Castle Crashers - 4 haun aufm Putz

GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Blauer Ritter Grüner Ritter Königliche Wache Oranger Ritter Roter Ritter
16.07.2019
08.10.2020
46
285.004
1
Alle Kapitel
19 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
30.07.2019 7.612
 
Die Prinzessinnen wirkten richtig glücklich. Es war wohl eine Mischung aus Aufregung, Abenteuerlust und Ausbruch aus dem langweiligen Alltag. Sie befanden sich kaum einen Kilometer von der Burg entfernt, doch die Prinzessinnen taten gerade so, als würden sie fremde Länder erkunden. Der Mond schien hell, so dass es kein Problem war etwas zu sehen. Sie lachten und tollten über die Wiesen wie junge Mädchen. Pyro fand es schön ihnen zuzusehen. Sie hatten eindeutig Spaß.
"Fangt mich doch!" rief Goldi ihren Schwestern zu und rannte lachend los.
Ihre Schwestern machten den Spaß mit und verfolgten sie, wobei sie überhaupt keine Rücksicht auf ihre Röcke nahmen. Heute ging es einfach nur um Spaß. Pyro hatte tatsächlich Mühe Schritt zu halten. Seine Rüstung verlangsamte ihn und die Prinzessinnen waren so aufgekratzt, dass sie wie junge Rehe herumhüpften. Er holte sie schließlich an einem stillen Weiher ein. Das Wasser sah klar aus. Saftiges Gras wuchs drumherum und große Bäume bildeten einen Blickfang.
"Machen wir doch ein Mondscheinbad", schlug Saphira vor.
"Au ja", war Rubinia sofort dabei.
"Pyro, steh Schmiere und guck, dass uns keiner stört!" befahl Goldi. "Und nicht schmulen!"
Pyro drehte sich sofort um und bezog im Schatten einer etwas entfernt stehenden dicken Eiche mit dem Rücken zum Wasser Aufstellung. Von hier würde er jeden sehen, der sich von dieser Seite näherte. Er wusste nur nicht, wie er die andere Seite im Auge behalten sollte, wenn von da jemand kommen sollte, aber er dachte sich, wenn es eine Gefahr geben sollte, dann würden die Prinzessinnen bestimmt schreien und egal wer oder was das war, er würde es töten und damit wäre das Problem dann erledigt. Vielleicht hätte er weiter weg gehen sollen, denn er konnte die Prinzessinnen immer noch leise hören. Er wollte sie nicht belauschen, doch wenn er sich weiter entfernte, könnte er zu weit weg sein, um sie zu schützen.
"Das Wasser ist kalt", beschwerte sich Smargada.
"Hihi, jetzt hab dich nicht so", kam es von Goldi und es war zu hören, wie sie mit Wasser spritzte.
"Ich finde das Wasser herrlich", sagte Saphira. "Schön, dass wir diesen Ausflug gemacht haben. Es tut richtig gut, mal weg vom Alltag zu kommen."
"Ich hoffe, dass wir jetzt nicht ständig nur noch in der Burg sind", klagte Goldi.
"Mich nervt das auch. Früher durften wir wenigstens noch ab und zu mit der Kutsche raus. Jetzt ist Vater viel zu besorgt", meinte Rubinia.
"Immerhin haben wir durch unsere Gäste etwas Abwechslung. Mit Prinzessin Alicia von König Alfred hab ich mich prächtig unterhalten", sagte Saphira fröhlich. "Sie hat erzählt, ihr Vater hat ein großes Sommerschloss mit einem schönen Park wo sie dann mit ihren Schwestern im Sommer lustwandelt."
"So ein Park ist schon was Feines. Schade, dass wir keinen haben", sagte Smaragda.
"Vater hätte gar nicht das Gold dafür. Wir haben nun mal ein recht kleines Königreich", sagte Rubinia und das leichte Spritzen von Wasser war zu hören.
"So klein ist es aber gar nicht mehr", entgegnete Smaragda. "Unsere Ritter haben das Königreich ordentlich vergrößert."
"Vielleicht sogar zu sehr", sagte Saphira besorgt. "Ich hab manchmal den Eindruck, dass Vater mit dem Regieren überfordert ist. Immerhin ist er auch nicht mehr der Jüngste."
Eine Zeit lang herrschte Schweigen und es war nur das leichte Plätschern von Wasser zu hören, als die Prinzessinnen zusammen spielten. Irgendwo im Baum rief eine Eule. Grillen zirpten. Es war wirklich eine ruhige und friedliche Nacht.
"Hast du morgen Prinz Alfonso zum Frühstück eingeladen Smaragda?" fragte Rubinia neugierig.
"Nein, der hatte seine Chance gehabt. Als es zur Gefahr kam, hat er mich als Schutzschild benutzt, könnt ihr euch das vorstellen?" fragte Smaragda empört. "Auf so einen Mann kann ich wirklich verzichten."
"Naja gut, ich weiß nicht, ob du erwarten kannst, dass ein Prinz sich gegen einen riesigen Troll stellt", sagte Saphira.
"Unsere Ritter haben das gekonnt", kam es stur zurück.
"Naja, das sind ja aber auch unsere Ritter", kam es lachend von Saphira. "Die können irgendwie alles besiegen. Aber von einem Prinzen kannst du sowas wohl nicht erwarten."
Smaragda atmete genervt aus.
"Trotzdem, zumindest hätte er sich nicht hinter mir verstecken brauchen. Jedenfalls hat er seine Chance damit vertan. Nein, ich hab Prinz Friedrich ausgesucht. Er hatte vorgestern so nett mit mir geplaudert und ich wusste nicht welchen ich sonst einladen sollte."
"Stimmt, ich finde auch, dass bisher keiner so richtig hervorsticht", kam es von Rubinia.
"Vielleicht erwarten sie ja, dass wir irgendwas machen", kam es arglos von Goldi.
Ihre Schwestern lachten.
"Du bist lustig. Das gehört sich doch nicht für eine Prinzessin", sagte Smaragda naserümpfend.
"Ich finde, Vater gibt uns da schon recht große Freiheiten. Immerhin hab ich von manchen der anderen Prinzessinnen gehört, dass sie schon seit Jahren Prinzen versprochen wurden, die sie noch nie gesehen haben", klärte Saphira ihre Schwestern auf.
"Echt?" fragte Goldi erschüttert. "Ist ja furchtbar. Wie kann man denn sowas tun?"
"Mensch Goldi, jetzt stell dich doch nicht dumm", sagte Smaragda genervt. "Wir sind doch nicht irgendwelche Bauerntöchter. Bei der Heirat von Prinzessinnen geht es um Macht und Geld und nicht unbedingt um Liebe."
"Schade eigentlich", sagte Rubinia schwermütig. "Stellt euch doch mal vor, ihr würdet den Prinzen eurer Träume heiraten."
Ihre Schwestern giggelten.
"Hihi, du bist hoffnungslos romantisch", kiekste Saphira.
"Ich mach mir oft Gedanken darüber welche Folgen meine Wahl für Vater und das Königreich hätte. Ihr nicht auch?" fragte Smaragda.
"Wie meinst du das?" wollten ihre Schwestern wissen.
"Naja, ich seh das so: Wenn ich einen Prinzen heirate, der ein mächtiges Königreich erben würde, dann hätte ich zwar einen Anteil daran, aber für unser Haus hätte das nicht wirklich Vorteile. Ich würde den Namen meines Mannes annehmen und ein Viertel von diesem Reich ginge in seinem Besitz auf. Wenn ich aber in ein kleines Königreich einheirate, dann könnten wir uns zusammen mit unserem Königreich gegen größere Königreiche verbünden. Und vielleicht hätte ich da auch ein größeres Mitspracherecht."
"Ich kann dich schon als Königin vor mir sehen", sinnierte Rubinia. "Wie du deinen willensschwachen Mann dirigierst. Hihi, ja, bestimmt hättest du die Hosen an und in Wahrheit würdest du das Reich regieren."
Offenbar spritzte Smaragda ihre Schwester gerade nass, denn die kreischte, dass sie nicht wolle, dass ihre Haare nass werden.
"Was du dir alles so für Gedanken machst. Ich hab mich einfach für Prinz Richard entschieden, weil er toll aussieht. Was dann draus wird, werde ich ja morgen sehen", erklärte Prinzessin Saphira.
"Bei mir ist es Prinz Frank, ein Sohn von König Wilhelm. Der hat bestimmt viele Gärten. Kann mir vorstellen, dass es ein gutes Leben wäre in so einem großen und mächtigen Königreich zu leben", überlegte Rubinia.
"Und was ist mit dir Goldi?" fragte Smaragda gespannt.
"Ach ich ..."
"Ja?" bohrten ihre Schwestern nach.
"Ich hab einfach einen ausgelost und es kam Prinz Tim dabei heraus."
Goldis Schwestern lachten ausgelassen.
"Ist ja wieder typisch Goldi, statt sich mal wirklich mit der Materie auseinanderzusetzen, lässt du das Los entscheiden. Du kannst dich nicht immer davor drücken", sagte Saphira.
"Ja, genau, wir sind keine kleinen Mädchen mehr. Langsam wird es ernst", redete auch Smaragda ihr ins Gewissen.
"Vielleicht will ich ja gar nicht heiraten. Hat mich überhaupt jemand gefragt, ob ich das will?" fragte Goldi ärgerlich, aber auch eine Spur verzweifelt.
Einen Moment war es still, dann sagte Saphira sanft: "Ach Schwesterchen, so ist das nun mal als Prinzessin. Das ist unsere Aufgabe. Heiraten und später einen Thronerben zur Welt bringen."
"Das ist doof. Warum darf ich nicht selber entscheiden, was ich mit meinem Leben anfangen will?"
"Du kannst froh sein, eine Prinzessin zu sein. Stell dir mal vor, du wärst arm und hättest nichts zu essen, kein Dach über dem Kopf und dein Vater würde dich auch bloß an irgendeinen Handwerker verheiraten, damit du ihm nicht länger die Haare vom Kopf isst."
"Naja, Smaragda hat das ganz schön hart formuliert", kam es von Saphira. "Aber im Prinzip hat sie recht. Wir können vielleicht nicht immer alles machen was wir wollen, aber wer kann das schon von sich sagen? Jeder ist an gewisse Regeln gebunden. Und ich denke an und für sich haben wir es doch ganz gut getroffen. Wir hatten doch bisher immer recht viel Spaß zusammen, oder?"
"Stimmt", kam es immer noch etwas bedrückt von Goldi.
"Und du denkst dir doch auch immer sehr viel aus, damit das so bleibt", lachte Saphira und spritze mit Wasser.
"Hihi, wisst ihr noch, als sie sich beim Fest so geschminkt hatte wie heute? Das wär bestimmt lustig geworden, wenn einer der Ritter wirklich gewonnen und sie dann geküsst hätte", giggelte Rubinia.
"Hm..." überlegte Saphira laut. "Ich frag mich immer noch, ob sie absichtlich alle K.O. gingen."
"Schade eigentlich, so hab ich meinen kleinen Spaß nicht durchführen können", sagte Goldi wehmütig.
"Dein Glück, Vater wäre bestimmt richtig sauer geworden, wenn er gewusst hätte was du für einen Blödsinn vorhattest", sagte Smaragda streng.
"Ach dieses doofe Gesetz mit dem Kuss ist doch sowieso Blödsinn", war Goldis Meinung.
"Das siehst du so", sagte Smaragda. "Aber stell dir doch mal vor, was die Ritter durchmachen mussten. Sie haben ihr Leben riskiert, immer und immer wieder und sind so weit gelaufen und haben wer weiß was für Gefahren durchstanden, um uns zu retten und vor einem schrecklichen Schicksal zu bewahren. Wer weiß wie es uns jetzt gehen würde, wenn sie uns nicht gerettet hätten. Da ist so ein kleines Dankeschön doch angemessen, findest du nicht?"
"Ja, aber ..." kam es störrisch von Goldi.
"Jetzt hör doch mal auf mit deinem ja, aber. Immer musst du das letzte Wort haben."
"Schimpf doch nicht so mit ihr, du machst die schöne Stimmung kaputt", versuchte Saphira Smaragda milde zu stimmen.
"Stimmt doch aber", wehrte die sich. "Ich wette, wenn Prinz Tim einen Kuss erwartet, weiß sie gar nicht wie sie es anstellen soll."
"Richtig Goldi, du bist die einzige von uns, die noch ungeküsst ist, hihi", kicherte Saphira. "Rubinia wurde ja sogar zweimal geküsst."
"Stimmt", pflichtete diese bei.
"Und?" fragte Smaragda verschwörerisch. "Welcher Kuss hat dir besser gefallen?"
Die Prinzessinnen kieksten. Schließlich sagte Rubinia: "Also der mit Thunder gefiel mir besser. Ich hatte das Gefühl er war einfühlsamer."
"Uuuhhhh", machten ihre Schwestern und lachten dann.
"Na los Goldi, jetzt hast du noch mal die Gelegenheit für einen Kuss. Der Kandidat steht gar nicht weit um die Ecke. Ich weiß doch, dass du Pyro magst", neckte Smaragda ihre Schwester.
Es platschte laut. Offenbar hatte Goldi ihre Schwester unter Wasser gedrückt. Als sie wieder hochkam, japste sie laut und beschwerte sich bei ihrer Schwester. Wenig später patschte und platschte es, offenbar verließen die Prinzessinnen das Gewässer und zogen sich jetzt wieder an. Sie unterhielten sich jetzt nur noch flüsternd, hin und wieder war ein kichern zu hören. Irgendwann wehte Goldis laute Stimme herüber: "Du kannst jetzt wieder gucken Pyro. Komm doch mal zu uns und mach ein Feuer, das uns wärmt!"
Der Ritter wäre beinahe eingedöst. Jetzt schreckte er hoch, ging langsam zu den Prinzessinnen und entzündete kurzerhand einen alten, maroden Baumstumpf, damit die jungen Frauen sich trocknen konnten.
"Cool", sagte Goldi anerkennend.
"Du meinst wohl heiß", kam es von Rubinia, die ihrer Schwester bedeutungsvoll zuzwinkerte.
Goldi sah zuerst unsicher aus, dann straffte sie ihre Gestalt plötzlich und sagte mit fester Stimme: "Pyro, komm doch mal mit!"
"Was? Wo denn hin?" fragte der Ritter überrascht.
Goldi sagte nichts weiter, sondern nahm ihn an der Hand und zog ihn mit sich unter eine am Rande des Weihers stehende Trauerweide. Die anderen Prinzessinnen giggelten leise. Die Äste der Weide ragten bis knapp über den Boden und bildeten somit ein natürliches Dach. Pyro fragte sich, was passieren würde, wenn er dieses Gebilde anzündete. Würden sie sich dann in oder unter einem brennenden Baum befinden? Sicher, der König hatte gesagt, er sollte Gefahren frühzeitig erkennen und die Prinzessinnen davor bewahren, aber schließlich mussten diese Gefahren ja erst irgendwie entstehen und natürlich musste sie sich irgendwer zuallererst ausdenken. Während er so überlegte, war ihm Goldi ganz schön nah gekommen. Sie sah jetzt gar nicht mehr so sicher aus und wusste wohl nicht wie sie jetzt weiter vorgehen sollte.
"Beim Fest, als ihr um mich kämpfen solltet, war es da Absicht, dass ihr alle verloren habt?" fragte Goldi leise.
"Wir ... ähm... waren betrunken", wich Pyro verlegen aus.
"Ich denke, irgendwie hast du gewonnen, immerhin warst du zuletzt kampfunfähig."
"Naja, eigentlich war es ein Unentschieden" versuchte sich Pyro herauszureden.
"Trotzdem, ich denke, ich schulde dir einen Kuss."
Pyro wusste nicht, was er jetzt machen sollte. Er hatte keine Ahnung wie er sich noch herausreden sollte, ohne, dass die Prinzessin dumm da stand. Vielleicht war es das Beste die Sache einfach durchzuziehen, dann hätte es sich erledigt und fertig. Tatsächlich musste aber Goldi die Initiative ergreifen. Offenbar gefiel ihr der Kuss. Pyro fand es dann letztendlich auch nicht so schlimm, wie er es sich vorgestellt hatte. Goldi sah auch recht zufrieden aus. Sie lächelte ihn an und zog ihn dann zurück zu ihren Schwestern. Es war nicht klar, ob sie schon wieder oder immer noch kicherten. Sie wechselten einige Blicke, doch offenbar wollten sie erst über gewisse Themen reden, wenn sie wieder unter sich waren.
"Ich finde, es ist Zeit wieder ins Schloss zurückzugehen", meinte Saphira.
Sie brachen auf. Kurz vor der Burg überlegte Smaragda laut, dass es in ihren Schlafzimmern mittlerweile bestimmt sehr kalt war. Kurzerhand fällte Pyro einen vier Meter hohen Baum als Brennholzvorrat. Eigentlich wurden solche Aufgaben mit einer Axt oder einer Säge erledigt, doch das hatte Pyro niemand gesagt. Er schulterte den Stamm so wie er war und sie gingen durch den Geheimgang des Schlosses zurück und dann die Treppen hinauf bis zum Flur der Prinzessinnen, wobei immer mal wieder kleine Zweige und Teile der Rinde abfielen. Hier hackte Pyro den Baum in vier Teile, um sie zum Heizen zu verwenden. Die Äste waren etwas starrsinnig, doch Pyro stopfte sie energisch in den Kamin in Goldis Zimmer.
"Unsere Diener legen das Holz irgendwie gespalten rein", wies Goldi ihn darauf hin.
"Ach das passt schon", erklärte Pyro leichthin und ließ ein Inferno losbrechen, das den Kamin hochbrüllte und bis nach oben aus dem Schornstein schoss.
"Brennt doch, siehst du."
Prinzessin Goldi sah belustigt aus. Er wollte gerade die Kamine in den anderen Zimmern anzünden, da hörte er den schrillen Schrei von Saphira. Pyro freute sich schon, dass es jetzt vielleicht doch noch Aktion gab, aber dann stellte sich die Gefahr nur als kleine Spinne heraus.
"Mach die tot!" forderte die Prinzessin, die sich auf ihre Sitzbank gerettet hatte.
Wusch. Eine Flammenzunge loderte über den Steinboden und ließ von der Spinne nicht mal Asche zurück.
"Erledigt. Sonst noch irgendwelche Viecher, die gemeuchelt werden sollen?"
"Nein, ich denke, im Moment ist alles in Ordnung. Du kannst gehen."
Pyro entzündete auch hier und in den anderen beiden Zimmern das Feuer, dann bezog er draußen auf dem Flur Stellung. Es dauerte eine Stunde bis die Wachablösung kam. Es waren die eigentlichen acht Leibwächter der Prinzessinnen.
Sie wechselten ein paar Worte über die aktuelle Gefahrenlage, verkokelte Spinne im Zimmer, und über die Reste des Brennholzes im Flur, und Pyro verabschiedete sich und ging zurück zu seinen Freunden. Er erwartete, dass sie schlafen würden und bei Venom und Thunder war das auch der Fall, doch tatsächlich war Cyrill noch wach.
"Da bist du ja", freute sich sein Kumpel. "Und wie war’s? Wurdest du erwischt? Ich hab gesehen, ihr habt einen kleinen nächtlichen Ausflug gemacht."
"So spannend wie sich das anhört war es aber gar nicht. Die Prinzessinnen sind nur etwas herumgetobt und haben gebadet."
"Keine Monster oder so?"
"Nö. War alles ruhig."
Pyro gähnte. Sein Freund sah aber gar nicht so aus, als wenn er schlafen wollte. Ein irres Funkeln trat in seine Augen.
"Komm, lass uns irgendwas Verrücktes machen, lass uns den Mond anzünden."


"Seht mal was ich gefunden habe", sagte Pyro am nächsten Morgen. Er saß in ihrem Zimmer auf dem Boden zwischen all dem Krempel der an allen möglichen und unmöglichen Stellen verteilt lag.
"Ist das ein Hühnerei?" fragte Cyrill. "Wann hatten wir denn das letzte Mal Hühnereier mit nach oben gebracht  ... und wozu?"
"Zum Essen?" überlegte Pyro, weil es ihm das naheliegendste war.
"Kann sein, dass ich mir die als Mitternachtsimbiss mal mitgenommen hatte", überlegte Venom.
"Also seitdem ich hier bin, hast du jedenfalls keine Eier mit hochgebracht", sagte Thunder grinsend.
"Ne, das muss schon viel länger her sein. Ein Jahr oder so, fällt mir jetzt auch nur deswegen wieder ein, weil ich es sehe", sagte Venom.
"Sieht irgendwie komisch aus", sagte Pyro. "Die Schale ist so uneben."
"Und bestimmt stinkt es", mutmaßte Cyrill, dem diese Unordentlichkeit gegen den Strich ging.
Der orangene Ritter schnupperte.
"Hm... nö, gar nicht mal so sehr. Es riecht zwar wie ... naja wie ein Ei eben, aber nicht wie man das so erwartet, dass es nach faulen Eiern stinkt."
Er drehte es hin und her und wog es in der rechten Panzerhand.
"Es ist ungewöhnlich leicht, als wäre nichts drin, ist bestimmt schon alles vergammelt."
Pyro legte es auf den Boden und ließ es ganz schnell rotieren.
"Huiii, ein neues Spiel: Eierdrehen, wie wär’s denn damit?"
Seine Kumpels sahen sich an und schüttelten genervt den Kopf. Pyro sah zu ihnen hoch. Ihm war eine Idee gekommen.
"Das wär doch auch mal was, das Ei als Wurfgeschoss nehmen. Wer mir Ärger macht, der kriegt so ein schönes altes Ei an den Kopp geworfen. Hm..."
Er erinnerte sich an was.
"Meint ihr, das gilt dann als Totschlag?"
"Totschlag ist aber nur, wenn du nicht damit rechnest wenn jemand stirbt", klärte Venom auf.
"Eben", kam es von Pyro. "Bei einem Ei rechnet man ja nicht damit, dass deswegen einer stirbt, oder?"
Er sah sich zum Fenster um. Cyrill konnte sich schon denken was seinem Freund durch den Kopf ging.
"Du wirst es doch jetzt nicht runter werfen, wenn gerade jemand im Hof unter dem Fenster steht?"
"Nicht?" fragte Pyro enttäuscht.
"Nein!" kam es streng zurück.
Pyro hatte aber schon eine andere Idee was er mit dem Ei anfangen könnte.
"Ich will das jetzt wissen, wie es da drin aussieht. Ob es wirklich vergammelt ist? Nur, wie mach ich es jetzt am besten auf?"
Cyrill verdrehte die Augen und sagte dann: "Naja, mit nem Teller wär schlecht, das macht wieder Dreck ... ne alte Zeitung, so eine wie da drüben liegt, wäre gut, die kann man dann zusammen mit dem Ei wegwer..."
KRACH! Pyro hatte das Ei auf den Boden gelegt und einfach mit seinem Panzerhandschuh zerschlagen. Es zerfiel in beinahe Tausend Teile. Cyrill schlug sich mit der rechten Hand an den Helm.
"Warum sag ich überhaupt was?"
Pyro hatte ihm offenbar gar nicht zugehört, denn er meinte: "Ok, das war ein bisschen leicht, hätte ich nicht erwartet, dass es so leicht geht. Das war bestimmt spröde."
"Aber ganz bestimmt Pyro", sagte Venom und sah ihm dabei zu, wie er in den Eierschalen herumfingerte.
"Alter, das ist ja richtig mumifiziert. Das hab ich noch nicht gesehen. Ich wusste ja, dass ein Ei gammelt, aber nicht, dass es so fest wird. Das war ja ganz früher mal ein rohes Ei. Krass. Hat das schon mal einer von euch gesehen? ... Über den Gammel hinaus."
"Geronnen, das Ei ist geronnen", stellte Venom richtig.
"Ok, Schluss damit", sagte Cyrill und baute sich vor Pyro auf. "Wird Zeit das hier mal aufgeräumt wird."
Pyro sah sich irritiert um, nach dem Motto, wer jetzt wie wo aufräumen sollte.
"Und weil der König uns bevollmächtigt hat dir Befehle zu erteilen wirst du das jetzt machen."
"Ich?" fragte Pyro erschrocken.
Venom und Thunder lachten.
"Gute Idee Cyrill. Stimmt, eigentlich können wir Pyro jetzt immerzu herumkommandieren. Tolle Sache."
Venom rieb sich die Hände.
"Das kommt bestimmt gut, wenn ich mitten in der Nacht mal Hunger kriege und keinen Bock habe runter in die Küche zu gehen. Wenn Pyro das macht, dann geben sie ihm bestimmt eher was, der isst immer zu wenig."
"Oder er muss unseren Wachdienst übernehmen und wir machen uns eine schöne Zeit", kam es vom grinsenden Thunder.
"Das ist gemein", kam es schmollend von Pyro.
"Das soll es doch auch sein, es ist doch deine Strafe", sagte Venom feixend.
Cyrill atmete geschafft aus.
"Also zunächst einmal musst du nur aufräumen."
"Was heißt denn hier nur? Das dauert bestimmt Wochen und ich weiß gar nicht wie ich das überhaupt machen soll", klagte der orangene Ritter.
"Weil dir die Übung fehlt. Am besten sortierst du erstmal all das Zeug auf verschiedene Haufen. Einen wo du alles aufschichtest was wir noch brauchen und einen anderen, der weggeschmissen werden kann. Dann ist auch wieder Platz und die wichtigen Sachen räumen wir dann in vier Kisten. Für jeden eine unter den Betten."
"Hört sich doch nach einem guten Plan an“, sagte Thunder schmunzelnd.
"Gut, dann mach ich mal los. Ich hab heute Schutzdienst bei den Prinzessinnen", sagte Cyrill.
"Und wir gehen dann mal zum Frühstück", sagte Venom.
"Viel Spaß beim Aufräumen Pyro."
Thunder winkte ihm zu.


Venom und Thunder luden sich ordentlich was auf die Frühstücksteller und setzten sich zu ein paar der anderen Ritter an die Tische. Sie kannten sich noch nicht, mal davon abgesehen, dass sie gegen einige beim Turnier gekämpft hatten.
„Wir haben uns noch gar nicht vorgestellt, oder?“ fragte der türkisene Ritter, der im Team vom rosanen war.
Nacheinander zeigte er erst auf sich, dann auf den gelben, weißen und schließlich den rosanen Ritter. „Mein Name ist Viorel, das ist Flavio, der da ist Gwendal und den Typ neben mir nennen wir Candy Andy.“
„He, das ist doch nur mein Spitzname“, stellte der rosane Ritter richtig.
„Wo wir schon dabei sind“, kam es jetzt vom lilanen Ritter. „Ich bin Gustav und das sind Sunil, Nyx und Bruno.“
Er zeigte auf den dunkelblauen, den schwarzen und den braunen Ritter, die neben ihm saßen.
Venom und Thunder reichten den anderen Rittern die Hände und stellten sich dann vor. Wie sich herausstellte war das gar nicht mehr nötig. Irgendwie kannten hier alle ihre Namen.
„Man könnte sagen ihr seid berühmt und berüchtigt“, sagte Gustav und grinste breit.
„Ich hab gehört euer Kamerad war gestern Nacht mit den Prinzessinnen eures Königs unterwegs, außerhalb der Burg, ganz allein“, sagte der alte Ritter mit der glänzenden Rüstung, der Heinrich hieß, verschwörerisch.
„Uh, wie geheimnisvoll“, sagte Andy, der rosafarbene Ritter und stützte seinen Kopf verträumt auf eine Hand. „Was sie da wohl gemacht haben?“
„So wie ich Pyro kenne, hat er irgendwas abgefackelt“, sagte Venom trocken.
„Und die Prinzessinnen?“ fragte Andy fast schon beleidigt.
„Nein, die leben noch, die können es also nicht gewesen sein“, antwortete der grüne Ritter und gähnte.
„Schlecht geschlafen?“ fragte sein Gegenüber.
„Beinahe gar nicht. Nachdem Pyro zurück war, hat Cyrill uns wachgerüttelt, irgendwas beklopptes von wegen, sie wollten den Mond anzünden. Naja was weiß ich. Thunder und ich wollten ja auch nicht als Langweiler dastehen und sind halt mitgegangen. Wenn wir nicht mitgehen, dann tun sie sich noch weh. Ich kenn sie doch. Dann klettern sie wieder irgendwelche steilen Felskanten hoch, obwohl es gleich nebenan vierhundert Meter runtergeht und sie sich den Hals brechen könnten, oder springen durch gefährliche Canyons und suchen nach irgendwelchen Monstern in versteckten Höhlen hinter Wasserfällen oder sowas.“
„Diesmal war es ein Mondkalb im Wald“, klärte Thunder auf. „Wir latschen also stundenlang herum, bis wir so ein Vieh finden. Tja, also bei einem Mondkalb hatte ich mir ja so eine Art niedliches Kälbchen vorgestellt, aber nein, das ist so ein Biest wie aus der Hölle, Hufe, riesen Fangzähne und mega Hörner.“
„Meinst du sie wussten, dass das Monster da ist?“ fragte Venom müde seinen Kumpel.
„Keine Ahnung, vielleicht war es auch nur ein Gag und das war in Wahrheit irgendein anderes Biest. Wie auch immer, nachdem wir das Vieh zerstückelt hatten und der Wald abgebrannt war, gingen wir wieder nach Hause, aber da dämmerte es dann auch schon. War also nicht viel mit schlafen“, klärte Thunder die anderen Ritter am Tisch auf, die jetzt sehr verwundert aussahen.
"Ich wundere mich ja wo hier bei euch immer diese Monstren herkommen. Bei uns gibt es sowas gar nicht", informierte sie der Ritter mit der glänzenden Rüstung.
"Ach auf Dauer wäre es bestimmt langweilig, wenn es überhaupt keine Biester gäbe, gegen die wir kämpfen könnten", sagte Venom und biss von seinem gestapelten Schinken, Eier, Käse, Salami, Jagdwurst Sandwich ab.
"Ich hoffe, ich störe nicht", kam es dezent von hinten.
Dann setzte sich ein Mann in den Fünfzigern neben Venom. Er trug ein feines smaragdgrünes Gewand und sah sehr edel aus. Venom sah ihn ungläubig an.
"Vater?"
"Ja, mein Sohn. Es tut mir Leid, dass ich dich beim Frühstück störe, aber ich wollte dich sehen und es ergab sich gerade ein Zeitfenster."
"Was machst du denn hier?" fragte Venom erstaunt.
"Ich bin der Berater von König Damian. Da es jetzt am laufenden Band Gespräche zwischen den Königen gibt, hatte ich bisher leider keine freie Minute, um dich zu sehen."
Die anderen Ritter wandten sich respektvoll ab, um den beiden nicht im Weg zu sein. Natürlich konnten sie noch mithören, doch fanden sie es unhöflich sich in das Gespräch der Beiden einzumischen.
"Ich hab von deinen Heldentaten gehört. Ich muss zugeben, zuerst war ich etwas ... überrascht, dass du Ritter geworden bist. Ich weiß, damals als du von zuhause fortgingst, wolltest du Abenteuer erleben, aber ich hätte nicht gedacht, dass du so einen gewalttätigen und gefährlichen Beruf ergreifen würdest. Doch wie ich gehört habe bist du jetzt ein Eliteritter. Du hast die Prinzessinnen gerettet und deinem König damit einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Ich bin sehr stolz auf dich."
Der Vater legte seine linke Hand auf Venoms rechte Schulter.
"Danke", kam es unsicher von Venom.
"Geht es dir gut? Hast du eine Familie?"
"Mir geht es prima. Nein, hab ich nicht. Wie geht es Mutter?" stellte Venom rasch eine Gegenfrage.
"Gut soweit."
Sein Vater sah sich um. Ein gehetzt wirkender Laufbursche kam angetrabt und flüsterte dem Adligen etwas ins Ohr, woraufhin der nickte.
"Ich muss los, mein Sohn. Wir werden uns bestimmt bald wiedersehen. Sobald ich es einrichten kann."
Er klopfte ihm auf die Schulter, stand auf und verließ gemessenen Schrittes den Speisesaal.
Einen Moment war es still am Tisch, keiner der Ritter wollte etwas sagen, weil sie nicht wussten, ob es etwas dummes sein könnte.
"Das kam unvermittelt. Wir haben uns schon seit Jahren nicht mehr gesehen", sagte Venom und ließ das einfach mal so stehen.
"Naja gut, was soll man auch schon sagen, wenn man sich seit Jahren nicht mehr gesehen hat?" fragte Thunder und zuckte mit den Schultern. "Ich wüsste auch gar nicht was ich mit meinem Alten bereden sollte."
"Naja, das mit der Familie war doch gar kein so schlechtes Thema", meinte der rosafarbene Ritter. "Ist doch klar, dass er sich Sorgen um die Zukunft der Familiendynastie macht. Ich denke das geht jedem Vater durch den Kopf."
"Familiendynastie ist aber ein hochtrabender Begriff ..." fand Venom.
"Du weißt was ich meine. Immerhin bist du aus gutem Hause", kam es zurück. "Hast du dir denn überlegt, wen du heiraten willst?"
Venom sah irritiert aus.
"Nö."
Über so etwas hatte er sich noch keine Gedanken gemacht. Das würde nur in Arbeit ausarten und deswegen ließ er es gleich bleiben.
"Und wie lange willst du das noch aufschieben? Immerhin weiß man als Ritter nie, ob man nach dem nächsten Abenteuer noch nach Hause zurückkommt", sagte Gwendal, der weiße Ritter.
"Wow seid ihr optimistisch", höhnte Thunder.
"Aber irgendwie hat er recht", meinte Andy.
"Ach und was ist mit euch?" fragte Venom säuerlich.
"Ich bin schon seit zehn Jahren verheiratet", erklärte der weiße Ritter. "Und habe sechs Kinder."
"Ich weiß nicht genau wie viele Bälger ich habe", erklärte der lilane Ritter grinsend. "Bei König Wilhelm im Reich geht es recht locker zu. Wir Ritter haben einen großen Fanclub. Da gibt es immer Frauen, die gerne ... von unseren Abenteuern hören wollen."
Er zwinkerte den anderen Rittern verschwörerisch zu. Der rosa Ritter rümpfte die Nase.
"Das wär nichts für mich. Nein, ich bin zwar noch nicht verheiratet, aber wenn, dann muss es aus Liebe sein."
"Pah... Liebe", kam es vom alten Heinrich. "Aufs Geld musst du schauen. Lasst euch was von einem alten, erfahrenen Kollegen sagen: Ich sehe meine Frau vielleicht zwei, drei Mal im Jahr, weil mich der König auf einen Kreuzzug nach dem anderen schickt und ich immer irgendwohin reiten und kämpfen soll. Was bringt es einem da, wenn man zuhause eine liebevolle Frau hat, die auf einen wartet ... und einen vielleicht mit einem anderen betrügt? Hauptsache sie ist vermögend, dann muss man sich um die Finanzierung der Familie immerhin keine Gedanken machen. So wie Baronin Kleinröschen, hab gehört sie hat sich nach Thunder erkundigt."
Der rote Ritter trank gerade ein Bier, verschluckte sich und prustete jetzt los. Er musste stark husten. Venom klopfte ihm auf den Rücken, damit er wieder klar kam.
"Bitte was? Schön, dass ich das auch mal erfahre?" kam es erschrocken von Thunder.
"Baronin Kleinröschen? Das ist doch diese verwitwete Wuchtbrumme, oder?"
Alle sahen Venom an, nicht sicher, ob sie das lustig oder frech finden sollten. Schließlich sagte Thunder neckend: "Ist ja schon ein starkes Stück wenn ein hundertzwanzigkiloschwerer Typ von einer Frau als Wuchtbrumme spricht."
"Das sind alles Muskeln", behauptete Venom resolut.
"Klar, die Frau ist nicht unbedingt zart wie eine Elfe", fing Heinrich an. "Aber muss sie ja auch nicht. Sie ist etwa Anfang vierzig, hat vier Kinder und mehr Geld als sie in zwei Leben ausgeben könnte. Wenn du sie heiraten würdest, müsstest du dir nie mehr Gedanken um deine Finanzen machen und würdest in eine gute Familie einheiraten."
"Ne, lass mal" kam es abwehrend von Thunder, der sich kaum etwas Schlimmeres vorstellen konnte.


Währenddessen stand Cyrill im Esszimmer, wo die Prinzessinnen und vier der Prinzen zusammen frühstückten. So wie er es verstanden hatte, ging es wohl darum, dass sich die Zukunft der Monarchie näher kennen lernte. Cyrill musste einfach nur dastehen und aufpassen. So richtig wusste er nicht was denn hier schlimmes passieren sollte. Sie befanden sich in einem geschlossenen Raum, mitten in einer bestens bewachten Burg. Vermutlich sollte er bereitstehen für den unwahrscheinlichen Fall, dass plötzlich ein Meteorit über dem Esszimmer einschlug. Es war nicht gerade spannend. Cyrill stand würdevoll herum und tat so, als wäre er gar nicht da. Das gehörte sich so, damit die Prinzen und Prinzessinnen sich möglichst ungestört fühlten. Da es so langweilig war, hatte der Eisritter Zeit über die Zukunft nachzugrübeln. Wie könnten sie den König überreden sie aus dem Vertrag zu entlassen? Vielleicht könnten sie einen Ersatz ausbilden? Sollte doch möglich sein. Wenn der König Ritter hätte, die annähernd so fähig wären wie sie, dann sollte es doch keinen Grund mehr geben sie noch hier zu behalten, oder?
"Etwas erfrischendes wäre gut", sagte Saphira plötzlich und bat Cyrill ihr ein paar Eiswürfel in den Saft zu tun.
Cyrill, ganz Profi, gab nicht zu erkennen, dass er für solche Aufgaben eigentlich nicht da war, sondern tat einfach was verlangt wurde.
"Mögt Ihr Gärten Prinzessin Rubinia?" fragte Prinz Frank, einer der Söhne von König Wilhelm.
Er hatte halblange lockige schwarze Haare, ein feines Gesicht, zarte Hände und makellose reine Haut, die nahelegte, dass er sich noch nie in seinem Leben um irgendetwas bemühen musste.
"Ja, sehr sogar", antwortete die Prinzessin, die heute wieder einmal ein wunderschönes rotes Kleid trug.
"Früher mochte ich es über die Wiesen und in den Wäldern zu spazieren, aber die große Gartenkunst, von der ich so viel gehört habe, würde ich auch sehr gerne sehen."
"Das sollt ihr auch. Ich lade euch ein, zum Südschloss meines Vaters, das einmal mir gehören wird. Und euch, wenn ihr meine Königin werden wollt."
Rubinia klimperte mit ihren Wimpern.
"Ich nehme diese nette Einladung sehr gerne an."
Goldi hatte wohl nicht so viel Erfolg bei ihrem Gespräch mit Prinz Tim. Der Prinz war noch etwas jünger als sie selbst und durchlitt gerade eine schwere Aknephase. Sein Vater hatte nur ein kleines, recht unbedeutendes Königreich, das an ihren nördlichen Grenzen lag. Dort wo bis vor kurzem noch der Frostkönig geherrscht hatte, bevor Cyrill, Venom und Pyro ihn vom Thron gestoßen hatten. So recht wollte zwischen ihnen kein Gespräch in Gang kommen. Fing einer der beiden an, dann gab es vom anderen eine kurze Antwort und dabei blieb es. Prinzessin Saphira unterhielt sich mit Prinz Richard über Mode. Überraschenderweise führten sie ein recht angeregtes Gespräch. Es stellte sich heraus, dass auch der Prinz eine Vorliebe für blau hatte. Heute trug er einen eleganten blauen Umhang über einem edlen weißen Oberteil. Auf dem Kopf eine Mütze, gekrönt von einer Pfauenfeder. Die Gespräche zwischen Prinzessin Smaragda und Prinz Ulrich, ebenfalls ein Sohn von König Wilhelm, waren wesentlich ernster. Es ging um Politik. Offensichtlich wollte die Prinzessin dem Prinzen auf den Zahn fühlen. Sie wollte wissen ob und wie viel sie beim Regieren mitbestimmen könnte. Der Prinz war mit ihren Fragen sichtlich überfordert. Offenbar hatte er sich selbst noch gar nicht so richtig damit befasst.
„Komisch, es riecht nach verbranntem Holz“, sagte Prinz Tim unvermittelt und schnüffelte.
Auch Cyrill war das schon aufgefallen, doch er hatte es als einen Geruch aus der Küche interpretiert. Da wurde ja bestimmt auch Holz im Herd verbrannt, aber jetzt wo der Prinz es ansprach: Vorher war der Geruch nicht dagewesen, oder? Cyrill kniff die Augen zusammen und sah sich wachsam um. Die Fackeln an den Wänden waren aus, das konnte es also nicht sein. Auf dem großen Tisch stand eine Kerze, aber auch sie fiel als Ursache aus. Er sah zur Decke. Ganz leichte dünne Rauchschwaden kamen von dort. Es rumpelte laut und die Decke erzitterte. Kam es ihm nur so vor, oder glühte es dort oben? Cyrill riss die Augen auf und rief geistesgegenwärtig: "Es brennt! Alle schnell aus dem Zimmer raus!"
Die Prinzessinnen und Prinzen sahen erschrocken auf. Sie fragten gar nicht weiter nach, die Dringlichkeit in Cyrills Stimme sprach Bände. Eilig verließen sie den Raum und nicht zu früh. Cyrill hatte das Esszimmer gerade als letzter verlassen, da knackte es im Gebälk und wenig später kam die Decke runter. Staub, Glut und Ruß rieselten herab und alle husteten. Cyrill wollte nicht länger warten. Er setzte sofort seine Eismagie ein, um das Feuer zu löschen, damit es sich nicht noch weiter ausbreiten konnte. Feine Eiskristalle schwebten jetzt in der Luft, hefteten sich an den Ruß und drückten ihn zu Boden. Es war beinahe unvorstellbar, dass hier vor wenigen Minuten noch ein gepflegtes Frühstück stattgefunden hatte, so chaotisch wie es jetzt hier aussah. Der Tisch war unter mehreren massiven, schweren, aber von den Flammen schon arg mitgenommenen Holzbalken zusammengebrochen. Das gute Geschirr zertrümmert, das Essen ungenießbar, die uralten von Generation zu Generation weitergegebenen Wandteppiche verrußt. Cyrill ging vorsichtig ins Zimmer, dabei prüfte er sorgsam den Boden. Auch der war aus Holz, das jetzt knarrte. All der Schutt könnte zu viel Gewicht sein, doch Cyrill musste sehen was da oben los war. Die Decke war jetzt nur noch ein großes Loch, das fünf Etagen nach oben reichte. Das Feuer hatte sich heruntergefressen. Das war sehr unüblich, auch dass so mir nichts dir nichts selbst massive Holzbalken niederbrannten. Außer ...
"Pyro", murmelte Cyrill leise.
Cyrill war eigentlich die Ruhe in Person. Weder Drachen, noch riesen Trolle oder Katzenhaie vermochten ihn aus der Fassung zu bringen. Doch jetzt konnte er nicht mehr an sich halten. Er brüllte laut, um seinem Ärger Luft zu machen und ging dann eilig zur Tür hinaus. Die Prinzessinnen und Prinzen wussten immer noch nicht was hier überhaupt los war, oder was sie jetzt machen sollten. Mehrere Wachen kamen herbeigeeilt.
"Passt auf, dass ihnen nichts passiert!" befahl Cyrill ihnen. "Ich muss was klären."
Er stapfte von dannen und auf dem Weg nach oben, traf er auf Venom und Thunder.
"Was ist denn los?" wollte Thunder wissen.
"Mitkommen!" sagte Cyrill nur und rannte jetzt die Treppen hinauf.
Der Zorn verlieh ihm enorme Motivation und er bewältigte eine Treppe nach der anderen in Rekordzeit. Seine Freunde kamen gar nicht hinterher. Schon hatte der blaue Ritter das Stockwerk, in dem sich ihr Zimmer befand, erreicht, stratzte den Flur entlang und verlangsamte seine Geschwindigkeit erst, als er Pyro sah, der ihn schuldbewusst ansah.
"Was hast du nun schon wieder angestellt?" brüllte Cyrill und kam schlitternd vor ihm zum Stehen.
"Du sagtest doch, ich soll aufräumen", kam es gleichzeitig schuldbewusst und renitent von Pyro zurück.
"Ja, aufräumen! Nicht abfackeln!"
Mittlerweile war auch Thunder eingetroffen und sah ungläubig auf das was bis vor einigen Minuten noch ihr Zimmer war. Venom keuchte hinter ihm her.
"Wow, was für ein Loch!" kam es von Thunder, der sich staunend nach vorne lehnte, um nach unten sehen zu können.
So ganz gelang es ihm nicht.
"Fall nicht runter!" sagte Venom und zog ihn am Arm zurück.
"Du weißt doch, dass ich ein Anfänger im Aufräumen bin", verteidigte sich Pyro.
"Ich hab dir doch gesagt wie du es machen sollst."
"Ja, schon", kam es wenig überzeugend zurück. "Aber ich fand, dass wir all den Krempel gar nicht mehr brauchen. Was sollte ich da noch lange sortieren? Und wo dann hin damit? Du musst das so sehen: Ich hab deinen Vorschlag genommen und ihn dann kreativ verändert."
Cyrill atmete tief ein und versuchte sich zu beruhigen. Es half gar nichts.
"Und wie hast du es verändert?"
"Ich hab mir gedacht, wenn ich all den Krempel wegbrenne, dann bleibt hinterher nur Asche übrig und die lässt sich ja leicht aufkehren und aus dem Fenster kippen. Ich hab sogar Vorsichtsmaßnahmen getroffen."
Pyro zeigte auf zwei, jetzt leere, Eimer.
"Zwei Wassereimer?" fragte Venom. "Du kennst dich doch am besten und meintest, dass zwei Wassereimer ausreichen würden?"
"Ich war ganz vorsichtig", behauptete Pyro.
"Das sehe ich", sagte Cyrill und wies auf das riesen Loch.
"Naja, ich dachte mir, dass das Feuer dann irgendwann von selbst ausgeht."
"Ja, das hat es auch, als es unten im Esszimmer fast die Prinzessinnen und Prinzen erwischt hätte", herrschte ihn Cyrill an.
Pyro war für einen Moment still.
"Upps."
"Upps? Ist das alles was dir dazu einfällt?" fragte Cyrill sauer. "Was denkst du denn was der König dazu sagen wird?"


"Ich weiß nicht mehr was ich noch dazu sagen soll", sagte der König auf seinem Thron.
Er sah unglaublich erschöpft aus.
"Es war ein Unfall", beteuerte Pyro, der zwischen seinen Freunden und dem König stand.
"Das Problem mit dir ist, Pyro, dass es bei dir andauernd zu Unfällen kommt", herrschte ihn der König an.
"Allerdings", sagte jetzt der königliche Berater. ""Abfackeln der Burg" wäre dann Nummer 174 auf der Liste."
"Es war aber nur ein Teil der Burg", gab der orangene Ritter zu bedenken.
"Ruhe!" befahl der König.
Der Berater räusperte sich und las ausgewählte Inhalte vor, wobei er mit jedem Punkt lauter und ungehaltener wurde: "Abfackeln der Burg und damit akute Gefährdung der Prinzessinnen und Prinzen. Heute früh wurde gemeldet, dass Pyro in der Nacht einen Wald angezündet hat. Mittlerweile ist er restlos niedergebrannt. Das war alles wichtiges Holz, ein erforderlicher Rohstoff für das Handwerk. Außerdem steht hier noch: zündeln in der Küche, zündeln im Hof, zündeln in den Ställen, ach was, ich könnte gleich schreiben "Zündeln überall", dann all die Probleme mit seinen Tieren, eine akute Gefährdung für alle, die sich ihnen nähern, was hatte eigentlich das Kamel in der Kirche zu suchen? Mittlerweile wurden vierzehn Schiffe von diesem Monsterseepferd zerstört, der Handel über den Seeweg ist gänzlich zum Erliegen gekommen. Dazu noch jede Menge Verletzungen gegen die Autorität, außerdem die Sache mit der abgefackelten Mühle und vor zwei Wochen war er verantwortlich für die vier Quadratkilometer Torf, die abgebrannt sind, nicht zu vergessen die vier Bürger, die er für Banditen hielt und deswegen abgestochen hat. Zusätzlich gibt es Hinweise darauf, dass er die Prinzessinnen gestern Nacht unerlaubter Weise aus der Burg gebracht und sie somit großer Gefahr ausgesetzt hat. Nicht zu vergessen der ermordete Ritter und das war noch nicht mal das Schlimmste."
Der Berater verstummte, stellte sich wichtigtuerisch hin und sah dann den König fordernd an.
"Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen?" fragte der König.
"Äh... ich wollte das alles gar nicht."
Der Berater verdrehte genervt die Augen.
"Na mal gut, dass du das nicht wolltest, dann müssen wir uns aber wirklich Sorgen machen, wenn du es mal mit Absicht machst, oder?"
"Ich weiß, es gibt keine Entschuldigung für das was ich getan habe. Es war idiotisch, gefährlich und rücksichtslos. Es tut mir wirklich leid. Ich wär echt dankbar, wenn ich noch eine Chance kriege, die ich bestimmt nicht verdient habe, aber ich werde mich bemühen mich zu bessern", sagte Pyro, in einem routinierten Tonfall, der durchblicken ließ, dass er nicht zum ersten Mal vor so einer Situation stand.
Der König sah stumm mit einer Hand an der kopfschmerzgeplagten Stirn auf ihn herunter.
"Was soll ich nur mit dir machen Pyro?" sagte er nach langem Schweigen. "Ich brauche dich, damit du auf die Prinzessinnen achtgibst, allerdings bist du nicht annähernd Verantwortungsbewusst genug dafür, aber wen sollte ich sonst nehmen? Meine anderen Ritter sind nicht gut genug ausgebildet, um so eine Aufgabe ganz allein zu bewältigen. Wir haben ja alle gesehen was passiert ist, als ich es ihnen überließ. Gleichzeitig kann dein Verhalten nicht ungestraft bleiben. Ich hatte eigentlich erwartet, dass deine Kollegen jetzt mehr darauf achten was du tust, aber ich kann ja nicht erwarten, dass sie dich nicht mal fünf Minuten allein lassen können. Du musst bestraft werden, das steht außer Frage."
Der Monarch atmete tief aus.
"Von einem ... einigen anderen Königen kam die Anfrage nach einem Kampf auf Leben und Tod, um eure Fähigkeiten zu ermitteln. Ich sah davon ab, weil ich nicht riskieren wollte euch zu gefährden, wo ihr doch meine Töchter beschützen sollt. Nun aber denke ich, dass ich hier zwei Sachen verbinden kann. Dich bestrafen Pyro und gleichzeitig den Wünschen des anderen ... der anderen Könige nachkommen kann. In zwei Tagen wirst du in der großen Arena gegen die Gefangenen meines Reiches kämpfen, wenn’s sein muss, bis zum Tod."
Pyros Freunde sahen ungläubig und überrascht aus.
"Aber eure Majestät", kam es von Cyrill, der nun vorgetreten war, um seinen Freund in Schutz zu nehmen. "Was ist wenn Pyro stirbt?"
"Dann hat er sich das selbst zuzuschreiben."
Cyrill wollte wieder etwas sagen, doch der König hob die Hand zum Zeichen dafür, dass er schweigen sollte.
"Ich würde Pyro diese Aufgabe nicht stellen, wenn ich daran zweifeln würde, dass er es schaffen kann. Die Gefangenen sind zwar Halsabschneider, Diebe und Mörder, aber sie sind bestimmt keine so fähigen Kämpfer wie ihr. Natürlich sind sie zahlenmäßig überlegen, aber ... immerhin werden die Kerker dann endlich mal wieder leer. Und wo wir gerade davon sprechen. Bis zum Kampf wirst du in eine Einzelzelle eingeschlossen, wo es nichts gibt was du anzünden könntest. Da kannst du dann in aller Ruhe über deine Taten nachdenken. Wachen, nehmt Pyro fest und sperrt ihn in eine Einzelzelle!"
Die Wachen kamen verunsichert herbei. Zuerst wussten sie nicht, ob sie Pyro wirklich festnehmen sollten und ob der sich das einfach so gefallen ließ, immerhin waren seine Feuerkräfte überall in der Burg bekannt, doch Pyro wollte wohl nicht noch mehr Ärger und ließ sich abführen.
Review schreiben