Castle Crashers - 4 haun aufm Putz

GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Blauer Ritter Grüner Ritter Königliche Wache Oranger Ritter Roter Ritter
16.07.2019
08.10.2020
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02.05.2020 6.654
 
Die vier Eliteritter von König Castle trafen sich erst wieder am nächsten Morgen, wo sie sich sofort austauschten. Wenig überraschend fing Venom das Gespräch an.
„Ich hab gehört du hast Sir Nesselsuppe gestern Abend das Leben gerettet.“
Bevor Pyro etwas sagen konnte, sahen Cyrill und Thunder verwundert vom Gift- zum Feuerritter und fragten synchron: „Wirklich? Wo hast du das schon wieder her?“
„Das erzählt man sich so“, erklärte Venom schulterzuckend.
„Und stimmt das auch?“ wollte Thunder wissen und blickte Pyro eindringlich an.
„Klar“, kam es salopp vom orangenen Rittern, der nur mit den Schultern zuckte, so als wenn nichts weiter dabei wäre seinem Lehrer das Leben zu retten.
„Und davon erzählst du nichts?“ fragte Cyrill.
„Ich hätte es schon noch gemacht, aber Venom ist mir zuvor gekommen“, sagte der Feuerritter leicht verärgert und erzählte was gestern geschehen war.
„Hm… wir müssen herausfinden wer das war“, sagte Cyrill hochmotiviert, kaum, dass sein Freund seinen Bericht beendet hatte.
„Wieso wir?“ wollte Thunder wissen. „Ist doch nicht unser Problem. Der Attentäter hatte Pyro ja gar nicht treffen wollen, sondern Sir Nesselsuppe und der ist ein Ritter von König Wilhelm. Sollen dessen Leute sich doch damit rumschlagen.“
„Aber er ist doch unser Lehrer. Willst du wirklich, dass er beim nächsten Attentat vielleicht stirbt?“ fragte der blaue Ritter.
Das brachte den roten Ritter in Verlegenheit.
„Nein, das nicht, aber ich wollte damit sagen, dass wir uns hier auch nicht um alles zu kümmern brauchen. Immerhin hat König Wilhelm genug Personal für sowas.“
„Ich finde, es schadet nichts, wenn wir versuchen dem Attentäter auf die Schliche zu kommen“, sagte Cyrill.
„Ich bin dabei“, sagte Pyro sofort.
„Ich auch. Ähm… wie macht man sowas?“ fragte Venom.
„Haltet Augen und Ohren offen, fragt ein bisschen herum, aber unauffällig. Mal sehen was passiert wenn wir im Ameisennest herumstochern“, sagte Cyrill.
„Kennst du dich nicht mit Ameisen aus?“ fragte der grüne Ritter. „Sie kommen heraus und greifen an.“
„Das war eine Redewendung“, kam die etwas harsche Antwort.
„Ja, aber ich könnte mir vorstellen, dass es uns trotzdem in Schwierigkeiten bringen könnte“, sagte Thunder, der wie immer ein gutes Gespür dafür hatte.
„Naja, Augen und Ohren offen halte und herumfragen, ich denke das kriege ich hin“, sagte Venom und grinste.
„Wie war es eigentlich im Muschelsaal?“ wechselte Pyro das Thema, bevor der grüne Ritter wieder mit irgendeiner Anekdote daher kam.
„Oh, wunderschön“, sagte Venom.
„Ja, eine Schande, dass du nicht mit dabei warst“, sagte Cyrill neckend.
Thunder hatte den Faden sofort aufgenommen.
„Oh ja, es war wie in einer unterirdischen Grotte zu stehen. Überall Muscheln und Bergkristalle. Richtig toll. Muss furchtbar sein, davon zu hören und zu wissen, dass man es nie selbst sehen wird.“
Verstimmt sah Pyro ihn an.
„Du bist gemein. Aber wer sagt denn, dass ich ihn nie sehen werde? Vielleicht komme ich ja doch noch mal da rein, oder ich finde selbst einen Weg.“
„Schlag dir das aus dem Kopf!“ kam es von Thunder. „Wenn du da einbrichst und wieder irgendeinen Scheiß anstellst, dann kann dich auch König Castle nicht mehr schützen.“
Pyro brummte missgelaunt.
„Ich hab gehört König Castle musste bei König Wilhelm einen Kredit aufnehmen“,  erzählte Venom weiter, was er gestern Abend so alles aufgeschnappt hatte.
„Einen Kredit?“ fragte Cyrill erstaunt.
„Ja, das ist, wenn man jemandem Geld gibt, der keins mehr hat, es aber später zurück haben will“, erklärte der grüne Ritter.
„Ich weiß was ein Kredit ist“, sagte der blaue Ritter angefressen.
„Na und warum fragst du dann?“ kam es vom grünen Ritter zurück. „Immer muss ich alles erklären.“
„Ja gut, ist nicht weiter schwer sich vorzustellen, dass Pyros Katastrophen viel Geld kosten“, sagte Thunder abschätzig. „Ich vermute die Außenwand des Palastes zu erneuern kostet mehr, als König Castle derzeit in Petto hat. Immerhin hat Pyro ja auch die goldene Gans auf dem Gewissen und so lange zahlen die Untertanen von König Castle ja auch noch keine Steuern, als dass da viel Gold in die königliche Kasse gespült werden würde.“
„He, immerhin hab ich Sir Nesselsuppe gerettet“, sagte Pyro wichtig und es war jetzt schon abzusehen, dass er das in Zukunft wohl immer sagen würde, wenn Klagen über ihn kommen würden.
Thunder ignorierte Pyros Einwurf und sagte weiter: „Ich hab da ein echt mieses Gefühl. Mir kommt es schon fast so vor, als wenn König Wilhelm möchte, dass sich König Castle bei ihm verschuldet. Pyro hat schon wieder so viel Scheiß gemacht, aber es gab nie eine Strafe und er lässt ihn einfach gewähren. Es kostet halt Geld, aber mehr auch nicht und dieses Geld muss König Castle bezahlen und weil er keins hat, muss er einen Kredit aufnehmen.“
„Und ist so stückweise in der Hand von König Wilhelm“, überlegte Cyrill weiter.
Thunder nickte.
„Wäre möglich, dass König Castle bald sogar dazu gezwungen ist, seine Töchter an seine Söhne zu verheiraten und sich König Wilhelm so einfach auch noch dessen Königreich einverleibt.“
Venom und Pyro sahen überrascht zu ihren Freunden.
„Meint ihr wirklich?“ fragte Venom.
„Wäre ja voll krass“, kommentierte Pyro.
„Wir müssen jedenfalls auf der Hut sein“, ermahnte Thunder seine Freunde. „Wir wissen nicht was für Intrigen vielleicht um uns herum abgehen. Wir können uns nur aufeinander verlassen und müssen zusammen halten.“


Nach dem Frühstück gingen sie zu den Prinzessinnen. Die hatten sich gerade in Prinzessin Smaragdas Zimmer versammelt und redeten aufgeregt miteinander. Offenbar hatte auch hier die Geschichte von Pyro und Sir Nesselsuppe die Runde gemacht. Kaum waren die Ritter ins Zimmer getreten, drehten sich die Prinzessinnen zu ihnen um. Goldi war offensichtlich ganz aufgeregt, kam zu Pyro gewuselt und fragte noch im Gehen: „Ist alles in Ordnung bei dir? Ohje, ich sehe schon das große Loch wo deine Rüstung kaputt ist. Ich hab mir solche Sorgen um dich gemacht.“
Sie fiel dem orangenen Ritter um den Hals und drückte ihn an sich. Pyro sah über ihren Nacken hinweg zu seinen Freunden, die ebenso verwundert waren wie er.
„Es war gar nicht so schlimm. Siehst du, mir geht es gut.“
Venom konnte es nicht lassen und ohne zu überlegen sagte er: „Aber vorhin sagtest du noch der Bolzen wäre richtig tief in deiner Schulter drin gewesen und es wäre gar nicht so einfach für den Heiler von König Wilhelm ihn zu entfernen.“
Pyro warf ihm einen wütenden Blick zu. Goldi hörte sich sehr erschrocken an, als sie ihm mitleidig ins Ohr sagte: „Du Armer. Wieso bist du überhaupt schon wieder im Dienst nach so einer schlimmen Verletzung? Du hättest Tod sein können.“
Die orangene Prinzessin löste sich von ihm und sah ihn besorgt an.
„Es ist alles gut. Ich hab einen Heiltrank bekommen und es ist alles wieder verheilt. Kein Grund zur Sorge also.“
„Aber deine Rüstung …“ beharrte Goldi und zeigte mit dem Finger auf die kaputte Stelle.
„Ich hab noch keine Zeit gehabt, um es flicken zu lassen.“
„Und kein Gold“, tönte Venom.
Pyro verdrehte genervt die Augen und versuchte einen kühlen Kopf zu behalten.
„Ich werde unsere Diener anweisen das zu erledigen. Sie holen die Rüstung dann heute Abend bei dir ab. Morgen früh sollte sie dann wieder wie neu sein. Zum Glück haben wir viele gute Handwerker in der Pyrowehr … ähm… ich meine die Feuerwehr“, verbesserte sich Goldi schnell und wurde rot.
„Wenn dich das beruhigt …“ sagte Pyro, der nicht verstand warum so viel Aufhebens um seine Person gemacht wurde.
„Was steht denn heute auf dem Plan?“ fragte Cyrill die anderen Prinzessinnen.
„Bisher nichts Besonderes“, antwortete Saphira. „Weil gestern Abend der Ball war, geht es erst heute Nachmittag weiter. Irgendein ein Ausflug in ein Dorf oder so, war noch nicht ganz klar.“
„Wahrscheinlich fangen die Prinzen dann wieder an zu protzen“, sagte Smaragda genervt und Rubinia tat so, als würde sie kotzen.
Das war nicht gerade Prinzessinnenhaft, erheiterte aber ihre Schwestern und die Ritter.
„Ihr habt gestern mit ganz schön vielen anderen Frauen getanzt“, bemerkte Smaragda.
„Was meinst du denn mit anderen Frauen?“ wollte Venom wissen.
„Andere Frauen als uns, meint sie“, sagte Rubinia und grinste ihre grün gekleidete Schwester an.
„König Castle hat das so bestimmt“, sagte Thunder, denn er spürte, dass es zu einem ernsthaften Streit ausarten könnte, wenn er seinen Freunden das reden überließ.
So war aber alles gesagt und niemand störte sich mehr daran. Nachdem sie sich kurz ausgetauscht hatten, ließen die Ritter die Prinzessinnen in ihren Zimmern allein und gingen den Gang entlang wo die königlichen Wachen von König Castle das Königshaus beschützte.


Sir Nesselsuppe hatte sich heute Morgen auch ganz schön was anhören lassen müssen. Immer wieder wurde er darauf angesprochen, wie es sein konnte, dass er beinahe von einem Attentäter erwischt wurden wäre und ausgerechnet Pyro ihn retten musste. Diese Geschichte war dem alten Ritter sehr peinlich und er wollte nicht darüber reden. Er war sich im Klaren darüber, dass er sich dieses Gerede noch eine ganze Weile würde anhören müssen. Trotzdem führte er sein Tagwerk unverändert fort. Im Moment stand er mit Gustav, Bruno, Nyx, Solex und einigen jüngeren Rittern vor einem Hindernisparcours hinter dem Rittergebäude.
„Also das hier ist ein Wasserhindernis“, erklärte der alte Ritter und zeigt auf das ausgehobene Loch vor Ihnen, das randvoll mit Wasser war. „ihr, kennt das ja schon. Es wurde nur ein bisschen verändert.“
An den vier Ecken waren tiefe Pfeiler in den Boden getrieben, die mit Seilen verbunden waren. Es gab Leitern, Hängebrücken und Trapeze, die den Rittern helfen sollten von der einen Seite zur anderen zu kommen.
„Ihr werdet jetzt da hochklettern und einen Weg auf die andere Seite finden. Dabei solltet ihr das Wasser nicht berühren. Los fangt an!“ befahl Sir Nesselsuppe.
Seine Schüler stöhnten. Das hätten sie sich gestern um diese Zeit bestimmt noch nicht erlaubt und es verärgerte den alten Ritter. War er so sehr im Ansehen gesunken? Na immerhin wagten sie keine Widerworte. Solex war der erste, der sich am Trapez versuchte. Seine Rüstung behinderte ihn jedoch mehr als gedacht und er fiel wie ein Stein ins Wasserbecken. In der Mitte war es tiefer als am Rand, so dass er unter Wasser an den Rand waten musste. Als er endlich die Wasseroberfläche durchbrach schnappte er geräuschvoll nach Luft.
„Das passiert, wenn man nicht genau nachdenkt. Du hast wohl vergessen, dass du eine Rüstung trägst?“ kam es streng vom Lehrer.
„Ich dachte mir, wenn da so ein Ding hängt, muss es ja zu was gut sein.“
„Ach? Und dir ist nicht in den Sinn gekommen, dass es vielleicht eine Falle sein könnte? Wenn du einen Weg suchst ist nicht jeder der passende. Das musst du lernen.“
„Naja so schlimm ist es hier im Wasser nun auch nicht“, meinte der blaue Ritter.
Sir Nesselsuppe schnaubte. Er sah wieder wie seine Autorität untergraben wurde.
„Ach nein? Hat dich nicht gestört fast zu ersticken?“
„Ach komm hör auf, ich war höchstens zwanzig Sekunden unter Wasser“, sagte Sunil sehr locker.
„Dann ist es wohl noch nicht unangenehm genug ins Wasser zu fallen?“ fragte Sir Nesselsuppe scharf.
Seine Schüler sahen sich besorgt an.
„Gustav! Komm runter da!“
„Aber ich bin doch gerade erst hochgeklettert.“
„Keine Widerrede! Komm sofort runter!“
Missmutig kam der lilane Ritter herunter und stellte sich neben seinem Vorgesetzten auf.
„Du heizt das Wasser jetzt so sehr auf, bis es kocht!“ befahl der alte Ritter. „Dann habt ihr bestimmt mehr Respekt vor dem Kontakt mit dem Wasser.“
Die anderen Ritter sahen sich bang an. Einige der jüngeren Ritter sahen so aus, als hätten sie jegliche Lust verloren auch nur noch einen weiteren Schritt zu tun.
„Aber …“
„Kein Aber!“
Sir Nesselsuppe sah Gustav streng an und zeigte auf das Wasserbecken. Gustav seufzte und setzte seine Feuermagie ein. Zuerst geschah gar nichts weiter. Das Feuer zischte, sobald es in Kontakt mit dem Wasser kam und löste sich einfach auf.
„Das bringt doch nichts“, behauptete Gustav.
„Du musst dich eben mehr anstrengen. Pyro hätte das bestimmt schon längst hinbekommen.“
Dieser Vergleich störte Gustav, denn er wollte nicht zugeben, dass seine Feuermagie schwächer war, als die des orangenen Ritters. Er intensivierte seine Anstrengungen und nach fünf Minuten stieg Dampf von der Wasseroberfläche auf. Nach einigen weiteren Minuten begann das Wasser sogar zu kochen. Gustav wirkte zufrieden, seine Kameraden weniger. Sie sahen verängstigt hinunter.
„Na los, worauf wartet ihr?“ fragte Sir Nesselsuppe hinauf.
Die Ritter oben begannen mächtig zu schwitzen, das lag nicht nur an der Angst hinunter zu fallen, sondern auch an den Temperaturen, denn der heiße Wasserdampf stieg nach oben.
„Du kannst auch wieder raufklettern“, befahl Sir Nesselsuppe und Gustav musste gehorchen.
Im Gänsemarsch trippelten die Ritter einer nach dem anderen über die wacklige Hängebrücke. Sie hielten sich verkrampft an den Seilen fest, welche die Brücke hielten. Doch dann mussten sie auf ein anderes aufgehängtes Holzelement springen. Das erforderte von Nyx, der voran ging, einige Überwindung. Er sprang und schaffte es gerade noch so sich an der Holzkonstruktion festzuhalten, als er sich heraufziehen wollte, begann sie zu kippen und drohte ihn abzuwerfen. Es kostete ihn enorme Anstrengungen nicht ins heiße Wasser hinunter zu fallen. Seine Kameraden sahen ihm bang zu und feuerten ihn unter lautem Rufen an. Nyx schaffte es doch noch sich hochzuziehen und stand jetzt vor einem großen Fass, in das er hineinstieg und sich mit einem Flaschenzug auf die andere Seite brachte. Auch das war sehr anstrengend, weil es eine so ungewohnte Bewegung war. Endlich hatte er es geschafft. Der Ausstieg aus dem Fass auf die Holzplattform war sehr wacklig und ein letztes Mal wäre er fast hinunter gefallen.
„Na los, worauf wartet ihr? Der Nächste!“ blaffte Sir Nesselsuppe ungehalten.
Ein Ritter nach dem anderen nahm diesen wackligen Weg. Drei schafften es nicht und fielen ins Wasserbecken. Ihre schweren Rüstungen zogen sie nach unten und sie müssten wie zuvor Sunil erst unter Wasser zum Rand laufen, was eine echte Plackerei war, noch dazu in heißem Wasser. Ihre Kammeraden konnten hören wie sie unter Wasser schrien und so kostbare Luft verbrauchten. Sir Nesselsuppe hatte es schon so kommen sehen, dass er sie heraus fischen musste. Er packte sie mit seiner telekinetischen Magie und hob sie aus dem heißen Nass.
„Ist das heiß!“ jammerte einer der jungen Ritter.
„Ich verbrenne im Wasser!!“ schrie der Zweite.
„Ich glaube ich koche“, jaulte der Dritte.
Die drei Ritter eilten so schnell wie möglich vom heißen Wasserbecken weg, um in der kühlen morgendlichen Spätseptemberluft abzukühlen. Währenddessen hatte auch Gustav als Letzter Schüler den Weg übers Wasserhindernis geschafft. Sir Nesselsuppe war sehr unzufrieden.
„Das hätte viel besser gehen können. Ihr habt diesen Parcours doch schon mehrfach durchgenommen. Und nicht nur das Wasserhindernis, sondern alles komplett. Ihr wart sonst viel schneller.“
„Aber sonst waren nicht diese Sprungeinlagen bei diesem Hindernis“, wagte Bruno darauf hinzuweisen.
„Die sind dazu da, damit ihr das trainiert. Die Ritter von König Castle können das, also müsst ihr das auch können. Die konnten selbst beim schwebenden Schloss des Zauberers herumspringen während da überall Felsen auf sie herunterfielen und ihr wollt mir sagen, dass ihr es nicht schafft, über so ein kleines Wasserhindernis zu kommen?!“
Er wusste nicht, dass Venom die Geschichte noch ein bisschen mehr ausgeschmückt hatte, damit es sich noch gefährlicher anhörte, als es ohnehin schon gewesen war. Die Ritter wollten den sowieso schon wütenden Sir Nesselsuppe nicht noch mehr reizen und sagten nichts weiter dazu. Als hätten sie einen Alarm gehört kamen die vier Eliteritter von König Castle auch gerade in Sicht.
„Wow, was ist das denn für ein cooler Trainingsparcours?“ sagte Cyrill staunend.
„Sieht ja mächtig gewaltig aus“, kam es von Venom.
„Oh, ein Pool!“ rief Pyro fröhlich, der ohne auf die umstehenden zu achten, einfach ins heiße Wasserbecken hopste, ohne zu wissen wie tief das überhaupt war.
Da er aber am Rand hineingesprungen war, tauchte er rasch wieder mit dem Kopf aus dem Wasser auf.
„Ah“, sagte er genüsslich und legte die Arme auf den Rand des Beckens, um mal so richtig auszuspannen.
„Pyro!“ kam es bissig von Sir Nesselsuppe. „Was machst du in meinem Wasserhindernis?“
Der Feuerritter sah sich um, als hätte er den alten Ritter erst jetzt bemerkt.
„Das ist ein Hindernis? Ich dachte, das ist eine heiße Quelle zum Baden.“
„Aber das ist doch kochend heiß“, kam es von einem der Ritter, der sich gerade noch an dem Wasser verbrüht hatten.
„Quatsch!“ schmetterte der Feuerritter ab. „Das ist doch nicht heiß, nur schön warm. Das sind vielleicht gerade mal fünfundfünfzig Grad … sechzig, wenns hoch kommt. Ist wirklich sehr entspannend hier drin, solltet ihr auch mal versuchen.“
Venom lachte laut und hielt einen gepanzerten Finger ins Wasser. Rasch holte er ihn wieder heraus und schüttelte das Wasser ab.
„Hm… vielleicht doch ein wenig zu warm.“
„Komm jetzt endlich da raus!“ bellte Sir Nesselsuppe. „Und ihr geht jetzt zu euren üblichen Aufgaben! Heute Abend erwarte ich euch wieder hier!“
Er wollte eigentlich noch hinzufügen, wie enttäuscht er von ihren Leistungen war, aber im Hinblick darauf, dass die Ritter von König Castle dabei waren, ließ er es bleiben seine eigenen Ritter schlecht dastehen zu lassen. Gustav und die anderen warfen den Rittern von König Castle noch einen Blick zu und verschwanden dann in Richtung Rittergebäude. Thunder, Venom, Cyrill und Pyro, der jetzt tatsächlich aus dem entspannenden Wasserbecken geklettert war und sich nun mithilfe seiner Feuermagie trocknete, standen nun vor Sir Nesselsuppe, um zu hören, was es mit diesem Trainingsparcours auf sich hatte. Er führte die Ritter zum Anfang, der sich ein ganzes Stück weiter Richtung Rittergebäude befand. Dort zeigte der alte Ritter auf die gesamte Strecke und erklärte: „Diesen Hindernislauf muss jeder meiner Schüler überwinden. Die Zeit wird gestoppt. Ich erwarte, dass ihr es in unter fünf Minuten schafft. Bei Lufthindernissen dürft ihr nicht den Boden berühren.“
Die jüngeren Ritter sahen ihn erstaunt an, aber er bemerkte es gar nicht, dafür sah er genervt zum Rand des Trainingsgeländes. Dort standen auffallend viele junge Frauen, vermutlich Dienerinnen, die zum Thunder Fanklub gehörten und kicherten immer wieder mädchenhaft. Sir Nesselsuppe fühlte sich dadurch offensichtlich empfindlich gestört, doch er konnte nichts dagegen sagen, immerhin gab es kein Gesetz das Verbot das Training der Ritter zu sehen. Die Umsetzung wäre auch sehr schwer, da sich das Trainingsgelände in unmittelbarer Nähe zu den Dienerhäusern befand.
„Also, sobald ich die Sanduhr umgedreht habe, läuft der erste los. Es ist mir egal wer anfängt, das müsst ihr unter euch ausmachen.“
Das taten die Ritter und sie kamen darin überein, dass zuerst Thunder, dann Cyrill, dann Venom und zuletzt Pyro antreten sollten. Kaum drehte Sir Nesselsuppe die Sanduhr, sprang Thunder los. Das erste Hindernis war ein Erdwall, den er einfach übersprang, dann kam ein Slalomlauf und als nächstes eine hohe Holzwand. Es war nicht ganz klar wie die anderen Ritter dieses Hindernis überwunden hatten, doch Thunder schoss sich mit einem gekonnten Elektrostoß in die Höhe und übersprang das Hindernis somit einfach. Sir Nesselsuppe wollte schon etwas sagen, doch er besann sich eines Besseren, da der feminine Thunderfanklub begeistert applaudierte. Im weiteren Verlauf feuerten sie ihn auch weiterhin an, als er das drei Meter tiefes Wasserbecken überwinden sollte. Um das Becken drumherum waren vier solide Stützpfeiler errichtet, zwischen denen Seile hingen, an denen verschiedene Holzgegenstände baumelten, zum Beispiel Teile einer Brücke, Holzlatten, ein Fass und eine lange Stange. Vielleicht war gewünscht, dass hier allerhand akrobatische Fähigkeiten gezeigt werden sollten. In gewisser Hinsicht kam der Elektroritter dem nach, denn erneut stieß er sich magisch vom Boden ab und bekam das Trapez zu packen, von dem Sir Nesselsuppe vorhin noch behauptet hatte, es sei nicht dafür geeignet einen auf die andere Seite zu bringen. Thunder schwang sich daran nach vorne und sprang zu einem aufgehängten Holzstück. Er zog sich daran hinauf und als er stand, visierte er schon das nächste Ziel an. Sir Nesselsuppe schnalzte missbilligend mit der Zunge. So hatte er sich das wohl nicht gedacht, doch als er schließlich etwas sagte, ging es im Jubel der Zuschauerinnen unter, die aufgeregt umherhüpften und dem roten Ritter ständig zuwinkten. Dann verfielen sie wieder in wilde Anfeuerungsrufe bei der sie abwechselnd „Thunder!“ riefen und dann drei mal in die Hände klatschten und dann erneut: „Thunder!“ riefen. Dann klatschten sie erneut und immer so weiter, bis der rote Ritter auch dieses Hindernis mit seinen Sprungkünsten überwunden hatte und er sich als nächstes über einige Stangen hangelte, die über dem Boden aufgebaut waren. Zum Schluss kroch er durch einen kleinen Tunnel, richtete sich danach auf und rannte Staub aufwirbelnd über die Ziellinie.
„Etwa zweieinhalb Minuten“, erklärte Sir Nesselsuppe, der jetzt neben ihm im Ziel stand. „Das lief aber nicht so wie geplant.“
„Wieso? Was hab ich denn falsch gemacht?“ wollte Thunder verwundert wissen. „Ich hab doch alle Hindernisse überwunden.“
„Aber doch nicht so“, knurrte der Lehrer und verdrehte genervt die Augen. „Mal sehen, ob es deine Kameraden besser hinbekommen.“
Er hielt die Sanduhr hoch, so dass Cyrill sie sehen konnte und der blaue Ritter lief sofort los. Er wollte beweisen wie schnell und stark er war und hatte vor unbedingt eine gute Zeit reinzuholen. Auch er überwand den Erdwall ohne jede Probleme, beim Slalom war er nicht ganz so fix wie Thunder, doch er kam hindurch ohne auch nur eine der aufgestellten Stangen zu berühren. Bei der Holzwand zögerte er nicht lange, sondern schoss ein paar Eiszapfen, die kleine Löcher ins Holz trieben und sprang an ihnen die Wand hinauf.
„Nein!“ sagte Sir Nesselsuppe verdrießlich, doch Cyrill hatte ihn offenbar unter dem tosenden Jubel der Frauen nicht gehört.
Das Wasserhindernis war für Cyrill auch überhaupt kein Problem. Die aufgehängten Gebilde sah er sich kurz an, aber beachtete sie dann nicht weiter, denn das mittlerweile lauwarme Wasser weiter unten würde ihm mehr Halt bieten. Er fror es ein und weil er sich erinnerte, dass sie nicht den Boden berühren sollten und das Eis vermutlich als Boden durchgehen würde, ließ er Eissäulen entstehen. So hüpfte er von einer zur nächsten auf die andere Seite. Beim Hangeln war er wesentlich schneller als Thunder und auch den Tunnel schaffte er schneller. Dennoch sagte Sir Nesselsuppe: „Etwa gleiche Zeit, aber du hast ja auch einfach gemacht wie du wolltest.“
„Ähm… gab es irgendwelche Einschränkungen?“ fragte Cyrill verwundert. „Du hast nichts gesagt, deswegen dachte ich nicht, dass es welche gibt.“
„Herrgott“, brach es aus dem Lehrer heraus. „Was glaubt ihr denn wie ich eine vergleichbare Zeit feststellen soll, wenn hier jeder Ritter mit seiner Magie hantiert? Es geht um die körperliche Leistung und nicht darum wie gut ihr eure Magie nutzen könnt, um Hindernisse zu überwinden.“
„Na, dann solltest du das jetzt auch Venom sagen, sonst macht er es genau wie wir“, gab Thunder zu bedenken.
„Das werde ich tun“, sagte Sir Nesselsuppe und stapfte zum Start zurück. „Hergehört! Also Venom, versuch die Hindernisse zu überwinden, OHNE Magie anzuwenden. Verlass dich ausschließlich auf deine körperliche Kraft und Schnelligkeit.“
„In Ordnung“, kam es völlig widerspruchslos vom grünen Ritter und als der Lehrer die Sanduhr drehte, lief er los, überwand etwas mühsam den Erdwall und kam dann zum Slalom.
Leider berührte er mehrere der Stangen, die nun leicht hin und herschwangen. Die Holzwand, die bereits einige kleinere Löcher von Cyrills Eiszapfen hatte, welche jetzt langsam schmolzen, stellte Venom zuerst vor ein kleines Problem. Sir Nesselsuppe konnte richtig sehen wie er überlegte was jetzt zu tun sei. Dann zuckte der große schwere Ritter die Schultern, nahm Anlauf und rannte einfach auf die Wand zu. Holz splitterte und ein mannsgroßes Loch tat sich auf.
„Nein!“ heulte der Lehrer auf, doch im allgemeinen Getöse ging das unter.
Die Zuschauerinnen klatschten begeistert. Mittlerweile stand Venom vor dem Wasserhindernis. Er versuchte das Eis zu betreten, doch ein Schritt reichte, um ihm zu zeigen, dass es ihn nicht halten würde, schon brach die erste Eissäule zusammen. Schnell rettete er sich zurück an den Rand. Venom stand vor einem wirklichen Problem. Er wusste nicht wie er hinüber kommen sollte. Er könnte vielleicht die Stützpfeiler hochklettern, doch Höhen behagten ihm nicht. Stattdessen rammte er einen der Pfeiler um, so dass alles was an ihm hing zusammenkrachte, sich auftürmte und eine Brücke bildete, eine seltsame zwar, aber nichtsdestotrotz eine Brücke. Sir Nesselsuppe vergrub das Gesicht in seiner freien Hand. Er wollte gar nicht mehr hinsehen. Beim nächsten Hindernis, dem Hangeln hatte Venom leider Probleme. Er hatte starke Arme, aber es war gar nicht so einfach sein komplettes Gewicht allein mit seinen Armen zu tragen. Mitten drin musste er kurz aussetzen und eine Pause einlegen. Das kostete ihn Zeit. Im Tunnel wurde es nicht besser, denn er blieb stecken. Sie konnten hören wie er laut fluchte und sich dann mühsam weiterschob. Knirschend schrammte die Rüstung an den Tünnelwänden entlang und als er sich schließlich aufrichtete und zum Spurt ansetzte, sah er schon etwas geschafft aus. Das letzte Stück wurde etwas mühsam und als er im Ziel ankam, verkündete Sir Nesselsuppe: „Viereinhalb Minuten und das obwohl du geschummelt hast.“
„Was heißt denn hier bitte geschummelt?“ fragte Venom ärgerlich. „Ich hab alles so gemacht wie du gesagt hast. Keine Magie nur Körperkraft und Schnelligkeit.“
„Aber doch ohne die Ausrüstung kaputt zu hauen“, rügte ihn der Lehrer.
„Davon hattest du nichts gesagt.“
„Aber das sollte doch wohl selbstverständlich sein“, sagte der alte Ritter säuerlich, während er sich schon umdrehte, um zum letzten Kandidaten zurückzugehen.
„Du bist ganz schön außer Atem“, sagte Cyrill und grinste breit. „Hättest wohl mehr trainieren sollen, was?“
„Pöh!“, kam es von Venom zurück, der beleidigt die Arme verschränkte.
Sir Nesselsuppe wollte es offenbar nur noch hinter sich bringen, denn er winkte Pyro zu und drehte die Sanduhr um. Der Feuerritter startete gleich voll los, hüpfte Schwungvoll über den Erdgraben und nutzte beim Slalom die Stangen als Haltepunkte, um schneller die Kurven zu kriegen.
„Das ist geschummelt!“ wies ihn Sir Nesselsuppe zurecht. „Und komm ja nicht auf die Idee einfach durch das Loch in der Wand durchzulaufen. Du sollst deinen eigenen Weg finden.“
Pyro sah ihn gereizt an.
„Also schön!“
Dann sah er zur Holzwand, die mittlerweile ordentlich was abbekommen hatte. Im Grunde war es deswegen wohl auch egal, dass Pyro seine Magie aufflammen ließ und das Feuer die Holzwand verzehrte.
„HALT!“ versuchte der Lehrer das noch zu unterbinden, doch zu spät. „Ich hab doch gesagt, dass du keine Magie einsetzen sollst.“
Pyro sah ihn grinsend an und sagte: „Nein, eigentlich hast du das nicht. Genau genommen hast du das nur Venom gesagt, von mir war nie die Rede.“
„Das galt auch für dich!“
„Hast du aber nicht gesagt“, diskutierte Pyro weiter, der immer das letzte Wort haben musste.
„Geh jetzt endlich weiter!“ brüllte Sir Nesselsuppe ihn an und der Feuerritter kam zum Wasserhindernis.
Dort nahm er einfach den Weg, den Venom geschaffen hatte, obwohl ihm sein Lehrer gerade eben noch erklärt hatte, dass er gerade dies nicht tun sollte. Doch der wollte gar nichts mehr dazu sagen. Pyro hatte kleinere Füße als Venom und weil er sich recht ungeschickt anstellte, geriet sein linker Fuß in einen Zwischenraum zwischen zwei Stangen wo er hängen blieb, während der Rest seines Körpers in eine andere Richtung fiel. Es gab ein hässliches Knacken und Pyro stürzte auf eine Eissäule, die unter ihm zusammenbrach und ihn aufs gefrorene Wasser fallen ließ, welches mittlerweile so weit getaut war, dass er es locker durchschlug.
„Pyro!“ riefen seine Freunde und rannten herbei.
Der Feuerritter tauchte auf, schüttelte die Eissplitter ab und paddelte mit den Armen, um oben zu bleiben, was angesichts des Gewichts der Rüstung wirklich schwer war.
„Kalt!“ rief er und schüttelte sich.
„Was machst du auch für einen Scheiß? Da hab ich schon extra einen Weg gebaut und nicht mal das kriegst du hin!“ kam es von Venom.
Als der orangene Ritter versuchte sich aus dem Wasserbecken zu ziehen, zog er schmerzerfüllt die Luft ein, als er versuchte mit dem linken Fuß aufzutreten.
„Was ist?“ fragte Cyrill, der sofort gemerkt hatte, dass etwas nicht stimmte.
„Ich glaub, ich hab mir was verstaucht“, sagte Pyro missmutig.
Es war ihm peinlich, dass er sich bei so einer einfachen Übung verletzt hatte. Wenn es in einer Schlacht gewesen wäre, oder gegen einen Drachen, oder gegen ZWEI Drachen, dann wäre es ja kein Problem gewesen, aber bei so einer simplen Übung, da kam er sich reichlich dämlich vor.
„Kommst du raus?“ fragte Thunder und reichte ihm eine Hand.
Doch Pyro stand zu tief und kam nicht heran.
„Geht mal beiseite!“ forderte Sir Nesselsuppe sie auf.
Er streckte seine linke Hand aus und ließ Pyro mit seinen telekinetischen Kräften nach oben schweben.
„Sag mal kannst du eigentlich auch selber fliegen?“ fragte der Feuerritter, ganz so, als hätte er nicht gerade eben einen üblen Sturz hinter sich.
„Nein, es muss etwas anderes als ich selbst sein das ich bewege“, klärte der ältere Ritter ihn auf, während er seinen Schüler zu sich schweben ließ.
„Aber du könntest dich auf etwas draufstellen, dass du dann schweben lassen könntest“, überlegte Pyro weiter.
Vielleicht hätte er noch weiter darüber nachgedacht, wenn der ältere Ritter ihn nicht auf dem Boden abgestellt hätte. Pyro stöhnte. Sein linker Fuß wollte ihn nicht tragen. Er hob ihn in eine Schonhaltung.
„Sieht nicht so aus, als könntest du weitermachen“, sagte Sir Nesselsuppe, der schon viele Verletzungen gesehen hatte.
„Ach was“, versuchte Pyro abzuwiegeln. „Das ist doch nur eine Verstauchung.“
Er setzte seinen Fuß vorsichtig auf und hinkte dann los, in der Absicht den Hindernislauf fortzusetzen.
„Das wird aber eine miese Zeit, wenn du das jetzt durchziehst“, wandte Venom ein.
Auch Sir Nesselsuppe schüttelte den Kopf.
„So wird das nichts. Melde dich bei der Heilerin deines Königs! Sie soll dich untersuchen und gegebenenfalls einen Heiltrank verwenden.“
Das ließ den orangenen Ritter unruhig werden.
„Ich hab aber kein Gold für einen Heiltrank.“
„Dann wird eben einer aus dem Lagerbestand genommen.“
Die Eliteritter von König Castle warfen sich einen beklommenen Blick zu. Sie hatten nicht vergessen, dass Helena wegen ihnen den letzten Heiltrank anbrechen musste und sie wussten nicht, ob sie bereits Mittel zur Neubeschaffung vom König erhalten hatte.
„Warum soll ich überhaupt gehen? Ein bisschen ausruhen und es ist wieder gut“, protestierte der Feuerritter.
„Du denkst immer, du weißt alles besser“, sagte Sir Nesselsuppe harsch. „Wenn du nicht sofort losgehst, dann werde ich dich zur Ärztin schweben lassen!“
„So weit kommts noch. Ich kann mich alleine um mich kümmern“, behauptete der Feuerritter starrköpfig, drehte sich um und hinkte in Richtung Dienerhaus davon.
Dort irgendwo im riesigen Dienerhaus musste Helena ihr Zimmer haben. So schwer konnte es ja nicht sein das zu finden. Sir Nesselsuppe sah ihm nach und seufzte.
„Ich bin mit eurer Leistung wirklich unzufrieden. Muss ich euch denn wirklich alles haarklein erklären, damit ihr etwas richtig macht?“
„Woher sollen wir denn sonst wissen wie es richtig ist?“ fragte Venom nach.
„Aber das kann man sich doch denken!“
„Kann man das?“
„Ja! Meine anderen Schüler haben die Hindernisse jedenfalls nicht zerlegt.“
„He, Cyrill und ich haben auch nichts beschädigt“, wies Thunder diese Beschuldigungen weit von sich.
„Nächstes Mal erwarte ich, dass ihr den Hindernislauf ohne Magie absolviert. Wenn es überhaupt ein nächstes Mal gibt. Ich frage mich ehrlich gesagt wozu ich euch überhaupt noch unterrichte. Ich sehe überhaupt keinen Fortschritt. All meine Bemühungen waren bisher umsonst“, sagte Sir Nesselsuppe frustriert.
Die jüngeren Ritter wussten nicht, ob sie dazu etwas sagen sollten. Venom war eigentlich egal, ob sie nun Unterricht hatten oder nicht, doch, wenn er es sich aussuchen könnte, würde er wohl nicht zum Unterricht gehen und lieber etwas Anderes machen. Cyrill fühlte sich ein bisschen schuldig, denn er konnte schon verstehen, dass der ältere Ritter viel Energie in ihr Training investiert hatte und er nachvollziehen konnte wie frustrierend es sein musste, dass nicht viel dabei herauskam. Doch letztendlich war das doch eigentlich ihr Ziel gewesen, oder? Zumindest am Anfang hatten sie ihn alle loswerden wollen. Mittlerweile mussten sie aber zugeben, dass sie sich schon irgendwie an ihn gewöhnt hatten. Dennoch, Thunder war der Meinung, dass sie lang genug unter seiner Knute gestanden hatten und würde es begrüßen, wenn Sir Nesselsuppe es aufgeben würde, ihnen etwas beibringen zu wollen. Keiner sagte etwas, alle dachten nach und sahen dabei zu wie Pyro herumhinkte. Als er es fast bis zum Gebäude der Hausdiener geschafft hatte, konnte er seinen verletzten Fuß wohl nicht mehr länger aufsetzen und begann auf einem Bein voran zu hüpfen.
„Das ist auf keinen Fall nur ne Verstauchung“, sagte Thunder.
Sir Nesselsuppe seufzte noch mal und sagte dann: „Cyrill, geh ihm nach und hilf ihm zur Ärztin! Da gibt es viele Stufen zu erklimmen und wenn er das allein machen soll, sehe ich es schon so kommen, dass er noch seine Feuermagie einsetzt, um sich irgendwie hochzuschießen und dann nachher das Dienerhaus abbrennt.“
Venom grinste.
„Und da sagst du, der Unterricht bringt nichts? Von wegen! Du beginnst langsam uns zu verstehen.“
Sir Nesselsuppe schnaubte, denn die Worte des grünen Ritters gingen ihm ganz offensichtlich gegen den Strich.
„Was anderes. Heute Nachmittag findet zwei Kilometer südlich von hier auf einer großen Wiese ein Ritterturnier statt. Ich dachte nur, ihr solltet das wissen.“
„Oh, gut dass du es sagst. Wir hätten sonst nicht davon gewusst“, sagte Venom.
„Ja, ich weiß…“ kam es leicht zögerlich vom alten Ritter.
„Wir sagen dann auch gleich Cyrill und Pyro Bescheid“, erklärte Thunder.
„Nun …“ kam es etwas zögerlich von Sir Nesselsuppe. „Es ist so, dass dieses Turnier recht exklusiv ist. Man muss mindestens seit der dritten Generation Ritter sein, um teilnehmen zu können. Viele der anderen Ritter wollten selbst euch nichts sagen. Es ging da wohl um irgendeine Sache in einem Restaurant, aber ich finde es nur fair, wenn ihr auch davon erfahrt. Außerdem wäre es gut, wenn ihr euch dort etwas umhört. Vielleicht findet ihr etwas bezüglich des Attentats auf mich heraus. Ich habe natürlich auch die andern Ritter von König Wilhelm auf den Fall angesetzt, aber es wäre nicht schlecht, wenn sich jemand von außerhalb mal umhört. Das ist unauffälliger.“
Der rote und der grüne Ritter sahen sich verwundert an.
„Danke jedenfalls. Wir werden uns dort mal umsehen.“
Während Cyrill hinter seinem Freund herlief und Sir Nesselsuppe zu seinen anderen Aufgaben zurückkehrte, kamen Thunder und Venom an den jungen Frauen vorbei. Sie kreischten aufgeregt und bildeten eilig einen Kreis um die beiden Ritter.
„Oh Thunder, ich bin dein größter Fan!“ quietschte eine der jungen Frauen und himmelte ihn mit großen blauen Augen an.
„Gar nicht wahr! ICH bin sein größter Fan“, erwiderte eine brünette, dralle Küchenmagd und versuchte ihre neue Konkurrentin wegzustoßen.
Während sich die beiden zankten, versuchte jede der anderen Frauen so nah wie möglich an den roten Ritter heranzukommen. Der war verwirrt und wusste nicht was sie eigentlich wollten. Sie quasselten so aufgeregt durcheinander, dass er nichts eindeutiges verstehen konnte. Schließlich hielt eine schwarzhaarige dünne Frau Federkiel und Tinte hoch und bat um ein Autogramm. Daraufhin wollten alle anderen auch eins. Thunder wurde rot. So viel Aufmerksamkeit überforderte ihn. Doch schließlich nahm er das Schreibzeug in die Hand und tat den Frauen den Gefallen. Venom stand etwas beleidigt daneben. Wo waren eigentlich seine Fans? Und warum wollte niemand von ihm ein Autogramm? Doch dann kam auch eine der Frauen zu ihm und bat ihn, um ein Autogramm. Der grüne Ritter strahlte und nahm fröhlich das Schreibzeug zur Hand.

Sir Nesselsuppe hatte wirklich was gelernt. Als Cyrill seinen Freund erreichte, war der schon bis zur Treppe gekommen und wollte gerade einen Feuerzauber einsetzen, um sich die Treppe hinauf zu katapultieren.
„Warte doch mal, wenn du das Haus abbrennst, musst du auch das noch bezahlen“, hielt ihn der Eisritter zurück.
„Meinst du, dass macht noch etwas aus? Ich werde meine Schulden doch eh nie zurückzahlen.“
„“Können“, hast du vergessen zu sagen“, kam es säuerlich von Cyrill.
„Ja, genau“, sagte Pyro grinsend.
Der blaue Ritter schnaubte.
„Such dir in Zukunft jemand anderen, der dir Geld borgt.“
Cyrill stützte den Feuerritter und so schafften sie es langsam, Stufe für Stufe die Treppe hinauf. Unglücklicherweise gab es drinnen noch mehr Treppen. Sie fragten eine Dienerin, die gerade die Treppe fegte, wo sich das Gästezimmer von Helena befand. Die gab ihnen sofort Auskunft und fegte sogar den Dreck weg, den die beiden Ritter hinterlassen hatten. Offenbar war sie es gewohnt hinter anderen herzuräumen. Helenas Zimmer befand sich im dritten Stock. Der Aufstieg war eine endlose Plackerei, denn Pyro konnte seinen Fuß jetzt gar nicht mehr belasten und musste auf einem Bein hochspringen. Cyrill hatte versucht ihn auf der anderen Seite hochzuziehen, doch das hatte nicht so gut funktioniert und der Feuerritter wollte sich auch gar nicht helfen lassen. Zum Glück war all die Plackerei nicht umsonst. Die Ärztin befand sich zum Glück wirklich gerade in ihrem Zimmer und las ein Medizinbuch, dass sie sich vom Medicus von König Wilhelm ausgeliehen hatte. Sie runzelte die Stirn und sah dann von ihrer Lektüre auf, als Cyrill an die Tür klopfte und gleich darauf auch öffnete.
„Was ist denn jetzt wieder passiert?“ fragte Helena verwundert.
Zuerst war sie etwas verärgert, weil sie in ihrem Studium unterbrochen wurde, aber dann stellte sie das hinter ihrer Arbeit zurück.
„Wir haben trainiert. Es war ein Hindernislauf. Ich … hab mich etwas dämlich angestellt und bin umgeknickt.“
„Und ein paar Meter tief in ein mit Eis gefülltes Loch gefallen“, fügte Cyrill hinzu, weil er sich dachte, dass die Ärztin sonst ein falsches Bild von Pyros Unfall bekommen würde.
„Oh je, wieso passiert nur immer dir sowas Pyro?“ fragte sie.
Der orangene Ritter zuckte mit den Schultern.
„Du hattest wohl Sehnsucht nach mir, was?“ witzelte Helena.
„He, es war ein Unfall“, wollte der Feuerritter das gleich klarstellen.
„Ja, aber „natürlich“, bei dir ist es doch immer ein Unfall.“
Sie lachte.
„Setz dich da auf die Liege!“
Das stellte sich als schwerer heraus als gedacht, denn der orangene Ritter konnte nicht hochspringen. Es sah etwas kläglich aus, wie er halb sprang und sich dann auf halbem Weg hochzog.
„Ohje, das sieht nach was Schlimmerem aus.“
„Ist nur eine Verstauchung“, behauptete der Feuerritter hartnäckig.
„Das diagnostizieren überlässt du mal mir“, riet ihm die Ärztin und bat danach Cyrill:  „Hilf mir mal ihn aus seiner Rüstung zu schälen. Warum ihr auch immer mit diesem schweren Zeug trainieren müsst.“
„Im echten Fall müssen wir doch auch unsere Rüstungen tragen“, erklärte Cyrill.
Immerhin trug der orangene Ritter seine neue orangene Unterbekleidung und nicht mehr seine alten Lumpen, so dass er nicht ganz so armselig aussah. Durch den Sturz hatte er einige Kratzer und Abschürfungen abbekommen, aber sonst sah es nicht weiter schlimm aus. Helena widmete sich nun Pyros linkem Fuß und drückte daran herum.
„Tut das weh?“
„Ja, irgendwie schon“, gab der orangene Ritter zu.
„Irgendwie?“ fragte die Ärztin, die sich denken konnte, dass der Ritter nicht so recht mit der Sprache herausrücken wollte.
Sie drückte fester zu.
„Au!“
„Also doch. Dein Fuß ist gebrochen. Genau hier.“
Sie zeigte auf sein oberes Sprunggelenk.
„Ungünstige Stelle. Auf normalem Weg würde es bestimmt sieben Wochen dauern, bis du wieder auftreten kannst.“
„Sieben Wochen?!“ fragte Pyro mit großen Augen. „Warum zum Henker dauert das denn so lange? Ich hatte mit ein paar Tagen gerechnet.“
Helena seufzte. Sie kannte ihre Pappenheimer ganz genau.
„Und eben deswegen werde ich wohl den letzten Rest Heiltrank nehmen müssen. So lange kann ich dich nicht ausruhen lassen. Immerhin will König Castle, dass du für ihn arbeitest.“
„Siehst du Pyro“, sagte Cyrill und grinste diebisch. „Von wegen verstaucht. Und so wolltest du noch den Hindernislauf fortsetzen.“
„Wirklich? Nicht zu fassen!“ mischte sich Helena ein. „Das hätte alles nur noch verschlimmert. Dich kann man wirklich nicht allein lassen.“
Helena legte den Fuß des Feuerritters gerade hin, holte den angebrochenen Heiltrank hervor, maß genau ab und reichte ihm die rote Flüssigkeit in einem kleinen Becherchen. Der orangene Ritter schluckte sie hinunter und sprang wenig später auf. Es war, als hätte er sich den Fuß nie gebrochen.
„Gut, dass es Heiltränke gibt“, sagte Cyrill.
„Ja, aber wäre auch toll, wenn wir Gold hätten, um welche zu kaufen. An Heiltränken sollte es nie mangeln. Besonders wenn man als König so unvorsichtige Ritter hat.“
„He, das ist keine Unvorsichtigkeit, das ist Kühnheit. Das ist eine Rittertugend, haben wir von Sir Nesselsuppe gelernt“, entgegnete Pyro.
Cyrill grinste. Sollte er ihrem Lehrer sagen, dass sein Unterricht nicht ganz umsonst war? Immerhin konnte Pyro jetzt mit neuen Ausreden um sich werfen.
„Ah ja, eine Rittertugend, so nennst du das also. Na gut, also dann, bis zum nächsten Mal“, verabschiedete die Ärztin sich lächelnd von ihnen.
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