Castle Crashers - 4 haun aufm Putz

GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Blauer Ritter Grüner Ritter Königliche Wache Oranger Ritter Roter Ritter
16.07.2019
08.10.2020
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16.04.2020 4.752
 
Es war wieder mal Zeit sich zu rasieren. Die vier Eliteritter von König Castle standen im Gemeinschaftswaschraum vor spiegelnden Metalloberflächen vor denen Waschschüsseln standen. Burkhart, ein Ritter von König Wilhelm, der sich ebenfalls gerade rasierte, starrte verwundert diese merkwürdigen Ritter an und damit war er wohl nicht der einzige, auch wenn seine Kollegen es nicht ganz so unverhohlen taten. Thunder sah gar nicht ein, warum er seinen schönen Bart stutzen sollte. Cyrill rasierte sich mit der wohl billigsten Rasierklinge, die es zu kaufen gab. Venom dagegen nutzte das Mehrfachprinzip. Wozu eine Rasierklinge kaufen, wenn man auch eine Machete nehmen konnte? Er stand vor dem Spiegel, starrte angestrengt hinein, so als wollte er seine Barthaare mit Gewalt niederstarren und schabte mit der Klinge an seiner Schaumverklebten Haut entlang.
„Sag mal, kannst du dich noch riskanter rasieren?“ fragte Burkhart, der es schon so kommen sah, dass sich der grüne Ritter selbst enthauptete.
Das Geräusch von aufflackernden Flammen war zu hören und Burkhart wandte sich nach links, wo sich Pyro mit seinem magischen Feuer die Barthaare wegbrannte.
„Was ist?“ fragte der verwundert, als der andere Ritter ihn mit offenem Mund anstarrte.
„Lass die beiden in Ruhe“, meinte Thunder. „Das machen die immer so.“
„Und Venom rasiert sich nur zweimal im Jahr. Immer am ersten April und dem sechszehnten September, immer zur gleichen Zeit“, erklärte Cyrill. „Voll ätzend.“
„He!“ empörte sich Venom und ritzte sich ausversehen etwas, weil er seinen Kopf zu energisch zum Eisritter gedreht hatte.
Ein feines Rinnsal Blut floss seinen Hals entlang.
„Na ist doch so. Erinnert ihr euch noch an vor zwei Jahren? Da haben wir gerade gegen einen riesigen monströsen Bären gekämpft aber Herr Venom musste sich ja vorher noch unbedingt rasieren und kam erst kurz vor Knapp zum Kampf“, sagte der blaue Ritter säuerlich.
„Das ist eine Tradition, das bringt Glück“, behauptete Venom.
Er hatte jetzt schon die eine Hälfte seines Gesichts enthaart und fuhr jetzt energisch mit der Klinge an der anderen Seite entlang. Burghart verzog das Gesicht, es sah so aus, als würde allein der Anblick ihm physische Schmerzen bereiten.
„Geht’s dir eigentlich wieder besser Pyro?“ fragte Cyrill, als er seine Rasierklinge sanft über sein Gesicht gleiten ließ.
„Ja, die Fünffachbedrohung hat die Krankheit getötet“, sagte der orangene Ritter und strahlte.
„Wo ist sie denn jetzt?“
„Genau da“, kam es zurück und der Feuerritter zeigte auf eine Stelle knapp unterhalb seines Bauchnabels.
Venom grinste und ahmte die Stimme des Verkäufers für Duschprodukte nach: „Wolltet ihr schon immer mal wissen wo sich euer Essen befindet, nachdem ihr es hinuntergeschluckt habt? Verfolgt es jetzt mit der Fünffachbedrohung. Sie wird brennen, stechen und reißen und so könnt ihr jederzeit mitverfolgen wo sich euer Essen derzeit befindet. Es brennt nicht einmal, nicht zweimal, nicht dreimal, NEIN, es brennt die ganze Zeit! Kommt und kauft sie jetzt: Die Fünffachbedrohung!“
Seine Freunde lachten und so hatte der grüne Ritter gleich wieder die Moral der Truppe gehoben.


Am Frühstückstisch der Ritter kam Bruno später mit großen Neuigkeiten an den Tisch.
„Habt ihr gehört? Letzte Nacht ist die Hexe geflohen. Angeblich hat ihre Teufelskatze ein Portal in die Hölle geöffnet. Nein wirklich, die Feuerspuren sind noch zu sehen und sie sind ja verschwunden. Also! Sie hat auch den mörderischen Müller mitgenommen. Außerdem hatte sie den Inquisitor verflucht. Der ist nämlich gestern Nacht auf dem Weg zu ihrer Anhörung auf einem alten mumifizierten Ei ausgerutscht und deswegen die hundertachtundzwanzig Stufen der Treppe hinuntergefallen. An seinen schweren Verletzungen ist er dann auch gestorben.“
„Ist ja’n Ding“, sagte Pyro und tat überrascht. „Was es nicht alles gibt.“
„Ja, mumifizierte Eier … kommt mir so bekannt vor“, kam es nachdenklich von Venom und er warf dem orangenen Ritter einen fragenden Blick zu.
„Haben die Soldaten denn die Verfolgung der Frau… also ich meine … der Hexe … aufgenommen?“ fragte Thunder nach, um abzulenken.
„Nein, wie sollten sie auch? Wenn die in der Hölle ist, wie sollte man sie denn da verfolgen? Nein, die sehen wir wohl nie wieder“, meinte der braune Ritter.
„He Venom, wie war das noch mit Korgoth?“ fragte Pyro und Venom ließ sich nicht lange bitten, um die Geschichte zum gefühlt hundertsten Mal zu erzählen. Nach dem Frühstück sollten sie beim König anrücken.
„König Wilhelm veranstaltet heute Abend einen Ball, noch dazu im legendären Muschelsaal“, erklärte König Castle und schon an der Art wie er das sagte war zu erkennen, dass es sich um etwas ganz Besonderes handelte.
„Muschelsaal?“ fragte Venom, wahrscheinlich auch nur, weil er mit einem „Hm?“ nicht weitergekommen wäre.
„Sag bloß, du hast noch nie vom Muschelsaal gehört?“ sagte der König und es war ungewöhnlich Venom diesmal als den Unwissenden zu sehen, wo er doch sonst immer über alles und jeden Bescheid wusste.
Seine Freunde hatten auch keine Ahnung, aber da sie das nicht zeigten, war das erstmal egal.
„Meine Töchter werden selbstverständlich mit den Prinzen tanzen und ihr sollt ein Auge auf sie haben. Ich möchte nicht, dass schon wieder jemand einen Anschlag auf sie verübt“, sagte der König und dachte dabei wohl an das Giftattentat, das Thunder im letzten Moment hatte vereiteln können.
„Natürlich werdet ihr nicht in euren Rüstung hingehen, sondern eure Festtagsgewänder tragen und euch von eurer besten Seite zeigen. Außerdem solltet ihr einige der jungen Damen, die gerade keinen Tanzpartner haben zum Tanz auffordern, damit sie sich nicht langweilen. Natürlich sollt ihr trotzdem immer noch meine Töchter beschützen.“
„Ob das geht?“ äußerte Thunder bedenken.
„Das hat zu gehen!“ sagte der König mit energischer Stimme und haute mit seiner rechten Faust auf die Lehne seines improvisierten Throns.
„Nicht schon wieder tanzen“, grummelte Pyro leise vor sich hin.
„Du gehst nicht!“ sagte der König streng.
Der Feuerritter sah überrascht aus, doch seine Freunde schauten nach einem Moment Verzögerung auch verwundert drein.
„Was? Wieso müssen wir hingehen und er nicht?“ fragte Venom, der das unfair fand.
„Weil sich gezeigt hat, dass Pyro nicht salonfähig ist. Ich möchte endlich mal einen Abend ohne eine Katastrophe überstehen. Also wird er nicht das Privileg haben den Muschelsaal betreten zu dürfen.“
„HAHA!“ rief Pyro erfreut und zeigte spitzbübisch auf Venom, um ihm seinen zweifelhaften Triumph unter die Nase zu reiben.
„Stattdessen wird Pyro helfen die Schäden am Palast zu reparieren“, verfügte der König.
„Och Menno“, grummelte der orangene Ritter.
„HAHA!“ kam es von Venom zurück.
„Ich warne dich, Pyro! Keine Dummheiten mehr! Du stehst auf Messers Schneide. Wenn du dich weiterhin so ungebührlich benimmst, werde ich dich an einen anderen König geben. König Wilhelm hat nichts dagegen dich in seine Truppe zu nehmen und auch wenn dieser König aus dem Fremden Land lieber Thunder haben wollte, so würde er für dich bestimmt auch etwas Geld hinlegen. Nicht so viel, aber selbst wenn es die Hälfte wäre, würde mir das sehr nützen“, sagte der König und es war nicht zu sagen, ob er bluffte oder nicht.
Deswegen zog Pyro die Schultern hoch und seine Laune fiel in den Keller.
„Ich werde mich bemühen Majestät. Hab ich eigentlich schon mal gesagt, dass ich finde, dass du ein ganz toller König bist?“
„Nein, hast du nicht“, sagte König Castle ernst und sah genervt auf seinen Problemritter.
„Na gut, jetzt hab ich es aber gesagt.“
„Als ob das etwas ändern würde. Ich will Taten sehen und zwar ausschließlich Positive!“
Damit waren sie entlassen und auf dem Weg aus dem Palast hinaus diskutierten die Ritter was jetzt schlimmer werden würde, der Tanzabend oder die Arbeit am Palast. Sie waren wieder zum Training mit Sir Nesselsuppe verabredet, während die Prinzessinnen heute lange ausschlafen konnten, weil es vermutlich heute Abend spät werden würde. Der alte Ritter hatte heute eine ganz besondere Überraschung für sie.
„Das ist ein magischer Trainingsgolem. Ich hab heute keine Zeit für euch, aber ihr könnt euch mit ihm beschäftigen. Ich möchte, dass ihr heute ausschließlich eure Magie benutzt. Wenn er genug Schaden genommen hat, wird er wieder zu einem leblosen Steinhaufen, aber bis dahin wird er euch bestimmt ganz schön auf Trab halten.“
„Und woher sollen wir wissen, ob er Schaden genommen hat?“ wollte Thunder wissen.
„Das könnt ihr hier sehen.“
Sir Nesselsuppe reichte ihm ein Medaillon, das voller roter Flüssigkeit war.
„Die Flüssigkeit sinkt mit der Energie des Golems. Viel Erfolg.“
Der Golem war drei Meter hoch und sah aus wie ein kompakter Kerl. Er bestand vollständig aus Stein. Ihr Mentor verabschiedete sich und ließ sie mit dem Golem allein, der sie jetzt fokussierte. Offenbar wartete er darauf, dass sie den ersten Schritt machen würden.
„Na dann mal los“, sagte Pyro, der sofort Feuer und Flamme war, schoss sich mit einem Flammenstoß nach oben und warf mit Feuerkugeln.
Die Augen des Golem glommen blau auf und wurden dann wieder schwarz. Dann pflückte er Pyro aus der Luft und warf ihn zu Boden.
„Du sollst doch nicht immer vorrennen!“ tadelte ihn Cyrill.
Der Feuerritter rappelte sich hustend und ächzend auf: „Was heißt hier vorrennen? Der Golem steht doch nun schon da. Wollt ihr da Wurzeln schlagen, oder was?“
Venom war der nächste, der angriff. Er glaubte zwar nicht, dass seine Giftmagie dem Steinkoloss etwas anhaben konnte, doch er versuchte es. Tatsächlich tat seine Magie Wirkung. Der Golem taumelte kurz und trat dann nach Venom, der aber noch gerade so ausweichen konnte. Auch Thunder und Cyrill kamen jetzt herbeigesprungen, um ihrem Freund beizustehen. Sie warfen mit Blitzen und Eis, doch ihrem Gegner konnte das offenbar nichts anhaben. Während der blaue Ritter wieder auf dem Boden landete, konnte sich Thunder an der Seite des Golems festhalten und zog sich hoch auf seine Schultern. Dort entlud er eine mächtige elektrische Salve, doch auch das zeigte keine Wirkung, wie Thunder mit einem Blick auf den Talisman sah. Der Golem schüttelte ihn einfach ab.
„Hat er überhaupt schon Schaden genommen?“ wollte Cyrill wissen.
„Ja, ein Stück der Flüssigkeit fehlt. Ich glaube das kam durch Venoms Angriff“, sagte der rote Ritter.
Venom lachte.
„War ja klar. Ich bin der Spezialist für schwere Gegner.“
Er entließ wieder seine Giftmagie, doch diesmal hatte der Angriff keine Wirkung. Aus rot glühenden Augen fokussierte der Golem ihn und wischte ihn einfach weg. Dann griff er sich einen Steinschild der bisher auf dem Boden gelegen hatte und nutzte ihn zur Verteidigung.
„Wenn er den Schild braucht heißt das doch, dass er normalerweise verletzbar sein muss“, überlegte Cyrill laut und schoss sich mit einer Eisfaust nach oben, die der Golem Sekunden später mit einem kräftigen Schlag zertrümmerte.
Aus der Luft heraus griff er den Golem mit seinem Eiszapfenangriff an, doch das Eis splitterte einfach ab.
„Lasst es uns mit der Thunder-Methode versuchen“, schlug Pyro vor. „Abwechselnd einheizen und abkühlen, damit er zerspringt.“
Der Feuerritter entließ einen mächtigen Flammenangriff, der offensichtlich wirkungslos blieb, dann setzte Cyrill mit einem Eisangriff nach. Venom und Thunder lenkten ihn wieder ab, ganz so wie vor ein paar Tagen den Gargoyle. Der Golem war viel behäbiger und hatte es gar nicht so sehr auf den Angriff abgesehen. Hin und wieder langte er mal zu oder trat, doch es war recht einfach seinen Angriffen auszuweichen, doch auch nach zwanzig Minuten sah es nicht so aus, als würden ihre Angriffe irgendwas bringen.
„Der Stein hat nicht mal angefangen zu glühen“, bemerkte Venom. „Pyro, gibst du auch wirklich alles?“
„Ja, verdammt!“ schrie der wütend zurück.
Sein Feuer hatte bereits einige der Steine ringsum schmelzen lassen, doch den Golem juckte das offenbar nicht. Die meisten von Pyros Angriffen blockte er einfach mit seinem Schild ab.
„Der Talisman sieht so aus wie zuvor. Bisher überhaupt keine weitere Veränderung“, berichtete Thunder.
Cyrill hatte den Golem umrundet und griff jetzt von hinten an.
„Da! Es hat sich was getan!“ sagte Thunder, der wachsam das Medaillon beobachtete.
„Ich hab nichts anders gemacht als sonst“, erklärte Cyrill.
„Aber irgendwas muss es sein“, beharrte Thunder.
„Greifen wir mal alle gemeinsam an“, erklärte Venom.
„Ok, auf drei … zwei … eins“, zählte Thunder und sie griffen zusammen an.
Aus ausdruckslosen schwarzen Augenhöhlen sah der Golem auf sie herab und tat überhaupt nichts.
„Nichts“, sagte Thunder. „Es hat sich nicht getan.“
„Was ist das denn für eine bescheuerte Aufgabe?!“ grollte Pyro. „Ich hab jetzt die Schnauze voll.“
Er schnaubte, sprang um den Golem herum, damit er nicht wieder den Schild vor sich hatte, stieß sich mit einem Flammensprung ab und landete genau auf dem Kopf des Steinkolosses. Dort entfesselte er ein Inferno von solcher Hitze, dass selbst seine viele Meter entfernt stehenden Kollegen die hohe Temperatur spüren konnten und sich abwandten. Doch das beeindruckte den Golem gar nicht. Er griff sich den orangenen Ritter einfach, als wäre er ein lästiger Parasit und feuerte ihn weg. Dagegen hatten Thunders Blitze, die er dem Steinriesen in die rot glühenden Augen schoss etwas Schaden verursacht.
„Da! Es hat geklappt“, rief er aufgeregt.
„Ich habs!“ sagte Cyrill. „Wenn seine Augen glühen, dann ist er verwundbar.“
Venom und Pyro griffen an, sobald die Augen des Golems wieder leuchteten, diesmal blau. Doch es brachte nichts.
„Das war wohl nichts“, sagte Venom. „Aber irgendwas muss dieses Augenleuchten doch zu bedeuten haben.“
„Ich denke, ich hätte angreifen sollen“, erklärte Cyrill. „Nur wenn blau leuchtet erleidet der Golem durch meinen Angriff Schaden. Bei grün muss Venom angreifen und immer so weiter.“
Sie versuchten es erneut. Tatsächlich hatte Venom Erfolg, als die Augen des Golems grün leuchteten. Sie achteten jetzt genau auf die Augenfarbe und griffen dann an. Doch es war gar nicht so einfach. Griffen sie gemeinsam an, blieben die Augen ohne ein Leuchten. Es ging also schon darum, dass sie sich absprachen, den Golem analysierten und dann koordiniert angriffen. Der Golem wechselte sein Leuchten ohne erkennbares Muster und manchmal blitzen sie nur wenige Sekunden in einer bestimmten Farbe. Pyro sah ein orangenes Leuchten und griff sofort an. Doch weil es schnell wieder zu einem roten Leuchten wechselte hatte sein Angriff nicht so viel Schaden angerichtet. Der Golem schupste ihn erneut weg.
„So ein verdammter Mist. Warum klappt es denn nicht? Das Vieh muss doch endlich mal erledigt sein“, schnauzte er.
„Du warst eben zu langsam“, sagte Venom und griff jetzt seinerseits an.
Er duckte sich unter dem Schlag des Golems weg und verpasste ihm einen Giftangriff genau ins Gesicht.
„Wir müssen das Muster erkennen nachdem er die Farben wechselt“, sagte Thunder.
„Vielleicht ist da aber gar keins“, hielt Pyro entgegen.
„Muss aber“, meinte Cyrill. „Muss ja einen Zweck haben uns diesen Golem als Gegner zu geben.“
„Vielleicht um uns zur Weißglut zu treiben?!“ fauchte Pyro, der wirklich genervt war.
„Pyro, jetzt krieg dich mal wieder unter Kontrolle! Wir müssen nur Geduld haben, aufmerksam beobachten und dann genau im richtigen Moment angreifen.“
Doch Pyro riss der Geduldsfaden. Er griff erneut mit einer immensen Flammenwalze an, die beinahe Thunder erfasst hätte, wenn der sich nicht gerade noch so mit einem Blitzsprung in Sicherheit gebracht hätte.
„Spinnst du?!“ empörte sich der rote Ritter.
„Versuch mal koordiniert anzugreifen!“ riet Venom.
„Wenn ihr alles besser wisst, dann braucht ihr mich ja nicht!“ fauchte Pyro.
Seine Freunde sahen ihn fassungslos an, dann drehte er sich ohne ein weiteres Wort um und stapfte wütend davon.
„He, lass uns doch jetzt nicht so im Stich!“ rief Cyrill ihm nach, doch sein Freund wollte nicht hören.
Thunder stöhnte.
„Nie kann man sich auf ihn verlassen.“
Venom wandte sich wieder dem Gegner zu und griff an, gerade als wieder das grüne Licht aufglomm und der Golem angriff. Der grüne Ritter wich aus und warf dem Golem dann einen grünen Giftball an den Kopf.
„Das hat gesessen!“ kommentierte Thunder, der erfreut zusah wie sich die Energieanzeige des Golems wieder ein Stück leerte.
„Ich habs!“ rief Cyrill triumphierend. „Die ursprüngliche Kombination ist blau, grün, rot, orange. Dann rotiert es nach grün, rot, orange, blau und dann orange, rot, blau und grün. Danach entgegengesetzt.“
„Hm?“ machte Venom.
Cyrill verdrehte die Augen.
„Ich mach die Ansagen was als nächstes kommt, dann könnt ihr euch darauf vorbereiten und habt mehr Zeit anzugreifen.“
„Ok, sag an!“ kam es von Thunder.
„Grün!“ rief Cyrill.
Venom preschte vor und griff an.
„Blau!“ der Eisritter griff selbst an.
„Rot!“
Thunder sprang hoch und entlud dann eine kräftige Salve.
„Orange!“
Nichts geschah. Die Augen des Golems wurden wieder dunkel. Es dauerte einen Moment bis wieder eine Farbe kam.
„Blau!“ sagte Cyrill und nutzte die wenigen Sekunden, in der diese Farbe leuchtete, um einen gekonnten Eiszapfenangriff zu starten.
„Grün!“
Venom schoss wieder einen Giftball, der knapp dem Schild entging.
„Rot!“
Thunders Elektrogeschoss gab dem Golem schließlich den Rest. Er kniete sich hin, seine Augen erloschen und er regte sich nicht mehr.
„Jay! Wir haben es geschafft!“ brüllte Venom.
Seine Freunde kamen zu ihm und sie klatschten sich ab. Sie hatten es auch ohne Pyro geschafft. Der war mittlerweile zur Rückseite des Sommerpalastes gegangen. Er war immer noch sauer. Warum mussten ihnen immer irgendwelche speziellen Gegner vorgesetzt werden? Letztendlich sollte sich doch alles einschmelzen lassen. Sein Feuer war einfach noch nicht heiß genug, DAS musste es sein. In einiger Entfernung sah er Goldi, die auf einen der Pavillons zuging. Sie war ganz allein. Beim orangenen Ritter schrillten die Alarmglocken und das wollte schon etwas heißen. Eilig ging er ihr nach und fragte sich wo denn die anderen Wachen waren. Sie hatten versprochen für die Zeit ihres Trainings auf die Prinzessinnen aufzupassen. Gut, dass er das Training vorzeitig verlassen hatte, wer weiß was Goldi so alles zustoßen könnte. Als er bei ihr ankam, saß sie auf dem Boden, spielte aber nur mit Tigerchen, indem sie einen kleinen orangenen Ball hin und her rollte und das Kätzchen danach tatzte.
„He, warum bist du denn ganz allein unterwegs?“ fragte der orangene Ritter.
Er klang nicht anklagend oder verärgert, sondern einfach nur verwundert. Dieser kleine aber feine Unterschied sorgte dafür, dass Goldi nicht miesepetrig oder verärgert zu ihm hochsah, sondern sich viel eher ertappt fühlte.
„Ich wollte mal allein nach draußen gehen.“
Sie erwartete schon fast, dass ihr Beschützer sie jetzt daran erinnerte, dass sie sich damit in Gefahr brachte, immerhin waren sie hier in einem anderen Königreich und wenn es hier wirklich irgendwelche Intrigen gab, war nicht zu sagen wie sicher sie hier wirklich waren. Doch Pyro sagte gar nichts dergleichen. Er konnte sich vorstellen, dass es unangenehm war, ständig jemanden zu haben, der um einen herum scharwenzelte und einem ständig über die Schulter glotzte, stattdessen fragte er: „Kann ich trotzdem bleiben?“
Goldi wurde rot.
„Aber natürlich. Bei dir ist es was anderes.“
Der orangene Ritter setzte sich dazu und sah bei ihrem Spiel zu. Goldi rollte den Ball zum getigerten Kätzchen, die ihm dann nachjagte und im wilden Spiel über den Boden rollte. Hatte sie ihn gefangen, legte sie sich hin, drückte alle vier Pfoten gegen den Ball und versuchte ihn zu beißen, doch das misslang und der Ball schneppste erneut davon, was dazu führte, dass sie aufsprang und ihm erneut nachjagte. Es war ein lustiges Spiel, doch irgendwann ließ der Reiz des Balls nach und Tigerchen, sah ihm nur noch gelangweilt nach wie er davonrollte.
„Sieht so aus, als hätte sie genug von dem Ball. Naja, immerhin spielen wir das auch immer. Hm… was könnten wir denn noch spielen?“ überlegte Goldi.
„Da gibt es so viele Möglichkeiten.“
„Was denn zum Beispiel?“ fragte die Prinzessin.
„Das fragst du noch? Hattest du etwa noch nie eine Katze?“ kam es salopp von Pyro.
„Nein“, antwortete die Prinzessin und wurde rot.
„Oh. Du Arme“, sagte der Feuerritter und machte ein betroffenes Gesicht, was sie aber aufgrund seines Helmes nicht sehen konnte. „Sieh mal, du rupfst einfach hier einen langen Grashalm ab und wedelst dann damit vor der Katze herum.“
Er zeigte es ihr und tatsächlich ließ Tigerchen den Grashalm nicht aus den Augen. Dann kauerte sie sich hin, trampelte mit ihren Hinterbeinen auf den Boden und schoss dann los, doch Pyro zog den Grashalm zurück und wischte damit über den Boden, so dass das Kätzchen dem Grünzeug nachjagte und danach schlug. Es sah nach großem Spaß aus.  Goldi lachte.
„Tolle Sache. Jetzt will ich auch mal.“
Pyro reichte ihr das neue einfach hergestellte Spielzeug.
„Aber pass auf, dass sie dich nicht erwischt, sie hat zwar noch kleine Krallen, aber die tun trotzdem weh.“
Doch Goldi stellte sich noch nicht so geschickt an, denn kaum zehn Minuten später hatte Tigerchen sie erwischt und ein blutender Kratzer tauchte auf Goldis Zeigefinger auf.
„AU!“
Sie ließ das Gras fallen, auf das sich jetzt Tigerchen stürzte und auf ihm herumbiss, wohl um es endgültig zu besiegen.
„Ich hatte es dir ja gesagt“, sagte Pyro und grinste.
Goldi schaute missmutig auf die rote Linie an ihrem Finger.
„Na lass mal deine schreckliche Wunde sehen“, sagte Pyro und streckte seine Panzerhand nach Goldis zarten Fingern aus.
„Ach das wird schon wieder. Ist nicht tief. Katzen achten bei ihrem wilden Spiel nicht darauf, wer um sie her verletzt wird.“
Goldi schwieg immer noch.
„Aber ich habe eine Idee wie ihr beiden trotzdem spielen könnt, ohne, dass du noch mehr Kratzer einstecken musst. Warte hier.“
Der orangene Ritter stand auf und verließ den Pavillon, kam aber wenig später mit einem etwa einen Meter langen Stock zurück. Er brach gerade ein paar dünne Zweige vom oberen Ende ab und band dort ein etwa zwei Meter langes Stück Schnur fest. Er holte aus und warf die Schnur wie eine Angel in den Pavillon aus. Tigerchen folgte der Schnur mit Interesse und schlich sich heran um dann loszuspringen und diesen neuen Feind totzubeißen, doch als sie fast bei der Schnur war, zog Pyro und es rutschte vor ihren Pfoten weg, die Stufen hinunter und durchs Gras weg, Tigerchen sauste hinterher. Im wilden Spiel ging es über die Wiese und hin und wieder ließ der orangene Ritter die Schnur durch die Luft sausen, so dass Tigerchen in abenteuerlichen Sprüngen nachsetzte. Goldi lachte. Es sah einfach zu albern aus. Sie kam zu ihrem Leibwächter und wartete, bis er ihr das neugebaute Katzenspielzeug überreichte.
„Du hast tolle Ideen.“
Sie tat es Pyro nach und ohne festes Ziel ging es über die Wiesen. Goldi war so euphorisch, dass sie losrannte und Tigerchen rannte ihr, oder besser gesagt der Schnur, in einem Affenzahn hinterher. Der orangene Ritter lief ihnen fröhlich nach. Er war glücklich, dass sie glücklich waren. Sie spielten noch eine Weile, dann hielt Goldi inne und gab bekannt: „Ich denke, ich muss nun langsam zu meinem Zimmer zurück und mich für den Ball vorbereiten.“
„Jetzt schon? Das ist doch erst heute Abend“, sagte Pyro erstaunt.
Die Prinzessin wurde rot.
„Solche Sachen brauchen ihre Zeit. Ich mag es auch nicht mich immer so extrem herrichten zu müssen, aber das gehört dazu, wenn man Prinzessin ist.“
„Ist ja ätzend“, kommentierte Pyro.
Ein Lächeln stahl sich auf Goldis Gesicht.
„Manchmal wünsche ich mir, dass ich auch einfach irgendwie herumlaufen kann, ohne, dass es mich scheren müsste was die Leute von mir halten. Ich kann mir vorstellen, wenn man eine Rüstung trägt ist es ziemlich egal und man braucht morgens nicht so lange fürs Herrichten.“
„Fürs was?“ fragte Pyro scherzhaft.
„Ach du…“ kam es von Goldi zurück und sie gab ihm einen verspielten Stupser in den Rücken, den er kaum merkte.
Die Prinzessin holte ihre Katze herbei, indem sie mit der Schnur wedelte und als sie diese gefangen hatte, nahm sie das Tier hoch in die Arme und hielt es dort gut fest, damit sie nicht entwischte. Tatsächlich war Tigerchen von dem vielen Herumtollen doch etwas geschafft und ließ sich gerne tragen. Der orangene Ritter brachte Goldi bis vor ihre Zimmertür, wo Siegrid schon auf sie wartete.
„Da bist du ja endlich, ich habe schon gewartet. Willst du etwa so zum Ball gehen? Also da haben wir ja noch viel zu tun“, sagte die ältere Frau geschäftig. „Und du wartest gefälligst draußen!“ sagte sie harsch an den Ritter gewandt.
Sie hatte offenbar noch nicht vergessen was letztes Mal passierte, als der Feuerritter mit Goldi allein im Zimmer war.
„Na gut, wir sehen uns dann später“, wollte sich die Prinzessin verabschieden.
„Weiß noch nicht. Vielleicht nach dem Ball.“
Goldi hatte gerade die Tür schließen wollen, da hielt sie plötzlich inne und sah ihn erstaunt an.
„Was meinst du mit nach dem Ball?“
„Ich soll nicht hingehen hat dein Vater gesagt.“
„Warum denn das?“ fragte Goldi perplex.
„Er sagt, ich richte immer Katastrophen an.“
Siegrid lachte freudlos.
„Nein, ist nicht wahr“, sagte sie sarkastisch. „Na endlich merkts mal einer.“
„Siegrid!“ wies die Prinzessin sie zurecht und ihre Kammerzofe merkte, dass es wohl nicht angebracht war die Wahrheit auszusprechen.
„Was machst du dann?“ wollte die Prinzessin wissen.
„Ich werde helfen die Außenwand des Palastes zu sanieren.“
Goldi wirkte wütend.
„Ist nicht wahr! Das ist eines Ritters nicht würdig. Ich werde sofort mit meinem Vater sprechen!“
„Nein lass nur. Ist schon in Ordnung. Immerhin hab ich es doch auch kaputt gemacht und ich möchte mich ja auch nützlich machen“, wiegelte Pyro ab, der insgeheim heilfroh war nicht zum Ball zu müssen.
„Wirklich?“ fragte Goldi traurig, die ihn wohl sehr gerne dabei gehabt hätte.
Vielleicht war das einer der wenigen Lichtblicke für sie heute Abend gewesen. Doch Pyro checkte das wohl gar nicht, denn er sagte: „Ja, ist alles klar. Ich wünsch dir nachher viel Spaß beim Ball.“
Missmutig schloss die Prinzessin die Tür und ihr Leibwächter blieb draußen im Flur stehen, wo auch schon die königliche Wache stand. Die wurden jedoch bald von Cyrill, Thunder und Venom abgelöst, die nun offenbar mit dem Training fertig waren und wohl auch zum Mittag gegessen hatten, denn Venom begrüßte ihn mit: „Du warst gar nicht beim Essen.“
„Kein Hunger“, meinte der Feuerritter knapp.
„Aber nachher gehst du doch zum Abendessen, während wir beim Ball sind, oder?“ fragte Cyrill.
„Bestimmt.“
„Warum bist du einfach abgehauen?“ wollte Thunder wissen.
„Dieses Training war mir zu dumm“, erklärte der orangene Ritter knapp.
Cyrill verdrehte die Augen und seufzte dann.
„Wir haben es jedenfalls auch ohne dich hinbekommen“, gab Venom bekannt.
„Schön für euch“, kam es ungewohnt abweisend von Pyro.
„Wir sind doch ein Team, du kannst uns doch nicht so hängen lassen“, versuchte der Eisritter ihn zurechtzuweisen.
„Du siehst doch, dass ich das kann“, sagte der Feuerritter störrisch.
Thunder verschränkte die Arme.
„Siehst du, ich hab doch gesagt unsere Gruppenkooperation ist nicht gerade gut.“
Venom sah ihn schief an.
„Aber bisher kamen wir immer zurecht, wenn es hart auf hart kam.“
„Aber wer weiß, ob das so bleibt, wenn ständig jemand meint Alleingänge zu unternehmen“, sagte der rote Ritter.
„He, Venom rennt auch manchmal vor oder kämpft auf seine Weise“, wehrte sich Pyro.
„Aber ich bin nicht so ein Arsch wie du und lasse meine Freunde im Stich“, konterte der Giftritter.
Der Feuerritter grollte. Cyrill wusste, dass seinem orangenen Freund das nicht gefiel, aber es musste auch mal gesagt werden, denn er fand auch, dass sich Pyro in letzter Zeit viel zu viel herausnahm und er wollte nicht, dass sich ihre Truppe aufspaltete.
„Ich hätte es nicht so gesagt, aber im Prinzip hat Venom Recht. Wir müssen uns aufeinander verlassen können und im Moment sieht es nicht so aus, als würden wir dir wirklich vertrauen können.“
„Aber natürlich könnt ihr mir vertrauen“, sagte Pyro ungläubig und sogar ein bisschen geschockt, denn er verstand nicht warum seine Freunde an ihm zweifelten.
„Du bist alles andere als zuverlässig“, hielt ihm Thunder vor.
Pyro kochte. Seine Magie begann an ihm hochzuflackern.
„Brenn nicht schon wieder was an!“ warnte ihn Cyrill.
Mühsam riss sich der Feuerritter zusammen, löste die Magie und lehnte sich stattdessen mit verschränkten Armen gegen die Wand. Metall knirschte auf Stein. Er schnaubte um Dampf abzulassen.
„Das Ärgerliche ist, dass ich das Gefühl habe, dass es vollkommen egal ist mit dir über sowas zu reden. Du änderst dich ja doch nicht“, sagte Cyrill verstimmt.
„Vielleicht will ich mich ja gar nicht ändern!“ sagte Pyro hitzig.
„Das ist ja das Schlimme“, sagte der blaue Ritter.
Wütend bedachte der Feuerritter seine Kameraden. Er fühlte sich verraten, obwohl er es gewesen war, der sie im Stich gelassen hatte. Er wollte einfach nur akzeptiert werden, doch vielleicht waren sie doch zu unterschiedlich und das bedrückte ihn sehr. Am liebsten wollte er jetzt irgendwas abfackeln, um seiner Wut freien Lauf zu lassen, doch das hätte alles ganz sicher noch verschlimmert und so sah er nur die Flucht nach vorne.
„Ihr habt doch hier alles im Griff. Ist ja nur rumstehen und die Asseln im Flur bewachen. Ich geh schon mal zum Ausbesserungstrupp an der Fassade, da kann ich mich immerhin nützlich machen.“
„Klar, warum solltest du das auch mit uns ausdiskutieren wollen“, sagte Cyrill schneidend und sah ihm verärgert nach.
Pyro sagte nichts mehr, sondern ging den Gang entlang zur Treppe ohne sich noch einmal umzusehen.
„Was ist denn mit dem?“ fragte Venom verwundert.
„Keine Ahnung“, kam nur von Thunder.
„Genau DAS wollte ich nicht“, sagte Cyrill und seufzte.
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