mir lieber.“ In Deidaras Augen trat ein diabolisches Funkeln. Er stand noch komplett unter Einfluss von Adrenalin, da war sich Sasori sicher.

Denn er und Deidara konnten sich doch gar nicht leiden. Eigentlich.
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