Castle Crashers - 4 haun aufm Putz

GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Blauer Ritter Grüner Ritter Königliche Wache Oranger Ritter Roter Ritter
16.07.2019
08.10.2020
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26.01.2020 5.361
 
Die nächste Woche verlief wie im Flug, ohne, dass sich größere Katastrophen ereigneten. Thunder feilte immer noch an seinem Lied. Venom ermutigte ihn immer wieder es testweise vorzutragen. Denn hier zeigte sich ein neues Problem, das sie aber eigentlich hätten kommen sehen müssen. Der rote Ritter mochte es nicht im Rampenlicht zu stehen. Er brauchte mehrere Anläufe, bevor er sich überwinden konnte das Lied im Ritterschlafsaal vorzutragen. Die Königlichen Wachen hörten verwundert zu. Den meisten gefiel es, was dem roten Ritter Mut machte. Als dann auch noch Venom, Cyrill und Pyro anfingen einen Schubsetanz zu starten, machten sie sogar mit. Es wurde ein vergnüglicher Abend.
Bei Sir Nesselsuppe übten sie weiter das Tanzen. Sie wurden tatsächlich besser. Immerhin latschten sie ihrem Tanzpartner jetzt nicht mehr auf die Füße und es sah nicht mehr so aus, als würden ein paar besoffene Ochsen tanzen. Das war ein großer Fortschritt.
Nach dem Unterricht schrieb Pyro weiter das Ritterschulungsbuch ab und anschließend stieß er zu Cyrill und zusammen bemalten sie weiter die Wände des Kunstzimmers. Am Abend vor dem Ball hatten sie es bis zu der Szene in der Wüste geschafft in der sie gegen Horden von Skorpionen und Sandmonstern kämpften. Pyro hatte vorgeschlagen, dass sie die Außerirdischen malen sollten, doch Cyrill hatte befürchtet, dass der König sie für verrückt erklären könnte, wenn sie das an die große Glocke hingen. Sie hatten bisher nur Thunder davon erzählt und selbst der war skeptisch. Es kam ihnen selbst etwas seltsam vor. Was waren das für komische gelbe Typen gewesen? Wo kamen sie her? Und was wollten sie hier eigentlich? Vermutlich war es besser darüber zu schweigen und sich nicht allzuviele Gedanken deswegen zu machen. Jeden Tag trainierten sie mit den königlichen Wachen. Manchmal machte Pyro sogar mit. Nachdem chaotischen Training, wo Sir Nesselsuppe sie zurechtgewiesen hatte, waren die grauen Ritter aber auch nicht mehr so erpicht darauf, dass Pyro den Trainingsleiter gab.

Die vier Eliteritter würden es wohl nie zugeben, aber am Tag des Balls waren sie schon nervös. Sie hatten sich vorgenommen diesmal ihr bestes zu geben. Das waren sie dem König schuldig. Auch wenn sie nicht immer einer Meinung waren, aber sie fanden, dass König Castle ein gerechter, geduldiger und großzügiger Herrscher war. Andere Könige hätten sie wahrscheinlich nicht so lange in ihrem Königreich geduldet. Natürlich wussten sie, dass das wohl hauptsächlich an ihren Fähigkeiten und der Tatsache, dass sie seine Töchter gerettet hatten lag. Niemand nutzte das so sehr aus wie Pyro, woran seine Freunde ihn an diesem Morgen nochmals erinnerten.
Nach dem Frühstück gab es heute keinen Unterricht, dafür standen sie auf dem Flur vor den Gemächern der Prinzessinnen herum, um sie zu bewachen. Rein durften sie nicht. War wohl so ein Prinzessinnending. Ständig gingen Diener ein und aus. Schon jetzt gab es wohl wichtige Besprechungen und Vorbereitungen für den Ball am Abend. Es war sehr langweilig nur dumm herumzustehen und so waren sie froh, als es endlich Mittag gab. Anschließend zogen sich Venom und Thunder in den Ritterschlafsaal zurück, um zu faulenzen. Pyro war das zu langweilig und er überlegte sich wie er den ereignislosen Tag aufpeppen könnte, doch Cyrill wusste, dass der orangene Ritter ständig beschäftigt gehalten werden musste, um nicht auf dumme Ideen zu kommen. Gerade heute musste das nun wirklich nicht sein.
„Gehen wir trainieren“, schlug der blaue Ritter vor.
„Ach nöö…“ kam es wenig begeistert vom Feuerritter zurück.
„Na los, die Bewegung wird dir gut tun. Ich kenn dich doch, sonst bist du nicht ausgelastet“ stichelte der Eisritter.
„Da gibt es aber andere Sachen, die mehr Spaß machen.“
„Ach das wird schon, du wirst schon sehen, ich lass mir was einfallen.“
Pyro war immer noch nicht motiviert und so zerrte sein Freund ihn mehr mit, als dass er eigenständig ging. Auf dem Weg nach unten kamen sie an einigen verwunderten Dienern vorbei, die bei ihrem Anblick sehr irritiert waren. Es dauerte fast dreimal so lang wie normal. Auf dem Weg zum Hof trafen der hochmotivierte Cyrill und der renitente Pyro auf Candy Andy und sie hielten kurz an, um ein Pläuschchen zu halten.
„Schade, dass wir nur noch zwei Tage Zeit zusammen haben“, sagte Andy bedrückt.
„Wirklich? Nur noch zwei Tage?“ fragte Cyrill verwundert.
Andy nickte.
„Es hat mir sehr bei euch gefallen und ihr seid mir symphatisch. Ich hoffe, dass wir uns bald wiedersehen und vielleicht neue Abenteuer erleben können.“
„Meinst du denn das wird in absehbarer Zeit was?“ fragte Cyrill skeptisch.
„Ich hab gehört, dass Goldi heute mit Prinz Timotheus und Saphira mit Prinz Richard zum Tanz geht.“
Er wartete einen Moment, doch bei seinen Gesprächspartnern fiel das Goldstück offenbar nicht.
„Das sind Söhne von König Damian“, erklärte er. „Wenn die beiden Prinzessinnen und die beiden Prinzen heiraten, dann kommt ihr bestimmt mit in König Damians Königreich und wir könnten zusammen dem Königshaus dienen“, sagte Andy freudestrahlend. „Das würde mir wirklich gefallen.“
„Tja … das wäre nicht schlecht“, sagte Cyrill nachdenklich. „Aber was wäre dann mit Thunder und Venom?“
„Ja, ich weiß, ganz optimal wäre es nicht“, kam es zaghaft vom rosanen Ritter. „Aber besser, als wenn sich keiner mehr sieht, oder? Venom kommt bestimmt auch öfter mal zu Besuch, weil dort der Sitz seiner Familie ist und Thunder … ich weiß nicht. Wo sind die beiden eigentlich?“
„Die machen sich schon fertig für den Ball“, erklärte Pyro. „Und das obwohl das noch eeeewig hin ist.“
„Wir dagegen haben entschieden noch etwas zu trainieren“, erklärte Cyrill. „Pyro braucht das.“
„Gar nicht wahr.“
„Doch, ist wahr.“
„Nein!“
„Doch, du brauchst das Training. Du drückst dich andauernd davor.“
„Aber es ist sooo öde.“
Ging es wie so oft bei den beiden hin und her. Candy Andy musste bei diesem altvertrauten Muster lächeln.
„Du hast doch den Stein mit dem Training ins Rollen gebracht“, sagte der blaue Ritter anklagend.
„Hab ich das?“ fragte Pyro verwundert. „Liegt es an mir, dass ich das vergessen habe?“
„Ja liegt es!“ herrschte Cyrill ihn an. „Weißt du nicht mehr das Gespräch mit den grauen Rittern am Tisch? Andy war auch dabei. Er kann es bezeugen.“
Cyrill sah zu Andy hin, der nickte.
„Ach stimmt, jetzt erinnere ich mich wieder“, sagte Pyro und hieb sich an den Helm. „Aber letzte Woche hab ich immerhin öfter mal mitgemacht und das eine Mal hab ich sogar das Training geleitet, oder hast du das vergessen?“
„Wie könnte ich DAS vergessen?“ grollte Cyrill.
„Versprecht mir, dass ihr euch in Zukunft besser vertragt“, versuchte Andy die Wogen wieder zu glätten.
„Aber wir vertragen uns doch“, behauptete Pyro. „Wir streiten uns nicht, wir haben nur nicht immer die gleiche Meinung.“
Andy sah nicht überzeugt aus.
Cyrill erklärte: „Wir sehen uns ja nachher noch Andy, wir müssen jetzt wirklich los.“
Er nahm Pyro am Arm und wollte ihn mit sich ziehen, doch der grub die Hacken in die Erde und stemmte sich dagegen. Andy sah verwundert zu.
„Komm endlich mit!“
„Nein, seh ich gar nicht ein“, wehrte sich Pyro.
„Jetzt stell dich nicht so an. Komm mit!“ sagte Cyrill bestimmt.
„Nein!“
"Erst stößt du das mit dem Training an, indem du den Rittern engelgleich das Blaue vom Himmel lügst und dann drückst du dich dauernd!"
"Gar nicht wahr", behauptete Pyro. "Letztens hatte ich doch sogar den Trainingsleiter gemacht."
"Ja, und zwar so, dass du es nie wieder machen musst, du verdammter Hitzkopf. Du weißt ganz genau wie du dich vor der Arbeit drückst. Ich hab die Schnauze so voll von deiner manipulativen Art! Du machst was du willst, schädigst alle, die nicht Pyro heißen und dann tust du so als wärst du der Gute, nur um das dann wieder fallen zu lassen.“
„Wieso regst du dich denn so auf? Dich betrifft das doch gar nicht.“
„Doch! Denn rate mal wer jetzt immer das Training leiten muss? Nicht du! Entweder ich, Thunder oder Venom. Und da die beiden Pappnasen kein Organisationstalent haben bin meist ich der Verantwortliche“, brüllte Cyrill, der jetzt wirklich wütend war.
Pyro wollte etwas erwiedern, doch sein Freund fuhr ihm über den Mund.
„Und was noch wichtiger ist: Das ist sicher nicht das erste Mal, dass du dich irgendwie rausschlawienerst! Ich leide auch dauernd unter deinen zweizüngigen Lügen. Aber jetzt ist das Maß voll! Wir sind zwar Freunde, deswegen lass ich dich normalerweise mit sowas davonkommen, aber jetzt ist Schluss! Du musst endlich lernen, dass dein Handeln Konsequenzen hat! Es kann einfach nicht so weiter gehen. Also komm jetzt gefälligst mit zum Training!“
„Du hast mir gar nichts zu sagen Frosti!“
„Und ob ich das habe, denn ich bin im Rang über dir. Aber ich weiß ja, dass dich das überhaupt nicht interessiert, also werde ich dich notfalls dazu zwingen! So, willst du den leichten Weg, oder muss ich ernst machen?“
„Ha, na das will ich sehen wie du dich mit mir anlegst“, sagte Pyro bissig.
„Na gut, du hast es nicht anders gewollt“, sagte Cyrill und zauberte kurzerhand ein paar Eisschellen, um Pyros Hand- und Fußgelenke und schleifte ihn mit sich.
„Das ist gemein!“ murrte der orangene Ritter.
„Dich muss man auch zur Arbeit zwingen und wenn es nicht anders geht …“ knurrte der Eisritter.
„Das ist trotzdem kein Grund mich in Eis zu legen“, sagte der Feuerritter und er ließ seine hitzige Aura aufglühen, welche das Eis im Nu schmolz.
Cyrill bemerkte zu spät was da vor sich ging.
„Na warte, jetzt bist du fällig!“ brüllte Pyro halb wütend, halb amüsiert, stürzte sich auf seinen Freund und riss ihn um.
Cyrill hatte diesen Überraschungsangriff nicht kommen sehen und wusste zuerst nicht was er tun sollte, was Pyro ein paar wertvolle Sekunden einbrachte, um ihm die Hölle heiß zu machen. Der Eisritter erzeugte einen feinen Eisnebel, der Pyros Sicht nahm und gab ihm ein paar harte Schläge gegen Kopf und Bauch, so dass der Feuerritter benommen zurücktaumelte. Doch das hielt nicht lange vor. Ohne Rücksicht auf Verluste griff Pyro erneut an und riss Cyrill abermals zu Boden, der sich gerade hatte aufrichten wollen. Sie wälzten sich über den Hof und durch die eine oder andere Schlammpfütze und jeder versuchte die Oberhand über den anderen zu erringen. Ihr wilder Kampf dauerte fast zwanzig Minuten und er endete erst, als das laute Rufen von einem königlichen Diener, der jetzt neben ihnen stand, nicht mehr zu überhören war.
„Aber nein, was soll denn das? Warum müsst ihr euch immer daneben benehmen? Und ich krieg dann wieder Ärger, weil es heißt, ich hätte meine Aufgabe nicht erfüllt. Dabei soll ich doch eigentlich nur aufpassen, dass ihr einigermaßen passabel zum Ball geht.“
„Der Ball? War das heute?“ fragte Cyrill und hielt in seiner Rauferei inne.
„Ja, HEUTE!“ rief der Diener angefressen. „In nicht einmal einer Stunde geht es los und ihr liegt hier im Dreck und kloppt euch!“
Er vergrub den Kopf in den Händen.
„Hach … warum nur bin ich in den Dienst von König Castle getreten? Ich hätte so schön in einem abgelegenen ruhigen Landsitz irgendeines Barons arbeiten können“, sagte der Diener mehr zu sich selbst.
Die beiden Ritter erhoben sich, wobei ihre etwas verbeulten Rüstungen quitschten. Cyrill hatte ein schlechtes Gewissen. Pyro natürlich nicht.
„Wir können ja so gehen“, schlug der orangene Ritter grinsend vor.
„Ich seh schon wie König Castle in Ohnmacht fällt“, sagte der Diener zerknirscht. „Und sich die anderen Hoheiten kaputt lachen. Nein, so weit kommt es noch. Ab in die Burg und in die Wannen!“
„Was denn für Wannen?“ fragte Pyro verwundert.
„Ostflügel, zweiter Stock, dritte Tür auf der linken Seite. Es ist schon alles vorbereitet. Waschen, ankleiden und dann zum Ball runterkommen!“ erklärte der Diener ihnen.
„Schade, dass andere wäre sicher lustiger gewesen“, murrte Pyro.
Quietschend und staubig machten sich die beiden Ritter auf den Weg in die Burg.

Venom und Thunder waren schon fertig angezogen. Es war ganz ungewohnt sie so zu sehen.
Venoms Gewand war vorne Kleeblattgrün und wurde dann zum Rücken hin Stufenweise zu einem Dunkelgrün. Die schicke Bordüre mit den kleinen giftgrünen Dreiecken auf schwarzem Grund passte wirklich hervorragend zum Rest. Die Schulterpartie war Maigrün, während die Hose einfach nur dunkelgrün war.
Bei Thunder gab es das gewünschte zackige hellrote Wellenmuster auf dunkelrotem Grund, wohingegen der übrige Rest seines Gewandes an den Schultern Karminrot und darunter weinrot war. Die Hose hatte außerdem einen karminroten Streifen an den Seiten.
Als Pyro und Cyrill sich endlich gewaschen hatten und in ihre neue Unterbekleidung gestiegen waren, führte ein Diener der Kommandotruppe „Passt-ja-auf-dass-die-Ritter-beim-Ball-keine-Katastrophe-anrichten“ auch sie in ein sogenanntes Ankleidezimmer. Die beiden Ritter hatten gar nicht gewusst, dass es so einen Raum überhaupt gab. Verwundert sahen sie sich um. Die Wände waren mit hübschen Fresken geschmückt, das große Fenster zeigte hinunter auf den Hof. Der Boden bestand aus Holz. Es gab große Schränke, einen Hocker und einen Raumteiler. Venom und Thunder saßen auf Stühlen an schmalen Tischen. Dort standen allerhand Flässchen und es lagen Scheeren, Kämme und Rasierer parat. Zwei Diener versuchten Thunder und Venom für den Ball herzurichten. Das war gar nicht so einfach, denn Venoms Haare hatten Ähnlichkeit mit einem toten Frettchen, dass es sich auf seinem Kopf gemütlich gemacht hatte und sein Bart musste auch mal wieder gestutzt werden. Thunders Bart hatte Ähnlichkeit mit Gestrüpp. Unter dem Helm sah das ja keiner, weswegen die Ritter normalerweise nicht auf ihr Äußeres achteten. Ein Diener stutzte Thunder den Bart, der das mit scharfen Augen überwachte. Seinen Schnurrbart wollte er auf jeden Fall behalten und wehe der Diener machte einen falschen Schnitt, dann setzte es was. Auch seinen Pferdeschwanz wollte er behalten. Den hatten sie ihm abschneiden wollen, aber das hatte er ihnen schnell wieder ausgeredet. Venom dagegen sah recht gleichgültig in die spiegelnde Metalloberfläche vor ihm und beobachtete, wie der Diener seinen Vollbart auf ein gepflegtes Maß stutzte. Um Cyrill und Pyro versammelten sich jetzt vier weitere Diener, die ihnen ihre gekauften Festtagsgewänder hinhielten. Sie waren genauso geworden wie die Prinzessinnen sich das vorgestellt hatten.
Cyrills Gewand war wegen dem eingestickten Cyan und Himmelblau am auffälligsten und ließ ihn schillern wie einen Eisvogel. Es sah aus, als wären immerwährende Schneeflocken auf seinen Schultern gelandet und als trüge er vorne eine Schicht mit rauhreifbedecktem Laub.
So wie die Schneiderin es vorher gesagt hatte, war es eine gute Entscheidung gewesen, Pyro nicht gänzlich in Orange zu kleiden. Die orangenen Streifen und Zacken auf seinem sonst schwarzen Festtagsgewandt stachen auch so schon genug hervor.
Die Schneider hatten ganze Arbeit geleistet und schliefen jetzt von den vielen Überstunden vermutlich eine halbe Woche durch. Diese Kleidung hatte vermutlich ein Vermögen gekostet, doch die beiden Ritter nahmen sie den Dienern einfach nur umstandslos aus den Händen, zogen sie an und waren zufrieden, dass es passte.
„He! Eigentlich ist das unsere Arbeit!“ beschwerte sich einer der Diener, ein schlaksiger junger Kerl ohne Bart.
„Was denn für eine Arbeit?“ wollte Cyrill wissen.
„Das Ankleiden“, erklärte der Diener.
„Na siehst du, haben wir dir Arbeit abgenommen“, strahlte Pyro.
Das hielt die vier Ankleider aber nicht davon ab, immer wieder an ihnen herumzuzupfen, damit die Festtagsumhänge auch genau so saßen wie sie sollten.
„So, fertig“, atmetete der Diener, der Thunder hergerichtet hatte, erschöpft aus.
„Hätte nicht gedacht, dass das so lange dauern würde“, stimmte sein Kollege zu.
Thunder und Venom standen auf, sahen sich an und lachten.
„Wie siehst du denn aus?“ blökte Venom und lachte seinen besten Freund aus. „Wie ein geleckter Schnösel.“
„Solltest dich mal sehen“, kam es von Thunder zurück.
Sie lachten sich aus und amüsierten sich königlich. Die königlichen Barbiere verdrehten genervt die Augen.
„So, jetzt ihr beiden, schnell, zack, zack, es ist nur noch eine halbe Stunde bis es los geht!“
„Dann ist doch noch ewig Zeit“, meinte Pyro.
Die Diener lachten freudlos und zynisch.
„Soll das ein Bart sein?“ fragte der linke Barbier Cyrill und sah dessen Dreitagebart gehässig an.
Der zuckte aber nur mit den Schultern.
„Naja, wozu schneiden? Unterm Helm sieht das doch eh keiner.“
„Aber du wusstest schon, dass heute der Ball ist?“ fragte der Bartschneider griesgrämig.
Der blaue Ritter druckste herum. Sein Kamerad musste sich kein Gemäcker zu seinem Bart anhören, denn seine Gesichtshaare trauten sich nur selten hervor. Sie wussten, dass sie Hitze zu spüren bekommen würden und so waren nur ein paar vereinzelte mutige Haare auf seiner Oberlippe zu sehen. Tatsächlich hatte er derzeit sogar Augenbrauen. Das war keine Selbstverständlichkeit. Oft waren sie versengt und er hatte nur eine halbe oder gar keine. Im Moment wirkten sie nur etwas ausgedünnt, aber sie waren immerhin da. Doch auch Pyro musste sich Kritik anhören.
„Was sind denn das für hartnäckige Haare? Die stehen ja in alle Richtungen und lassen sich nicht legen.“
„Ich könnte meinen Helm aufsetzen, nach ner halben Stunde liegen sie dann platt“, schlug der Feuerritter vor.
„Ne halbe Stunde?“ kam es alarmiert vom Friseur. „So viel Zeit haben wir aber nicht.“
Er patschte sich hektisch etwas von einer Flüssigkeit aus einem bauchigen Flässchen in die Hände und schmierte damit Pyros Haare ein.
„Das nennen wir Mörtelschmiere. Ist natürlich keine, aber nennen wir so, weil das Zeug so gut klebt, dass es selbst zum Bauen genutzt werden könnte.“
„Hm… sieht aber nicht so aus, als würden sich meine Haare davon beeindrucken lassen“, sagte Pyro, denn nach fünf Minuten, in denen die Haare durchaus so lagen wie gewollt, richteten sie sich wieder in ihre ursprüngliche Position aus. Der Friseur unterdrückte einen Schreikrampf und verpasste Pyro kurzerhand einen Kurzhaarschnitt, damit nichts mehr abstehen konnte.
„He, toll, das reicht bestimmt ein Jahr bis mir die Haare wieder in die Augen fallen“, sagte der Feuerritter begeistert.
Cyrill wurde derweil mit irgendwelchen Gerüchen eingesprüht. Das gefiel ihm gar nicht, aber sein Diener meinte, das müsse sein. Endlich waren sie fertig und konnten aufstehen.
„Zum Glück müssen wir das nicht jeden Tag machen“, kam es zuerst von den Rittern und als sie weg waren auch von den Dienern.

Gerade noch rechtzeitig kamen die vier Eliteritter unten im Thronsaal an. Hier würde der Ball stattfinden und ein Diener hatte Thunder bereits mit den Worten angekündigt: „Ritter Thunder eröffnet den Abend mit einem eigens geschrieben Lied mit dem Titel…“
Der Diener sah auf ein Stück Papier, stutzte und sagte dann etwas kleinlaut: „Schubsetanz.“
König Castle patschte sich aufs Gesicht. Er ahnte schon wieder schlimmes. Konnte Thunder nicht einfach irgendwas Normales spielen?
Der rote Ritter hatte sich bereits auf die kleine Bühne gestellt, seine Elektrogitarre hing ihm über den Schultern. Ohne Rüstung war er es nicht gewohnt zu spielen und das machte es noch schwerer als ohnehin schon. Er fühlte das Lampenfieber deutlich. Noch nie hatte er allein vor so vielen Leuten gesungen. Er selbst hielt sich nicht für einen guten Sänger.
„Du schaffst das“, sprach ihm Venom von hinten Mut zu.
Seine Freunde hatten sich mit ihren Instrumenten schon hinter ihm aufgestellt und nickten ihm aufmunternd zu. Thunder atmete tief durch, räusperte sich und sagte dann mit einer Stimme, die von Wort zu Wort kräftiger wurde: „Werte Ladys, werte Lords, Kennt ihr schon das Zauberwort? Ein bisschen schlagen und wieder vertragen. Schubsetanz ist Rittersport. Werter Pöbel, wertes Gesocks. Aus dem Arsche zieht euch den Stock. Das ist nicht sehr fein nur ein bisschen gemein, denn Schubsetanz ist Rittersport….“ *
König Castle lugte kurz hinter seinen Fingern hervor und sah dann wieder weg. Womit hatte er das denn nur verdient? Er wusste schon warum er seinen Rittern verboten hatte zu musizieren. Die Musik hörte sich diesmal zwar volkstümlicher und melodischer an und war kein solcher Krach wie beim letzten Mal, aber DIESER TEXT. Für ein Volksfest oder einen gemütlichen Umtrunk in der Taverne, dafür wäre es in Ordnung gewesen, aber doch nicht für einen königlichen Ball!
Die Gastritter, die ebenfalls in Festtagsgewändern unterwegs waren, fanden es aber prima. Sie jubelten ihnen zu, freuten sich und fingen an herumzutollen. Leider durften die grauen Ritter von König Castle nicht dabei sein, weil es sonst einfach viel zu viele Leute im Thronsaal gewesen wären.
Die feinen Herrschaften wirkten dagegen sehr konsterniert, so als wüssten sie nicht so richtig was sie hier vor sich hatten und wie sie sich jetzt verhalten sollten. Sie hatten ja schon einmal eine Kostprobe dieser Musik erhalten und deswegen hatten sie nicht gedacht, dass es noch einmal dazu kommen würde. Die meisten der Prinzen, Prinzessinnen, Könige und Königinnen, Grafen und Gräfinnen, Baronen und Landvogte hielten sich im Hintergrund und dachten gar nicht daran mitzumachen. Doch manche, wie Goldi, Rubinia, Saphira und Smaragda drängten sich auch nach vorn und tanzten schwungvoll mit. Sie mussten allerdings zur Seite ausweichen, als einige der Ritter, allen voran Gustav, Nyx, Bruno, Sunil, Andy, Viorel und Flavio anfingen wild im Kreis herumzuspringen und sich gegenseitig zu schubsen. Ihre Herren sahen ihnen genervt zu, doch angesichts der Musik konnten sie schlecht etwas dagegen sagen. Auch Sir Nesselsuppe sah nicht gerade begeistert aus. Das hatte er nicht erwartet, als er Thunder aufgetragen hatte ein ritterliches Lied voller Tanz und Liebe zu schreiben. Er blickte leicht nervös zu König Castle und König Wilhelm hinüber, die mit versteinerten Mienen auf das Spektakel starrten. Immerhin hatte der alte Ritter vorgeschlagen, dass Thunder noch eine Gelegenheit bekommen sollte seine Musik zum Besten zu geben, das würde also bestimmt auch auf ihn als seinen Lehrer zurückfallen.
Thunder freute sich, denn sollte der Abend vielleicht später doch noch sehr langweilig werden, immerhin hatten sie jetzt ihren Spaß gehabt. Auch er und seine Freude versuchten jetzt ein bisschen auf der Bühne mitzumachen, doch das störte beim musizieren, so dass einige missgestaltete Töne entfleuchten und sie beließen es bei etwas schwungvollen herumgeschubse.
Der hohe Adel wirkte erleichtert, als das Stück vorbei war und wieder Ruhe einkehrte. Die Diener vom Kommandotrupp „Passt-ja-auf-dass-die-Ritter-beim-Ball-keine-Katastrophe-anrichten“ fassten sich probehalber an den Hals, vielleicht weil sie testen wollten, wie es sich wohl anfühlen würde einen Strick zu tragen. Eilig führten sie die Gäste zum Banketttisch, wo bereits die Vorspeisen aufgetan wurden.
Während des gemeinsamen Essens in dem sowohl die Majestäten, als auch ihre besten Ritter teilnahmen, spürten Venom, Cyrill, Pyro und Thunder immer mal wieder Blicke auf sich. Sonst hatten sie ja immer in voller Montur hinter ihrem König oder den Prinzessinnen gestanden. Während der letzten Wochen hatten die vier für so viel Wirbel gesorgt, dass vor allem die Angehörigen des oberen Adels immer mal wieder neugierig zu ihnen herübersahen. Was sie wohl dachten?
Die Prinzessinnen saßen neben ihrem Vater, die ausgewählten Prinzen ihnen gegenüber. Erst jetzt fiel den Rittern auf, dass Goldis Haare anders waren. Seit einigen Jahren brachte Goldi mit ihren lilanen Haaren ihre innere Rebellin zum Ausdurck. Doch jetzt hatte sie sich wohl überreden lassen wieder ihre natürliche Haarfarbe anzunehmen. Blond, fast golden. Es sah sehr hübsch aus.
Tatsächlich unterhielten sich Prinzessin Goldi und Saphira angeregt mit Prinz Timotheus und Prinz Richard. Vielleicht hatte Candy Andy ja recht und die vier würden tatsächlich heiraten. Im Moment sah König Castle jedenfalls einigermaßen zufrieden aus. Wie lange dieser Zustand wohl anhalten würde?
Die meisten Anwesenden unterhielten sich angeregt mit ihren jeweiligen Tischnachbarn. Die vier Eliteritter von König Castle fühlten sich etwas verloren. Worüber sollten sie denn reden? Sie waren es nicht gewohnt in wichtiger Runde am Tisch zu sitzen. Thunder sah jetzt, wo für ihn der entscheidende Teil des Abends vorbei war, wirklich müde aus und er fühlte sich auch so. Ihm wäre am liebsten, der ganze Hokuspokus wäre so schnell wie möglich vorbei. Venom war gelangweilt und er sah auch so aus. Cyrill machte immerhin den Eindruck, dass er nicht gleich einschlafen würde, aber sonderlich aufmerksam wirkte auch er nicht. Sein Interesse galt vielmehr dem Essen als den Anwesenden. Pyro war vermutlich der einzige der vier, der sich interessiert umsah und versuchte aus all dem schlau zu werden. Wozu waren sie überhaupt hier? Und was hatten all die anderen Leute so dringend zu bereden? Er lauschte dem Gespräch rechts von ihm, bei dem sich ein junger Graf mit seiner Frau unterhielt. Es ging wohl um irgendein Addendum im Handelswesen, das neu eingeführt worden war. Es hörte sich sehr kompliziert und langweilig an und Pyro war froh, dass ihm sowas egal sein konnte. Dann fiel ihm wieder ein, dass Sir Nesselsuppe sie darauf hingewiesen hatte, dass Rechtsprechung auch zu den Aufgaben von Rittern gehörte. Glaubte er ernsthaft sie würden sich mit all den Vorschriften befassen? Bei dem Gedanken wollten sich für einen Moment Pyros Zehennägel aufrollen. Als er spürte, dass jemand hinter ihn trat, sah er misstrauisch hoch. Er mochte es nicht, wenn sich jemand von hinten an ihn heranschlich. Aber es waren nur die Diener, die jetzt mit den Hauptmahlzeiten antraten.
"Lachsfilet für Cyrill, Schnitzel für Venom, Steak für Thunder und für Pyro gibt es Forelle“, klärten die Diener vom Kommandotrupp sie auf.
"Ich wollte aber eigentlich eine Ente", gab der Feuerritter kund.
"NEIN! Keine Ente für dich", sagte der Diener scharf.
Pyro zog einen Flunsch, sagte aber nichts weiter. Mit Fisch war er offenbar auch zufrieden. Die Diener kannten ihre Pappenheimer ganz genau und wussten was sie am besten essen sollten und was auf gar keinen Fall, damit der Abend noch einigermaßen würdig über die Bühne ging. Mal abgesehen davon, dass Cyrill, das Fischmesser falsch hielt und Venom das Schnitzel mit der Salatgabel aufspießte, lief es zuerst auch erstaunlich gut, bis der Giftritter versuchte sich das halbe Schnitzel auf einmal in den Mund zu schieben. Der König wandte beschämt den Blick ab und Sir Nesselsuppe schlug eine Hand vors Gesicht, um das nicht sehen zu müssen. Es war nicht schwer sich vorzustellen, dass er sich gerade wünschte, sie hätten das Benehmen bei Tisch durchgenommen. Als er wieder aufblickte, sah er erstaunt wie Pyro ungewöhnlich penibel jede Gräte fein säuberlich aus seiner Forelle heraussuchte. Das dauerte zwar eine halbe Ewigkeit, sah für seine Verhältnisse aber erstaunlich ordentlich aus.
"So ordentlich zu essen hätte ich dir gar nicht zugetraut", kam es leise von Sir Nesselsuppe.
Pyro strahlte ihn an und sagte ungezwungen: "Ja, nicht wahr? Das ist weil meine Uroma mal beinahe an einer Gräte verreckt wäre. Seitdem achte ich immer sehr genau darauf, alle Gräten herauszusuchen."
Der Lehrer wünschte sich, er hätte nicht gefragt. Pyro fiel dagegen noch etwas ein und stieß Cyrill an, der gerade sein Weinglas erhoben hatte, wodurch jetzt einiges von der Flüssigkeit auf der guten Tischdecke verschüttet wurde.
"Siehst du, von wegen ich könnte nichts lernen. Wenn es wichtig ist, dann merke ich es mir ganz schnell."
Cyrill warf ihm über dem vergossenen Wein einen eisigen Blick zu und knurrte: "Das wirft ein schlechtes Licht darauf, was du alles als unwichtig betrachtest."
Der Feuerritter musste zugeben, dass ihm dieses Essen gefiel, obwohl er die Nahrungsaufnahme sonst eher als notwendiges Übel ansah. Seine Freunde fanden ihre Mahlzeit offenbar so gut, dass sie sich um gar nichts anderes kümmerten.
Anschließend wurde zum gesellschaftlichen Tanz aufgerufen. Diesmal allerdings gab es keine Musik von den vier Eliterittern, sondern von den dafür bezahlten Barden, die eher konventionelle Stücke spielten, zu denen sich gut tanzen ließ. Sir Nesselsuppe hatte diesen Teil gründlich mit ihnen trainiert und trotz allem hoffte ihr Lehrer sie würden zumindest das hinbekommen. Doch die vier Stoffel standen zunächst völlig planlos herum, während die anderen Ritter schon längst einige Damen zum Tanz aufgefordert hatten. Es kam sogar so weit, dass die Frauen sie zum Tanz aufforderten. Baronin Kleinrösschen, die ein weites rotes Kleid trug, schnappte sich eilig Thunder, bevor der so richtig mitbekam wie ihm geschah und er schlecht ablehnen konnte. Cyrill geriet an die Tochter einer Gräfin und Venom an die Tochter eines älteren Ritters aus dem Nachbarreich, deren mutige Schwester traute sich sogar mit Pyro zu tanzen. Tatsächlich blieb die ganz große Katastrophe aus. Die vier Ritter tanzten zwar nicht gerade gut, aber es wirkte nicht so lächerlich wie befürchtet und endlich konnte König Castle aufatmen. Immer mal wieder sahen seine Ritter zu ihm, um zu sehen wann denn endlich genug sei, doch er kannte wohl kein Erbarmen und sobald ein Lied endete und die Tanzpartner wechselten, kam schon die nächste Dame herbei, die den Platz der Vorgängerin einnahm. Es wirkte so, als sollten sie mit möglichst vielen Damen tanzen. Nur Kleinrösschen scheuchte eifersüchtig jede Frau von Thunder weg, die ihm zu nahe kam. Er war schon ganz blass im Gesicht.
„Na, sieht doch gar nicht mal so schlecht aus wie ihr tanzt“, grinste ihnen Andy zu, als er mit einer adretten Dame in Rosarot an ihnen vorbeischlenkerte.
Cyrill zwinkerte ihm zu und freute sich über das Kompliment. Venom drehte seine Tanzpartnerin etwas zu energisch mit einer Pirouette, so dass sie nach dem Ende des Liedes eilig das Weite suchte. Vielleicht hatte er genau das beabsichtigt, doch trotzdem fand sich wieder eine, die mit ihm tanzen wollte. Es war Smaragda. Sie sah in ihrem voluminösen smaragdgrünen Kleid bezaubernd aus. Ein großer funkelnder Smaragd hing ihr an einer goldenen Kette um den Hals. Schelmisch grinste sie ihn an und er war zuerst so überrascht, dass er nur dumm aus der Wäsche gucken konnte, doch dann, als er die Situation richtig erfasst hatte, grinste auch er.
„Schön, dass wir auch mal tanzen“, sagte er freimütig, ohne zu sehen, wie König Castle im Hintergrund aussah, als wäre ihm eine Laus über die Leber gelaufen.
Smaragda kicherte. Sie nahm Venom bei den Händen und führte den Tanz. Auch ihre Schwestern hatten sich jetzt ihre Ritter geschnappt und legten eine heiße Sohle hin. Selbst Kleinrösschen hatte Rubinia das Feld räumen müssen und sah jetzt von der Seite miesepetrig und eifersüchtig zu den beiden Tanzenden hinüber. Auch Rubinia sah geradezu atemberaubend in ihrem schilldernden rubinroten Kleid aus. Sie trug Rubine als Ohrringe und sie lächelte immerzu, während sie mit Thunder tanzte. Auch Goldi und Saphira in ähnlich schicken Kleidern tanzten ausgelassen mit Pyro und Cyrill. Die Prinzessinnen sahen gar nicht ein, warum sie ihre Ritter so schnell wieder verlassen sollten und so tanzten sie voller Freude auch die nächsten beiden Lieder mit ihnen. Es war nicht schwer zu sehen, dass sie diese Zeit genossen und viel Spaß hatten. So wie die Ritter hatten auch sie mit möglichst vielen Tanzpartnern, in ihrem Fall Prinzen, tanzen sollen. Doch länger als zwei Tänze hatten sie mit keinem durchgehalten. Die Prinzen, die sich jetzt vorkamen wie auf der Reservebank, blickten verstimmt zu ihnen hinüber. Sicher, es gab noch viele andere Prinzessinnen im Thronsaal mit denen sie tanzen konnten, doch waren sie ja hauptsächlich für die Töchter von König Castle gekommen. Der alte König sah nicht gerade glücklich aus und kippte sich einen Korn nach dem anderen hinter, damit der Abend einigermaßen erträglich wurde. Prinzessin Rubinia sah ihrem Vater an, dass er nicht glücklich mit der Situation war und als das Lied endete, flüsterte sie Thunder zu: „Hast du Lust nach draußen zu gehen? Mir würde ewas frische Luft gut tun.“
Der rote Ritter sah beklommen zu Baronin Kleinröschen hinüber, die aussah, als würde sie nur darauf warten ihn wieder in ihre Fänge zu bekommen.
„Nichts lieber als das.“
Sie drängten sich durch die Menge und eilten durch den Thronsaal und hielten nicht an, bis sie draußen im Hof waren. Sie waren ganz allein, alle waren drinen und amüsierten sich, abgesehen von den Dienern, die natürlich arbeiten mussten.
Die Nacht war klar und mild. Ein leichter, frischer Lufthauch wehte.
„Die Sterne sind sooo schön“, säuselte Rubinia und sah zu den funkelnden Lichtern hinauf.
„Finde ich auch, ich kenn mich mit Sternbildern zwar nicht aus, aber schön ist es trotzdem.“
Unversehens rutschte Thunder ein lauter Pups heraus.
„Ups“, sagte der Elektroritter und lief tiefrot an.
Vor der Prinzessin war ihm das schon peinlich. Doch dann ließ auch Rubinia einen fahren.
„Oh, den hatte ich schon so ewig auf der Pfanne gehabt. Den musste ich die ganze Zeit im Ballsaal unterdrücken. Du glaubst gar nicht wie anstrengend es ist, sowas stundenlang unterdrücken zu müssen, weil sich das als Prinzessin natürlich nicht gehört einfach so zu pupsen.“
„Hihi, kann ich mir schon vorstellen“, lachte der rote Ritter und ließ seinerseits wieder einen Pups entfleuchen.
Rubinia stimmte ins Lachen mit ein und einige kleiner Pupser kamen hinterher.
„Ach tut das gut, sich mal nicht um irgendwelche Ettikette zu scheren und einfach mal losknattern zu können. Das ist so befreiend.“
Sie lachten zusammen und pupsten um die Wette. Weit oben am Sternenhimmel sauste ein chromschimmerndes Ufo vorbei.



* original by Feuerschwanz: Schubsetanz
https://www.youtube.com/watch?v=J8gXhZr_J8I
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