Castle Crashers - 4 haun aufm Putz

GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Blauer Ritter Grüner Ritter Königliche Wache Oranger Ritter Roter Ritter
16.07.2019
08.10.2020
46
285.004
1
Alle Kapitel
19 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
24.07.2019 5.296
 
Am nächsten Morgen, während des Aufstehens redeten Cyrill, Pyro, Venom und Thunder erneut über ihr Problem.
„Vielleicht wäre es ja möglich den Vertrag mit dem König zu beenden?“ fragte Cyrill in die Runde.
„Und was dann?“ wollte Thunder wissen.
„Wir könnten selbstständig umherziehen. Abenteuer gibt es bestimmt genug und Leute, die viel Gold bezahlen, damit andere ihre Probleme lösen“, erklärte Cyrill.
„Du meinst, so eine Art freischaffende Prinzessinnenretter?“ fragte Pyro aufgeregt.
„Müssen ja nicht nur Prinzessinnen sein“, erklärte der blaue Ritter.
Thunder lachte.
„Am besten wir machen ein Plakat: Wir erschlagen Bestien und retten Jungfrauen. Und das hängen wir dann an alle Tavernen.“
„Weil da ja auch die Leute hingehen, wenn sie nach jemandem suchen, der ihre Tochter retten soll“, höhnte Cyrill.
„Und was ist mit den Frauen, die keine Jungfrauen mehr sind?“ wollte Venom wissen.
Thunder machte eine wegwerfende Handbewegung.
„Ok, dann streich das „jung“ halt raus. Wir retten Frauen aller Art.“
„Hihi, wird bestimmt lustig. Nachher sollen wir Hexen und sowas retten. Das wär doch mal eine Abwechslung“, sagte Pyro fröhlich.
„Und was ist mit Söhnen? Warum sollten wir die nicht retten?“ fragte Venom.
„Na schön“, kam es jetzt genervt von Thunder. „Wir schreiben auf das Plakat: Wir kümmern uns um Bestien und Menschen aller Art.“
Cyrill war damit nicht zufrieden. Er befürchtete, es könnte falsch verstanden werden.
„Und was ist mit Katzen?“ fragte Pyro unvermittelt.
Alle sahen ihn an.
„Was?“ fragten seine Freunde irritiert.
„Na, was ist mit Katzen? Haustiere und so. Ihr wisst schon, Katzen und Rinder, die von Drachen verschleppt werden.“
„Also ich hab schon gehört, dass Drachen Kühe und Schafe klauen, aber nicht von Katzen. Was sollten denn Drachen mit Katzen anfangen?“ fragte Thunder verwundert.
„Gesellschaft. Ich stelle es mir langweilig vor den ganzen Tag nur rumzuhocken und den Hort durchzuzählen. Deswegen ein Haustier und Katzen sind sehr pflegeleicht, die kommen und gehen wie sie wollen. Ist halt nur ein Problem, wenn der Drache allergisch ist und dann hinterher auf Kirchen und so runterfällt.“
Die anderen drei Ritter sahen sich an und tippten sich gegen die Helme.
„Also Pyro, ich bin mir immer noch nicht sicher, ob du damals nicht doch was am Kopf abbekommen hast, als der Kahn dich gerammt hat“, sagte Venom zweifelnd.
„Ach was, ich habe den Kahn gerammt“, stellte Pyro klar.
„Ähm… zurück zum Thema“, sagte Venom. „Euch ist schon klar, dass wir dann hier alles aufgeben würden?“
„Wichtiger ist doch, dass wir zusammen bleiben“, meinte Cyrill.
„Ich glaube aber nicht, dass der König uns gleich alle vier gehen lässt. Er sagt doch immer, dass wir seine besten Ritter wären. Ohne uns, wer sollte dann die Prinzessinnen retten, wenn sie mal wieder in Schwierigkeiten sind?“ gab Pyro zu bedenken.
„Wenn wir weg wären, würden andere Ritter zu seinen besten Rittern aufsteigen. Ist doch ganz klar“, sagte Thunder. „Außerdem, wenn die Prinzessinnen erst in ihren neuen Königreichen sind, werden sich da doch sicher auch Ritter finden, die sie beschützen. Ist ja nicht so, als wären wir unersetzlich.“
Gleich nach dem Frühstück kam ein Diener zu ihnen, der ihnen mitteilte, dass sie sich sofort im Thronsaal beim König einfinden sollten. Außer dem Regenten waren nur ein paar Wachen anwesend. Er blickte von seinem hohen Thron auf sie herunter und begrüßte sie mit den Worten: „Ich möchte euch mitteilen, dass einige der anderen Könige versucht haben euch abzuwerben, aber ihr wisst ja, dass ihr für mich und das Königreich unersetzlich seid. Niemals würde ich euch hergeben. Wer sollte dann die Prinzessinnen beschützen?“
Venom, Cyrill, Thunder und Pyro sahen sich an, beließen es aber dabei. Es gehörte sich nicht, dem König zu widersprechen. Das konnte sogar recht gefährlich werden.
„Da komm ich gleich zum nächsten Punkt. Wenn die Prinzessinnen später einmal verheiratet sind, werden sie natürlich in ihren neuen Königreichen leben und ihr werdet sie dort beschützen. Im Moment haben sie ja noch ihre eigenen Leibwächter, die sie Tag und Nacht bewachen. Hier in meiner Burg sind sie ja eigentlich recht sicher, aber wer weiß was es in diesen neuen Königreichen für Intrigen gibt. Deswegen müsst ihr sie dann auf Schritt und Tritt im Auge behalten und sie vor allen Gefahren bewahren. Das sind verantwortungsvolle Aufgaben, die ich niemand anderem anvertrauen kann. Bis es so weit ist, wird zwar noch etwas Zeit ins Land gehen, aber diese Zeit werdet ihr nutzen, um euch mit euren neuen Aufgaben vertraut zu machen.“
„Aber eure Majestät“, unterbrach Pyro den König ungeduldig. „Wir könnten die Königreiche, die ihr haben wollt doch auch erobern, dann müsstet ihr eure Töchter nicht hergeben.“
Der König sah sehr verärgert aus, weil er unterbrochen wurde, aber es lag auch so etwas wie Wehmut in seinen Augen. Vermutlich wollte er seine Töchter wirklich nicht hergeben.
„Und wie stellst du dir das vor Pyro, hm? Ich weiß um eure Kräfte und euer Durchhaltevermögen, aber einmal eroberte Königreiche müssen auch gehalten werden und ihr könnt ja nicht überall gleichzeitig sein. Ich habe nicht genügend Ritter und Gold, damit solche Feldzüge langfristig erfolgreich wären. Nachbarkönigreiche würden sofort angreifen, wenn sie auch nur die kleinste Lücke in der Verteidigung sehen würden. Solch kurzsichtiges Verhalten könnte alles was ich in meinem Leben aufgebaut habe gefährden. Nein, das ist keine Lösung und deshalb werdet ihr genau das tun was ich euch befehle! Und wo du gleich so vorlaut bist, Pyro, darfst du anfangen.“
„Ich?!“ fragte Pyro erschrocken.
„Ja, du! Gleich heute wirst du damit anfangen die Prinzessinnen zu bewachen. Du wirst lernen sie genau im Auge zu behalten, Gefahren frühzeitig zu erkennen und sie davor zu bewahren. Das gilt übrigens für euch alle. Auch ihr anderen werdet mal an die Reihe kommen. Ja, Cyrill?“
Der blaue Ritter hatte die Hand gehoben, weil er was sagen wollte und hoffte so nicht von seinem König angefahren zu werden.
„Ihr sagtet doch, dass wir später je einer Prinzessin dienen sollen. Warum sollen wir dann jetzt gleich alle vier beschützen?“
„Wenn ihr vier auf einmal beschützen könnt, wird es später auch kein Problem sein eine zu beschützen. Wenn sich die Prinzessinnen aufteilen, müsst ihr alle sie natürlich bewachen. Ich möchte ganz sicher sein. Meine Töchter sind für mich das wertvollste auf der Welt und unter gar keinen Umständen will ich, dass ihnen was geschieht. Sie gerieten schon viel zu oft in Gefahr. Das hält mein armes altes Herz nicht mehr durch.“
Es war offensichtlich, dass die Ritter und der König ganz unterschiedliche Ansichten vertraten. Den Rittern ging es um die Abenteuer, die erst entstanden, wenn eine Prinzessin entführt wurde. Der König hingegen wollte, dass es gar nicht erst dazu kam, was die Ritter wiederum total langweilig fanden.
„Es geht auch darum die Konsequenzen zu erkennen, die euer Handeln nach sich zieht. Wenn Pyro nicht den Ritter von König Ramirez getötet hätte, wer weiß, dann hätte der Prinzessin Rubinia vielleicht gar nicht entführt. Was mich zu deiner Strafe bringt Pyro“, sagte der König streng.
Unbewusst zuckte Pyro zusammen.
„Es gab sehr viele Diskussionen deswegen. Einige der anderen Könige waren verärgert, weil sie fürchteten, dass auch ihre Ritter, ob beabsichtigt oder nicht, dieses Schicksal teilen könnten, wenn es wieder mal zu einem Turnier kommt. Außerdem fanden sie den Mangel deiner Autoritätsfürchtigkeit beklagenswert. Deswegen werde ich dich degradieren. Du wirst zwar immer noch der viertbeste Ritter meines Reiches sein, aber eben nur der viertbeste. Cyrill, Venom und Thunder dürfen dir ab sofort Befehle erteilen und du hast ihnen zu gehorchen. Hast du das verstanden?“
Pyro nickte schwach.
„Gut. Außerdem, wo ich gerade dabei bin, möchte ich nochmal sagen, dass gerade deine Tiere immer wieder Ärger machen. Dein Kamel bespuckt jeden, der sich ihm nähert. Ein Küchenjunge hat fast sein linkes Auge verloren. Besonderes Kopfzerbrechen bereitet dem Schirrmeister dieses Feuerbiest, das du von der letzten Rettungsmission mitgebracht hast. Einige Ritter schwören es hätte … nun … sein Hinterteil entzündet und wollte aus dem Käfig entkommen. Das gelang natürlich nicht, aber einige Ritter erlitten Brandverletzungen und was vermutlich am schwerwiegendsten ist: Dein Seepferd gefährdet meine Handelsrouten. Es traut sich kaum noch jemand überhaupt hierher zu segeln.“
Pyro wollte gerade anmerken, dass dann aber immerhin auch Piraten und andere Feinde von ihrem Königreich ferngehalten werden, da spürte er einen heftigen Ellenbogenstoß vom neben ihm stehenden Cyrill. Der warf ihm einen eindringlichen warnenden Blick zu und Pyro schluckte seine Worte mühsam herunter.
„Aus irgendwelchen Gründen hast du einen Hang zu gefährlichen Kreaturen, die dann nur Chaos veranstalten. Sicher, auch Venoms Krokosaurus hat Ärger gemacht, aber inzwischen ist das mit einem Maulkorb und einer Entschädigungssumme geregelt. Was soll ich mit einem spuckenden Kamel, einem wildgewordenem Feuerbiest und einem freilebenden Seeungeheuer anfangen? Wenn du deine Tiere behalten willst, dann musst du auch dafür sorgen, dass sie sich benehmen! Hast du das verstanden Pyro?“
„Ja, eure Majestät“, sagte der orangene Ritter zerknirscht.
Er fand, der König konnte ihm auch wirklich jeden Spaß verderben.
„Gut. Ihr dürft jetzt gehen.“
Kaum aus dem Thronsaal raus, sagte Thunder, der mühsam ein Lachen unterdrückte: „Meine Fresse, du hast ja ganz schön die Jacke vollgekrigt.“
Einige Wachen sahen den vier Rittern verwundert nach.
„Ja, ich hab den König noch nie so sauer erlebt“, sagte jetzt Venom grinsend. „Der hatte sich ja so richtig schön in Fahrt geredet.“
Der grüne Ritter lachte.
„Schön, wie ihr das alle so lustig findet“, sagte Pyro gereizt und für einen klitzekleinen Moment erhellten Funken seine Panzerhandschuhe.
„Du bist aber auch selbst schuld“, sagte Cyrill. „Du willst dir einfach nie was sagen lassen. Wir hatten dir ja gesagt, dass du beim Turnier vorsichtig sein sollst, aber hast du gehört? Nein!“
„Ja, kann sein, aber es war doch nur ein Versehen.“
„Ein Versehen? Der Typ ist mausetot“, sagte Venom jetzt wieder ernster. „Ist doch kein Wunder, wenn der König angepisst ist. Wie sieht das denn aus, wenn er Haufen Leute einlädt und dann murkst du die ab?“
„Es war doch nur einer“, sagte Pyro wütend.
„Das macht es nicht besser“, sagte Cyrill.
„Und warum wird eigentlich nur auf mir herumgehackt?“ fragte Pyro wütend. „Ihr benehmt euch auch mal daneben und habt gefährliche Tiere.“
„Wir wissen aber genau wie weit wir gehen können“, behauptete Cyrill.
Pyro wollte das wegen dessen eingefrorenem Ritter so nicht stehen lassen. Er war schon drauf und dran seine Feuermagie zu rufen und vermutlich wäre es in einer ordentlichen Keilerei ausgeartet, wäre nicht ein Diener gekommen, der den orangenen Ritter fragte, wo er denn bleibe. Er solle doch hoch zu den Prinzessinnen kommen. Angesichts der wütenden Ritter sah der Diener verängstigt aus, hatte die vier aber vermutlich vor Schlimmerem bewahrt, denn ein wilder Kampf mitten in der Burg wäre beim König höchstwahrscheinlich nicht auf viel Gegenliebe gestoßen. Pyro folgte dem Diener und obwohl er es hasste das zuzugeben, war er im Moment ganz froh, von seinen Freunden wegzukommen. Innerlich wusste er, dass das nur eine Phase war. So war das nun mal, auch mit Freunden. Hin und wieder wollte man sich die Köpfe einschlagen, später war es dann aber auch wieder gut. Pyro war da sehr impulsiv. Er war sehr schnell auf zweihundertzehn, aber wenn er sich erstmal wieder abgekühlt hatte, war das Problem meist auch schon wieder vergeben und vergessen. Bei Cyrill war er sich da nicht so sicher. Sie waren echte Kumpels, aber Cyrill hielt ihm gerne mal vor, was er in der Vergangenheit alles so für Fehler gemacht hatte. Venom band seinen Freunden ihre Versäumnisse manchmal auch auf die Nase und hin und wieder konnte er auch richtig sauer werden, doch meist saß er die Probleme einfach nur aus, bis sie sich erledigt hatten. Thunder war noch nicht so lange bei ihnen, als dass es jemals wirklich Ärger gegeben hatte. Bisher hatte er versucht zwischen ihnen zu vermitteln und sie mussten sagen, dass ihnen das guttat.

Pyro betrat jetzt den Gang, in dem sich die Zimmer der Prinzessinnen befanden. Normalerweise standen hier die Leibwachen der jungen Frauen, aber heute waren keine zu sehen. Der Diener führte Pyro zu einer bestimmten Tür und erklärte: „Die Prinzessinnen verbringen ihre Tage gerne gemeinsam.“
Er klopfte anstandsvoll und wartete, bis von drinnen ein „Herein“ kam. Standesgemäß langsam öffnete er die Tür und sagte: „Ritter Pyro, wie angekündigt.“
„Er soll reinkommen. Sie können gehen Archibald.“
Der Diener machte eine Verbeugung, welche die Prinzessinnen von drinnen unmöglich sehen konnten und verschwand dann den Gang hinunter. Pyro sah sich verunsichert um. Er wusste nicht so ganz was er jetzt tun sollte. Gehörte es zum Leibwachendasein einfach nur dazustehen und dumm aus der Rüstung zu schauen? Was machte so ein Leibwächter eigentlich, wenn gerade keine Gefahr bestand?
Zunächst einmal ging er einfach nur ins Zimmer und sah sich um. Es war riesig, bestimmt zehn Meter lang und ebenso breit und das sollte nur das Zimmer einer der Prinzessinnen sein. Hinten an der Wand, neben einem großen Kleiderschrank, hing ein großer orangeroter Wandteppich. Er zeigte das Umland der Burg während eines Sonnenaufgangs. Die hohen nach Osten und Süden ausgerichteten Fenster hatten orangene Vorhänge und dazwischen gab es noch ein Erkerfenster mit einer gepolsterten Sitzbank, auf der viele Kissen lagen. Rechts an der Wand stand ein riesiges Himmelbett und links von der Tür stand ein Schminktisch. Er vermutete, dass es sich um das Zimmer von Prinzessin Goldi handelte. Orange war ihre Lieblingsfarbe. Die vier Prinzessinnen standen vor Pyro, sie alle trugen Schleier. Er fragte sich gerade noch warum, da lüfteten sie diese und schnitten Grimassen und der Ritter sprang erschrocken einen Satz zurück. Die Prinzessinnen lachten sofort los, weil ihr Ulk so gut funktioniert hatte. Sie hatten sich alle so geschminkt, um ihn zu erschrecken. Rubinia hatte sich dunkle Augenringe und mit rotem Lippenstift bluttropfende Lippen verpasst, Smaragda hatte sich zu einem grünlichen, vermoderten Zombie umgeschminkt, Saphira ging als böse Zauberin und Goldi als irrer Clown. Sie hatte sich überdimensionale rote Lippen gemalt, das Gesicht kalkweiß gepudert und irgendwas mit ihren Augen angestellt.
„Haben wir dich erschreckt ja? Hihi“ giggelte Goldi zufrieden.
„Ja, allerdings“, sagte Pyro immer noch etwas schwer atmend. „Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet.“
„Ein voller Erfolg Mädels.“
Smaragda und Rubinia klatschten sich ab.
„Wer von uns sieht am gruseligsten aus?“ wollte Goldi wissen und grinste.
„Du“, sagte Pyro, der gar nicht groß nachdenken brauchte.
„Ha!“ sagte Goldi triumphierend. „Gewonnen!“
Saphira sah den Ritter entschuldigend an.
„Du musst wissen, es kann ganz schön langweilig sein, wenn man immer nur im Schloss festsitzt und gerade jetzt nachdem Rubinia entführt wurde, hat unser Vater die Sicherheitsmaßnahmen verschärft.“
„Mein Gott Saphira, du musst ihm nicht gleich unsere ganze Lebensgeschichte erzählen“, sagte Smaragda schnippisch.
„He, es sollte nur ein kleiner Spaß sein“, sagte Goldi, die Pyro jetzt musterte.
Vielleicht fürchtete sie, dass er den kleinen Schabernack in den falschen Hals bekommen hatte.
„Ist schon in Ordnung. Wenn es euch Spaß gemacht hat, dann war es doch ein guter Scherz.“
Die Prinzessinnen kicherten.
„Super, dann können wir das ja jetzt öfter machen. Mal sehen was uns noch so alles einfällt“, strahlte Goldi.

Während Pyro die Prinzessinnen bewachen musste, saßen Cyrill, Venom und Thunder unter einer großen Eiche und aßen ein Eis. Das war gar nicht schwer herzustellen. Sie brauchten nur in etwas Saft Holzstöckchen tauchen. Das gefror Cyrill dann und sie hatten Eis. Es war ein schöner, sonniger und warmer Tag. Ein Eis war jetzt genau das richtige.
„Endlich Ruhe. Ist doch mal wirklich entspannend ohne Pyro“, sagte Cyrill.
„Ja, er hätte uns bestimmt schon wieder zu irgendwelchen blödsinnigen Aktionen überredet“, sagte Venom und genoss sein Eis. „So eine Auszeit ist schon mal ganz gut. Vielleicht kommt er dann auch wieder zur Vernunft. Vorhin hab ich für einen Moment echt gedacht er greift uns an.“
„Du weißt doch wie das mit seiner Impulsivität manchmal ist“, kam es von Thunder.
„Trotzdem“, beharrte Cyrill. „Wir sind doch seine Freunde. Bei uns sollte er sich beherrschen können.“
„Meinst du, er kann das so kontrollieren?“ fragte Thunder skeptisch. „Ich hab ja das Gefühl, wenn sein Blut einmal kocht, dann kocht es.“
„Der kriegt sich schon wieder ein“, meinte Venom. „Aber genug von Pyro, was machen wir denn jetzt mit dem angefangenen Tag?“
Sie überlegten. So recht wollte ihnen nichts einfallen. Einige der anderen Ritter trainierten, aber darauf hatten sie heute keine Lust.
„Gehen wir doch was essen“, schlug Venom vor.
„Au ja“, war Thunder gleich dabei.
„Super Idee und irgendwohin wo es richtig viel gibt. Wenn wir mit Pyro gehen, bleibt bei ihm ja immer die Hälfte übrig“, kam es von Cyrill.
Sie brachen sofort auf. In der nächsten Stadt war Markttag. Sie konnten einige der fremden Prinzessinnen sehen, wie sie über den Markt schlenderten und einkauften. Ihre Diener mussten dann alles schleppen und immer wieder beteuern wie schön sie doch seien, wenn sie sich mal wieder neue Kleider in großen blank polierten spiegelnden Metallflächen anschauten. Auch viele Prinzen und Ritter waren hier und amüsierten sich. Thunder, Venom und Cyrill gingen in das gut gefüllte all you can eat Restaurant „Zum fröhlichen Leichnam“. Es waren auch einige fremdländische Gäste darunter. Wenig später saßen sie an einem massiven Holztisch, vor sich drei dreieinhalb Liter Humpen mit Drachenblut, das war ein blutrotes alkoholisches Getränk. Vom Buffet hatten sie sich ein ganzes Pferd gesichert. Naja, fast ein ganzes. Der Kopf fehlte.
„He, meint ihr, das ist das Pferd, dem Venoms Krokosaurus beim Turnier den Kopf abgebissen hat?“ fragte Cyrill grinsend.
Die anderen beiden lachten.
„Ja, bestimmt, irgendwas muss man mit so einem toten Pferd ja anfangen bevor es gammelt“, sagte Venom.
„Schmeckt auf jeden Fall super“, sagte Thunder mit vollem Mund. „Hat dein Krokosaurus gut erlegt.“
Sie aßen eine Weile bis Venom nachdenklich kauend fragte: „Meint ihr der Ritter den Pyro erschlagen hat, endete auch so?“
Seine Freunde sahen ihn irritiert an.
„Du meinst getötet? … Gebraten und gegessen? … In einem all you can eat Restaurant?“ fragte Cyrill.
„Ja genau“, stimmte Venom zu.
„Brutal“ kam es von Thunder.
„Naja, wäre doch möglich. Sieh mal die Schnitzel da, wer weiß schon was da drin ist.“
„Könnte Schwein sein“, sagte Thunder, der das Schnitzel vom Nachbartisch musterte.
„Könnte aber auch ein ehemaliger Ritter sein“, entgegnete Venom verschwörerisch.
„Das wäre Kannibalismus!“ sagte Cyrill kopfschüttelnd.
„Wieso? Der Ritter ist doch nicht aus unserem Land“, sagte Venom, als hätte das etwas mit der Geographie zu tun.
Cyrill ging dieses Gerede auf den Appetit. Mit der Panzerfaust schlug er hart auf den Tisch und sagte laut: „Leute, es ist doch gar nicht gesagt, dass hier Menschenfleisch auf die Teller kommt.“
Schlagartig wurde es still im Raum. Alle anderen Gäste sahen mit großen Augen verstört zu ihnen hin. Elendiges Husten und Würgen war zu hören.
„He, das war doch nur metaphorisch, niemand hat je gesagt, dass das stimmt“, beeilte sich Cyrill zu sagen.
„Aber auch niemand, dass es nicht stimmt.“
„Venom!“


Pyro fragte sich was seine Freunde gerade unternahmen. Bestimmt war es lustiger und spannender als hier herumzustehen und Löcher in die Luft zu starren. Bisher hatte er nämlich nur genau das getan, während die Prinzessinnen ihre Schminke abgewaschen und sich gestylt hatten. So richtig hatte der orangene Ritter da nicht durchsehen können, aber es ging wohl darum neue Schminke und Puder aufzutragen, sich die Zöpfe zu flechten und etwas in dieser Art. Anschließend ging jede Prinzessin eigenen Aktivitäten nach. Er wusste nicht, ob sie einfach gerne zusammen in einem Raum waren, während jede was Anderes machte, oder ob sie es taten, damit er sie besser im Auge behalten konnte. Immerhin, er hätte im Gang stehen können, aber das war wohl nicht gewünscht. Goldi malte mit Ölfarben ein Landschaftsbild auf einer Leinwand. Es zeigte eine stürmische Küste. Smaragda schrieb ein Gedicht. Saphira und Rubinia hatten sich zuerst noch hübsch gemacht, dann warfen sie sich einen Ball hin und her. Pyro fragte sich, ob das die eigentliche Herausforderung war, nicht im Dienst einzuschlafen. Er konnte sich nicht erinnern jemals einen so langweiligen Nachmittag erlebt zu haben. Wenn er sich vorstellte, dass vielleicht der Rest seines Lebens so aussah wurde ihm ganz schlecht. Prinzessin Smaragda riss ihn aus seinen Gedanken. Sie rezitierte ihr neues Gedicht und ihre Schwestern hörten gespannt zu. Es ging wohl um ferne Königreiche und irgendein Heldenepos, indem ein namenloser Held sechs große Drachen erschlug. Die anderen Prinzessinnen waren offenbar ganz begeistert, denn als Smaragda endete, klatschten sie aufgeregt.
„Was wollen wir jetzt machen?“ fragte Rubinia.
„Hm… weiß nicht“, sagte Smaragda einfallslos.
„Wir könnten doch was auf unseren Instrumenten spielen“, schlug Goldi vor. „Sie liegen noch bei mir im Schrank von unserer letzten Probe.“
Sie ging zum Schrank und holte vier Musikinstrumente hervor. Dann reichte sie ihren Schwestern die Instrumente und sie holten Notenbücher, die sie auf extra Notenständern vor sich abstellten. Rubinia spielte auf einer Flöte, Saphira auf einer Harfe, Smaragda auf einer Laute und Goldi auf einer Zimbel. Den Prinzessinnen beim Spielen zuzuhören war immerhin nicht ganz so langweilig. Es erinnerte Pyro an die eher kurze Zeit, die seine Freunde und er in ihrer Band „Super Metal Fist of DOOM and DEATH“ verbrachten. Sie hatten vor ein paar Jahren angefangen an Instrumenten herumzuprobieren, allerdings hatte es alle anderen in der Burg bald so genervt, dass der König ihnen verboten hatte hier zu spielen. Das hieß, dass sie jedes Mal, wenn sie spielen wollten aus der Burg heraus und einen Ort finden mussten, an dem sie üben konnten. Aus verschiedenen Gründen mussten sie diesen Ort jedes Mal wechseln. Thunder war logischerweise noch nicht so lange dabei, aber er war ein echter Gewinn für die Band.
Als die Prinzessinnen eine Pause machten, riss ihn Goldi aus den Gedanken: „Ich habe gehört ihr Ritter macht auch Musik.“
Smaragda lachte.
„Ja, wenn man diese Katzenmusik wirklich als Musik bezeichnen will.“
„Katzenmusik?“ fragte Pyro verwundert. „Ne, Katzen haben wir nicht in der Band, aber das wäre ja mal eine Idee.“
Die Prinzessinnen lachten.
„Du bist lustig Pyro“, sagte Goldi grinsend. „Ich habe gehört, ihr dürft nicht mehr in der Burg spielen.“
„Stimmt. Deswegen kommen wir auch gar nicht mehr so oft dazu und es ist überhaupt nicht einfach immer einen neuen Ort zu finden.“
„Warum legt ihr nicht einfach einen bestimmten Ort fest?“ fragte Rubinia verwundert.
„Naja, ich weiß auch nicht warum, aber irgendwie gibt es jedes Mal Ärger.“
Die Prinzessinnen kicherten.
„Ich hab gehört dieser tiefe Krater von letzter Woche auf der Ebene hinter dem Trollwald soll auf euer Konto gehen“, sagte Prinzessin Saphira wie beiläufig.
„Die Gerüchte sind völlig übertrieben. Der Krater ist höchstes vier Meter tief. Wir haben nur mal ein paar Spezialeffekte probiert, damit es für das Publikum eindrucksvoller aussieht.“
„Und meint ihr, ihr findet ein geeignetes Publikum, dass das auch überlebt?“ fragte Smaragda schnippisch.
„Das bleibt abzuwarten.“
Smaragda, Saphira und Rubinia lachten amüsiert, doch ihre Schwester sah abwesend aus. Prinzessin Goldi seufzte. Sie sah auf einmal sehr traurig aus.
„Ihr habt es gut. Ihr könnt einfach draußen herumstreunen und irgendwelches dumme Zeug machen. Wir sind hier drin sozusagen eingesperrt. Seitdem wir entführt wurden, lässt uns Vater nicht mal mehr mit der Kutsche raus. Er sagt, es wäre zu gefährlich.“
Sie ging zum Fenster und sah hinaus in den abendlichen Himmel. Pyro stellte sich so ein Leben langweilig vor. Immer nur drinnen hocken, nichts erleben, keine Kämpfe, keine Gefahren, furchtbar. Die Prinzessinnen taten ihm richtig leid.
„Ich wäre vermutlich schon verrückt geworden, wenn ich immer nur hier drin bleiben müsste. Wie haltet ihr das nur aus?“
Prinzessin Smaragda zupfte gedankenverloren an ihrer Laute herum.
„Naja, wir versuchen uns eben so gut es geht zu beschäftigen. Mit den Instrumenten üben, malen, spielen, singen, sowas eben.“
„Was macht ihr denn, wenn euch langweilig ist?“ fragte Rubinia neugierig.
„Och, unterschiedliches“, sage Pyro ausweichend, weil er nicht mit der Sprache herausrücken wollte.
Vielleicht würden die Prinzessinnen ihn auslachen, oder ihre Aktivitäten sogar als für Ritter unangemessen bezeichnen. Die Prinzessinnen sahen sich an und grinsten. Offenbar hatten sie ein neues Spiel entdeckt: Pyro ausfragen. Sie setzten sich auf die Bank im Erker und begannen zu raten.
„Ich hab euch schon mehrfach im Hof trainieren sehen“, sagte Goldi.
„Ja, schon, aber eigentlich ist das auf Dauer langweilig“, klärte Pyro auf.
„Bestimmt reitet ihr oft mit euren Tieren aus und kontrolliert die Grenzen“, riet Saphira.
„Klar, aber seit einiger Zeit ist da gar nichts mehr los und auch das wird öde“, schmetterte der Ritter ab.
„Hm… eine harte Nuss“, sagte Smaragda und giggelte. „Was könntet ihr denn noch machen? Vielleicht spielt ihr Schach?“
„Langweilig.“
„Oder geht tanzen“, überlegte Rubinia laut.
„Langweilig.“
„Andere Ritter ausbilden?“ fragte Saphira.
„Langweilig.“
Die Prinzessinnen sahen sich verdutzt an. Ihnen fiel bald nichts mehr ein nachdem sie fragen könnten.
„Vielleicht beeindruckt ihr holde Jungfrauen“, sagte Goldi neckend.
„Langweilig“, sagte Pyro unbeeindruckt.
„Mit Murmeln spielen?“ fragte Rubinia.
„Alles bei dem man nicht sterben kann ist Langweilig“, meinte Pyro großspurig.
„Alles?“ fragte Goldi verwundert.
„Naja, vielleicht nicht ganz genau alles. Wenn es was lustiges, spontanes ist, dann kann es schon ganz witzig sein. Sowas wie Trollweitwurf, oder riesen Gelbauchfrösche angeln, Pandapingpong, eine Schleimballschlacht….“
„Was in aller Welt sind denn Schleimbälle?“ unterbrach ihn Rubinia angeekelt.
„Die leben in einer Höhle im Norden, in etwa da wo der Vulkan ist. Ich glaube da war diese riesen Fledermaus …“
Pyro überlegte.
„Ja genau, jedenfalls sind da so kleine Dinger, die tropfen von der Decke und wollen einen angreifen. Die kleben einem dann an der Rüstung und wollen sich durchfressen und saugen einem dann ein bisschen Saft ab.“
„Iiiiihh, so wie Blutegel?“ fragte Smaragda erschrocken.
„Ja genau.“
„Und warum um alles in der Welt sollte man sich damit beschmeißen?“ fragte Saphira nicht sehr begeistert.
„Ist wie eine Schneeballschlacht, nur eben dass diese Bälle einen aussaugen wollen, das ist doch gleich viel spannender.“
„Uäh… nein danke, darauf könnte ich verzichten“, kam es von Rubina.
„Trotzdem“, sagte Goldi. „Ich würde gerne auch mal wieder die Burg verlassen. Am besten ohne all die Diener und Mägde, die sonst ständig um uns herum sind. Wir konnten uns noch nie frei bewegen. Einfach machen was wir wollen.“
„Das wär so schön“, schwärmte Saphira. „Einfach raus in die Natur, frei sein, auch wenn es nur für einige Stunden wäre.“
„Und warum macht ihr das nicht?“ fragte Pyro arglos.
„Wie denn?“ fragte Goldi bekümmert. „Wir kommen hier nie raus, ohne dass uns die Wachen vorne am Tor sehen und dann gibt es mächtig Ärger mit Vater.“
„Nicht, wenn wir den Geheimgang im Keller verwenden“, hielt Pyro dagegen.
„Was denn für ein Geheimgang im Keller?“ fragten die Prinzessinnen wie aus einem Mund.
Sofort wurden sie hellhörig.
„Da ist so ein versteckter Gang, der raus aus der Burg führt. Super, wenn man mal nach der Ausgangssperre rein oder raus will.“
„Und wie geheim ist der Gang?“ wollte Smaragda wissen.
„Keine Ahnung. Wir sind da noch nie jemandem begegnet“, sagte Pyro optimistisch.
„Ich sage, wir versuchen es, wer macht mit?“ fragte Rubinia und ihre Schwestern riefen laut: „Ja“, hoben die Hände und schlugen ein.

Die anderen drei Ritter befanden sich in ihrem Zimmer. Während Venom und Thunder chillten, las Cyrill in einem Buch, das er sich aus der Bibliothek ausgeliehen hatte.
„Was liest ‘n da?“ fragte Venom gelangweilt.
„Es heißt „Ritter: Der ultimative Karriereführer“. Ich hoffe, dass ich da drin was finde, das uns weiterhilft. Wird doch bestimmt schon mal einen Fall wie unseren gegeben haben.“
„Du meinst, wo vier Ritter keinen Bock drauf hatten sich zu trennen?“ fragte Thunder grinsend.
„Naja, so direkt vielleicht nicht, aber bestimmt lässt sich was ableiten“, überlegte Cyrill.
„Und? Schon was gefunden?“ bohrte Venom nach.
„Also, wenn ich mir das Kapitel „Erziehung und Ausbildung“ so angucke, haben wir einiges übersprungen. Naja, egal … Es steht auch was über Verträge hier drin. Offenbar kommt es öfter vor, dass sich Ritter lebenslang an ihren König binden, manche gehen sogar noch darüber hinaus und verpflichten sich auch gleich für die Kinder des Königs mit. Hier steht aber nur, dass das Kleingedruckte klärt, wann man wie kündigen kann. Weiß einer wo die Verträge sind?“
„Ähh…“ machte Venom.
„Beim König“, sagte Thunder sofort. „Ich weiß es noch genau, naja, bei mir ist es ja auch noch nicht so lange her, aber nach der Unterzeichnung hat der König den Vertrag zu seinen Unterlagen gelegt.“
„Weißt du noch was im Kleingedruckten stand?“ fragte Cyrill gespannt.
„So in etwa.“
„Lass hören!“ forderte Venom.
„Also, der König kann entscheiden, wann er seine Ritter entlässt.“
„Ja, gut, das haben wir uns ja auch schon denken können, und weiter?“ fragte Venom ungeduldig.
„Wir können vom Vertrag zurücktreten, wenn wir verkrüppelt und deswegen nicht mehr kampffähig oder eben tot sind.“
„Wow, das hört sich beides nicht sehr vielversprechend an“, kam es von Venom.
„Wir hätten den Vertrag wohl vorher gründlicher lesen sollen“, sinnierte Cyrill.
Einen Moment herrschte trostloses Schweigen.
„Steht denn irgendwas über Prinzessinnen in dem Wälzer da?“ fragte Venom.
Cyrill blätterte zum Inhaltsverzeichnis.
„Ja, es gibt ein Kapitel „Damen und Jungfrauen“.“
Er schlug es auf und überflog es.
„Aha, hier steht, Frauen sollen ein Ansporn für uns Ritter sein. Sie sind anwesend, um uns bei Turnieren und Tjosten anzufeuern. Warum auch immer … steht nicht da. Aha, hier steht, dass die ritterlichen Vorgaben unmissverständlich besagen, dass wir Frauen achten sollen.“
„Machen wir doch, den Typen in der Dusche hab ich ordentlich verprügelt, würde mich wundern, wenn der jetzt schon wieder geradeauslaufen kann“, sagte Venom und sah seine Aufgaben damit als erfüllt.
„Hier steht, wir sollen uns in Gegenwart von Damen gütig, höflich und in jeder Hinsicht angemessen verhalten.“
„Das ist ja schwammig formuliert“, beklagte Thunder. „Was ist denn angemessen?“
Cyrill zuckte mit den Schultern.
„Keine Ahnung. Möglicherweise wird das noch geklärt.“
Er las stumm weiter und sagte dann: „Ne, wird nicht weiter definiert. Hier steht aber, dass die Prinzessinnen einem irgendwelchen Krempel geben und dann erwarten, dass man für sie edle Taten vollbringt.“
„Was denn für Krempel?“ wollte Thunder verwundert wissen.
„Als Beispiel ist hier von einem Stofftuch die Rede, dass man sich an den Helm oder die Lanze binden soll.“
Venom und Thunder prusteten los. Sie konnten sich lange nicht zusammenreißen, bis Venom dann mit tränennassen Augen und unterdrücktem Lachen sagte: „Oh Wow, wenn ich mir vorstelle wie bescheuert das aussehen muss. Stell dir mal vor: Vor dir dreißig Gegner, hinter dir dreißig Gegner, du guckst ganz grimmig, dein Schwert und alles voller Blut, aber am Helm hängt dir dann so ein geblümtes Seidentuch herunter.“
„Hör bloß auf“, lachte Thunder und bekam sich gar nicht mehr unter Kontrolle.
Cyrill fand das zwar auch lustig, aber Lachanfälle waren nicht seine Art. Er hatte sich da besser im Griff. Er versuchte noch irgendwas Nützliches herauszufinden.
„Was steht da noch?“ fragte Venom begierig, weil er hoffte, dass es weitere lustige Anmerkungen gab.
„Bla, bla, bla, Laber, Sülz“, übersetzte Cyrill den Text. „Frauen können manchmal richtig Ärger machen.“
„Steht da drin?“ fragte Thunder verdutzt.
„Steht da drin“, bestätigte Cyrill trocken.
„Da haben sie ja mal was Wahres geschrieben“, kam es von Venom. „Wenn die Prinzessinnen nicht heiraten müssten, hätten wir kein Problem.“
Cyrill hatte keine Lust mehr zu lesen. Er legte das Buch ans Fußende seiner Matratze und sprang vom Bett herunter.
„Gott ist das langweilig.“
„Wieso? Was hast du für ein Problem?“ wollte Venom wissen und gähnte.
„Wenn Pyro hier wäre, dann wär uns schon längst was eingefallen was wir machen könnten. Stattdessen hängen wir nur rum und lesen und … naja … lesen. Was könnten wir denn machen?“
„Schlaf doch einfach“, sagte Thunder, der bereits die Augen zugemacht hatte und sich in seinem Bett einkuschelte.
„Wie langweilig“, antwortete der blaue Ritter.
Venom schnarchte schon. Cyrill seufzte. Mit den beiden war nichts anzufangen. Das helle Mondlicht strahlte durchs Bleiglas. Der blaue Ritter öffnete das Fenster und starrte in die milde Nacht hinaus. Was war das? Da hinten sah er doch jemanden laufen und zwar außerhalb der Burgmauer. Wenn man nicht genau wusste wo der Ausgangspunkt des Geheimganges war, konnte man es leicht übersehen. Ihr Fenster stand aber genau so, dass sie darauf hinuntersehen konnten und was sah er da?
„Klar, dem fällt natürlich sofort wieder irgendein Scheiß ein mit dem er sich in Schwierigkeiten bringen kann… Wieso fällt uns sowas eigentlich nicht ein? Hoffentlich wird er nicht erwischt. Ich weiß nicht, ob der König ihm so schnell noch mal einen Fehler durchgehen lässt.“
Review schreiben